Von Michael Lüders – 1. März 2026
„Egal, was man vom politischen System im Iran hält oder nicht, der Angriff der USA und Israels auf den Iran ist ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg. Daran gibt es nichts zu beschönigen oder zu interpretieren. Es ist ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg, der durch nichts zu rechtfertigen ist. Es ist ein freiwillig gewählter Krieg der USA und Israels mit
dem erklärten Ziel eines Regimewechsels im Iran.
Zur Erinnerung, noch eine Stunde vor Beginn der Angriffe am 28. Februar erklärte der omanische Außenminister, dass unter Vermittlung Omans, zuletzt in Genf, vor einer Lösung stünden. Dennoch haben die Amerikaner und die Israelis beschlossen, Israel anzugreifen. Wenn man die Sache nüchtern betrachtet, muss man sagen, dass weder Washington noch Tel Aviv jemals die Absicht hatten, sich mit dem Iran ins Benehmen zu setzen, sondern es ging darum, ein Projekt zu verwirklichen, das insbesondere die israelische Führung, namentlich Premierministerin Netanjahu, seit über 30 Jahren verfolgen, nämlich einen Regimewechsel im Iran herbeizuführen. natürlich nicht, um den Menschen dort die Freiheit zu bringen. Darum geht es nicht, sondern es geht darum, den letzten verbliebenen souveränen Staat in der Region auszuschalten, der den eigenen hegemonialen, nach
Vorherrschaft strebenden Machtansprüchen Israels und der USA im Nahen und Mittleren Osten gefährlich werden kann.
Die Begründungen der Regierung Trump variierten. Am Ende hat er die Katze aus
dem Sack gelassen, dass es natürlich um einen Regimewechsel gehe. Davor ging es angeblich um die Atomverhandlungen, aber auch das ballistische Raketenprogramm des Irans sollte zerstört bzw. abgebaut werden. Darauf hätten sich die Iraner niemals eingelassen. Angeblich sollte es nur um das Atomprogramm gehen in den Verhandlungen.
Hier nun zur Erinnerung, es gab ein funktionierendes Atomabkommen, das 2015 von zahlreichen Staaten der Welt, darunter der EU-Troika, Großbritannien, Frankreich und Deutschland, unterschriftsreif verhandelt wurde. Dieses Abkommen hat funktioniert und wurde 2018 verabschiedet, 2018 von Donald Trump in dessen erster Amtszeit aufgekündigt, in der Luft zerrissen. Dann gab es im Juni des vorigen Jahres erneut Verhandlungen mit dem Iran über dessen Atomprogramm. Auch diese Verhandlungen standen unter einem guten Stern, bis dann Israel und anschließend die USA beschlossen, den Iran anzugreifen. Auch dieses Mal hat man es genauso gemacht. Man heuchelte Verhandlungsbereitschaft, um dann tatsächlich aber das Land anzugreifen. In der irrigen Annahme, wie mir scheint, man könne durch einen begrenzten Militärschlag nun die politischen Verhältnisse im Iran grundlegend ändern.
Der israelische Premierminister Netanyahu schwor die Bevölkerung in Israel darauf ein, dass dieser Krieg einige Tage dauern werde. Auch die Regierung Trump scheint einen Kriegshorizont zu haben von etwa zwei Wochen maximal. Dann glaubt man, den
Iran in die Kapitulation gebombt zu haben. Ich fürchte, dass dies eine gravierende Fehleinschätzung ist, dazu gleich mehr.
Zunächst einmal aber einen Blick auf die Reaktionen weltweit und in Europa. Insbesondere dieselben Staatsmänner und Staatsfrauen, dieselben Regierungen, die ansonsten nicht müde werden, den, wie es heißt, russisch geführten Angriffskrieg auf die Ukraine zu verurteilen, sahen keinerlei Veranlassung, den amerikanisch israelisch geführten Angriffskrieg auf den Iran nun gleichermaßen zu verurteilen. Stattdessen haben sowohl Ursula von der Leyen, aber auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, ebenso Keir Starmer und Emmanuel Macron, also Frankreich und Großbritannien. Auch sie haben den Iran dafür verurteilt, dass er Vergeltungsanschläge führt auf die arabischen Nachbarstaaten auf der arabischen Seite des persischen Golfes. Nicht aber haben sie die Angriffe der
USA und Israels verurteilt. … “



