Remigration made in EU! – Wie Lettland knapp tausend Russen vertreiben will und sich niemand darüber aufregt

Von Leo Ensel – 30. Januar 2024

Mit rigiden Maßnahmen versuchen die lettischen Behörden der russischstämmigen Minderheit im Lande das Leben zu vergällen. Wer einen Sprachtest nicht besteht, dem droht die Ausweisung. Und sowohl Brüssel wie die „anständigen Aufständigen“ der westlichen Zivilgesellschaft schweigen.

Wie nennt man es, wenn an die tausend Menschen einer ethnischen Minderheit, die aber rund ein Viertel der Gesamtbevölkerung stellt, gezwungen werden, innerhalb kürzester Zeit das Land, in dem sie seit Jahrzehnten friedlich leben, zu verlassen, nur weil sie den erforderlichen Sprachtest nicht bestanden oder – aus welchen Gründe auch immer – gar nicht absolviert haben? Ja, genau!

Remigration ist nicht etwa nur ein finsteres Konzept, das deutsche und österreichische Rechtsradikale clandestin diskutieren – und gegen das Hunderttausende sich selbst als anständig definierender Deutscher seit Wochen auf die Straße gehen –, sie ist in der EU bereits krude Realität! (Und zwar ohne dass sich jemand groß darüber aufregt, geschweige denn dagegen demonstriert.)

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Ein Interview mit der Gesundheitsexpertin Dr. Yara Asi über den Völkermord in Gaza

„Wir erleben einen umfassenden Angriff auf jeden Bereich des Lebens“

Interview: Benjamin Mateus – 30. Januar 2024

Nach Angaben des Gesundheitsministerium in Gaza wurden seit Beginn der Kampfhandlungen am 7. Oktober 2023 bis Anfang Januar 2024 in Gaza mindestens 23.500 Palästinenser getötet und fast 60.000 verletzt. Etwa 70 Prozent davon waren Frauen und Kinder.

Viele der Vermissten sind vermutlich tot, begraben unter den Trümmern des Gazastreifens. Dieses Gebiet, das flächenmäßig kleiner ist als die Stadt Detroit, gleicht allmählich eher einem Friedhof unter freiem Himmel als einem Gefängnis unter freiem Himmel, wie es die UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese im letzten Sommer beschrieben hat.

Mehr als 1,9 Millionen Menschen, d. h. 85 Prozent der Bevölkerung des Gazastreifens, sind Binnenflüchtlinge. Etwa eine Million sind in der südlichen Grenzsiedlung Rafah zusammengepfercht, wo es keinen Ort gibt, an den sie vor den täglichen Angriffen der Bombenjets und Scharfschützen fliehen können. Das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten schätzt, dass 65.000 Häuser vollständig zerstört und weitere 290.000 beschädigt worden sind. Mehr als die Hälfte der Bewohner des Gazastreifens wurden obdachlos.

Die Associated Press stellte anhand von Satellitendaten fest, dass im nördlichen Gazastreifen mehr als zwei Drittel aller Gebäude und im südlichen Gebiet um Chan Younis 25 Prozent der Gebäude zerstört worden sind. Die Financial Times stellte fest, dass die Zerstörungen im nördlichen Gazastreifen schlimmer waren als die der Brandbomben auf Dresden im Zweiten Weltkrieg. Fast das gesamte Gesundheitssystem wurde zerstört, und es gibt nur noch 1.400 Krankenhausbetten, die sich im Wesentlichen im Süden des Gazastreifens befinden. Über hundert Schulen wurden zerstört, das sind 70 Prozent aller Schulen. Nach Angaben des Guardian werden die Schulen, die noch stehen, als Unterkünfte für Binnenflüchtlinge genutzt. Die Wasserproduktion liegt bei sieben Prozent des Vorkriegsniveaus, und es herrscht Massenhunger.

Letzte Woche hat der Anwalt am Obersten Gerichtshof Südafrikas, Adila Hassim, vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag ausgesagt, dass Israel sich des Völkermordes schuldig gemacht und damit gegen die Konvention von 1948 verstoßen hat. In seinen Ausführungen sagte er: „In den vergangenen 96 Tagen hat Israel den Gazastreifen einer der schwersten konventionellen Bombenkampagnen in der Geschichte der modernen Kriegsführung unterzogen.“

Vor diesem Hintergrund bat die World Socialist Web Site Dr. Yara Asi um ein Interview. Sie ist Assistenzprofessorin für globales Gesundheitsmanagement und Informatik an der University of Central Florida, Gastwissenschaftlerin am FXB Center for Health and Human Rights der Harvard University und Fullbright-Stipendiatin der USA im Westjordanland. Ihre Beiträge wurden in der New York Times, dem Guardian (wo sie die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Palästina erörterte) und der Washington Post veröffentlicht. Ihr demnächst erscheinendes Buch, „How War Kills: The Overlooked Threats to Our Health“ (Wie Kriege töten. Die kaum beachteten Gefahren für unsere Gesundheit) soll noch in diesem Monat bei Johns Hopkins University Press erscheinen.

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Das Irak-Problem der USA

Von Thomas Röper – 29. Januar 2024

Der Irak fordert den Abzug der US-Truppen aus seinem Land. Das würde die illegale Besetzung von Teilen Syriens durch US-Truppen gefährden und den Stand der USA im Nahen Osten generell schwächen.

Für die USA war und ist die Kontrolle über den Nahen Osten eine Priorität ihrer Außenpolitik. Auch wenn die USA nicht mehr auf arabisches Öl angewiesen sind, weil sie dank Fracking inzwischen selbst zum Exporteur von Öl und Gas geworden sind, ändert das jedoch nichts daran, dass der Nahe Osten eine geopolitisch wichtige Region ist, die die USA dominieren wollen, denn so können sie Einfluss darauf nehmen, wohin diese Länder ihr Öl liefern und in welcher Währung sie es verkaufen, wobei die USA zur Erhaltung ihrer Dominanz natürlich wollen, dass dazu der US-Dollar benutzt wird.

Allerdings haben wir in den letzten zwei Jahren gesehen, dass vor allem Saudi-Arabien sich von den USA nicht mehr dominieren lassen möchte. Trotz betteln und drohen aus Washington haben die Saudis ihre Ölförderung nicht erhöht, der Empfang von Joe Biden in Saudi-Arabien war recht kühl und vor allem haben die Saudis trotz allen Protestes aus Washington eine Annäherung an den Iran begonnen. Und auch die US-Bombardierungen des Jemen finden ohne saudische Unterstützung statt.

Kurz gesagt bedeutet das, dass der Einfluss der USA in der Region schon länger abnimmt.

Nun hat der brutale Krieg, den Israel in Gaza führt, die Position der USA in der Region weiter geschwächt, weil den muslimischen Regierungen der Region von der Türkei über arabische Länder bis zum Iran die bedingungslose Unterstützung der USA für den faktischen Völkermord, den Israel an den Palästinensern begeht, ganz und gar nicht gefällt. Als die USA angefangen haben, den Jemen zu bombardieren, weil der mit Israel in Verbindung stehende Handelsschiffe angreift, hat das fast kein einziger Staat der Region unterstützt.

Aber es gibt noch ein weiteres Problem für die USA in der Region, denn die palästinensischen Kräfte haben beste Verbindungen zum Iran, der auch mit den jemenitischen Huthis verbündet ist. Nach dem Beginn des Krieges in Gaza hat die Zahl von Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Basen im Irak und in Syrien stark zugenommen. Ob die dem Iran nahestehenden Kräfte bei diesen Angriffen vom Iran direkt unterstützt werden, oder ob sie auf eigene Faust handeln, ist nebensächlich. Fakt ist, dass die USA in der Region weiter unter Druck geraten.

Der Irak fordert den Abzug der US-Truppen

Die US-Truppen, die unter dem Vorwand, den IS zu bekämpfen, weiterhin im Irak stationiert sind, waren der irakischen Regierung schon lange ein Dorn im Auge. Vor dem Hintergrund der Eskalation in Gaza haben die Forderungen aus dem Irak, die US-Truppen sollten das Land verlassen, weiter zugenommen.

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Wie in Russland über die erste Hinrichtung mit Stickstoff berichtet wurde

Von Thomas Röper – 29. Januar 2024r

Vor einigen Tagen wurde in den USA zum ersten Mal ein Mensch mit Stickstoff hingerichtet. Während deutsche Medien darüber sehr sachlich und trocken berichtet haben, waren russische Medien sichtlich schockiert.

Die Todesstrafe gilt als barbarisch und westliche Medien regen sich jedes Mal auf, wenn beispielsweise im Iran ein Mensch hingerichtet wird. Dann vermitteln die deutschen Medien den Eindruck, der Iran habe ein brutales und archaisches Regime, das so unmenschliche Dinge tut, wie Menschen hinzurichten.

Dieser moralische Zeigefinger fehlt jedoch in den deutschen Medien, wenn in den USA ein Mensch hingerichtet wird. Im selbsternannten Hort von Demokratie und Menschenrechten herrscht ein Rechtssystem aus dem Wilden Westen, bei dem Staatsanwälte bemüht sind, viele und hohe Gefängnisstrafen zu verhängen, weil Gefängnisse in den USA von Konzernen betrieben werden, für die das ein Geschäftsmodell ist. Aus diesem Grund sind in den USA prozentual mehr Menschen im Gefängnis als in jedem anderen Land der Welt.

Und auch Hinrichtungen gehören zu dem aus dem Wilden Westen stammenden Rechtssystem der USA. In Russland empfindet man das als barbarisch, wie der Bericht zeigt, den das russische Fernsehen in seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblick gezeigt hat und den ich übersetzt habe.

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Erste Hinrichtung mit Stickstoff in den USA

„Heute Abend wirft Alabama die Menschheit einen Schritt zurück“

Von Kate Randall – 29. Januar 2024

Der US-Bundesstaat Alabama hat am Donnerstagabend Kenneth Eugene Smith in der Holman Correctional Facility in Atmore (Alabama) getötet. Mit der Hinrichtung hat sich Alabama eine makabre Auszeichnung erworben: der erste US-Bundesstaat und wahrscheinlich die erste Regierungsbehörde der Welt, die Stickstoff einsetzt, um vorsätzlich einen Menschen durch Ersticken zu töten.

Allen Berichten zufolge war Smiths Hinrichtung grauenhaft und hat bei Zeugen und Gefängnisbeamten gleichermaßen Abscheu hervorgerufen. Zuvor hatte der Oberste Gerichtshof Smiths letzte Berufung gegen die Hinrichtung abgelehnt.

Laut dem Montgomery Advertiser öffneten sich die Vorhänge zum Fenster der Hinrichtungskammer um 19:53 Uhr Ortszeit. Die Zeugen sahen, dass Smith eine Gesichtsmaske mit einem Plastikschlauch trug, der mit dem Stickstoff-Gasbehälter außerhalb des Raumes verbunden war. Smith war „kreuzförmig“ auf der Bahre festgeschnallt, seine Arme und sein Körper mit Gurten fixiert.

Er signalisierte den Zeugen, darunter seiner Frau, in Zeichensprache „Ich liebe dich“. Er erklärte: „Heute Abend wirft Alabama die Menschheit einen Schritt zurück.“ Seine nächsten Worte waren wegen der Maske nicht zu hören. Allerdings fügte er hinzu: „Ich gehe mit Liebe, Frieden und Licht.“

Um 19:57 Uhr schien der Stickstoff zu fließen. Die nächsten vier Minuten wand sich Smith auf der Bahre und krampfte. Der Advertiser schrieb: „Er atmete tief, sein Körper zitterte heftig, die Augen rollten in den Hinterkopf. … Smith ballte die Fäuste, seine Beine zitterten unter dem eng zusammengezogenen weißen Laken, das ihn vom Hals abwärts bedeckte. Er schien um Luft zu ringen. Die Bahre erzitterte in dieser Zeit mehrfach.“

Andere Pressevertreter, die anwesend waren, erklärten, Smith habe heftig an den Fesseln gerüttelt. Um 20:02 Uhr schien er das Bewusstsein zu verlieren. Nach etwa 20 Sekunden schnappte er mehrfach tief nach Luft. Um 20:07 Uhr machte er scheinbar seinen letzten Atemzug; um 20:15 Uhr wurden die Vorhänge zum Zeugenraum geschlossen. Um 20:25 Uhr wurde er für tot erklärt.

Reverend Jeff Hood, Smiths Seelsorger, der ihn in die Hinrichtungskammer begleitet hatte, erklärte später gegenüber CNN: „Als sie die Stickstoffzufuhr einschalteten, begann er zu krampfen. Er bäumte sich auf der Liege immer wieder und immer wieder auf. Er hat sie heftig bewegt.“

Hood erklärte weiter, man hätte aus dem Zeugenraum Keuchen hören können. Er erklärte: „In Alabama wurde heute Abend etwas unvorstellbar Böses entfesselt.“ Er machte die Gouverneurin von Alabama, Kay Ivey (Republikaner), und den Justizminister des Bundesstaats, Steve Marshall, sowie die Justizvollzugsbeamten „für das Horrorspektakel, das sich heute hier abgespielt hat“, verantwortlich. „Etwa Derartiges habe ich noch nie gesehen. Das war Folter“, fügte er hinzu.

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Viele Länder des US-geführten Westens stoppen Finanzierung der UNO-Hilfe für Gaza

Von Thomas Röper – 28. Januar 2024

Deutschland und andere westliche Länder stellen die Finanzierung des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) ein, obwohl es fast die einzige Organisation ist, die den Menschen in Gaza derzeit Hilfe leisten kann.

Israel hat am 27. Januar gefordert, dass das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) seine Aktivitäten komplett einstellt, weil angeblich Mitarbeiter der Organisation „mit der Hamas in Verbindung stehen und Anhänger mörderischer Ideologien sind, zu terroristischen Aktivitäten beitragen und die Macht der radikalen Bewegung in der Enklave unterstützen“. Über die Vorwürfe Israels schrieb der Spiegel unter der Überschrift „Skandal um UNRWA – Deutschland stellt Zahlungen an Palästinenserhilfswerk der Uno ein“:

„Israel hatte dem Hilfswerk Informationen übermittelt, wonach zwölf der mehreren Tausend Mitarbeiter der Organisation im Gazastreifen in das Blutbad verwickelt gewesen sein sollen. Sie wurden umgehend entlassen. Lazzarini und UN-Generalsekretär António Guterres zeigten sich entsetzt und drohten den Betroffenen mit strafrechtlichen Konsequenzen.“

Ob die israelischen Vorwürfe tatsächlich der Wahrheit entsprechen, ist mir nicht bekannt, aber nachdem bekannt wurde, dass Israel in Bezug auf den Angriff der Hamas schon einige enttarnte Lügen verbreitet hat, bin ich mit israelischen Behauptungen vorsichtig. Viele der über tausend der Hamas angelasteten Todesopfer sind offensichtlich von der israelischen Armee getötet worden und auch für die von Israel verbreitete Version, bei dem Angriff habe es massenhaft Vergewaltigungen gegeben, gibt es bisher keinerlei Belege.

Israel, dass den Gazastreifen offensichtlich entvölkern möchte, ist das UNRWA ein Dorn im Auge, weil es die Verbrechen der israelischen Armee dokumentieren kann. Außerdem sorgt es für schlechte Presse, wenn die UNO meldet, dass so viele UNO-Mitarbeiter wie in keinem anderen Konflikt in so kurzer Zeit Opfer des wahllosen Beschusses der israelischen Armee geworden sind. Israel hätte also durchaus Gründe, Schauergeschichten über das UNRWA zu verbreiten.

Aber selbst wenn die israelischen Vorwürfe der Wahrheit entsprechen und zwölf von über tausend Mitarbeitern des UNRWA in irgendeiner Form am Angriff der Hamas beteiligt gewesen sind, dann wäre das nur ein Prozent der UNRWA-Mitarbeiter. Das ist, zumal in einer Situation in der Israel de facto einen Völkermord in Gaza begeht und das UNRWA praktisch die einzige Organisation ist, die vor Ort zumindest ein bisschen Hilfe leisten kann, sicher kein Grund, die Finanzierung des UNRWA einzustellen. Wenn auch deren Hilfe versiegt, sind die Zivilisten in Gaza dem sicheren Tod ausgeliefert, denn schon jetzt leiden dort über eine halbe Million Menschen, also etwa ein Viertel der Bevölkerung, an akutem Hunger.

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Internationaler Gerichtshof urteilt gegen Israel, lehnt aber Anordnung zur Beendigung des Völkermords ab

Von Tom Carter – 28. Januar 2024

Am Freitag veröffentlichte der Internationale Gerichtshof (IGH) eine 86 Paragraphen umfassende Entscheidung über den Antrag der Regierung Südafrikas, die „vorläufige Maßnahmen“ gegen Israel angestrengt hatte. Südafrika hatte Israel vorgeworfen, in Gaza einen Völkermord unter Verstoß gegen die Völkermordkonvention von 1948 zu verüben.

Zwar ist die Entscheidung in zurückhaltendem Ton verfasst, aber dennoch vernichtend. Die Richter schreiben: „Zumindest einige der von Südafrika behaupteten Handlungen und Unterlassungen, die Israel in Gaza begangen haben soll, scheinen unter die Bestimmungen der Konvention zu fallen“.

Gleichzeitig lehnte es der IGH ab, einen Stopp der seit Monaten andauernden Angriffe Israels auf die Zivilbevölkerung in Gaza zu fordern, und ordnete lediglich als „vorläufige Maßnahmen“ an, dass Israel seinen bestehenden völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommen und innerhalb eines Monats einen Bericht vorlegen soll. Dieses eklatante Versäumnis, ein Ende des Gemetzels zu fordern – eine Forderung, die sich logisch aus den Feststellungen des Gerichts ergibt –, wird als das angesehen werden, was es ist: eine Kapitulation vor dem politischen Druck der imperialistischen Mächte.

Mit der Entscheidung bleibt der IGH weit hinter der von der UN-Generalversammlung im Dezember verabschiedeten Resolution zurück, in der sich 153 der 193 Mitgliedstaaten für einen „Waffenstillstand“ aussprachen. 10 stimmten dagegen (darunter die USA und Israel) und 23 enthielten sich (darunter das Vereinigte Königreich und Deutschland).

Stattdessen ordnete der IGH lediglich an, dass Israel innerhalb von 30 Tagen einen „Bericht“ über die Umsetzung der Anordnung vorlegt.

In diesem frühen Stadium des Verfahrens, das am 29. Dezember eingeleitet wurde, müssen die Richter lediglich feststellen, ob die Vorwürfe „plausibel“ sind, bevor sie einstweilige Anordnungen erlassen. Der Fall selbst wird sich wahrscheinlich über Jahre hinziehen, bevor er zu einem eindeutigen Ergebnis kommt.

Das Urteil des IGH wird zu Recht als vernichtende Anklage nicht nur gegen die israelische Regierung, sondern auch gegen den US-Nato-Imperialismus gewertet werden, der Israel in dem anhaltenden Völkermord in Gaza mit Waffen beliefert, finanziert und verteidigt hat.

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Geschichtsrevision. Der Westen und der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

Von Thomas Röper – 28. Januar 2024

Es hat fast schon Tradition, dass der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz im Westen für Propaganda und vor allem für die Umschreibung der Geschichte missbraucht wird. 2024 war da leider keine Ausnahme.

Im Westen wird versucht, die Geschichte Stück für Stück umzuschreiben. Die Älteren unter uns erinnern sich noch, dass die Rolle der Sowjetunion – also die Ostfront – das beherrschende Thema war, wenn vor 30 oder mehr Jahren, als die Zeitzeugen noch gelebt haben, über den Zweiten Weltkrieg berichtet wurde. Heute wird der Fokus mehr und mehr auf die Rolle der USA gerichtet, die Deutschland angeblich befreit haben, obwohl US-Truppen erst im September 1943 in Italien und im Juni 1944 in der Normandie in den Krieg in Europa eingegriffen haben. Während die Sowjetunion etwa zehn Millionen gefallene Soldaten zu beklagen hatte, haben die USA in Europa „nur“ etwa 292.000 Soldaten verloren. Trotzdem haben angeblich die USA die Nazis besiegt und Deutschland und Europa befreit, wie wir heute in westlichen Geschichtsbüchern Dokumentarfilmen lernen. …

2020 gingen die Versuche, auszutesten, wie weit die Geschichte im öffentlichen Bewusstsein bereits umgeschrieben wurde, so weit, dass der Spiegel zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz ein Bild veröffentlichte, auf dem geschrieben stand:

„Auschwitz war das größte Vernichtungslager der Nazis. Sie ermordeten dort mindestens 1,1 Millionen Menschen. Vor 75 Jahren wurde es von der amerikanischen Armee befreit.“

Auch wenn der Spiegel sich später entschuldigt und von einem „extrem peinlichen Fehler“ gesprochen hat, war das kein „Fehler“. Am gleichen Tag hat die US-Botschaft in Dänemark ebenfalls getweetet:

„Heute ist Internationaler Holocaust-Gedenktag. Vor 75 Jahren befreiten amerikanische Soldaten das Lager Auschwitz-Birkenau.“

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Der UAW-Apparat unterstützt den Kriegsverbrecher im Weißen Haus

Von Jerry White – 27. Januar 2024

Am Mittwoch unterstützte die Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) auf ihrer nationalen politischen Aktionskonferenz in Washington, D.C. die Wiederwahlkampagne von US-Präsident Joe Biden. Mit ihrer Unterstützung macht die UAW-Bürokratie gemeinsame Sache mit dem weithin verhassten Kriegsverbrecher im Weißen Haus, der Israels Völkermord in Gaza koordiniert.

Die Unterstützung rief Widerstand hervor, und Demonstranten unterbrachen Bidens Rede mit Rufen wie „Waffenstillstand jetzt.“ Die UAW-Mitglieder, zu denen auch wissenschaftliche Mitarbeiter der Columbia- und der Northeastern University gehörten, wurden schnell von faschistischen UAW-Schlägern und Agenten des Secret Service umzingelt, die ihre palästinensische Flagge ergriffen und sie an den Armen aus dem Saal zerrten. Währenddessen riefen die UAW-Bürokraten wiederholt „U-A-W“, um die Stimmen der Demonstranten zu übertönen.

Aufgrund des weit verbreiteten Widerstands der Arbeiter gegen das von den USA unterstützte Gemetzel in Gaza hatte sich die UAW letzten Monat gezwungen gesehen, eine zahnlose Resolution anzunehmen, in der Biden aufgefordert wurde, einen Waffenstillstand zu fordern. Dies war jedoch ein heuchlerischer Trick, der vom UAW-Kommunikationsdirektor Jonah Furman, dem Direktor des Distrikts 9A, Brandon Mancilla, und anderen Mitgliedern der Demokratischen Sozialisten Amerikas (DSA) eingefädelt wurde, um dem UAW-Präsidenten Shawn Fain den Anschein zu verleihen, er sei gegen den Krieg.

In seiner Vorstellung von Biden sagte Fain vorhersehbar nichts über Gaza oder den sich ausweitenden Krieg des Präsidenten gegen Russland und die militärischen Vorbereitungen gegen China, die die Menschheit mit der nuklearen Vernichtung bedrohen. Stattdessen tat er so, als könnten die Arbeiter ihre Löhne erhöhen, ihre Renten absichern und die soziale Ungleichheit bekämpfen, ohne einen Kampf gegen den Krieg zu führen.

Er behauptete, dass Biden, ein lebenslanges Werkzeug der Wall Street und „Senator von Dupont“ [einem großen Chemie-Konzern, zeitweise größtes Unternehmen in Bidens Heimatstaat Delaware, d.Übers], sich gegen „die Milliardärsklasse“ stellen und für „wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit“ kämpfen würde.

In Wirklichkeit führt die amerikanische herrschende Klasse einen Krieg an zwei Fronten, der sowohl von der demokratischen als auch von der republikanischen Partei unterstützt wird. Die eine besteht darin, ihre geopolitischen Rivalen, vor allem Russland und China, zu besiegen und die Ressourcen und Menschen der Welt der globalen Hegemonie des US-Imperialismus zu unterwerfen. Die andere ist ein Klassenkrieg im eigenen Land, um die Arbeiterklasse zu verarmen und die Art von Sparmaßnahmen und autoritärer Arbeitsdisziplin durchzusetzen, die zur Finanzierung und Produktion der Waffen für den Dritten Weltkrieg erforderlich sind.

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Holocaust-Überlebender Rene Lichtman: „Israel begeht Kriegsverbrechen in Gaza. Wir müssen uns wehren“

Interview: Jerry White, Zac Corrigan und Usman Khan – 27. Januar 2024

Rene Lichtman, geboren 1937, ist ein „verstecktes Kind“, das den Holocaust überlebt hat und sich gegen den anhaltenden israelischen Völkermord in Gaza wehrt. Als Sohn zweier polnischer Juden, die in den 1930er Jahren nach Frankreich flohen, wurde Rene im Alter von zwei Jahren bei einer katholischen Familie außerhalb von Paris versteckt, nachdem sein Vater 1940 während der Nazi-Invasion getötet und seine Mutter gezwungen worden war, sich zu verstecken.

Nach dem Krieg zog Rene mit seiner Mutter nach Brooklyn, New York. In den 1960er Jahren radikalisierte er sich politisch und wurde zu einem aktiven Gegner des Vietnamkriegs. Rene war ein Gründungsmitglied der World Federation of Jewish Child Survivors of the Holocaust. Am 22. Dezember 2023 nahm Rene an einer Demonstration vor dem Zekelman Holocaust Center in Farmington Hills, Michigan, gegen die von den USA unterstützten israelischen Massaker in Gaza teil.

Anfang dieses Monats sprach er mit der World Socialist Web Site. Das Video enthält deutsche Untertitel.

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