Haben ukrainische Söldner separatistische anti-indische Terroristen in der Drohnenkriegsführung ausgebildet?

Von Andrew Korybko – 17. März 2026

Ukrainische Söldner wurden dabei erwischt, wie sie von Indien als Terroristen eingestufte Personen in der Drohnenkriegsführung ausbildeten. Ob dies auf Geheiß der USA oder hinter deren Rücken geschah, muss noch geklärt werden. Sehr wahrscheinlich hat Russland Indien einen Hinweis gegeben.

Sechs Ukrainer und ein Amerikaner wurden gerade in Indien festgenommen, mit der Begründung, dass sie von dort aus illegal in das benachbarte Myanmar eingereist seien, um von Indien als Terroristen eingestufte Personen in der Drohnenkriegsführung auszubilden. Für diejenigen, die es nicht wissen: Der Nordosten Indiens ist seit der Unabhängigkeit Schauplatz zahlreicher ethnisch-separatistischer Aufstände, und einige dieser Gruppen suchen nun Zuflucht im kriegsgeschüttelten Myanmar und lassen sich dort ausbilden. Der jüngste Konflikt brach Anfang 2023 in Manipur aus und wurde damals hier behandelt.

Drei Faktoren prägen die regionale Geopolitik neu. Der wichtigste ist die Entspannung zwischen Indien und den USA, die durch ihr noch nicht unterzeichnetes Handelsabkommen herbeigeführt wurde, nachdem die Beziehungen unter Biden und im ersten Jahr von „Trump 2.0“ mehrere Jahre lang angespannt waren. Darauf folgte die „Pakistanisierung“ Bangladeschs nach dem Rücktritt von Ministerpräsidentin Sheikh Hasina infolge des von den USA unterstützten Staatsstreichs im Sommer 2024 und schließlich die jüngste Runde des Bürgerkriegs in Myanmar, in dem die USA im Verdacht stehen, regierungsfeindliche Gruppen zu unterstützen, aber auch wichtige Mineralien von der Junta beziehen wollen.

Dementsprechend stehen die USA zwar mittlerweile in einem besseren Verhältnis zu Indien, versuchen aber weiterhin, das Land über Bangladesch einzudämmen, und könnten von Indien verlangen, dass es die Nutzung seiner Grenzregionen zur Bewaffnung regierungsfeindlicher Gruppen in Myanmar zulässt, um die dortige Junta zu einem Abkommen über kritische Mineralien zu zwingen. Indien verhält sich in diesem Krieg neutral, obwohl es pragmatische Beziehungen zur Junta unterhält und viele mit den unbewaffneten Mitgliedern der politischen Opposition sympathisieren; eine Hypothese lautet daher, dass die USA Indien nicht um Erlaubnis gefragt haben und dies hinter Indiens Rücken tun.

Wenn das der Fall ist, dann hat Trump dem entweder zugestimmt, oder sein „Deep State“ handelt erneut hinter seinem Rücken, vielleicht um einseitig Fortschritte bei dem geopolitischen Projekt zu erzielen, vor dem der ehemalige bangladeschische Staatschef Anfang 2024 im Zusammenhang mit der Schaffung eines christlichen Stellvertreterstaates in der Region gewarnt hatte. Beide Szenarien würden nichts Gutes für ihre neu gefundene Entspannung verheißen, doch es gibt noch einen weiteren Punkt, der ebenfalls in Betracht gezogen werden sollte, nämlich dass die Ukraine dies aus eigener Initiative und ohne Zustimmung der USA tut.

Selenskyj erklärte Ende Januar: „Die Ukraine braucht eine engagierte, starke Geheimdienstabteilung, die im Ausland auf einem Niveau operieren kann, das mit den weltweit besten ausländischen Kampfgeheimdiensten vergleichbar ist. Ihr Schwerpunkt liegt auf externen Operationen – nicht nur auf Einflussnahme, nicht nur auf der Sammlung von Daten oder der Rekrutierung von Agenten, sondern auf echten Kampfhandlungen und anderen asymmetrischen Operationen, die für den Schutz der Interessen der Ukraine unerlässlich sind.“ Dies folgt auf die Söldneraktivitäten der Ukraine im Sudan und in Mali, die mit den Interessen der USA im Einklang stehen.

Manchmal läuft diese Söldneraktivität jedoch den Interessen der USA zuwider, wie etwa im Zusammenhang mit Russlands Vorwurf, die Ukraine habe sich heimlich mit von Ruanda unterstützten Rebellen im Konflikt dieses Landes mit dem Kongo verbündet, für den Trump im vergangenen Jahr ein auf Rohstoffe ausgerichtetes Friedensabkommen ausgehandelt hatte. Dieser Präzedenzfall lässt vermuten, dass sich Kiew auch in Indien hinter dem Rücken der USA engagiert haben könnte, wahrscheinlich gegen Bezahlung, oder dass die USA die Ukraine unter diesem Vorwand opfern könnten, nachdem Indien eine möglicherweise tatsächlich gemeinsame Operation aufgedeckt hat.

Hoffentlich wird die Öffentlichkeit angesichts der politischen Bedeutung dieses Falls über diese Ermittlungen auf dem Laufenden gehalten. Zumindest hat die Ukraine von Indien als Terroristen eingestufte Personen in der Drohnenkriegsführung ausgebildet, möglicherweise auf Geheiß der USA. Es ist auch wahrscheinlich, dass Indien von Russland, das alle Aktivitäten ukrainischer Söldner genau beobachtet, einen Hinweis erhalten hat. Das würde die weit verbreitete Behauptung weiter widerlegen, Russland glaube, Indien habe es „verraten“. In Wirklichkeit arbeiten beide Länder Hand in Hand, um ukrainische Söldner in der Region zu stoppen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Die Ukraine greift TurkStream mit Drohnen an

Von Thomas Röper – 17. März 2026

Die Ukraine hat in den letzten Tagen die Gaspipeline TurkStream mit Drohnen angegriffen. Hätte sie Erfolg, würde das die Gaskrise in Europa weiter verschärfen.

Deutsche Medien berichten darüber bestenfalls nebenbei, dabei sind das für Europa sehr wichtige Meldungen. In den letzten Tagen hat die Ukraine Pumpstationen der Gaspipelines TurkStream und Blue Stream in Russland mit Drohnen angegriffen. Die russische Luftabwehr konnte die Angriffe bisher abwehren, aber sollte die Ukraine eines Tages Erfolg haben, würde das sowohl die Türkei als auch europäische Länder wie Ungarn, die Slowakei und Serbien schwer treffen, die dann ohne russisches Pipeline-Gas dastehen würden.

Da deren Versorgung dann aus anderen Quellen erfolgen müsste, hätte das auch negative Folgen für den Weltmarkt, auf dem die Gaspreise wegen des Iran-Krieges ohnehin astronomische Höhen erreicht haben. Und natürlich würden die Gaspreise in der EU noch einmal steigen, weil Ungarn, die Slowakei und Serbien dann ebenfalls LNG bräuchten, von dem es in der EU schon jetzt zu wenig gibt, wie die extrem leeren Gasspeicher zeigen.

Trotzdem hört man weder aus Brüssel noch aus den großen EU-Staaten irgendeine Kritik an der Ukraine. Selbst dann, wenn es der Wirtschaft der EU schadet, von deren Unterstützung Kiew lebt, kann das Selensky-Regime machen was es will. Die EU verschließt sogar vor ukrainischem Energieterrorismus, der der EU selbst schadet, die Augen.

Kiew setzt auf maximalen Schaden
Kiew legt es dabei auf Beschädigungen der Pipelines an, die sie möglichst lange ausschalten würden. Daher greifen die Drohnen nicht nur die oberirdischen Gasleitungen an, sondern vor allem die Kompressorstationen, denn sollte ein Gasrohr beschädigt werden, dauert sein Austausch nur einige Tage. Würde jedoch eine Kompressorstation mit ihren komplexen Gasturbinen beschädigt, würde sich die Reparatur über Monate hinziehen.

Während in den Erdgaskompressorstationen von TurkStream russische Turbinen verbaut sind, ist in der Kompressorstation „Beregowaja“ der Gaspipeline Blue Stream eine Turbine des US-Herstellers General Electric installiert, die wegen der Sanktionen derzeit nicht ersetzt werden kann. Da Blue Stream die Türkei mit Gas versorgt, bedeuten diese Angriffe de facto Angriffe auf die Türkei.

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Von der Leyen räumt Verluste durch hohe Energiepreise ein, will russisches Gas aber trotzdem verbieten

Von Thomas Röper – 17. März 2026

Ursula von der Leyen hat gegenüber Reuters erstmals eingeräumt, dass die in der Folge des Iran-Krieges gestiegenen Energiepreise der Wirtschaft der EU schaden, und Gegenmaßnahmen zur Senkung der Energiepreise angekündigt. Gleichzeitig bleibt sie dabei, den Import von billigem russischen Gas verbieten zu wollen.

Reuters berichtet über ein Schreiben von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, in dem sie erstmals eingeräumt hat, dass der Krieg im Iran der europäischen Wirtschaft schadet, und in dem sie versprach, gezielte Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise in der EU zu unternehmen. Würden die Unterbrechungen der Öl- und Gaslieferungen aus dem Persischen Golf länger andauern, werde das der „Wirtschaft der EU einen schweren Schlag versetzen“, schrieb sie.

Außerdem versprach von der Leyen „kurzfristige, gezielte Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise“, einschließlich der Strompreise, und zur Subventionierung hoher Energiepreise für Industrie und Gaskraftwerke. Die EU-Kommission erwäge möglicherweise auch die Einführung einer Preisobergrenze für Strom. Zudem kündigte von der Leyen an, die Umweltvorschriften der EU angesichts der eskalierenden Krise anzupassen. Reuters zitierte aus dem Brief, die EU-Kommission beabsichtige, „die Regeln für den Emissionshandel an die Bedenken der Industrie anzupassen“. Von der Leyen betonte jedoch, dass diese Maßnahmen den langfristigen „Green Deal“ der EU-Kommission, der auf die vollständige Abschaffung fossiler Brennstoffe abzielt, nicht untergraben sollten.

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Abschiebung in den Krieg

Von German-Foreign-Policy.com – 17. März 2026

Deutschland intensiviert die Abschiebungen nach Afghanistan trotz der Menschenrechtslage und trotz eines neuen Krieges zwischen Afghanistan und Pakistan. Eine Ursache des Krieges sind Grenzkonflikte, die auf die Kolonialzeit zurückgehen.

Die Bundesrepublik schiebt Afghanen nicht nur ungeachtet der desolaten Menschenrechtslage am Hindukusch, sondern auch trotz immer wieder aufflackernder Kriegshandlungen zwischen Afghanistan und Pakistan nach Kabul ab. Ende Februar führte sie ihren bereits dritten Abschiebeflug durch; er führte direkt in die afghanische Hauptstadt und war das Ergebnis monatelanger Verhandlungen zwischen den deutschen Behörden und den Taliban. Der Verhandlungsprozess begann mit der Akkreditierung von zwei Taliban-Beamten beim afghanischen Generalkonsulat in Bonn im Oktober vergangenen Jahres. Unmittelbar darauf folgte der Besuch zweier deutscher Beamter in Kabul. Gleichzeitig treibt die Bundesregierung ihren Plan voran, die Aufnahme einstiger afghanischer „Ortskräfte“ vor allem der Bundeswehr „soweit wie möglich“ zu beenden. Die jüngste Abschiebung fand genau an dem Tag statt, an dem der Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan zum Krieg eskalierte; die pakistanische Luftwaffe griff unter anderem Kabul an. Pakistan wirft Afghanistan vor, Terrorgruppen gegen es einzusetzen, und behauptet, Indien nutze die afghanischen Taliban als Stellvertreter in seinem Konflikt mit Islamabad.

Die dritte Abschieberunde

Am 26. Februar hatte die Bundesrepublik 20 wegen Straftaten verurteilte afghanische Staatsbürger nach Afghanistan abgeschoben.[1] Es war bereits die dritte derartige Operation, nachdem Berlin die Abschiebungen in das Land nach der Machtübernahme durch die Taliban im Jahr 2021 zunächst ausgesetzt hatte. Der Charterflug mit 20 afghanischen Männern führte Berichten zufolge vom Flughafen Leipzig/Halle direkt nach Kabul. In einer am selben Tag veröffentlichten Erklärung betonte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, „die Abschiebung von Straftätern“ sei „ein zentraler Baustein … in der Migrationspolitik“ der Bundesregierung. Eine dazu geschlossene „Vereinbarung“ mit den Taliban schaffe „eine verlässliche Grundlage für direkte und dauerhafte Abschiebungen nach Afghanistan“.[2] Wie das Innenministerium mitteilte, handelte es sich bei der Maßnahme vom 26. Februar um den „erste[n] Charterflug auf der Grundlage dieser Vereinbarung zu regelmäßigen Rückführungen“ an den Hindukusch. Die Abschiebung war die erste, die ohne Vermittlung eines Drittlandes wie Qatar von Berlin und den Behörden in Kabul organisiert wurde.

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Haben die USA noch die Kraft für eine militärische Operation gegen Kuba?

Von Thomas Röper – 17. März 2026

Trump hat erklärt, ihm gebühre die Ehre, „Kuba einzunehmen“. Aber haben die USA nach der Fehlkalkulation im Iran dazu noch die Kraft?

US-Präsident Trump meint, er werde die Ehre haben, „Kuba einzunehmen“. Das sagte er gestern im Oval Office, nachdem er ein Dekret zur Verschärfung des Kampfes gegen Betrug in verschiedenen staatlichen Hilfsprogrammen für Bedürftige unterzeichnet hatte. Er sagte:

„Ich glaube wirklich, dass ich die Ehre haben werde, Kuba einzunehmen. Das wäre eine gute Sache. Eine große Ehre.“

Auf die Nachfrage, ob er damit tatsächlich meine, „Kuba einzunehmen“, antwortete er:

„Ja, in irgendeiner Form. Ich meine, es ist nicht wichtig, ob ich es befreie oder einnehme, ich könnte damit machen, was ich will, wenn Sie die Wahrheit wissen wollen.“

Er weigerte sich, zu sagen, ob die USA für Kuba eher ein Szenario anstreben, das der Situation in Venezuela oder eher der Situation im Iran ähnelt. Das könne er nicht sagen, antwortete er, aber er sagte, die kubanische Regierung würde mit den USA verhandeln.

Tatsächlich gab der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel am 13. März bekannt, dass Havanna und Washington Gespräche geführt hätten, „um durch Dialog Lösungen für bilaterale Differenzen zu finden“. Das Ziel des Dialogs sei es, Probleme zu identifizieren und Lösungen zu finden, „die Bereitschaft beider Seiten zu konkreten Maßnahmen zum Wohle der Völker beider Länder zu finden“ und „Kooperationsbereiche zur Bekämpfung von Bedrohungen und zur Gewährleistung von Sicherheit und Frieden zu identifizieren“. Kuba habe seine Bereitschaft bekundet, diesen Prozess auf der Grundlage von Gleichberechtigung und Achtung der politischen Systeme beider Länder sowie der Souveränität und Selbstbestimmung der Regierung in Havanna zu führen, fügte Díaz-Canel hinzu.

Nun ist allerdings bekannt, dass die USA andere Länder nicht als gleichberechtigt ansehen und keinerlei Achtung vor anderen politischen Systemen haben, sondern aller Welt ihr System aufzwingen wollen. Wie die Ereignisse in Venezuela und dem Iran zeigen, unterscheidet sich Trump darin – anders als er im Wahlkampf versprochen hat – in keiner Weise von vorherigen US-Regierungen.

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Die NATO steht vor einem Dilemma: Soll sie sich Trumps geplanter Marinekoalition zur Sicherung der Straße von Hormus anschließen?

Von Andrew Korybko – 17. März 2026

Trump deutete an, dass er der NATO den Verkauf von Waffen für den Transfer in die Ukraine verweigern könnte, sollte sie seine Forderung ablehnen, sich der Marinekoalition für die Straße von Hormus anzuschließen. Das würde Russland wahrscheinlich den Sieg im Ukraine-Stellvertreterkrieg bescheren, den die NATO-Staaten seit inzwischen vier Jahren zu verhindern suchen; andererseits wollen sie aber auch keine militärischen Verluste im Krieg gegen den Iran riskieren, die die Karrieren ihrer Politiker ruinieren könnten.

Trump warnte in einem Interview mit der Financial Times: „Wenn es keine Antwort gibt oder wenn es eine negative Antwort ist (auf seine vorgeschlagene Hormus-Marinekoalition), denke ich, dass das sehr schlecht für die Zukunft der NATO sein wird … Wir haben so etwas wie die NATO. Wir waren sehr nett. Wir hätten ihnen in der Ukraine nicht helfen müssen. Die Ukraine ist Tausende von Kilometern von uns entfernt … Aber wir haben ihnen geholfen. Jetzt werden wir sehen, ob sie uns helfen. Denn ich habe schon lange gesagt, dass wir für sie da sein werden, aber sie nicht für uns. Und ich bin mir nicht sicher, ob sie da sein werden.“

Die bedrohliche Andeutung ist, dass Trump möglicherweise aufhören könnte, „der NATO in der Ukraine-Frage zu helfen“, was darin bestehen könnte, ihnen keine Waffen mehr für den Transfer in dieses Land zu verkaufen, wenn sie sich nicht an seiner vorgeschlagenen Hormus-Marinekoalition beteiligen und „einige böse Akteure an der [iranischen] Küste ausschalten“. Dies bringt die NATO in ein Dilemma, da ihr Ziel darin besteht, den Ukraine-Krieg so lange aufrechtzuerhalten, bis in den USA eine neue antirussische Regierung an die Macht kommt, sie aber auch keine militärischen Verluste im Angriffskrieg gegen den Iran riskieren will.

Der Stellvertreterkrieg der NATO gegen Russland in der Ukraine kann nicht weitergehen, wenn sich die USA zurückziehen, doch der Tod von Soldaten in einem weit entfernten Kriegsgebiet – insbesondere ein Ereignis mit zahlreichen Opfern, wie etwa die Versenkung eines ihrer Schiffe durch den Iran – könnte Unruhen auslösen und die Karrieren derjenigen, die dies genehmigen, bei den nächsten Wahlen ruinieren.

Dieses Dilemma hat noch eine weitere Ebene: Wenn man den USA nicht dabei hilft, die Meerenge wieder zu öffnen, bleiben die Ölpreise länger hoch, was wiederum mehr Wähler verärgert; es könnte aber auch dazu führen, dass die USA ihre vorübergehende Sanktionsausnahme für russisches Öl verlängern, was die EU ablehnt.

Die NATO muss sich daher entscheiden, ob sie den USA bei der Sicherung der Meerenge hilft – auf die oben genannte Gefahr hin, militärische Verluste im Krieg gegen den Iran zu erleiden, mögliche Unruhen zu riskieren und die Karrieren ihres Führungspersonals zu ruinieren – oder ob sie sich weigert, wodurch sie riskiert, dass die USA ihre Waffenlieferungen an die Ukraine einstellen und die USA möglicherweise ihre Ausnahmeregelung für russisches Öl verlängern. Die erste Option ist mit militärischen und politischen Kosten verbunden, während die zweite wirtschaftliche (länger anhaltend höhere Ölpreise) sowie die Verschlechterung der Beziehungen zu den USA und einen möglichen russischen Sieg in der Ukraine mit sich bringt.

Objektiv betrachtet ist nicht zu erwarten, dass die USA ihre Streitkräfte vollständig aus Europa abziehen werden, sollte die NATO sich Trumps vorgeschlagener Seekoalition für den Hormus-Kanal nicht anschließen; somit sind die Kosten dieses zweiten Szenarios überschaubar. Das Gleiche gilt für die wirtschaftlichen Kosten, allerdings nur, wenn der politische Wille vorhanden ist, die eigene antirussische Energierethorik zu entkräften, indem die Öleinkäufe aus Russland erhöht und möglicherweise die Wiederinbetriebnahme der dortigen Pipelines gefordert werden. Die einzigen nennenswerten Kosten sind daher ein möglicher russischer Sieg in der Ukraine.

Was dies betrifft, so ging man früher davon aus, dass Trump Putin einen solchen Sieg aus Gründen seines Egos und seines Vermächtnisses nicht gönnen würde; er könnte dies jedoch tun, wenn Putin ihm hilft, einige seiner Ziele im Iran auf diplomatischem Wege zu erreichen, wie hierhier und hier erläutert wurde, und um die NATO dafür zu bestrafen, dass sie sich seiner Koalition nicht anschließt. Putin könnte die Chancen erhöhen, indem er die Bedingungen seiner vorgeschlagenen ressourcenzentrierten strategischen Partnerschaft  zwischen Russland und den USA nach Beendigung des Ukraine-Kriegs versüßt. Dieses Szenario kann daher nicht ausgeschlossen werden.

Falls die NATO einen Beitritt zu Trumps Kriegskoalition zur Sicherung der Straße von Hormus ablehnt, wird sie sich auf diese Möglichkeit einstellen müssen. Doch selbst wenn sie sich an der Seite der USA und Israels aktiv in den Angriffskrieg gegen den Iran einmischt, könnte Russland die zu erwartende Umleitung westlicher Waffen von der Ukraine dorthin nutzen, um Selenskyj wirksamer zu zwingen, seinen Forderungen nachzukommen. Anders als vor dem Dritten Golfkrieg, als es so aussah, als müsste Putin bei einigen seiner Forderungen Kompromisse eingehen, hat er nun eine größere Chance, mehr davon durchzusetzen – sei es mit Gewalt oder mit Trumps indirekter Unterstützung.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Moskau-Korrespondent Ulrich Heyden beklagt die unter Verweis auf EU-Sanktionen erfolgte Kündigung seines deutschen Bankkontos

Von Ulrich Heyden – 16. März 2026

Der aus Moskau unter anderem für das Portal Nachdenkseiten berichtende Journalist Ulrich Heyden, dessen Reportagen aus Russland mehrfach auch in junge Welt erschienen, beklagte am Freitag in einem Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die unter Verweis auf EU-Sanktionen erfolgte Kündigung seines Kontos bei der Sparkasse:

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, Frank-Walter Steinmeier,

ich bin Russland-Korrespondent und schreibe Ihnen, weil ich seit heute von einer Kontokündigung betroffen bin. Diese Maßnahme ist nicht nur geeignet, meine Existenz zu zerstören, sie widerspricht auch den Grundsätzen der Demokratie und der Pressefreiheit. Ich bitte Sie, sich dafür einzusetzen, dass die Kontokündigung rückgängig gemacht wird.

Mein Konto bei der Hamburger Sparkasse habe ich seit Anfang der 1990er. Am Telefon erklärte mir gestern ein Mitarbeiter der Sparkasse, die Kündigung habe mit den EU-Sanktionen gegen Russland zu tun. Der Mitarbeiter der Sparkasse meinte, ich würde in einem »Hochrisiko-Land« leben. Wenn ich in einem »Hochrisiko«-Land lebe, müssten die Bundesregierung und die EU-Kommission mich dann nicht unterstützen? Statt dessen wirft man mir Knüppel zwischen die Beine. In dem Kündigungsschreiben, das ich heute erhielt, ist nur die Rede von einer »Überprüfung« aller unserer »Geschäftsverbindungen zu Kunden, die ihren Wohnsitz in Russland haben«. Konkrete Vorwürfe gegen mich werden nicht erhoben.

Spannungsfall 2026: Wie die deutsche Industrie auf Kriegswirtschaft vorbereitet wird

Von Michael Hollister – 16. März 2026

Das Stammhaus des VW-Konzerns in Wolfsburg. Von McKinsey wurde dem VW-Konzern geraten, von 10 Werken deren 8 zu schließen … (Foto VW)

Am 4. März habe ich hier analysiert, warum Deutschland und die EU in großem Stil aufrüsten – und wie Kriegswirtschaft zur Antwort auf das Ende des Wachstums werden könnte. Was damals noch Strukturanalyse war, hat nun eine konkrete Dimension bekommen: Mir liegt eine Information aus dem Inneren der deutschen Industrie vor, die belegt, dass dieser Übergang nicht nur geplant, sondern bereits terminiert ist.

Im Frühjahr 2025 fand in Frankfurt am Main ein streng vertrauliches Treffen des Volkswagen-Konzerns mit seinen Top-Händlern statt. Die Sicherheitsvorkehrungen waren drastisch: absolutes Handyverbot, keine Mitschriften erlaubt, Kontrollen am Eingang. Die zentrale Botschaft an die Teilnehmer war unmissverständlich: „2025 wird wirtschaftlich ein schweres Jahr. Aber halten Sie durch – ab 2026 wird Deutschland auf Kriegswirtschaft umgestellt. Der Staat plant, den Spannungsfall auszurufen.“

Diese Information stammt von einer für mich höchst verlässlichen Quelle – einem ehemaligen investigativen Journalisten, der nur dann spricht, wenn etwas mit „Hand und Fuß“ hat. Und sie ist kein Einzelfall. Mir liegen inzwischen drei voneinander unabhängige Hinweise aus verschiedenen Industriezweigen vor, die alle denselben Zeithorizont 2026 nennen. Die Information der VW-Händlertagung ist daher kein singulärer Ausreißer, sondern Teil eines konsistenten Musterbildes innerhalb der Industriekommunikation.

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Bundeskanzler Merz und Kanadas Premierminister Carney nehmen an NATO-Großübung für Krieg gegen Russland in der Arktis teil

Von Jordan Shilton – 17. März 2026

Derzeit üben in Norwegen und Finnland mehr als 32.000 Soldaten aus 14 NATO-Mitgliedsstaaten, um für die Eröffnung einer Nordfront im Krieg gegen Russland gerüstet zu sein. Bundeskanzler Friedrich Merz, der kanadische Premierminister Mark Carney und der norwegische Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre besuchten am Freitag das alle zwei Jahre stattfindende Militärmanöver. Damit unterstrichen sie, welchen Stellenwert die imperialistischen Mächte der Kriegsbereitschaft in der Arktis beimessen.

Die Übung „Cold Response“ umfasst Operationen der Land-, See- und Luftstreitkräfte im Norden von Norwegen, in Finnland und Schweden. Etwa 25.000 Soldaten sind vom 9. bis zum 19. März an Operationen auf norwegischem Gebiet und vor der Küste beteiligt. Weitere 7.500 Soldaten operieren im Norden Finnlands, während in allen drei nordeuropäischen Ländern Luftoperationen stattfinden. Die USA stellen mit 4.000 Soldaten das größte Kontingent, doch auch alle anderen europäischen Mächte haben eine beträchtliche Zahl an Truppen geschickt.

Die Region liegt an der vordersten Front des aggressiven militärischen Drucks, den die NATO auf Russland ausübt. Finnland hat eine 1.300 Kilometer lange Grenze mit Russland, Norwegen hingegen eine kürzere von 200 km. Zudem bietet die norwegische Küste russischen Handels- und Militärtransporten direkten Zugang zu wichtigen Seewegen, über die sie das offene Meer erreichen können.

Die Übung findet vor dem Hintergrund einer massiven Militarisierung in der gesamten Arktis statt. Die imperialistischen Mächte und kleinere Staaten kämpfen um Vorteile in einer strategisch wichtigen Region – für Handel, Energieressourcen und Kriegsführung. Cold Response und andere Übungen richten sich zwar vordergründig gegen Russland, doch unter den europäischen und nordamerikanischen Imperialisten verschärfen sich die Spannungen. Dies spiegelt sich auch darin wider, dass Cold Response Teil der umfassenderen NATO-Übung Arctic Sentry ist, die im Januar als Reaktion auf die Drohungen von US-Präsident Trump begonnen wurde, Grönland mit militärischer Gewalt von Dänemark zu erobern. Trump und seine faschistischen Berater betrachten die Kontrolle über Grönland als unerlässlich im Rahmen ihrer „America First“-Agenda, die die vollständige Herrschaft der USA über die gesamte westliche Hemisphäre vorsieht, als Ausgangspunkt für weltweite Kriege gegen China und andere Rivalen.

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Ein gigantisches Flugzeug aus Russland, das ganz Europa bedroht – journalistische Verantwortungslosigkeit in der NZZ

Von Marcus Klöckner – 16. März 2026

Die russische Gefahr, sie ist real und sie lauert – zumindest in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Unter der Überschrift Im Schatten des Iran-Kriegs: Wie gross ist die Gefahr eines russischen Angriffs auf Europa? findet sich eine Fotomontage, die propagandistisch eine angeblich gigantische Bedrohung Europas durch Russland visualisiert. Das Blatt zeigt der Leserschaft eine Illustration, die aus journalistischer Sicht einer Zumutung gleichkommt. Eine stilisierte Grafik eines gigantischen Flugzeugs, das aus Russland kommt und ganz Europa anzugreifen droht, setzt auf die Stimulation der uralten Angst vorm bösen Russland. Nüchtern betrachtet illustriert die Grafik vor allem eins: journalistische Verantwortungslosigkeit.

Das Flugzeug über einer Karte, die die Landmasse vom Atlantik bis zum Ural zeigt, ist gigantisch. Von oben betrachtet wirkt es, als könnte es ganz Europa mit dem Abwurf einer einzigen Bombe zerstören. Noch hat es Deutschland nicht erreicht, aber sein Schatten liegt unter anderem bereits auf einem Teil Polens und der Slowakei. Damit es auch der Begriffsstutzigste versteht, verdeutlichen drei rote Pfeile, woher das Flugzeug kommt: aus Russland. In einem kühlen Grau gehalten, täuscht die Illustration Sachlichkeit vor, obwohl sie darauf ausgelegt ist, Angst zu stimulieren.

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