Der dritte Golfkrieg könnte sich stark ausweiten, sollte Trump die kurdische Karte ausspielen

Von Andrew Korbykov – 5. März 2026

Wenn die Türkei eine militärische Intervention im Iran startet, ähnlich ihren früheren Interventionen im Irak und in Syrien, um das zu stoppen, was sie für kurdische Terroristen hält, dann könnte ihr aserbaidschanischer Verbündeter einen Vorstoß in das Gebiet unternehmen, das er als „Süd-Aserbaidschan“ betrachtet, und dann könnten sich auch die Golfstaaten und Pakistan ermutigt fühlen, sich in die Kämpfe einzumischen.

CNN berichtete, dass die CIA daran arbeitet, kurdische Kräfte zu bewaffnen, um einen Aufstand im Iran zu entfachen, berichten Quellen, was durch das benachbarte irakische Kurdistan erleichtert werden soll. Einer ihrer Quellen zufolge „besteht die Idee darin, dass kurdische Streitkräfte die iranischen Sicherheitskräfte angreifen und sie festnageln, um es unbewaffneten Iranern in den großen Städten zu erleichtern, auf die Straße zu gehen, ohne erneut massakriert zu werden, wie es während der Unruhen im Januar der Fall war“. Der dritte Golfkrieg wird sich jedoch erheblich ausweiten, wenn Trump die kurdische Karte ausspielt.

Das liegt daran, dass die Türkei eine Geschichte darin hat, in den Irak und Syrien zu intervenieren, um dort gegen bewaffnete kurdische Gruppen dort zu kämpfen, die ihrer Meinung nach mit der als terroristisch eingestuften PKK in Verbindung stehen, die nach jahrzehntelangem unkonventionellem Krieg gegen den türkischen Staat im vergangenen Jahr endlich ihre Waffen niedergelegt hat. Es ist daher möglich, dass jeder bedeutende Erfolg, den die iranischen Kurden nicht zuletzt dank der Luftunterstützung durch die USA und Israel erzielen könnten, eine weitere groß angelegte türkische Intervention nach dem Vorbild der oben genannten Kampagnen auslösen könnte.

Die syrischen Kurden verloren nach dem Sturz Assads die Unterstützung der USA und unterwarfen sich schließlich Anfang dieses Jahres der Autorität des [ehemaligen al-Quaida-Führers] und neuen syrischen Machthabers Ahmed Sharaa, nachdem eine von der Türkei unterstützte syrische Offensive den autonomen Kleinstaat, den sie sich seit 2011 aufgebaut hatten, rasch zerschlagen hatte. Dieser Präzedenzfall sollte bei den iranischen Kurden und ihren irakischen Brüdern keinen Optimismus wecken, angesichts des von Trump geplanten kurdisch geführten Aufstands im Iran, der de facto auch als Invasion dienen würde, sollten sich die irakischen Kurden direkt daran beteiligen.

Dennoch könnten sie ihr Glück versuchen, in der Hoffnung, dass sich die Geschichte nicht wiederholt und die USA sie nicht erneut im Stich lassen, aber Trump könnte zynischerweise genau das vorhaben, um eine türkische Intervention zu provozieren, die dann eine Kettenreaktion weiterer Interventionen auslösen könnte. So ist beispielsweise Aserbaidschan ein Verbündeter der Türkei  und betrachtet den Norden Irans, wo mehr Aserbaidschaner leben als in Aserbaidschan selbst, als „Süd-Aaserbaidschan“, sodass es parallel zur antikurdischen Kampagne der Türkei dort aktiv werden könnte.

Schließlich könnten, sobald sich ein anderes Land an einem regionalen Krieg gegen einen vermeintlich geschwächten Nachbarn beteiligt, weitere Länder folgen, um ihre militärische Macht zur Abschreckung zu demonstrieren und/oder sich an der Beute zu beteiligen, wenn es darum geht, das zu plündern, was dann als unmittelbar bevorstehende geopolitische Leiche angesehen würde. Der selbsternannte Führer der Golfstaaten, Saudi-Arabien, könnte dann einige seiner kleineren Nachbarn in den Kampf gegen ihren gemeinsamen Rivalen Iran führen, mit oder ohne die Vereinigten Arabischen Emirate, die aufgrund ihrer eigenen Rivalität möglicherweise einseitig angreifen würden.

Saudi-Arabien und Pakistan haben jedoch gegenseitige Verteidigungsverpflichtungen, sodass letzteres sich ebenfalls anschließen könnte, um entweder eigene Angriffe gegen den Iran durchzuführen und/oder eine begrenzte Bodenoperation auf ähnlichen antiterroristischen Gründen wie die Türkei gegenüber den als terroristisch eingestuften belutschischen Separatisten zu starten. Diese Kettenreaktion von Interventionen könnte damit beginnen, dass Trump die kurdische Karte spielt und so die Türkei dazu provoziert, sich als erste dem Krieg gegen den Iran anzuschließen, auch wenn weder sie noch die anderen sich mit Israel abstimmen, sondern nur mit den USA.

Die „Balkanisierung“ des Iran wäre in diesem Fall eine vollendete Tatsache, wobei nur noch die Frage nach ihrer Form offen bliebe. Einige Randregionen mit Minderheitenmehrheit könnten eine bosnienähnliche Autonomie erhalten, um als de facto unabhängige Kleinstaaten zu funktionieren, während andere sich formell als abtrünnige Staaten abspalten könnten. Andere Szenarien umfassen die Annexion durch ihre Nachbarn oder die Besetzung durch diese unter dem Vorwand der Friedenssicherung oder Terrorismusbekämpfung, möglicherweise auch mit „Flugverbotszonen“. Die kurdische Karte könnte sich daher als tödlich für die iranische Staatlichkeit erweisen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

DER REICHSTAGSBRAND von 1933

Wen will die Alleintäterthese schützen? Wem nützt sie bis heute: Cui bono?

Von Heidewig Feuerherdt ‒ 5. März 2026

Bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933 verpasste die NSDAP deutlich die absolute Mehrheit. Zusammen mit ihrem deutschnationalen Koalitionspartner konnte sie dennoch die Regierung stellen. Hitler, der am 30. Januar auf Drängen einer rechtsnationalen Kamarilla von Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt worden war, wurde erneut Regierungschef. Obwohl die Erfolgsaussichten der NSDAP, die bei vorangegangen Wahlen deutliche Einbußen hatte hinnehmen müssen, denkbar schlecht waren, bestand eine der ersten Amtshandlungen Hitlers als Reichskanzler, die Reichstagswahlen auf den 5. März vorzuziehen. Da brannte am Abend des 27. Februar 1933 das Reichstagsgebäude in Berlin – und alles änderte sich. (ab)

Merz küsst Trumps Ring: Berlin stellt sich offen hinter den verbrecherischen Angriffskrieg gegen den Iran

Von Johannes Stern – 5. März 2026

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die herrschende Klasse Deutschlands zu denselben verbrecherischen Methoden fähig ist wie die amerikanische, dann war es der unterwürfige und abstoßende Auftritt von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Dienstag im Weißen Haus. Merz hat sprichwörtlich den Ring des faschistischen Gangsters und Kriegstreibers Trump geküsst.

Vor laufenden Kameras konnte es Merz gar nicht schnell genug gehen, US-Präsident Donald Trump seine volle Unterstützung für den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran zuzusichern. Er begann sein Eingangsstatement mit den Worten:

Danke, Herr Präsident, dass ich jetzt zum dritten Mal hier im Oval Office sein darf. Ja. Ich bin wirklich froh, die Gelegenheit zu haben, in diesen schwierigen Zeiten mit Ihnen zu sprechen. Wir sind uns einig, dass dieses schreckliche Regime in Teheran weg muss, und wir werden darüber reden, was am Tag danach passieren wird, wenn sie weg sind.

Das ist unmissverständlich. Berlin unterstützt den US-israelischen Vernichtungsfeldzug gegen den Iran, um sich seinen Anteil an der imperialistischen Beute zu sichern. Die bereits begangenen Kriegsverbrechen – darunter der Angriff auf eine Mädchenschule mit über 150 Toten – erwähnte Merz mit keinem Wort. Im Gegenteil: Er grinste immer wieder zustimmend in die Kameras, wenn sich Trump im Stil eines faschistischen Gewaltherrschers mit der Zerstörung des Irans und der gezielten Ermordung seiner politischen Führung brüstete.

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Krieg gegen Iran: Angriff ohne Mandat – Rechtsbruch ohne Scham

Von Detlef Koch – 5. März 2026 um 10:00

Israel und die USA haben militärische Gewalt gegen einen souveränen Staat eingesetzt, ohne Mandat des UN-Sicherheitsrates [1] und ohne den Nachweis eines unmittelbar bevorstehenden bewaffneten Angriffs [2]. Das Gewaltverbot [3] der UN-Charta ist kein politisches Dekorationsstück. Es ist die zentrale Lehre aus dem Zivilisationsbruch des 20. Jahrhunderts. Wer militärische Gewalt einsetzt, ohne dass die engen Voraussetzungen des Selbstverteidigungsrechts erfüllt sind, bricht dieses Fundament. Dabei ist es völlig unerheblich, wie man das politische System im Iran bewertet.

Autoritäre Herrschaft, Repression im Innern, regionale Machtpolitik – all das rechtfertigt keinen Angriffskrieg. Das Völkerrecht kennt keine Klausel, die militärische Intervention zur moralischen Läuterung fremder Staaten erlaubt. Es kennt kein „Regimewechselrecht“ und es kennt kein Sicherheitsinteresse, das das Gewaltverbot suspendiert.

Völkerrechtswidriger Angriffskrieg? – eine juristische Einordnung

Wer das Geschehen juristisch ernst nimmt, muss zunächst bei der UN-Charta beginnen. Artikel 2 Absatz 4 enthält das Gewaltverbot: Staaten haben in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete Gewaltanwendung zu unterlassen. Dieses Verbot ist zwingendes Völkerrecht.

Es gibt nur zwei Ausnahmen:

  • ein Mandat des UN-Sicherheitsrates nach Kapitel VII
  • das individuelle oder kollektive Selbstverteidigungsrecht nach Artikel 51 im Falle eines bewaffneten Angriffs.

Beides liegt hier nicht vor.

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Hauptrüstungstreiber Deutschland

Von German-Foreign-Policy.com – 5. März 2026

Deutschland ist aktuell der wohl bedeutendste Rüstungstreiber weltweit. Dies geht aus einer Analyse einer Londoner Denkfabrik hervor. Die Rüstungsmilliarden schaden der Wirtschaft, die stattdessen hohe Investitionen in Bildung bräuchte.

Europa ist gegenwärtig der stärkste Rüstungstreiber weltweit, Deutschland der bedeutendste Rüstungstreiber in Europa. Dies geht aus einer aktuellen Analyse der Londoner Denkfabrik International Institute for Strategic Studies (IISS) hervor. Demnach hat Europa seine Militärausgaben im vergangenen Jahr um 12,6 Prozent gesteigert, Deutschland sogar um 18 Prozent; der globale Durchschnitt lag bei 2,5 Prozent. Auf Europa entfallen damit 21 Prozent aller Aufwendungen für die Streitkräfte weltweit; auf Deutschland könnten, wenn Berlin den Wehretat auf 150 Milliarden Euro 2029 erhöht, fast sechs Prozent entfallen. Die Bundesrepublik stellt ein Prozent der Weltbevölkerung. Wie das IISS festhält, gelingt es den Staaten Europas zunehmend, ihre Rüstung bei heimischen Waffenschmieden produzieren zu lassen, um von US-Rüstungskonzernen unabhängiger zu werden. Ausnahmen sind – freilich besonders teure – Produkte der militärischen Luft- und Raumfahrtbranche, so etwa F-35-Kampfjets aus den USA. Das Ziel, einen Rüstungsboom zu entfachen, wird laut Experten wohl verfehlt. Dafür wären laut Ökonomen hohe Investitionen in die Bildung nützlich. Die aber ist dramatisch unterfinanziert.

Militärausgaben: plus 18 Prozent

Die Staaten Europas sind im vergangenen Jahr erneut die maßgebliche Triebkraft hinter dem Anstieg der globalen Rüstungsausgaben gewesen. Dies geht aus den jüngsten Statistiken des International Institute for Strategic Studies (IISS) von Ende Februar hervor. Laut der Denkfabrik mit Sitz in London stiegen die Militäretats weltweit im Jahr 2025 um real 2,5 Prozent auf 2,63 Billionen US-Dollar.[1] Das ist über das Vierfache des gesamten deutschen Bundeshaushalts, der für 2026 Ausgaben in Höhe von 525 Milliarden Euro – umgerechnet 610 Milliarden US-Dollar – vorsieht. Die Staaten Europas haben die Aufwendungen für ihre Streitkräfte im vergangenen Jahr um 12,6 Prozent auf 563 Milliarden US-Dollar erhöht und stellen nun 21 Prozent der globalen Rüstungsausgaben. 2022 waren es noch 17 Prozent gewesen. Zugleich stellen sie nicht einmal sieben Prozent der Weltbevölkerung.[2] Die Haupttriebkraft der europäischen Aufrüstung wiederum war dem IISS zufolge Deutschland, das seine Militärausgaben 2025 um 18 Prozent auf 95 Milliarden Euro – umgerechnet 107 Milliarden US-Dollar – aufgestockt hat. Erhöht Berlin seinen Wehretat wie angekündigt bis 2029 auf 150 Milliarden Euro, dann gäbe es allein fast sechs Prozent aller weltweiten Rüstungsaufwendungen aus. Deutschland stellt nur ein Prozent der Weltbevölkerung.

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Der Iran ist das siebente Land auf der Liste – Lüge und Täuschung, wie immer

Von Wolfgang Bittner – 4. März 2026

So ungefähr auf der ganzen Welt wird in diesen Tagen über den von den USA und Israel gestarteten Angriffskrieg gegen den Iran berichtet. Was er bewirkt und wie er enden wird, ist absolut offen. Aber wer dafür verantwortlich ist, ist klar. Wolfgang Bittner macht darauf aufmerksam, dass die USA diesen Schritt schon vor vielen Jahren geplant haben. (cm)

Die Verhandlungen in Genf zwischen Washington und Teheran über das iranische Atomprogramm schienen gerade zu einem Erfolg zu führen, als am 28. Februar 2026 plötzlich die amerikanischen und israelischen Raketen flogen und der Krieg gegen den Iran begann. Dieser Krieg hat eine lange Vorgeschichte.

1951 erfolgte – noch während der Pahlewi-Dynastie – unter dem gewählten iranischen Premierminister Mohammad Mossadegh die Verstaatlichung der Ölindustrie, wogegen die CIA und der britische MI6 mit gezielten Aktionen vorgingen. Daraufhin wurde Mossadegh 1953 im Rahmen einer „Operation Ajax“ entlassen und festgenommen, womit ein laizistischer Staat verhindert wurde und ein internationales Konsortium Zugriff auf die iranischen Ölvorkommen erhielt. 1979 verließ dann der Schah Mohammed Resa Pahlewi das Land, der Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini kehrte aus dem französischen Exil zurück und der Iran wurde eine autoritär geführte islamische Republik.

Seither steht das Land im Fokus der USA und der Briten und kam nicht mehr zur Ruhe. Es nimmt zwar mit den größten Erdgas- und viertgrößten Erdölvorkommen erheblichen Einfluss auf die Versorgung der Welt mit fossilen Energieträgern. Zudem unterhält es wirtschaftliche Beziehungen zu westlichen Ländern sowie wirtschaftliche und militärische Kooperationsabkommen mit Russland und China. Die erdrückenden Sanktionen der USA, denen sich Großbritannien und die Staaten der Europäischen Union angeschlossen haben, führten jedoch zu schwerwiegenden wirtschaftlichen Problemen.

Hinzu kommt, dass der Iran als größte Regionalmacht Vorderasiens eine inoffizielle Militärkoalition anführt, wozu Hamas, Hisbollah und Huthi gehören. Das hat ihm, wie auch anderen Ländern, die sich gegen den verheerenden Einfluss der USA und Westeuropas wehren, deren erbitterte Gegnerschaft eingetragen. So gesehen, ging es Ende Februar 2026 bei dem völkerrechtswidrigen Angriff und der Ermordung Ajatollahs Ali Chamenei, des Nachfolgers von Ruhollah Chomeinis, nur zum Teil um die Beilegung des Atomstreits.

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5. Tag im Angriffskrieg Israels und der USA gegen den Iran (Ticker 21:00 Uhr)

Von Peter F. Mayer und Jochen Mitschka – 4. März 2026

Basierend auf verfügbaren Berichten und Updates hat der Angriffskrieg, den USA und Israel gegen den Iran gestartet haben, weiter eskaliert. Der Fokus der Angreifer liegt auf der Zerstörung iranischer Militär- und Nuklearinfrastruktur, mit Gegenangriffen des Irans und seiner Verbündeten.

In der Nacht des 3. März bombardierte die israelische Luftwaffe das Gebäude der Expertenversammlung im Iran, der wichtigen verfassungsmäßigen Versammlung, welche das neue Staatsoberhaupt wählen sollen. Zum Zeitpunkt der Bombardierung war das Gebäude jedoch leer, was zunächst nicht bekannt war. Gleichzeitig gab die IDF ein 24-Stunden-Ultimatum an verbliebene iranische Regimevertreter in Libanon: Verlassen oder Zielscheibe werden. Der von den USA ausgewählte ehemalige Armeechef und jetzige Präsident des Libanon verbietet daraufhin militärische Operationen der Hisbollah und fordert die Gruppe auf, alle Waffen an die libanesischen Streitkräfte abzugeben – ein historischer Schritt. Damit könnte ein Bürgerkrieg gestartet worden sein.

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Deutschlands nukleare Frage

Von German-Foreign-Policy.com – 4. März 2026

Berlin und Paris planen eine Einbindung der Bundeswehr in Operationen der französischen Nuklearstreitkräfte. Bereits für 2026 sind erste gemeinsame Manöver vorgesehen. Zugleich werden neue Forderungen nach einer deutschen Bombe laut.

Die deutsch-französischen Pläne für den Aufbau eines europäischen „Nuklearschirms“ schreiten voran. Frankreich wird laut Aussage von Präsident Emmanuel Macron die Forces aériennes stratégiques – die Einheiten der französischen Luftwaffe, die für einen etwaigen Einsatz von Atomwaffen vorgesehen sind – in Zukunft in andere Länder Europas verlegen. Dies verschaffe der französischen nuklearen Abschreckung „neue strategische Tiefe“, erklärt Macron. Zudem bestätige es die „europäische Dimension“ der „vitalen Interessen“ Frankreichs. Dass Letztere betroffen sind, ist zentrale Voraussetzung für einen französischen Atomwaffeneinsatz. Deutschland ist laut Macron „Schlüsselpartner“ bei der „fortgeschrittenen Abschreckung“, die der französische Präsident am Montag offiziell bekanntgab. Eine deutsch-französische „nukleare Steuerungsgruppe“ ist bereits eingerichtet worden. Noch in diesem Jahr soll sich die Bundeswehr an französischen Atomkriegsübungen beteiligen. Weil auch Frankreichs aktuelle Nuklearstrategie den beteiligten Staaten Europas keine feste Verteidigungsgarantie bietet, werden in Deutschland erneut Forderungen nach einer „deutschen Bombe“ laut.

Die „fortgeschrittene“ nukleare Abschreckung

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat am Montag in einer Grundsatzrede seine Pläne für eine neue „fortgeschrittene“ nukleare Abschreckung vorgestellt. Diese wird demnach auch andere Länder Europas einbeziehen; Macron nannte – neben den Atommächten Frankreich und Großbritannien – Deutschland, die Niederlande, Belgien, Polen, Dänemark, Schweden und Griechenland. Die Einbindung weiterer europäischer Staaten ist möglich. Paris hat dabei offenbar nicht das Modell der US-amerikanischen nuklearen Teilhabe im Blick, bei dem US-Atombomben in Europa gelagert und bei Bedarf von den jeweiligen nationalen Luftwaffen an den Einsatzort geflogen werden.[1] Vielmehr geht es darum, dass die Forces aériennes stratégiques – die Einheiten der französischen Luftwaffe, die für einen möglichen Einsatz von Atomwaffen vorgesehen sind – in die teilnehmenden Länder verlegt werden können. Macron verglich dies mit der Force océanique stratégique, den vier atomgetriebenen U-Booten, die ebenfalls nuklear bewaffnet sind und sich überall in den Weltmeeren bewegen können, was es erschwert, sie auszuschalten. Ganz ähnlich verleihe eine über Europa verstreute Stationierung atomar bewaffneter Jets der französischen nuklearen Abschreckung „eine neue strategische Tiefe“ und verkompliziere „die Berechnungen unserer Gegner“, erläuterte Macron.[2]

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Irans Angriffe auf die Vereinigten Arabischen Emirate offenbarten die Grenzen der BRICS-Einheit

Von Andrew Korybko – 3. März 2026

Der Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben gegenüber den USA diametral entgegengesetzte Sicherheitsinteressen, während Indien, dessen Handelsvolumen mit den Emiraten fast 100-mal größere ist das mit der Islamischen Republik, sich aus diesem Grund auf die Seite der VAE gestellt hat. All dies beweist, dass die BRICS trotz jahrelanger falscher Behauptungen nie ein Sicherheitsbündnis waren.

Seit Beginn der gemeinsamen US-israelischen Angriffe gegen ihn hat der Iran in den vergangenen Tagen mehrere Angriffe auf Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten durchgeführt. Der Iran behauptet, aus Selbstverteidigung zu handeln, da die militärische Infrastruktur der USA in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Rolle bei Angriffen gegen ihn spiele. Online-Verteidiger des Iran behaupten außerdem, dass seine Angriffe auf Wohnungen und Hotels in den Emiraten US-Militärangehörigen galten, die sich dort aus Sicherheitsgründen heimlich aufhalten, da mit iranischen Angriffen auf ihre dortigen Stützpunkte zu rechnen ist.

Was auch immer die Wahrheit sein mag, es lässt sich nicht leugnen, dass der Iran militärische und (zumindest offiziell) zivile Ziele in einem Land angegriffen hat, das ebenfalls Mitglied der BRICS-Staaten ist. In der Folge veröffentlichte der indische Premierminister Modi, dessen Land in diesem Jahr den Vorsitz der BRICS-Staaten innehat, auf X einen Beitrag, in dem er „die Angriffe auf die Vereinigten Arabischen Emirate scharf verurteilte“, ohne den Iran namentlich zu nennen, aber offensichtlich auf ihn anspielte. Zum Hintergrund: Der Handel zwischen Indien und den Vereinigten Arabischen Emiraten erreichte im vergangenen Jahr ein Volumen von 100 Milliarden US-Dollar, während der Handel zwischen Indien und dem Iran mit rund  1,5 Milliarden US-Dollar etwas mehr als ein Prozent davon ausmachte.

Dennoch spielt der Iran eine unersetzliche Transitrolle für Indien entlang des Nord-Süd-Transportkorridors mit Russland, Afghanistan und Zentralasien. Trumps Drohung, jedem Land, das Geschäfte mit dem Iran macht, Zölle in Höhe von 25 Prozent aufzuerlegen, könnte dies jedoch nach dem indisch-amerikanischen Handelsabkommen erschweren, falls er diese Zölle rechtlich noch verhängen kann. Dementsprechend erklären Indiens fast 100-mal größerer Handel mit den Emiraten und die abschreckende Wirkung der oben genannten drohenden Zölle Trumps, warum Modi sich auf die Seite der VAE und gegen den Iran gestellt hat, was durchaus Sinn ergibt.

Obwohl dies ein weiteres erkennbares Beispiel dafür ist, wie Indien sich einigen Interessen der USA anschließtargumentierte der renommierte Russland-Experte Fjodor Lukanow als Reaktion auf die unter dem Druck der USA reduzierten russischen Ölimporte, dass „Souveränität nicht zwangsläufig bedeutet, sich dem Druck zu widersetzen, sondern Wege zu finden, um die eigenen Interessen unter weniger als idealen Bedingungen zu verwirklichen. Der Kern dieser Interessen ist die innere Stabilität und die weitere Entwicklung, Prioritäten, die angesichts der globalen Turbulenzen noch dringlicher geworden sind.“

Er kam zu dem Schluss: „Das ist die praktische Realität dessen, was oft als multipolare Welt bezeichnet wird … kümmere dich zuerst um deine eigenen Angelegenheiten“, und genau das tut Indien. Dasselbe gilt für die VAE in Bezug auf ihr fortgesetztes Militärbündnis mit den USA, unabhängig davon, ob die militärische Infrastruktur der USA dort eine Rolle bei den Angriffen gegen den Iran gespielt hat, wie Teheran behauptet. Auch der Iran „kümmert sich zuerst um sich selbst“, da seine Führer ihre nationalen Interessen verstehen, unabhängig davon, wie man zu den Angriffen auf die VAE steht.

Die gegensätzlichen Interessen der BRICS-Mitglieder Iran und Vereinigte Arabische Emirate in dieser Hinsicht sowie die Entscheidung des BRICS-Vorsitzenden Indien, die Vereinigten Arabischen Emirate gegenüber dem Iran zu unterstützen, zeigen die Grenzen der Einheit der BRICS auf. Im vergangenen Monat „widerlegte Russlands BRICS-Sherpa Spekulationen darüber, dass sich die Gruppe zu einem Sicherheitsbündnis entwickeln könnte“, was längst überfällig war, da einflussreiche Vertreter der alternativen Medien die Gruppe über Jahre hinweg falsch dargestellt hatten. Sogar Putins Sprecher musste klarstellen, dass es sich entgegen dieser weit verbreiteten Fehlwahrnehmung nicht um einen Sicherheitsblock handelt.

In Wirklichkeit war die BRICS immer nur eine Gruppe, deren Mitglieder freiwillig ihre Politik koordinieren, um den Prozess der finanziellen Multipolarität zu beschleunigen, und nie mehr als das, und es ist auch unwahrscheinlich, dass sie jemals in einem bedeutenden Sinne mehr werden wird, nicht zuletzt, weil die Gruppe mittlerweile drei rivalisierende Paare umfasst. Dabei handelt es sich um China-Indien, Ägypten-Äthiopien und Iran-VAE, von denen keines seine wahrgenommenen Sicherheits- und Handelsinteressen zugunsten eines anderen opfern wird, wie gerade die VAE und Indien gegenüber dem Iran bewiesen haben.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Stoppt den verbrecherischen Krieg der USA und Israels gegen den Iran!

Erklärung des Nationalkomitees der Socialist Equality Party (USA) – 3. März 2026

Bombardierung von Teheran. Bild: t.me/presstv/177414
  1. Der gemeinsame Angriff der USA und Israels auf den Iran, der in den frühen Morgenstunden des 28. Februar begann, ist ein krimineller Kriegsakt, der einen eklatanten Verstoß gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten und das Völkerrecht darstellt. Zu Beginn der Militäroffensive wurden das iranische Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Chamenei und weitere hochrangige Vertreter der iranischen Regierung ermordet. Für den Angriff gibt es nicht die geringste Rechtfertigung. Weder wurde die Zustimmung des US-Kongresses eingeholt oder erteilt, wie es Artikel I, Abschnitt 8 der Verfassung vorschreibt, noch hat irgendeine Resolution des UN-Sicherheitsrats die Gewalt sanktioniert. Der Angriff erfolgte noch während der laufenden Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran, die vom Oman vermittelt wurden. Die Gespräche in Genf waren erst zwei Tage zuvor beendet worden. Der Angriff auf den Iran entspricht genau dem Vorgehen, das in den Nürnberger Prozessen gegen die NS-Führer in den Jahren 1945/46 als „Verbrechen gegen den Frieden“ bezeichnet wurde. Die Entfesselung eines Angriffskriegs sei „das schwerste internationale Verbrechen, das sich von anderen Kriegsverbrechen nur dadurch unterscheidet, dass es in sich alle Schrecken der anderen Verbrechen einschließt und anhäuft“, urteilte der Internationale Militärgerichtshof in Nürnberg.
  2. Nur zwei Wochen vor dem Kriegsausbruch hatte US-Außenminister Marco Rubio die Münchner Sicherheitskonferenz am 14. Februar 2026 genutzt, um ein Programm, das sich auf Ausbeutung und Vorherrschaft gründet, als zivilisatorische Mission zu tarnen. Er forderte Europa dazu auf, „Schuld und Scham“ über imperialistische Gräueltaten in den Kolonien und während des Holocaust abzulegen, und beklagte den Niedergang der „großen westlichen Imperien“, also eben jener kolonialen Ordnung, die auf Plünderung, Unterdrückung und Massenmord beruhte. Auf die Rhetorik der imperialen Nostalgie folgten Taten: Marschflugkörper, Luftangriffe und die Bombardierung iranischer Städte. Sie bestätigen, dass das Gerede von „Zivilisation“ nur der übliche verlogene Prolog zur Barbarei ist.
  3. Die Bombardierung des Iran ist ein Verbrechen – gegen ein Volk und gegen die Zivilisation. Wenn Städte wie Teheran, Ghom und Isfahan getroffen werden, ist das Ziel nicht nur die „Infrastruktur“, sondern das gesamte intellektuelle, kulturelle und soziale Leben einer Gesellschaft mit einer langen Geschichte. Dass einee Nation von 90 Millionen Menschen auf bloße Koordinaten und „Regimewechsel“-Parolen reduziert wird, ist Ausdruck imperialistischer Barbarei. Die arbeitende Bevölkerung in Amerika und weltweit muss sich diesem Krieg entgegenstellen, ein sofortiges Ende der Angriffe fordern und die Normalisierung von Massenmord und Vernichtung der Kultur als politisches Instrument ablehnen.

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