Umkämpfte Tage, schlaflose Nächte

Von Rainer Werning – 28. August 2022

Vor 35 Jahren errangen die Demokratiebewegungen in Südkorea einen bedeutsamen Etappensieg im Kampf gegen die Militärdiktatur. Korea hatte das historische „Pech“, nach 36-jähriger japanischer Kolonialherrschaft (1910-45) in Folge des Zweiten Weltkriegs in Nord und Süd geteilt zu werden. Während sich im Norden die Herrschaft der Kim-Dynastie konsolidierte, regierte im Süden eine Militärclique, die das Land mit eiserner Faust – sprich: weitgehend qua Kriegsrecht – in die „Moderne“ katapultierte – mit großen sozialen Verwerfungen. Der turbulente Sommer 1987 markierte in vielfacher Hinsicht eine Zivilisierung von Politik und Gesellschaft.

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So führt das Verschweigen von Fakten zu Unwahrheit

Von Christian Müller – 27. August 2022

Eine Lüge ist eine Falschaussage wider besseres Wissen. Aber auch das Verschweigen von essentiellen Fakten kann in die – gewollte – Unwahrheit führen. Viele grosse Medien wählen im Falle des Krieges in der Ukraine diese Methode, um – gewollt – einseitig zu informieren, ohne dass sie der Lüge bezichtigt werden können. – Dass Wladimir Putin, der Präsident der Russischen Föderation, beschlossen hat, die Ukraine militärisch anzugreifen, ist ein Fakt. Dass dieser Beschluss Putins eine Reaktion auf die Politik der USA, Großbritanniens und ganz generell der NATO war, ist auch ein Fakt. Aber niemand kann die westlichen Medien zwingen, auch diesen Tatbestand zu erwähnen – obwohl sie mit dem konsequenten Verschweigen dieses Fakts – offensichtlich gewollt – die TV-Zuschauer und Zuschauerinnen, die Radio-Zuhörer und Zuhörerinnen, und die Leser und Leserinnen in die Unwahrheit führen.

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Die Hinrichtung von James Coddington in Oklahoma: der erste von 25 staatlichen Morden bis 2024

Von Kate Randall – 26. August 2022

Am Donnerstagmorgen wurde James Coddington (50) im Staatsgefängnis von Oklahoma hingerichtet. Er ist einer von 25 Gefangenen in Oklahoma, deren Hinrichtung bis 2024 geplant ist – eine Praxis, die man nur als Hinrichtungen am Fließband beschreiben kann. Coddington wurde hingerichtet, obwohl der Begnadigungs- und Bewährungsausschuss von Oklahoma empfohlen hatte, davon abzusehen. Coddington war wegen Mordes an seinem Freund und Kollegen Albert Hale (73) schuldig gesprochen und zum Tod verurteilt worden. Zum Zeitpunkt des Mordes war er 24 Jahre alt und kokainsüchtig. Weil sich Hale geweigert hatte, ihm Geld für Drogen zu geben, hatte er ihn zu Tode geprügelt. Danach verübte er noch mindestens sechs bewaffnete Überfälle auf Tankstellen und Lebensmittelgeschäfte in Oklahoma City. Der republikanische Gouverneur Kevin Stitt lehnte es ab, Coddingtons Strafe in lebenslange Haft umzuwandeln, obwohl eine Zwei-Drittel-Mehrheit des Begnadigungs- und Bewährungsausschusses dies empfohlen hatte. Auch das Gnadengesuch des Verurteilten lehnte er ab.

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Wieso sind die NachDenkSeiten eigentlich noch nicht in der Bundespressekonferenz?

Von der Redaktion der NachDenkSeiten – 26. August 2022

Seit dem 1. Juni ist der Journalist Florian Warweg für die NachDenkSeiten (NDS) als Redakteur tätig. Eines seiner geplanten Arbeitsfelder war, wie auch mehrfach angekündigt, die Abdeckung der Bundespressekonferenz (BPK). Doch der Verein „Bundespressekonferenz e.V.“, welcher in Deutschland über das Monopol zur Durchführung der sogenannten Regierungspressekonferenzen verfügt, hat sich nach längerem Hin und Her geweigert, ihn in seiner Funktion als NDS-Redakteur aufzunehmen. Die dafür angeführte Begründung ist offensichtlich konstruiert. Wir zeichnen für unsere Leser die bisherige Entwicklung nach.

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Flüchtlingsabwehr und grüner Wasserstoff

Von German-Foreign-Policy.com – 26. August 2022

Außenministerin Baerbock stärkt bei Besuch in Rabat die Kooperation mit Marokko. Berlin wünscht „grünen“ Wasserstoff aus der Wüste und loyale Flüchtlingsabwehr in Nordafrika. – Deutschland baut seine zuletzt kriselnde Kooperation mit Marokko aus und hat dabei neben der Flüchtlingsabwehr vor allem den Erwerb „grünen“ Wasserstoffs im Visier. Dies ist das Ergebnis der Gespräche, die Außenministerin Annalena Baerbock gestern in der marokkanischen Hauptstadt Rabat führte. Demnach unterstützt Berlin in Marokko die Herstellung grünen Wasserstoffs aus Sonnen- und Windenergie, der anschließend exportiert werden soll – unter anderem nach Deutschland. Voraussetzung dafür, dass die bereits 2020 gestartete Kooperation wieder aufgenommen werden kann, waren Zugeständnisse Berlins bezüglich der Westsahara, einer ehemaligen spanischen Kolonie, auf die Marokko – gegen die Befreiungsbewegung Polisario – Anspruch erhebt. Um für seinen Anspruch stärkere Unterstützung zu erhalten, hatte Rabat im vergangenen Jahr die diplomatischen Beziehungen zu Berlin auf Eis gelegt. Berlin lässt nun Bereitschaft erkennen, seine bisherige, an der UNO orientierte Position zu ändern. Der deutschen Kooperation mit Rabat steht der Tod von mindestens 37 Flüchtlingen an der marokkanisch-spanischen Grenze am 24. Juni nicht im Weg.

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Liz Truss, Großbritanniens nächste Premierministerin, erklärt ihre Bereitschaft zur globalen nuklearen Vernichtung

Von Chris Marsden – 26. August 2022

Liz Truss, Außenministerin und höchstwahrscheinlich die nächste konservative Premierministerin des Vereinigten Königreichs, hat erklärt, dass sie einen Atomschlag gegen Russland durchführen würde, auch wenn das Ergebnis die „weltweite Vernichtung“ wäre. Während einer Veranstaltung der Tory-Parteiführung am Dienstag in Birmingham, bei dem es um die Nachfolge von Boris Johnson ging, sagte John Pienaar vom Times Radio zu Truss, dass man ihr im Falle ihrer Wahl zur Premierministerin schnell die Verfahren zum Abschuss von Atomraketen von den britischen Trident-U-Booten zeigen würde. „Das würde die globale Auslöschung bedeuten“, sagte Pienaar. „Ich werde Sie nicht fragen, ob Sie den Knopf drücken würden, Sie werden ja sagen, aber angesichts dieser Aufgabe würde ich mich körperlich krank fühlen. Wie fühlen Sie sich bei diesem Gedanken?“ Mit leerem Blick und emotionslosem Gesichtsausdruck antwortete Truss: „Ich denke, es ist eine wichtige Aufgabe des Premierministers, und ich bin bereit, sie zu erfüllen.“ „Ich bin bereit, das zu tun“, wiederholte sie, und erntete dafür Applaus von den versammelten Tories. Truss‘ roboterhafte und sofortige Antwort muss als eine Warnung an die Arbeiter in der ganzen Welt verstanden werden, wie nah wir gegenwärtig an einem nuklearen Armageddon stehen.

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Fischsterben in der Oder: Wechselwirkung von Klimawandel und systematischer Verschmutzung

Von Martin Nowak – 26. August 2022

Vor einigen Wochen schockierten Bilder von Tonnen toter Fische in der Oder die Öffentlichkeit. Jüngste Berichte sprechen von 150 bis 200 Tonnen. Während das Sterben immer größere Ausmaße annimmt, klären Wissenschaftler langsam die Hintergründe der ökologischen Tragödie auf. Im Fokus steht dabei die explosive Ausbreitung einer Algenart. Derzeit wird von einer zweiten Todeswelle gesprochen, denn aufgrund von Regenfällen in Schlesien stieg die Oder kurzfristig um einen Meter an. Nun wurde alles nachgespült, was bisher aufgrund des Niedrigwassers liegen geblieben war. Die Welle könnte in den nächsten drei Tagen den unteren Flusslauf erreichen. Die sich flussabwärts sammelnden toten Fische entwickeln sich jedoch bereits jetzt zu einer neuen Todesfalle. Bevor die Oder ins Stettiner Haff einmündet, verzweigt sie sich in Nebenarme und den bei Stettin liegenden Dabie-See. Die Entsorgung findet nach wie vor überwiegend durch Freiwillige, örtliche Feuerwehr und Behörden statt, die in dem weiträumigen Gelände kaum hinterherkommen. Die Zersetzung großer Mengen toter Fische entzieht dem Wasser Sauerstoff und bildet in salzhaltigem Wasser zugleich Ammoniak. Zusammen mit der typischen Sommer-Oxidation, durch hohe Wassertemperaturen und verlangsamter Photosynthese wegen der Vertrübung des Wassers kommt es zu einem dramatischen Sauerstoffmangel bei gleichzeitiger Gefahr der Ammoniakvergiftung. Bei Stettin wurden am vergangenen Wochenende im Westarm der Oder 0,6 Milligramm Sauerstoff pro Liter gemessen. Der normale Gehalt beträgt vier Milligramm.

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Kiew hat 2019 beschlossen, Minsk II nicht umzusetzen, und Krieg mit Russland vorbereitet

Von Thomas Röper – 26. August 2022

Der Chef des ukrainischen Sicherheitsrates hat in einem Interview mitgeteilt, dass Kiew 2019 beschlossen hat, das Minsker Abkommen nicht umzusetzen, und sich stattdessen auf einen Krieg mit Russland vorbereitet. – Die Ehrlichkeit mancher Vertreter der Kiewer Regierung ist faszinierend, denn sie wissen, über welche ihrer Aussagen westliche Medien nicht berichten werden. Alexej Danilow, der in der Ukraine sehr mächtige Chef des ukrainischen Sicherheitsrates, hat in einem Interview mitgeteilt, dass Kiew nach dem letzten Treffen im Normandie-Format Anfang Dezember 2019 beschlossen hat, das Minsker Abkommen ganz offen abzulehnen, und sich stattdessen auf einen Krieg mit Russland vorbereitet. Was bisher als russische Propaganda bezeichnet wurde, wird nun von Kiew bestätigt: Die ukrainische Regierung wollte seit Jahren einen Krieg gegen Russland und hat sich systematisch darauf vorbereitet.

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Sturmgeschütz des Denunziantentums: SPIEGEL ruft zu Wachsamkeit gegenüber russischen Nachbarn auf – „Hacker, Spione, Killer“

Von Florian Warweg – 26. August 2022

„Wie gut kennen Sie Ihre Nachbarn?“, fragt Melanie Amann, ihres Zeichens Mitglied der Spiegel-Chefredaktion, die verbliebenen Spiegel-Leser im Morgen-Briefing und leitet damit über zur neuen Titelstory über die angebliche Enttarnung einer „russischen Topagentin“ durch den Spiegel sowie die „Investigativplattformen“ Bellingcat und The Insider. Sie verweist dann tatsächlich auf die Netflix-Serie „The Americans“ als Beleg für die Gefährlichkeit von russischen Agenten, um dann gar nicht so unterschwellig die Angst zu schüren vor der „harmlosen Freundin“ von nebenan, die in Wirklichkeit eine fiese Putin-Agentin sein könnte. Ein weiterer Tiefpunkt im immer rasanteren journalistischen Abstieg des einst renommierten Nachrichten-Magazins.

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Der Grat zum Krieg zwischen USA und China ist gefährlich schmal geworden

Von Scott Ritter – 26. August 2022

Die zwiespältige Taiwan-Politik in Washington, D.C. grenzt an einen militärischen Konflikt. Aber in Peking scheint man jedoch vorerst alle friedlichen Optionen ausschöpfen zu wollen, was einige in den USA als ein Zeichen von Schwäche bewerten. Aber wären die USA überhaupt bereit und fähig, wegen Taiwan in einen Krieg zu ziehen? – Die Beziehungen der USA zu China in Bezug auf Taiwan werden seit Jahren von zwiespältigen Erklärungen und Verpflichtungen bestimmt. Jetzt aber bricht diese Haltung in sich zusammen und ein bewaffneter Konflikt zwischen den beiden Supermächten scheint näher als je zuvor.

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