Was steckt hinter den jüngsten Zusammenstößen im pakistanisch verwalteten Kaschmir?

Von Andrew Korybko – 23. Juli 2026

Wenn die pakistanischen Behörden den lokalen Demonstranten erlauben würden, sich zu organisieren, und später ihren Forderungen nachkämen, bestünde die Gefahr, dass sowohl die PTI als auch friedliche Aktivisten aus dem von der TTP heimgesuchten Khyber Pakhtunkhwa und dem von der BLA belagerten Belutschistan diesem Beispiel folgen könnten – und die Behörden können nicht zulassen, dass sich ein solcher revolutionärer Eifer festsetzt.

Jeder Jahrestag der Entscheidung Indiens vom 5. August 2019, den besonderen Status, der dem ehemaligen Bundesstaat Jammu und Kaschmir zuvor gewährt worden war, aufzuheben und ihn in zwei Unionsterritorien aufzuteilen, lenkt in der Regel die weltweite Aufmerksamkeit auf den von Indien verwalteten Teil dieses ehemaligen Fürstenstaates. Das wird wahrscheinlich auch in diesem Jahr wieder der Fall sein, doch könnte sich die weltweite Aufmerksamkeit nun zwischen diesem Teil Kaschmirs und dem von Pakistan verwalteten Teil aufteilen, wobei letzterer derzeit von einer Welle der Gewalt heimgesucht wird.

Um eine sehr komplizierte Situation stark zu vereinfachen: Die Behörden haben das „Jammu Kashmir Joint Awami Action Committee“ (JAAC) Anfang Juni als „terroristische Vereinigung“ verboten – im Vorfeld der jüngsten regionalen Protestbewegung, die das Komitee anführen wollte, nachdem es seit seiner Gründung Ende 2023 bereits mehrere Proteste zu verschiedenen Themen organisiert hatte. Bei der jüngsten Protestaktion geht es um die zwölf Sitze im Regionalparlament (mehr als ein Viertel der Sitze), die für kaschmirische Flüchtlinge reserviert sind, die nach 1947 nach Pakistan migrierten und nun außerhalb der Region leben, wie Al Jazeera erläutert.

In ihrem Bericht von Mitte Juli wurde zudem darauf hingewiesen, dass bei Zusammenstößen mit den Behörden bislang mehr als zwei Dutzend Menschen getötet wurden; zudem haben die Behörden seit Anfang Juni den Zugang zum Internet und zum Telefonverkehr stark eingeschränkt. Die World Socialist Web Site veröffentlichte daraufhin hier einen ausführlichen Bericht, der sich sehr kritisch gegenüber den Behörden äußerte. Darin wurde insbesondere erwähnt: „In dem Versuch, die Protestbewegung zu zerschlagen, deren Zentrum Rawalakot ist, haben die Sicherheitskräfte die drittgrößte Stadt von Azad Pakistan praktisch belagert.“

Sie fügten hinzu: „Die Regierung hat verhindert, dass Lebensmittel, Treibstoff und medizinische Hilfsgüter nach Rawalakot gelangen, wo sich Zehntausende einem seit dem 7. Juni andauernden Sitzstreik angeschlossen haben, der aus Trotz gegen die Behörden ins Leben gerufen wurde.“ Angesichts der restriktiven Maßnahmen, die die Behörden als Reaktion auf diese Krise verhängt haben, ist es unmöglich, ihre Behauptungen unabhängig zu überprüfen, doch sie stimmen mit früheren Berichten darüber überein, wie die Behörden in der Regel auf ähnliche Krisen in anderen Teilen des Landes reagieren.

In diesem Zusammenhang haben die als terroristisch eingestufte „Tehreek-i-Taliban Pakistan“ (TTP) und die mit ihr verbündete „Balochistan Liberation Army“ (BLA) in den letzten Jahren zahlreiche Anschläge in Pakistan verübt, die laut Islamabad von Rückzugsgebieten in Afghanistan aus orchestriert werden. Außerdem wirft Islamabad Indien vor, daran beteiligt zu sein. Die Taliban und Indien weisen diese Vorwürfe erwartungsgemäß zurück. Auf jeden Fall kommen die jüngsten Unruhen im pakistanisch verwalteten Kaschmir für die Behörden zu einem ungünstigen Zeitpunkt, und sie könnten bald weltweite Aufmerksamkeit erregen.

Im Gegensatz zu den beiden oben genannten Gruppen will die JAAC dem Rest Pakistans weder ihre Agenda aufzwingen noch sich von ihm abspalten; ihre Hauptziele sind die Bekämpfung der Korruption, die Stärkung der lokalen Demokratie und die Sicherstellung einer stärkeren Unterstützung durch die Zentralregierung für angeschlagene Unternehmen in dieser politisch sensiblen Region. Gerade weil ihre Bewegung ein Ausdruck von Demokratie und Volksmacht ist, reagiert Pakistans de-facto-Militärdiktatur jedoch übertrieben darauf – aus Angst, sie könnte andere Demonstranten an anderen Orten ermutigen.

Beobachter sollten nicht vergessen, dass die radikal pro-amerikanischen Streitkräfte und Geheimdienste die Oppositionspartei PTI des ehemaligen Premierministers Imran Khan brutal verfolgt und ihn aufgrund politischer Vorwürfe inhaftiert haben. Wenn sie der JAAC gestatten, groß angelegte Proteste zu organisieren, und später deren Forderungen nachkommen, besteht die reale Gefahr, dass sowohl die PTI als auch friedliche Aktivisten aus dem von der TTP heimgesuchten Khyber Pakhtunkhwa und dem von der BLA belagerten Belutschistan diesem Beispiel folgen könnten – und die Behörden können nicht zulassen, dass sich ein solcher revolutionärer Eifer festsetzt.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Russischer Geheimdienst: Deutschland könne „innerhalb eines Jahres eine funktionsfähige Atomwaffe bauen“

Von Florian Rötzer – 23. Juli 2026

Amerikanische Atombomben. Bild: war.gov

Die Bundesregierung unter Kanzler Merz will Deutschland aus der Abhängigkeit von den USA zur nuklearen Abschreckung durch „nukleare Teilhabe“ lösen und unter den nuklearen Schirm Frankreichs rücken, um „in der Abschreckung einen neuen gemeinsamen Weg“ zu gehen. Die „strategische Zusammenarbeit“ beider Länder solle vertieft werden, sagte Merz nach dem Treffen des Deutsch-Französischen Ministerrats am 17. Juli in Brühl. Geplant ist die Einrichtung einer „strategischen Steuerungsgruppe“. Macron spricht von „erweiterter Abschreckung“ und lobte Deutschland, das Teil der „Vorreiterrolle in der strategischen nuklearen Abschreckung“ sei.

Im Herbst soll die Bundeswehr erstmals an einer Übung der französischen Nuklear-Streitkräfte teilnehmen. Eifrig wird versichert, dass man an der Abschreckung durch die NATO und damit durch die USA festhalte. Näheres über die strategische Kooperation wurde aber nicht geäußert, also ob Deutschland beispielsweise eine Art nuklearer Teilhabe mit französischen Atomwaffen anstrebt. Klar scheint zu sein, dass der französische Präsident Macron die vollständige Kontrolle behalten will, was die Zusammenarbeit allerdings nach den Wahlen mit einer vielleicht von Le Pen geführten Regierung erschweren dürfte.

Merz sagte in der Regierungserklärung, man arbeite an der „Wiederherstellung der Verteidigungsfähigkeit unseres Landes“. Bekanntlich will Merz die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Streitmacht Europas aufbauen. Im Februar hatte er in einem Podcast eine „deutsche Bewaffnung mit Atomwaffen ausgeschlossen“.

Das deutet nicht darauf hin, dass die Bundesregierung heimlich eigene Atomwaffen herstellen will, was auch den Bruch einiger Abkommen, vor allem des Atomwaffensperrvertrags und des 2+4-Vertrags, bedeuten würde. Gleichwohl meldete der russische Auslandsgeheimdienst SVR am 20. Juli, dass in Deutschland „verdeckte Arbeiten an Projekten im Zusammenhang mit Atomwaffen auf Hochtouren“ laufen würden.

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Brzezinskis Schachbrett – Deutschlands Milliardenrechnung

Die finanziellen Folgen der Ukrainepolitik von der Orangenen Revolution 2004 bis 2026

Von Wolfgang Effenberger – 23. Juli 2026

Die strategische Bedeutung der Ukraine

In der Geopolitik der Briten bereits vor dem Ersten Weltkrieg ebenso wie in der der Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg und vor allem nach dem Kalten Krieg spielte die Ukraine eine Schlüsselrolle. Nach Russland ist die Ukraine mit 603.000 Quadratkilometern das zweitgrößte Land Europas; sie grenzt im Westen an Polen, Ungarn und die Slowakei, im Norden an Belarus (Weißrussland), im Süden ans Schwarze Meer und im Osten an Russland. Die lange gemeinsame Grenze mit den russischen Nachbarn spielt im Krieg um die Ostukraine eine entscheidende Rolle.

Das Land ist in vielfältiger Weise in West und Ost geteilt: Der Westen ist durch den Einfluss der Habsburger von Landwirtschaft und Katholizismus geprägt und Ukrainisch sprechend, im Osten (östliches Donezkbecken) waren Zarentum und orthodoxe Kirche, die Schwerindustrie und die russische Sprache vorherrschend. Diese gewachsenen Unterschiede und – für den russischsprachigen Bevölkerungsteil – die Nähe Russlands, verstärkt durch viele Familienbande, machte es für die Strategen im Weißen Haus nicht leicht, die Ukraine einfach so in den Westen zu überführen.

Der polnisch-stämmige geopolitische Altmeister Zbigniew Brzeziński war bis zu seinem Tod 2017 einflussreicher als manche US-Präsidenten. 1997 ließ er in seinem schonungslos offenen Buch »Die einzige Weltmacht« an den Ambitionen der USA in Bezug auf Europa keinen Zweifel: „Tatsache ist schlicht und einfach, daß Westeuropa und zunehmend auch Mitteleuropa weitgehend ein amerikanisches Protektorat bleiben, dessen alliierte Staaten an Vasallen und Tributpflichtige von einst erinnern.“(1)

Was ist das übergeordnete Motiv? Für England war das ab 1871 vereinte und wirtschaftlich aufstrebende Deutschland die Hauptgefahr. Und seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist einer Elite der angelsächsischen Länder jedes Mittel recht, um eine starke Mittelmacht in Europa zu verhindern: Wirtschafts- und Handelskriege, Intrigen, gezielte Destabilisierungsmaßnahmen. Das hatte Bismarck schon im April 1888 erkannt: »Menschlichkeit, Friede und Freiheit ist immer ihr Vorwand, wenn es nicht Christentum und Ausbreitung der Segnungen der Gesittung unter Wilden und Halbbarbaren sein kann, zur Abwechslung. In Wahrheit aber schrieben die Times und die Königin [Viktoria, Anm. d. Verf.] im Interesse von England, das mit dem unsern nichts gemein hatte. Das Interesse Englands ist, daß das Deutsche Reich mit Rußland schlecht steht, unser Interesse, daß wir mit ihm so gutstehen, als es der Sachlage nach möglich ist“.(2)

Die Aussage Bismarcks wurde 127 Jahre später von George Friedman, Vorsitzender des US-amerikanischen Think Tanks Stratfor, noch weit übertroffen, indem er deutlich machte, dass die USA keine »Beziehungen« mit Europa hätten, es gäbe nur bilaterale Beziehungen zu den einzelnen Staaten. Dann kam er zum Punkt: „Also, aus urzeitlichem, urweltlichem Interesse der USA, wofür wir seit Jahrhunderten die Kriege führen – Ersten und Zweiten Weltkrieg und Kalter Krieg – waren die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Weil vereint sind sie die einzige Macht, die uns bedrohen kann, und unser Interesse war es, sicherzustellen, dass das nicht geschieht. (3)

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US-Demokraten an Trump zum Iran: „Gewinnt den Krieg!“

Von Andre Damon – 23. Juli 2026

Der Flugzeugträger USS George H.W. Bush, derzeit im Kampfgebiet im Nahen Osten im Einsatz [Photo: Mass Communication Specialist 3rd Class Nicholas Hall]

Verteidigungsminister Pete Hegseth und Generalstabschef Dan Caine sagten am Dienstag im Haushaltsausschuss des US-Senats aus, um ihre Forderung nach 67 Milliarden Dollar Notfallgelder für den Krieg gegen den Iran zu begründen.

Die Anhörung fand vor dem Hintergrund steigender Opferzahlen statt und offenbarte die tiefe Krise des amerikanischen Imperialismus im Irankrieg. Die Trump-Regierung reagiert auf das militärische Debakel mit erneuten Luftangriffen und diskutiert den Einsatz von Bodentruppen und Atomwaffen im Iran.

Hegseth räumte ein, dass die Kosten des Krieges auf 37,5 Milliarden Dollar gestiegen sind. Er trat wie ein kriegslustiger Tyrann auf und tobte: „Schämt euch, ihr und all die anderen, die dies als Sumpf und Misserfolg bezeichnen!“

Angesichts des wachsenden Widerstands in der Bevölkerung versuchten die Demokraten nach Kräften, sich als loyale Opposition zu präsentieren, und warfen der Regierung Inkompetenz bei der Durchsetzung der Interessen des amerikanischen Imperialismus vor.

Am klarsten sprach der demokratische Senator Gary Peters aus Michigan, der Hegseth als „Versager“ bezeichnete. Er erklärte: „Sie haben keine Strategie. Sie haben keinen langfristigen Plan, um diesen Krieg tatsächlich zu gewinnen. Gewinnen Sie den Krieg!“

Peters fuhr fort: „Die Männer und Frauen werden dazu in der Lage sein, aber sie brauchen Führung. Wann werden Sie Führungsstärke zeigen?“

Während der Widerstand der Bevölkerung gegen den Irankrieg enorm zunimmt, weil die Trump-Regierung ihn als Vorwand nutzt, um Lebensmittelhilfe und andere Sozialleistungen zu kürzen, lautet die Position der Demokratischen Partei nicht „Stoppt den Krieg“, sondern „Gewinnt den Krieg!“

Peters verkörpert die Demokratische Partei als Partei der Wall Street, des Militärs und der Geheimdienste. Als Lieutenant Commander der US Navy Reserve diente er am Persischen Golf. Außerdem arbeitete er 23 Jahre lang im Finanzsektor bei den Investmentbanken Merrill Lynch und Paine Webber, bevor er in die Politik ging. Ende 2014 gab er ein Nettovermögen von bis zu 6,3 Millionen Dollar an.

Peters zog 2014 als auserwählter Kandidat des Parteiestablishments in den Senat ein. Senator Carl Levin, langjähriger Vorsitzender des Streitkräfteausschusses, der in den Ruhestand ging, und Senatorin Debbie Stabenow sprachen sich für ihn aus. Senatorin Elizabeth Warren sammelte Spenden für ihn.

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Wie Polen um US-Truppen bettelt und durch Aufrüstung seine wirtschaftliche Basis zerstört

Von Maria Pavlowa (Übersetzung: Thomas Röper) – 23. Juli 2026

In Polen herrscht breiter Konsens in dem Bemühen, die USA zur Eröffnung einer permanenten Militärbasis zu bewegen. Und es herrscht breiter Konsens in der Frage der Aufrüstung, die allerdings auf Kosten der polnischen wirtschaftlichen und fiskalen Reserven stattfindet.

Die polnische Manie, unbedingt einen festen US-Truppenstützpunkt ins eigene Land holen zu wollen, macht schon seit mindestens sieben Jahren Schlagzeilen. Eine russische Expertin hat darüber einen Artikel geschrieben, den ich so interessant fand, dass ich ihn übersetzt habe.

Warschaus goldene Illusionen: Warum amerikanische Stützpunkte Polens Sicherheit nicht garantieren

Maria Pavlowa, Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften, über Polens „Stützpunktmanie“ und ihre Folgen.

Im Juni teilte der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz mit, Pentagon-Minister Pete Hegseth vorgeschlagen zu haben, einen permanenten Militärstützpunkt im Land zu errichten, dessen Bau vollständig von Warschau finanziert werden sollte. Am 22. Juli stellte Vizeminister Pawel Zalewski in einem Interview mit RadioZet klar, dass die Option, mehrere solcher Einrichtungen zu errichten, geprüft werde.

Die Frage der Eröffnung permanenter amerikanischer Stützpunkte steht bei Weitem nicht zum ersten Mal auf der polnischen Tagesordnung. Was könnte der Grund dafür sein?

Ein zweiter Anlauf

In der polnischen Politik ist die Idee einer permanenten US-Basis eines der wenigen Beispiele für einen Konsens zwischen den beiden gegnerischen Blöcken, dem nationalkonservativen Lager (PiS)unter Führung von Jarosław Kaczyński und Präsident Karol Nawrocki sowie der liberalen Bürgerplattform (PO) von Ministerpräsident Donald Tusk.

PiS-Politiker, insbesondere der ehemalige Präsident Andrzej Duda, versuchten bereits 2018, die Idee unter dem verlockenden Namen „Fort Trump“ zu vermarkten, der den Ambitionen des amerikanischen Präsidenten schmeicheln sollte. Warschau erlitt jedoch eine demütigende Niederlage: Die Verhandlungen scheiterten und Donald Trump selbst erklärte 2019, dass er an sein Einverständnis zum Bau der Basis „nicht erinnert“.

Das Scheitern seines Vorgängers wird Nawrocki nicht davon abhalten, erneut die Idee einer „vollständigen Verschmelzung“ der polnischen Sicherheit mit der US-Strategie zu propagieren. Offenbar ist er weiterhin sicher, dass nur bilaterale Abkommen mit Washington die Unabhängigkeit Polens gewährleisten können. Vertreter der Koalitionsregierung versuchen jedoch, die NATO-Garantien weniger offen in Frage zu stellen und pragmatischer zu handeln, indem sie sich an den einfachen Grundsatz von Verteidigungsminister Kosiniak-Kamysz halten: „Ein permanentes Modell ist immer besser als ein rotierendes.“

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Russland und der Iran setzen auf Zuckerbrot und Peitsche, um Aserbaidschan zur Entmilitarisierung von TRIPP zu bewegen

Von Andrew Korybko – 22. Juli 2026

Präsident Ilham Aliyew ist ein rationaler Staatschef, der zu dem Schluss kommen könnte, dass es besser ist, für beide Seiten vorteilhafte Vereinbarungen mit Russland und dem Iran zu schließen, um das auf TRIPP konzentrierte Sicherheitsdilemma Aserbaidschans gemeinsam mit ihnen zu lösen, als die Zukunft seines Landes zu gefährden, nur um dem Westen einen Gefallen zu tun.

Die Ankündigung des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev bezüglich der „vollständigen Normalisierung“ der Beziehungen zu Russland war ein positiver Schritt, könnte jedoch nicht von Dauer sein, solange die strukturellen Grundlagen für eine weitere Krise nach ukrainischem Vorbild bestehen bleiben. Wie in der vorstehenden, über den Hyperlink zugänglichen Analyse erläutert wurde, bezieht sich dies auf die im letzten Jahr vorgestellte „Trump-Route für internationalen Frieden und Wohlstand“ (TRIPP), die dem unausgesprochenen doppelten Zweck eines militärischen Logistikkorridors der NATO dient, der sich letztendlich entlang der gesamten südlichen Peripherie Russlands erstrecken wird.

Die oben genannte Analyse legt nahe, dass Aserbaidschan sich an den Geist des russischen Vertragsentwurfs mit der NATO vom Dezember 2021 halten sollte, dessen „Schattenmitglied“ es nun ist, nachdem Alijew bekannt gegeben hatte, dass sein Militär im vergangenen November die Anpassung an die Standards des Bündnisses abgeschlossen habe. In der Praxis bedeutet dies: keine NATO-Waffen, -Manöver, -Truppen usw., einschließlich der Erleichterung ihres Transits nach Zentralasien. Es dürfte ihm schwerfallen, die NATO zu enttäuschen, insbesondere seinen engen türkischen Verbündeten, doch Russland und der Iran verfügen über Zuckerbrot und Peitsche, um ihm Anreize zu bieten.

Derzeit sieht sich Alijew wohl als historische Figur, die die beispiellose Ausweitung des „Cordon sanitaire“ des Westens entlang der gesamten südlichen Peripherie Russlands ermöglicht hat und es diesem damit ermöglichte, einseitige Zugeständnisse von Russland zu erzwingen. Ebenso fördert Aserbaidschans Rolle im Rahmen von TRIPP die „pantürkischen“ Ziele der Türkei und trägt so zum Aufbau eines neuen Einflusspol in der sich abzeichnenden neuen Weltordnung bei. Diese Überlegungen gehen davon aus, dass weder Russland noch der Iran – geschweige denn beide – ihn militärisch aufhalten werden.

Damit kommen wir zu den offensichtlichen „Stöcken“, die diese beiden Länder einsetzen könnten, nämlich eine einseitige oder gemeinsame Operation gegen Aserbaidschan, die dessen äußerst anfällige, energieabhängige Wirtschaft rasch zerstört. Russland könnte dies mit der Begründung einleiten, dass Aserbaidschan in die Fußstapfen der Ukraine tritt, während der Iran dies aufgrund Aserbaidschans De-facto-Bündnis mit Israel rechtfertigen könnte. Sollte Aserbaidschans Niederlage und Kapitulation vor ihren Forderungen schnell genug erreicht werden, hätten die Türkei, die NATO und Israel möglicherweise keine Zeit mehr, dem Land zu Hilfe zu eilen.

Aserbaidschan wird nicht als annähernd so fähig eingeschätzt, einen jahrelangen „Zermürbungskrieg“ zu überstehen, wie es die Ukraine mit Hilfe der NATO tut; daher könnte Alijew die Anreize bevorzugen, die Russland und der Iran ihm im Austausch für die Neutralisierung des militärisch-sicherheitspolitischen Potenzials von TRIPP anbieten könnten. Konkret würde Aserbaidschan enorm davon profitieren, als Transitstaat für den russisch-iranischen Handel im Realsektor zu fungieren, insbesondere wenn es ihnen zudem gestattet, ihre geplante Pipeline durch sein Territorium zu verlegen.

Auf immaterieller Ebene könnte Aserbaidschans neue Mitgliedschaft in der regionalen Integrationsgruppe, die in „Gemeinschaft Zentralasiens“ umbenannt wurde, dazu führen, dass Alijew eine für Russland und den Iran akzeptable Form des „Panturkismus“ fördert, die im Gegensatz zur inoffiziellen Vision der Türkei säkular und nicht-militärisch wäre. Angesichts ihrer gemeinsamen historischen Erfahrungen wären die turksprachigen zentralasiatischen Republiken dieser Form wahrscheinlich aufgeschlossener, was Alijews Rolle als „panturkistischer“ Führer festigen würde. Dies könnte er dann für wirtschaftliche Vorteile nutzen.

Aliyew ist bei seinem Volk und beim Militär beliebt, nachdem er sie zum Sieg über Armenien geführt hat; daher muss er sich keine Sorgen um pro-westliche Staatsstreiche machen, sollte er TRIPP entmilitarisieren. Dieses Projekt könnte zudem weiterhin enorme Gewinne für die USA aus der Bergbauindustrie Zentralasiens einbringen. Als rationaler Führer könnte der aserbeidschanische Präsident daher zu dem Schluss kommen, dass es besser ist, für die Lösung des TRIPP-zentrierten Sicherheitsdilemmas Aserbaidschans mit Russland und dem Iran für beide Seiten vorteilhafte Vereinbarungen zu treffen, anstatt die Zukunft seines Landes zu gefährden, nur um dem Westen zu gefallen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

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Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Ukraine: Amerikas anhaltender Stellvertreterkrieg gegen Russland

Von Jeffrey Sachs und Sybil Fares – 22. Juli 2026

Eisenhowers Warnung, dass die US-Politik von einer wissenschaftlich-technologischen Elite vereinnahmt werden würde, liefert einen konkreten Grund dafür, warum die USA den Krieg in der Ukraine aufrechterhalten: Die Ukraine ist zu einem einzigartigen Live-Feuer-Labor für KI-Kriegsführung in großem Maßstab geworden.

In seiner Abschiedsrede im Januar 1961 warnte [US-Präsident] Dwight Eisenhower die Amerikaner vor dem „Erwerb ungerechtfertigten Einflusses, ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt, durch den militärisch-industriellen Komplex“ und vor der Gefahr, dass „die öffentliche Politik selbst zum Gefangenen einer wissenschaftlich-technologischen Elite werden könnte“. 65 Jahre später haben sich Eisenhowers Warnungen wiederholt und auf tragische Weise bewahrheitet. Die amerikanische Demokratie hängt am seidenen Faden, während der militärisch-industrielle Komplex – zu dem mittlerweile auch das Silicon Valley gehört – die amerikanische Außenpolitik gegen den Willen des amerikanischen Volkes bestimmt.

Das Ziel ist die amerikanische Vorherrschaft, d. h. der unangefochtene Reichtum, die Macht und die Vorrechte der amerikanischen Eliten, ungehindert durch irgendeine andere Nation oder Gruppe von Nationen. In der Praxis bedeutet dies, dass die Wall Street, Rüstungsunternehmen, das Silicon Valley und die großen Ölkonzerne die amerikanische Außenpolitik kontrollieren, um den Reichtum der Elite sowie den Zugang zu globalen Ressourcen, Lieferketten und strategischen Engpässen zu maximieren. Der Rest der Welt soll sich dem fügen.

Der militärisch-industrielle Komplex setzt ein Instrumentarium ein, das wir als „Regimekontrolle“ zusammenfassen und das darauf abzielt, die Regierungen der übrigen Welt den Vereinigten Staaten unterzuordnen. Zu den Instrumenten der Regimekontrolle gehören die Errichtung oder Aufhebung von Handelsbarrieren; der Zugang zu oder die Verweigerung von Technologien; die Verhängung oder Aufhebung von Wirtschaftssanktionen; der Besitz und die Manipulation ausländischer Medien; Wahlbeeinflussung in unterschiedlichem Ausmaß; politische Attentate, Farbrevolutionen, von der CIA unterstützte Staatsstreiche; die Anstiftung zu Bankenstürmen im Ausland und die Gewährung von Notkrediten, wenn Staaten nachgeben; das Einfrieren und Auftauen ausländischer Vermögenswerte; die gezielte Verfolgung ausländischer Amtsträger durch Korruptionsvorwürfe, Auslieferung oder Entführung; und, wenn all dies zur Regimekontrolle nicht ausreicht, der offene Krieg. Die von den USA gewählten Kriege (in Wirklichkeit Kriege zur Regimekontrolle) sind endlos und lukrativ für die Rüstungsindustrie, obwohl der „Deep State“ in der Regel bevorzugt, dass andere Regierungen kampflos nachgeben.

Geopolitische Dreh- und Angelpunkte und die amerikanische Vorherrschaft

Zbigniew Brzezinskis „The Grand Chessboard“ (1997) legte das Ziel der Regimekontrolle mit bemerkenswerter Offenheit dar. Eurasien ist das Schachbrett, auf dem Amerikas globale Vorherrschaft gesichert werden muss. Um dies zu erreichen, sollte Amerika „geopolitische Dreh- und Angelpunkte“ dominieren – also Staaten, die für Amerika an sich unwichtig, aber nützlich sind, um eine andere Großmacht zu schwächen. Brzezinski nannte wichtige geopolitische Dreh- und Angelpunkte, von denen die Ukraine der wichtigste war. Er erklärte wiederholt, dass Russland ohne die Ukraine keine Großmacht mehr sei. Als weiteren Dreh- und Angelpunkt identifizierte er den Iran. Die Kontrolle über den Iran sichert Amerikas Einfluss im Persischen Golf, beim Öl im Nahen Osten und in der Kaspischen Region. Es ist keine Überraschung, dass an beiden Orten US-Kriege toben.

Dies ist wichtig, um die Entscheidungen von sechs scheinbar unterschiedlichen Präsidenten zu verstehen, die alle eine einheitliche Ukraine-Politik verfolgten. Bill Clinton machte sich daran, die NATO auf die Ukraine und andere Anrainerstaaten Russlands auszuweiten, wobei er darauf setzte, dass Russland zu schwach sei, um Einwände zu erheben. Er und die nachfolgenden Präsidenten gingen davon aus, dass Russland letztendlich seinen geschwächten globalen Status akzeptieren, die Realität der NATO an seinen Grenzen hinnehmen und sich in einer untergeordneten Rolle als Rohstofflieferant für den Westen innerhalb eines von den USA bestimmten Eurasiens einrichten würde.

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Die Türkei steht kurz davor, im Schwarzen Meer eine neue Front zur Eindämmung Russlands zu eröffnen

Von Andrew Korybko – 21. Juli 2026

Ankaras neu bekundetes Engagement für die Gewährleistung der maritimen Sicherheit der Ukraine stellt eine ernsthafte Bedrohung für Russland dar.

Der türkische Außenminister und ehemalige Geheimdienstchef Hakan Fidan bestätigte während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem ukrainischen Amtskollegen, dass die Türkei nach Beendigung des andauernden Konflikts die maritime Sicherheit der Ukraine gewährleisten werde. Seinen Worten zufolge: „Die Türkei hat zugestimmt, die maritime Komponente zu leiten, und wir haben diesbezüglich ein gemeinsames Verständnis mit unseren Verbündeten. Auch die Seestreitkräfte der betreffenden verbündeten Länder sind mit Planungsarbeiten zu diesem Thema beschäftigt.“ Dies stellt eine ernsthafte Bedrohung für russische Interessen dar.

In welcher Form dies geschehen wird, bleibt abzuwarten, doch die Türkei könnte ukrainische Schiffe beim Getreideexport bereits vor Beendigung des Konflikts eskortieren, nachdem Russlands „systematische Angriffe“ ein Drittel der ukrainischen Exportkapazitäten lahmgelegt haben. Laut Reuters „bleiben Agrarexporte wie Getreide und Pflanzenöle die größte Deviseneinnahmequelle der Ukraine“, und die Erlöse tragen hypothetisch zur Tilgung europäischer Kredite bei. Die europäischen NATO-Mitglieder haben daher einen finanziellen Anreiz, jede türkische Begleitmission zu unterstützen.

Die USA könnten diese Dienstleistung ebenfalls von der Türkei als Teil einer Gegenleistung für einen möglichen Verkauf von F-35-Kampfflugzeugen einfordern. Trump hat kürzlich beschlossen, gegenüber Russland „zu eskalieren, um zu deeskalieren“, daher liegt es nahe, dass er einige der kleineren Partner seines Landes wie die Türkei bitten könnte, in dieser Hinsicht einen größeren Teil der „Schwerarbeit“ zu übernehmen. Die Türkei ist bereits Teil des „Cordon sanitaire“ entlang der südlichen Peripherie Russlands im Südkaukasus, am Kaspischen Meer und in Zentralasien, wie hier erläutert, sodass eine Ausweitung auf das Schwarze Meer nicht überraschend wäre.

Aus russischer Sicht wäre dies jedoch sicherlich provokativ, sollte es während eines Krieges geschehen; ob Russland jedoch türkische Schiffe angreifen würde, selbst auf die Gefahr hin, den Dritten Weltkrieg auszulösen, bleibt abzuwarten. Das Gleiche gilt für den Fall, dass die Türkei auf die eine oder andere Weise versucht, ukrainische Häfen zu schützen – etwa indem sie einen Teil ihrer Flotte dort stationiert, unter dem Vorwand, Russland davon „abzuschrecken“, weitere landwirtschaftliche Exportkapazitäten der Ukraine lahmzulegen, selbst wenn dies nur ein Vorwand für den Schutz der maritimen Militärlogistik ist.

Die potenziellen langfristigen Auswirkungen einer Gewährleistung der maritimen Sicherheit der Ukraine durch die Türkei sind für Russland noch besorgniserregender als die potenziellen kurzfristigen Auswirkungen während des andauernden Konflikts. Die Konvention von Montreux aus dem Jahr 1936 begrenzt die Zahl ausländischer Kriegsschiffe im Schwarzen Meer auf lediglich neun, doch die NATO-Mitglieder Türkei, Bulgarien und Rumänien können so viele stationieren, wie sie möchten, da sie an dieses Gewässer grenzen. Ein beschleunigter Ausbau ihrer Seestreitkräfte in den kommenden Jahren ist daher nicht auszuschließen.

Die NATO strebt seit langem an, das Schwarze Meer in einen „NATO-See“ zu verwandeln – so wie manche der Ansicht sind, dass dies bereits mit der Ostsee geschehen ist, nachdem Finnland und Schweden dem Bündnis offiziell beigetreten waren, nachdem sie seit dem Ende des „Alten Kalten Krieges“ als Schattenmitglieder daran beteiligt waren. Zu diesem Zweck könnte die Türkei Bulgarien, Rumänien und der Ukraine in den kommenden Jahren beim Aufbau ihrer Seestreitkräfte helfen, mit dem Ziel, gemeinsam die russische Schwarzmeerflotte zu übertrumpfen, die durch vom Westen unterstützte ukrainische Angriffe geschwächt wurde.

Trotz gegenteiliger offizieller Rhetorik stellt die Türkei unbestreitbar eine ernsthafte Bedrohung für russische Interessen dar – eine Bedrohung, die weiter zunehmen wird, je mehr die Türkei im Einklang mit ihrer Rolle im „Cordon sanitaire“ Aufgaben zur Eindämmung übernimmt . Russland kann dies daher entweder als „neue Normalität“ akzeptieren und folglich einseitigen Zugeständnissen zustimmen – was allem zuwiderlaufen würde, was die spezielle Operation eigentlich erreichen sollte –, oder sich zur Verteidigung seiner Interessen an der gesamten Südfront mit der Türkei messen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Warum merken so wenige, wie absurd und widersprüchlich die Warnungen vor der „russischen Gefahr“ sind?

Von Wladimir Kostyrew (Übersetzung: Thomas Röper) – 21. Juli 2026

Die Europäer werden nicht müde, vor der angeblichen russischen Gefahr zu warnen, also davor, dass Russland stark genug ist, demnächst europäische Länder anzugreifen. Gleichzeitig ist Russland aber angeblich so schwach, dass die Ukraine Russland besiegen kann, wenn sie nur genug Waffen bekommt.

Es ist faszinierend, wie wenig die Menschen in Europa das hinterfragen, was ihnen Politik und Medien den ganzen Tag erzählen. Ansonsten müssten sie sich ja fragen, wie es sein kann, dass Russland einerseits angeblich eine so große Gefahr für Europa darstellt, dass Europa ruinös und auf Kosten der sozialen Errungenschaften aufrüsten muss, um sich gegen einen Angriff des mächtigen russischen Militärs zu schützen, dass Russland andererseits aber so schwach sein soll, dass die Ukraine angeblich kurz davor steht, Russland zu besiegen, wenn die Europäer nur weiter massenhaft Waffen und Geld nach Kiew schicken. Aber diesen Widerspruch in der westlichen Propaganda bemerken die meisten Menschen in Europa anscheinend genauso wenig, wie all die anderen Widersprüche in den Narrativen des Westens.

In der TASS ist ein Artikel über die angebliche russische Gefahr erschienen, den ich in diesem Zusammenhang interessant fand und daher übersetzt habe. […]

Die Chronik der nicht eingetroffenen Prognosen: Warum die „russische Invasion“ verschoben wird

Wladimir Kostyrew über die Traditionen des Angstmachens und den Traum des Westens vom Krieg gegen Russland.

In einem Interview mit lrt.lt erklärte der litauische Verteidigungsminister Robertas Kaunas erneut, Moskau bereite einen „Angriff“ auf das Baltikum und Polen vor, da es die Ziele seiner Militäroperation in der Ukraine angeblich bisher nicht erreichen könne. Solche hysterischen Selbsthypnosen wiederholen sich in der EU fast täglich.

NATO-Generalsekretär Mark Rutte drohte den Europäern im Juni 2025 und wieder im Januar 2026 sogar damit, Russisch lernen zu müssen, falls sie ihre Militärausgaben nicht auf 2 Prozent des BIP erhöhten. Allerdings ist genau das seine Aufgabe: Wenn nan niemanden hat, gegen den man Krieg führen kann, werden weder das Bündnis noch seine Führung gebraucht. Der Rat an sich ist zwar gut, denn würden die Europäer Leo Tolstoi und Fjodor Dostojewski im Original lesen, dann würden sie ein wenig über unser Land verstehen. Die Militärhaushalte müsste man dazu gar nicht erhöhen.

Unterdessen nennt der Westen sogar schon Termine für den russischen „Angriff“. So nannte beispielsweise Generalleutnant Christian Freuding, Oberbefehlshaber des Heeres der Bundeswehr, das Jahr 2029. Verteidigungsminister Boris Pistorius und der Generalinspekteur der Bundeswehr Carsten Breuer nannten die Jahre 2028/29 als mögliches Zeitfenster für eine Aggression. Andrius Kubilius, der EU-Kommissar für Verteidigung und Raumfahrt, setzte die Vorbereitungsphase bis 2030 an. Von 2030 sprach auch der ehemalige britische Premierminister Keir Starmer.

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