Wie wahrscheinlich ist es, dass Russland die Drohnenproduktion der EU ins Visier nimmt?

Von Andrew Korybko – 17. April 2026

Der für seine Vorsicht bekannte russische Präsident Putin wird keinen Dritten Weltkrieg wegen ausländischer Drohnenhersteller riskieren, wo er dies doch auch nicht getan hat, als die Ukraine im vergangenen Sommer mit westlicher Unterstützung die nukleare Triade seines Landes angegriffen hat.

Der ehemalige russische Präsident und amtierende stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, warnte am X, dass „die Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums wörtlich zu nehmen ist: Die Liste der europäischen Einrichtungen, die Drohnen und andere Ausrüstung herstellen, ist eine Liste potenzieller Ziele für die russischen Streitkräfte. Wann Angriffe Realität werden, hängt davon ab, was als Nächstes kommt. Schlaft gut, europäische Partner!“ Dies folgt auf die Veröffentlichung der Adressen ausländischer Unternehmen, die Drohnen für die Ukraine produzieren, durch das Verteidigungsministerium.

Seinen Worten zufolge tat es dies, weil „die europäische Öffentlichkeit nicht nur die zugrunde liegenden Ursachen der Bedrohungen für ihre Sicherheit klar verstehen, sondern auch die Adressen sowie den Standort von ‚ukrainischen‘ und ‚gemeinsamen‘ Unternehmen kennen sollte, die in ihren Ländern UAVs und deren Komponenten für die Ukraine herstellen.“ Die Andeutung lautet, dass Antikriegsaktivisten diese Einrichtungen ins Visier nehmen sollten, so wie sie zuvor einen der israelischen Rüstungspartner Tschechiens in Brand gesteckt haben. Es ist auch möglich, dass Russland zu diesem Zweck Saboteure rekrutieren könnte.

Dennoch könnten infolge der Veröffentlichung der Adressen dieser Drohnenhersteller, die Andeutung, dass Antikriegsaktivisten sie ins Visier nehmen sollten, und Medwedews Bemühungen, die Welt auf all dies aufmerksam zu machen, nun die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt werden, um jeden Sabotageversuch zu vereiteln. Diese Beobachtung wiederum verlieh Medwedews damit zusammenhängender Andeutung bei einigen Glaubwürdigkeit, dass es sich dabei tatsächlich um „eine Liste potenzieller Ziele für die russischen Streitkräfte“ handele und nicht um Sabotageziele. Die Andeutung lautet, dass sie daher bald Angriffe gegen diese starten könnten.

So sehr sich viele Anhänger Russlands im In- und Ausland das auch wünschen mögen, würde dies den Dritten Weltkrieg riskieren, und der typischerweise (manche glauben übermäßig) vorsichtige Putin wird dies wahrscheinlich nicht wegen ausländischer Drohnenhersteller tun, die die Ukraine beliefern, wenn er es nicht einmal wegen der „Operation Spider Web“ getan hat. Zur Erinnerung: Dabei handelte es sich um die vom Westen unterstützte Serie von Drohnenangriffen der Ukraine gegen Russlands nukleare Triade im vergangenen Sommer. Dies war zwar nicht das erste Mal war, dass sie angegriffen wurde, aber es war der bei weitem größte Angriff dieser Art.

Weniger informierte Mitglieder der „Alt-Media-Community“ könnten sich vorstellen, dass Medwedews Position als stellvertretender Vorsitzender des russischen Sicherheitsrats bedeutet, dass er im Namen Putins spricht, aber das ist keineswegs der Fall. Wie hier Ende Februar erläutert wurde, als die diametral entgegengesetzten Vorschläge der führenden Experten Sergej Karaganow und Timofei Bordatschow verglichen wurden – nämlich konventionelle Schläge gegen die NATO zu führen bzw. ein Abkommen mit den USA zu schließen –, gibt es innerhalb der politischen Entscheidungsträger Russlands eindeutig verschiedene Fraktionen.

Medwedew und Karaganow können als Falken betrachtet werden, während Bordatschow und Putin in dieser Hinsicht als Gemäßigte gelten. Wie sich in den vergangenen vier Jahren der militärischen Sonderoperation gezeigt hat, werden die Vorschläge der Falken von Putin stets ignoriert, sodass die Erfahrung nahelegt, dass Medwedews jüngste Andeutung erneut ins Leere laufen wird. Er schlägt regelmäßig die am stärksten kriegsbefürwortenden Maßnahmen vor, die nie umgesetzt werden. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass er dem Westen Angst machen [und ihm die möglichen Folgen seines unverantwortlichen Handelns vor Augen führen; die Red.] will, sowohl seinen politischen Entscheidungsträgern als auch vor allem die Öffentlichkeit.

Alles in allem soll die Weitergabe der Adressen ausländischer Drohnenhersteller durch das Verteidigungsministerium höchstwahrscheinlich deren Ländern zeigen, dass der russische Geheimdienst die Versorgungslinien der Ukraine infiltriert hat, und nicht, um sie vor einem unmittelbar bevorstehenden Angriff Russlands zu warnen, wie Medwedew andeutete. Seine Äußerungen sollten stets mit Vorsicht aufgenommen werden, da Putin bisher nie eine der dramatischen Maßnahmen ergriffen hat, die er angedeutet hatte. Medwedew ist ein Falke, während Putin ein Gemäßigter ist; daher neigt Putin naturgemäß nicht dazu, auf ihn zu hören.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

49. Tag im Angriffskrieg Israels und der USA gegen Libanon und Iran – Waffenstillstand (Ticker 21:00 Uhr)

Von Peter F. Mayer und Jochen Mitschka – 17. April 2026

Gestern Nachmittag wurde ein 10-tägiger Waffenstillstand zwischen dem Libanon mit Hisbollah und Israel verkündet. Ist dies nun das Ende des Krieges gegen Iran und Libanon, nachdem die Blockade der USA an dem Tag schon fast zur Routine geworden war, ohne dass der Iran die Einfahrt zum Roten Meer blockieren ließ? Was in der Nacht und am 17. April im Nahen Osten passierte, in diesem Ticker.

Auch gestern wurde bekannt, dass der Iran die sieben von den USA zerbombten Eisenbahnbrücken bereits wieder befahrbar gemacht hatte. Das Land war offensichtlich auf den Krieg vorbereitet gewesen und hatte Fertigteile der Brücke in der Nähe gelagert. Aber wie reagiert das Land auf die Blockade der iranischen Häfen?

Kurz vor Inkrafttreten des Waffenstillstands war es im Libanon noch zu intensiven militärischen Aktionen gekommen. Die israelische Armee (IDF) meldete, dass sie in den vorangegangenen 24 Stunden fast 400 Ziele der Hisbollah im Südlibanon angegriffen habe. Die Hisbollah feuerte ihrerseits Raketen und Drohnen auf nordisraelische Orte ab, was zu Verletzten führte (unter anderem zwei Schwerverletzte in Karmiel). Luftschutzsirenen heulten noch Minuten vor Mitternacht.

08 Uhr 00:

Was in der Nacht geschah

Zum Mitternachtsbeginn des Waffenstillstands feierten viele Libanesen in Beirut mit Schüssen in die Luft und Feuerwerk. Gleichzeitig meldete die libanesische Armee jedoch „eine Reihe von Aggressionen“ durch israelischen Beschuss in Dörfern wie Khiam und Dibbine etwa eine halbe Stunde nach Inkrafttreten. Die IDF erklärte, sie „prüfe“ diese Berichte. Israel behält sich „das Recht auf Selbstverteidigung“ vor und zieht seine Truppen aus dem Südlibanon nicht ab. Kritiker weisen darauf hin, dass Israel im letzten „Waffenstillstand“ diesen über 10.000 Mal verletzt hatte, wie die UN notierte, und dass der Waffenstillstand lediglich eine Wiederaufstockung der Bombenlager bedeute.

Gegen den Iran selbst gab es in dieser Nacht keine neuen Angriffe oder Gegenangriffe. Der separate Waffenstillstand zwischen den USA, Israel und Iran (seit dem 8. April) hält weiterhin, auch wenn er fragil ist. Trump äußerte sich zuversichtlich, dass weitere Gespräche mit Teheran schon am Wochenende möglich seien. Der Libanon-Waffenstillstand ist davon getrennt und betrifft vor allem die Hisbollah-Front. Damit soll die „Widerstandsachse“ gespalten werden.

Zusammengefasst war die Nacht also geprägt vom Übergang zu einer vorläufigen Waffenruhe im Libanon nach wochenlangen schweren Kämpfen – mit letzten Angriffen unmittelbar davor und ersten Vorwürfen von Verletzungen unmittelbar danach.

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Telegram-Chef warnt vor Leyens Internet-Plan

Von Thomas Oysmüller – 17. April 2026

Pavel Durov warnt die EU-Bürger vor der kommenden EU-App, mit der nun eine verpflichtende Ausweisprüfung für das Internet eingeführt wird.

Die EU arbeitet am Ende des Internets, wie wir es kennen, und steht kurz vor dem Erfolg. Die Kommission bringt nun ihre erste Zwangs-App auf die Smartphones der Bürger. Die „Altersverifizierungs-App“ wurde mit großem Pomp vorgestellt, soll bald in die digitale ID der EU integriert werden und bald zur Pflicht werden, wenn man das Internet nutzen will. Über „Kinderschutz“ wird dann bald niemand mehr reden.

Nicht nur berichtete das Sicherheitsportal Cybernews von einem schnellen Hack der App. Hier lohnt ein genauerer Blick, statt darüber zu lachen: Die App war nämlich von Anfang an so konzipiert, dass sie leicht zu knacken ist. Sie vertraute vollständig dem Gerät des Nutzers – ein klassischer Fehler, der in der IT-Sicherheit als „instant game over“ gilt. Pavel Durov, Gründer und Chef von Telegram, sieht darin kein Versehen, sondern System. In seinem Kanal schreibt er wörtlich:

„Schritt 1 – Präsentiere eine angeblich ‚datenschutzfreundliche‘, aber hackbare App. Schritt 2 – Lass sie hacken (WIR SIND HIER). Schritt 3 – Entferne den Datenschutz, um die App zu ‚reparieren‘.“

Das Ergebnis wird dann ein Überwachungsinstrument [sein], das als „datenschutzfreundliche Alterskontrolle“ verkauft wird.

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Propaganda ist vielschichtig

Von Andrea Drescher – 17. April 2026

Was ist wahr, wem kann man glauben? Dass bei Aussagen der meisten Mainstream-Medien in der Regel am Besten das Gegenteil angenommen werden sollte, ist Normalität. Aber wie ist es mit den „alternativen“ Medien und Kanälen?

Plattes Russland-Bashing im Mainstream gehört inzwischen zum guten Ton. Aus kritischen Medien ist man das nicht so gewöhnt. In Telegram kursiert derzeit folgender Text zusammen mit einem Screenshot von N-TV – ausgehend von dem Kanal  „Phantom-Schweiz“, der aber auch schon von mindestens einem namhafteren Kanal geteilt wurde.

🇷🇺🚫 Kreml sperrt schlimmer als China – Russland geht offline – und die Menschen sind wütend 

In Moskau herrscht Bezahlchaos. Warum? Der Kreml schaltet das mobile Internet ab. Auch andere Regionen sind immer häufiger ohne Netz.

Die Umfragewerte Wladimir Putins sind so schlecht wie lange nicht. Der Grund dafür ist aber nicht der Krieg gegen die Ukraine und auch nicht die schwere Wirtschaftskrise. Viele Russen sind sauer, weil ihr Internet nicht richtig funktioniert.

Bei Whatsapp und Telegram sind bereits seit vergangenem Sommer keine Audio- und Videoanrufe mehr möglich. Auch andere beliebte Messengerdienste wie Signal sind seitdem blockiert. Sie werden von der russischen Regierung eingeschränkt und blockiert.

Andere westliche Dienste wie X, Instagram, Youtube, Snapchat, Facebook oder LinkedIn sind schon seit Beginn des Ukraine-Krieges 2022 nicht mehr erreichbar.

Die russische Regierung schottet das Internet immer stärker ab. Im Februar hat die Staatsduma in Moskau eine Änderung des Kommunikationsgesetzes beschlossen. Putin kann das Internet in einzelnen Regionen oder sogar im ganzen Land abschalten lassen – ohne das näher zu begründen.

Der Staat will, dass die Russen die staatliche Super-App Max nutzen. Sie ist dem chinesischen Wechat nachempfunden und soll die ausländischen Netzwerke ersetzen. Auch staatliche Dienstleistungen sollen integriert sein. Damit auch möglichst alle Russen sie nutzen, muss die App seit vergangenem August auf allen verkauften Smartphones und Tablets vorinstalliert sein.

Nicht nur der Screenshot, auch die zitierten Inhalte stammen im wesentlichen von N-TV.de  und sind zumindest in einem Punkt definitiv Fake News. Die Aussage: „Bei Whatsapp und Telegram sind bereits seit vergangenem Sommer keine Audio- und Videoanrufe mehr möglich.“ kann ich persönlich widerlegen, da ich in den vergangenen Wochen mehrfach per Telegram mit Freunden in Russland kommuniziert habe. Wenn selbst ich eine Aussage ganz einfach falsifizieren kann, was ist dann mit dem Rest?

Interessant ist auch, dass folgender Satz aus dem N-TV-Artikel weggelassen wurde. Dort kann man nämlich lesen „Angeblich geht es um die nationale Sicherheit.“ – zwar mit einem „angeblich“ eingeleitet, aber immerhin. Ich möchte mehr wissen.

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Marinepläne für Mittelost

Von German-Foreign-Policy.com – 17. April 2026

Deutschland bereitet Teilnahme der Bundeswehr an von Frankreich geplantem Marineeinsatz in der Straße von Hormuz vor. Paris will die USA ausschließen, Berlin nicht. Schäden an US-Militärbasen in Mittelost stellen deren Zukunft in Frage.

Die Bundesregierung bereitet eine Teilnahme der Bundeswehr an dem von Frankreich geplanten Marineeinsatz zur Sicherung der Straße von Hormuz vor. Bundeskanzler Friedrich Merz will dies, wie am Donnerstag berichtet wurde, am heutigen Freitag in Paris offiziell mitteilen. Dort findet ein Treffen zur Vorbereitung des Einsatzes statt. Dieser soll allerdings erst nach dem Ende des Irankriegs beginnen und strikt defensiv sein. Frankreich positioniert sich mit ihm als mögliche ergänzende oder alternative Schutzmacht für die arabischen Golfstaaten. Bei diesen nimmt gegenwärtig der Unmut über die Vereinigten Staaten zu, die schon seit Jahrzehnten als ihre Schutzmacht auftreten, heute aber keinen wirksamen Schutz mehr leisten und zudem die Region in den Irankrieg gestürzt haben. US-Experten weisen darauf hin, dass die Schäden, die Iran den US-Stützpunkten in Mittelost zugefügt hat, so schwer sind, dass ihre weitere Nutzung für Washington nicht mehr unumstritten ist. Während Paris den Marineeinsatz zur Sicherung der Straße von Hormuz ohne die USA durchführen will, plädiert Berlin für die Einbindung der US-Streitkräfte – allerdings womöglich nicht in Kommandofunktion.

Drei Ziele

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte bereits am 9. März angekündigt, einen multinationalen Marineeinsatz in der Straße von Hormuz organisieren zu wollen. Dazu hatte er in einem ersten Schritt elf Kriegsschiffe in den Nahen und Mittleren Osten entsandt, darunter der Flugzeugträger Charles de Gaulle.[1] Der Einsatz soll erst nach einem Ende des Kriegs beginnen und ausschließlich defensiven Charakter haben. Genannt werden drei Ziele. In einem ersten Schritt sollen Maßnahmen eingeleitet werden, um die Handelsschiffe, die im Persischen Golf festsitzen, sicher durch die Straße von Hormuz zu geleiten.[2] Im zweiten Schritt ist die Beseitigung von Seeminen geplant, die Iran in der Straße von Hormuz platziert haben könnte; ob und, wenn ja, in welchem Ausmaß dies der Fall ist, ist nicht bekannt. Im dritten Schritt sollen dann Handelsschiffe regelmäßig von Fregatten und Zerstörern eskortiert werden. Dies sei, so heißt es, vor allem dazu gedacht, das Vertrauen der Schiffsbesatzungen, der Reeder und der Versicherer wieder herzustellen und den regelmäßigen Verkehr zu ermöglichen. Paris erklärt ausdrücklich, man schließe die Beteiligung der Kriegsparteien, vor allem der USA, grundsätzlich aus. Allerdings soll der Marineeinsatz in Absprache mit Iran stattfinden. Dies gilt als nötig, um die sichere Passage von Schiffen zu gewährleisten.

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Artikel der „Times“: Britische Regierung hält wegen Sperrung der Straße von Hormus eine Lebensmittelknappheit für möglich

Übersetzung: Thomas Röper – 17. April 2026

Laut einem Bericht der Times hält die britische Regierung wegen der Sperrung der Straße von Hormus schon im Sommer eine Lebensknappheit für möglich. Das sei ein „realistisches Worst-Case-Szenario“.

Ich übersetze hier einen Artikel aus der Times, über den ich in deutschen Medien kaum Meldungen gefunden habe. […]

Großbritannien bereitet sich auf Lebensmittelknappheit vor, wenn der Irankrieg weitergeht

Eine geheime Analyse der Regierung spricht von einem Worst-Case-Szenario, bei dem ein kritischer Mangel an Kohlendioxid-Lieferungen Landwirtschaft und Gastgewerbe treffen würde.

Großbritannien könnte diesen Sommer mit Engpässen bei Hühnerfleisch, Schweinefleisch und anderen Supermarktprodukten konfrontiert sein, sollte der Krieg im Iran andauern. Dies geht aus einer geheimen Regierungsanalyse hervor.

Angesichts der Befürchtung, dass die Schließung der Straße von Hormus zu einem Mangel an Kohlendioxid führen wird, einem für die Lebensmittelindustrie lebenswichtigen Rohstoff, haben Beamte Notfallpläne für ein „realistisches Worst-Case-Szenario“ ausgearbeitet.

Hochrangige Beamte, darunter Vertreter der Downing Street Nr. 10, des Finanzministeriums und des Verteidigungsministeriums, haben im Rahmen einer Übung mit dem Codenamen „Übung Turnstone“ geheim verschiedene Szenarien durchgespielt, um die potenziellen Auswirkungen auf die britische Industrie zu untersuchen.

Wie die Times erfuhr, wurde das für die Sitzung des Krisenstabes der Regierung Cobra erstellte Worst-Case-Szenario auf Juni 2026 angesetzt. Es geht davon aus, dass die Straße von Hormus bis dahin nicht wieder geöffnet und kein dauerhaftes Friedensabkommen erzielt wurde.

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Europa setzt auf Eskalation: Die Grenze zwischen Krieg und Frieden verschwimmt zunehmend

Von Boris Roschin (Übersetzung: Thomas Röper) – 17. April 2026

Die Entscheidung europäischer Staaten, die ukrainische Rüstungsindustrie bei sich anzusiedeln, um sie vor russischen Angriffen zu schützen, ist ein weiterer Schritt, der riskiert, diese Staaten nicht nur völkerrechtlich sondern auch faktisch in den Krieg gegen Russland hineinzuziehen. In Russland bereitet man sich darauf vor.

Die EU eskaliert weiter gegen Russland. Immer mehr europäische Politiker und Militärs erklären, man sei zwar (noch) nicht im Krieg mit Russland, aber man sei auch nicht mehr im Frieden mit Russland. Diese Formulierung zeigt, wie die europäischen Politiker die Grenze zwischen Krieg und Frieden verschieben. Und das birgt das Risiko, eines Morgens aufzuwachen und sich tatsächlich in einem heißen Krieg mit Russland wiederzufinden.

Ich habe vor einer Woche bereits in einer Artikelserie auf die drei Themen (siehe hierhier und hier) hingewiesen, mit denen die EU einen Krieg mit Russland provoziert. Nun ist die Ansiedelung ukrainischer Rüstungsfabriken in der EU hinzugekommen, worüber ich gestern berichtet habe.

Über die Warnung des russischen Verteidigungsministeriums, die nach Europa ausgelagerten ukrainischen Rüstungsunternehmen seien für Russland legitime Ziele, wird in Russland nun heftig diskutiert, wobei die Experten sich einig sind, dass dieser Schritt Europa ein großes Stück näher an einen Krieg mit Russland gebracht hat. Ich übersetze hier als Beispiel dafür einen Artikel, den ein Experte für die russische Nachrichtenagentur TASS geschrieben hat. […]

Europa setzt auf Eskalation: Die Grenze, die Russland von einem Krieg mit der NATO trennt, verschwimmt zunehmend

Boris Roschin über die Rücksichtslosigkeit Europas, das mit unüberlegten Aktionen wie der Eröffnung ukrainischer Produktionsstätten für Drohnen auf seinem Territorium einen atomaren Konflikt riskiert.

Am 15. April gab das russische Verteidigungsministerium bekannt, dass einige NATO-Staaten zur Unterstützung des Stellvertreterkriegs gegen Russland in der Ukraine beschlossen haben, die Produktion von Drohnen und Komponenten für die Ukraine zu erhöhen. Der Beschluss wurde am 26. März 2026 gefasst. Europa macht keinen Hehl aus seiner Hoffnung, durch die Produktionssteigerung die Anzahl der Angriffe mit Langstreckendrohnen gegen Russland zu erhöhen und unserem Land zusätzlichen militärischen und wirtschaftlichen Schaden zuzufügen.

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„Schein oder Sein“

Von Karin Leukefeld – 17. April 2026

Während in Washington Kameras klicken und Diplomaten von „historischen Treffen“ sprechen, fallen im Libanon weiter Bomben. Karin Leukefeld seziert von Beirut aus die Inszenierung hinter den Schlagzeilen: viel Symbolik, wenig Frieden. Hinter wohlfeilen Worten über Waffenruhe und Stabilität stehen Machtpolitik, Besatzungspläne und die fortgesetzte Verwüstung eines Landes, dessen Souveränität im Westen offenbar nur zweitrangig ist.

Zur Information:

Während dieser Text am Donnerstag, 16.4.2026, entstand, entwickelten sich politische Ansagen von US-Präsident Donald Trump, über die im Verlauf des Textes berichtet wird. Aktuell heißt es, dass am Donnerstagabend 21:00 GMT (22:00 MEZ und 24:00 Libanon) eine „Waffenruhe im Libanon“ beginnen solle. Für 10 Tage! Und was dann? Dieser Artikel über das libanesisch-israelische Botschaftertreffen in Washington und was das mit dem US-israelischen Krieg gegen Iran zu tun hat, soll Hintergrund in den medialen Nebel bringen, der über dem östlichen Mittelmeer bis zur Persischen Golfregion liegt. Was wirklich geschieht und welche Pläne die Akteure tatsächlich haben, bleibt unklar. Nichts ist gesagt über die Verluste und das Leid der Bevölkerung. Nichts ist gesagt darüber, was die ursprünglichen Bewohner dieser Region anstreben. (kl)

Ein Botschaftertreffen in Washington im Nebel der Medien

Ein Treffen der libanesischen Botschafterin in den USA, Nada Hamadeh Moawad, und des israelischen Botschafters in den USA, Jechiel Leiter, in Washington am vergangenen Dienstag hat medialen Wirbel verursacht. Ort des Treffens war das US-Außenministerium, Gastgeber war US-Außenminister Marco Rubio. Der hatte mit dem Empfang der beiden Diplomaten und der Begrüßung am blumengeschmückten Konferenztisch vor laufenden Kameras für die Bilder gesorgt, die um die Welt gingen. Rubio gratulierte beiden Ländern zu einem „historischen Treffen“, bei dem es um einen Waffenstillstand und die Entwaffnung der Hisbollah gehen solle.

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Europäische Staaten verweigern Beteiligung an US-Blockade der Straße von Hormus

Von Alex Lantier – 17. April 2026

Der britische Premierminister Sir Keir Starmer (Mitte links) bei einem Treffen zu Diskussionen über die Ukraine mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron im Elysee-Palast am 17. Februar 2025 [Photo by Simon Dawson/No 10 Downing Street/Flickr /  CC BY-NC-ND 2.0]

Die europäischen Regierungen haben die Forderungen der Trump-Regierung zurückgewiesen, sich an der Blockade der Straße von Hormus zu beteiligen, die Trump am Sonntag ausgerufen hatte. Zuvor hatte er im Verlauf der Woche eine Feuerpause in seinem Angriffskrieg gegen den Iran angekündigt. Damit bahnt sich ein historischer Zusammenbruch in der Beziehung zwischen den europäischen Mächten und den USA mit weitreichenden Folgen an.

Gleichzeitig ist die Reaktion der Herrschenden in Europa vor allem von Feigheit und Heuchelei geprägt. Abgesehen von der Tatsache, dass die Blockade selbst eine kriegerische Handlung ist, würde die Schließung der Straße von Hormus lebenswichtige Öl-, Gas- und Düngemittellieferungen nach Europa und die ganze Welt unterbrechen. Doch keine europäische Regierung hat es gewagt, die Blockade zu verurteilen, ihre Beendigung zu fordern oder die militärische und finanzielle Unterstützung für die US-Regierung zu beenden.

Stattdessen diskutieren die europäischen Regierungen weiterhin über eine Marineintervention im Persischen Golf, auch wenn sie ihre Schiffe damit der gleichen Bedrohung durch iranische Raketen aussetzen würden, die auch die US-Navy bisher davon abgehalten hat, die iranische Küste anzugreifen. Das ist die Perspektive der korrupten kapitalistischen Oligarchien, für die die Regierungen sprechen. Großbritannien und Frankreich richten am Freitag ein Gipfeltreffen von 40 Staaten aus, auf dem eine von Washington unabhängig koordinierte Marinemission in die Straße von Hormus vorbereitet werden soll.

Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte: „Diese rein defensive Mission, die getrennt von den Kriegsteilnehmern stattfinden wird, soll beginnen, sobald die Situation es zulässt.“ Er forderte eine „solide und stabile Lösung für den Konflikt im Nahen Osten auf diplomatischem Wege, eine Lösung, die die Schaffung eines robusten Rahmens ermöglicht, damit alle in Frieden und Sicherheit leben können.“ Er verurteilte die „Aktivitäten des Iran bezüglich des Baus von Atomwaffen und ballistischen Raketen sowie sein destabilisierendes Verhalten in der Region.“

Macrons Lügen sind atemberaubend. Die größte Bedrohung für Frieden und Sicherheit im Nahen Osten geht nicht vom Iran aus, der weder diesen noch irgendeinen anderen gegen ihn geführten Krieg begonnen hat, sondern von Washington und dem Vernichtungskrieg, den der faschistische US-Präsident angefangen hat. Was den Frieden im Nahen Osten angeht, so hat auch Frankreich ihn durch das ständige Betonen der Freundschaft mit der israelischen Regierung untergraben, die im Gazastreifen einen Völkermord begeht.

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Warum bemühen sich libanesische Politiker immer wieder um Israel?

Von Joseph Massad – 16. April 2026

Die ersten direkten Gespräche in Washington seit 30 Jahren setzen eine lange Geschichte von Annäherungsversuchen fort, die bereits vor dem Widerstand begannen und trotz wiederholter israelischer Angriffe auf Zivilisten andauern.

Seit der libanesische Präsident Joseph Aoun und Premierminister Nawaf Salam Anfang 2025 ihr Amt antraten – nur wenige Wochen nach dem Waffenstillstand vom November 2024 zwischen dem libanesischen Widerstand und dem völkermörderischen Staat Israel – hat die neue Führung auf starken Rat der USA und Saudi-Arabiens hin unverzüglich Schritte unternommen, um Israel Freundschaft und uneingeschränkte Zusammenarbeit anzubieten.

Sie versäumten es nicht nur, gegen die mehr als 10.000 Verstöße gegen den Waffenstillstand zu protestieren, die Israel in den 15 Monaten vor der US-israelischen Aggression gegen den Iran Ende Februar 2026 begangen hatte – darunter Tausende von Luftangriffen, Drohnenangriffe und Bodenoffensiven, bei denen mehr als 500 Menschen, die meisten davon Zivilisten, ums Leben kamen –, sondern gingen sogar so weit, direkte Verhandlungen anzubieten, ja sogar darum zu bitten, einen dauerhaften Frieden mit der jüdischen Siedlerkolonie zu erreichen.

Anstatt Israel für seine anhaltenden Verbrechen gegen das libanesische Volk verantwortlich zu machen, gaben die beiden Staatschefs der Hisbollah die Schuld, als wären die israelischen Angriffe eine Reaktion auf den Widerstand, obwohl dieser in Wirklichkeit nur Vergeltung für die unaufhörliche israelische Aggression und die Besetzung libanesischen Landes übt.

Solche großmütigen Angebote wurden zuletzt vom phalangistischen Präsidenten des Libanon, Bashir Gemayel, der 1982 mit den israelischen Invasoren seines Landes kollaborierte, und seinem Bruder Amin unterbreitet, doch sie wurden anschließend aufgrund heftigen Widerstands verworfen.

Die israelische Regierung wies diese jüngsten Annäherungsversuche zunächst zurück, die Salam wiederholt verlängerte, bis sie letzte Woche schließlich zustimmte. Unter dem Druck der Trump-Regierung traf sich Israel diese Woche in Washington mit libanesischen Vertretern zu den ersten direkten Gesprächen seit mehr als 30 Jahren, obwohl es weiterhin den Libanon, einschließlich der Hauptstadt Beirut, bombardiert und allein in den letzten sechs Wochen mehr als 2.000 Menschen getötet hat.

Israel hat seine zahlreichen Invasionen und Einfälle in den Libanon seit den späten 1960er Jahren, bei denen Zehntausende Zivilisten ums Leben kamen, als Bemühungen gerechtfertigt, palästinensische Widerstandskämpfer zu besiegen, die nach 1969 dorthin gezogen waren und 1982 zum Rückzug gezwungen wurden. Seitdem hat es dieselbe Rechtfertigung herangezogen, um dem libanesischen Widerstand nach 1982 gegen seine illegale Besetzung libanesischen Territoriums, insbesondere der Hisbollah, entgegenzutreten.

Doch die heutigen Behauptungen, Widerstandsbewegungen provozierten israelische Aggressionen und libanesische Führer müssten daher die Beziehungen zu Israel normalisieren, um Stabilität zu erreichen, verschleiern die historischen Fakten: Die Beziehungen Israels zu libanesischen politischen und religiösen Persönlichkeiten, die bereit waren, ihm Freundschaft und Zusammenarbeit anzubieten, reichen bis in die 1920er Jahre zurück, lange bevor die Siedlerkolonie überhaupt gegründet wurde, geschweige denn die Ankunft des palästinensischen Widerstands im Libanon oder das Aufkommen der Hisbollah.

Tatsächlich sind Aoun und Salam Teil einer langen Reihe libanesischer Politiker, die darauf bedacht sind, Israel zu gefallen.

Konfessionelle Mythen

Im Libanon wird häufig behauptet, dass rechtsgerichtete maronitische Führer erst nach 1948 versucht hätten, sich mit Israel anzufreunden – als Reaktion auf die Ankunft von mehr als 100.000 palästinensischen Flüchtlingen, die während der zionistischen Eroberung Palästinas durch jüdische Siedler im Jahr 1948 vertrieben worden waren – die Mehrheit von ihnen Muslime – sowie auf den daraus resultierenden demografischen Wandel.

Dies erweist sich jedoch als Erfindung. Die konfessionelle Feindseligkeit der Maroniten gegenüber libanesischen Muslimen geht der Ankunft der Palästinenser um fast drei Jahrzehnte voraus.

Im März 1920 unterzeichneten der Vertreter der Jewish Agency, Yehoshua Hankin, und libanesische maronitische Vertreter einen Kooperationsvertrag, der auch „prominente muslimische Familien“ einschloss, von denen viele abwesende Grundbesitzer waren, die Land in Palästina an zionistische Siedler verkauften.

Im März 1920 unterzeichneten der Vertreter der Jewish Agency, Yehoshua Hankin, und Vertreter der libanesischen Maroniten einen Kooperationsvertrag, der auch „prominente muslimische Familien“ einbezog

Die Kontakte zwischen dem libanesischen Maronitenführer Emile Edde und Vertretern der Zionisten begannen in den frühen 1930er Jahren. In dieser Zeit sprach sich Edde für die Aufnahme freundschaftlicher Beziehungen zu jüdischen Kolonisten und „sogar für ein zionistisch-maronitisches Bündnis“ aus.

Edde wurde 1936 zum Präsidenten des Libanon gewählt und blieb in den folgenden zwei Jahren mit der Jewish Agency in Kontakt.

Eddes Premierminister, Khayr al-Din al-Ahdab, der erste sunnitische Muslim in der Geschichte des Libanon, der dieses Amt bekleidete, bot den jüdischen Kolonialsiedlungen entlang der libanesischen Grenze die Garantien seines Landes für Ordnung und Sicherheit an. Nachdem er sein Amt niedergelegt hatte und versuchte, wieder an die Macht zu gelangen, nahm Edde 1948 während eines Urlaubs in Frankreich seine Kontakte zu den Israelis wieder auf.

Darauf folgte am 30. Mai 1946 die Unterzeichnung des berüchtigten politischen Vertrags zwischen der Jewish Agency und dem maronitischen Patriarchen Antoine Arida im Namen der maronitischen Kirche.

Der Vertrag legte Leitlinien für enge Beziehungen zwischen den Maroniten und den jüdischen Kolonisten fest, basierend auf der gegenseitigen Anerkennung von Rechten und nationalistischen Bestrebungen, einschließlich der Anerkennung des „christlichen Charakters“ des Libanon durch die Jewish Agency und ihrer Zusicherung, dass die jüdischen Kolonisten keine territorialen Ambitionen im Libanon hätten.

Im Gegenzug unterstützte die maronitische Kirche die jüdische Einwanderung und die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina.

Vertiefung der Zusammenarbeit

Edde, al-Ahdab und die maronitische Kirche waren nicht die einzigen Parteien im Libanon, die Israel Liebe und Freundschaft entgegenbrachten. Als Nächstes folgten die Phalangisten. Israel knüpfte Ende 1948 in den Vereinigten Staaten Beziehungen zu ihnen, vermittelt durch den maronitischen Priester Yusuf ‚Awad, der Kontakte zu Vertretern der US-Zionistischen Föderation unterhielt.

Der wichtigste Kontaktmann der Phalangisten war Elias Rababi, der zusammen mit anderen Phalangisten mehrere Treffen mit den zionistischen Vertretern in Europa abhielt.

Rababi teilte den Israelis mit, dass die Phalangisten, sollten sie die Regierung übernehmen, diplomatische Beziehungen zu Israel aufnehmen würden. Im Gegenzug bat er um finanzielle Mittel zur Unterstützung der politischen Aktivitäten der Phalangisten und zur Beschaffung von Waffen.

Obwohl die Israelis von der Stärke der Bewegung nicht überzeugt waren, zahlte ihm das Außenministerium dennoch 2.000 Dollar.

Im Februar 1949 trafen drei Gesandte des maronitischen Erzbischofs von Beirut, Ignatius Mubarak, in Israel ein und trafen sich mit einem Beamten des Außenministeriums. Die drei behaupteten, Mubarak „wolle die Haltung der israelischen Regierung zu Plänen für einen Staatsstreich im Libanon“ gegen Präsident Bechara Khoury erfahren, da dieser die Integration des Libanon in die arabische Welt unterstütze.

Emile Edde und Pierre Gemayel sollen an dem Plan beteiligt gewesen sein. Die Israelis reagierten darauf, indem sie jeden Versuch der libanesischen Christen begrüßten, „sich vom Joch der panarabischen Führer zu befreien“, verlangten jedoch einen detaillierten Plan, wie der Staatsstreich durchgeführt werden sollte, welche Kräfte sie unterstützten und in welchem Umfang Hilfe von Israel benötigt würde. Der Plan verlief letztendlich im Sande.

Doch der Plan, durch einen Staatsstreich eine pro-israelische Regierung im Libanon zu installieren, war eine Idee, die Zionisten bereits seit den 1920er Jahren hegten.

Als Reaktion auf den Vorschlag des ehemaligen Premierministers David Ben-Gurion aus dem Jahr 1954, Israel solle einen Militärputsch im Libanon fördern, um ein mit Israel verbündetes christliches Regime zu etablieren, wies der damalige Premierminister Moshe Sharett diesen als „Unsinn“ zurück und schrieb in seinen Tagebüchern, dass keine Bewegung stark genug sei, um einen ausschließlich maronitischen Staat zu errichten.

Angesichts der Undurchführbarkeit des Vorschlags schlug Moshe Dayan, der zu dieser Zeit Generalstabschef war, 1955 vor, dass Israel den Libanon südlich des Litani-Flusses annektieren solle.

Vor dem Widerstand

So wie es eine lange Geschichte libanesischer Politiker gibt, die Israel liebevolle Freundschaft anboten, waren auch israelische Gräueltaten gegen das libanesische Volk zwischen 1948 und 1969 an der Tagesordnung, lange vor der Existenz der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) oder der Hisbollah.

Während des Krieges von 1948 eroberten zionistische Truppen den Südlibanon in der von ihnen als „Operation Hiram“ bezeichneten Aktion und besetzten 15 libanesische Dörfer bis hin zum Litani-Fluss, obwohl die libanesische Armee keine Kämpfe mit den Israelis führte.

Der zionistische Befehlshaber General Mordechai Makleff bat Ben-Gurion um die Erlaubnis, Beirut zu besetzen, was seiner Aussage nach innerhalb von zwölf Stunden möglich sei, doch dieser lehnte ab, da er angesichts der Neutralität des Libanon internationale Verurteilung befürchtete.

Während ihrer Besetzung des Südlibanon verübten zionistische Truppen eines der schlimmsten Massaker des Krieges von 1948 im libanesischen Dorf al-Hula, wo sie am 31. Oktober 85 Zivilisten niedermetzelten. Als die Israelis 2024 erneut in das Dorf einmarschierten, beschmutzten Soldaten das Denkmal für das Massaker, auf dem die Namen der Getöteten verzeichnet waren.

Anfang 1949 nahmen libanesische und israelische Vertreter in Ras al-Naqura formelle Waffenstillstandsverhandlungen auf, die „reibungsloser“ verliefen als mit allen anderen arabischen Staaten. Anstatt Entsetzen über die israelischen Gräueltaten auszudrücken, die wenige Wochen zuvor an libanesischen Zivilisten begangen worden waren, teilten libanesische Delegierte den Israelis hinter verschlossenen Türen mit, dass sie „eigentlich keine Araber“ seien. Sie diskutierten auch die Möglichkeit, diplomatische Beziehungen zu Israel aufzunehmen.

Die Israelis zogen sich im März 1949 aus libanesischem Gebiet zurück.

Das Treffen in Washington DC in dieser Woche war eine Wiederholung des Verhaltens des libanesischen Botschafters in den USA, der Israels jüngste Massaker an libanesischen Zivilisten nicht verurteilte, sondern Berichten zufolge in einem zweistündigen privaten Treffen abseits der Kameras den Israelis die Hand schüttelte.

Nichts davon wird die anhaltenden israelischen Angriffe auf libanesische Zivilisten stoppen, genauso wenig wie die überaus freundlichen Gespräche von 1949 die nachfolgenden Aggressionen gestoppt haben.

In den 1950er und 1960er Jahren, lange bevor die PLO-Guerillas im Libanon eintrafen, griff Israel das Land fast 200 Mal an – darunter Überfälle und Schießereien, der Diebstahl libanesischen Viehs, das Abbrennen von Ernten in Grenzdörfern und -städten, die Zerstörung von Häusern und Eigentum sowie die Entführung libanesischer Zivilisten –, was zu mindestens 23 Toten, 39 Verletzten und 81 Entführten führte.

Im Jahr 1965 bombardierte Israel einen im Bau befindlichen Damm, der der dazu dienen sollte, die Flüsse Banyas, Hasbani und Litani im Libanon und in Syrien umzuleiten. Dies geschah als Reaktion auf den Diebstahl von Wasser arabischer Staaten durch Israel, das dieses unter Verletzung des Völkerrechts in die Negev-Wüste umleiten wollte. Das Projekt wurde dadurch zerstört.

Die Gräueltaten gehen weiter

Das vielleicht dreisteste Verbrechen Israels in dieser Zeit war der Beschuss eines libanesischen Zivilflugzeugs im Juli 1950 durch einen seiner Luftwaffenjäger innerhalb des libanesischen Luftraums.

Bei dem Angriff auf das Flugzeug, das auf dem Weg vom Flughafen Qalandya in Ostjerusalem nach Beirut war, wurden zwei Menschen getötet und sieben jordanische Passagiere verletzt, darunter ein fünfjähriges Mädchen, dessen Bein amputiert werden musste. Unter den Getöteten befanden sich der libanesische Funker Antoine Wazir und der arabisch-jüdische Student Musa Fuad Dweik, dessen Kopf von einer der Kugeln weggerissen wurde.

1967 besetzte Israel die Shib’a-Farmen, obwohl der Libanon nicht am Krieg beteiligt war. Es besetzt sie bis heute.

Im folgenden Jahr, im Dezember 1968, zwei Tage nachdem zwei palästinensische Flüchtlinge aus dem Libanon ein am Flughafen Athen geparktes israelisches Passagierflugzeug mit Maschinengewehren beschossen und dabei einen Schiffsingenieur getötet hatten, bombardierte Israel den internationalen Flughafen von Beirut und zerstörte 13 zivile Passagierflugzeuge im damaligen Wert von fast 44 Millionen Dollar sowie Hangars und andere Flughafenanlagen.

All diese Gräueltaten wurden begangen, bevor palästinensische Guerillakämpfer im Libanon begannen, Widerstandsaktionen gegen die Siedlerkolonie zu starten. Ebenso taten libanesische Politiker, die Israel ihre Zusammenarbeit anboten, dies lange bevor diese Entwicklungen später herangezogen wurden, um die israelische Aggression zu rechtfertigen.

Weder Aoun noch Salam schlagen den Israelis etwas Neues vor, was frühere libanesische Verbündete nicht bereits angeboten hätten.

Die libanesische Regierung bietet Israel umfassende Unterstützung bei der Bekämpfung der Hisbollah an, unter anderem durch die Kriminalisierung der einzigen libanesischen Widerstandsbewegung, die jemals libanesisches Gebiet von der Besatzung befreit hat, sowie durch die Verbreitung anti-iranischer Propaganda.

Der libanesische Justizminister Adel Nassar veröffentlichte diese Woche auf X die reine Erfindung, dass der Iran seine Bedingung für einen umfassenden Waffenstillstand, der den Libanon einschließt, im Gegenzug für die Freigabe seiner Gelder in westlichen Banken durch die Amerikaner aufgegeben habe.

Doch trotz all dieser Hilfe wird nichts Israel davon abhalten, weitere Gräueltaten im Libanon zu begehen, und niemand – weder die Amerikaner, noch die Saudis, noch die israelfreundliche libanesische Regierung – wird in der Lage sein, den libanesischen Widerstand daran zu hindern, sich gegen diesen völkermörderischen, räuberischen Staat zu wehren.

Letztendlich musste Israel keinen Staatsstreich im Libanon inszenieren, um sich ein mit ihm verbündetes Regime zu sichern. Die Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien haben diese Aufgabe für Israel übernommen und noch einiges mehr – wie der israelische Botschafter in den USA, Yechiel Leiter, der an Israels Invasion im Libanon 1982 beteiligt war, bestätigte, als er nach den Gesprächen dieser Woche erklärte: „Wir stehen auf derselben Seite.“

Joseph Massad ist Professor für moderne arabische Politik und Geistesgeschichte an der Columbia University in New York. Er ist Autor zahlreicher Bücher sowie wissenschaftlicher und journalistischer Artikel. Zu seinen Büchern gehören „Colonial Effects: The Making of National Identity in Jordan“, „Desiring Arabs“, „The Persistence of the Palestinian Question: Essays on Zionism and the Palestinians“ und zuletzt „Islam in Liberalism“. Seine Bücher und Artikel wurden in ein Dutzend Sprachen übersetzt.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf Middlle East Eye]