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Bis hierher und nicht weiter! Wir protestieren gegen die rechtswidrigen Sanktionen gegen Oberst Jacques Baud und den Kriegskurs der EU


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Waffenstillstand sofort! Sofortiger Stopp aller Waffenlieferungen an die Ukraine! Kein Krieg gegen Russland! Abzug aller Atomraketen aus Europa!


Freiheit für Julian Assange! Aufruf des Komitees zur Verteidigung von Julian Assange und Chelsea Manning …


Kein Krieg gegen den Irak! – Kein Blut für Öl und Macht! Aufruf der Initiative gegen den Irak-Krieg vom November 2002…


Jeffrey Sachs: Globale Wirtschaftskatastrophe und die Selbstzerstörung Europas

Von Peter F. Mayer – 4. Mai 2026

In einem aktuellen Interview mit dem norwegischen Politikwissenschaftler Glenn Diesen zeichnet der renommierte Ökonom Professor Jeffrey Sachs ein düsteres Bild der Weltwirtschaft. Die USA versuchen mit Kriegen, Sanktionen und Piraterie ihre schwindende Vorherrschaft zu retten – und treiben dabei nicht nur sich selbst, sondern vor allem Europa in den Abgrund.

Sachs, der seit Jahrzehnten internationale Wirtschaftsbeziehungen analysiert, stellt klar: Die einst integrierte Weltwirtschaft ist zerbrochen – und das nicht nur vorübergehend. Das US-chinesische Handels- und Investitionsverhältnis wird nie mehr so sein wie vor zehn Jahren. Die Verbindungen zwischen Europa und Russland sind „vielleicht für eine Generation“ zerstört. Europa ist der große Verlierer dieser Entwicklung: Es hat seinen wichtigsten Energielieferanten und Rohstoffpartner verloren und steht nun allein da – abhängig von einem zunehmend desinteressierten und unberechenbaren Amerika.

„Europa ist wirtschaftlich völlig orientierungslos“, sagt Sachs. Während Asien sich weiter integriert und davon profitieren wird, hat Europa durch die Abkopplung von Russland und die blinde Unterwerfung unter US-Interessen massiven Selbstschaden angerichtet. Die Industrie schließt Fabriken, es gibt keine Lichtblicke. Die aktuelle politische Führung – von Ursula von der Leyen über Kaja Kallas, Friedrich Merz bis Keir Starmer – verkörpert für Sachs eine gescheiterte Elite, die Geografie und Realitäten ignoriert.

Besonders kritisch sieht Sachs die Rolle der USA. Unter dem Deckmantel der „nationalen Sicherheit“ wurde die Ökonomie zur Waffe umfunktioniert. Früher lehrten Ökonomen (von Adam Smith bis in die jüngere Zeit) die Vorteile offenen, wechselseitig vorteilhaften Handels. Heute dominieren Denker wie Elbridge Colby oder Jake Sullivan ein Nullsummen-Denken: Wirtschaft dient nicht mehr dem Wohlstand der Völker, sondern der Erhaltung amerikanischer Hegemonie. Sanktionen, Technologieblockaden, das Einfrieren russischer Reserven und die zunehmende Piraterie auf den Meeren (Trump prahlt offen damit, Schiffe zu kapern) sind Symptome dieses Wahns.

Sachs warnt eindringlich vor einer Eskalation in Westasien. Ein erneuter offener Krieg der USA gegen den Iran – er schätzt die Wahrscheinlichkeit auf über 50 Prozent – würde verheerende Folgen haben: Zerstörung der Infrastruktur am Golf, explodierende Energiepreise und eine dramatische Beschleunigung des globalen wirtschaftlichen Niedergangs. Die US-Regierung sei „völlig entinstitutionaliert“, Israel agiere als „Kriegstaat“ mit biblischen Größenwahnvorstellungen, der die amerikanischen Illusionen noch anheizt.

Selbstmord durch Geopolitik: NATO-Osterweiterung und Russland-Politik

Sachs kritisiert scharf die US-Politik, die Europa und Russland jahrzehntelang bewusst auseinandergehalten hat – gegen die Interessen Deutschlands und Europas. Nord Stream war kein Fehler, sondern ein logischer Schritt, den die USA aus hegemonialen Gründen gesprengt haben. Statt auf Geographie und wirtschaftliche Vernunft zu setzen, hat Europa eine neue Mauer errichtet.

Europa habe jahrzehntelang ignoriert, dass die USA bewusst enge Beziehungen zwischen Deutschland/Europa und Russland (z. B. Nord Stream) torpediert haben, um die eigene Vormacht in Europa zu sichern. Stattdessen habe man sich auf NATO-Erweiterung und Konfrontation eingelassen – mit fatalen Folgen. „Geografie ist Schicksal“, mahnt Sachs. Europa liege zwischen Russland und den atlantischen Mächten; die aktuelle Politik der Abkopplung und der bedingungslosen Anlehnung an Washington sei reiner Selbstmord.
Auch die öffentliche Meinung in Europa und den USA driftet immer weiter von der Politik der Eliten ab. Die Menschen spüren den sinkenden Lebensstandard, die steigenden Preise und die zerstörte Industrie. Trumps Zustimmungswerte sacken ab, in Europa wächst der Widerstand gegen weitere Milliarden für den Ukraine-Krieg (zuletzt 90 Milliarden als „Kredit“, der nie zurückgezahlt wird). Sachs sieht hier eine wachsende Kluft: Die politische Klasse ist in alten Denkmustern von Hegemonie und „Regime Change“ gefangen, während die Bevölkerung die Folgen ausbaden muss.

Piraterie auf hoher See und das Ende der Freiheit der Schifffahrt

Besonders alarmierend sind die Entwicklungen im maritimen Bereich. Trump brüstet sich offen damit, dass die USA nun „Piraten“ sind und Schiffe kapern. Blockaden gegen Venezuela, Kuba, Iran, Angriffe auf die russische Handelsflotte und Drohungen gegen iranische Tanker bis zur Straße von Malakka – das alles untergräbt die Grundprinzipien des internationalen Rechts und der Freiheit der Meere, die die USA einst selbst verteidigt haben.

Sachs warnt: In der westlichen Hemisphäre mag die US-Dominanz kurzfristig funktionieren, doch weiter entfernt scheitert sie. Europa, das sich auf einen direkten Konfrontationskurs mit Russland begibt, riskiert eine vollständige Zerstörung.

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Neue Hormus-Eskalation

Von Thomas Oysmüller – 4. Mai 2026

Am Persischen Golf spitzt sich die Lage weiter zu. Die nächste Angriffswelle könnte bevorstehen. Unbestätigte Berichte melden einen ersten Raketenabschuss seit dem Waffenstillstand.

Die staatliche Nachrichtenagentur Fars meldet am Montagmittag, dass zwei Raketen ein US-Patrouillenschiff der Marine getroffen haben. Iranische Bürger sollen den Raketenabschuss ebenfalls bestätigt haben. Es ist das erste Mal, dass ein Abschuss gehört wurde, seitdem man sich auf den Waffenstillstand geeinigt hat.

Der Vorfall soll sich nahe der Straße von Hormus ereignet haben. Das amerikanische Schiff soll getroffen, aber nicht versenkt worden sein. Es habe sich aber zurückziehen müssen, meldet die Fars, die den Revolutionsgarden nahesteht. Die USA haben den Vorfall zunächst nicht kommentiert und später bestätigt.

Zuvor hatte der Iran am Montag eine Karte veröffentlicht, in der „neue Bereiche“ eingezeichnet sind, die nun unter seiner Kontrolle stehen sollen. Zugleich erklärte er, dass er amerikanische Schiffe angreifen werde, wenn diese in die Straße vordringen wollten. Genau das hatte Trump am Sonntag angekündigt. Auch der Iran dürfte seine Ankündigung wahr gemacht haben.

Später meldeten die Vereinigten Arabischen Emirate, dass ein Tanker der staatlichen Ölgesellschaft Adnoc in der Straße von Hormus getroffen worden sei.

In einer Erklärung heißt es: „Dieser Angriff stellt einen eklatanten Verstoß gegen die Resolution 2817 des UN-Sicherheitsrats dar, in der die Bedeutung der Freiheit der Schifffahrt bekräftigt und die gezielte Bekämpfung von Handelsschiffen oder die Behinderung internationaler Seewege abgelehnt wird.

Die gezielte Bekämpfung der Handelsschifffahrt und die Nutzung der Straße von Hormus als Mittel zur wirtschaftlichen Nötigung oder Erpressung stellen Piraterie durch das iranische Revolutionsgarde-Korps dar und bilden eine direkte Bedrohung für die Stabilität der Region, ihrer Bevölkerung und der globalen Energiesicherheit.“

Was genau im Persischen Golf passiert ist, bleibt offen. Es steht wieder einmal Aussage gegen Aussage. Klar dürfte sein, dass sich die Lage weiter zuspitzt und die Waffenruhe immer brüchiger wird.

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Europas Mittelstreckenwaffen

Von German-Foreign-Policy.com – 4. Mai 2026

In der Bundesrepublik werden nach Trumps Ankündigung, US-Soldaten abzuziehen und keine Tomahawks in Deutschland zu stationieren, Forderungen nach schneller Produktion eigener Mittelstreckenwaffen mit Reichweite bis Moskau laut.

Nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, keine Mittelstreckenwaffen in Deutschland zu stationieren, werden in Berlin Forderungen nach einer beschleunigten Entwicklung eigener Flugkörper mit einer Reichweite bis nach Moskau laut. Trump hatte Ende vergangener Woche erklärt, er werde 5.000 US-Soldaten aus Europa abziehen und von der lange geplanten Entsendung etwa von Tomahawk-Marschflugkörpern absehen. Der Schritt wird weithin als Strafmaßnahme gegen kritische Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zum US-Krieg gegen Iran interpretiert. Über das Ausbleiben der Mittelstreckenwaffen heißt es in Berlin, sie verhindere im Kriegsfalle das Ausschalten russischer Kommandozentralen und reiße so eine schmerzliche Lücke in die Kriegsplanungen der Bundesrepublik und der anderen Staaten Europas. Daher müsse jetzt die Entwicklung eigener Mittelstreckenwaffen mit einer Reichweite von über 2.000 Kilometern schneller als geplant vorangetrieben werden. Kritik an Trumps Maßnahme wird aber auch unter US-Militärs laut. Sie weisen darauf hin, dass der Schritt die Infrastruktur der US-Streitkräfte für ihre globalen Kriege, etwa die Militärbasis Ramstein, schwächt.

US-Teilabzug geplant

Wie US-Präsident Donald Trump am Wochenende angekündigt hat, will er rund 5.000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Insgesamt sind zur Zeit mehr als 36.000 US-Militärs in der Bundesrepublik stationiert; damit ist das Land der größte US-Militärstandort in Europa und der zweitgrößte weltweit nach Japan (55.000) und vor Südkorea (28.500). Insgesamt sind in Europa etwas mehr als 85.000 US-Soldaten präsent, davon mehr als 12.500 in Italien und gut 10.000 in Großbritannien. Im Dezember hat der Kongress in Washington gesetzlich festgelegt, dass die Zahl der dauerhaft in Europa stationierten US-Militärs 76.000 nicht länger als 45 Tage unterschreiten darf. Abweichungen davon müssen vom US-Kriegsminister und vom Oberkommandierendenden der US-Streitkräfte in Europa umfassend gegenüber dem US-Kongress begründet werden.[1] Beobachter vermuten nun, konkret sei der Abzug einer kompletten US-Kampfbrigade geplant, die US-Präsident Joe Biden in Reaktion auf Russlands Angriff auf die Ukraine zu rotierenden Manövern nach Deutschland entsandt hatte. Darüber hinaus will Trump die eigentlich noch für dieses Jahr vorgesehene Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen, darunter Tomahawk-Marschflugkörper, in der Bundesrepublik ersatzlos absagen.

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Die Werkzeuge des langen Krieges gegen den Iran (Teil 2 – Denkfabriken)

Von Jochen Mitschka – 4. Mai 2026

Im ersten Teil der Artikelserie beleuchteten wir die Geschichte und die Aufgaben der terroristischen MEK im Auftrag der USA. Nicht erwähnt wurde übrigens die Tätigkeit als Propagandafabrik für die Sozialen Medien, aber das wäre ein separater Artikel. Nun kommen wir zum zweiten Werkzeug im Krieg gegen den Iran: Die Regierungen übergreifenden Planungen durch „Denkfabriken“.

Tatsächlich ist in der Außenpolitik unerheblich, welche der beiden großen US-Parteien gerade den Präsidenten, und damit die Regierung stellt. Denn alle Regierungen richten sich in ihren großen Zielen nach den Vorgaben wichtiger Papiere, welche von großen und wichtigen „Denkfabriken“ der USA erzeugt wurden. Ein solches Papier wurde im Jahr 2009 vom Brookings Institut veröffentlicht und bestimmt seitdem die Politik der USA wie man an der Geschichte deutlich erkennen kann. Das Papier trägt den Namen „Which path to Persia“ [Welcher Weg führt nach Persien/Iran]. -„Optionen für eine neue amerikanische Strategie für den Iran“.

Was das Papier ist

Das Papier analysiert die wichtigsten politischen Optionen der USA gegenüber Iran, darunter Diplomatie, Militärschläge, Regimewechsel und Eindämmung. Die neun Optionen reichen von Überzeugungsarbeit und Engagement über Invasion und Luftangriffe bis hin zu Unterstützung eines Volksaufstandes, eines Militärputsches oder einer israelischen Militärattacke.

  1. Der imperiale Blickwinkel als unausgesprochene Grundlage

Das Papier nimmt unverblümt die Perspektive US-amerikanischer Machtinteressen ein. Die Frage ist nie „Was ist gut für die Region?“ oder „Was sind die Rechte des iranischen Volkes?“, sondern ausschließlich: Was nützt Washington? Die Kernfrage lautet durchgehend, was die USA gegenüber Iran tun sollen – und Iran wird konsequent als strategisches Problem behandelt, das gelöst werden muss.

Aus Sicht des Globalen Südens ist dies paradigmatisch für die Art, wie westliche Denkfabriken internationale Beziehungen rahmen: Souveränität und Selbstbestimmung anderer Völker erscheinen allenfalls als taktische Variablen, nie als moralische Grenzen.

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[Teil 1a]

[Teil 1b]

Israel hat zwei unserer wichtigsten pro-palästinensischen Aktivisten entführt

Von Chris Hedges – 4. Mai 2026

Nichts verdeutlicht die Umkehrung der internationalen und moralischen Ordnung besser als der Völkermord in Gaza und die Lieferung von Waffen im Wert von mehreren zehn Milliarden Dollar an Israel durch westliche Nationen, insbesondere die Vereinigten Staaten, um diesen zu unterstützen. Teil dieser Umkehrung ist die unerbittliche Verfolgung derjenigen, die den Völkermord anprangern – insbesondere derjenigen, die ihr Leben riskieren, um ihn zu stoppen und Rechtsstaatlichkeit einzufordern.

Doch die Rechtsstaatlichkeit scheint in Gaza unter den Trümmern begraben zu sein.

Und deshalb ist Israel in der Lage, ohne nennenswerten Protest seitens der westlichen Nationen – Spanien ist eine der wenigen Ausnahmen – 175 Aktivisten an Bord der „Sumud Flotilla“ 500 Seemeilen vor Gaza und 80 Seemeilen westlich der griechischen Insel Kreta zu entführen.

Dieser Verstoß gegen das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen ging mit der üblichen israelischen Brutalität einher. Den Flottillenmitgliedern der 22 Schiffe, die abgefangen und dann auf das israelische Schiff NAHSHON gebracht wurden, wurde das Essen verweigert, sie wurden gezwungen, auf dem Boden zu schlafen, der „wiederholt“ mit Wasser geflutet wurde, sie wurden geschlagen, getreten, mit gefesselten Händen über das Deck geschleift und mit Gummigeschossen und scharfer Munition beschossen. Schließlich wurden alle bis auf zwei Flottillenmitglieder nach Kreta gebracht, wobei 36 medizinische Versorgung benötigten.

Zwei der führenden Aktivisten der Flottille, der brasilianische Organisator der Flottille, Thiago Avila, und der Spanier Saif Abu Keshek, der palästinensischer Abstammung ist und seit über zwei Jahrzehnten palästinensische Solidaritätsbewegungen in ganz Europa organisiert, durften nicht von Bord gehen, als das Schiff den Hafen von Ierapetra im Süden Kretas erreichte, obwohl sich das Schiff in griechischen Hoheitsgewässern befand.

Sie wurden entführt und nach Israel gebracht.

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[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Nach Anschlag in Washington: Venezuelas Übergangspräsidentin stellt Trump als Verteidiger des „Friedens“ dar

Von Andrea Lobo – 4. Mai 2026

Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez bei einem Treffen mit BP-Vorständen am 29. April 2026 [Photo: Ministerio de Comunicación de Venezuela]

Am 26. April wurde das festliche Dinner des Journalistenverbands White House Correspondents Association in Washington durch Schüsse unterbrochen. US-Präsident Trump wurde sofort in Sicherheit gebracht und der mutmaßliche Schütze verhaftet. Und Minuten später, noch bevor irgendein anderer Staatschef reagiert hatte, verurteilte die venezolanische Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez den Anschlag.

In einem Post auf X erklärte sie: „Wir sind gegen das versuchte Attentat auf Präsident Trump und seine Frau Melania und sprechen ihnen sowie den Teilnehmern des Korrespondenten-Dinner unsere besten Wünsche aus. Gewalt wird für uns, die das Banner des Friedens verteidigen, niemals eine Option sein.“

Dieses Statement zählt zu den groteskesten Äußerungen, die von einem führenden Politiker veröffentlicht wurden. Rodríguez bringt Trump mit „Frieden“ in Verbindung und beschönigt damit die zahllosen Kriegsverbrechen, die von Washington weltweit und auch direkt gegen Venezuela verübt werden.

Die World Socialist Web Site lehnt den mutmaßlichen Anschlag im Washington Hilton aus prinzipiellen Gründen ab. Politische Gewalt von Einzelpersonen stärkt lediglich die Kräfte der Reaktion. Doch diese Ablehnung erfordert nicht, noch erlaubt sie es, Trump oder den US-Imperialismus im Allgemeinen als Opfer darzustellen, losgelöst von seiner eigenen systemischen Gewalt.

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Demokraten ebnen den Weg für weitere 70 Milliarden Dollar für ICE und Grenzschutz

Von Jacob Crosse – 3. Mai 2026

Die parteiübergreifende Verabschiedung des Finanzierungsgesetzes für das Heimatschutzministerium (DHS) in der letzten Woche hat die monatelange Inszenierung der Demokraten als Gegner von Trumps Massenabschiebungen und seiner kriminellen Einwanderungspolitik als reine Farce entlarvt.

Das Finanzierungsgesetz, das der Senat im vergangenen Monat verabschiedete, hat das Repräsentantenhaus mit parteiübergreifender Mehrheit per Zuruf passiert. Mit seiner Unterzeichnung durch Trump am letzten Donnerstag endete der mit 76 Tagen längste Shutdown des DHS in der Geschichte der USA. Der Gesetzentwurf beinhaltet eine bewusste Trennung der Finanzierung von Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) und Zoll- und Grenzschutz (CBP), damit die Republikaner im Rahmen des Haushaltsausgleichsverfahrens eine massive neue Geldspritze für die Einwanderungspolizei durchsetzen können.

Aufgrund dieses Manövers können die Demokraten behaupten, sie hätten nicht direkt für die Finanzierung von ICE und CBP gestimmt, während gleichzeitig gewährleistet ist, dass diese Behörden ihr Geld trotzdem erhalten. Die Republikaner bereiten eine Geldspritze von 70 Milliarden Dollar über drei Jahre hinweg für die Einwanderungsbehörde vor. Dieses Verfahren ermöglicht es, Haushaltsgesetze mit einfacher Mehrheit im Senat zu verabschieden und so den Filibuster zu umgehen. Reuters berichtete, das Repräsentantenhaus habe den Rahmen für den Dreijahresplan mit 215 zu 211 ohne Unterstützung der Demokraten gebilligt, nachdem der Senat die Maßnahme schon am 23. April verabschiedet hatte.

Die Geldspritze in Höhe von 70 Milliarden Dollar kommt zu den mehr als 170 Milliarden Dollar hinzu, die bereits letztes Jahr im Rahmen von Trumps „One Big Beautiful Bill“ für die Einwanderungs-Gestapo, die Ausweitung der Konzentrationslager für Immigranten und die Militarisierung der Grenze bereitgestellt wurden. Im Kapitalismus ist angeblich kein Geld für Medicaid, Medicare, Lebensmittelmarken und andere grundlegende soziale Bedürfnisse vorhanden. Aber für faschistische Paramilitärs, Konzentrationslager und die Betreiber von Privatgefängnissen, die von massenhafter Unterdrückung profitieren, stehen offenbar fast eine Viertelbillion Dollar zur Verfügung.

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65. Tag im US-israelischen Angriffskrieg gegen Libanon und Iran – was am 3. Mai geschah

Von Peter F. Mayer – 3. Mai 2026

Während die Welt auf einen möglichen Waffenstillstand im US-Iran-Krieg wartet, zeigen die Ereignisse des 3. Mai 2026 ein klares Bild: Die asymmetrische Kriegsführung von Hisbollah und iranischen Kräften setzt der hochtechnisierten Übermacht Israels und der USA zu. Die Diplomatie wird mit einem 14-Punkte-Plan des Iran fortgesetzt. Nun wird auf eine Antwort der USA gewartet.

Hier die wichtigsten Entwicklungen des Tages, gestützt auf Berichte aus der Region. Laut Berichten von Fars News Agency äußerte Russland seine Bereitschaft, bei der Beendigung des US-israelischen Krieges gegen Iran zu helfen. Der russische Außenminister Sergey Lawrovw signalisierte, Moskau sei bereit, jede notwendige Unterstützung zu leisten, um den Frieden in Westasien wiederherzustellen. Gleichzeitig eskaliert Israel seine Operationen südlich des Litani-Flusses im Libanon – mit Vertreibungsanordnungen, Zerstörung christlicher Einrichtungen und hohen eigenen Verlusten durch billige Drohnen. Die „unbesiegbare“ Armee erweist sich einmal mehr als verwundbar.

Irans 14-Punke-Plan  

In ihrem Vorschlag hatten die USA einen zweimonatigen Waffenstillstand gefordert, doch der Iran betonte, dass die Streitfragen innerhalb von 30 Tagen gelöst werden müssten und dass der Schwerpunkt nicht mehr auf der Verlängerung des Waffenstillstands, sondern auf der „Beendigung des Krieges“ liegen sollte.

Themen wie Nichtangriffsgarantien, der Abzug der US-Streitkräfte aus den Gebieten rund um den Iran, die Aufhebung der Seeblockade, die Freigabe der eingefrorenen iranischen Vermögenswerte, die Zahlung von Entschädigungen, die Aufhebung der Sanktionen und die Beendigung des Krieges an allen Fronten, einschließlich des Libanon, sowie ein neuer Mechanismus für die Straße von Hormus gehören zu den Themen, die in dem 14-Punkte-Vorschlag des Iran enthalten sind.

Der Iran wartet auf eine offizielle Antwort der USA auf die Vorschläge. (Tasnim News)

Iran kontert die US-Blockade – Supertanker durchbricht die Linien

Iranische Kräfte demonstrieren weiterhin Entschlossenheit gegen die US-Seeblockade. Wie die iranische Nachrichtenagentur Fars News berichtet, hat ein riesiger iranischer Supertanker die US-Überwachungslinie durchbrochen und ist mit einer Rohölladung im Wert von 220 Millionen Dollar auf dem Weg in den Fernen Osten. Parallel dazu hat Pakistan offiziell Transitgüter über seine Häfen Gwadar, Karachi und Qasim für den Iran freigegeben – ein neuer Transitkorridor, der den südlichen iranischen Häfen als Ausweichmöglichkeit bei einer Seeblockade dient. Ein Militärberater des iranischen Revolutionsführers drohte zudem, die Straße von Hormus zum „Friedhof“ US-amerikanischer Flugzeugträger und Truppen zu machen. Die Islamische Revolutionsgarden (IRGC) warnte Washington: „Die Optionen der USA werden enger. Trump muss zwischen einer unmöglichen Militäroperation oder einem schlechten Deal wählen.“ (Fars News, aktuelle Berichte vom 3. Mai)

US-Präsident Donald Trump prüft derzeit Irans 14-Punkte-Friedensvorschlag, signalisiert aber Skepsis. Auf Truth Social schrieb er, er könne sich nicht vorstellen, dass Iran „einen [ausreichend hohen] Preis für das gezahlt hat, was es der Menschheit und der Welt in den letzten 47 Jahren angetan hat“. Gleichzeitig kündigte er weitere Truppenabzüge aus Deutschland an. Eine ABC/Washington-Post-Umfrage zeigt, dass zwei Drittel der [US-]Amerikaner die USA in die falsche Richtung steuern sehen – maßgeblich wegen der Ölkrise und steigender Benzinpreise durch den Iran-Krieg. Die vorläufige Opferbilanz der US-israelischen Angriffe auf den Iran liegt bei 3.375 Toten. (Middle East Eye-Live-Update und Al Jazeera-Berichterstattung).

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Die jüngste Krise in Mali droht zu einem regionalen Krieg zu eskalieren

Von Andrew Korybko – 3. Mai 2026

Es besteht ein wachsendes Risiko, dass der Tuareg-Separatismus erneut von Mali auf Niger übergreift und die Gewalt radikaler Islamisten sich sowohl dort als auch in Burkina Faso weiter ausbreitet, Das könnte direkte militärische Interventionen Algeriens, Nigerias, Frankreichs sowie der USA nach sich ziehen.

Es ist eine Woche her, dass der jüngste Aufstand in Mali durch die als terroristisch eingestuften Tuareg-Separatisten der „Azawad Liberation Front“ (FLA) und die radikalen Islamisten der „Jamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin“ (JNIM) die jüngste Krise in Mali ausgelöst hat. Es wird vermutet, dass diese Kräfte in unterschiedlichem Maße von Frankreich, Algerien, der Ukraine und den USA unterstützt werden, um die Ziele zu verfolgen, die hier beschrieben wurde. Sollte sich die Krise verschärfen, könnte sie auf die Mitglieder der Allianz der Sahelstaaten (AES), Burkina Faso und Niger, übergreifen und so zu einem regionalen Krieg führen.

Niger erlebte in der Vergangenheit mehrere Tuareg-Aufstände, die sich in Zukunft wiederholen könnten, wenn die dortigen Verbündeten der FLA durch deren Erfolg in Mali ermutigt werden. JNIM ist ebenfalls in Niger aktiv, ebenso wie die Islamische Staat-Sahel-Provinz (ISSP), die im Südosten Malis präsent ist. Beide rivalisierenden, als Terroristen eingestuften radikalen Islamisten stießen kürzlich ebenfalls in Niger aufeinander. Die regionale Sicherheitslage wird noch weiter verkompliziert, da die JNIM den Nordosten von Burkina Faso beherrscht, sodass alle drei AES-Verbündeten von der bereits bestehenden regionalen Krise betroffen sind.

Diese Krise könnte zu einem regionalen Krieg eskalieren, wenn es in Niger zu einem weiteren Tuareg-Aufstand kommt, JNIM und/oder ISSP ihre Präsenz dort ausweiten, um die nahegelegene Hauptstadt Niamey zu bedrohen, und/oder JNIM, ermutigt durch ihrenErfolg in Mali, tiefer in Burkina Faso vordringt. Mali gilt als das Land mit dem stärksten Militär innerhalb der AES, doch die Aufstandsbekämpfung bleibt aus den hier aufgeführten Gründen eine Herausforderung, die für seine Verbündeten wahrscheinlich noch akuter ist, obwohl auch die Wagner-Gruppe und das Afrika-Korps ihnen helfen.

Jedes Szenario eines westafrikanischen Krieges, das sich aus der jüngsten Mali-Krise ergibt, würde sich wahrscheinlich nicht auf diese drei Länder beschränken, sondern könnte möglicherweise eine direkte militärische Intervention Frankreichs, der USA, Algeriens und sogar Nigerias nach sich ziehen. In umgekehrter Reihenfolge befürchtet Nigeria eine Übernahme oder zumindest eine Destabilisierung durch Terroristen in Niger, was auch die Terroristen im Norden Nigerias stärken könnte, wodurch der mehrheitlich christliche Süden noch stärker bedroht würde, als er es ohnehin schon ist, und/oder das Land de facto geteilt würde.

Was Algerien betrifft, so unterstützt es zwar Malis Tuareg-Separatisten aus den hier aufgeführten machiavellistischen Gründen, möchte aber weder die Entstehung eines unabhängigen Tuareg-Staates in Mali sowie noch weniger eines transnationalen Staates, der sich bis nach Niger erstreckt, da dies die Tuareg-Separatisten in Algerien ermutigen könnte. Die USA und Frankreich hingegen haben eine lange Tradition darin, regionale Terrorismusängste auszunutzen, um militärische Interventionen in Drittländern wie Libyen, Mali und Syrien zu rechtfertigen. Alle vier könnten daher in jeden westafrikanischen Krieg eingreifen.

Die USA versuchten Berichten zufolge, vor dem jüngsten Aufstand, der zur Krise eskalierte, ein militärisches Abkommen mit Mali auszuhandeln. Das Angebot bestand darin, dass US-Drohnen aus der benachbarten Elfenbeinküste bzw. dem nahegelegenen Ghana die regierende Junta durch Flüge über den Luftraum des Landes bei der Aufklärung, Überwachung und Aufklärung unterstützen sollten. Diese US-Stützpunkte könnten bald für offensive Operationen genutzt werden und möglicherweise sogar Kampfflugzeuge aufnehmen. Ebenso könnte Frankreich jederzeit zu seinen früheren Stützpunkten in der Region zurückkehren, auch wenn diese unter lokaler Kontrolle bleiben würden.

Die Voraussetzungen für eine Westafrika-Krise sind somit gegeben; diese könnte sich zu einem westafrikanischen Krieg ausweiten, in den Frankreich, die USA, Algerien sowie Nigeria direkt eingreifen könnten. Der Präzedenzfall ist die Krise in Mali von 2012–2013, als islamistische Radikale einen früheren Tuareg-Aufstand für ihre Zwecke missbrauchten, bevor Frankreich sie vertrieb. Die Geschichte wiederholt sich vielleicht nicht, aber dieses Mal könnte sie sich reimen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Nicht mehr sagen, was ist – alles wegen euch, ihr Systemfeinde!

Von Robert Lapuente – 3. Mai 2026

Verlagshaus, Spiegel, Hamburg
User:Wmeinhart – Wolfgang Meinhart, HamburgGFDL 1.2, via Wikimedia Commons

Der Leiter des Spiegel-Hauptstadtbüros legt ein Bekenntnis ab: So überkritisch dürfe man die Politik journalistisch nicht mehr begleiten. Denn das würde Systemfeinden nutzen. So ähnlich rechtfertigen sich Journalisten in allen Totalitarismen.

Sagen, was ist! Das war das Motto von Rudolf Augstein, seinerzeit Gründer des größten deutschen Magazins namens Spiegel. [Galt aber bereits für den »Spiegel« unter Augstein in der redaktionellen Praxis, wie bekannt, nur selektiv! Anm. der GG-Red.]. Dass es der Wahrheitsfindung dient, wenn man sagt, was ist, hatte schon vor Augstein und seinem Spiegel Anklang gefunden : denn bereits Rosa Luxemburg empfand es als »revolutionärste Tat«, wenn man sagt, was ist – sie wiederum bediente sich beim SPD-Gründer Ferdinand Lasalle, der »alle große politische Aktion« mit dem Aussprechen, was ist, verband. Ja, mehr noch, für ihn begann »alle politische Kleingeisterei« mit »dem Verschweigen und Bemänteln dessen, was ist«.

Wie sehr sich Rudolf Augstein durch diese Koryphäen deutscher Politikgeschichte beeinflussen ließ, als er sein Motto formulierte, ist mindestens umstritten. Doch das Credo stand dem Magazin, ja überhaupt aller journalistischen Arbeit, gut an. Sagen, was ist! ist ein Bekenntnis zur Wahrhaftigkeit. Dem Journalisten steht es nicht an, die Wirklichkeit zu formen, ihr seinen Stempel aufzudrücken – auch wenn er es freilich unbewusst immer tut, schon deswegen, weil seine bloße Existenz die Dynamiken von Ereignissen verändert. Gleichwohl sollte er seine Einflussnahme auf ein Minimum reduzieren. Das ist die Haltung, die Journalismus benötigt – dezidierte Meinungsbeiträge sind hiervon ausgeschlossen. Beim Spiegel sieht man all das heute ganz offenbar anders.

Sagen, was sein soll

Augsteins Magazin hat in den letzten Jahren eine Transformation durchlitten – oder sagen wir lieber: die Leser und Abonnenten, so es noch gelesen und abonniert haben, haben schwere Zeiten durchgemacht. Ihr Magazin hat sich selten damit begnügt, das zu sagen, was auch wirklich ist. Sicher, da war die Episode Claas Relotius – ein Journalist, der sich Geschichten ersann. Und da er wusste, was sein Publikum und seine Kollegen, die deutsche Öffentlichkeit an sich, gerne liest, kam er zu großen Ehren: 2013, 2015, 2016 und 2018 gewann er den Deutschen Reporterpreis für seine Reportagen. Ein beschwingter Wortkünstler war Relotius nie. Aber er traf den Zeitgeist, man lag ihm zu Füßen, er kannte den Spirit – vereinfacht formuliert: Relotius schrieb aus der Warte des anständigen Justemilieu gegen jene an, die man als »kritische Masse« betrachtete – später würde man sie als »Querdenker«, »Schwurbler« oder »rechtsoffen« bezeichnen.

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