67. Tag im US-israelischen Angriffskrieg gegen Iran und Libanon – vor Ende des „Waffenstillstands“ (Ticker 18:00 Uhr)

Von Peter F. Mayer – 5. Mai 2026

Eine Wiederaufnahme des Angriffs gegen den Iran wird immer wahrscheinlicher. Erneut bilden sich große Staus von Schiffen vor Hormus. US-Präsident Trump hat ein „Project Freedom“ angekündigt – eine Operation, um angeblich festsitzende Schiffe aus dem Strait zu befreien. Israels Vernichtungskriege gegen den Libanon und dessen indigene semitische Bevölkerung geht indes weiter.

Die IRGC festigt ihre maritime Kontrolle, während eine neue Karte iranisches „Kontrollegebiet“ in der Straße von Hormus definiert. Iran hat am Montag eine neue operative Karte vorgestellt, die seine militärische Jurisdiktion über kritische Abschnitte der Straße von Hormus formalisiert. Das bezeichnete „Kontrollegebiet“, wie von der Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlicht, wird durch zwei strategische Seegrenzen abgegrenzt: Die erste verbindet die westliche Spitze der Insel Qeschm mit Umm al-Quwain in den VAE, und die zweite erstreckt sich von Kuh-e Mobarak bis zu den Gewässern südlich von Fudschaira. Diese Ankündigung stellt eine direkte Herausforderung an die US-Seeblockade iranischer Häfen dar, die seit dem 13. April im Gange ist, nach dem Scheitern der Friedensgespräche in Islamabad.

Die aktuelle „Doppelblockade“ – mit US-Streitkräften, die iranische Schifffahrt ins Visier nehmen, und dem IRGC, der den breiteren Golfverkehr einschränkt – hat die globalen Energieflüsse seit Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran am 28. Februar lahmgelegt. Obwohl Donald Trump kürzlich auf Pakistans Bitte hin die Waffenstillstandsfrist verlängert hat, warnte der IRGC, dass jede ausländische militärische Präsenz in diesen neu definierten Zonen mit sofortiger Gewalt beantwortet werde.

Israelische Beamte sagen, die Spannungen mit dem Iran könnten strategischen Zielen dienen

Die Israelische Rundfunkgesellschaft zitierte einen Sicherheitsbeamten mit den Worten, die eskalierenden Spannungen mit dem Iran „dienten den Interessen aller Parteien“, die eine erneute Konfrontation anstreben.

Berichte von Channel 12 und Israel Hayom besagen zudem, dass Einschätzungen darauf hindeuten, dass der Iran derzeit keine Absicht habe, Israel anzugreifen. Dem Bericht zufolge haben die israelischen Streitkräfte die Alarmstufe erhöht, insbesondere bei den Luftabwehrsystemen und der Luftwaffe, während der Ben-Gurion-Flughafen in Alarmbereitschaft versetzt wurde.

Den Berichten zufolge haben Militärplaner angesichts der anhaltenden Unsicherheit auch eine Reihe potenzieller Ziele im Iran vorbereitet, darunter Energieanlagen und zivile Infrastruktur.

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Die Werkzeuge des langen Krieges gegen den Iran (Teil 3 – Sanktionen, Attentäter, CyberWar)

Von Jochen Mitschka – 5. Mai 2026

In Teil 1 berichteten wir über die Terrororganisationen, welche für die USA in der Causa Iran arbeiten, im zweiten Teil über die Denkfabriken und ihre Drehbücher und in diesem Teil nun über Sanktionen, Attentäter und Medien.

Die schärfsten Instrumente, um die Entwicklung des Irans zu unterdrücken, sind Wirtschaftssanktionen. Nicht nur Sanktionen gegen das Land direkt, sondern Sekundärsanktionen gegen jeden, der es wagt, mit dem Iran Geschäfte oder wissenschaftlichen oder anderen Austausch zu betreiben.

Die ersten Sanktionen wurden während der Islamischen Revolution 1979 verhängt: Der Angriff auf die US-Botschaft und die Geiselnahme von Amerikanern als Vergeltung für den US-Putsch von 1953 und Jahrzehnte der Unterstützung von Folter und Diktatur, führten zum Einfrieren iranischer Vermögen und einem Handelsverbot.

Die zweite Phase fiel in Reagans Amtszeit, der 1984 und 1987 im Kontext des ersten Golfkriegs vor allem das iranische Rüstungsgeschäft schwächen wollte, weil die USA auf der Seite des Iraks wichtige Hilfestellung leistete, praktisch Kriegspartei war. Clinton erließ 1995 weitere umfassendere Sanktionen, die sich erstmals direkt gegen die iranische Ölindustrie richteten. Zudem wurde der Iran auf die schwarze Liste der Terrorismus unterstützenden Länder gesetzt, weil das Land die antikolonialen Widerstandsbewegungen in Palästina, im Libanon und Jemen unterstützte. Die Situation verschlechterte sich ab 2005 unter Ahmadinedschad, als der Iran sein Atomprogramm zur friedlichen Nutzung von Atomenergie mit eigener Urananreicherung trotz UN-Aufforderung nicht einstellte. Der UN-Sicherheitsrat beschloss 2006 weitreichende Sanktionen, darunter ein Waffenembargo, und auch die EU führte Handelssanktionen ein. Im Jahr 2011 führte die EU zusätzlich Sanktionen wegen „schwerer Menschenrechtsverletzungen“ ein.

Die gefälschten Beweise

Am 9. Juni 2010 waren die Sanktionen mit der Sicherheitsratsresolution 1929 noch einmal verschärft worden. Damit sollte insbesondere der Verkauf von Waffen an den Iran unterbunden werden, damit das Land nicht die Möglichkeit bekam, sich gegen militärische Erpressungen zu wehren.

Die Resolution 1929 des UN-Sicherheitsrates basierte auf einer total falschen Annahme. Sie ging davon aus, dass der Iran nach Atomwaffen strebt und die globale Sicherheit bedroht, weshalb es kein Veto Russlands oder China gab. Der UN-Sicherheitsrat hatte damit die aus den USA, der NATO und Israel bestehenden Militärallianz zu einer Strafaktion ermächtigt und ihr grünes Licht für eine Bedrohung des Irans mit einem präemptiven Atomangriff gegeben.

Die Argumentation der USA im UN-Sicherheitsrat hat sich teilweise auf Geheimdienst-Dokumente gestützt, die angeblich „Beweise“ dafür liefern, dass der Iran ein Atomwaffen-Programm betreibt. Im November 2005 veröffentlichte die NEW YORK TIMES / NYT einen Bericht von William J. Breit und David E. Sanger mit dem Titel „Relying on Computer, U.S. Seeks to Prove Iran’s Nuclear Aims“ [Unter Berufung auf einen Computer versuchen die USA dem Iran das Streben nach Atomwaffen nachzuweisen]. Die in der NYT veröffentlichten Beschuldigungen Washingtons beruhten auf Dokumenten, „die angeblich von einem iranischen Computer stammen, den ein Unbekannter gestohlen und 2004 einem US-Geheimdienst übergeben haben soll„.

Die Echtheit dieser Dokumente wurde zwar schon früh angezweifelt, aber in einem Artikel des investigativen Journalisten Gareth Porter wurde dann zweifelsfrei nachgewiesen, dass die mysteriösen Laptop-Dokumente Fälschungen waren. Die in den Dokumenten enthaltenen Zeichnungen bezogen sich auf eine veraltete nordkoreanische Rakete, die der Iran (angekauft, aber) Mitte der 1990er Jahre ausgemustert hatte. Wie dumm, dass die vom US-Außenministerium präsentierten Zeichnungen den „falschen Raketensprengkopf“ abbildeten. (Mehr Informationen in dieser Quelle). Natürlich wurden die Sanktionen deshalb nicht aufgehoben.

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China fordert sofortigen Stopp der illegalen US-Sanktionen gegen Kuba

Von Peter F. Mayer – 5. Mai 2026

Seit 65 Jahre gibt es illegale Wirtschaftsblockade gegen Kuba. Am 1. Mai 2026 hat Trump mit einer neuen Executive Order die Schraube noch einmal deutlich angezogen. Sektorale Sanktionen gegen ausländische Unternehmen in Energie, Verteidigung, Bergbau, Finanzwesen und Sicherheitssektor – plus sekundäre Sanktionen gegen ausländische Banken.

Das ist ein klassischer Akt extraterritorialer Erpressung, der nicht nur Kuba, sondern jeden trifft, der es wagt, mit Havanna Geschäfte zu machen. Peking hat nun klar Position bezogen und fordert den sofortigen Stopp. Die chinesische Außenministeriumssprecherin erklärte am 5. Mai 2026 unmissverständlich: „Die Verschärfung der unrechtmäßigen und einseitigen US-Sanktionen gegen Kuba verletzt gravierend das Recht des kubanischen Volkes auf Existenz und Entwicklung und verstößt gegen die grundlegenden Normen der internationalen Beziehungen.“ China unterstütze Kuba entschieden bei der Wahrung seiner nationalen Souveränität und Sicherheit und lehne jede Einmischung in innere Angelegenheiten ab. Abschließend der unmissverständliche Appell: „Wir fordern die USA auf, unverzüglich die Blockade und Sanktionen sowie jegliche Form von Zwang und Druck gegen Kuba zu beenden.“ Das berichtet die Global Times vom 5. Mai 2026.

Der US-Präsident hatte nur vier Tage zuvor die Executive Order „Imposing Sanctions on Those Responsible for Repression in Cuba and for Threats to United States National Security and Foreign Policy“ unterzeichnet. Das Dokument erweitert die bereits bestehende Notstandserklärung vom Januar 2026 massiv und ermöglicht es, jede ausländische Person oder Firma zu sanktionieren, die in den genannten Sektoren der kubanischen Wirtschaft tätig ist – oder auch nur mit sanktionierten kubanischen Stellen Geschäfte macht.

Wie Reuters und mehrere Rechts- und Compliance-Firmen berichten (z. B. Sullivan & CromwellThompson Hine), handelt es sich um die aggressivste Ausweitung seit Jahrzehnten. Sekundärsanktionen gegen ausländische Finanzinstitute sollen Kuba endgültig vom internationalen Finanzsystem abschneiden. Offiziell wird das mit „Repression“ und „Bedrohung der US-Sicherheit“ begründet – in Wahrheit geht es um die Fortsetzung einer Politik, die seit 1960 gescheitert ist und den kubanischen Menschen mehr geschadet als dem US-Regime genutzt hat.

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Die Öffnung der Straße von Hormuz

Von German-Foreign-Policy-com – 5. Mai 2026

Ein erstes deutsches Kriegsschiff bricht ins Mittelmeer auf, um sich für einen Einsatz in der Straße von Hormuz bereitzuhalten. Unterdessen lösen die USA mit einem Versuch, die Blockade des Seeweges zu brechen, neue Kampfhandlungen aus.

Ein erstes Schiff der deutschen Marine ist ins Mittelmeer aufgebrochen und soll sich dort für einen möglichen Einsatz in der Straße von Hormuz bereithalten. Das Minenjagdboot Fulda verließ am gestrigen Montag den Marinehafen in Kiel; sollte es zu einem verlässlichen Ende des Iran-Kriegs kommen, dann kann es in kürzester Zeit in der Meerenge am Eingang zum Persischen Golf eingesetzt werden, um dort womöglich von Iran gelegte Minen zu entfernen. Das soll im Rahmen eines von Frankreich und Großbritannien geführten Einsatzes geschehen, der von beiden Staaten seit Mitte März vorbereitet wird, zuletzt mit einer politischen Konferenz am 17. April in Paris, anschließend mit einer Konferenz von Militärplanern am 22./23. April in London. Das Bundesverteidigungsministerium zieht außerdem den Tender Mosel aus dem Einsatz der NATO zur Flüchtlingsabwehr in der Ägäis ab, um ihn der Fulda jetzt als Versorgungsschiff zur Seite zu stellen. Unterdessen führt ein Versuch der Trump-Administration, die Straße von Hormuz mit militärischen Mitteln für Handelsschiffe zu öffnen, wie weithin erwartet zu einem Wiederaufflackern der Kampfhandlungen am Persischen Golf.

Unter französisch-britischer Führung

Die aktuellen Planungen für einen Militäreinsatz in der Straße von Hormuz sind seit Mitte März führend von Frankreich und Großbritannien vorangetrieben worden.[1] Ziel ist es, nach einem dauerhaften und verlässlichen Ende der Kampfhandlungen den Schiffsverkehr durch die Meerenge wieder in Gang zu bringen. Dazu sollen einerseits Minen beseitigt werden, von denen angenommen wird, dass Iran sie in einem Teil des Seeweges platziert hat. Andererseits sollen Kriegsschiffe Tanker und Containerschiffe durch die Straße von Hormuz begleiten. Dies gilt als hilfreich, um dort die Sicherheit zu gewährleisten, um den Crews wie auch den Reedern den Rücken zu stärken und um Schiffsversicherer zu einer Senkung ihrer Policen zu veranlassen. Zuletzt fanden in Paris und London zwei internationale Koordinierungstreffen statt. Am 17. April trafen in Paris Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Großbritanniens Premierminister Keir Starmer, Bundeskanzler Friedrich Merz und Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zusammen, um die Pläne gemeinsam mit online zugeschalteten Vertretern von rund vier Dutzend weiteren Staaten zu besprechen. Am 22./23. April folgte ein Treffen in London, auf dem Militärplaner aus mehr als 40 Ländern in Betracht gezogene Operationen im Detail diskutierten.[2] Die Gespräche seien erfolgreich gewesen, hieß es.

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Trump zieht 5000 US-Soldaten ab – Berlin rüstet verstärkt auf

Von Johannes Stern – 5. Mai 2026

Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, 5000 US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen und die geplante Stationierung US-amerikanischer Mittelstreckenwaffen in Deutschland zu stoppen, markiert eine weitere Eskalation der Krise der transatlantischen Beziehungen.

Betroffen ist nicht nur eine Brigade, sondern auch das unter Präsident Biden geplante Bataillon für weitreichende Präzisionsschläge, das ab 2026 unter anderem Tomahawk-Marschflugkörper nach Deutschland bringen sollte. Diese Systeme können Russland erreichen und galten in Berlin als zentraler Baustein der Kriegseskalation der NATO.

Die deutsche Regierung reagiert darauf mit einer doppelten Taktik. Nach außen spielt sie den Konflikt mit Washington herunter. In der Praxis nutzt sie ihn, um die massivste Aufrüstung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu beschleunigen.

Verteidigungsministern Boris Pistorius erklärte, es sei „absehbar“ gewesen, „dass die USA Truppen aus Europa und auch aus Deutschland abziehen würde“. Derzeit sei „von 5000 US-Soldatinnen und Soldaten von insgesamt fast 40.000 die Rede, die aktuell in Deutschland stationiert sind“. Man arbeite mit den Amerikanern „eng zusammen, in Ramstein, in Grafenwöhr, in Frankfurt und anderswo“, und die USA bündelten in Deutschland nach wie vor auch „militärische Funktionen, etwa für ihre sicherheitspolitischen Interessen in Afrika und im Mittleren Osten“.

„Klar“ sei jedoch auch, dass man „innerhalb der NATO europäischer werden“ müsse, „um transatlantisch bleiben zu können. Anders ausgedrückt: Wir Europäer müssen mehr Verantwortung für unsere Sicherheit übernehmen. Deutschland ist auf einem guten Weg. Wir wachsen auf: Unsere Bundeswehr wird größer, wir beschaffen schneller mehr Material und setzen dabei auf Innovationen, und wir bauen mehr Infrastruktur.“

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Insolvenz von Spirit Airlines: 17.000 Arbeiter bezahlen für den Krieg der Wall Street gegen den Iran

Von Tom Hall – 4. Mai 2026

Ein Flugzeug von Spirit Airlines in Fort Lauderdale (Florida) am 14. Februar 2017 [Photo by Alec Wilson/Wikipedia / CC BY 4.0]

Spirit Airlines, die größte Billigfluggesellschaft in den USA, gab am Samstag bekannt, dass sie nach 34 Jahren im Geschäft den Betrieb dauerhaft eingestellt hat. Etwa 17.000 Beschäftigte erfuhren über Nacht, dass sie ihre Stellen verloren haben.

Zehntausende Passagiere und Besatzungsmitglieder strandeten an Flughäfen im gesamten Land, ohne bei ihren Umbuchungen Hilfe zu erhalten. Im gesamten Streckennetz von Spirit kam es zu chaotischen Szenen. In Atlanta kamen Familien zum Gate und fanden weder Personal noch Flugzeuge vor. In Las Vegas und Fort Lauderdale, wo Spirit am stärksten vertreten war, blieben die Ticketschalter leer.

Der Flugbegleiter Freddy Peterson erfuhr um 3 Uhr morgens von der Stilllegung und musste einen Delta-Flug zurück zu seinem Heimatflughafen in Atlanta nehmen. Gegenüber PBS erklärte er: „Ich werde wahrscheinlich zu heulen anfangen, wenn ich ins Auto steige.“ Verkehrsminister Sean Duffy erklärte den Gestrandeten kurz und knapp: „Wenn Sie einen Flug mit Spirit Airlines gebucht haben, kommen Sie nicht zum Flughafen. Dort wird niemand sein, der Ihnen hilft.“

Die unmittelbare Ursache für die Abwicklung von Spirit ist der massive Anstieg der Kerosinpreise infolge des amerikanisch-israelischen Kriegs gegen den Iran und der Schließung der Straße von Hormus. Seit Beginn des Kriegs Ende Februar haben sich die Kerosinpreise fast verdoppelt – von etwa 2,10 Dollar auf über 4 Dollar pro Gallone in den USA, und von 68 auf 153 Euro in Europa.

Spirit hatte von seinem zweiten Insolvenzantrag nach Artikel 11 im August 2025 noch Schulden in Höhe von 8,1 Milliarden Dollar. Es operierte mit einer der dünnsten Gewinnmargen der Branche, ohne jegliche Absicherungen von Treibstoffkosten, und hatte daher keinen Puffer, um diesen Schock zu verkraften.

Am 16. April warnte der geschäftsführende Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA) Fatih Birol, Europa habe noch für „vielleicht sechs Wochen“ Kerosin übrig. Fast drei Wochen davon sind vorbei. In Europa werden 1,6 Millionen Barrel Kerosin pro Tag verbraucht, von denen bisher 500.000 Barrel durch die Straße von Hormus geliefert wurden. Südkorea, der weltweit führende Exporteur von Kerosin, hat angesichts der Verknappung seiner Rohölvorräte aus dem Golf damit begonnen, seine eigenen Exporte einzuschränken.

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66. Tag im US-israelischen Angriffskrieg gegen Iran und Libanon – US-Eskalation in Straße von Hormus

Von Peter F. Mayer – 4. Mai 2026

Eskalation a Hormuz und anhaltende Angriffe im Libanon. Ein brüchiger Waffenstillstand, der kaum hält, anhaltende israelische Operationen im Libanon und eine hochgefährliche Konfrontation im strategisch entscheidenden Straße von Hormus. Der Krieg in Westasien ist keineswegs vorbei – er hat nur neue, unberechenbare Formen angenommen.

Laut iranischen Quellen wie Tasnim News und Fars News bereitet sich der Iran auf „jede Szenario“ im Hormus vor. Die IRGC hat neue maritime Kontrollzonen ausgerufen, Warnschüsse auf US-Zerstörer abgegeben und betont, dass jede unkoordinierte Durchfahrt als Verletzung des Waffenstillstands gilt. Teheran hat über Pakistan einen 14-Punkte-Vorschlag an die USA übermittelt, der ein umfassendes Ende der Kämpfe auf allen Fronten und eine neue Regelung für den Hormuz fordert.

US-Präsident Trump hat dagegen „Project Freedom“ angekündigt – eine Operation, um festsitzende Schiffe aus dem Strait zu befreien. Iranische Medien berichten von Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Schiffe und Ziele in den Emiraten; Washington dementiert Treffer, während die UAE von abgefangenen Geschossen und Bränden an Ölanlagen sprechen. Die Spannungen könnten jederzeit zu einer neuen Eskalation führen.

Libanon: „Waffenstillstand“? Nur auf dem Papier

Trotz eines angeblichen Waffenstillstands seit Mitte April setzen israelische Luftangriffe auf den Süden des Libanon fort. Das libanesische Gesundheitsministerium meldet in den letzten Tagen Dutzende Tote und Verletzte durch israelische Strikes – darunter Helfer und Zivilisten. Hezbollah-Abgeordnete erklären, die Gruppe werde die Ziele der Verhandlungen „vereiteln“ können, solange Israel nicht aufhört.

Al Jazeera und Middle East Eye berichten von anhaltender Verwüstung im Süden, Zerstörung von Infrastruktur und Angriffen, die selbst christliche Einrichtungen nicht verschonen. Hezbollah-Chef Naim Qassem betont: „Der Libanon wird über das zionistische Regime siegen.“ Israel wiederum meldet Tötungen von Hezbollah-Kämpfern und Zerstörung von Raketenwerfern.

Die direkten Gespräche zwischen Libanon und Israel unter US-Vermittlung laufen, doch das Misstrauen ist tief. Viele Beobachter sehen hier weniger einen Friedensprozess als ein Manöver, um Zeit zu gewinnen und Positionen zu festigen.

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Blockieren radikale Islamisten bereits die malische Hauptstadt? Fiktion und Fakten

Von Andrew Korybko – 4. Mai 2026

Die Aufbauschung des Szenarios, dass die Islamisten der JNIM ihre Blockade von Bamako wieder aufgenommen haben, obwohl dies noch gar nicht eingetreten ist, ist Teil einer Operation der Informationskriegsführung, die darauf abzielt, die Malier zu demoralisieren.

Es gibt widersprüchliche Berichte darüber, dass radikale Islamisten der „Jamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin“ (JNIM) angeblich ihre Blockade der malischen Hauptstadt Bamako wieder aufgenommen haben, nachdem ihre erste derartige Blockade von Ende letzten Jahres mit Hilfe des russischen Afrika-Korps (AK) durchbrochen worden war. Einige Berichte behaupten, dass dies erneut bereits der Fall sei, andere behaupten, dass es sich lediglich um eine Drohung handele, während der offizielle X-Account des AK Aufnahmen veröffentlichte, auf denen zu sehen ist, wie seine Truppen einen Konvoi von 800 Tanklastwagen eskortieren. Es ist daher verständlich, warum die Leute verwirrt sind.

Am wahrscheinlichsten ist, dass die JNIM und ihre medialen Sympathisanten eine Informationskriegsführung betreiben, „um die Moral und den psychologischen Zustand der Truppen und der Zivilbevölkerung“ in Mali zu untergraben, genau wie es das AK in einem entsprechenden Beitrag hier eingeschätzt hat. Der Aufruf der JNIM an die Malier, sich zu erheben, die militärische Übergangsregierung zu stürzen und mit der Gruppe zusammenzuarbeiten, um die Scharia einzuführen, ist Teil dieser Operation. Sie hoffen, die Bewohner der Hauptstadt so verzweifelt zu machen, dass diese tun, was sie verlangen.

Zu diesem Zweck drohen sie mit der Wiederaufnahme ihrer vollständigen Blockade, obwohl unklar bleibt, ob sie damit Erfolg haben werden, angesichts der Luft- und Drohnenüberlegenheit der AK, die bereits zur Eskortierung dieses riesigen Tankwagenkonvois eingesetzt wurde. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass JNIM Angriffe auf diese Konvois und/oder auf Treibstoffdepots innerhalb der Hauptstadt verüben könnte, unter anderem durch Selbstmordattentate der Art, wie sie den Verteidigungsminister in der Anfangsphase ihrer laufenden Offensive Ende April ermordeten.

Die malischen Streitkräfte (FAMA) und ihre Verbündeten der AK müssen daher die konventionelle Offensive der JNIM stoppen, die sich vom dünn besiedelten Osten aus dem dichter besiedelten Zentrum des Landes nähert, und gleichzeitig die Hauptstadt vor terroristischen Sabotageakten der Gruppe schützen. Eine zu starke Konzentration auf das erste Ziel könnte zum Verlust der Hauptstadt führen, während eine zu starke Konzentration auf das zweite Ziel zum Verlust des Landes führen könnte, was eine sehr sorgfältige Abwägung der begrenzten militärischen Ressourcen erfordert.

Logistische Faktoren erschweren die Erreichung jedes Ziels zusätzlich. Algerien steht im Verdacht, die JNIM und ihre Verbündeten der „Azawad-Befreiungsfront“ (FLA) aus den hier erläuterten Gründen zu unterstützen; daher kann die konventionelle Offensive der JNIM-FLA von den FAMA-AK nicht ohne Weiteres besiegt werden, es sei denn, diese Unterstützung endet, was unwahrscheinlich ist. Ebenso wird Bamako über den guineischen Hafen Conakry versorgt, sodass eine Sabotage der dortigen Terminals (beispielsweise durch Drohnenangriffe) und/oder Angriffe von Aufständischen und Terroristen auf dem Weg nach Mali die Hauptstadt abschneiden könnten.

Die Hervorhebung dieser logistischen Herausforderungen soll nicht dazu dienen, „die Moral und die psychische Verfassung der Truppen und der Zivilbevölkerung zu untergraben“, wie es die Informationskriegsführung der JNIM und ihrer medialen Sympathisanten tut. Vielmehr besteht der Zweck einzig und allein darin, Beobachtern ein besseres Verständnis der sich rasch entwickelnden militärischen, strategischen und insbesondere logistischen Dynamik der Mali-Krise zu ermöglichen, wobei letztere mittlerweile von entscheidender Bedeutung für den Verlauf dieses Konflikts ist.

Um auf den Titel zurückzukommen: Tatsache ist, dass die JNIM Bamako Ende letzten Jahres erfolglos blockiert hat und erneut damit droht, dies zu tun, doch das russische Afrika-Korps hat dies bislang verhindert. Die Fiktion hingegen besagt, dass diese Blockade bereits in vollem Gange oder unvermeidlich sei, ganz zu schweigen von der Andeutung, dass sie zu einem stadtweiten Aufstand führen werde, welcher der JNIM „die Tore öffnet“, um die Hauptstadt einzunehmen. Zwar ist die Lage äußerst ernst, doch sind Vorhersagen über eine Niederlage Malis definitiv verfrüht.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Krieg auf der Leinwand? NATO-Treffen mit Filmemachern führt zu Propagandavorwürfen

Von Vassiliki Mantziou – 4. Mai 2026

Vertrauliche NATO-Treffen mit der Filmbranche sorgen für Kritik. Wird hier etwa an der Darstellung von Krieg und Sicherheit gearbeitet?

Hinter verschlossenen Türen sucht die NATO den direkten Draht zur Filmindustrie. Treffen des Militärbündnisses mit Regisseuren, Autoren und Produzenten sollen in Los Angeles, Brüssel und Paris bereits stattgefunden haben. Offiziell dient der Dialog der „sich entwickelnden Sicherheitslage in Europa und darüber hinaus“, berichtet der britische Guardian. Ein Gespräch in London soll im Juni folgen.

Doch eben jener Vorstoß stößt zunehmend auf Kritik. Sowohl bei Filmschaffenden als auch bei politischen Beobachtern wächst die Furcht vor einer gezielten Instrumentalisierung der Kultur. Die Treffen erfolgten unter dem Schutz der Chatham House Rule, einer Regel, die zwar die Verbreitung von Inhalten erlaubt, die Identität der Teilnehmer aber im Dunkeln lässt.

Dass dieser strategische Flirt mit der Leinwand bereits Wirkung zeigt, belegt eine interne E-Mail der britischen Autorenvereinigung (WGGB), die vom Guardian zitiert wird. Diese führt nämlich an, dass bereits drei Filmprojekte in der Entwicklung sind, die „zumindest teilweise“ von den Briefings des Militärbündnisses inspiriert wurden.

NATO-Treffen: „eindeutig Propaganda“

„Ich fand es taktlos und verrückt, diese Treffen als eine Art positive Möglichkeit darzustellen“, sagt der irische Drehbuchautor Alan O’Gorman laut dem Bericht. Er verweist dabei ausdrücklich auf Menschen mit Freunden und Familie in Ländern außerhalb der NATO, die „unter Kriegen gelitten haben, an denen die NATO beteiligt war und die sie propagiert hat“. Der Gewinner des irischen Film- und Fernsehpreises sieht in den Treffen den Versuch, von Medien und Politik, die Nato in einem positiven Licht darzustellen. „Ich glaube, derzeit wird in ganz Europa Panikmache betrieben, dass unsere Verteidigung schwach sei.“ Die Gespräche bezeichnete er als „empörend“ und „eindeutig Propaganda“.

Der Drehbuchautor und Produzent Faisal A. Qureshi meldete sich für eines der Treffen an, „um sich selbst ein Bild davon zu machen“, musste jedoch aufgrund eines Terminkonflikts wieder absagen. In seiner Einschätzung teilt er jedoch zentrale Bedenken anderer Kritiker.

Er warnt davor, dass Kreative in solchen Gesprächen der Illusion verfallen könnten, Zugang zu „geheimem Wissen“ zu erhalten, und dass dadurch moralische Grenzen verschwimmen könnten. „Sie haben etwas erhalten, das den Anschein von Wahrheit trägt, und zwar von einer Autorität, die selten mit der Öffentlichkeit zu tun hat, und es entsteht ein Gefühl der Privilegierung, diesen Zugang zu erhalten“, so Qureshi.

Europa in verschärfter Sicherheitslage

Ein NATO-Beamter beschreibt die Initiative laut Bericht als Teil einer Reihe von Veranstaltungen für Autoren fiktionaler Werke, welche aufgrund „des von Branchenvertretern geäußerten Interesses, mehr über die Nato und ihre Funktionsweise zu erfahren“, ins Leben gerufen wurde. Zu dieser Veranstaltung gehöre der Austausch mit NATO-Vertretern, der Zivilgesellschaft und der Thinktank-Szene. Letzteres ist ein Netzwerk, das durch Forschung und Analyse politischer, sozialer und wirtschaftlicher Themen Einfluss auf die öffentliche Meinung nimmt und sie so im Sinne von Politikberatung fördert.

Der vom Guardian zitierte Bericht des Zentrums für europäische Reformen warnt vor einer verschärften Sicherheitslage in Europa durch Russland und China sowie vor einem möglichen Rückzug der USA. Deshalb seien höhere Verteidigungsausgaben notwendig. Diese ließen sich laut dem Bericht nur durch politische Einsparungen oder Steuererhöhungen umsetzen. Gleichzeitig müsse die Öffentlichkeit stärker überzeugt werden, etwa durch gezielte Kommunikation und Zusammenarbeit mit Medien und Kultur.

„Eine ernsthafte Gefahr für die Meinungs- und Pressefreiheit in Europa“

Dass die NATO untersucht, inwiefern Menschen durch mediale Faktoren wie Film, Fernsehen oder soziale Netzwerke beeinflusst werden können, ist nichts Neues. Bereits im Dezember wurde ein Dokument des Militärbündnisses unter dem Titel „Mentale Kriegsführung“ veröffentlicht. Darin warnte das Bündnis vor der Propaganda externer Akteure wie Russland und analysierte mögliche Schutzmaßnahmen gegen solche Einflussnahme. Durch die neuesten Entwicklungen rückt dieses Papier erneut in den Fokus – dieses Mal begleitet durch die Frage, inwiefern die NATO selbst gewillt ist, „mentale Kriegsführung“ zu betreiben.

Hier setzt die Kritik der BSW-Außenpolitikerin Sevim Dagdelen an, die sich seit Jahrzehnten mit NATO-Strategien und sicherheitspolitischen Fragen auseinandersetzt.

„Die NATO greift auf Methoden zurück, die sie bei anderen stets als Beleg für autoritäre Politik angeprangert hat.“ Der Versuch des größten Militärpakts, Medienschaffende direkt in seine Propaganda einzubinden, stelle eine ernste Gefahr für die Meinungs- und Pressefreiheit in Europa dar. „Man muss befürchten, dass sich innerhalb der Nato zunehmend der Wille zu einer medialen Kriegsvorbereitung durchsetzt.“ Medienschaffende, die sich auf eine Kooperation mit der NATO und deren Propaganda einließen, leisteten ihrem Berufsethos und der Pressefreiheit „einen Bärendienst“, so die Außenpolitikerin gegenüber der Berliner Zeitung.

[Zum Originalbeitrag der Berliner Zeitung]

Jeffrey Sachs: Globale Wirtschaftskatastrophe und die Selbstzerstörung Europas

Von Peter F. Mayer – 4. Mai 2026

In einem aktuellen Interview mit dem norwegischen Politikwissenschaftler Glenn Diesen zeichnet der renommierte Ökonom Professor Jeffrey Sachs ein düsteres Bild der Weltwirtschaft. Die USA versuchen mit Kriegen, Sanktionen und Piraterie ihre schwindende Vorherrschaft zu retten – und treiben dabei nicht nur sich selbst, sondern vor allem Europa in den Abgrund.

Sachs, der seit Jahrzehnten internationale Wirtschaftsbeziehungen analysiert, stellt klar: Die einst integrierte Weltwirtschaft ist zerbrochen – und das nicht nur vorübergehend. Das US-chinesische Handels- und Investitionsverhältnis wird nie mehr so sein wie vor zehn Jahren. Die Verbindungen zwischen Europa und Russland sind „vielleicht für eine Generation“ zerstört. Europa ist der große Verlierer dieser Entwicklung: Es hat seinen wichtigsten Energielieferanten und Rohstoffpartner verloren und steht nun allein da – abhängig von einem zunehmend desinteressierten und unberechenbaren Amerika.

„Europa ist wirtschaftlich völlig orientierungslos“, sagt Sachs. Während Asien sich weiter integriert und davon profitieren wird, hat Europa durch die Abkopplung von Russland und die blinde Unterwerfung unter US-Interessen massiven Selbstschaden angerichtet. Die Industrie schließt Fabriken, es gibt keine Lichtblicke. Die aktuelle politische Führung – von Ursula von der Leyen über Kaja Kallas, Friedrich Merz bis Keir Starmer – verkörpert für Sachs eine gescheiterte Elite, die Geografie und Realitäten ignoriert.

Besonders kritisch sieht Sachs die Rolle der USA. Unter dem Deckmantel der „nationalen Sicherheit“ wurde die Ökonomie zur Waffe umfunktioniert. Früher lehrten Ökonomen (von Adam Smith bis in die jüngere Zeit) die Vorteile offenen, wechselseitig vorteilhaften Handels. Heute dominieren Denker wie Elbridge Colby oder Jake Sullivan ein Nullsummen-Denken: Wirtschaft dient nicht mehr dem Wohlstand der Völker, sondern der Erhaltung amerikanischer Hegemonie. Sanktionen, Technologieblockaden, das Einfrieren russischer Reserven und die zunehmende Piraterie auf den Meeren (Trump prahlt offen damit, Schiffe zu kapern) sind Symptome dieses Wahns.

Sachs warnt eindringlich vor einer Eskalation in Westasien. Ein erneuter offener Krieg der USA gegen den Iran – er schätzt die Wahrscheinlichkeit auf über 50 Prozent – würde verheerende Folgen haben: Zerstörung der Infrastruktur am Golf, explodierende Energiepreise und eine dramatische Beschleunigung des globalen wirtschaftlichen Niedergangs. Die US-Regierung sei „völlig entinstitutionaliert“, Israel agiere als „Kriegstaat“ mit biblischen Größenwahnvorstellungen, der die amerikanischen Illusionen noch anheizt.

Selbstmord durch Geopolitik: NATO-Osterweiterung und Russland-Politik

Sachs kritisiert scharf die US-Politik, die Europa und Russland jahrzehntelang bewusst auseinandergehalten hat – gegen die Interessen Deutschlands und Europas. Nord Stream war kein Fehler, sondern ein logischer Schritt, den die USA aus hegemonialen Gründen gesprengt haben. Statt auf Geographie und wirtschaftliche Vernunft zu setzen, hat Europa eine neue Mauer errichtet.

Europa habe jahrzehntelang ignoriert, dass die USA bewusst enge Beziehungen zwischen Deutschland/Europa und Russland (z. B. Nord Stream) torpediert haben, um die eigene Vormacht in Europa zu sichern. Stattdessen habe man sich auf NATO-Erweiterung und Konfrontation eingelassen – mit fatalen Folgen. „Geografie ist Schicksal“, mahnt Sachs. Europa liege zwischen Russland und den atlantischen Mächten; die aktuelle Politik der Abkopplung und der bedingungslosen Anlehnung an Washington sei reiner Selbstmord.
Auch die öffentliche Meinung in Europa und den USA driftet immer weiter von der Politik der Eliten ab. Die Menschen spüren den sinkenden Lebensstandard, die steigenden Preise und die zerstörte Industrie. Trumps Zustimmungswerte sacken ab, in Europa wächst der Widerstand gegen weitere Milliarden für den Ukraine-Krieg (zuletzt 90 Milliarden als „Kredit“, der nie zurückgezahlt wird). Sachs sieht hier eine wachsende Kluft: Die politische Klasse ist in alten Denkmustern von Hegemonie und „Regime Change“ gefangen, während die Bevölkerung die Folgen ausbaden muss.

Piraterie auf hoher See und das Ende der Freiheit der Schifffahrt

Besonders alarmierend sind die Entwicklungen im maritimen Bereich. Trump brüstet sich offen damit, dass die USA nun „Piraten“ sind und Schiffe kapern. Blockaden gegen Venezuela, Kuba, Iran, Angriffe auf die russische Handelsflotte und Drohungen gegen iranische Tanker bis zur Straße von Malakka – das alles untergräbt die Grundprinzipien des internationalen Rechts und der Freiheit der Meere, die die USA einst selbst verteidigt haben.

Sachs warnt: In der westlichen Hemisphäre mag die US-Dominanz kurzfristig funktionieren, doch weiter entfernt scheitert sie. Europa, das sich auf einen direkten Konfrontationskurs mit Russland begibt, riskiert eine vollständige Zerstörung.

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