Taurus, Bodentruppen, Atombombe: der wahnsinnige Wettlauf in den Krieg

Von Peter Schwarz – 9. März 2024

Als sich 2014 der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum hundertsten Mal jährte, brach die alte Debatte wieder auf, ob die Großmächte in den Krieg „geschlittert“ oder „geschlafwandelt“ seien, oder ob sie ihn gezielt vom Zaun gebrochen hätten. Beim Aufmarsch der NATO gegen Russland erübrigt sich diese Frage. Die europäischen Mächte schlittern nicht in den Krieg, sie stürzen sich hinein.

In den vergangenen Tagen warfen sich führende europäische Staatsmänner, Militärs und Meinungsmacher gegenseitig vor, im Krieg gegen Russland nicht weit genug zu gehen. Wie pubertierende Jungen bei einer Mutprobe beschimpften sie sich gegenseitig als Feiglinge, Weichlinge und nützliche Idioten Putins.

Der französische Präsident Emmanuel Macron forderte seine europäischen Verbündeten auf, „nicht feige zu sein,“ nachdem Bundeskanzler Olaf Scholz seinem Vorschlag, westliche Truppen in die Ukraine zu schicken, öffentlich widersprochen hatte.

Ben Wallace, bis letzten Sommer britischer Verteidigungsminister, beschimpfte Scholz als „falschen Mann im falschen Job zur falschen Zeit“, weil er sich weigere, Taurus-Marschflugkörper an die Ukraine zu liefern.

Nach der Veröffentlichung eines abgehörten Gesprächs deutscher Offiziere durch russische Medien schrieb der konservative britische Telegraph unter Berufung auf eine „diplomatische Quelle“, Russland habe „Deutschland als schwächstes Glied in der Allianz und Scholz als nützlichen Idioten identifiziert, um Deutschland aus der Gleichung zu nehmen“. Damit habe Russland nicht unrecht.

Scholz seinerseits brüstet sich damit, dass außer den USA kein anderes Land derart viel Geld und Waffen in den Ukrainekrieg gesteckt habe, wie Deutschland. Laut dem Ukraine Support Tracker des Kieler Wirtschaftsinstituts belaufen sich die deutschen Hilfszusagen in den ersten beiden Kriegsjahren auf 22 Mrd. Euro, davon allein 17,7 Milliarden für militärische Zwecke. Großbritannien liegt mit insgesamt 15,7 Mrd. an dritter Stelle und Frankreich mit 1,8 Milliarden auf Platz 14.

Auch die Lieferung von Taurus lehnt Scholz nur ab, weil er den Zeitpunkt für verfrüht hält, so wie er sich einst gegen die Lieferung von Leopard-Panzern sträubte, bevor die Amerikaner mitzogen. Er will Deutschland nicht vorzeitig exponieren. Eine spätere Lieferung hält er sich dagegen ausdrücklich offen.

Der Wettbewerb „Wer ist der waghalsigste Kriegstreiber“ wird auch innerhalb Deutschlands selbst ausgetragen. Die öffentlichen und privaten Medien werben rund um die Uhr für eine Eskalation des Kriegs gegen Russland.

Der Grünen-Abgeordnete Anton Hofreiter warf dem Kanzler der eigenen Regierungskoalition in den ZDF-Abendnachrichten wutentbrannt mangelnde Führungskraft und Schwäche gegenüber Putin vor, weil er die Lieferung von Taurus ablehne. Die Rüstungslobbyistin und selbsternannte Kriegsexpertin Agnes Strack-Zimmermann (FDP) stimmte im Bundestag sogar gegen die eigene Regierung für einen Antrag der Opposition, der die sofortige Lieferung von Taurus an die Ukraine fordert.

Die Risiken, die Macron, Scholz, Biden, Sunak und alle anderen Kriegstreiber eingehen, sind atemberaubend. Sie spielen Russisch Roulette mit der Atombombe.

In ihrer Propaganda gibt es ein offensichtlicher Widerspruch: Einerseits dämonisieren sie Putin als Verkörperung des Bösen, als Reinkarnation Hitlers, der die Eroberung ganz Europas plane und zu jedem Verbrechen fähig sei. Andererseits tun sie seine wiederholten Warnungen, Atomwaffen einzusetzen, falls sich Russland in seiner Existenz bedroht sieht, als nicht ernstzunehmenden Bluff ab. So wie sie vor Kriegsbeginn alle Warnungen in den Wind schlugen, Russland werde militärisch reagieren, falls die NATO ihre Expansion nach Osten fortsetze und die Ukraine weiter militärisch aufrüste, schlagen sie nun die Warnungen vor einer nuklearen Eskalation in den Wind.

Es gibt nur eine Erklärung für dieses Verhalten: Die US-Regierung, das NATO-Hauptquartier in Brüssel und die europäischen Regierungen planen selbst den Einsatz von Atombomben. Sie erwägen ernsthaft den Einsatz von Waffen, die sie lange als Mittel der Abschreckung verharmlost hatten.

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Netanjahu bekräftigt seine Unterstützung für Angriff auf Rafah inmitten zunehmender Hungersnot in Gaza

Von Jordan Shilton – 9. März 2024

Am Donnerstag bekräftigte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Absicht seiner faschistischen Regierung, einen blutigen Angriff auf Rafah im südlichen Gazastreifen zu beginnen, wo etwa 1,5 Millionen Palästinenser unter schrecklichen Bedingungen leben. Vor dem Hintergrund des mehr als fünf Monate andauernden israelischen Völkermords in Gaza wird der drohende Angriff auf Rafah die bereits katastrophale humanitäre Lage für die 2,3 Millionen Bewohner der Enklave noch weiter verschärfen. Schon jetzt gehören die weit verbreitete Hungersnot und der Tod durch vermeidbare Krankheiten zur alltäglichen Realität.

Bei einer Abschlussfeier für Militärkadetten erklärte Netanjahu, die Israelischen Verteidigungskräfte (IDF) würden gegen „alle Bataillone der Hamas im gesamten Gazastreifen“ vorgehen. Er fügte unheilvoll hinzu: „Wer uns sagt, wir sollen nicht in Rafah operieren, erklärt uns, wir sollen den Krieg verlieren – und das wird nicht passieren.“ Dann drohte er mit einer Ausweitung des Konflikts auf die gesamte Region: „Gleichzeitig werden wir in den anderen Bereichen entschieden gegen jeden vorgehen, der uns zerstören will, auch an der Nordfront. Wer immer noch nicht von unserer Stärke überzeugt ist, sollte sich lieber anschauen, was mit den feindlichen Hochburgen in Gaza passiert.“

Netanjahus Drohungen wurden dadurch bekräftigt, dass die israelische Luftwaffe am gleichen Tag mehrere Ziele im südlichen Libanon und in Syrien angriff. Währenddessen ging das zermürbende Gemetzel in Gaza weiter. Das Gesundheitsministerium meldete weitere 83 Tote durch Angriffe der IDF innerhalb der letzten 24 Stunden.

In den Tagen vor Netanjahus aggressiven Äußerungen besuchte sein Kriegskabinettsminister Benny Gantz Washington, wo er Anfang der Woche zu Gesprächen mit Vizepräsidentin Kamala Harris, Sicherheitsberater Jake Sullivan und Außenminister Antony Blinken zusammenkam. Die Berichterstattung der Medien über seine Reise war zwar dominiert von Netanjahus Opposition gegen die Reise, vor allem wegen der innenpolitischen Rivalität der beiden, doch Protokolle der Treffen machen deutlich, dass es bei den Diskussionen schwerpunktmäßig um den geplanten israelischen Angriff ging. Vor etwas mehr als zwei Wochen hatte Gantz gewarnt, die Bodeninvasion werde zu Beginn des Ramadan am 10. März beginnen, sofern die unter der Kontrolle der Hamas verbleibenden Geiseln nicht freigelassen würden.

Das Weiße Haus erklärte nach einem Treffen zwischen Harris und Gantz am Montag, die Vizepräsidentin habe „die Unterstützung der USA für Israels Recht auf Selbstverteidigung angesichts der anhaltenden terroristischen Bedrohung durch die Hamas bekräftigt und unser unerschütterliches Eintreten für Israels Sicherheit betont.“ Politico berichtete einen Tag später unter Berufung auf drei US-Regierungsvertreter: „Die Biden-Regierung plant keine Bestrafung Israels, wenn es eine Militäraktion gegen Rafah beginnt, ohne die Sicherheit der Zivilbevölkerung zu garantieren.“

Am Mittwoch bestätigte Netanjahus Regierung – zweifellos ermutigt durch diese Zusage bedingungsloser Unterstützung – die Genehmigung von 3.500 illegalen Siedlungen im besetzten Westjordanland, wo die Palästinenser durch Razzien der IDF und die Selbstjustiz rechtsextremer Siedler terrorisiert werden.

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Kriegserfahrung sammeln

Von German-Foreign-Policy.com – 8. März 2024

Lage im Einsatzgebiet der Fregatte Hessen spitzt sich zu; nach dem Tod dreier Seeleute durch einen Huthi-Angriff drohen erneut US-Luftangriffe auf den Jemen. Fregatte Hessen liefert Aufklärungsdaten an die US-Operation Prosperity Guardian.

Nach dem Tod dreier Seeleute durch einen Angriff der Huthi-Milizen auf einen Frachter im Golf von Aden spitzt sich die Lage im Einsatzgebiet der Fregatte Hessen weiter zu. In Reaktion auf den Angriff wird mit erneuten US-amerikanisch-britischen Attacken auf Stellungen der Huthi (Ansar Allah) im Jemen gerechnet. Dass die Ansar Allah dadurch von weiteren Angriffen auf Handelsschiffe abgebracht wird, ist sehr unwahrscheinlich. Die Fregatte Hessen, die im Rahmen der EU-Operation Aspides im Roten Meer und in angrenzenden Gewässern kreuzt, um dort Handelsschiffe zu schützen, könnte künftig noch stärker unter Beschuss geraten. Bei ihren ersten Abwehrmaßnahmen haben ihre Raketen mehrfach ihr Ziel verfehlt. In Marinekreisen heißt es, aus Anfängerfehlern müsse man lernen: „Was dem Schiff und der Besatzung fehlt, ist Kriegserfahrung.“ Die gelte es jetzt zu sammeln. Als folgenreich erweisen könnte sich, dass die Fregatte Hessen mit ihrer High-Tech-Ausrüstung weite Teile des Jemen ausspionieren kann und die Daten an die US-geführte Operation Prosperity Guardian weitergibt, die parallel zur EU-Operation Aspides im Roten Meer operiert. Ob die Daten für Angriffe auf die Huthi genutzt werden, ist ungewiss.

Die Fregatte und ihr Mandat
Die Fregatte Hessen war bereits am Morgen des 8. Februar in See gestochen – an jenem Tag also, an dem die EU später ihren Grundsatzbeschluss über den Marineeinsatz im Roten Meer fällte. Sie fuhr zunächst ins Mittelmeer, wo sie die formellen Einsatzbeschlüsse der EU-Außenminister am 19. Februar und des Bundestages am 23. Februar abwartete, um sich sodann auf den Weg in das Einsatzgebiet zu machen. Dieses umfasst neben dem Roten Meer, der Meerenge Bab al Mandab („Tor der Tränen“) bei Dschibuti, dem Golf von Aden, dem Arabischen Meer und dem Golf von Oman auch die Straße von Hormuz plus den Persischen Golf. Das Mandat sieht vor, zunächst die maritime Lage zu erfassen und dann Schiffe auf dem Weg durch das Rote Meer zu geleiten sowie sie vor etwaigen Angriffen zu schützen. Dazu darf die Fregatte aber nur Angriffe abwehren – Drohnen und Raketen abschießen, nicht jedoch Stellungen der Huthi-Milizen (Ansar Allah) an Land attackieren. Die Begleitung von Schiffen ist zudem auf das Gebiet südlich der omanischen Hafenstadt Maskat beschränkt; im Persischen Golf ist sie nicht erlaubt. Außerdem muss die Fregatte Hessen, sofern sie in den Hoheitsgewässern der Anrainerstaaten operieren will, deren ausdrückliche Zustimmung einholen.[

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„Gegen Auslieferung von Assange an die USA“ – Wie kam es zum Sinneswandel von Kanzler Scholz?

Von Florian Warweg – 8. März 2024

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte sich am 4. März erstmals öffentlich gegen eine Auslieferung des seit fünf Jahren unter höchst fragwürdigen Umständen und Bedingungen in britischer Haft einsitzenden australischen Journalisten Julian Assange an die USA ausgesprochen. Das ist durchaus bemerkenswert vor dem Hintergrund, dass zuvor auf Fragen der NachDenkSeiten in der Bundespressekonferenz die Standardantwort des Regierungssprechers lautete, dazu habe sich der Bundeskanzler nie eingelassen und werde das auch nicht tun. Die NachDenkSeiten wollten folglich wissen, wie es zum Sinneswandel beim Kanzler kam und wieso er nicht konsequenterweise auch die Freilassung des WikiLeaks-Gründers fordert, gegen den in Großbritannien außer dem US-Auslieferungsantrag nichts mehr vorliegt.

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Frieden statt Kriegstreiberei! Demo: Sonntag, 10.03.24 in Berlin, Straße des 17. Juni, Sowjetisches Ehrenmal, ab 14 Uhr

Von Gesa – 7. März 2023

Die Lage ist ernst und denkwürdig zugleich: Vor wenigen Tagen ist ein Gespräch von deutschen Offizieren geleakt worden, in dem es um Taurus-Raketen zur Zerstörung der Krimbrücke geht. Die Medien sprechen allerdings nur über Spionage, statt über die Kriegsverbrechen samt ihrer Verantwortlichen.

Weiteres sollte uns nachdenklich stimmen – z. B. der zeitliche Aspekt der Kriegstreiberei: [„Verteidigungsminister“] Pistorius will die Wehrpflicht, Lauterbach ein kriegstaugliches Gesundheitsgesetz, und Scholz „leakt“ die britische Kriegsbeteiligung:

Alles ein zeitlicher Zufall – oder soll die Reaktion der Bevölkerung getestet und die nächste kriegerische Phase eingeleitet werden? Wir müssen JETZT reagieren, um Schlimmeres zu verhindern!

Demo: Frieden statt Kriegstreiberei: Am Sonntag, 10.03.24 in Berlin, Straße des 17. Juni, Sowj. Ehrenmal, ab 14 Uhr.🕊

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Auf dem Weg in die Kriegswirtschaft

Von German-Foreign-Policy.com – 7. März 2024

Neue EU-Strategie für die Rüstungsindustrie sieht Reduzierung der Waffenkäufe in den USA und deutlich mehr Waffenkäufe innerhalb der EU vor. EU-Kommission will Unternehmen zur Priorisierung militärischer Aufträge zwingen können.

Mit einer neuen Strategie für die Rüstungsindustrie will die EU-Kommission die Waffen- und die Munitionsproduktion in der EU für künftige Kriege fit machen. Die Strategie, die am Dienstag in Brüssel vorgestellt wurde, sieht unter anderem Schritte vor, um die Fertigung von Kriegsgerät von Zulieferungen von außerhalb der Union, zumindest aber aus nicht verbündeten Staaten unabhängig zu machen. Darüber hinaus soll die Beschaffung von Rüstungsgütern in der EU spürbar gesteigert werden; zuletzt kamen nur 22 Prozent aller Waffenimporte der EU-Staaten aus der Union selbst, 63 Prozent hingegen aus den USA. Um die Realisierung ihrer Vorhaben durchzusetzen, will die Kommission nicht nur ein „mapping“ der EU-Rüstungsindustrie und ihrer Lieferketten vornehmen, sondern im Krisen- und Kriegsfall unmittelbar in die Produktion eingreifen dürfen, um die Herstellung kriegswichtiger Güter gegenüber dem zivilen Bedarf zu priorisieren. Ein EU-Kommissar für die Rüstungsindustrie soll die Vorgänge begleiten und steuern. Mit mehreren ihrer Vorschläge greift die Kommission auf alte Elemente einer Kriegswirtschaft zurück, deren Einführung Industriekommissar Thierry Breton explizit fordert.

Die Waffenlieferanten der EU

Anlass für die Erstellung der neuen EU-Strategie für die Rüstungsindustrie (European Defence Industry Strategy, EDIS) ist zum einen die Tatsache gewesen, dass das Staatenkartell nicht in der Lage war, Waffen und insbesondere Munition für die Ukraine im gewünschten Tempo zu produzieren. Hatte Brüssel im März 2023 angekündigt, bis März 2024 eine Million Granaten liefern zu können, so wird dieses Ziel frühestens Ende 2024 erreicht. Zum anderen beschaffen die Mitgliedstaaten nach wie vor erhebliche Mengen an Waffen außerhalb der EU, vor allem in den USA, anstatt mit ihren Einkäufen die Rüstungsindustrie auf dem eigenen Kontinent zu stärken. Nach Angaben der EU-Kommission kamen in der Zeit vom 24. Februar 2022 bis Juni 2023 rund 63 Prozent aller Rüstungsimporte der Mitgliedstaaten aus den USA; rund 15 Prozent kamen aus anderen Ländern außerhalb der EU. Gerade einmal 22 Prozent wurden von Waffenschmieden innerhalb der Union geliefert. Es kommt hinzu, dass das schon 2007 beschlossene Ziel, 35 Prozent aller Rüstungskäufe gemeinsam mit anderen EU-Staaten zu tätigen, weit verfehlt wurde; der Anteil lag zuletzt bei nur 18 Prozent. Gemeinsame Käufe sollen die Einheitlichkeit der Bewaffnung der EU-Streitkräfte im Sinne der Interoperabilität verbessern.

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Die Widersprüche von Pistorius, fehlende Beweise für russische Abhöraktion und „peinliche Fragen“

Von Florian Warweg – 7. März 2024

Der veröffentlichte Mitschnitt eines WebEx-Gesprächs von Luftwaffen-Offizieren zu möglichen Taurus-Lieferungen an die Ukraine stand im Mittelpunkt der aktuellen Bundespressekonferenz. Die NachDenkSeiten wollten vor diesem Hintergrund unter anderem wissen, wie Bundesverteidigungsminister Pistorius die Authentizität des Audio-Mitschnitts bestätigen und diesen zugleich als „Desinformation“ bezeichnen kann. Zudem fragten die NDS, wie Kanzler Scholz es bewertet, dass leitende Bundeswehroffiziere im Plauderton den Angriff auf die Kertsch-Brücke durchspielen, dabei aber keinen einzigen Gedanken darauf verwenden, was die Zerstörung dieser zentralen Infrastruktur für Reaktionen und Konsequenzen für die Sicherheit der bundesdeutschen Bevölkerung hervorrufen könnte. Weitere Fragen drehten sich um Belege, dass es sich dabei nachweislich um eine russische Abhöraktion gehandelt hat und ob Taurus in der Lage ist, auch russische Atomwaffenbunker zu zerstören.

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Frankreichs Präsident Macron wiederholt in Prag seine Forderung nach europäischen Truppen in der Ukraine

Von Alex Lantier – 7. März 2024

Der französische Präsident Emmanuel Macron reiste am Dienstag zu Gesprächen über Atomenergie und die Eskalation des Nato-Kriegs gegen Russland in der Ukraine in die tschechische Hauptstadt.

Laut Umfragen lehnen 68 Prozent der französischen und 80 Prozent der deutschen Bevölkerung Macrons Forderung nach der Entsendung europäischer Truppen in den Krieg gegen Russland in der Ukraine ab. Zuvor waren Pläne der Bundeswehr bekannt geworden, der Ukraine Taurus-Langstreckenmarschflugkörper zu schicken, um Ziele in Russland anzugreifen. Dennoch bekräftigte Macron diese skrupellosen Vorschläge, die einem Dritten Weltkrieg zwischen der Nato und Russland und dem Einsatz von Atomwaffen den Weg ebnen.

Auf einer Pressekonferenz mit dem tschechischen Präsidenten Petr Pavel erklärte er: „Meine Äußerungen waren klar, durchdacht und präzise… Wir haben seit zwei Jahren auf jeder Pressekonferenz wiederholt, dass der Krieg auf europäischen Boden zurückgekehrt ist. Wir haben offengelegt, wie viel militärische Ausrüstung wir bereits geliefert und wie viel wir ausgegeben haben. Ist das nun unser Krieg oder nicht?“

Tatsächlich hält eine überwältigende Mehrheit der Franzosen diesen Krieg nicht für ihren Krieg. Macron setzte sich jedoch mit Verachtung über die öffentliche Meinung hinweg und forderte stattdessen, Frankreichs bestehende Partnerschaft mit den USA und der Tschechischen Republik zu verstärken, um Artillerie und Granaten in die Ukraine zu schicken. Er erklärte: „Wir nähern uns einem Moment in Europa, in dem es angebracht ist, nicht feige zu sein.“

Macron räumte ein, dass seine Politik das Risiko eines Atomkriegs birgt, machte dafür aber auf zynische Weise den russischen Präsidenten Wladimir Putin verantwortlich: „Wer droht mit dem Einsatz von Atomwaffen, egal was wir sagen oder tun? Präsident Putin. Wenden Sie sich alle an ihn und fragen Sie ihn, wo seine strategischen Grenzen liegen. Aber wenn wir täglich erklären, wo unsere Grenzen liegen, wenn wir mit jemandem konfrontiert sind, der keine Grenzen hat und der den Krieg begonnen hat, dann, das kann ich Ihnen sagen, werden wir von Defätismus getrieben… [Seien Sie] vorsichtig gegenüber der Botschaft, die uns treibt.“

Was „treibt“ Macron und die anderen Führer der NATO-Staaten? Das ukrainische Marionettenregime, das sie zum Kampf gegen Russland bewaffnet haben, erleidet ein militärisches Debakel. Hunderttausende Ukrainer sind tot, und das ukrainische Militär ist seit dem Verlust von Awdijiwka auf dem Rückzug. Zudem wissen sie alle, dass ihre Pläne zur Eskalation des Kriegs auf scharfen Widerstand in der Bevölkerung stoßen.

Dennoch verschwören sie sich, um die Angriffe auf Russland zu verschärfen, und spekulieren darauf, dass sich der Kreml letztlich einschüchtern lässt und nachgibt. Macrons Eingeständnis, er kenne Putins strategische Grenzen für den Einsatz von Atomwaffen nicht, und seine Forderung an die europäischen Mächte, ihre strategischen Grenzen nicht offenzulegen, verdeutlicht nur die atemberaubende Skrupellosigkeit dieser Politik.

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Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger fordert Aufhebung der Zivilklausel und Militärforschung an Hochschulen

Von Christopher Lehmann – 7. März 2024

Die diesjährige Münchner Sicherheitskonferenz diente, wie die WSWS berichtete, der unmittelbaren Verschärfung der laufenden Kriege und geopolitischen Spannungen. In diesem Zusammenhang wurde auch diskutiert, dass Forschung und Lehre an den Hochschulen noch stärker in den Dienst des deutschen Militarismus gestellt werden sollen. Neben der ideologischen Kriegsvorbereitung geht es in wachsendem Maße um konkrete Waffenentwicklung. Dafür soll die sogenannte Zivilklausel, das Verbot von Militärforschung an den Universitäten, abgeschafft werden.

Auf dem Panel „Conversation on Research Security“ (dt. „Konversation über Forschungssicherheit“) vom 16. Februar betonte Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger (FDP) zwei Punkte: Forschung ein geopolitischer Faktor und deshalb sicherheitsrelevant, und die starke Wand zwischen „civil and military research“ (ziviler und militärischer Forschung) müsse aufgebrochen werden.

Forschung sei nicht nur ein geopolitischer Faktor, sondern mehr noch ein integraler Bestandteil der deutschen Sicherheit, erklärte die Ministerin, weshalb sie die Diskussion auf der Münchener Konferenz stark begrüße. Neue Technologien schüfen neue ökonomische Abhängigkeiten und Staaten würden hierdurch ihre Macht demonstrieren, schlussfolgerte sie. Starke Wirtschaften bedeuteten starke Staaten.

Weil sich die „regelbasierte Ordnung“ und internationale Kooperationen verändert hätten, müsse in Deutschland die starke Wand zwischen ziviler und militärischer Forschung an den Institutionen abgeschafft werden. Der Blick nach Israel und in die USA zeige, dass im Zuge der Aufrüstungswelle, der sogenannten „Zeitenwende“, Deutschland seine „Instrumente“ in Stellung bringen müsse. Der Militarismus und die ideologische Kriegsführung sollen an die Hochschulen zurückgebracht werden.

Die Bundesbildungsministerin schloss ihren Beitrag mit dem „Open Science“-Prinzip der EU: „As open as possible, as closed as necessary“ (so offen wie möglich, so geschlossen wie nötig).

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EU-Botschafter ignorieren geschlossen eine Gesprächseinladung von Lawrow

Von Thomas Röper – 6. März 2024

Das russische Außenministerium hat die Botschafter der EU-Staaten zu einem Gespräch mit Außenminister Sergej Lawrow eingeladen, aber die EU-Botschafter haben ihre Teilnahme geschlossen abgesagt. Russland spricht davon, das werde „schreckliche Konsequenzen“ haben.

Die Botschafter, die in andere Länder entsandt werden, haben in erster Linie die Aufgabe, in Kontakt mit der Regierung ihres Gastlandes zu stehen. Sie bereiten Treffen von Politikern vor, verhandeln über Wirtschaftsfragen, aber natürlich auch über kulturelle und andere Themen. Aber ihre wichtigste Aufgabe ist nun einmal der Kontakt zur Regierung des Gastlandes.

Botschafter dürfen sich nicht in die inneren Angelegenheiten ihres Gastlandes einmischen. Das legt die UN-Charta, also die Grundlage des Völkerrechts, in Artikel 2 eindeutig fest. Das hindert die Botschafter der EU und ihrer Mitgliedsstaaten jedoch nicht daran, sich in die russischen Angelegenheiten einzumischen, indem sie die radikale russische Opposition unterstützen oder LGBT-Propaganda machen, die in Russland verboten ist. Nur der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass LGBT selbst in Russland nicht verboten ist oder bestraft wird, es gibt Gay-Clubs und so weiter. Es ist in Russland nur verboten, das zu propagieren.

Man stelle sich einmal vor, der russische Botschafter in Deutschland würde sich in die deutsche Politik einmischen, medienwirksam beispielsweise Reichsbürger unterstützen und gegen deutsche Gesetze verstoßen. Würde die Bundesregierung sich das gefallen lassen, oder würde sie den russischen Botschafter zum Gespräch laden und verlangen, dass er diese Dinge unterlässt?

Die EU-Botschaft lehnt Treffen mit Lawrow ab

Das war es auch, was das russische Außenministerium angesichts der heißen Phase des russischen Präsidentschaftswahlkampfes den EU-Botschaftern mitteilen wollte, wie der russische Außenminister Lawrow am 4. März in einem Interview erzählte:

„Zwei Tage vor der geplanten Veranstaltung, vor dem Treffen, schickten sie uns eine Note: ‚Wir haben beschlossen, nicht hinzugehen.‘ Können Sie sich Beziehungen zu Staaten auf diplomatischer Ebene vorstellen, deren Botschafter Angst haben, zu einem Treffen mit dem Minister des Landes zu kommen, in dem sie akkreditiert sind? Wo wurde das überhaupt jemals gesehen?“

Lawrow erzählte, dass sein Ministerium „viel Material darüber gesammelt darüber hat, wie sich die Botschaften der EU in Moskau auf unsere Präsidentschaftswahlen vorbereiten, welche Mechanismen zur Einmischung“ sie verwenden und dass „irgendwelche Projekte zur Unterstützung unserer nicht systemischen Oppositionellen geschaffen werden“. Und er sagte: „Insgesamt sind das Dinge, die Botschaften nicht machen dürfen.“

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