Spannungsfall 2026: Wie die deutsche Industrie auf Kriegswirtschaft vorbereitet wird

Von Michael Hollister – 16. März 2026

Das Stammhaus des VW-Konzerns in Wolfsburg. Von McKinsey wurde dem VW-Konzern geraten, von 10 Werken deren 8 zu schließen … (Foto VW)

Am 4. März habe ich hier analysiert, warum Deutschland und die EU in großem Stil aufrüsten – und wie Kriegswirtschaft zur Antwort auf das Ende des Wachstums werden könnte. Was damals noch Strukturanalyse war, hat nun eine konkrete Dimension bekommen: Mir liegt eine Information aus dem Inneren der deutschen Industrie vor, die belegt, dass dieser Übergang nicht nur geplant, sondern bereits terminiert ist.

Im Frühjahr 2025 fand in Frankfurt am Main ein streng vertrauliches Treffen des Volkswagen-Konzerns mit seinen Top-Händlern statt. Die Sicherheitsvorkehrungen waren drastisch: absolutes Handyverbot, keine Mitschriften erlaubt, Kontrollen am Eingang. Die zentrale Botschaft an die Teilnehmer war unmissverständlich: „2025 wird wirtschaftlich ein schweres Jahr. Aber halten Sie durch – ab 2026 wird Deutschland auf Kriegswirtschaft umgestellt. Der Staat plant, den Spannungsfall auszurufen.“

Diese Information stammt von einer für mich höchst verlässlichen Quelle – einem ehemaligen investigativen Journalisten, der nur dann spricht, wenn etwas mit „Hand und Fuß“ hat. Und sie ist kein Einzelfall. Mir liegen inzwischen drei voneinander unabhängige Hinweise aus verschiedenen Industriezweigen vor, die alle denselben Zeithorizont 2026 nennen. Die Information der VW-Händlertagung ist daher kein singulärer Ausreißer, sondern Teil eines konsistenten Musterbildes innerhalb der Industriekommunikation.

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Bundeskanzler Merz und Kanadas Premierminister Carney nehmen an NATO-Großübung für Krieg gegen Russland in der Arktis teil

Von Jordan Shilton – 17. März 2026

Derzeit üben in Norwegen und Finnland mehr als 32.000 Soldaten aus 14 NATO-Mitgliedsstaaten, um für die Eröffnung einer Nordfront im Krieg gegen Russland gerüstet zu sein. Bundeskanzler Friedrich Merz, der kanadische Premierminister Mark Carney und der norwegische Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre besuchten am Freitag das alle zwei Jahre stattfindende Militärmanöver. Damit unterstrichen sie, welchen Stellenwert die imperialistischen Mächte der Kriegsbereitschaft in der Arktis beimessen.

Die Übung „Cold Response“ umfasst Operationen der Land-, See- und Luftstreitkräfte im Norden von Norwegen, in Finnland und Schweden. Etwa 25.000 Soldaten sind vom 9. bis zum 19. März an Operationen auf norwegischem Gebiet und vor der Küste beteiligt. Weitere 7.500 Soldaten operieren im Norden Finnlands, während in allen drei nordeuropäischen Ländern Luftoperationen stattfinden. Die USA stellen mit 4.000 Soldaten das größte Kontingent, doch auch alle anderen europäischen Mächte haben eine beträchtliche Zahl an Truppen geschickt.

Die Region liegt an der vordersten Front des aggressiven militärischen Drucks, den die NATO auf Russland ausübt. Finnland hat eine 1.300 Kilometer lange Grenze mit Russland, Norwegen hingegen eine kürzere von 200 km. Zudem bietet die norwegische Küste russischen Handels- und Militärtransporten direkten Zugang zu wichtigen Seewegen, über die sie das offene Meer erreichen können.

Die Übung findet vor dem Hintergrund einer massiven Militarisierung in der gesamten Arktis statt. Die imperialistischen Mächte und kleinere Staaten kämpfen um Vorteile in einer strategisch wichtigen Region – für Handel, Energieressourcen und Kriegsführung. Cold Response und andere Übungen richten sich zwar vordergründig gegen Russland, doch unter den europäischen und nordamerikanischen Imperialisten verschärfen sich die Spannungen. Dies spiegelt sich auch darin wider, dass Cold Response Teil der umfassenderen NATO-Übung Arctic Sentry ist, die im Januar als Reaktion auf die Drohungen von US-Präsident Trump begonnen wurde, Grönland mit militärischer Gewalt von Dänemark zu erobern. Trump und seine faschistischen Berater betrachten die Kontrolle über Grönland als unerlässlich im Rahmen ihrer „America First“-Agenda, die die vollständige Herrschaft der USA über die gesamte westliche Hemisphäre vorsieht, als Ausgangspunkt für weltweite Kriege gegen China und andere Rivalen.

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Ein gigantisches Flugzeug aus Russland, das ganz Europa bedroht – journalistische Verantwortungslosigkeit in der NZZ

Von Marcus Klöckner – 16. März 2026

Die russische Gefahr, sie ist real und sie lauert – zumindest in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Unter der Überschrift Im Schatten des Iran-Kriegs: Wie gross ist die Gefahr eines russischen Angriffs auf Europa? findet sich eine Fotomontage, die propagandistisch eine angeblich gigantische Bedrohung Europas durch Russland visualisiert. Das Blatt zeigt der Leserschaft eine Illustration, die aus journalistischer Sicht einer Zumutung gleichkommt. Eine stilisierte Grafik eines gigantischen Flugzeugs, das aus Russland kommt und ganz Europa anzugreifen droht, setzt auf die Stimulation der uralten Angst vorm bösen Russland. Nüchtern betrachtet illustriert die Grafik vor allem eins: journalistische Verantwortungslosigkeit.

Das Flugzeug über einer Karte, die die Landmasse vom Atlantik bis zum Ural zeigt, ist gigantisch. Von oben betrachtet wirkt es, als könnte es ganz Europa mit dem Abwurf einer einzigen Bombe zerstören. Noch hat es Deutschland nicht erreicht, aber sein Schatten liegt unter anderem bereits auf einem Teil Polens und der Slowakei. Damit es auch der Begriffsstutzigste versteht, verdeutlichen drei rote Pfeile, woher das Flugzeug kommt: aus Russland. In einem kühlen Grau gehalten, täuscht die Illustration Sachlichkeit vor, obwohl sie darauf ausgelegt ist, Angst zu stimulieren.

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Frieden ohne Verträge – Wie weiter nach den Vertragsbrüchen?

Von Alexander Neu – 16. März 2026

Der Krieg zwischen den USA/Israel und dem Iran sowie zwischen Russland und der Ukraine weisen diverse Schnittpunkte auf. Neben der geopolitischen und geostrategischen Dimension (beides auch Stellvertreterkriege im Weltneuordnungsprozess) gibt es auch eine gemeinsame diplomatisch-völkerrechtliche Problematik: Wie kann ein Frieden herbeiverhandelt und geschlossen werden, wenn das Vertrauen in die Verlässlichkeit von Verhandlungen sowie die Gültigkeit geschlossener Verträge untergraben wird? Die Beantwortung dieser Frage wird umso dringlicher, je mehr der Druck auf eine Beendigung der bewaffneten Auseinandersetzungen wächst.

Verträge als Kern des internationalen Rechts

Das individuell-menschliche wie auch zwischenstaatliche Interagieren beruht auf Vereinbarungen und Regeln, sollen Gesellschaft und die Staatenwelt überhaupt funktionieren. Die Vereinbarungsformen sind vielfältig: Angefangen vom gegenseitigen Versprechen und moralisch-sittlich verbindlichen Zusagen inklusive des Handschlags zur Besiegelung der Abmachung (Gentlemen’s Agreement) über innerstaatliche Rechtsnormen (Gesellschaftsvertrag im Sinne Rousseaus) bis hin zum kodifizierten internationalen Recht, dem Recht zwischen Staaten. Wird die Verbindlichkeit der Willkür ausgesetzt, ist das Ergebnis der nihilistische Naturzustand.

Das Vertragsrecht als Rechtsquelle gilt im internationalen Recht als das verbindlichste und am wenigsten interpretierbare Recht. Es gibt hierzu sogar eine Konvention, das „Wiener Übereinkommen über das Recht der Verträge“ (im Folgenden „Wiener Vertragsrechtskonvention“) aus dem Jahre 1969.

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Ist das Fehlen eines Kriegsplans Trumps „Plan“?

Von Alastair Crooke* – 16. März 2026

Die Iraner haben ein Mitspracherecht darüber, wann der Krieg endet. Und sie sagen, dass sie gerade erst anfangen.

Das auf Luftangriffen aus der Ferne basierende Modell der Kriegsführung der USA und Israels wird durch eine ganz andere Form des asymmetrischen Krieges herausgefordert – eine, die der Iran bereits vor mehr als 20 Jahren geplant hat. Das muss man verstehen, wenn man beurteilen will, wie die Kriegsbilanz wirklich aussieht. Es ist, als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen; sie unterscheiden sich grundlegend in ihrem Charakter.

Die USA und Israel werfen eine Menge Fernkampfmunition auf den Iran ab. Aber bis zu welchem Punkt und mit welcher Wirkung? Das wissen wir nicht.

Wir wissen jedoch, dass der Iran seinen Plan für einen asymmetrischen Krieg hat. Und dieser steht erst am Anfang und schreitet schrittweise zur vollständigen Umsetzung voran. Das gesamte Arsenal an iranischen Raketen wurde noch nicht offenbart – weder seine neuesten Raketen noch seine Unterwasserdrohnen und mit Schiffsabwehrraketen ausgerüsteten Schnellboote, die noch nicht eingesetzt wurden. Wir kennen also nicht das volle Potenzial des Iran – und wir können noch nicht sagen, welche Auswirkungen sein vollständiger Einsatz haben könnte. Die Hisbollah ist nun voll einsatzfähig, und die Houthis (anscheinend) warten auf das „grüne Licht“, um Bab el-Mandeb parallel zur Blockade der Straße von Hormus zu sperren.

Der Ursprung dieses iranischen asymmetrischen Paradigmas liegt in der vollständigen Zerstörung des zentralisierten Militärkommandos des Irak durch die USA im Jahr 2003 – das Ergebnis eines dreiwöchigen massiven Luftangriffs.

Die Frage, die sich für die Iraner im Zuge des Irak-Kriegs stellte, war, wie der Iran eine abschreckende militärische Struktur aufbauen könnte, wenn er keine Luftstreitkräfte besaß – und auch keine haben konnte – , die denen seiner Gegner gleichwertig waren. Und wenn die USA zudem das Ausmaß der iranischen Militärinfrastruktur von ihren hochauflösenden Satellitenkameras aus überblicken konnten.

*Alastair Crooke ist ehemaliger britischer Diplomat und Gründer und Direktor des Conflicts Forum in Beirut.

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Der Text erschien auf Englisch bei Strategic Culture.

17. Tag im Angriffskrieg Israels und der USA gegen den Iran (Ticker 19:00 Uhr)

Von Peter F. Mayer und Jochen Mitschka – 16. März 2026

Der Nebel des Krieges wabert nach wie vor über dem Nahen Osten. Zensur, Propaganda, Narrative verhindern für die meisten Menschen den klaren Durchblick, was passiert. TKP versucht heute wieder so gut wie möglich den Nebel zu lichten.

Zunächst zur „Sperrung“ der Meerenge von Hormus: Der Iran hat sich nicht vertraglich verpflichtet, seine Hoheitsgewässer in der Straße von Hormuz (oder die gesamte Straße) immer und für jeden Verkehr uneingeschränkt offen zu halten. Es gibt keine bilaterale oder multilaterale Vertrag, der eine solche absolute, bedingungslose Verpflichtung enthält – weder „immer“ noch „für jeden Verkehr“ (einschließlich militärischer Schiffe oder in Krisenzeiten).

Das UN-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) von 1982 besagt, dass die Straße von Hormuz als internationale Meerenge gilt, in der normalerweise das Transit-Passage-Regime (Art. 38 ff. UNCLOS) gilt – Schiffe und Flugzeuge dürfen ungehindert, kontinuierlich und ohne Behinderung passieren, und die Küstenstaaten (Iran und Oman) dürfen das nicht behindern oder aussetzen (Art. 44). Der Iran hat UNCLOS nur unterzeichnet, aber nie ratifiziertBei der Unterzeichnung erklärte er ausdrücklich, dass er das Transit-Passage-Regime nur gegenüber Staaten anwendet, die UNCLOS selbst ratifiziert haben. Deshalb ist der Iran vertraglich nicht an UNCLOS gebunden.

Das Genfer Übereinkommen über das Küstenmeer und die Anschlusszone von 1958 hat der Iran ratifiziert. Es sieht für internationale Meerengen ein nicht aussetzbares Recht auf unschädliche Durchfahrt (innocent passage) vor (Art. 16 Abs. 4). Das ist aber kein uneingeschränktes „frei für jeden Verkehr“: Die Durchfahrt muss „unschädlich“ sein (darf nicht den Frieden, die Ordnung oder die Sicherheit des Küstenstaats gefährden). Der Küstenstaat darf Regeln erlassen und (bei Kriegsschiffen) teilweise vorherige Genehmigung verlangen. Es ist schwächer als das UNCLOS-Transit-Passage-Regime.

Der Iran erkennt zudem kein Gewohnheitsrecht (customary international law) auf volle Transit-Passage für alle Staaten an und hat dies wiederholt erklärt. Er behält sich das Recht vor, in seinen Hoheitsgewässern aus Sicherheitsgründen oder bei Bedrohung zu handeln.

Mit anderen Worten: Der Iran verstößt gegen keine Verträge oder gesetzlichen Regelungen, wenn er die Straße von Hormus für Schiffe sperrt, welche zu Staaten gehören, die dem Land gegenüber feindlich eingestellt sind. So einfach ist das.

Aber der Angriffskrieg Israels und der USA verstößt so ungefähr gegen alle Regeln und Verträge, welche es im Völkerrecht gibt. Und wer dieser Angriffskoalition hilft, verstößt eben auch dagegen.

Wer behauptet, das Vorgehen des Irans sei Illegal, widerspricht damit den Behauptungen der deutschen Regierung, dass die Anschläge der Ukraine in internationalen Gewässern gegen russische Tanker und Schiffe legal seien.

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Wie ist Trumps Forderung an China, sich seiner geplanten Seekoalition für die Straße von Hormus anzuschließen, zu bewerten?

Von Andrew Korybko – 16. März 2026

Trump will Xi vor dessen bevorstehender Reise in ein Dilemma bringen; er hat angedroht, diese zu verschieben, sollte China sich nicht der US-Koalition anschließen. Dennoch ist es möglich, dass Xi den Spieß irgendwie gegen Trump umdreht.

Trump forderte China und mehrere andere Länder am Wochenende auf, sich seiner geplanten Marinekoalition anzuschließen, um die Freiheit der Schifffahrt durch die Straße von Hormus inmitten des andauernden Dritten Golfkriegs zu sichern. Am Tag darauf erklärte er gegenüber der Financial Times: „Ich denke, China sollte ebenfalls helfen, da China 90 Prozent seines Öls aus der Straße [sic] bezieht … Wir möchten dies vor [meiner Reise nach China Ende des Monats] wissen. [Zwei Wochen] sind eine lange Zeit. Wir könnten verschieben.“ Dies erhöht den Einsatz seiner Forderung enorm.

Wenn China Trumps Forderungen nicht nachkommt und Trumps Reise verschoben wird, könnte der fragile Handelsfrieden zwischen China und den USA nicht von Dauer sein, was die durch die Ölkrise verursachte globale wirtschaftliche Unsicherheit verschärfen könnte. Andererseits würde eine Zustimmung seiner geplanten Marinekoalition Legitimität verleihen und vom Iran sehr wahrscheinlich als unfreundlicher Akt angesehen werden. Der Iran hat bereits klargestellt, dass die Meerenge nur für unfreundliche Länder gesperrt ist, wozu China derzeit nicht gehört, und es wurde Berichten zufolge auch ein Vorschlag ins Spiel gebracht, dass China beginnen solle, iranisches Öl mit Yuan zu bezahlen.

In diesem Zusammenhang stammten 13,4 Prozent des Öls, das China im vergangenen Jahr auf dem Seeweg importierte, aus dem Iran, während die Golfstaaten (mit Ausnahme Omans, dessen Exporte über das Arabische Meer abgewickelt werden) und der Irak rund 35 Prozent zu den Importen beitrugen, was insgesamt etwa 48,4 Prozent – also fast die Hälfte – der jährlichen Ölimporte auf dem Seeweg ausmacht, die durch die Meerenge transportiert werden. Zwar verfügt China auch über strategische Ölreserven, die auf 1,3 Milliarden Barrel geschätzt werden – genug für drei bis vier Monate –, und es macht rasche Fortschritte bei der Umsetzung seiner Agenda für grüne Energie.

Dennoch belegen diese Daten, dass China wirtschaftlich von der Wiederaufnahme regelmäßiger Ölimporte durch die Meerenge abhängig ist, was, wie diese Analyse hier argumentiert, von den USA durch die Kontrolle über die Ressourcen des Iran und Druck auf die Golfstaaten als Repressalie genutzt werden könnte, um China zu einem ungleichen Handelsabkommen zu zwingen. Das Ziel besteht darin, Chinas Aufstieg zur Supermacht zu vereiteln und dann seine untergeordnete Rolle gegenüber den USA zu institutionalisieren. Die Fortsetzung des Dritten Golfkriegs und die Beschlagnahmung iranischer Schiffe, die Öl nach China transportieren, könnten diese Agenda ebenfalls vorantreiben.

Sollte sich China den USA unterordnen, indem es Trumps geplanter Marinekoalition für den Hormus-Kanal Legitimität verleiht und sich verpflichtet, während seines Besuchs ein einseitiges Handelsabkommen zu unterzeichnen, könnte Trump den Konflikt deeskalieren und so die Zuverlässigkeit der regionalen Ölimporte Chinas wiederherstellen. Sollte Xi sich jedoch stolz seiner Forderung widersetzen, könnte Trump den Konflikt aufrechterhalten (und damit die drastisch reduzierten Ölexporte der Golfstaaten nach China verlängern), iranische Schiffe beschlagnahmen, die Öl nach China transportieren, seine Reise verschieben und dann den Handelskrieg verschärfen.

Die USA sind trotz Chinas Handelsdiversifizierung seit dem Handelskrieg unter Trump 1.0 nach wie vor Chinas größter Einzelhandelspartner, und die USA üben nach wie vor enormen wirtschaftlichen und finanziellen Einfluss auf viele andere Handelspartner Chinas aus, sodass ein neuer chinesisch-amerikanischer Handelskrieg in Verbindung mit drastisch reduzierten Ölimporten China hart treffen könnte. Darüber hinaus könnte Trump in diesem Szenario zunächst eine Einigung mit Putin erzielen, was Chinas Verhandlungsposition gegenüber den USA weiter verschlechtern und dann dazu führen könnte, dass noch ungleichere Handelsbedingungen von China gefordert werden.

Trumps Forderung, China solle sich seiner Marinekoalition anschließen, soll Xi daher in ein Dilemma stürzen. Xi wird dazu gedrängt, entweder China den USA unterzuordnen, indem er dieser Koalition Glaubwürdigkeit verleiht – im Gegenzug für eine von den USA kontrollierte Energiesicherheit –, bevor er während Trumps Reise die formelle Besiegelung ihrer untergeordneten Partnerschaft durch die Zustimmung zu einem unausgewogenen Handelsabkommen vollzieht, oder aber einen weiteren Handelskrieg mit den USA zu führen, allerdings aus einer schlechteren Position heraus als zuvor. Die Chinesen sind jedoch brillante Strategen, also werden sie vielleicht einen Ausweg aus diesem Dilemma finden.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Die Straße von Hormuz

Von German-Foreign-Policy.com – 16. März 2026

Debatte um deutsche Beteiligung an Marineoperation in der Straße von Hormuz beginnt. Tankereskorten könnten kaum zehn Prozent des Vorkriegsverkehrs absichern. Paris plant Marinekoalition für die Zeit nach dem Abflauen des Kriegs.

In Berlin werden erste Plädoyers für eine deutsche Teilnahme an dem von US-Präsident Donald Trump verlangten Marineeinsatz in der Straße von Hormuz laut. Es sei „zwingend“, die freie Schifffahrt auch in der Meerenge vor der iranischen Küste „militärisch zu verteidigen“, äußert der CDU-Militärpolitiker Thomas Röwekamp; dabei sei „auch ein deutscher Beitrag notwendig“. Dies läuft der Position der Bundesregierung zuwider, die bislang jegliche deutsche Beteiligung an etwaigen Operationen westlicher Streitkräfte in der Straße von Hormuz ablehnt. Experten weisen darauf hin, dass bis zu zwölf Kriegsschiffe nötig wären, um fünf bis zehn Tanker durch die Meerenge zu geleiten. Dabei biete auch dies keine Sicherheit, da iranische Trupps aus kürzester Entfernung angreifen könnten. Alternativ sei eine US-Invasion an der südiranischen Küste denkbar, die allerdings erneut US-Bodentruppen in einen langwierigen Krieg in Mittelost verwickeln würde. Parallel zu den US-Forderungen sucht Frankreich eine Marinekoalition zu schmieden, die unter Einschluss auch arabischer Staaten die Straße von Hormuz sichern soll, allerdings erst nach einem Abflauen des Kriegs, in den sie nicht involviert werden soll.

Frankreich prescht vor

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte bereits am Montag vergangener Woche bei einem Besuch in Zypern mitgeteilt, er bereite zur Zeit eine Militäroperation zur Öffnung der Straße von Hormuz vor. Dabei solle es sich allerdings um eine „rein defensive“ Operation handeln, die frühestens dann beginnen könne, wenn „die heißeste Phase des Konflikts“ vorüber sei.[1] In einem ersten Schritt hat Paris elf Kriegsschiffe in den Nahen und Mittleren Osten geschickt – den Flugzeugträger Charles de Gaulle, zwei Hubschrauberträger und acht Fregatten. Eine Fregatte kreuzt schon im Rahmen des EU-Marineeinsatzes Aspides im Roten Meer und an der Meerenge Bab al Mandab bei Dschibuti, um Handelsschiffe, die von dort durch den Suezkanal ins Mittelmeer einfahren, vor Angriffen der Huthi-Milizen im Jemen zu schützen. Dorthin soll jetzt eine zweite französische Fregatte entsandt werden.[2] An dem Einsatz beteiligen sich zudem je eine Fregatte aus Italien und Griechenland. Der französische Flugzeugträger Charles de Gaulle wiederum, der aktuell im östlichen Mittelmeer kreuzt – nahe Zypern –, wird von Kriegsschiffen der Niederlande, Spaniens und Italiens begleitet. Die deutsche Marine beteiligt sich nicht; die Fregatte Nordrhein-Westfalen, die vor Zypern liegt, ist dort lediglich im Rahmen des UN-Einsatzes UNIFIL präsent.

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Gefahr einer Ölpest: Immer mehr ukrainische Angriffe auf Tanker, aber keine Kritik aus der EU

Von vesti7.ru (übersetzt und eingeleitet von Thomas Röper) – 16. März 2026

Die ukrainischen Angriffe auf Tanker werden immer dreister. Im Schwarzen Meer wurde wieder ein Tanker angegriffen, und im Mittelmeer hat die Ukraine ohne Kritik aus der EU einen LNG-Tanker angegriffen, was zum Austritt von so viel CO2 geführt hat, wie 60.000 Haushalte pro Jahr produzieren.

Die grüne Doppelmoral der EU ist um ein weiteres Beispiel reicher. Vor knapp einer Woche hat die Ukraine im Mittelmeer einen LNG-Tanker angegriffen, was zu einer Umweltkatastrophe geführt hat, bei der die Grünen eigentlich hätten aufheulen müssen, denn dabei wurde so viel CO2 freigesetzt, wie 60.000 Haushalte im Jahr produzieren. Aber wenn die Ukraine so etwas tut, haben die Grünen plötzlich kein Problem mit CO2 in der Atmosphäre, wie uns schon die Sprengung der Nord Streams gezeigt hat, die die Grünen seinerzeit gefeiert haben.

Das gleiche gilt für eine mögliche Ölpest, die die Angriffe der Ukraine auf Öltanker im Schwarzen Meer provozieren können. Auch dazu gibt es von den Grünen oder der EU keinerlei kritische Worte.

Die letzten ukrainischen Angriffe auf Tanker waren das Thema eines Berichts, den das russische Fernsehen am Sonntag in seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblick gezeigt hat und den ich übersetzt habe. […]

Der explodierte russische Tanker ist zu einer tickenden Zeitbombe für Europa geworden

Vor kurzem wurde im Schwarzen Meer, 26 Kilometer vor Noworossijsk ein griechischer Tanker angegriffen, meldete der griechische Minister für Seeschifffahrt. Der Tanker wurde vom amerikanischen Konzern Chevron gechartert und war leer. Er wartete auf die Erlaubnis zum Einlaufen in den Hafen, um kasachisches Öl zu laden. Zum Zeitpunkt des Angriffs gab einen großen Drohnenangriff, über Stadt wurden 22 Drohnen abgeschossen.

Angriffe mit unbemannten Boote auf Tanker sind ein unverkennbares Markenzeichen des Bandera-Regimes in Kiew. Dies war der sechste Angriff auf zivile Tanker im Schwarzen Meer seit November 2025. Glücklicherweise wurde die Besatzung nicht verletzt, der Tanker selbst wurde jedoch schwer beschädigt. Athen wird beim Europäischen Rat Beschwerde einlegen, doch die Aussichten auf eine Bestrafung der Täter sind gering.

Der Grund ist Europas Doppelmoral. Sie verurteilen Terrorismus, aber ukrainische Terroristen sind „gute“ Terroristen, ja sogar nützliche. Sie werden nicht bestraft, sie dürfen alles, selbst wenn es Europa schadet.

Hier ist ein weiterer solcher Vorfall. Am 11. März griffen ukrainische Drohnen in der Region Krasnodar zwei Kompressorstationen an. De facto war das ein Angriff auf zwei internationale Gaspipelines gleichzeitig. Von der Kompressorstation Beregovaya fließt russisches Gas über die Blue-Stream-Pipeline durch das Schwarze Meer in die Türkei. Der Offshore-Abschnitt der TurkStream-Pipeline beginnt an der Station Russkaya. Von der Türkei aus wird das russische Gas weiter in die Länder Südosteuropas transportiert.

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Die EU stellt für Russland eine weitaus glaubwürdigere Bedrohung dar als umgekehrt

Von Andrew Korybko – 16. März 2026

Sollten die USA die Optimierung des militärisch-industriellen Komplexes, der militärischen Logistik und anderer verteidigungsrelevanter Angelegenheiten der EU mit dem Ziel überwachen, die entsprechenden Fähigkeiten Russlands „in den Schatten zu stellen“, könnte die Herausforderung, der sich Russland an seiner Westgrenze gegenübersieht, derjenigen vom Juni 1941 gleichen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow bekräftigte in einem kürzlich geführten Interview die seit langem verfolgte russische Politik, als er seinem Gesprächspartner sagte: „Wir werden keinen Teil Europas angreifen. Wir haben absolut keinen Grund dazu. Und sollte Europa beschließen, seine Drohungen wahrzumachen, sich auf einen Krieg gegen uns vorzubereiten und Russland anzugreifen, so sagte der Präsident, dass es sich unsererseits nicht um eine spezielle Militäroperation handeln werde, sondern um eine umfassende militärische Reaktion mit allen verfügbaren militärischen Mitteln gemäß den diesbezüglichen Doktrin-Dokumenten.“

Um dies näher zu erläutern: Russland hatte nie Pläne, durch eine Invasion der baltischen Staaten und/oder Polens einen Dritten Weltkrieg zu riskieren, da deren feindselige Bevölkerung auch bei einer Besetzung eine anhaltende Sicherheitsbedrohung darstellen würde. Alle gegenteiligen Behauptungen spiegeln lediglich das wider, was man als Trauma aus den dunkleren Phasen ihrer gemeinsamen Geschichte mit Russland bezeichnen kann, wobei die Einzelheiten dazu den Rahmen dieser Analyse sprengen würden. Es genügt zu wissen, dass Behauptungen über einen militanten russischen Revanchismus ihnen gegenüber jeglicher Grundlage entbehren.

Davon abgesehen besteht kein Zweifel daran, dass Polen und die übrigen europäischen NATO-Verbündeten generell eine ernstzunehmende Sicherheitsbedrohung für Russland darstellen; doch die Art dieser Bedrohung verändert sich, und der von Natur aus vorsichtige Putin wird keinen Erstschlag genehmigen, da er damit riskieren würde, den Dritten Weltkrieg auszulösen. Vor der Entwicklung von Hyperschallraketen durch Russland untergrub die US-Raketenabwehrinfrastruktur in Polen Russlands nukleare Zweitschlagfähigkeiten, doch die genannten Waffen haben seitdem die strategische Parität wiederhergestellt, indem sie diese Bedrohung neutralisiert haben.

Die jüngste von Polen ausgehende Bedrohung für Russland betrifft dessen beispiellosen militärischen Aufbau, der dazu geführt hat, dass das Land mit über 215.000 Soldaten die größte Armee der EU stellt, mit Plänen, bis 2030 300.000 und bis 2039 eine halbe Million zu erreichen (davon 200.000 Reservisten). „Deutschland konkurriert mit Polen um die Führung bei der Eindämmung Russlands“, während die EU im vergangenen Jahr den 800 Milliarden Euro schweren „ReArm Europe Plan“ verkündete, und all diese Reserven werden aufgrund des „militärischen Schengen“ rasch die russisch-weißrussische Grenze erreichen.

Dies bezieht sich auf das Anfang 2024 geschlossene Abkommen zwischen den Niederlanden, Deutschland und Polen, das den Transport von Truppen und Ausrüstung über ihre Grenzen hinweg erleichtern soll; Belgien und Frankreich sollen ebenfalls beitreten. Auch die Ostflanke der NATO wird rasch militarisiert, nicht nur durch eine Verdopplung der Rüstungsbeschaffungen und der Rekrutierungszahlen, sondern auch in Bezug auf die physische Infrastruktur. Die „EU-Verteidigungslinie“, die die „baltische Verteidigungslinie“ und Polens „Ostschild“ verbindet, entwickelt sich rasch zu einem neuen Eisernen Vorhang.

Besonders alarmierend ist, dass in der Nationalen Verteidigungsstrategie von Trump 2.0 festgestellt wird, dass „die europäische NATO Russland in Bezug auf Wirtschaftsleistung, Bevölkerung und damit latente Militärmacht in den Schatten stellt“ – all dies müsse lediglich richtig gesteuert werden, um Russland so effektiv wie möglich in Schach zu halten. Obwohl Russland das „logistische Wettrennen“ oder den „Zermürbungskrieg“ mit der NATO in der Ukraine gewinnt, wird es zunehmend schwieriger werden, seinen Vorsprung zu halten, und die potenzielle „Überlegenheit“ der EU hinsichtlich ihrer Fähigkeiten könnte im Falle eines Konflikts zu einer existenziellen Bedrohung werden.

Vor diesem Hintergrund deutete Lawrow nachdrücklich an, dass Russland im Falle einer hypothetischen Invasion durch die EU mit Atomwaffen reagieren würde. Sollten die USA die Optimierung des militärisch-industriellen Komplexes der EU, der militärischen Logistik und anderer verteidigungsrelevanter Angelegenheiten überwachen, könnte die zukünftige mögliche Herausforderung Russlands an seiner Westgrenze derjenigen vom Juni 1941 gleichen. Anders als damals ist Russland heute eine Atommacht, und dies könnte der einzige Faktor sein, der die EU davon abhält, in Russland einzumarschieren.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.