Die arktische Front der NATO stellt für Russland die größte Bedrohung dar

Von Andrew Korybko 17. September 2026

Die militärisch-technischen Bestrebungen der NATO in der Arktis zielen darauf ab, Russlands nukleare Zweitschlagfähigkeit durch den „Golden Dome“ erheblich zu schwächen. Zugleich stellen sie eine beispiellose Bedrohung durch Kampfflugzeuge der fünften Generation in Form der F-35A dar, die Russlands Su-57 im Verhältnis 10:1 übertreffen werden – ohne die Kampfflugzeuge der USA – und im Verhältnis 35:1, wenn diese einbezogen werden.

RT hat das „Russische Militärjahrbuch 2026“ rezensiert, das vom staatlichen Rüstungskonzern gesponsert wird und ausschließlich für hochrangige Mitglieder des nationalen Sicherheitsapparats bestimmt ist. Der vorliegende Beitrag konzentriert sich ausschließlich auf den Abschnitt über den „Sehr Kalten Krieg“. Damit ist die Eskalation der Spannungen zwischen der NATO und Russland in der Arktis gemeint. Das Jahrbuch beschreibt detailliert die groß angelegten Militärübungen der NATO in der Arktis, die Aufrüstung ihrer Verbündeten und deren tiefes Missfallen gegenüber der Nordostpassage Russlands.

Besonders alarmierend ist, dass das Jahrbuch erwähnt, dass Finnland plant, 64 F-35A zu erwerben, während Kanada 88 davon erhalten wird. Es wurde separat berichtet, dass Norwegen bereits über 52 F-35A verfügt, was mehr als doppelt so viele sind wie die geschätzten etwa 20 Su-57 Russlands, dem entsprechenden Modell der fünften Generation. Schweden verfügt noch über keine Kampfflugzeuge der fünften Generation, aber diese drei anderen Arktisstaaten werden mehr als das Zehnfache der russischen Bestände besitzen. Rechnet man die über 500 F-35A der USA hinzu, werden die russischen Kampfflugzeuge der fünften Generation im Verhältnis 35:1 unterlegen sein.

Diese Statistiken allein zeigen, dass die USA ihren im Jahrbuch zitierten strategischen Plan von 2021 zur „Wiedererlangung der arktischen Vorherrschaft“ aktiv umsetzen; im Jahrbuch wurden zudem einige der neuen Pläne der NATO in Bezug auf Radar, Drohnen, Schiffe, Eisbrecher, Raketen und andere militärisch-technische Bereiche detailliert beschrieben. Sie alle untermauern die Aussage eines der zitierten russischen Experten, der warnte, dass „Washington den Gedanken, die Grenzen in diesem Gebiet neu zu ziehen, nie aufgegeben hat“.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die amtierende Trump-Regierung eine dreigleisige Strategie gegen Russland verfolgt: 1) Aufbau einer „Golden Dome“-Raketenabwehrinfrastruktur in der Arktis, um Russlands nukleare Zweitschlagfähigkeiten erheblich einzuschränken; 2) Kanada und den „Wiking-Block“ (Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland) zu bewaffnen, um Russland zu bedrohen; und schließlich 3) wahrscheinlich Russlands Grenzen entlang der Nordostpassage auszutesten, um eine Krise zu provozieren, die diesen Korridor dann gefährlich machen und somit seine Nutzung zumindest erheblich einschränken würde.

Der Druck, den die USA über diese Mittel entlang der arktischen Front auf Russland ausüben, ergänzt den Druck, den sie zudem durch von Polen geführte Bemühungen in Mittel- und Osteuropa und von Japan geführte Bemühungen in Nordostasien ausüben. Alle diese Fronten bestehen ausschließlich aus Verbündeten der USA im Rahmen der gegenseitigen Verteidigung, nicht jedoch die von der Türkei angeführte Front entlang der gesamten südlichen Peripherie Russlands; dennoch könnte eine hypothetische Spezialoperation dort (beispielsweise gegen Aserbaidschan) durch die Möglichkeit abgeschreckt werden, dass die USA über die anderen Fronten reagieren.

Einfach ausgedrückt: Um Russland herum wurde ein „Cordon sanitaire“ errichtet, und diese Eindämmungsschlinge wird durch die militärisch-technischen Entwicklungen entlang der arktischen Front stärker als irgendwo sonst zugezogen. Bis vor kurzem war dies die ruhigste der vier Fronten, was jedoch nur zeigt, dass ihre Mitglieder still vor sich hin arbeiteten, um keine Aufmerksamkeit seitens Russlands auf sich zu ziehen. Das aktuelle Jahrbuch beweist jedoch, dass der Kreml sie die ganze Zeit über beobachtet hat und daher seine Reaktion plant, sodass sich die Lage an dieser Front wahrscheinlich zuspitzen wird.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

War der Drohnenvorfall in Litauen eine ukrainische False-Flag-Aktion?

Von Andrew Korybko – 17. September 2026

Die Ukraine lässt bereits Drohnen durch den Luftraum der baltischen Staaten fliegen (vermutlich über Weißrussland). Sie hat darüber hinaus ein Interesse daran, die Kaliexporte Weißrusslands über Litauen zu verhindern, und somit ein Motiv, eine „False-Flag“-Provokation zu inszenieren.

Die NATO hat Anfang dieser Woche eine Drohne über Zentrallitauen abgeschossen, die laut offiziellen Angaben aus Weißrussland in den Luftraum des Bündnisses eingedrungen war und von Russland gesteuert wurde. Der Vorfall wird vorhersehbar dazu ausgenutzt, jüngsten Behauptungen Glaubwürdigkeit zu verleihen, wonach Russland angeblich plant, die Entschlossenheit der NATO auf die Probe zu stellen. Die Darstellung lautet, dass Russland hierfür hybride Mittel einsetzt, die unterhalb der Schwelle liegen, die einen Dritten Weltkrieg auslösen würde. So überzeugend das auch klingen mag – die kürzlich abgeschossene Drohne wurde wohl von der Ukraine gesteuert.

Der Luftraum der baltischen Staaten wird seit Anfang des Jahres als Korridor für ukrainische Drohnenangriffe gegen Russland genutzt. Während einige auf russischer Seite spekuliert haben, dass diese zunächst über Polen fliegen, ist es wahrscheinlicher, dass sie tatsächlich über Weißrussland fliegen, dessen Staatschef in dem Konflikt neutral bleibt, obwohl sein Land mit Russland verbündet ist. Präsident Alexander Lukaschenko könnte daher seinen Streitkräften befohlen haben, weder ukrainische Drohnen abzufangen noch russischen Streitkräften in Weißrussland dies zu gestatten.

Zum Hintergrund: Lukaschenko verhandelt mit den USA über das, was er als „großen Deal“ bezeichnete, wobei Trumps Sonderbeauftragter John Coale gerade versprochen hat, über 40 Millionen Dollar an eingefrorenen belarussichen Vermögenswerten im Zusammenhang mit Kalizahlungen freizugeben. Zuvor hatte er erklärt, sein Land wolle diese Ressource aus Weißrussland beziehen, um Landwirten zu helfen, die von der Störung des globalen Düngemittelmarktes durch den Irankrieg betroffen sind. In diesem Zusammenhang schlug Coale auch vor, dass der Export über Litauen erfolgen könnte, was den jüngsten Drohnenvorfall in einen Zusammenhang stellt.

Selenskyj verachtet Lukaschenko, seit zu Beginn der russischen Sonderoperation Anfang 2022 einige russische Truppen von Weißrussland aus in die Ukraine einmarschierten; deshalb drohte er ihm im Frühjahr mit dem Schicksal Maduros und drohte dann Anfang des Sommers mit großangelegten Drohnenangriffen auf Belarus. Zwar hat Selenskyj dies letztendlich nicht durchgezogen – angeblich, weil Lukaschenko seiner Forderung nachkam, die Drohnen-Relais-Sender entlang der Grenze abzuschalten –, doch steht die Ukraine eindeutig in Opposition zu Weißrussland.

Angesichts dieser Spannungen ist nicht auszuschließen, dass die Ukraine den jüngsten Drohnenvorfall inszeniert hat, um Vilnius einen Vorwand zu liefern, Coales Vorschlag abzulehnen, wonach belarussische Kaliexporte in die USA über litauische Häfen geleitet werden sollen. Dazu hätte eine erbeutete russische Drohne genutzt werden können. Litauen könnte daran beteiligt gewesen sein, da Vilnius ebenso gegen Weißrussland eingestellt ist wie Kiew, aber möglicherweise nicht den politischen Willen hat, sich den USA ohne einen „plausiblen Vorwand“ zu widersetzen, wie etwa den, dass Minsk „die russische Aggression gegen die NATO begünstigt“.

Der jüngste Drohnenvorfall in Litauen könnte daher ebenso eine „False-Flag“-Aktion sein wie der jüngste in Deutschland. Genauso wie es unwahrscheinlich ist, dass Russlands erstklassige Drohnenpiloten es trotz dreier Versuche nicht geschafft haben, den Flughafen Leipzig anzugreifen, ist es auch unwahrscheinlich, dass sie eine Drohne tief ins Zentrum Litauens fliegen ließen, anstatt ein Ziel in Vilnius anzugreifen, das direkt an der Grenze liegt. Es ist zudem unwahrscheinlich, dass der risikoscheue Putin plötzlich alle Vorsicht über Bord geworfen hat, indem er die NATO provozierte – geschweige denn auf so halbherzige Weise, wenn man bedenkt, was auf dem Spiel steht.

Im Gegensatz dazu fliegt die Ukraine bereits Drohnen durch den Luftraum der baltischen Staaten (vermutlich über Weißrussland), hat ein Interesse daran, die Kaliexporte Weißrusslands über Litauen zu verhindern, und somit auch ein Motiv, eine False-Flag-Provokation zu inszenieren, um dem verbündeten Vilnius einen „plausiblen Vorwand“ zu liefern, den oben beschriebenen Vorschlag der USA abzulehnen. Möglicherweise hat Kiew sogar eine erbeutete russische Drohne eingesetzt, um diese Falschmeldung glaubwürdiger zu machen. Die USA sollten daher diesen jüngsten Drohnenvorfall untersuchen, um festzustellen, ob die Ukraine versucht hat, ihre Entspannung mit Weißrussland zu sabotieren.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

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Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Die Ukraine steht praktisch ohne Luftabwehr da

Von Thomas Röper – 17. September 2026

Seit Wochen kann die Ukraine keine russischen Raketen mehr abfangen, weil ihr die nötigen Abfangraketen fehlen. Ersatz ist nicht in Sicht und der Winter steht vor der Tür, während Russland nun ungehindert auf alles in der Ukraine schießen kann, worauf es möchte.

Zum Verständnis beginne ich diesen Artikel mit der Information, dass es verschiedene Arten vom Luftabwehr gegen verschiedene Angriffssysteme gibt. Wenn es in diesem Artikel also darum geht, dass der Ukraine Luftabwehr gegen ballistische Raketen fehlt, dann bedeutet das nicht, dass die Ukraine gar keine Luftabwehr mehr hat.

Die Ukraine hat zum Beispiel recht gut gelernt, die Propeller angetriebenen russischen Drohnen abzufangen. Die Ukraine hat Systeme für kurze Reichweite, mit denen sie auch auf anfliegende Raketen schießen kann. Aber sie hat praktisch keine Patriot-Raketen mehr, die eine Reichweite von 160 Kilometer haben und damit recht große Gebiete schützen können und gegen ballistische Raketen wirksam sind.

Zum Vergleich: Die deutsche Entwicklung Iris-T, die der Ukraine auch geliefert wurde, ist ein durchaus gutes System, wurde aber ursprünglich für den Luftkampf zwischen Kampfjets entwickelt und hat daher eine recht geringe Reichweite von nur 25 Kilometer. Sie kann die amerikanischen Patriots also nicht ersetzen.

Dass die Ukraine keine Patriot-Raketen mehr hat, beherrscht in der Ukraine seit Wochen die Meldungen, denn die russischen Raketen kommen nun ungehindert durch und können jedes Ziel angreifen, das sie angreifen wollen. Nachdem die Ukraine es für eine gute Idee gehalten hat, in Russland Raffinerien, zivile Lagerhäuser und andere Ziele anzugreifen, deren Beschädigung das Leben der normalen Russen beeinträchtigt, hat das russische Militär entsprechend reagiert und greift in der Ukraine ebenfalls solche Ziele an – nur eben weitaus wirkmächtiger, als die Ukraine es kann.

Im Ergebnis ist der Hafen von Odessa derzeit nicht mehr nutzbar, was sowohl ein schwerer Schlag für die Reste der ukrainischen Wirtschaft ist, die nun nichts mehr über die See exportieren und importieren kann, als auch für das Militär, denn natürlich wurden über den Hafen von Odessa auch westliche Waffen angeliefert.

Außerdem hat Russland die ukrainische Benzinversorgung schwer getroffen, indem nicht nur Treibstofflager, sondern sogar Tankstellen bombardiert wurden, was natürlich auch die Treibstoffversorgung der ukrainischen Streitkräfte behindert. Und Russland hat als Antwort auf die ukrainischen Angriffe auf die Lager des russischen Online-Händlers Wildberries in der Ukraine Lagerhäuser bombardiert, weshalb es in der Ukraine in vielen Supermärkten bereits leere Regale und Beschränkungen für den Kauf von Lebensmitteln gibt. In Kiew wird schon ernsthaft über eine Evakuierung der Stadt nachgedacht, weil die Gefahr besteht, dass sie im Winter nicht „nur“ ohne Strom und Heizung bleiben könnte, sondern auch noch ohne ausreichend Lebensmittel in den Geschäften.

In den letzten Wochen habe ich die Meldungen über die verzweifelte Suche der Europäer nach Patriot-Raketen für Kiew gesammelt und will diese Chronologie hier nun zeigen.

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Europarlament sperrt ukrainische Kriegs- und Selenskij-Kritikerin Julia Mendel aus

Von Florian Rötzer – 17. September 2026

Sicherheitsbeamter lässt am Mittwoch Julia Mendel in Begleitung des AfD-Abgeordneten Hans Neuhoff das Parlamentsgebäude nicht betreten. Screenshot von Weltwoche-YouTube-Video

Das EU-Parlament gibt sich kämpferisch und ruft zu harten Antworten auf hybride Bedrohungen, inklusive kognitive Kriegsführung und Informationskrieg. Die kämen, so ein vom Parlament angenommenen Bericht,  vor allem von Russland („größte hybride Bedrohung für die EU“) und „russlandnahen Akteuren“, aber auch von der übrigen Achse des Bösen: China, Iran, Nordkorea und andere Länder, die angeblich hybride Kampagnen führen, „um europäische Demokratien zu schwächen und die Sicherheitsinteressen der EU zu untergraben“.

Man wähnt sich umgeben von allen möglichen Akteuren. Nicht nur Staaten, sondern auch nichtstaatlichen Akteuren, die aufgelistet werden, aber Platz lassend für andere: „Terroristengruppen, Netzwerke der organisierten Kriminalität, oligarchische und kleptokratische Netzwerke, religiöse Institutionen und Glaubensgemeinschaften, private Militärunternehmen, extremistische Bewegungen und Akteure, die sich gegen Bezahlung beeinflussen lassen.“

Überall droht für die besorgten Abgeordneten, die um ihre so leicht verführbare Herde fürchten, Gefahr, man kann durchaus von Paranoia sprechen. Besonders bedrohlich ist natürlich wie immer Beeinflussung aus dem Ausland: Foreign Information Manipulation and Interference (FIMI). Und da gibt es vielfältige Prozeduren, die die offenbar wehrlosen Bürger dazu verführen sollen, zu politisch unerwünschten Meinungen und Positionen zu drängen.

Man muss zur Kenntnis nehmen, was den Berichteschreibern dazu alles eingefallen ist: „ausgeklügelte und koordinierte Operationen, die sich über mehrere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens erstrecken und strategische kognitive und psychologische Techniken einsetzen, die darauf abzielen, Entscheidungsprozesse, individuelle und kollektive Wahrnehmungen, Identitätsbildung, kulturelle Normen, historisches Gedächtnis, moralische Rahmenbedingungen und religiöse Glaubenssysteme zu beeinflussen, wobei technologische Infrastruktur, Medienökosysteme sowie wirtschaftliche und politische Schwachstellen ausgenutzt werden.“ Mit Besorgnis müsse man feststellen, womit die Aufzählungen des Instrumentariums der bösen Gegner ergänzt wird, „dass FIMI-Operationen ausgefeilte kognitiv-psychologische Methoden, einschließlich reflexiver Kontrolle, einsetzen, die mit herkömmlichen Mitteln nur schwer aufzudecken, zuzuordnen oder zu bekämpfen sind.“

Offenbar ist man am selben Tag noch dazu gekommen, die kognitive Kriegsführung dadurch zu bekämpfen, dass der ehemaligen Pressesprecherin des ukrainischen Präsidenten (2019-2021), die zunehmend als Kritikerin der Politik des Präsidenten und der Fortführung des Krieges auftritt – und auch keine Scheu hat, in „falschen“ Kreisen oder Medien aufzutreten -, der Zugang zum Parlament verwehrt wurde. Man setzt sich lieber nicht mit Personen auseinander, die sich kritisch gegen Positionen der Mehrheitsmeinung wenden, sondern schließt sie aus und igelt sich ein. Am 9. September war ihre Teilnahme an der Veranstaltung auf Einladung des EU-Abgeordneten Hans Neuhoff bekannt gemacht worden. Am Montag und Dienstag konnte sie [das] Parlamentsgebäude [nicht betreten].

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EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen kündigt europäischen Sicherheitspakt an – mit Kanada, unabhängig von der NATO

Von Robert Stevens – 17. September 2026

Am Mittwoch nutzte die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, ihre jährliche Rede zur Lage der Union vor dem Europäischen Parlament in Straßburg, um Pläne für einen europäischen Sicherheitsblock zu enthüllen, der unabhängig von der NATO operieren soll.

Von der Leyen erklärte im Wesentlichen, dass die europäische Bourgeoisie unabhängig von der Trump-Regierung handeln müsse, um ihre räuberischen Interessen im Weltmaßstab durchzusetzen. Dies erfordere vor allem eine Fortsetzung des Krieges gegen Russland in der Ukraine und einen Handelskrieg gegen China. Der Plan beinhaltet den Aufbau eines wirtschaftlichen und militärischen Bündnisses mit dem kanadischen Imperialismus, was eine direkte Kampfansage an die USA darstellt.

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, bei ihrer jährlichen Rede zur Lage der Union vor dem Europäischen Parlament in Straßburg am 16. September 2026 [Photo: © European Union 2026 – Source: EP]

Von der Leyen zitierte Charles Dickens’ berühmte Beschreibung Europas zur Zeit der Französischen Revolution („Es war die beste aller Zeiten, es war die schlimmste aller Zeiten.“) und erklärte dann: „Unsere Union ist stärker als je zuvor. Gleichzeitig kann es sich auch so anfühlen, als wäre unsere Union so gefährdet wie nie zuvor.“

Als erstes ging sie auf das Thema Russland ein und erklärte, Europa müsse sich mit einer „offen feindlichen Welt“ auseinandersetzen. „Ein territorialer Angriffskrieg wütet auf unserem Kontinent, weitere Kriege sind in unserer Nachbarschaft ausgebrochen“, erklärte sie weiter. „Ein Kampf um industrielle Kapazitäten prägt den globalen Wettbewerb.“ Das bedeute, dass die Bündnisse, zu denen sich die EU entschließe, nun eine Reaktion auf „Erschütterungen im internationalen regelbasierten Handel“ seien. Auch wenn sie die USA an keiner Stelle erwähnte, wussten alle, worum es ging, als sie ein Europa pries, das „zu Grönland“ stand, „als es bedroht wurde.“

Sie betonte, dass „in dieser kalten, fragilen Welt nur Europa den Europäerinnen und Europäern wahre Souveränität bieten kann“.

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Nach dem Wahlerfolg der AfD: Pseudolinke schüren Illusionen in die Linkspartei

Von Peter Schwarz – 17. September 2026

Sternmarsch gegen die AfD in Berlin, 12. September 2026

Die Linke trägt für den Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt eine zentrale Verantwortung. Die Empörung über sozialen Niedergang, Krieg und etablierte Parteien entlud sich nach rechts, weil die Linke und die Gewerkschaften alle linken Ausgänge verstopften.

Die herrschende Klasse reagiert auf die tiefe Krise des Kapitalismus, indem sie auf Militarismus, innere Aufrüstung und Sozialabbau setzt. Die Linke trägt diesen Kurs mit und deckt seine linke Flanke ab. Sie unterstützt die Großmachtpolitik der Bundesregierung, hat im Bundesrat für die Kriegskredite von einer Billion Euro gestimmt und verfolgt Gegner des Gaza-Genozids in den eigenen Reihen. In den Bundesländern, in denen sie an der Regierung beteiligt ist oder war, hat sie eine Spur der sozialen Verwüstung hinterlassen.  

Die Gewerkschaften, mit denen Die Linke eng zusammenarbeitet, organisieren als Co-Manager den Arbeitsplatz- und Sozialabbau und unterdrücken jeden Widerstand dagegen. So hat die IG Metall nur drei Tage vor der Sachsen-Anhalt-Wahl bei Volkswagen der Vernichtung von weiteren 50.000 Arbeitsplätze zugestimmt.

Das ist der Grund weshalb die AfD – eine wirtschaftsliberale Partei, die von Milliardären wie Henning Conle und Elon Musk unterstützt wird – die soziale Wut und Empörung mit ihrer Demagogie in rechte Kanäle lenken kann. In der AfD gibt es zahlreiche Faschisten, aber sie ist keine faschistische Massenpartei. Viele wählen sie aus Protest und Opposition gegen die etablierten Parteien, die ihnen nichts als Krieg, Arbeitslosigkeit und Armut zu bieten haben.

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Vom Schutzsuchenden zum Kanonenfutter: Deutschland und die EU machen Druck auf ukrainische Arbeiter

Von Justus Leicht – 17. September 2026

Mit seiner Ankündigung, Deutschland könne der Ukraine im Zusammenhang mit ukrainischen Männern im wehrfähigen Alter „Daten zur Verfügung stellen“, hat Außenminister Johann Wadephul (CDU) einen Schritt getan, der über alles hinausgeht, was die Bundesregierung bislang öffentlich eingeräumt hat. Erstmals wird die deutsche Verwaltungsinfrastruktur selbst – Meldedaten, Sozialleistungsbezug, Aufenthaltsstatus – ausdrücklich als Ressource für die Heranziehung von Männern zum Militärdienst eines anderen Staates ins Spiel gebracht.

Wadephuls Äußerung vom 9. September im Podcast „Ronzheimer“ steht nicht isoliert. Sie ist der bislang deutlichste Ausdruck einer Entwicklung, die sich seit 2024 in Deutschland und der EU vollzieht: Der besondere Schutzstatus ukrainischer Vertriebener wird Schritt für Schritt abgebaut, während zugleich der militärische Personalbedarf des Kiewer Regimes immer unverhüllter in deutsche und europäische Entscheidungen einfließt.

„Wir wissen ja, wer hier lebt“

Wadephul wurde auf die Forderung von CSU-Chef Markus Söder angesprochen, ukrainische Männer im wehrfähigen Alter sollten in die Ukraine zurückkehren. Der Außenminister antwortete, die Ukraine solle diejenigen Männer, die das Land verteidigen könnten, auch heranziehen. Auf die Frage, wie das bei Männern in Deutschland funktionieren solle, erklärte er: „Wir können schon Daten zur Verfügung stellen.“ Er verwies auf Informationen darüber, wer in Deutschland lebt, Sozialleistungen bezieht, gemeldet ist oder einen Aufenthaltsstatus besitzt. Auf dieser Grundlage könnten die Männer von der ukrainischen Regierung angeschrieben werden, „dass sie herangezogen werden sollen“.

Der Zusatz, dies solle „ohne Zwang“ geschehen, dient nur der Verschleierung. Wie die WSWS in einem Artikel zu Wadephuls Bild-Interview dargelegt hat, verbindet der Außenminister die militärische Eskalation mit den Profitinteressen der deutschen Rüstungskonzerne, die „naturgemäß“ von den Milliarden profitieren sollen. Während Rheinmetall und Co. am Krieg verdienen, sollen ukrainische Arbeiter und Jugendliche, die vor ebendiesem Krieg geflohen sind, als Kanonenfutter zurück an die Front gesandt werden. Ein Brief ist zwar noch kein körperlicher Zwang – aber der ausdrücklich benannte Zweck ist die Heranziehung zum Militärdienst. Die belastende Folge ist damit nicht ein potenzieller Missbrauch, sondern Teil des beabsichtigten Vorgangs.

Dabei weiß die Bundesregierung nach eigener Auskunft gar nicht, wer von den in Deutschland lebenden ukrainischen Männern tatsächlich der Wehrpflicht unterliegt. Bereits im Juni 2024 hatte sie erklärt, aus Alter und Geschlecht könnten keine Rückschlüsse auf individuelle Wehrpflicht oder Wehrfähigkeit gezogen werden. Eine Selektion nach Staatsangehörigkeit, Alter und Geschlecht würde zwangsläufig Menschen erfassen, deren Wehrstatus Deutschland nicht kennt – und würde medizinische Dienstfähigkeit, Befreiungsgründe und Gewissensgründe vollständig ignorieren.

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Kanadas Schwenk nach Europa

Von German-Foreign-Policy.com – 17. September 2026

Kanada nähert sich der EU an, um sich den US-Annexionsdrohungen zu entziehen. Von der Leyen will es zum ersten „assoziierten Mitglied“ der Union machen.

Kanada soll „das erste assoziierte Mitglied der EU“ werden. Dies fordert EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Wie von der Leyen am gestrigen Mittwoch in ihrer diesjährigen Rede zur Lage der Union mitteilte, müsse die EU „globale Koalitionen bilden“, um ihre „Widerstandsfähigkeit“ in der globalen Mächterivalität zu stärken. Dazu werde sie nun ihre „Beziehung zu Kanada auf das höchstmögliche Niveau bringen“. Kanada ist seinerseits unter Premierminister Mark Carney, der von der Leyens Rede beiwohnte, bemüht, die Bindungen an die EU auszubauen, um sich zumindest ein Stück weit aus der Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu lösen. Das gilt als notwendig, um den US-Annexionsdrohungen zu entkommen. Carney hat längst erste Schritte eingeleitet, will weniger US-Kampfjets vom Typ F-35 beschaffen als geplant – und setzt konsequent auf Rüstungskäufe in Europa, darunter in Deutschland, wo Kanada U-Boote für gut 20 Milliarden Euro erwirbt. Weitere Schritte werden diskutiert, so etwa die Verlegung von Unterseekabeln aus Kanada nach Europa. Insbesondere beim Handel hat Carney bereits eine Verringerung der Abhängigkeit seines Landes von den USA erreicht.

„Größere strategische Autonomie“

Kanadas Premierminister Mark Carney hatte bereits im Januar auf dem World Economic Forum in Davos deutlich gemacht, er werde sich den Bestrebungen der Vereinigten Staaten, sich sein Land als 51. Bundesstaat einzuverleiben, aktiv entgegenstellen und eine engere Zusammenarbeit mit anderen Ländern suchen, um der starken ökonomischen Abhängigkeit von den USA zu entkommen. Man erlebe gegenwärtig „den Beginn einer brutalen Wirklichkeit“, in der „die Geopolitik zwischen den Großmächten“ in der Praxis „keinen Beschränkungen mehr“ unterliege, erklärte Carney. „Mittelmächte“ wie etwa Kanada hätten keine andere Chance, als sich „der neuen Realität“ anzupassen; dazu sei in der Außenpolitik eine „variable Geometrie“ hilfreich: Man müsse Koalitionen mit ganz unterschiedlichen Ländern suchen, um diverse Bündnisoptionen zu haben und auf diese Weise eine „größere strategische Autonomie“ zu erlangen.[1] Bereits kurz zuvor hatte Kanada eine „Strategische Partnerschaft“ mit China geschlossen – gegen den klar erkennbaren Willen der Vereinigten Staaten. Eingeleitet wurde damit eine engere Zusammenarbeit etwa auf dem Energiesektor. Zudem kündigte Carney an, sein Land werde seine Ausfuhren in die Volksrepublik bis 2030 um 50 Prozent steigern und sich im Gegenzug zum Beispiel für den Import chinesischer Elektroautos öffnen.[2]

Waffen aus Europa

Darüber hinaus begann Carney die Zusammenarbeit mit Europa zu intensivieren – unter anderem auf dem Gebiet der Rüstung. Hatte sein Amtsvorgänger Justin Trudeau ursprünglich zugesagt, bis zu 88 US-Kampfjets vom Typ F-35 zu kaufen, so zieht Ottawa nun in Betracht, einen Großteil davon durch schwedische Gripen zu ersetzen. Auch Aufklärungsflugzeuge will es beim Gripen-Hersteller Saab beschaffen; es hat sich für dessen Modell GlobalEye und gegen das US-Modell Boeing E-7 Wedgetail entschieden.[3] Bei der Aufrüstung der Marine setzt Kanada ebenfalls auf Europa. Bereits vor der Eskalation des Konflikts mit der Trump-Administration hatte es beschlossen, seine neuen Zerstörer der River-Klasse auf der Basis der britischen Type 26-Fregatten von BAE Systems zu bauen, die unter anderem auch die Marine Norwegens erwirbt. Anfang Juli wurde bestätigt, die kanadischen Seestreitkräfte würden zudem zwölf U-Boote des Typs 212 CD bei TKMS in Deutschland beschaffen. Die U-Boote 212 CD werden von TKMS in Kooperation mit norwegischen Rüstungsfirmen hergestellt und auch an die norwegische Marine geliefert.[4] Nicht zuletzt sollen in Ostkanada Startanlagen für deutsche Trägerraketen gebaut werden; dies soll Kanadas Weltraumaktivitäten künftig von den USA unabhängig machen.

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Warum verschweigen deutsche Medien, dass Kiew von der EU weitere 27 Milliarden fordert?

Von Thomas Röper – 17. September 2026

Deutsche Medien verschweigen einhellig, dass Selensky von der EU weitere 27 Milliarden zusätzlich für 2026 gefordert hat, weil das ukrainische Verteidigungsministerium Mittel, die für die zweite Jahreshälfte vorgesehen waren, vorgezogen hat. Sogar in der EU ist man „alarmiert“.

[…] In russischen und ukrainischen Medien ist es seit Wochen ein Thema, dass Selensky die EU gebeten hat, ein Defizit von 27 Milliarden Dollar (23 Milliarden Euro) im ukrainischen Verteidigungsministerium zu schließen. Kiew erklärt die Lücke damit, dass es Mittel, die eigentlich für die zweite Jahreshälfte vorgesehen waren, vorgezogen hat, um die Ausgaben der ersten sechs Monate zu decken. Das Geld werde für Personal, soziale Unterstützung und Beschaffung von Waffen benötigt, darunter rund sechs Milliarden Euro an Vorauszahlungen für Lieferungen, die Anfang 2027 fällig werden.

Das ist für mich Allgemeinwissen, weil es dazu fast täglich Meldungen aus Kiew gibt, wenn dieser oder jener Politiker oder Minister sich dazu äußert. Und weil das für mich Allgemeinwissen ist, ist mir vollkommen entgangen, dass deutsche Medien das seit Wochen verschweigen. Das habe ich erst jetzt bemerkt, als ich einen Artikel über ein anderes Thema schreiben wollte und in deutschen Mainstream-Medien nach Quellen zu den fehlenden 27 Milliarden Dollar gesucht habe – und keine gefunden habe.

In Deutschland haben darüber lediglich die Berliner ZeitungAOL und natürlich RT berichtet. AOL hat allerdings keinen eigenen Artikel geschrieben, sondern die KI einen englischsprachigen Artikel von Euronews übersetzen lassen.

Ich sage immer wieder, dass jeder, der sich über politische Entwicklungen und Nachrichten informieren will, seine Zeit nicht mit der Lektüre deutscher Mainstream-Medien verschwenden darf, weil man dort ohnehin nichts erfährt. Damit will ich nicht sagen, dass man unbedingt russische Medien lesen muss, sogar britische und amerikanische Medien informieren ihre Leser weitaus besser als deutsche. In den USA hat beispielsweise die Washington Post gerade erst darüber berichtet.

Nur in deutschen Mainstream-Medien gibt es darüber praktisch keine Meldung. Die verschweigen das geschlossen – wie kommen Leute wie ich da nur auf die, die deutschen Medien könnten gleichgeschaltet sein?

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Schließung des Russischen Hauses in Berlin: Ein Schlag gegen die Kultur im Dienst des Krieges

Von Katja Rippert – 15. September 2026

Das Russische Haus an der Friedrichstraße in Berlin, 8. September 2026

„Мы закрыты – wir sind geschlossen.“ Es ist Dienstag, der 8. September. Ein Sicherheitsmitarbeiter weist alle paar Minuten Besucher ab, die sich das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur an der Berliner Friedrichstraße anschauen wollen. Nur das Café mit russischen Spezialitäten hat noch geöffnet. Ansonsten ist es dunkel und menschenleer in der riesigen Kultureinrichtung im Herzen Berlins.

Es ist ein schwerer Schlag für die Kultur: Das Russische Haus, das 1984 in der DDR als „Haus der Sowjetischen Wissenschaft und Kultur“ gegründet wurde und über Jahrzehnte ein zentraler Ort des deutsch-russischen Kulturlebens war, steht vor dem Aus. Auch die offizielle Website des Hauses ist mittlerweile abgeschaltet.

Am 1. September hat die Bundesregierung das deutsch-russische Kulturabkommen von 2011 gekündigt und damit den Vertrag für den Betrieb des Russischen Hauses zum Juni 2027 beendet. Als Vorwand nutzte sie den Drohnenfund am Leipziger Flughafen, für den sie ohne stichhaltige und nachprüfbare Beweise Russland verantwortlich macht. Der Vorwurf dient einer erneuten Verschärfung der Propaganda, um die Bevölkerung auf den Kriegskurs gegen Russland einzuschwören.

Auch das russische Generalkonsulat Bonn muss bis zum 18. September schließen. 2023 hatte die deutsche Regierung bereits die Schließung der vier russischen Konsulate in Frankfurt, Hamburg, Leipzig und München erzwungen. Damit sind alle fünf Konsulate und das Russische Haus geschlossen – es bleibt nur noch eine einzige offizielle diplomatische Verbindung zu Moskau: die Botschaft in Berlin.

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