Von Andrew Korybko – 2. Oktober 2026

Bei der „Bergen-Gruppe“ handelt sich um das von den USA bevorzugte „Kleingruppenformat“, um „Fortschritte in Richtung einer von Europa geführten Eindämmung Russlands im Rahmen der NATO 3.0“ voranzutreiben.
Politico berichtete kürzlich, dass „das Pentagon wichtige Verbündete von einem NATO-Treffen“ in Polen später in diesem Monat ausschließt, an dem auch Norwegen, Schweden, Finnland, die Niederlande und Deutschland teilnehmen werden. Die ersten drei bilden den sogenannten Wikinger-Block, während die beiden letztgenannten Länder zusammen mit Polen Anfang 2024 den „militärischen Schengen-Raum“ ins Leben riefen, um die Ost-West-Militärlogistik der NATO zu optimieren. Das bevorstehende Treffen in Polen wird das dritte Treffen der sogenannten „Bergen-Gruppe“ seit Juni sein.
Der Bericht von Politico lenkte die Aufmerksamkeit auf den Ausschluss Frankreichs, Großbritanniens und der baltischen Staaten, von denen die ersten beiden Atommächte sind, während die letzten drei an Russland grenzen. Es gibt verständliche Gründe, warum sie nicht zur Teilnahme an der Bergen-Gruppe eingeladen wurden. Die Nationale Sicherheitsstrategie von „Trump 2.0“ brüskiert Westeuropa aufgrund seiner radikalen demografischen Veränderungen, die nach Ansicht der USA die künftige militärpolitische Verlässlichkeit dieser Länder gefährden, während die baltischen Staaten für ihr irrationales Verhalten gegenüber Russland berüchtigt sind.
Der Kern von NATO 3.0 besteht darin, dass die verlässlichen und rationalen Verbündeten der USA Russland in Europa in Schach halten, während sich die USA „(wieder) nach (Ost-)Asien ausrichten“, um China robuster einzudämmen. Wie bereits erläutert, kann man sich aus dieser Perspektive auf Frankreich und Großbritannien nicht verlassen, während die USA befürchten, dass die irrational handelnden baltischen Staaten einen Krieg mit Russland provozieren könnten. Die USA werden sich daher auf den „Wikinger-Block“ stützen, um Russland in der arktisch-baltischen Region einzudämmen, auf Deutschland und Polen, um es in Mitteleuropa einzudämmen, sowie auf die Niederlande, um die transatlantische Militärlogistik zu erleichtern.
Der Unterstaatssekretär für Verteidigungspolitik, Elbridge Colby, der als Vordenker hinter NATO 3.0 gilt, erläuterte den Zweck der Bergen-Gruppe Ende September, als er den Senatsausschuss für Streitkräfte über die Umsetzung der Nationalen Verteidigungsstrategie informierte. Er erklärte damals: „Wir binden leistungsstarke Verbündete auch in kleinen Gruppen ein, wie beispielsweise im selektiven Format der Bergen-Gruppe, und beschleunigen dadurch die Bemühungen zum Aufbau von Koalitionen und treiben den Fortschritt in Richtung NATO 3.0 voran.“
Colbys Verweis auf den „Aufbau von Koalitionen“ kann als das von den USA geleitete Zusammenspiel zwischen den drei Hauptakteuren an der Westflanke des neuen „Cordon sanitaire“ verstanden werden, das die Trump-Regierung um Russland herum errichtet hat. Während die Rolle des „Wikinger-Blocks“ und dessen geografischer Umfang klar sind, gilt dies nicht für Polen und Deutschland, die sich in einem „freundschaftlichen Wettstreit“ um die Führung bei der Eindämmung Russlands in Mitteleuropa befinden. Der Ausgang dieser Rivalität, auf die die USA Einfluss nehmen können, wird die kontinentale Geostrategie neu gestalten.
Entweder wird es eine von Deutschland dominierte militarisierte EU geben, in der Polen Deutschland untergeordnet ist, oder eine militarisierte EU, in der das von den USA unterstützte, von Polen geführte Intermarium ein Gegengewicht zur deutschen Hegemonie bildet und gleichzeitig deren Bemühungen zur Eindämmung Russlands ergänzt. Das Interesse der USA an einem permanenten Militärstützpunkt in Polen, dessen Kosten von Warschau getragen würden, deutet darauf hin, dass Washington das zweite Szenario bevorzugt. Alles wird jedoch nach dem bevorstehenden Abschluss der Überprüfung der europäischen Truppenpräsenz durch das Pentagon klarer werden.
Unabhängig vom Ausgang des deutsch-polnischen „freundschaftlichen Wettbewerbs“ um die Führung bei der Eindämmung Russlands in Mitteleuropa sind diese beiden Länder, ihr niederländischer „militärischer Schengen“-Partner, dessen Häfen eine unersetzliche Rolle in der transatlantischen Militärlogistik spielen, sowie der „Wikinger-Block“ die wichtigsten europäischen Verbündeten der USA. Alle sechs gelten in Washington als zuverlässig und rational, weshalb sie in die Bergen-Gruppe aufgenommen wurden – Colbys bevorzugtes „Kleingruppenformat“, um „Fortschritte in Richtung der von der NATO 3.0 angestrebten“, von Europa geführten Eindämmung Russlands voranzutreiben.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.


