„Ein iranischer Sieg“

Von German-Foreign-Policy.com – 16. Juni 2026

Bundesregierung dringt nach Waffenstillstand zwischen den USA und Iran auf Marineeinsatz in der Straße von Hormuz. Über diese hat sich nun jedoch Teheran die Kontrolle gesichert; es sucht zudem einen Libanon-Waffenstillstand zu erzwingen.

Die Bundesregierung dringt nach der Einigung der Vereinigten Staaten und Irans auf einen Waffenstillstand auf einen baldigen Einsatz deutscher Kriegsschiffe in der Straße von Hormuz. Frankreich und Großbritannien wollen den Einsatz „binnen Tagen“ beginnen; Deutschland allerdings werde zumindest zwei bis drei Wochen benötigen, bis der erforderliche Beschluss des Bundestags vorliege, heißt es in Berlin. Allerdings ist bislang unklar, auf welcher Grundlage der Einsatz erfolgen soll. Teheran hat im Krieg seine Kontrolle über die Straße von Hormuz durchgesetzt, die es vor dem Krieg noch nicht hatte; es behält sich sogar das Kassieren von Gebühren – nicht jedoch von Maut – für die Durchfahrt durch die Meerenge vor und müsste in der Praxis jedem deutsch-europäischen Marineeinsatz dort zustimmen: ein wichtiger Erfolg Irans. Ein zweiter Erfolg zeichnet sich darin ab, dass Teheran einen Waffenstillstand auch für den Libanon durchzusetzen sucht. US-Experten urteilen trocken, der Deal zwischen den USA und Iran sei für Washington deutlich schlechter als eine Einigung mit Teheran, die man vor dem Krieg hätte erzielen können. Von einem „iranischen Sieg“ ist die Rede.

Die Straße von Hormuz

Den ersten großen Erfolg konnte Iran laut aktuellem Kenntnisstand mit Blick auf die Straße von Hormuz erzielen. Vor dem Überfall der Vereinigten Staaten und Israels auf das Land war die Meerenge für alle frei und ohne jegliche Beschränkung passierbar. Teheran hat im Krieg bewiesen, dass es die Durchfahrt von Handelsschiffen per Beschuss praktisch verhindern und schon durch die Drohung mit Beschuss faktisch unmöglich machen kann. Es hat erklärt, die Kontrolle, die es dadurch erlangt, auf seine Hoheitsgewässer anwenden zu wollen. Oman, der die Gegenküste kontrolliert, soll laut Irans Plan das Gleiche auf seiner Seite der Meerenge tun. Ob das Land dazu bereit ist – zumindest Gespräche darüber hat es laut Berichten gegeben –, ist noch nicht bekannt. Nach Angaben von US-Präsident Donald Trump wird Iran keine Maut (englisch: toll) von durchfahrenden Schiffen kassieren. Dies war der ursprüngliche Plan der Regierung in Teheran. Es steht aber im Widerspruch nicht nur zum UN-Seerechtsübereinkommen, das Iran nicht unterzeichnet hat, sondern auch zum Gewohnheitsrecht auf See. Erlaubt ist es aber, Gebühren (englisch: fees) für Dienstleistungen zu erheben, die bei der Passage der Straße von Hormuz erbracht werden. Genau dies behält Iran sich vor. Zur Abwicklung der Formalitäten hat Iran bereits eine Behörde gegründet – die Persian Gulf Strait Authority (PGSA, german-foreign-policy.com berichtete [1]).

Waffenstillstand im Libanon

Irans zweiter Erfolg betrifft Libanon; allerdings ist er unvollständig, und es ist unklar, ob das Land ihn auf Dauer verteidigen kann. Vor dem Krieg hatte Teheran dort nur die Möglichkeit, die Hizbollah etwa mit Waffenlieferungen zu unterstützen. Jetzt scheint es ihm allerdings gelungen zu sein, den Waffenstillstand im Krieg mit den USA mit einem Waffenstillstand im Libanon zu verknüpfen. Dass an beiden Fronten die Waffen ruhen sollen, bestätigt jedenfalls Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif, der den aktuellen Deal zwischen den USA und Iran vermittelt hat.[2] Bleibt es dabei, dann hätte Teheran politisch signifikanten Einfluss auf den Libanonkrieg erhalten. Israel wäre dann dort erstmals in seinem Handeln und in seinen Aggressionen ein Stück weit eingeschränkt. Dagegen setzt es sich mit Händen und Füßen zur Wehr. Es hat bereits am Sonntag mit einem Angriff auf Beirut den Deal zwischen den USA und Iran in letzter Minute zu torpedieren versucht – vergeblich. Am Montag bestätigte Israels Verteidigungsminister Israel Katz, die israelischen Streitkräfte würden das Territorium, das sie okkupiert haben, besetzt halten, dort sämtliche Bewohner vertreiben und auch alle Häuser zerstören.[3] Die Absicht, den Krieg am Laufen zu halten – schon, um Irans neuen Einfluss abzuwehren – ist klar erkennbar. Ob Teheran zumindest Angriffe auf Beirut unterbinden kann, muss sich zeigen.

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