Viele Länder des US-geführten Westens stoppen Finanzierung der UNO-Hilfe für Gaza

Von Thomas Röper – 28. Januar 2024

Deutschland und andere westliche Länder stellen die Finanzierung des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) ein, obwohl es fast die einzige Organisation ist, die den Menschen in Gaza derzeit Hilfe leisten kann.

Israel hat am 27. Januar gefordert, dass das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) seine Aktivitäten komplett einstellt, weil angeblich Mitarbeiter der Organisation „mit der Hamas in Verbindung stehen und Anhänger mörderischer Ideologien sind, zu terroristischen Aktivitäten beitragen und die Macht der radikalen Bewegung in der Enklave unterstützen“. Über die Vorwürfe Israels schrieb der Spiegel unter der Überschrift „Skandal um UNRWA – Deutschland stellt Zahlungen an Palästinenserhilfswerk der Uno ein“:

„Israel hatte dem Hilfswerk Informationen übermittelt, wonach zwölf der mehreren Tausend Mitarbeiter der Organisation im Gazastreifen in das Blutbad verwickelt gewesen sein sollen. Sie wurden umgehend entlassen. Lazzarini und UN-Generalsekretär António Guterres zeigten sich entsetzt und drohten den Betroffenen mit strafrechtlichen Konsequenzen.“

Ob die israelischen Vorwürfe tatsächlich der Wahrheit entsprechen, ist mir nicht bekannt, aber nachdem bekannt wurde, dass Israel in Bezug auf den Angriff der Hamas schon einige enttarnte Lügen verbreitet hat, bin ich mit israelischen Behauptungen vorsichtig. Viele der über tausend der Hamas angelasteten Todesopfer sind offensichtlich von der israelischen Armee getötet worden und auch für die von Israel verbreitete Version, bei dem Angriff habe es massenhaft Vergewaltigungen gegeben, gibt es bisher keinerlei Belege.

Israel, dass den Gazastreifen offensichtlich entvölkern möchte, ist das UNRWA ein Dorn im Auge, weil es die Verbrechen der israelischen Armee dokumentieren kann. Außerdem sorgt es für schlechte Presse, wenn die UNO meldet, dass so viele UNO-Mitarbeiter wie in keinem anderen Konflikt in so kurzer Zeit Opfer des wahllosen Beschusses der israelischen Armee geworden sind. Israel hätte also durchaus Gründe, Schauergeschichten über das UNRWA zu verbreiten.

Aber selbst wenn die israelischen Vorwürfe der Wahrheit entsprechen und zwölf von über tausend Mitarbeitern des UNRWA in irgendeiner Form am Angriff der Hamas beteiligt gewesen sind, dann wäre das nur ein Prozent der UNRWA-Mitarbeiter. Das ist, zumal in einer Situation in der Israel de facto einen Völkermord in Gaza begeht und das UNRWA praktisch die einzige Organisation ist, die vor Ort zumindest ein bisschen Hilfe leisten kann, sicher kein Grund, die Finanzierung des UNRWA einzustellen. Wenn auch deren Hilfe versiegt, sind die Zivilisten in Gaza dem sicheren Tod ausgeliefert, denn schon jetzt leiden dort über eine halbe Million Menschen, also etwa ein Viertel der Bevölkerung, an akutem Hunger.

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Internationaler Gerichtshof urteilt gegen Israel, lehnt aber Anordnung zur Beendigung des Völkermords ab

Von Tom Carter – 28. Januar 2024

Am Freitag veröffentlichte der Internationale Gerichtshof (IGH) eine 86 Paragraphen umfassende Entscheidung über den Antrag der Regierung Südafrikas, die „vorläufige Maßnahmen“ gegen Israel angestrengt hatte. Südafrika hatte Israel vorgeworfen, in Gaza einen Völkermord unter Verstoß gegen die Völkermordkonvention von 1948 zu verüben.

Zwar ist die Entscheidung in zurückhaltendem Ton verfasst, aber dennoch vernichtend. Die Richter schreiben: „Zumindest einige der von Südafrika behaupteten Handlungen und Unterlassungen, die Israel in Gaza begangen haben soll, scheinen unter die Bestimmungen der Konvention zu fallen“.

Gleichzeitig lehnte es der IGH ab, einen Stopp der seit Monaten andauernden Angriffe Israels auf die Zivilbevölkerung in Gaza zu fordern, und ordnete lediglich als „vorläufige Maßnahmen“ an, dass Israel seinen bestehenden völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommen und innerhalb eines Monats einen Bericht vorlegen soll. Dieses eklatante Versäumnis, ein Ende des Gemetzels zu fordern – eine Forderung, die sich logisch aus den Feststellungen des Gerichts ergibt –, wird als das angesehen werden, was es ist: eine Kapitulation vor dem politischen Druck der imperialistischen Mächte.

Mit der Entscheidung bleibt der IGH weit hinter der von der UN-Generalversammlung im Dezember verabschiedeten Resolution zurück, in der sich 153 der 193 Mitgliedstaaten für einen „Waffenstillstand“ aussprachen. 10 stimmten dagegen (darunter die USA und Israel) und 23 enthielten sich (darunter das Vereinigte Königreich und Deutschland).

Stattdessen ordnete der IGH lediglich an, dass Israel innerhalb von 30 Tagen einen „Bericht“ über die Umsetzung der Anordnung vorlegt.

In diesem frühen Stadium des Verfahrens, das am 29. Dezember eingeleitet wurde, müssen die Richter lediglich feststellen, ob die Vorwürfe „plausibel“ sind, bevor sie einstweilige Anordnungen erlassen. Der Fall selbst wird sich wahrscheinlich über Jahre hinziehen, bevor er zu einem eindeutigen Ergebnis kommt.

Das Urteil des IGH wird zu Recht als vernichtende Anklage nicht nur gegen die israelische Regierung, sondern auch gegen den US-Nato-Imperialismus gewertet werden, der Israel in dem anhaltenden Völkermord in Gaza mit Waffen beliefert, finanziert und verteidigt hat.

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Geschichtsrevision. Der Westen und der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

Von Thomas Röper – 28. Januar 2024

Es hat fast schon Tradition, dass der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz im Westen für Propaganda und vor allem für die Umschreibung der Geschichte missbraucht wird. 2024 war da leider keine Ausnahme.

Im Westen wird versucht, die Geschichte Stück für Stück umzuschreiben. Die Älteren unter uns erinnern sich noch, dass die Rolle der Sowjetunion – also die Ostfront – das beherrschende Thema war, wenn vor 30 oder mehr Jahren, als die Zeitzeugen noch gelebt haben, über den Zweiten Weltkrieg berichtet wurde. Heute wird der Fokus mehr und mehr auf die Rolle der USA gerichtet, die Deutschland angeblich befreit haben, obwohl US-Truppen erst im September 1943 in Italien und im Juni 1944 in der Normandie in den Krieg in Europa eingegriffen haben. Während die Sowjetunion etwa zehn Millionen gefallene Soldaten zu beklagen hatte, haben die USA in Europa „nur“ etwa 292.000 Soldaten verloren. Trotzdem haben angeblich die USA die Nazis besiegt und Deutschland und Europa befreit, wie wir heute in westlichen Geschichtsbüchern Dokumentarfilmen lernen. …

2020 gingen die Versuche, auszutesten, wie weit die Geschichte im öffentlichen Bewusstsein bereits umgeschrieben wurde, so weit, dass der Spiegel zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz ein Bild veröffentlichte, auf dem geschrieben stand:

„Auschwitz war das größte Vernichtungslager der Nazis. Sie ermordeten dort mindestens 1,1 Millionen Menschen. Vor 75 Jahren wurde es von der amerikanischen Armee befreit.“

Auch wenn der Spiegel sich später entschuldigt und von einem „extrem peinlichen Fehler“ gesprochen hat, war das kein „Fehler“. Am gleichen Tag hat die US-Botschaft in Dänemark ebenfalls getweetet:

„Heute ist Internationaler Holocaust-Gedenktag. Vor 75 Jahren befreiten amerikanische Soldaten das Lager Auschwitz-Birkenau.“

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Der UAW-Apparat unterstützt den Kriegsverbrecher im Weißen Haus

Von Jerry White – 27. Januar 2024

Am Mittwoch unterstützte die Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) auf ihrer nationalen politischen Aktionskonferenz in Washington, D.C. die Wiederwahlkampagne von US-Präsident Joe Biden. Mit ihrer Unterstützung macht die UAW-Bürokratie gemeinsame Sache mit dem weithin verhassten Kriegsverbrecher im Weißen Haus, der Israels Völkermord in Gaza koordiniert.

Die Unterstützung rief Widerstand hervor, und Demonstranten unterbrachen Bidens Rede mit Rufen wie „Waffenstillstand jetzt.“ Die UAW-Mitglieder, zu denen auch wissenschaftliche Mitarbeiter der Columbia- und der Northeastern University gehörten, wurden schnell von faschistischen UAW-Schlägern und Agenten des Secret Service umzingelt, die ihre palästinensische Flagge ergriffen und sie an den Armen aus dem Saal zerrten. Währenddessen riefen die UAW-Bürokraten wiederholt „U-A-W“, um die Stimmen der Demonstranten zu übertönen.

Aufgrund des weit verbreiteten Widerstands der Arbeiter gegen das von den USA unterstützte Gemetzel in Gaza hatte sich die UAW letzten Monat gezwungen gesehen, eine zahnlose Resolution anzunehmen, in der Biden aufgefordert wurde, einen Waffenstillstand zu fordern. Dies war jedoch ein heuchlerischer Trick, der vom UAW-Kommunikationsdirektor Jonah Furman, dem Direktor des Distrikts 9A, Brandon Mancilla, und anderen Mitgliedern der Demokratischen Sozialisten Amerikas (DSA) eingefädelt wurde, um dem UAW-Präsidenten Shawn Fain den Anschein zu verleihen, er sei gegen den Krieg.

In seiner Vorstellung von Biden sagte Fain vorhersehbar nichts über Gaza oder den sich ausweitenden Krieg des Präsidenten gegen Russland und die militärischen Vorbereitungen gegen China, die die Menschheit mit der nuklearen Vernichtung bedrohen. Stattdessen tat er so, als könnten die Arbeiter ihre Löhne erhöhen, ihre Renten absichern und die soziale Ungleichheit bekämpfen, ohne einen Kampf gegen den Krieg zu führen.

Er behauptete, dass Biden, ein lebenslanges Werkzeug der Wall Street und „Senator von Dupont“ [einem großen Chemie-Konzern, zeitweise größtes Unternehmen in Bidens Heimatstaat Delaware, d.Übers], sich gegen „die Milliardärsklasse“ stellen und für „wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit“ kämpfen würde.

In Wirklichkeit führt die amerikanische herrschende Klasse einen Krieg an zwei Fronten, der sowohl von der demokratischen als auch von der republikanischen Partei unterstützt wird. Die eine besteht darin, ihre geopolitischen Rivalen, vor allem Russland und China, zu besiegen und die Ressourcen und Menschen der Welt der globalen Hegemonie des US-Imperialismus zu unterwerfen. Die andere ist ein Klassenkrieg im eigenen Land, um die Arbeiterklasse zu verarmen und die Art von Sparmaßnahmen und autoritärer Arbeitsdisziplin durchzusetzen, die zur Finanzierung und Produktion der Waffen für den Dritten Weltkrieg erforderlich sind.

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Holocaust-Überlebender Rene Lichtman: „Israel begeht Kriegsverbrechen in Gaza. Wir müssen uns wehren“

Interview: Jerry White, Zac Corrigan und Usman Khan – 27. Januar 2024

Rene Lichtman, geboren 1937, ist ein „verstecktes Kind“, das den Holocaust überlebt hat und sich gegen den anhaltenden israelischen Völkermord in Gaza wehrt. Als Sohn zweier polnischer Juden, die in den 1930er Jahren nach Frankreich flohen, wurde Rene im Alter von zwei Jahren bei einer katholischen Familie außerhalb von Paris versteckt, nachdem sein Vater 1940 während der Nazi-Invasion getötet und seine Mutter gezwungen worden war, sich zu verstecken.

Nach dem Krieg zog Rene mit seiner Mutter nach Brooklyn, New York. In den 1960er Jahren radikalisierte er sich politisch und wurde zu einem aktiven Gegner des Vietnamkriegs. Rene war ein Gründungsmitglied der World Federation of Jewish Child Survivors of the Holocaust. Am 22. Dezember 2023 nahm Rene an einer Demonstration vor dem Zekelman Holocaust Center in Farmington Hills, Michigan, gegen die von den USA unterstützten israelischen Massaker in Gaza teil.

Anfang dieses Monats sprach er mit der World Socialist Web Site. Das Video enthält deutsche Untertitel.

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Die Gasknappheit in Europa dürfte sich verschärfen

Von Thomas Röper – 27. Januar 2024

Die Gasknappheit in der EU dürfte sich verschärfen, denn die USA haben den Bau neuer LNG-Terminals gestoppt, die Flüssiggas nach Europa liefern sollten, und die Ukraine will ihren Gastransitvertrag Ende 2024 auslaufen lassen.

Die Meldung hat in deutschen Medien nicht viele Schlagzeilen gemacht, aber sie war für die Branche ein Alarmsignal. Am Freitag gab das Weiße Haus bekannt, dass die US-Regierung alle neuen Entscheidungen über LNG-Exporte so lange aussetzen werde, bis das Energieministerium neue Kriterien für Genehmigungen vorlegt.

Der Hintergrund ist, dass der Export von LNG in den USA stark angestiegen ist, die USA sind inzwischen der größte LNG-Exporteur der Welt. Um die Nachfrage zu decken, müssen neue LNG-Terminals gebaut werden und diese Baumaßnahmen sind damit erst einmal gestoppt.

Die USA als zuverlässiger Gaslieferant?

Da die EU beschlossen hat, sich vom billigen russischen Gas zu trennen und lieber das teurere US-Frackinggas zu kaufen, das als Flüssiggas (LNG) nach Europa transportiert wird, dürften die Gaspreise in Europa dadurch weiter steigen, denn die EU hat auf steigende Lieferungen aus den USA gesetzt, um die angebliche Abhängigkeit vom bösen russischen Gas zu beenden. Allerdings hat es mit den Lieferungen aus Russland in über 50 Jahren nie Probleme gegeben, mit den angeblich so zuverlässigen USA beginnen die Probleme schon jetzt.

Das Handelsblatt schreibt über die Auswirkungen:

„Sefe, einer der großen Gasimporteure Deutschlands, sieht die Ankündigung kritisch: „Das von der US-Regierung einseitig beschlossene Moratorium betrifft uns als Unternehmen und generell die Stabilität und Versorgungssicherheit der europäischen Energiemärkte. Wir werden nun gemeinsam mit unseren Partnern in den USA die Folgen einer solchen Entscheidung bewerten“, hieß es bei Sefe.“

LNG ist teuer und schmutzig

Besonders heikel ist die Entscheidung aus Washington aber noch aus einem anderen Grund, denn die EU-Kommission und Bundesregierung – und vor allem die Grünen – erzählen uns ständig, dass die Reduzierung von Treibhausgasen angeblich oberste Priorität hat, weil die Welt sonst wegen des angeblich menschengemachten Klimawandels untergeht.

Das Weiße Haus hat die Entscheidung mit einer eigenen Analyse begründet, in der es heißt, wenn alle geplanten LNG-Projekte ungebremst weiterlaufen, würden 3,2 Milliarden Tonnen Treibhausgase zusätzlich freigesetzt. Das wäre mehr, als die gesamte EU in einem Jahr ausstößt.

Und dieses LNG aus den USA präsentieren uns die Klimabewegten in Berlin und Brüssel als Alternative zum viel saubereren russischen Pipelinegas!

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Lawrows Aussagen bei der UNO

Von TASS (Übersetzung: Thomas Röper) – 25. Januar 2024

Der russische Außenminister Sergej Lawrow war bei der UNO in New York und hat sich den sich dabei auch den Fragen der internationalen Presse gestellt. Die TASS hat seine wichtigsten Aussagen zusammengefasst:

Fakten über den Absturz der IL-76 und die „russische Bedrohung“: Worüber Lawrow in den USA gesprochen hat

Russland ist das letzte Land, das sich einen Krieg wünschen könnte, daher sind Aussagen über die „russische Bedrohung“ grundlos, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow auf einer Pressekonferenz im Anschluss an seine Teilnahme an den Veranstaltungen des UN-Sicherheitsrates.

Der Minister betonte, dass der Westen die Militäroperation in der Ukraine unvermeidlich gemacht habe, zeigte sich skeptisch gegenüber Vorschlägen zur raschen Beilegung des Konflikts und bezeichnete die Methoden Kiews mit Blick auf den Absturz des russischen Flugzeugs mit ukrainischen Gefangenen als terroristisch. Er sprach auch über die Kontakte zwischen Moskau und Washington, die Aussichten für eine Lösung des Palästina-Konflikts und bewertete die Lage im Jemen.

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Trump gewinnt Vorwahlen in New Hampshire

Von Barry Grey – 24. Januar 2023

Ex-Präsident Donald Trump setzte sich bei den Vorwahlen (Primary) in New Hampshire am Dienstag mit Leichtigkeit gegen die ehemalige Gouverneurin von South Carolina und frühere UN-Botschafterin, Nikki Haley, durch. Er erhielt 54,6 Prozent der Stimmen und elf Delegierte. Damit festigte er weiter seinen Einfluss in der Nominierungsphase für die republikanische Präsidentschaftskandidatur.

Nur acht Tage vor Trumps Sieg in New Hampshire hatte er in den „Iowa Caucuses“ mit 51 Prozent deutlich mehr Stimmen geholt als der zweitplatzierte Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, und die drittplatzierte Haley zusammen. DeSantis zog am Sonntag seine Kandidatur zurück und erklärte seine Unterstützung für Trump. Die Ergebnisse in New Hampshire, den ersten republikanischen Vorwahlen, könnten auch das Ende von Haleys Kandidatur noch vor den nächsten Vorwahlen in South Carolina am 24. Februar bedeuten.

Damit wäre der Vorwahlkampf der Republikaner so früh beendet wie noch nie zuvor. Ex-Präsident Trump war bei der letzten Wahl deutlich unterlegen und versuchte danach, das Ergebnis durch einen faschistischen Angriff auf das Kapitol zu kippen. Er wurde in 91 Einzeltatbeständen angeklagt. Dass er wahrscheinlich bei den Präsidentschaftswahlen im November für die Republikaner kandidieren wird und gute Aussichten auf einen Sieg hat, zeugt von der beispiellosen Krise und dem Zusammenbruch der amerikanischen Demokratie.

Es ist nicht nur ein vernichtendes Zeugnis für die Republikaner, deren Verwandlung in eine faschistische Partei weit fortgeschritten ist, sondern für das gesamte Zweiparteiensystem. Die politische Hauptverantwortung dafür, dass Trump erneut Chancen hat, liegt bei der Biden-Regierung und den Demokraten. Sowohl vor als auch nach Trumps fast erfolgreichem Putsch am 6. Januar 2021 haben sie versucht, die Komplizenschaft der gesamten republikanischen Führung und beträchtlicher Teile des Militär-, Geheimdienst- und Staatsapparats bei Trumps Versuch, sich zum Diktator aufzuschwingen, vor der amerikanischen Bevölkerung zu verheimlichen.

Ihre größte Sorge war von Anfang an, die Republikanische Partei zu retten, vorzugsweise unter einer neuen Führung. Damit sollten die Pläne des amerikanischen Imperialismus – Krieg gegen Russland, den Iran und China – verwirklicht und das Zweiparteiensystem als Rahmen für massive Angriffe auf die demokratischen und sozialen Rechte der eigenen Arbeiterklasse gestärkt werden.

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Mehr als 25.000 Todesopfer in Gaza, Israel droht mit Einmarsch in den Libanon

Von Alex Lantier – 22. Januar 2024

Wie das Gesundheitsministerium des Gazastreifens mitteilte, ist die bestätigte Zahl der Todesopfer durch den völkermörderischen Angriff der israelischen Regierung am Wochenende auf über 25.000 gestiegen. Ministeriumssprecher Ashraf al-Qudra erklärte am Sonntag, innerhalb der letzten 24 Stunden seien weitere 178 Menschen getötet worden, womit die Zahl der bestätigten Toten auf 25.105 gestiegen ist. Weitere 8.000 Palästinenser werden vermisst und gelten als tot. Dazu kommen 62.681 Verwundete.

Bei Luft- und Panzerangriffen auf die Stadt Chan Yunis im Süden wurde das Nasser-Krankenhaus getroffen, das seit der Zerstörung des Al-Shifa-Krankenhauses durch israelische Truppen das größte noch funktionsfähige Krankenhaus im Gazastreifen ist. Hani Mahmoud von Al Jazeera berichtete aus Chan Yunis: „Scharfschützen haben auf den Dächern von Hochhäusern Stellung bezogen und schießen auf Menschen in den Straßen. Die Menschen im Krankenhaus können nirgendwo mehr hin… Es gibt Kämpfe von Straße zu Straße und von Haus zu Haus.“

Berichten zufolge gab es auch im Norden des Gazastreifens schwere Bombenangriffe, u.a. auf Gaza-Stadt. In Rafah, nahe der Südgrenze des Gazastreifens zu Ägypten, wurden fünf Menschen bei einem Luftangriff auf ein ziviles Auto getötet.

Die letzte Woche, seit Südafrika beim Internationalen Gerichtshof (IGH) Klage gegen Israel wegen Völkermords eingereicht hat, war laut Euro-Med Monitor eine der bisher blutigsten. Wie die humanitäre Organisation berichtete, haben israelische Streitkräfte in der letzten Woche 1.108 Menschen getötet, darunter 208 Frauen und mindestens 390 Kinder. Von den 1.934 bestätigten Verwundeten durch israelische Angriffe während der letzten Woche waren mindestens 70 Prozent Frauen und Kinder.

Das israelische Regime verfolgt mit seinem völkermörderischen Angriff auf wehrlose Zivilisten das Ziel, die palästinensische Bevölkerung zu vernichten und den Gazastreifen unbewohnbar zu machen. Mehr als ein Prozent der 2,3 Millionen Einwohner von Gaza wurden getötet, mehr als vier Prozent sind entweder tot, verwundet oder vermisst. Mehr als 60 Prozent der Wohngebäude sind laut Berichten der Weltbank und der Times of Israel schwer beschädigt, 45 Prozent sind unbewohnbar. Laut Berichten der Vereinten Nationen leidet mindestens ein Viertel der Bevölkerung von Gaza unter extremem Hunger, und mehr als 85 Prozent sind aus ihren Häusern geflohen.

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Lenins Platz in der Geschichte

Von David North – 22. Januar 2024

Anlässlich des 100. Todestags von Lenin am 21. Januar veröffentlichen wir erneut diesen Essay des Vorsitzenden der internationalen WSWS-Redaktion, David North. Er erschien ursprünglich zum 150. Geburtstag Lenins am 22. April 2020.


Vor 150 Jahren, am 22. April 1870, wurde in der russischen Stadt Simbirsk Wladimir Iljitsch Uljanow geboren. Als Gründer der Bolschewistischen Partei und Führer der Oktoberrevolution von 1917 ging er unter dem Namen Lenin in die Geschichte ein. Ganz ohne Zweifel war er eine herausragende Persönlichkeit in der Politik und Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Leo Trotzki schrieb einmal, dass das ganze Wesen Lenins in der Oktoberrevolution zusammengefasst ist. Was Trotzki mit dieser Beobachtung meinte, führte er in seiner Geschichte der Ereignisse von 1917 aus: „Neben Fabriken, Kasernen, Dörfern, Front, Sowjets besaß die Revolution noch ein Laboratorium: Lenins Kopf.“

Dieser Kopf hatte sich jahrzehntelang mit dem Problem der Revolution beschäftigt. In der Eroberung der politischen Macht durch die russische Arbeiterklasse im Oktober 1917 trafen zwei weltgeschichtliche Prozesse zusammen: erstens die Entwicklung der Widersprüche des russischen und des Weltkapitalismus und zweitens Lenins langwieriger, auf eine philosophisch-materialistische, d. h. marxistische Analyse der objektiven sozioökonomischen Bedingungen gestützter Kampf für den Aufbau der revolutionären sozialistischen Partei, die für die Arbeiterklasse notwendig ist, um ihre Unabhängigkeit von allen politischen Agenturen der Bourgeoisie zu erlangen.

Wenn man das Genie und die einzigartige historische Rolle Lenins zu beschreiben sucht, muss man sagen, dass es außer Marx und Engels keine andere Gestalt in der Geschichte der sozialistischen Bewegung gibt, in deren politischer Arbeit das Verhältnis zwischen der bewussten Anwendung des philosophischen Materialismus – bereichert durch die neuesten Erkenntnisse der Naturwissenschaft (insbesondere der Physik) – und der Erarbeitung der politischen Analyse und revolutionären Strategie einen solch expliziten, systematischen und in sich geschlossenen Ausdruck fand.

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