Truppen in die Ukraine? Welches Spiel Frankreich in Moldawien, Armenien und Georgien spielt

Von Thomas Röwer – 12. März 2024

Der französische Präsident Macron hat die Entsendung von Bodentruppen in die Ukraine ins Spiel gebracht. Gleichzeitig spielt Frankreich in Moldawien, Armenien und Georgien ein sehr aktives, gegen Russland gerichtetes Spiel.

Der französische Präsident hat ein Tabu gebrochen, als er am 26. Februar die Entsendung von europäischen Bodentruppen in die Ukraine nicht mehr ausgeschlossen und damit ins Spiel gebracht hat. Die Diskussion darüber ist seitdem eines der beherrschenden Themen in der europäischen Politik, wobei eine große Mehrheit der europäischen Staaten das bisher ablehnt. Im Zuge dieser Diskussion wurde von offizieller polnischer Seite übrigens zugegeben, dass einige Staaten des Westens bereits Truppen in der Ukraine haben, was deutsche Medien übrigens nicht berichtenswert finden.

Vor dem Hintergrund dieser Diskussion und des damit zusammenhängenden Streites über die Lieferung von Taurus-Raketen an die Ukraine gehen wichtige Ereignisse unter.

Dies wird ein … sehr lange[r] Artikel, weil ich über mehrere Länder mit ihren Hintergründen berichten muss, damit verständlich wird, welches Spiel Frankreich derzeit gegen Russland spielt.

[Hier weiterlesen]

Regierungssprecher Hebestreit: „Wir sind in diesem Raum heute ja unter uns, aber…“

Von Florian Warweg – 12. März 2024

Am 11. März kam es, gerade durch die Nichtanwesenheit der NachDenkSeiten, zu einer bemerkenswerten Intervention von Regierungssprecher Steffen Hebestreit. Ein Deutsche-Welle-Journalist fragte nach der Finanzierung der „ausländischen Legion“ (die Fremdenlegion der Ukraine, korrekt „Internationale Legion“) durch die Bundesregierung. Darauf erklärte Hebestreit, man sei zwar gerade unter sich, „aber ab und an sind auch noch andere hier im Raum“. Da solche Fragen immer Berichterstattung nach sich zögen, rief er die anwesenden Journalisten mit Verweis auf „russische Desinformationserfahrungen“ dazu auf, ihre Fragen doch bitte zukünftig „sehr vorsichtig zu formulieren“. Ein eklatanter Versuch der Einflussnahme auf das Frageverhalten von Journalisten in der BPK.

[Hier weiterlesen]

Chronologie der deutschen Waffenlieferungen in die Ukraine – wie sich der Debattenraum verschoben hat

Von Jens Berger – 12. März 2024

Vor etwas mehr als zwei Jahren überschritten russische Truppen die Grenze der Ukraine. Seit dieser Zeit wird Deutschland durch Waffenlieferungen immer tiefer in diesen Krieg gezogen. Was vor kurzem noch als undenkbar galt, ist heute politisch-medialer Konsens. Zuerst ging es generell um Waffenlieferungen, dann folgten die Debatten über schwere Waffen, über Kampfpanzer und nun über Marschflugkörper. Wer hätte vor zwei Jahren ernsthaft gedacht, dass Deutschland der Ukraine womöglich Marschflugkörper liefert, mit denen der Kreml erreichbar ist? Die Öffentlichkeit wurde Stück für Stück an diese Eskalation herangeführt. Der Debattenraum hat sich immer weiter verschoben und heute sind ehemalige Extrempositionen mehrheitsfähig.

[Hier weiterlesen]

Die drakonische (Straf-)Verfolgung von Julian Assange

Von Mary Kostakidis- 12. März 2024

Kurz vor Schluss der zweitägigen Berufungsanhörung des WikiLeaks-Herausgebers am High Court von England und Wales gegen seine Auslieferung tat sich in den Plänen, ihn in ein Flugzeug in die USA zu verfrachten, ein gähnendes Loch auf, so die australische Journalistin Mary Kostakidis. Schon am 23. Februar erschien auf Pearls and Irritations dieser interessante und detaillierte Artikel in englischer Sprache. Am 4. März erschien auf Consortium News eine überarbeitete und aktualisierte Fassung. Da der Inhalt die einzelnen Punkte der letzten Assange-Anhörung in London herausragend gut wiedergibt, veröffentlichen die NachDenkSeiten mit Genehmigung von und Dank an Mary Kostakidis, John Menadue und Consortium News die folgende Übersetzung von Moritz Müller.

[Hier weiterlesen]

NATO-Pläne für Truppeneinsatz in der Ukraine schaffen Gefahr von Atomkrieg

Von Andre Damon – 11. März 2024

Am Sonntag veröffentlichte die New York Times einen Artikel von David Sanger mit dem Titel „Bidens Armageddon-Moment: Als eine nukleare Detonation in der Ukraine möglich schien“. Der Artikel dokumentiert ausführliche und weitreichende Diskussionen, die Ende 2022 innerhalb der Biden-Regierung über die Möglichkeit geführt wurden, dass sich der Krieg mit Russland in einen atomaren Konflikt verwandelt.

Wie Sanger berichtet, habe die Central Intelligence Agency Biden mitgeteilt, dass „in einem außerordentlichen Szenario, in dem die ukrainischen Streitkräfte die russischen Verteidigungslinien dezimierten und es so aussah, als ob sie versuchen würden, die Krim zurückzuerobern – eine Möglichkeit, die in jenem Herbst vorstellbar schien –, die Wahrscheinlichkeit eines nuklearen Einsatzes auf 50 Prozent oder sogar noch höher steigen könnte“.

Er berichtet, dass die Biden-Regierung „dringende Vorbereitungen… für eine US-Reaktion“ auf eine Nukleardetonation der russischen Seite traf.

Ein Artikel, der von Sanger – einem langjährigen Sprachrohr des US-Militärs und der Geheimdienste – verfasst wurde, ist weniger ein Nachrichtenartikel als eine kontrollierte Veröffentlichung von Informationen durch die US-Geheimdienste.

Ziel des Artikels ist es, die Öffentlichkeit an die Möglichkeit eines Atomkriegs zu gewöhnen. Es handelt sich auch um einen Versuch, Russland die Schuld in die Schuhe zu schieben, obwohl es in Wirklichkeit die USA und die NATO-Mächte sind, die sich an einer massiven Eskalation des Krieges beteiligen, die eine mögliche direkte Entsendung von Nato-Truppen in die Ukraine beinhaltet.

In den vergangenen zwei Wochen haben vier NATO-Länder – Frankreich, Kanada, Litauen und die Niederlande – ihre Bereitschaft erklärt, NATO-Truppen zum Kampf gegen Russland in die Ukraine zu entsenden. Am Samstag schloss sich ihnen Polen an, dessen Außenminister Radek Sikorski erklärte, die Entsendung von Truppen in die Ukraine sei „nicht undenkbar“.

Flankiert wurden diese Statements von der Veröffentlichung einer Aufnahme von Angehörigen der Bundeswehr, die über die Möglichkeit diskutierten, deutsche Langstreckenwaffen für Angriffe auf russisches Territorium einzusetzen.

Unmittelbarer Hintergrund dieser Maßnahmen ist eine Reihe katastrophaler Rückschläge für die ukrainischen Kriegsanstrengungen, die die Aussicht auf einen völligen Zusammenbruch der ukrainischen Armee ohne ein direktes Eingreifen der Nato erhöht haben.

Ein kürzlich in der Zeitschrift Foreign Affairs erschienener Artikel warnt: „Ohne eine Aufstockung der westlichen Militärhilfe und eine grundlegende Änderung der Strategie Kiews wird sich die Lage der Ukraine auf dem Schlachtfeld weiter verschlechtern, bis sie einen Wendepunkt erreicht, möglicherweise schon in diesem Sommer.“ Mit anderen Worten: Die NATO hat nur ein Zeitfenster von wenigen Monaten, um einen jähen Zusammenbruch des ukrainischen Militärs zu verhindern.

[Hier weiterlesen]

Bidens Botschaft an die Nation: Macht euch bereit für den Dritten Weltkrieg!

Von David North – 10. März 2024

Am Donnerstag hielt US-Präsident Joe Biden seine Rede zur Lage der Nation vor den versammelten Mitgliedern des US-Senats und des Repräsentantenhauses. In seinen Ausführungen, die aus einer Reihe wilder Behauptungen bestanden, konzentrierte sich Biden auf eine oberste Priorität: die Eskalation des Krieges mit Russland.

Eklatante Widersprüche durchzogen Bidens Rede, die nicht einmal den Hauch eines rationalen Arguments enthielt. „Seit Präsident Lincoln und dem Bürgerkrieg“, sagte er zu Beginn, „gab es keine derartigen Angriffe auf Freiheit und Demokratie im eigenen Land wie heute.“ Später erklärte er dann: „Unsere Zukunft ist heller… wir können mit Stolz sagen, dass die Lage unserer Union stark ist und immer stärker wird.“

„Mein Vorgänger und einige von Ihnen, die hier heute anwesend sind, versuchen, die Wahrheit über den 6. Januar zu begraben“, sagte er. Er bezog sich dabei auf Trumps Versuch, Bidens eigene Wahl vor etwas mehr als drei Jahren zu kippen, und auf die Kongressabgeordneten der Republikanischen Partei, die Trumps Versuch unterstützten. Später appellierte er an seine, wie er sie nannte, „republikanischen Freunde“, sich ihm bei der Verabschiedung eines Gesetzes anzuschließen, das den weitreichendsten Angriff auf Einwanderer und das Recht auf Asyl in der Geschichte der USA darstellen würde.

Bidens Darstellung der sozialen und wirtschaftlichen Lage in den Vereinigten Staaten war ein Hirngespinst. „Die Löhne gehen weiter rauf, die Inflation weiter nach unten“, sagte er, während Millionen von Menschen genau das Gegenteil erleben. „Die Pandemie hat unser Leben nicht mehr im Griff“, erklärte er. Im Gegensatz zu Bidens Märchen haben die USA gerade ihre zweitschlimmste Welle von Masseninfektionen, getrieben von der JN.1-Variante, erlebt. Über 100 Millionen Amerikaner wurden neu infiziert und Zehntausende getötet, während der Anteil der Long-Covid-Erkrankungen auf neue Rekordwerte kletterte.

Im Mittelpunkt von Bidens Rede stand jedoch ein wilder Aufruf zum Krieg. Gleich in der ersten Minute stürzte er sich in eine Schimpftirade gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin, die nur einem Zweck dienen konnte: die Gefahr einer unkontrollierten Verschärfung des Krieges zu vergrößern. Biden machte keinerlei Anstalten, die Bereitschaft zu einer Verhandlungslösung anzuzeigen, sondern machte vielmehr deutlich, dass der Krieg weitergehen und noch blutiger werden wird.

In zynischer und grotesk verzerrter Weise spielte Biden auf die Rede zur Lage der Nation an, die Präsident Franklin Delano Roosevelt am Vorabend des Eintritts der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg im Januar 1941 hielt. Biden rief, er wolle „diesen Kongress aufwecken“, d. h. ihn dazu drängen, weitere 60 Milliarden Dollar zur Finanzierung des Ukraine-Krieges bereitzustellen.

„In Übersee ist der russische Präsident Putin auf dem Vormarsch“, erklärte Biden. „Er marschierte in der Ukraine ein und stiftet Chaos in ganz Europa und darüber hinaus“. Weitere Hilfen in Höhe von zig Milliarden Dollar würden, so Biden, „von jenen blockiert, die wollen, dass wir unsere Führungsrolle in der Welt aufgeben“. In direkter Ansprache an Putin rief Biden: „Wir werden nicht weglaufen. Wir werden uns nicht beugen. Ich werde mich nicht beugen.“

Die Behauptung, der russische Putin sei in ganz Europa und darüber hinaus auf dem Vormarsch, ist eine Erfindung. Sämtliche Kämpfe fanden in einem Umkreis von rund 150 Kilometern um die russische Grenze statt. Im Verlauf des Konflikts in den letzten zwei Jahren hat die Regierung Biden den Krieg unerbittlich eskaliert. In den letzten Wochen diskutierten die NATO-Mächte offen über die Notwendigkeit, eigene Truppen in den Kampf zu entsenden. Dies würde eine großen, uneingeschränkten Krieg mit Russland bedeuten.

Der Krieg gegen Russland ist Teil eines globalen Krieges, der sich immer mehr ausweitet und zu dem auch der eskalierende Konflikt mit China (Biden: „Wir sind in einer besseren Position, den Konflikt des 21. Jahrhunderts gegen China zu gewinnen, als jeder andere.“) und der Völkermord in Gaza gehören.

[Hier weiterlesen]

Baerbock und Cameron planen Eskalation des Kriegs gegen Russland

Von Robert Stevens – 10. März 2024

Am Donnerstag traf sich der britische Außenminister David Cameron in Berlin mit seiner deutschen Amtskollegin Annalena Baerbock, um über eine massive Ausweitung der Militärhilfe an die Ukraine zu diskutieren.

Nur wenige Tage zuvor hatte der russische Staatssender RT einen Mitschnitt von Gesprächen zwischen hohen deutschen Generälen vom 19. Februar veröffentlicht, bei dem es um die Frage ging, wie Langstreckenmarschflugkörper des Typ „Taurus“ für Angriffe auf russische Ziele an die Ukraine geliefert werden können. Ein Vorschlag war, Deutschland könne die Marschflugkörper an Großbritannien liefern, das bereits „Leute vor Ort“ habe. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte bereits früher erklärt, Großbritannien habe Truppen in der Ukraine stationiert.

Die Veröffentlichung des Leaks war eine Reaktion Russlands auf die öffentliche Ankündigung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, die NATO-Mächte müssten im Kampf gegen Russland nicht nur weitere Lieferungen von Raketen erwägen, sondern auch Bodentruppen in die Ukraine schicken.

Scholz hat sich öffentlich gegen Macrons Forderung nach der Entsendung von Bodentruppen und zuvor gegen die Lieferung von Taurus-Raketen ausgesprochen. Er erklärte, bei der Ausrichtung der Marschflugkörper auf bestimmte Ziele sei die Beteiligung deutscher Soldaten erforderlich, was einen direkten Konflikt mit Russland bedeuten würde. Die Taurus-Raketen haben eine Reichweite von 500 Kilometern und könnten von der nordöstlichen Grenze der Ukraine sogar Moskau erreichen.

Macron erklärte daraufhin, eindeutig an Scholz gerichtet, er stehe voll hinter seiner Forderung nach NATO-Bodentruppen und fuhr fort: „Wir nähern uns einem Moment in Europa, in dem es angebracht ist, nicht feige zu sein.“

Die britischen Medien veröffentlichen eine Flutwelle von Artikeln, in denen sie Deutschland und Scholz verurteilen, weil er die Anwesenheit britischer Truppen in der Ukraine bestätigt hat und sich weigert, Taurus-Raketen zu schicken.

[Hier weiterlesen]

Russland muss den westlichen Mangel an Angst endlich beseitigen

Von Dmitri Trenin -10. März 2024

Es ist ein Paradox, aber die Realität: Die Politiker wissen, dass der amtierende US-Präsident Joe Biden mehr und mehr der Senilität verfällt und dass Donald Trumps künftige Beschlüsse oft irrational sein werden, dass aber Wladimir Putin ein absolut rationaler und auch besonnener Geist ist und dass, genau deshalb, der Einsatz von Nuklearwaffen von russischer Seite nicht erfolgen wird. Mit der Folge, dass der Westen im Krieg in der Ukraine immer intensiver mitmischelt, nicht nur mit Geld und immer gefährlicheren und wirksameren Waffen, sondern mehr und mehr auch mit direktem Know-how und dem Einsatz von eigenen Leuten – in „zivilen Klamotten“, wie das abgehörte Gespräch der deutschen Generäle verraten hat. In einem Artikel in der russischen Zeitschrift „Profil“ plädiert der bekannte russische Politologe Dmitri Trenin deshalb dafür, sich so zu verhalten, dass der Westen wirklich wieder Angst haben muss, wenn er sich weiterhin so benimmt. (cm)

Der Zusammenbruch der Hoffnungen auf einen ukrainischen Sieg über Russland hat bei Amerikanern und Europäern nicht zur Bereitschaft geführt, sich aus diesem Konflikt „wegzuschleichen“. Stattdessen gibt es eine neue Welle der Mobilisierung der Eliten des kollektiven Westens zur Konfrontation mit Moskau. Die Hoffnungen wurden ersetzt durch Befürchtungen. Was passiert, wenn Russland in der Ukraine einen Sieg erringt und Trump die amerikanische Wahl gewinnt? Das ist die große Angst der herrschenden liberalen Spitze des atlantischen Blocks von 2024.

Die Reaktion der westlichen Eliten ist nur äußerlich nervös. In Wirklichkeit ist sie systemisch. In Europa wurde eine mächtige Kampagne zur Vorbereitung auf einen Krieg mit Russland gestartet. Trotz offensichtlicher Ungereimtheiten und offensichtlicher Unlogik wird die These, dass „Putin nicht in der Ukraine Halt machen wird“ und dass die NATO-Länder – das Baltikum und Polen – bald von einer russischen Invasion bedroht sein werden, hartnäckig und nicht ohne Erfolg vertreten. Gleichzeitig wird die Frage aufgeworfen: Was, wenn Trump den neuen „Opfern der russischen Aggression“ nicht hilft? Und selbst wenn eine solche Aggression in den kommenden Jahren nicht stattfindet, soll, wie gesagt wird, die Wahrscheinlichkeit eines NATO-Krieges mit Russland mittelfristig steigen.

Die strategische Antwort auf die so formulierte Herausforderung wurde bereits genannt. Es handelt sich um eine dringende Wiederherstellung der Schlagkraft, der Kampffähigkeit und der Kampfbereitschaft der europäischen Armeen, um die Umstellung der militärisch-industriellen Komplexe der NATO-Länder auf Kriegsmodus, um eine weitere militärische Integration innerhalb des Blocks und um eine immer engere Verknüpfung von NATO und EU. Eine Reserveoption – für den Fall, dass die USA in die Isolation gehen – ist die Ausarbeitung von Möglichkeiten zur Bildung eines europäischen Militärbündnisses mit einer nuklearen Komponente. Für die Führung bietet sich Paris als Garant an.

Diese Angelegenheit ist nicht auf Rhetorik beschränkt. Die größten NATO-Manöver seit dem Kalten Krieg (Steadfast Defender“) wurden natürlich im Voraus geplant, aber sie entsprechen dem aktuellen Zeitpunkt. Aufgabe der viermonatigen Manöver ist es nicht nur, das Vorgehen der Streitkräfte der Allianz im Falle eines großen europäischen Krieges zu üben, sondern auch zu versuchen, Russland einzuschüchtern, unter anderem durch die Simulation von Atomschlägen tief in seinem Hoheitsgebiet. Taktisch gesehen sollen die Übungen auch dazu dienen, einige russische Kräfte und Mittel von der Erfüllung ihrer Aufgaben im Rahmen der Strategischen Verteidigungsstreitkräfte abzulenken.

[Hier weiterlesen]

Die nächste Front? Armenien wendet sich dem Westen zu

Von Thomas Röper – 10. März 2024

Unbemerkt von den Medien wendet sich Armenien, das formell ein Verbündeter Russlands ist, dem Westen zu. Hier wird der nächste Konfliktherd geschürt.

Armenien schafft es eigentlich nur dann in die deutschen Medien, wenn es Probleme rund um Bergkarabach gibt. Wahrscheinlich können die meisten Deutschen Armenien nicht einmal auf Anhieb auf der Landkarte finden.

Dabei ist Armenien ein geopolitisch wichtiges Land, denn es ist als christliches Land im Kaukasus von islamischen Ländern umgeben und hat eine traditionell enge Verbindung zu Russland, das den Armeniern beigestanden hat, als das Osmanische Reich gegen die Armenier vorgegangen ist, was von vielen als Völkermord an den Armeniern eingestuft wird.

2018 brachte die „Samtene Revolution“, eine von vielen in der Reihe der pro-westlichen Farbrevolutionen, Nikol Paschinjan an die Macht. Paschinjan ist pro-westlich, geht aber intelligenter vor als beispielsweise die moldawische Präsidentin Sandu. Er hat seinen pro-westlichen Kurs langsam vorbereitet, weil ein offen anti-russischer Kurs in Armenien zunächst sehr unpopulär gewesen wäre.

Bergkarabach und die OVKS

Der Krieg um Bergkarabach im Jahr 2020 kam Paschinjan wie gerufen, denn Armenien ist Mitglied der OVKS, das ist ein Verteidigungsbündnis, in dem sich die GUS-Staaten Armenien, Kasachstan, Kirgisistan, Russland, Tadschikistan und Weißrussland zusammengeschlossen haben. Die armenische Regierung beschuldigte die OVKS, ihre Bündnisverpflichtungen nicht erfüllt zu haben, weil die OVKS Armenien bei dem Konflikt mit Aserbeidschan um Bergkarabach nicht zur Hilfe gekommen ist.

Allerdings sind die armenischen Vorwürfe an OVKS haltlos, denn Aserbeidschan hat nicht Armenien angegriffen, sondern die zu dem Zeitpunkt von Armeniern bewohnte Republik Bergkarabach, die aber von keinem Staat der Welt – auch von Armenien nicht – anerkannt wurde. Es lag also kein Angriff gegen Armenien vor, bei dem die OVKS zu Beistand verpflichtet gewesen wäre.

Danach hat der armenische Premierminister Paschinjan bei Gesprächen mit der EU Ende 2022 ohne Not anerkannt, dass Bergkarabach ein Teil Aserbeidschans ist, obwohl nach dem von Putin 2020 ausgehandelten Waffenstillstand noch große Teile Bergkarabachs von Armeniern bewohnt waren. Nach Paschinjans Anerkennung war klar, dass Aserbeidschan das Problem, das auf seinem offiziellen Staatsgebiet eine abtrünnige und bewaffnete Region bestand, irgendwann lösen würde, was im September 2023 dann auch passiert ist, als Aserbeidschan in Bergkarabach einmarschiert ist und die Existenz der nicht-anerkannten Republik Bergkarabach beendet hat.

Die armenische Regierung von Paschinjan hat diese Entwicklung mit ihrer Anerkennung, dass Bergkarabach ein Teil Aserbeidschans ist, selbst provoziert. Aber sie gibt die Schuld an den Entwicklungen Russland, das damit nichts zu tun hat, sondern auf eine Verhandlungslösung gesetzt hat und von Paschinjans Anerkennung komplett überrumpelt wurde.

[Hier weiterlesen]

Soldaten in die Ukraine: Die Kriegsgefahr wird auch für Deutschland realer

Von Thomas Röper – 9. März 2024

In den letzten Wochen gab es einige Meldungen, die zeigen, dass zumindest einige europäische Regierungschefs das Risiko eines direkten Krieges mit Russland eingehen wollen. Damit kommen wir vom Szenario des Kampfes der USA gegen Russland bis zum letzten Ukraine zum Kampf gegen Russland bis zum letzten Europäer.

Auf eines muss man vorweg zum Verständnis hinweisen: Die USA halten sich bei zwei wichtigen Diskussionen auffallend zurück. Die Entsendung von US-Bodentruppen in die Ukraine wird kategorisch ausgeschlossen, während immer mehr europäische Regierungschefs sich offen für die Entsendung ihrer Soldaten in die Ukraine zeigen. Und auch die Lieferung von US-Marschflugkörpern an Kiew steht in Washington nicht auf der Tagesordnung, während Großbritannien und Frankreich ihre weitgehend baugleichen Marschflugkörper Storm Shadow und SCALP bereits an die Ukraine geliefert haben und während der Westen nun Druck auf Deutschland aufbaut, endlich die Taurus-Marschflugkörper an Kiew zu liefern.

Die USA halten sich raus

Beide Themen, die Entsendung von Bodentruppen und die Lieferung von Marschflugkörpern in die Ukraine, können von Russland – übrigens völlig zu Recht – als Beteiligung der entsprechenden Länder am Krieg gegen Russland aufgefasst werden und zu entsprechenden Reaktionen führen. Aus diesem Grund halten die USA sich zurück, denn an einem (Atom-)Krieg gegen Russland ist man in den USA nicht interessiert.

Aus diesem Grund wird auch ausdrücklich gesagt, dass es sich bei einer möglichen Entsendung von Bodentruppen in die Ukraine um bilaterale Vereinbarungen der einzelnen Staaten mit Kiew handeln würde. Das allerdings würde bedeuten, dass der NATO-Verteidigungsfall nicht greifen würde, wenn Russland danach als Reaktion darauf ein Land bombardiert, das Soldaten in die Ukraine geschickt hat.

Man muss das aus der Sicht Washingtons sehen, nicht aus der Sicht eines Europäers. Die USA führen seit über hundert Jahren fast ununterbrochen irgendwo auf der Welt Kriege. Für sie sind Vietnam, der Irak, die Ukraine und auch Frankreich und Deutschland weit weg. Wenn da Krieg ist, betrifft das die USA nicht selbst.

In Russland wurde immer gesagt, dass die USA in der Ukraine einen Kampf gegen Russland bis zum letzten Ukrainer führen. Das hat sich inzwischen bestätigt, wie die Meldungen aus der Ukraine über den Mangel an Soldaten zeigen. Die Ukraine ist bereits ausgeblutet und auch weitere Waffenlieferungen aus dem Westen werden am Kriegsverlauf nichts mehr ändern, weil die Ukraine nicht mehr genug Soldaten hat, um die Waffen einzusetzen. Von ausgebildeten Soldaten gar nicht zu reden.

Da es den USA nicht gelungen ist, Russland mit Hilfe der Ukraine zu schwächen, ihm eine „strategische Niederlage“ beizubringen, wie das Ziel des Krieges gegen Russland in Washington formuliert wird, scheinen die USA nun darauf zu setzen, weitere europäische Länder in den Krieg gegen Russland zu schicken. Wenn der Kampf gegen Russland bis zum letzten Ukrainer nicht ausgereicht hat, kann man ja auch weiterkämpfen, indem man nun bis zum letzten Polen, Balten, Tschechen, Deutschen, Franzosen und so weiter gegen Russland kämpft.

[Hier weiterlesen]