Aufrufe & Appelle

Hervorgehoben



Bis hierher und nicht weiter! Wir protestieren gegen die rechtswidrigen Sanktionen gegen Oberst Jacques Baud und den Kriegskurs der EU


Fordert die Freilassung des sozialistischen Kriegsgegners Bogdan Syrotiuk aus einem ukrainischen Gefängnis!


Waffenstillstand sofort! Sofortiger Stopp aller Waffenlieferungen an die Ukraine! Kein Krieg gegen Russland! Abzug aller Atomraketen aus Europa!


Freiheit für Julian Assange! Aufruf des Komitees zur Verteidigung von Julian Assange und Chelsea Manning …


Kein Krieg gegen den Irak! – Kein Blut für Öl und Macht! Aufruf der Initiative gegen den Irak-Krieg vom November 2002…


Interview Teil 1: Zwischen Systemwandel und Zivilisationsstaat: Dmitri Trenins Blick auf die neue globale Großwetterlage

Interview mit Dmitri Trenin. Interview: Éva Péli – 28. September 2026

Im Rahmen einer Moskau-Reise sprach Éva Péli mit zahlreichen führenden Politologen, Diplomaten, Historikern und geopolitischen Analytikern über die fundamentale Neuordnung der Weltpolitik. Im ersten Teil dieses Exklusivgesprächs analysiert Dmitri Trenin, Direktor des Russischen Rates für Internationale Angelegenheiten (RIAC) und wissenschaftlicher Leiter an der Higher School of Economics (HSE), den ideologischen Abschied Russlands vom westlichen Modell und erklärt, warum Washingtons Strategie vor allem auf eine dauerhafte Schwächung Moskaus ausgerichtet ist.

Éva Péli: Herr Trenin, Ihre analytischen Arbeiten sind in deutschen Expertenkreisen zwar wohlbekannt und werden geschätzt, doch große deutsche Medien ignorieren russische Positionen systematisch. Gleichzeitig verfolgt die russische Öffentlichkeit jedes Wort der deutschen Eliten ganz genau. Wie erklären Sie sich diese asymmetrische Wahrnehmung? Und was bedeutet das für die Zukunft jeglichen Dialogs?

Dmitri Trenin: Das bedeutet schlicht, dass es keinen Dialog gibt. Unter den gegenwärtigen Bedingungen ist ein echter Dialog zwischen der deutschen politischen Elite und russischen Vertretern im Grunde unmöglich. Er findet höchstens auf der Ebene einzelner Personen statt, wobei von deutscher Seite in der Regel keine Repräsentanten der regierenden Elite auftreten, sondern beispielsweise Journalisten.

Das ist ein faszinierendes Phänomen, denn früher hatten wir eine exakt spiegelbildliche Situation: In der Sowjetunion existierte faktisch ein Verbot, die Ansichten des ideologischen Gegners – also der westlichen Staaten – in ihrer Gänze darzustellen. Ihre Positionen durften ausschließlich durch das Prisma der marxistisch-leninistischen Weltanschauung und der politischen Bedürfnisse der sowjetischen Führung beleuchtet werden.

Heute erleben wir das genaue Gegenteil. Man muss die westliche Presse zwar tatsächlich nicht mehr direkt lesen, aber extrem populäre Fernsehformate wie „60 Minuten“ bieten täglich einen umfassenden Überblick darüber, was westliche Medien am selben Tag schreiben.

Das zeugt zum einen von einer gewissen Souveränität und Zuversicht der russischen Führung und Elite, dass die Argumente unserer westlichen Gegner im Land keine destruktive Wirkung entfalten können. Zum anderen offenbart es jedoch eine spürbare Angst der deutschen und westlichen Führungskreise, dass eine unzensierte, vollständige Darstellung russischer Standpunkte als gefährliche Desinformation gewertet werden könnte. Die Seiten haben also im Vergleich zu, sagen wir, 1976 ihre Plätze komplett getauscht. In 50 Jahren hat sich das Verhältnis um volle 180 Grad gedreht.

Im Rahmen einer Moskau-Reise sprach Éva Péli mit zahlreichen führenden Politologen, Diplomaten, Historikern und geopolitischen Analytikern über die fundamentale Neuordnung der Weltpolitik. Im ersten Teil dieses Exklusivgesprächs analysiert Dmitri Trenin, Direktor des Russischen Rates für Internationale Angelegenheiten (RIAC) und wissenschaftlicher Leiter an der Higher School of Economics (HSE), den ideologischen Abschied Russlands vom westlichen Modell und erklärt, warum Washingtons Strategie vor allem auf eine dauerhafte Schwächung Moskaus ausgerichtet ist.

Éva Péli: Herr Trenin, Ihre analytischen Arbeiten sind in deutschen Expertenkreisen zwar wohlbekannt und werden geschätzt, doch große deutsche Medien ignorieren russische Positionen systematisch. Gleichzeitig verfolgt die russische Öffentlichkeit jedes Wort der deutschen Eliten ganz genau. Wie erklären Sie sich diese asymmetrische Wahrnehmung? Und was bedeutet das für die Zukunft jeglichen Dialogs?

Dmitri Trenin: Das bedeutet schlicht, dass es keinen Dialog gibt. Unter den gegenwärtigen Bedingungen ist ein echter Dialog zwischen der deutschen politischen Elite und russischen Vertretern im Grunde unmöglich. Er findet höchstens auf der Ebene einzelner Personen statt, wobei von deutscher Seite in der Regel keine Repräsentanten der regierenden Elite auftreten, sondern beispielsweise Journalisten.

Das ist ein faszinierendes Phänomen, denn früher hatten wir eine exakt spiegelbildliche Situation: In der Sowjetunion existierte faktisch ein Verbot, die Ansichten des ideologischen Gegners – also der westlichen Staaten – in ihrer Gänze darzustellen. Ihre Positionen durften ausschließlich durch das Prisma der marxistisch-leninistischen Weltanschauung und der politischen Bedürfnisse der sowjetischen Führung beleuchtet werden.

Heute erleben wir das genaue Gegenteil. Man muss die westliche Presse zwar tatsächlich nicht mehr direkt lesen, aber extrem populäre Fernsehformate wie „60 Minuten“ bieten täglich einen umfassenden Überblick darüber, was westliche Medien am selben Tag schreiben.

Das zeugt zum einen von einer gewissen Souveränität und Zuversicht der russischen Führung und Elite, dass die Argumente unserer westlichen Gegner im Land keine destruktive Wirkung entfalten können. Zum anderen offenbart es jedoch eine spürbare Angst der deutschen und westlichen Führungskreise, dass eine unzensierte, vollständige Darstellung russischer Standpunkte als gefährliche Desinformation gewertet werden könnte. Die Seiten haben also im Vergleich zu, sagen wir, 1976 ihre Plätze komplett getauscht. In 50 Jahren hat sich das Verhältnis um volle 180 Grad gedreht.

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Militärkooperation mit Israel

Von German-Foreign-Policy.com – 28. September 2026

Die Bundeswehr verstärkt ihre Kooperation mit den Israel Defense Forces (IDF); auch Polizei und Cybersecuritybehörden intensivieren die Zusammenarbeit mit Israel, während die Kriege um Dominanz in Nah- und Mittelost eskalieren.

Deutschland baut seine militärische, polizeiliche und auf Cybersecurity bezogene Zusammenarbeit mit Israel systematisch aus. Dies geht aus Vereinbarungen hervor, die beide Seiten bereits zu Jahresbeginn geschlossen haben und die jetzt umgesetzt werden. So sieht der im Januar unterzeichnete „Cyber- und Sicherheitspakt“ eine engere Kooperation der Polizeibehörden sowie den Aufbau eines „Cyberdome“ in Deutschland vor; Berlin kooperiert mit Israel, um „praxisnahe Erkenntnisse aus einem Land mit hoher Einsatzfrequenz“ zu erhalten. Ein im Februar geschlossenes Abkommen über eine deutlich intensivierte Militärzusammenarbeit zielt darauf ab, die Bundeswehr in der Praxis „kriegsfähig“ zu machen. Dazu sollen die israelischen Landstreitkräfte ihre Fähigkeiten und Erfahrungen, die sie in Israels vergangenen und aktuellen Kriegen erlangt haben, an das Deutsche Heer weitergeben. Mit ihrem „unübertroffenen Fachwissen im Bereich Bodenoperationen“ könnten die Israel Defense Forces (IDF) der Bundeswehr helfen, „sich auf ein zunehmend unbeständiges globales Umfeld einzustellen“, heißt es. Die Stärkung der Kooperation erfolgt vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Kriege um die Dominanz in Nah- und Mittelost.

„Der wichtigste Partner außerhalb der NATO“

Die deutsch-israelische Militärkooperation begann – wie die Rüstungszusammenarbeit (german-foreign-policy.com berichtete [1]) – im Kern bereits gegen Ende der 1950er Jahre, als deutsche Militärs israelische Soldaten in den Gebrauch damals gelieferter deutscher Waffensysteme einwiesen. Für die 1980er Jahre sind sporadisch gemeinsame militärische Lehrgänge bei den Gebirgsjägern belegt; ab 1998 fanden – neben Austauschprogrammen für Offiziersanwärter – „regelmäßige Treffen auf Generalstabsebene des Heeres“ statt.[2] Nach Angaben der Bundesregierung nahmen zwischen 1984 und 2014 „bis zu 493“ israelische Militärs, darunter Offiziere, an Ausbildungs- und anderen Programmen der Bundeswehr teil; umgekehrt hielten sich 254 deutsche Soldaten zu Ausbildungsprogrammen und Übungen in Israel auf.[3] Unklar ist freilich, ob die Zahlen dem vollen Umfang entsprechen: Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage im Bundestag hervorgeht, werden Maßnahmen der Militärkooperation mit Israel zuweilen geheimgehalten.[4] Dabei ist die Zusammenarbeit keinesfalls auf das Heer beschränkt; ab 2017 nahm die deutsche Luftwaffe mehrmals am israelischen Luftwaffenmanöver Blue Flag teil. Der Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, erklärte 2022, für seine Teilstreitkraft seien die Israel Defense Forces (IDF) „der wichtigste Partner außerhalb der NATO“.[5]

Auf dem Weg zur Einsatzarmee

Systematisch intensiviert wurde die deutsch-israelische Militärkooperation seit den 1990er Jahren. Dies hat exemplarisch Generalleutnant a.D. Helmut Willmann 2002 bestätigt, der in den Jahren von 1996 bis 2001 als Inspekteur des Heeres unter anderem damit befasst war, die Beziehungen seiner Einheiten zu den israelischen Landstreitkräften zu institutionalisieren. Weil man damals dabei gewesen sei, die Bundeswehr „von der Friedens- zur Einsatzarmee“ umzubauen, habe man „natürlich auch den Kontakt zu Armeen“ gesucht, „die da schon mehr Erfahrungen hatten als wir“, erläuterte Willmann.[6] Es sei allen „klar“ gewesen, „dass die Zusammenarbeit mit der israelischen Armee natürlich auch professionell uns Vorteile bringt“. 2014 wurde zum Beispiel eine – offenbar erst 2015 verspätet realisierte – Ausbildungsreise deutscher Militärs nach Israel angekündigt, wo Häuser- und Tunnelkampf auf dem Programm stand.[7] Man habe großes Interesse an den „spezifischen Einsatzerfahrungen der israelischen Streitkräfte“, hieß es dazu aus dem deutschen Heereskommando.[8] Mit Blick auf die stets intensiver werdenden Militärbeziehungen äußerte im Oktober 2021 der Militärattaché an der deutschen Botschaft in Tel Aviv, Oberst Jürgen Haffner, es gebe „ein unglaublich enges Interesse der Bundeswehr an den israelischen Streitkräften und umgekehrt“; die Frequenz der wechselseitigen Besuche sei „unglaublich dicht“.[9]

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Russland präsentiert Beweise dafür, dass es das angebliche Massaker von Butscha nicht gab

Von Thomas Röper – 28. September 2026

Eine neue Untersuchung hat unter anderem ergeben, dass viele Namen der angeblichen Opfer auf dem Mahnmal des angeblichen Massakers von Butscha nicht zu Einwohnern aus Butscha gehören, sondern die Namen von gefallenen ukrainischen Soldaten sind.

In Russland gibt es seit 2022 das sogenannte „Internationale öffentliche Tribunal zu den Verbrechen ukrainischer Neonazis“, an dessen Gründung ich beteiligt war und bei dem ich bis heute, wenn auch derzeit passives, Mitglied bin. Das Tribunal ist eine zivilgesellschaftliche Initiative zur Dokumentierung von ukrainischen Kriegsverbrechen und kein Gericht, wie der Name vermuten lassen könnte.

Am 17. September hat Maxim Grigorjew, der Gründer und Vorsitzende des Tribunals, der Öffentlichkeit einen Bericht vorgestellt, der einmal mehr belegt, dass es das angebliche Massaker von Butscha nie gegeben hat. Der Bericht enthält Dokumente, die Fälschungen entlarven, sowie Zeugenaussagen. Den Bericht können Sie hier im russischen Original und hier in der deutschen Übersetzung lesen und als PDF herunterladen.

Die Gedenkstätte für Butscha

Laut der offiziellen Version wurden Anfang April 2022, nach dem Abzug der russischen Truppen, in den Straßen von Butscha 458 Leichen gefunden, von denen 419 Anzeichen dafür trugen, dass sie erschossen, gefoltert oder erschlagen worden waren. 39 starben möglicherweise ohne Gewalteinwirkung. Im Juli 2023 wurde in Anwesenheit von Selensky in Butscha ein Denkmal mit über 500 Namen der angeblichen zivilen Opfer eingeweiht.

Damit sind wir bei einem der zentralen Widersrpüche der Geschichte von Butscha: Die Zahl der Opfer ist widersprüchlich und es hat nie eine offizielle Untersuchung gegeben. Auch eine offizielle Liste mit den Namen der Opfer von Butscha, anhand derer man überprüfen könnte, ob die damals präsentierten Leichen überhaupt Einwohner von Butscha waren, hat die Ukraine nie veröffentlicht.

Im Gegensatz zur Ukraine und dem Westen fordert Russland immer wieder eine offizielle Untersuchung durch die UN und eine offizielle Veröffentlichung der Namen der Opfer, denn es ist das eine, Namen auf ein Denkmal zu schreiben, aber es ist etwas anderes, der UNO eine offizielle Liste mit den Namen der Opfer zu übergeben und deren Identitäten überprüfen zu lassen.

Ukrainische Soldaten als zivile Opfer von Butscha

Das „Internationale öffentliche Tribunal zu den Verbrechen ukrainischer Neonazis“ hat sich die auf der Gedenkstätte genannten Namen nun näher angeschaut und dabei beweisen können, dass eine ganze Reihe der Namen keine Einwohner von Butscha oder Opfer des angeblichen Massakers von Butscha waren, sondern ukrainische Soldaten, oft sogar Soldaten der für ihre Kriegsverbrechen bekannten Bataillone wie Asow.

Der russische Bericht belegt, dass mindestens über 20 der angeblich zivilen Opfer des angeblichen Massakers von Butscha in Wahrheit ukrainische Soldaten waren, die weit weg von Butscha an der Front ums Leben gekommen sind und auch nicht in Butscha beerdigt wurden.

Fälschungen der Todesursache

In dem russischen Bericht erfahren wir außerdem:

„Eine weitere Methode zur Fälschung der Ereignisse in Butscha besteht darin, ältere Bürger, die an Krankheiten gestorben sind, als von russischen Truppen Getötete darzustellen. Ein Beispiel dafür ist die 68-jährige Galina Alexandrowna Semenjuk, die an einer Krebserkrankung starb und deren Name ebenfalls an der Gedenkstätte für die „getöteten Zivilisten“ der Stadt angebracht wurde.“

Zeugenaussagen für ukrainische Fakes

Es ist eine beliebte Methode der ukrainischen Propaganda, vor allem westliche Journalisten auf Pressetouren mitzunehmen und dabei angebliche russische Gräueltaten zu inszenieren. Das ist in Frontnähe bekannt und es gibt in Russland bereits unzählige Zeugenaussagen dafür. Der neue russische Bericht lässt 16 namentlich genannte Zeugen von solchen Ereignissen zu Wort kommen und in den Bericht steht unter anderem:

„“Wenn die Presse in der Stadt ist, bedeutet das, dass wir auf Beschuss warten. Allen Einwohnern war alles klar, das war alles verständlich.“
Igor Karatschenzew berichtet: „Sobald Journalisten kamen, ganz gleich welche – ukrainische oder ausländische, wussten wir schon: Die Siedlung wird beschossen, hundertprozentig… Waren keine Journalisten da, herrschte Ruhe. Sobald die Journalisten kamen, mussten sie etwas filmen. Und dann beschießt uns die Ukraine unbedingt, wie bestellt.“
Juri Burik sagt, „wenn es heißt, dass Journalisten aus Kiew gekommen sind, dann ist alles klar, die Menschen beginnen sich darauf vorzubereiten, dass es starken Beschuss geben wird… Aber wir sehen doch alles… Dass von Westen, von ukrainischer Seite geschossen wird, wusste bei uns bereits jede Großmutter.“
Jeder Versuch, die Wahrheit zu sagen, war für die örtlichen Einwohner gefährlich. Wera Machowa berichtet: „Einmal kamen Journalisten aus Estland. Sie sagten zu uns: Erzählen Sie uns von der Grausamkeit der Russen. Was soll ich ihnen erzählen? Dass man den Ukrainern all das, was sie getan haben, nicht verzeihen kann? Aber das darf man doch nicht sagen. Man durfte sie hier nicht einmal irgendwie schief ansehen, geschweige denn etwas sagen.““

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Lawrow-Rede in der UNO

Die europäischen Werte sind laut Lawrow „Verletzungen der Meinungs-, Informations- und Religionsfreiheit“

28. September 2026 (Übersetzung: Thomas Röper)

Der russische Außenminister Lawrow hat bei der UN-Generalversammlung eine Rede gehalten, in der er die westliche Politik heftig kritisierte und beispielsweise erklärte, die Politik der EU zeige, dass die europäischen Werte „Verletzungen der Meinungs-, Informations- und Religionsfreiheit“ seien.

Letzte Woche fand die alljährliche UN-Generalversammlung statt, bei der jeder Staat in einer kurzen Grundsatzrede seine wichtigsten Ansichten zur Außenpolitik darlegt. Für Russland hat das dieses Mal der russische Außenminister Lawrow getan, der in seiner Rede die Politik des Westens heftig kritisierte. […]

Sehr geehrter Herr Präsident,

Exzellenzen,

meine Damen und Herren,

In den vergangenen Tagen wurde von diesem Rednerpult und am Rande der Generalversammlung bereits mehrfach der Gedanke geäußert, dass sich in der Weltpolitik tektonische Verschiebungen vollziehen und vor unseren Augen eine gerechtere multipolare Weltordnung entsteht. Die Länder des Globalen Südens und Ostens etablieren sich als souveräne Entwicklungszentren und übernehmen Verantwortung für die Gewährleistung der Sicherheit in ihren Regionen. Sie demonstrieren ihre Verbundenheit mit dem Völkerrecht, ihre Ablehnung äußeren Drucks und ihr Interesse am Wohlergehen aller Staaten und nicht nur der „Auserwählten“. Diese konstruktive Philosophie liegt auch der russischen Außenpolitik zugrunde. Sie wird von unseren zahlreichen Gleichgesinnten geteilt, und auf ihr beruht die Zusammenarbeit in der GUS, der SOZ, den BRICS und anderen Zusammenschlüssen der Weltmehrheit.

Doch das gefällt nicht allen. Die westliche Minderheit, die fünf Jahrhunderte lang auf Kosten fremder Ressourcen dominierte, gibt ihre Versuche nicht auf, ihre Privilegien zu bewahren und allen ihre „Regeln“ aufzuzwingen. Der Westen greift immer häufiger zu grober Gewalt, handelt unberechenbar und abenteuerlich und gefährdet das Leben und Wohlergehen von Millionen, wenn nicht Milliarden Bewohnern unseres gemeinsamen Planeten. Nach den Worten des russischen Präsidenten Wladimir Putin ist die Diktatur eines einzigen Hegemons „außer Kontrolle geraten und schlichtweg gefährlich für die anderen“.

Zu Beginn dieses Jahres endete die unter Verletzung sämtlicher Normen, einschließlich moralischer Normen, erfolgte Invasion der USA in Venezuela mit der Gefangennahme von Präsident Nicolas Maduro und seiner Ehefrau und ihrer außergerichtlichen Inhaftierung in einem amerikanischen Gefängnis. Und dies, obwohl das Völkerrecht ausdrücklich die Wahrung der Immunität und Unverletzlichkeit der höchsten Amtsträger von Staaten vorschreibt. Wir bestehen auf der schnellstmöglichen Freilassung des venezolanischen Staatschefs und seiner Ehefrau sowie darauf, dass sich derartige Exzesse künftig nicht wiederholen.

Als inakzeptable Manifestation eines gewaltsamen Diktats betrachten wir die Tötung von Ajatollah Ali Chamenei, dem Obersten Anführers Irans, und seiner Angehörigen sowie von Angehörigen der militärischen und politischen Führung der Islamischen Republik. Besondere Besorgnis ruft die Tatsache hervor, dass weitere Ziele der amerikanisch-israelischen Aggression, die im Juni vergangenen Jahres begann, nicht nur die zivile Infrastruktur Irans, sondern auch zivile Nuklearanlagen waren, die unter dem Schutz der Garantie der IAEO standen. Das hat dem Ansehen der Agentur und dem gesamten System der Nichtverbreitung von Kernwaffen irreparablen Schaden zugefügt.

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Imperialistischer Krieg verschärft Spannungen zwischen Türkei und Griechenland

Von Barış Demir und Ulaş Sevinç – 27. September 2026

Die Spannungen zwischen der Türkei und Griechenland nehmen erneut zu. Beide Länder beschuldigen sich gegenseitig, bringen ihre Streitkräfte in Stellung und richten ihre Bündnisse mit anderen Regionalmächten neu aus. Während Athen seine Beziehungen zu Tel Aviv verstärkt, hat Ankara letzten Monat einen Militärpakt mit Saudi-Arabien und Pakistan unterzeichnet.

Laut Medienberichten hat Ankara Ende August die 51. Kommando-Brigade, die aus etwa 2.000 professionellen Berufssoldaten besteht, von Hozat im Osten des Landes in den Bezirk Söke in der Provinz Aydın, gegenüber der griechischen Insel Samos, verlegt.

Dieses vom türkischen Verteidigungsministerium veröffentlichte Bild zeigt die Militärübung Denizkurdu-I/2026, an der laut eigenen Angaben 100 Schiffe, 50 Luftfahrzeuge und 14.000 Soldaten teilnahmen [Photo: X/Republic of Türkiye Ministry of National Defence]

Das türkische Verteidigungsministerium erklärte, es habe die Verlegung im Juni bewilligt. Es publizierte dies kurz nach dem Besuch des griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis am 12. September auf der östlichsten griechischen Insel Meis (Kastelorizo), die dicht vor der türkischen Küste liegt. Das Ministerium erklärte, man verfolge aufmerksam die Kontakte Mitsotakis‘ zu den auf der Insel stationierten Militäreinheiten. Es warnte, es sei inakzeptabel, eine Situation zu schaffen, die dem demilitarisierten Status der Insel widerspräche.

Ein NATO-Mitglied mobilisiert sein Militär gegen ein anderes Mitglied des gleichen Bündnisses. Die Eskalation ist ein Nebenprodukt des imperialistischen Kriegs, der von Osteuropa in den Nahen Osten metastasiert und sich zunehmend zu einem einzigen Konflikt verbindet.

Infolge des imperialistischen NATO-Kriegs gegen Russland in der Ukraine ist Griechenland zur logistischen Drehscheibe Südosteuropas geworden. Der US-amerikanisch-israelische Angriffskrieg gegen den Iran und der Völkermord in Gaza haben das Streben der nationalen Bourgeoisie der Region nach Bündnissen und Militärblöcken zur Verteidigung ihrer eigenen reaktionären Interessen verstärkt.

Die türkischen und griechischen Arbeiter müssen jede Form von Nationalismus zurückweisen und sich zusammenschließen, um dem eskalierenden Krieg und der Gefahr eines neuen Konflikts eine internationale sozialistische Antikriegsbewegung entgegenzusetzen.

Die maritimen Streitigkeiten zwischen der Türkei und Griechenland reichen bis in die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zurück. Im Sommer flammten die Spannungen wieder auf und verschärften sich in den letzten Wochen.

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Aufwärmen für das Feuer

Europa rüstet sich für den Krieg — und wer rüstet sich für den Frieden?

Von Uwe Froschauer – 26. September 2026

Deutschland bereitet seine Krankenhäuser auf bis zu 1.000 verwundete Soldaten am Tag vor. Die deutsche und amerikanische Rüstungsindustrie soll enger verzahnt werden. Milliarden fließen in Raketen und Drohnen für die Ukraine. NATO-Kampfjets schießen Drohnen über Litauen ab. Bundeskanzler Friedrich Merz spricht davon, Russland führe Krieg gegen „die Ukraine und den Westen“. Was ist eigentlich los in Europa?

Wenn man die politischen Verlautbarungen der vergangenen Wochen verfolgt, gewinnt man den Eindruck, ein Krieg zwischen Russland und der NATO stehe unmittelbar vor der Tür. Aufrüstung, Abschreckung, Drohnenabwehr, Sanktionen, Kriegstüchtigkeit, Schutz kritischer Infrastruktur — das Vokabular hat sich verändert. Der Krieg wird nicht mehr nur als Möglichkeit beschrieben. Europa bereitet sich zunehmend konkret darauf vor.

Ich frage mich: Sind die denn alle wahnsinnig geworden?

Wo sind die großen diplomatischen Initiativen? Wo sind die europäischen Politiker, die nach Moskau fahren, reden, zuhören, verhandeln und nach einem Ausweg suchen? Wo sind die Milliardenprogramme für Frieden und Verständigung?

Ich sehe sie nicht.

Stattdessen läuft die Kriegsmaschinerie auf Hochtouren.

Krankenhäuser für 1.000 Verwundete am Tag

Wie weit diese Entwicklung inzwischen reicht, zeigt ein Bericht über die Vorbereitung des deutschen Gesundheitswesens auf einen möglichen Krieg. Dabei handelt es sich keineswegs um ein Gerücht. Die Bundeswehr selbst berichtete bereits im Mai 2026 über Beratungen zur „Gesundheitsversorgung im Krisen- und Verteidigungsfall“. Auf der Tagesordnung standen unter anderem „die Versorgung von 1.000 Verwundeten pro Tag“, sichere Arzneimittellieferketten und zivil-militärische Strukturen. (1)

Bloomberg griff diese Planungen Mitte September erneut auf. Die fünf Bundeswehrkrankenhäuser könnten ein solches Szenario nicht allein bewältigen. Zivile Krankenhäuser müssten einspringen.

1.000 Kriegsverwundete. Jeden Tag.

Natürlich gehört es zu den Aufgaben eines Staates, für Katastrophen und militärische Ernstfälle Vorsorge zu treffen. Dagegen ist zunächst nichts einzuwenden. Die Frage lautet vielmehr: In welchem politischen Umfeld geschieht das?

Und da sieht das Bild anders aus. Der Nationale Sicherheitsrat der Bundesregierung beschäftigte sich am 14. September erneut mit militärischer und ziviler Verteidigung und beschloss weitere Maßnahmen gegen Spionage und Sabotage sowie zum Schutz kritischer Infrastruktur. Als Ausgangspunkt nennt die Bundesregierung den mutmaßlich von Russland gesteuerten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle. (2) Was für eine Farce! Eine schwache Indizienkette wird der Bevölkerung als Beweis für eine russische Aggression verkauft.

Verteidigungsminister Boris Pistorius bezeichnete wiederum einen russischen Drohnenangriff auf einen Zug nahe der polnisch-ukrainischen Grenze als „kalkulierte Eskalation“ Putins. (3) Insbesondere die Achse der Kriegswilligen — Großbritannien, Frankreich und Deutschland — eskaliert, nicht Russland, Herr Pistorius!

Am 14. September schoss ein italienischer NATO-Kampfjet über Litauen eine Drohne ab, die aus Belarus in den litauischen Luftraum eingedrungen war und nach Angaben der litauischen Behörden Sprengstoff trug. Sie wurde als mutmaßlich russische Geran-2-Drohne identifiziert. Eine abschließende Klärung der Herkunft und der Umstände ist damit jedoch nicht automatisch gegeben. (4)

Jeder dieser Vorfälle ist vorerst einmal ernst zu nehmen. Aber noch ernster sollte die Frage genommen werden, welche politischen Konsequenzen daraus gezogen werden. Fast reflexartig lautet die Antwort: mehr Abschreckung, mehr Waffen, mehr Sanktionen, mehr Militär.

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Von gelben Sternen zu violetten Pässen: Warum Nazi-Ideen wieder Mainstream geworden sind

Von Andrej Nisamutdinow – 26. September 2026

Andrej Nisamutdinow darüber, wie Europa heute neue Stigmata vergibt, dieses Mal nicht an Juden, sondern an Russen.

Hakenkreuz unter EU-Flagge

Während des Zweiten Weltkriegs führte die Regierung Nazi-Deutschlands ein System der Zwangskennzeichnung für die jüdische Bevölkerung ein. Im September 1941 wurde diese Praxis vereinheitlicht: In Deutschland und den von ihm kontrollierten Gebieten wurden alle Juden über sechs Jahren verpflichtet, spezielle Erkennungszeichen zu tragen. Der gelbe sechszackige Stern mit der Aufschrift „Jude“ war ein Stigma, das im Grunde einen juristischen Mechanismus der Entmenschlichung in Gang setzte seine Träger zu einem rechtlosen Dasein im Ghetto oder zur Vernichtung in den Todeslagern verurteilte. Die Rote Armee hat die vollständige Umsetzung der menschenverachtenden Idee der „Endlösung der Judenfrage“ verhindert, als sie dem deutschen Nationalsozialismus das Rückgrat brach.

Doch Nazi-Ideen erwiesen sich als langlebig. Jahrzehnte später erleben sie in Europa eine Wiedergeburt, getarnt unter verschiedenen Etiketten, wenngleich ihr Wesen unverändert bleibt. Geändert hat sich allenfalls das Hassobjekt: An die Stelle der Juden als „absoluter Feind“ sind nun die Russen getreten. Alles beginnt im Kleinen, mit der schrittweisen Gewöhnung der Gesellschaft an den Gedanken, dass Angehörige eines bestimmten Volkes in ihren Rechten beschnitten werden dürfen.

Mit Unterstützung der Bevölkerung

Im Prinzip ist die Geschichte des Holocaust gut erforscht und es besteht kein Zweifel daran, dass Teile der einheimischen Bevölkerung die Verfolgung der Juden in einer Reihe von Ländern unterstützt haben. Im Zuge des heutigen Trends, die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs umzudeuten, versuchen einige „national orientierte“ Forscher, die Ereignisse der Vergangenheit zu verzerren. Doch die Beteiligung einheimischer Kollaborateure und Angehöriger von Strafkommandos an den Massakern an der jüdischen Bevölkerung ist erwiesen und dokumentiert. Dabei geht es insbesondere um Länder wie Polen, Ungarn, die baltischen Staaten und die Ukraine.

Das Beispiel der Ukraine ist eines der bezeichnendsten. Bereits während des russischen Bürgerkriegs verübten Verbände unter dem Kommando von Simon Petljura Judenpogrome. Später wurde die Parole „Schlagt die Drecksjuden und Kommunisten tot“ zu einem der festen Grundpfeiler der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN). Nach Beginn des Großen Vaterländischen Krieges verübten OUN-Kämpfer wiederholt Pogrome und Massenmorde an der jüdischen Bevölkerung der Ukraine, wobei sie sowohl eigenständig als auch in Zusammenarbeit mit den deutschen Besatzern vorgingen. Auch Polizisten aus den Reihen lokaler Kollaborateure beteiligten sich aktiv an dem Völkermord.

Allerdings gab es nicht nur in Osteuropa Helfer der Nationalsozialisten. So deportierte beispielsweise die unter der Führung von Marschall Philippe Pétain stehende Marionettenregierung des Vichy-Regimes 76.000 Juden. Die Mehrheit von ihnen durchlief das Lager Drancy in einem Pariser Vorort, von wo aus sie anschließend in die Todeslager Auschwitz und Sobibor geschickt wurden. Im Jahr 2009 erkannte ein französisches Verwaltungsgericht offiziell die Mitschuld der Vichy-Regierung am Holocaust an.

Der Teufel steckt im Detail

In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre saß ich bei einem Empfang anlässlich der Eröffnung der Filmfestspiele von Cannes an einem Tisch mit französischen Journalisten. Als die Dame mir gegenüber erfuhr, dass ich aus Russland stammte, bemerkte sie trocken: „Ah, ein russischer Mafioso…“ Verwundert fragte ich nach, wie sie zu dieser Ansicht komme. „An der Côte d’Azur sind alle Russen entweder Oligarchen oder Banditen. Wie ein Oligarch sehen Sie nicht aus“, erklärte meine Gesprächspartnerin voller Ernst. Gegen die Sache mit dem Oligarchen ließ sich nichts einwenden, doch ein Bandit wollte ich auch nicht sein, also beschloss ich, die Situation ins Lächerliche zu ziehen: „Madame, Sie haben die dritte Kategorie vergessen: KGB-Agenten.“ Die Französin errötete und setzte sich unter dem Gelächter der anderen an den Nachbartisch – sozusagen, um auf Nummer sicher zu gehen.

Tatsächlich ist diese scheinbar belanglose Episode ziemlich beispielhaft. Damals war die französische (und überhaupt die europäische) Presse voll von Berichten über die zwielichtigen Machenschaften der „russischen Mafia“ in Europa. Bei näherem Hinsehen zeigte sich jedoch, dass Bürger der Russischen Föderation damit gar nichts zu tun hatten: In den Kriminalstatistiken tauchten vielmehr Leute aus Georgien, Lettland, der Ukraine sowie sogar aus Rumänien und Bulgarien auf. Trotzdem wurden sie alle aus irgendeinem Grund als „russische Mafia“ bezeichnet. So prägte die westliche Presse über Jahrzehnte hinweg, ob bewusst oder unbewusst, ganz bestimmte negative Stereotypen in den Köpfen des Publikums und legte den Grundstein für die künftige, totale Russophobie.

Auch Politiker, die in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats sitzen, haben ihren Teil zu diesem Prozess beigetragen. In der Organisation, die sich selbst als wichtigste Hüterin demokratischer Werte inszeniert, betrachtete man Russland wie einen ungehorsamen Schüler. Mit unverhohlener Schadenfreude wurde das Land, ob mit oder ohne Anlass, ständig öffentlich an den Pranger gestellt. Besonders eifrig taten sich dabei, wiederum, Parlamentarier aus dem Baltikum, Polen und der Ukraine hervor, die beschlossen hatten, dass es an der Zeit sei, alte Rechnungen zu begleichen und sich für angeblich erlittenes Unrecht zu rächen. Vertreter der „alten“ europäischen Demokratien aus Großbritannien, den Niederlanden und den skandinavischen Ländern haben diese Linie bereitwillig unterstützt.

Die Erscheinungen dieser Russophobie grenzten bisweilen ans Lächerliche: So konnten sich beispielsweise etwa ein Lette und ein Pole in einem durchaus passablen Russisch unterhalten, wechselten jedoch, wenn sich ein russischer Journalist näherte, sofort in ein holpriges Englisch. Denn „diesem Russen“ zu zeigen, dass man seine Sprache beherrscht, galt als absolut unanständig.

Während man Moskau unablässig alle erdenklichen und auch völlig abwegigen Verfehlungen vorhält, bringt man es im Europarat fertig, so beschämende und mit echter Demokratie unvereinbare Phänomene wie den Status der „Nicht-Bürger“ in Lettland und Estland geflissentlich zu übersehen.

Auf staatlicher Ebene

Presseberichte oder missmutiges Murren gegenüber Russen in den Fluren des Europarats sind das Eine, aber wenn Beschränkungen zu staatlicher Politik werden, ist das eine ganz andere Geschichte. Wer in der Sowjetzeit das Baltikum besuchte, kann im Alltag natürlich mit Ausprägungen eines lokalen Nationalismus in Berührung gekommen sein. Doch 1991 verabschiedete der Oberste Rat Lettlands auch noch den Beschluss, der nur zwei Dritteln der Bevölkerung des Landes das Recht auf Staatsbürgerschaft zusprach, nämlich jenen, die vor 1940 in Lettland geboren worden waren, sowie deren Nachkommen.

Rund 700.000 Menschen, von der radikalen lettischen Presse sofort als „Zugereiste“ abgestempelt, darunter Bauarbeiter, Ingenieure, Arbeiter, Lehrer, Ärzte, Soldaten und Rentner samt ihren Familien, fanden sich über Nacht in Ungewissheit wieder. In diesem Zustand verharrten sie bis Mitte der 1990er Jahre, als der diskriminierende Begriff des „Nicht-Bürgers“ gesetzlich verankert wurde.

Natürlich machen Russen den Großteil dieser Gruppe aus. Genau deshalb kämpfte Russland jahrelang auf allen europäischen Ebenen entschlossen gegen diesen Status an. In Europa zog man es jedoch vor, die Angelegenheit schleifen zu lassen. Gelegentlich wurden unverbindliche Resolutionen verabschiedet, deren Verfasser vage von „besonderen Bedingungen“ sprachen oder die lettische Regierung bisweilen allenfalls halbherzig tadelten. Doch dabei blieb es in der Regel auch.

Im Laufe der Zeit wurden zwar gewisse Gesetzesänderungen vorgenommen, doch auch diese waren eher kosmetischer Natur. Bis heute sind Nicht-Bürger in Lettland (deren Zahl noch immer bei rund 170.000 liegt) grundlegender Rechte beraubt, etwa des Rechts, zu wählen und gewählt zu werden. Sie sehen sich bei der Jobsuche und bei Auslandsreisen mit Beschränkungen konfrontiert. Ihr Pass hat sogar eine andere Farbe: Violett. Das kommt einem doch bekannt vor, nicht wahr?

Eine ähnliche Entwicklung nahm die Situation in Estland, wenngleich dort ein etwas anderer Begriff eingeführt wurde: „Personen mit unklarer Staatsangehörigkeit“. Zudem genießen sie etwas mehr Rechte, sie dürfen an Kommunalwahlen teilnehmen.

Am Kern der Sache ändert das jedoch nichts: Im 21. Jahrhundert betreiben zwei baltische Staaten, die übrigens EU-Mitglieder sind, offen eine Politik der legalisierten Segregation aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit. Was ist das anderes als Neonazismus?

Nazismus mit ukrainischem Akzent

Die Nationalisten im Baltikum können sich jedoch nicht mit ihren ukrainischen Gesinnungsgenossen messen. Mag sein, dass manche den auf dem Kiewer Maidan skandierten Ruf „Moskaljaku na hiljaku“ (Moskauer an den Galgen) noch als „Schöpfung der Volksmassen“ abtun. Doch nach dem Staatsstreich von 2014 wurde die neonazistische Ideologie in der Ukraine faktisch als offizielle Linie des Staates verankert und fand ihren Niederschlag in einer ganzen Reihe von Rechtsakten, die die russischsprachige Bevölkerung diskriminieren. Kiew ging dazu über, Millionen seiner eigenen Bürger offen auf fiskalischer, sprachlicher und zivilrechtlicher Ebene zu unterdrücken.

Dabei stehen diese neuen Vorschriften in direktem Widerspruch sowohl zur ukrainischen Verfassung als auch zu europäischen Konventionen, denen Kiew seinerzeit beigetreten war. Doch die „Verteidiger der Demokratie“, etwa im Europarat und anderen Institutionen, ziehen es gewohnheitsmäßig vor, die drei berühmten Affen zu mimen: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Und wenn sie gar nicht anders können, begnügen sie sich mit wenig aussagekräftigen Standardkommentaren.

Zu den charakteristischen Elementen der Nazi-Ideologie gehören stets Mythenbildung und Geschichtsumschreibung. Auch das gibt es in der heutigen Ukraine massenhaft: Von kuriosen Erzählungen darüber, wie die „antiken Ukrer das Schwarze Meer ausgehoben“ hätten, bis hin zur offiziellen Heroisierung von Nazi-Kollaborateuren aus der OUN, jener Organisation, deren Losung lautete: „Schlagt die Drecksjuden und Kommunisten tot.“

In dieselbe Kategorie fällt auch die berüchtigte „Cancel Culture“. Im Zuge der totalen Entrussifizierung reißen ukrainische Behörden mit Eifer Denkmäler ab, benennen Städte, Straßen und Plätze um und tilgen mit Vehemenz das Gedenken an russische und sowjetische Persönlichkeiten. Damit verurteilen sie ihr eigenes Volk zu einem historischen Vakuum, denn die Ukraine hat schlichtweg keine andere Geschichte als jene, die auf dem gemeinsamen Weg mit dem russischen Volk beruht. Man kann natürlich versuchen, Nikolai Gogol und Iwan Aiwasowski nachträglich zu Ukrainern zu erklären, doch dadurch hört der eine nicht auf, ein bedeutender russischer Schriftsteller zu sein, und der andere nicht auf, ein bedeutender russischer Maler zu sein.

Und was ist mit Europa?

Der Nationalsozialismus ist ansteckend und ein Teil der europäischen Eliten, die von einer historischen Revanche und einer strategischen Niederlage Russlands träumen, konnte der Versuchung nicht widerstehen. Genau genommen sind all diese Sanktionen, schwarzen Listen, Kontensperrungen, Einreiseverbote und sonstigen Restriktionen im Grunde nichts anderes als offene Diskriminierung aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit. Natürlich gepaart mit einer gehörigen Portion Ideologie, Fremdenfeindlichkeit und dem Wahn rassischer Überlegenheit.

Dabei kommen die gleichen altbekannten Methoden zum Einsatz, darunter die „Cancel Culture“ und die Umschreibung der Geschichte. Es ist symbolisch, dass heute ausgerechnet Friedrich Merz, der aus einer Familie stammt, in der der Großvater dem NS-Regime treu als Bürgermeister und SA-Mann diente, in Berlin einen harten anti-russischen Kurs verfolgt. Die revanchistischen Handlungen des Enkels sprechen für sich. Vor diesem Hintergrund starten Parlamentarier der Grünen eine Initiative zur „historisch-kritischen Kontextualisierung“ sowjetischer Kriegsdenkmäler, allen voran des Komplexes im Treptower Park. Hinter dieser blumigen Bezeichnung verbirgt sich die Idee, am Fuß der Monumente Informationstafeln aufzustellen,die eine offenkundig verzerrte, revisionistische Deutung der Ereignisse des Zweiten Weltkriegs vermitteln sollen. Bemerkenswert ist, dass zu den Ersten, die sich diesem gefährlichen Vorhaben widersetzten, Vertreter der rechten „Alternative für Deutschland“ (AfD) gehörten, jener Partei also, die von den regierenden Kreisen der Bundesrepublik – und auf deren Betreiben hin auch von Politikern und Medien anderer europäischer Länder – als „neonazistisch“ diffamiert wird. Auch Politiker vom entgegengesetzten, linken Flügel, Vertreter der Partei BSW unter der Führung ihrer Gründerin Sahra Wagenknecht, sprachen sich gegen diesen Geschichtsrevisionismus aus.

Dieses ungewöhnliche Bündnis zwischen Links und Rechts zeigt, dass es in Europa – neben jenen Eliten, die von Russophobie erfasst sind und es sogar geschafft haben, dieses schädliche Virus auf einen Teil der Bevölkerung zu übertragen – auch noch gesunde Kräfte gibt. Sie wollen Russland nicht als Feind sehen, sondern ziehen es im Gegenteil vor, gutnachbarschaftliche Beziehungen zu pflegen.

Mag sein, dass ihre Stimme derzeit noch nicht recht zu hören ist, doch sie wird sich Gehör verschaffen. Zumindest möchte man daran glauben.

Und der Nationalsozialismus wird endgültig auf dem Müllhaufen der Geschichte landen – dort, wo er hingehört.

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Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Hamburg im Krieg (II)

Von German-Foreign-Policy.com – 25. September 2026

Bundeswehr und zivile Organisationen trainieren seit dem gestrigen Donnerstag drei Tage lang das Verlegen von Truppen über Hamburg an die NATO-Ostflanke. Proteste sind angekündigt.

Hamburg: Ruinen im Arbeiterviertel der Stadt. Zentralbild/XIII von Bundesarchiv, Bild 183-V00294-3 / CC BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de

Seit dem gestrigen Donnerstag trainieren die Bundeswehr und zivile Organisationen in Hamburg den Durchmarsch von Truppen an die NATO-Ostflanke. Zugrundeliegendes Szenario ist bei dem Manöver Red Storm Charlie eine Mobilmachung ins Baltikum noch vor einem russischen Angriff und damit auch noch vor dem Ausrufen des Spannungs- und Verteidigungsfalls – und das heißt: ohne die Aktivierung der Notstandsgesetze, die im Inland eine massiv verschärfte Repression erlauben. Nach Angaben der Bundeswehr konnte der Kreis der teilnehmenden Organisationen im Vergleich zum Vorjahresmanöver Red Storm Bravo ausgebaut werden. Unter anderem sind mehrere Polizeibehörden, die Feuerwehr, der Hamburger Hafen, der Flughafen, das Universitätsklinikum und zahlreiche Privatunternehmen involviert. Die Bestrebungen, die deutsche Gesellschaft kriegstüchtig zu machen, kommen dabei nicht allein aus dem Militär oder von staatlichen Behörden. So wirbt beispielsweise der Handelskonzern Edeka mit dem Verkauf eines „Notfallrucksacks“ für die Umsetzung der Empfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Die Hamburger Handelskammer bietet eine Übung namens Red Storm Business an.

Mitten in der Großstadt

Kern der Manöverserie Red Storm, die vor zwei Jahren mit Red Storm Alpha begann und im vergangenen Jahr mit Red Storm Bravo fortgesetzt wurde, ist das Erschließen „ziviler Unterstützungsleistungen“ für die militärische Mobilmachung in Richtung Russland.[1] Laut Bundeswehr trainieren insgesamt 500 Soldaten mit schwerem Gerät das Verlegen an die Ostfront. Das Manöver findet dabei nicht nur auf Truppenübungsplätzen, sondern mitten im zivilen Leben statt. Im Anschluss an Red Storm Bravo hätten seine Soldaten „gegrinst“ und wären „total begeistert“ gewesen, „sowas endlich mal zu üben“, resümiert Oberstleutnant Jürgen Bredtmann vom zuständigen Hamburger Landeskommando der Bundeswehr: „Auf dem Übungsplatz im Auto in der Kolonne zu fahren ist natürlich was ganz anderes als hier in urbanem Gelände“.[2] Sogenannte freilaufende Übungen dieser Art werden immer häufiger durchgeführt.

Zwischen Frieden und Krieg

Die militärischen Kolonnenfahrten durch das Hamburger Stadtgebiet will die Armee laut Angaben von Oberstleutnant Bredtmann hauptsächlich nachts durchführen – „denn wenn wir eine Fahrzeugkolonne durch den Berufsverkehr bringen wollen am Freitag Nachmittag, dann wird das schwierig – zumindest in Friedenszeiten. Im Ernstfall geht das vielleicht ein bisschen einfacher“.[3] Die deutsche Verfassung erlaubt staatlichen Stellen im Kriegsfall, mit umfangreichen Sonderbefugnissen Zivilisten und Unternehmer zu Arbeits- und Sachleistungen im Dienste des Militärs zu verpflichten – etwa Betriebsgelände zum Rastplatz für Militärfahrzeuge umzufunktionieren, zivile Lkw zu beschlagnahmen oder medizinisches Personal zur Arbeit im Lazarett zu zwingen. Auch die repressiven Handlungsspielräume werden dann größer – bis hin zum verfassungskonformen Einsatz der Armee gegen Aufständische. Mit Red Storm Charlie trainiert die Armee nun allerdings ausdrücklich die „vorsorgliche [!] Verlegung militärischer Kräfte in Richtung des östlichen Bündnisgebiets“ – also die Mobilmachung in Richtung Osten, ohne dass zuvor der so oft heraufbeschworene russische Angriff stattgefunden hätte. Bei der Bundeswehr heißt es zu Red Storm Charlie: „Im dargestellten Szenario liegt noch kein vom Deutschen Bundestag festgestellter Spannungs- oder Verteidigungsfall vor, wir befinden uns also juristisch weiterhin im Frieden.“[4]

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Ist Polen der Schlüssel zur Abwendung eines EU-Kriegs gegen Russland?

Von Andrew Korybko – 25. September 2026

Der Krieg, den die westeuropäische Elite der EU aus Verzweiflung – um angesichts wachsender ökonomischer Probleme und konservativ-nationalistischer Herausforderungen ihre Macht zu bewahren – gegen Russland befehlen könnte, ließe sich abwenden, wenn Trump Gespräche zwischen Putin und Nawrocki vermitteln würde, um einen Kanal zur Krisenbewältigung zwischen allen drei Parteien zu schaffen.

Timofei Bordachev, Programmdirektor des Valdai-Clubs, veröffentlichte Ende September in seinem Thinktank einen faszinierenden Beitrag zum Thema „Europa und der Konflikt in der Ukraine: ein sich wandelnder historischer Kontext“. Sein Hauptargument lautet, dass „die Eliten Europas nicht mehr für die Rechte und die Souveränität ihrer eigenen Staaten kämpfen, sondern nur noch für ihre eigene Position innerhalb eines kollektiven Westens, der unter der Autorität der USA integriert ist.“ Dementsprechend gelangt er zu einer sehr verblüffenden Schlussfolgerung hinsichtlich des kürzlich eskalierten Ukraine-Konflikts.

In Bordachevs Worten: „Gemessen an der Rhetorik, die wir aus den europäischen Hauptstädten hören, sowie am Ausmaß der Hilfe, die sie dem Kiewer Regime zukommen lassen, wird der Konflikt mit Russland derzeit von den Machthabern in Berlin, Paris und London als fast existenzielle Angelegenheit wahrgenommen. Und sollten ihre Aussichten auf den Machterhalt – insbesondere unter dem Druck der Vereinigten Staaten – zunehmend unsicher werden, könnten diese Eliten tatsächlich dazu übergehen, eine militärische Konfrontation mit Russland auszulösen.“

Einige Tage vor seinem Beitrag veröffentlichte RT einen ebenso faszinierenden Artikel von Fjodor Lukjanow, Bordachevs Kollegen, der als Forschungsdirektor ihres Vereins tätig ist. Der für Bordachevs Beitrag relevanteste Teil war seine Schlussfolgerung, dass „Rationalität in der internationalen Politik nicht immer vorherrscht, was jedoch nicht bedeutet, dass Russland Osteuropa als verlorene Sache abschreiben sollte – denn die Länder, die einem Konflikt am nächsten stehen, haben letztendlich möglicherweise die stärksten Gründe, ihn unter Kontrolle zu halten.“

Um noch einmal auf Bordachevs Beitrag zurückzukommen, bevor wir zu dessen Relevanz für Lukyanovs Beitrag zurückkehren: Man kann daraus schließen, dass die Eliten Europas um die Rolle ihres Landes in der von den USA überwachten europäischen Nachkriegssicherheitsarchitektur westlich des neuen „Eisernen Vorhangs“ entlang dieser Front des um Russland herum gebildeten „Cordon sanitaire“ kämpfen. Die künftige Ordnung wird wahrscheinlich geprägt sein von einer deutsch dominierten, militarisierten EU oder einer militarisierten EU, in der das von Polen angeführte Intermarium ein Gegengewicht zu Deutschland bildet, dessen Eindämmung Russlands jedoch ergänzt.

Der Aufstieg der AfD in Deutschland und das plausible Szenario, dass die „Rassemblement National“ in Frankreich diesem Beispiel folgt, könnten dazu führen, dass sich Bordachevs Warnung bewahrheitet: die EU könnte aus innenpolitischer Verzweiflung einen Krieg gegen Russland anzetteln. In diesem Zusammenhang ist es erwähnenswert, dass bei vielen Menschen neue Befürchtungen hinsichtlich einer „False-Flag“-Aktion (in Polen?) aufgekommen sind, die als Vorwand für einen solchen Krieg dienen könnte; mehr darüber können Leser in dieser Analyse hier erfahren.

Verbindet man Bordachevs Warnung mit Lukyanovs Einschätzung, dass „die Länder, die einem Konflikt am nächsten stehen, letztendlich die stärksten Gründe haben könnten, ihn unter Kontrolle zu halten“, ist die Wiederaufnahme des offiziellen russisch-polnischen Dialogs natürlich unerlässlich, auch wenn dieser zunächst von den USA vermittelt wird. Erst kürzlich hat „Russland die große strategische Herausforderung durch Polen offiziell anerkannt“, nämlich bei der Verbindung der westlichen und südlichen Flanke des „Cordon sanitaire“. Ohne Polens Beteiligung ist ein Krieg der EU gegen Russland unwahrscheinlich.

Es liegt daher im Interesse der USA, Russlands und Polens, inmitten der kursierenden Befürchtungen vor False-Flag-Operationen einen Kanal zur Krisenbewältigung zu entwickeln, doch Polens regierende Liberale schüren fanatisch Angst vor Russland, sodass sein konservativer Präsident der Einzige ist, mit dem man sprechen könnte. Er ist zwar ein ethnischer Russenhasser wie seine Verunglimpfung der Russen im letzten Monat [wie auch sein Auftritt während der 81. Session der UN-Generalversammlung] beweist, [wo er behauptete, Russland sei die Wurzel allen Übels auf der Welt; die Red.], aber er ist auch pragmatisch, sodass es möglich ist, dass Trump [falls er das wirklich will; die Red.] ihm und Putin helfen könnte, eine umfassende Einigung zur Wahrung des Friedens entlang der westlichen Flanke des „Cordon sanitaire“ zu erzielen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Delcy Rodríguez dankt Trump bei der UN: die Umarmung von Chavismus und amerikanischem Faschismus

Von Andrea Lobo – 25. September 2026

Delcy Rodriguez mit Donald Trump, 22. September 2026 [Photo: @delcyrodriguezv]

Am Dienstagabend empfing Donald Trump im Luxushotel Lotte New York Palace die venezolanische Interimspräsidentin Delcy Rodríguez, flankiert von Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent, Stabschefin Susie Wiles und dem stellvertretenden Stabschef Stephen Miller.

Laut Axios übernahm Trump den Großteil des Gesprächs und unterhielt seinen Gast mit einem Bericht über die „präzise“ Militäroperation, bei der ihr Vorgänger Nicolás Maduro am 3. Januar festgenommen worden war. Stunden vor dem Treffen saß sie mit ausdruckslosem Blick da, als Trump vom Rednerpult der UN-Generalversammlung aus prahlte, dass US-Truppen „den gesetzlosen Diktator, den echten Verbrecher Nicolás Maduro, verhaftet“ hätten, und schloss: „Dem Sieger gehört die Beute.“

Maduro und seine Frau Cilia Flores saßen derweil in einer Zelle im Metropolitan Detention Center in Brooklyn, etwa zehn Meilen entfernt. Rodríguez postete später ein Foto, auf dem sie lächelnd neben Trump zu sehen war, und bezeichnete das Treffen als „historisch.“

Am nächsten Tag hielt sie selbst eine Rede vor der UN-Generalversammlung. Sie dankte Trump für seine „Bereitschaft, den Weg der diplomatischen Beziehungen und der Zusammenarbeit wieder aufzunehmen“, und lobte das Abkommen vom 28. August, das den Invasionsstreitkräften die mehrheitliche Kontrolle über ein Fünftel der venezolanischen Ölreserven – die größten der Welt – übertrug, als „eines der größten, das je unterzeichnet wurde.“ Anschließend versprach sie Wahlen zum „richtigen Zeitpunkt.“

Was sie ausließ, sagte weit mehr aus. Es gab kein Wort über Maduro und Flores, ebenso wenig wie über die mehr als 100 Menschen, die bei der Invasion getötet wurden. Sie erwähnte auch nicht den 28-jährigen venezolanischen DoorDash-Fahrer Wilber Rafael Garcés Pérez, der am Sonntag in Austin (Texas) von einem ICE-Beamten angeschossen und mit der Kugel, die noch immer in der Nähe seiner Wirbelsäule steckte, inhaftiert wurde. Ebenso unerwähnt blieben die venezolanischen Migranten, die in ICE-Gewahrsam gestorben sind.

Die Inszenierung war von Anfang bis Ende beispiellos demütigend. Rodríguez traf am Montag in einem Privatjet mit US-Zulassung ein und wurde vom Geschäftsträger der USA in Caracas, John Barrett, mit einem Kuss auf die Wange begrüßt.

Das Wall Street Journal titelte „Von der Stellvertreterin eines ‚Diktators‘ zur Verbündeten Trumps“ und erinnerte daran, dass sie 2019 vor derselben UN-Versammlung gesagt hatte, Venezuela „knie vor keiner imperialistischen Macht nieder.“ Belén Fernández von Al Jazeera schrieb, sie sei „zurückgekehrt, um dem Mann zu danken“, der den Regimewechsel und die Aneignung der Ressourcen vollzogen habe, vor denen sie einst gewarnt hatte. Die Financial Times bemerkte, dass sie „Washington gegenüber eine Ehrerbietung zeigen musste, die die meisten Staatschefs als demütigend empfinden würden.“

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