Von Katja Rippert – 16. Juni 2026
Aufrecht, mit festem und entschlossenem Blick, ein letztes Lied auf den Lippen marschieren die Gefangenen in Zweierreihen zum Schießstand von Kaisariani im Osten der griechischen Hauptstadt Athen. Ein Unteroffizier der deutschen Besatzer hält die Szene mit der Kamera fest.
Es sind 200 griechische Widerstandskämpfer, die an diesem ersten Mai 1944 von den Nationalsozialisten hingerichtet werden – überwiegend Mitglieder der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) sowie zwölf Trotzkisten.
Die meisten von ihnen saßen zuvor jahrelang im berüchtigten Festungsgefängnis von Akronafplia auf der Peloponnes-Halbinsel und wurden dann in das von der SS geleitete Konzentrationslager Chaidari im Nordwesten Athens verlegt. Folter, Hunger und Zwangsarbeit gehörten hier zum Alltag. Vom KZ Chaidari wurden sie nun in Militärlastwagen zum Schießstand Kaisariani gebracht.
Am Hinrichtungsort angekommen müssen sie sich in Gruppen von 20 Mann nebeneinander vor einer Mauer aufreihen, Auge in Auge mit den deutschen Schützen. Einige haben kämpferisch die Faust erhoben. Die gesichtslosen Wehrmachtssoldaten, von denen nur schwarze Stiefel, Stahlhelm und Gewehrlauf zu erkennen sind, eröffnen das Feuer auf die wehrlosen Menschen. Zehnmal wiederholt sich das brutale Schauspiel, bis alle 200 Gefangenen getötet sind.