Austerität und Militarisierung

Von German-Foreign-Policy.com – 22. Juni 2026

Stark frequentierte internationale Anti-Kriegs-Konferenz in London wendet sich gegen Hochrüstung in Europa und Abriss der Sozialsysteme. Proteste nehmen europaweit zu. Parallel hebelt die EU mit Personensanktionen den Rechtsstaat aus.

Mit internationalen Protesten und Anti-Kriegs-Konferenzen gewinnt eine neue Bewegung gegen die beispiellose Militarisierung in Europa an Fahrt. Bereits am vorvergangenen Sonntag hatten rund 12.000 Menschen in Brüssel unter dem Motto „Welfare, not Warfare“ gegen die Hochrüstung und den zu ihrer Finanzierung gestarteten Abriss der Sozialsysteme in ganz Europa demonstriert. An diesem Samstag folgte eine internationale Anti-Kriegs-Konferenz in London, auf der nahezu 3.000 Menschen aus Europa, Nordamerika und Nah- und Mittelost gleichfalls gegen die brutale Kriegspolitik des Westens sowie den dramatischen Raubbau an Gesundheitswesen, Bildung und Renten protestierten. „Austerität und Militarisierung“ seien „zwei Seiten derselben Münze“, rief der Präsident der britischen Bäckergewerkschaft BFAWU. Für diesen Herbst werden erneut europaweite Proteste angekündigt, so etwa ein Aktionstag der Hafenarbeiter. Mit der Zunahme der Proteste geht eine anschwellende Repression etwa gegen Journalisten einher, die auf Basis der Behauptung, sie kooperierten mit einer feindlichen Macht – mit Russland –, mit EU-Sanktionen attackiert werden. Die EU schafft damit ein flexibles Strafsystem jenseits des Rechtsstaats zur Absicherung ihrer Kriegspolitik.

Internationale Anti-Kriegs-Konferenz

Unter Beteiligung von fast 3.000 Personen aus Europa, Nordamerika und dem Nahen und Mittleren Osten hat am Samstag in London die zweite internationale Anti-Kriegs-Konferenz in Europa innerhalb von nur neun Monaten stattgefunden. Schon am 5. Oktober 2025 waren mehr als 4.000 Aktivisten in Paris zusammengekommen, um auf einem internationalen Treffen gegen den Krieg gegen die beispiellose derzeitige Militarisierung in ganz Europa zu protestieren. Zu der Londoner Folgeveranstaltung waren außer individuellen Teilnehmern Delegationen von Aktivisten aus rund 20 Ländern angereist. Recht stark vertreten waren vor allem Gewerkschaften, darunter Unison, die mit über 1,4 Millionen Mitgliedern größte Einzelgewerkschaft Großbritanniens; die kämpferische britische Eisenbahnergewerkschaft RMT; aus Frankreich die großen Gewerkschaften CGT sowie Force ouvrière; aus Italien die CGIL sowie weitere Gewerkschaften aus den genannten wie auch anderen Ländern. Organisiert worden war die Konferenz von der Stop the War coalition, die Ende September 2001 zum Kampf gegen den damals bevorstehenden Krieg in Afghanistan gegründet worden und an der Organisation der Demonstration gegen den bevorstehenden Irakkrieg am 15. Februar 2003 beteiligt war; damals gingen eine Million Menschen, vielleicht gar deutlich mehr, in London gegen den Krieg auf die Straße.

Zwei Seiten derselben Münze

Konkret richteten sich die Beiträge auf der Konferenz zum einen gegen die gegenwärtigen Kriege, die mehrheitlich von den USA und zum Teil auch Israel geführt werden – die Kriege gegen Iran und den Libanon, im Gazastreifen; gegen den US-Überfall auf Venezuela und die Verschleppung von Präsident Nicolás Maduro und gegen die militärische US-Drohpolitik gegen Kuba, aber auch gegen die Kriege im Sudan, in der Demokratischen Republik Kongo, im Sahel. Nicht weniger prangerten diverse Redner die Hochrüstung in der EU an, so etwa das 800 Milliarden Euro schwere EU-Programm Rearm Europe. „Wir wollen keinen US-Imperialismus, und wir wollen keinen europäischen Imperialismus“, äußerte etwa Lindsey German, Gründungs- und bis heute führendes Mitglied der Stop the War campaign. Viele Redner stellten den unlösbaren Zusammenhang der Militarisierung mit dem Komplettabriss der sozialen Sicherheitssysteme heraus, der zur Zeit in ganz Europa stattfindet; „Austerität und Militarisierung“ seien lediglich „zwei Seiten derselben Münze“, hielt etwa Ian Hodson, Präsident der Bakers, Food and Allied Workers‘ Union (BFAWU) fest und konstatierte mit Blick darauf, dass die Regierung des scheidenden Premierministers Keir Starmer unter anderem Geld für Rollstuhlfahrer gekürzt hatte, um die Rüstung zu finanzieren: „Menschen mit Behinderung zahlen für den Krieg!“[1]

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Iran: Das Ziel war stets die wirtschaftliche Wiederintegration, nicht die Eindämmung

Von Patrick Wood – 22. Juni 2026

Anmerkung: Vereinfacht ausgedrückt ist wirtschaftliche Reintegration der Prozess, ein Land, das von der Weltwirtschaft abgeschnitten war, wieder in diese einzubinden – also ihm den Zugang zu Handel, Kapital, Bankwesen, Investitionen und den Finanzsystemen wiederherzustellen, die den Geld- und Warenverkehr über seine Grenzen hinweg ermöglichen. Dies ist der Iran im Jahr 2026.

Ich habe schon unzählige Male gesagt, dass Technokratie auf Infrastruktur und nicht auf offener Konfrontation beruht. Der Iran-Krieg ist ein gutes Beispiel dafür.

Das amerikanische Volk sah einem Krieg zu und wartete auf den Sieg. Es wartet noch immer, denn das, was ihm versprochen wurde, und das, was tatsächlich geschah, sind nicht dasselbe. Es erwartete die Eindämmung des Iran. Es erwartete einen zurückgeschlagenen Gegner, ein demontiertes Atomprogramm und ein geschwächtes feindliches Regime. Was es erhielt, war ein Entwicklungsvertrag.

Die Iran-Einigung ist nicht das Ende einer Konfrontation. Sie ist der Beginn einer wirtschaftlichen Wiedereingliederung. Und die Männer, die sie ausgehandelt haben, hatten keineswegs die Absicht, den Iran einzudämmen.

Schauen wir uns zunächst an, wer das Abkommen ausgehandelt hat. Nicht der Außenminister. Nicht der Nationale Sicherheitsrat. Die beiden Hauptakteure, die den endgültigen Rahmen vorgaben, waren Steve Witkoff, der Sondergesandte für den Nahen Osten, und Jared Kushner, der keinerlei Amt in der US-Regierung bekleidet. Beide sind Immobilienentwickler.

Das Abkommen, das die Straße von Hormus wieder öffnete, die Blockade aufhob und 300 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau des Irans bereitstellte, wurde von zwei Männern ausgearbeitet, deren gesamte berufliche Laufbahn auf der Finanzierung und dem Bau von Gebäuden basiert. Das merkt man. Das Abkommen liest sich wie ein typischer Bauvertrag, weil es von Bauträgern erarbeitet wurde.

Das ist keine Beleidigung. Es ist der Schlüssel zum Dokument.

Ein Diplomat, der zur Eindämmung des Irans entsandt wird, schließt ein Abkommen voller Beschränkungen, Kontrollen und Abschottung. Ein Projektentwickler, der in ein Land entsandt wird, das er als unterbewertet ansieht, schließt ein Abkommen ab, das Investitionen, Marktzugang und den Abbau von Kapitalzugangshemmnissen – etwa durch die Aufhebung von Sanktionen – vorsieht.

Das Witkoff-Kushner-Abkommen ist ein Dokument der zweiten Art. Sein Schwerpunkt liegt nicht auf einer Liste von Maßnahmen gegen den Iran. Im Mittelpunkt steht ein privates Investitionsvehikel im Wert von 300 Milliarden Dollar, mit dem das Land wiederaufgebaut werden soll, das die Vereinigten Staaten vor vier Monaten bombardiert haben.

Lesen Sie diese Zahl noch einmal und verstehen Sie, um welche Art von Geld es sich handelt. Es stammt nicht aus den Bewilligungen des Kongresses. Es handelt sich nicht um Entwicklungshilfe. Es handelt sich nicht um Reparationen.

Es ist ein privatisierter Fonds – Kapital von Unternehmen aus der Golfregion, Asien und darüber hinaus –, das in iranische Energie, Logistik, Produktion und Transport investiert wird. Die Verfasser legten ausdrücklich fest, dass das US-Finanzministerium keinerlei Mittel beisteuert.

Dies ist kein Wiederaufbau eines besiegten Feindes durch die Regierung. Es handelt sich um einen privat finanzierten Mechanismus, der eine sanktionierte Wirtschaft wieder in das globale System integriert und von Experten geleitet wird, die sich genau auf solche Aufgaben spezialisiert haben.

Das Instrument verdeutlicht die Absicht. Man richtet keinen 300-Milliarden-Dollar-Entwicklungsfonds für ein Land ein, das man eindämmen will. Man richtet ihn für ein Land ein, das man integrieren will.

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Quelle: Technocrazy

Russlandfeldzug, Völkermord und fehlende „Kirchenbuße“

Von Peter Bürger – 22. Juni 2026

Sowjetische Kriegsgefangene im Konzentrationslager Mauthausen. Bundesarchiv, Bild 192-208 / CC-BY-SA 3.0

Die deutschen katholischen und evangelischen Kirchenleitungen assistierten bei Hitlers Vernichtungsfeldzug gen Osten mit über 20 Millionen Opfern. – Wann werden sie endlich durch Taten ihre Reue unter Beweis stellen?

Die Spatzen pfeifen es förmlich von den Dächern der digitalen Bibliotheken. Wer bei Google im KI-Modus die Fragen „Welches ist bezogen auf die gesamte Geschichte der Vernichtungskrieg mit den meisten Opfern?“ und „War der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion ein Völkermord?“ eingibt, erhält bereits grundlegende Aussagen zum Stand der kritischen Geschichtsforschung.

Weiterführende Eingaben zum sogenannten deutschen „Russlandfeldzug“ hinsichtlich des Komplexes „Hungerplan und Wehrmacht“, betreffs der völkermörderischen Zielsetzungen im „Generalplan Ost“ oder zur juristischen Bewertung im Licht der UN-Völkermordkonvention münden in die Aussage: Es „qualifiziert die moderne Rechts- und Geschichtswissenschaft das deutsche Vorgehen in der UdSSR heute als eine Kaskade mehrerer, miteinander verflochtener Genozide“ (KI-Abfrage 17.06.2026).

Doch solch ein Übergang der fachwissenschaftlichen Forschungen in die von allen Menschen leicht aufrufbaren Informationssysteme ficht den deutschen Staat auch 85 Jahre nach den am 22. Juni 1941 ins Werk gesetzten Verbrechen wider die Menschheit nicht an. Die unter den Vorzeichen von Antislawismus und Herrenmenschentum durchgeführten Massenvernichtungen dürfen auf keinen Fall als Völkermordkomplex ins deutsche Geschichtsgedächtnis gelangen.

Die öffentliche Losung soll vielmehr auf allen Kanälen lauten: „Der Russe steht vor der Tür!“ Nur so nämlich kann man heute Billionen aus dem Volksvermögen umleiten in die Kassen der Kriegs- und Finanzindustrien einer reichen Minderheit. Derweil streicht der deutsche Staat, dieser selbsternannte Weltmeister der Geschichtsaufarbeitung, die Mittel für das gesellschaftliche Leben zusammen, um die Militärkomplexe des Todes zu mästen. Effektiver kann man den neuen – noch rüstungsfreundlicher gesinnten – Deutschnationalen und Völkischen – den Weg hin zu den Regierungsbänken wirklich nicht mehr bereiten.

Beim Völkermordkomplex des deutschen „Russlandfeldzuges“ mit mehr als 20 Millionen Opfern waren die beiden deutschen Großkirchen ab 1941 als ideologische und „pastorale“ Dienstleister kräftig beteiligt. Auch in dieser Sache erhält man bereits über KI-Abfragen bei Google einen durchaus brauchbaren ersten Überblick zur historischen Forschung. Wer die Abgründe des antibolschewistischen, antiasiatischen, antisemitischen und hitlerstaatstreuen Kriegskirchentums gründlicher erkunden möchte, findet im Anhang reichhaltige Lektürevorschläge (vgl. unten im Literaturverzeichnis die Internetpublikationen Q_2015 bis Q_2025b).

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Wie wird Russland auf die Behauptungen der Taliban reagieren, Pakistan beherberge Lager von ISIS-K?

Von Andrew Korybko – 22. Juni 2026

Sollte sich mit hoher Sicherheit herausstellen, dass Pakistan im Rahmen eines westlichen Komplotts zur Destabilisierung Afghanistans und der „weichen Unterbauchregion“ Russlands in Zentralasien mit ISIS-K unter einer Decke steckt, könnten Sicherheitserwägungen Vorrang vor politischen und wirtschaftlichen Aspekten haben und die russisch-pakistanischen Beziehungen neu gestalten.

Die Taliban überraschten Beobachter Ende letzter Woche mit der Behauptung, sie hätten Drohnenangriffe auf ISIS-K-Lager in Pakistan durchgeführt – was Pakistan bestritt –, kurz nachdem Pakistan groß angelegte Angriffe gegen vermeintliche Terroristen der Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) in Afghanistan durchgeführt hatte. Dies geschieht vor dem Hintergrund des seit dem Frühjahr andauernden, nicht erklärten Krieges zwischen den beiden Ländern, für den hier eingeschätzt wurde, dass eine dauerhafte politische Lösung unwahrscheinlich sei. All dies hat auch eine russische Dimension, was den Gesamtkontext und die Rhetorik beider Seiten betrifft.

Russland balanciert derzeit geschickt zwischen Afghanistan – dessen wiederhergestellte Taliban-Regierung Moskau im vergangenen Sommer als erstes offiziell anerkannt hat – und Pakistan. Zu diesem Zweck ist es gerade eine militärisch-technische Partnerschaft mit Afghanistan eingegangen, um die veraltete sowjetische und russische Ausrüstung des Landes zu warten, während es sich gleichzeitig auf einen Besuch des pakistanischen Premierministers Shehbaz Sharif vorbereitet. Beide Länder bieten Russland vielversprechende Chancen, weshalb es zögert, Partei zu ergreifen.

Afghanistan verfügt über reichhaltige, unerschlossene Bodenschätze, während Pakistan mit seiner Bevölkerung von fast einer Viertelmilliarde Menschen einer der größten aufstrebenden Märkte der Welt ist. Verbesserte Beziehungen zwischen den beiden Ländern könnten auch den Weg für die seit langem diskutierte Eisenbahnverbindung Pakistan–Afghanistan–Usbekistan ebnen, um den Landhandel zwischen Russland und Pakistan auszuweiten. Es könnte auch eine Pipeline folgen, die im besten Fall eines Tages eine Verbindung nach Indien herstellen könnte, sofern Pakistan und Indien den Kaschmir-Konflikt endlich beilegen – vielleicht sogar mit diplomatischer Unterstützung Russlands.

Vor diesem Gesamtkontext könnte die Anti-Terror-Rhetorik beider Seiten teilweise darauf abzielen, Russland zu beeinflussen, das bekanntermaßen eine Null-Toleranz-Politik gegenüber dem Terrorismus verfolgt. Die Taliban sind dafür berüchtigt, in der Vergangenheit mit allen möglichen derartigen Gruppen zusammengearbeitet zu haben, weshalb Pakistans Vorwürfe, sie würden die TTP unterstützen, glaubwürdig sind – wobei Pakistan selbst in dieser Hinsicht ebenfalls einen zweifelhaften Ruf hat, weshalb manche den Behauptungen der Taliban Glauben schenken könnten, sie würden ISIS-K unterstützen. Russland betrachtet ISIS-K als schlimmer als die TTP.

Im vergangenen Monat „deutete Russland seine latente Bedrohungswahrnehmung gegenüber Pakistan an“, nachdem zwei hochrangige Sicherheitsbeamte auf dem SCO-Gipfel auf die passive Rolle angespielt hatten, die Pakistan durch die Nutzung seines Luftraums und/oder seines Territoriums bei der Rückführung westlicher militärischer Infrastruktur in die Region spielen könnte, möglicherweise einschließlich des Luftwaffenstützpunkts Bagram. Die zuvor verlinkte Analyse erinnerte die Leser daran, dass der Sekretär des Sicherheitsrats, Sergej Schoigu, im vergangenen Jahr andeutete, Pakistan arbeite möglicherweise auch mit westlichen Geheimdiensten zusammen, um Terroristen nach Afghanistan zu schicken.

Schoigu, Verteidigungsminister Andrej Belousow und andere hochrangige Sicherheitsbeamte könnten daher für die Rhetorik der Taliban empfänglich sein, ISIS-K-Lager in Pakistan anzugreifen, was dazu führen könnte, dass sie das Außenministerium und die Präsidialverwaltung dazu bewegen, Russlands Annäherung an Pakistan zu verlangsamen. Trotz Berichten – die später vom russischen Botschafter in Pakistan dementiert wurden –, wonach Pakistan die Ukraine im Austausch gegen IWF-Hilfe indirekt bewaffnet habe, schreitet diese Annäherung bislang zügig voran..

Sollte sich jedoch mit hoher Sicherheit herausstellen, dass Pakistan mit ISIS-K unter einer Decke steckt – als Teil eines westlichen Komplotts zur Destabilisierung Afghanistans und Russlands weicher zentralasiatischer Schwachstelle –, könnten Sicherheitserwägungen Vorrang vor politischen und wirtschaftlichen Aspekten erhalten und die russisch-pakistanischen Beziehungen neu gestalten. Es ist verfrüht, daraus zu schließen, dass dies geschehen wird, und die BRI-freundliche Fraktion in der russischen Politik setzt sich intensiv für eine Stärkung der bilateralen Beziehungen ein, doch möglicherweise bald vorliegende Beweise könnten Putin umstimmen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Die Dämonisierung Putins – ein klassisches Instrument der Kriegsrhetorik

Von Uwe Froschauer – 22. Juni 2026

Vladimir Putin at press conference in Beijing
Kremlin.ruCC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Das erste Opfer eines Krieges ist die Wahrheit. Dieser Satz wird häufig zitiert, doch selten war seine Aktualität so offensichtlich wie heute.

Während Milliarden für Aufrüstung bereitgestellt werden und die Bevölkerung in Deutschland auf „Kriegstüchtigkeit“ eingeschworen wird, erleben wir zugleich eine massive Personalisierung und Moralisierung des Ukraine-Krieges.

Statt über geopolitische Interessen, Sicherheitsfragen, die Vorgeschichte des Konflikts oder mögliche Verhandlungslösungen zu sprechen, wird der Krieg zunehmend auf eine einzige Person reduziert: Wladimir Putin.

Putin erscheint in der öffentlichen Darstellung nicht als politischer Akteur mit Interessen, Strategien oder Motiven, sondern als Kriegsverbrecher, Friedensfeind, irrationaler Aggressor und personifiziertes Böse. Die politische Botschaft ist klar: Wenn das Problem ausschließlich Putin ist, dann können Verhandlungen mit ihm nicht sinnvoll sein. Wer dennoch nach Diplomatie ruft, gerät schnell unter Rechtfertigungsdruck.

Die ethische Herabwürdigung Putins ist ein Paradebeispiel für eines der ältesten Instrumente der Kriegspropaganda: die Dämonisierung des Gegners.

Dämonisierung

Dämonisierung bedeutet nicht einfach Kritik. Kritik beschäftigt sich mit Handlungen, Entscheidungen und politischen Zielen. Dämonisierung dagegen verschiebt die Aufmerksamkeit von den Handlungen auf die Person. Der Gegner erscheint nicht mehr als politischer Akteur mit Interessen, Motiven oder Sicherheitsvorstellungen, sondern als moralisch minderwertige, gefährliche oder gar böse Figur. Er wird als irrational dargestellt, als von Gewalt besessen, als unfähig zu Verhandlungen, als permanenter Aggressor und als alleinige Ursache sämtlicher Probleme.

Dadurch entsteht beim Publikum der Eindruck, mit einem solchen Gegner könne man nicht reden, man könne ihn nur bekämpfen.

Die Dämonisierung des Gegners ist keineswegs eine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Bereits vor über hundert Jahren wurden Methoden entwickelt, die bis heute zum Standardrepertoire moderner Kriegspropaganda gehören.

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Der Streit zwischen Kiew und Warschau eskaliert

Von TASS (Übersetzung: Thomas Röper) – 22. Juni 2026

[…] Der Streit zwischen dem polnischen Präsidenten [Nawrocki] und dem ukrainischen Machthaber Selensky wegen der offenen Verehrung von Nazi-Kriegsverbrechern durch das offizielle Kiew eskaliert weiter. Hier übersetze ich eine Zusammenfassung der Ereignisse, die die TASS veröffentlicht hat. […]

Selensky wurde der Orden des Weißen Adlers aberkannt, er droht dem polnischen Präsidenten. Was bekannt ist

Wladimir Selensky erklärte, die Entscheidung sei eine Fortsetzung des politischen Kampfes in Polen, indem „eine Stimmung des Hasses gegen Ukrainer geschürt“ werde.

Wladimir Selensky drohte dem polnischen Präsidenten Karol Nawrocki, machte sich über dessen Namen lustig und erklärte, die Rhetorik des polnischen Präsidenten gegenüber der Ukraine könne „sehr böse enden“.

Zuvor hatte Nawrocki angekündigt, Selensky den Orden des Weißen Adlers abzuerkennen, da er einer Einheit der ukrainischen Streitkräfte den Namen „Helden der UPA“ (Ukrainische Aufständische Armee) verliehen hatte.

Die TASS hat die wichtigsten Informationen zu diesem Thema zusammengetragen.

Aberkennung des Ordens für Selensky

Der polnische Präsident Karol Nawrocki hat Wladimir Selensky den höchsten polnischen Staatsorden, den Orden des Weißen Adlers, aberkannt.

Laut Nawrocki steht der Schritt im Zusammenhang mit Selenskys Entscheidung, einer Einheit der ukrainischen Streitkräfte den Namen „Helden der UPA“ (Ukrainische Aufständische Armee) zu verleihen.

In Polen gelten die Mitglieder der UPA als Verbrecher, die für den Mord an über 100.000 polnischen Bürgern in Wolhynien im Jahr 1943 verantwortlich sind.

Selensky war der Orden von Andrzej Duda, dem ehemaligen polnischen Präsidenten (2015–2025), verliehen worden.

Nach der Aberkennung haben Selensky selbst sowie die ehemaligen ukrainischen Präsidenten Leonid Kutschma, Wiktor Juschtschenko und Petro Poroschenko erklärt, die polnische Auszeichnung zurückzugeben.

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Gibt es den Iran noch, nach dem gestrigen Wutausbruch Trumps?

Von Jochen Mitschka – 22. Juni 2026

Nach dem gestrigen Wutausbruch von Donald Trump fragte man sich heute Morgen „gibt es den Iran noch“? Und oh wunder, ja, es gibt ihn noch, und die Verhandlungen in der Schweiz scheinen sogar weiter zu gehen. Hier die neuesten Informationen zu der Krise, ausgelöst durch den Vernichtungsfeldzug Israels im südlichen Libanon, den der Iran nicht akzeptieren will.

Nach den explosiven Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen die iranischen Unterhändler – in denen er unter anderem via Fox News warnte, sie würden bei einer Schließung der Straße von Hormus „nicht einmal mehr in ihr verdammtes Land zurückkehren“ – sind die Friedensgespräche im Schweizer Luxusresort Bürgenstock in eine schwere Krise gestürzt und wurden temporär unterbrochen. TKP.AT berichtete darüber.

Der Eklat und die Reaktion vor Ort

Kurzzeitiger Walk-out

Als Reaktion auf Trumps aggressive Posts bei Truth Social und seine Medien-Statements legte die iranische Delegation unter Führung von Parlamentschef Mohammad Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi scharfen Protest ein und verließ nach nur 80 Minuten den Verhandlungstisch. Aber glücklicherweise gab es heftige Vermittlungen durch Pakistan, die einen vorzeitigen kompletten Abbruch verhinderten.

Und so bestätigten die Diplomaten des Irans, dass trotz des vorübergehenden Verlassens des Gebäudes, die Verhandler nicht offiziell aus den Gesprächen ausgestiegen seien und weiterhin über die Vermittler Katar und Pakistan eingebunden bleiben.

Rhetorischer Gegenwind aus Teheran

Die Führung in Teheran versucht, die Drohungen herunterzuspielen. Ghalibaf konterte via X, man nehme die US-Drohungen „nicht ernst“. Irans Präsident Massud Peseschkian betonte zeitgleich bei einer Kabinettssitzung, dass der Iran aufgrund der verheerenden Wirtschaftskrise im Land weiterhin den Dialog und eine Lockerung der US-Sanktionen anstrebe.

Spagat der US-Delegation

Während Trump aus Washington mit der vollständigen Zerstörung des Iran droht, falls die Hisbollah-Miliz nicht eingedämmt wird, versucht die US-Delegation in der Schweiz unter Vizepräsident JD Vance, Jared Kushner und Steve Witkoff Schadensbegrenzung zu betreiben. Vance sprach trotz des schwierigen Starts von „großen Fortschritten“ und dem Versuch, „ein neues Kapitel aufzuschlagen“.

Verhandlung auf Sparflamme

Der iranische Außenministeriumssprecher Esmail Baghaei erklärte, dass die Gespräche wegen der US-Drohungen und der anhaltenden Instabilität im Libanon vorerst nur auf die reine Umsetzung der bereits geschlossenen Absichtserklärung (MoU) beschränkt werden. Weiterführende Verhandlungen, etwa über das iranische Atomprogramm, wurden blockiert.

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Trump droht iranischem Verhandlungsteam, nicht in den Iran zurückkehren zu können

Von Jochen Mitschka – 21. Juni 2026

Trump hat iranische Beamte in der Schweiz bedroht, dass sie nicht nach Iran zurückkehren werden, wenn sie die Straße von Hormus schließen, während Netanyahu den Libanon bombardiert, gemäß Fox News. Trump sagte, er habe mit iranischen Beamten gesprochen und ihnen gesagt: „Ihr schließt die Straße von Hormus, und ihr habt kein Land mehr.“ Er sagte ihnen auch: „Ihr schafft es nicht einmal zurück in euer verdammtes Land.“ Trotz dieser Behauptung hat der Iran die Straße von Hormus geschlossen.

Man mag es nicht glauben, aber es stimmt. Donald Trump hat diese Drohungen tatsächlich ausgesprochen. In einem am Sonntag (21. Juni 2026) ausgestrahlten Exklusiv-Interview mit dem Nachrichtensender Fox drohte der US-Präsident der iranischen Führung mit drastischen Konsequenzen, falls die Straße von Hormus blockiert bleibt.

Trumps Aussagen im Detail

Trumps Drohungen fielen im Gespräch mit dem Fox-Korrespondenten Trey Yingst und bezogen sich auf die aktuellen Friedensverhandlungen in Bürgenstock (Schweiz): „Ihr schließt sie, und ihr habt kein Land mehr“: Trump bestätigte im Interview, diesen Satz („You close it and you won’t have a country“) als direkte Warnung an die iranische Führung gerichtet zu haben.

„Ihr schafft es nicht einmal zurück…“: Auch diese Aussage ist korrekt. Bezogen auf die iranischen Unterhändler, die zu den Gesprächen in der Schweiz eingetroffen sind, sagte Trump: „You won’t even make it back to your f—— country“ (Ihr schafft es nicht einmal zurück in euer verdammtes Land).

Weitere Drohungen

Trump legte im Interview nach und drohte: „Ich werde die Scheiße aus ihnen herausschlagen“ (I’ll blow the s— out of them) und stellte eine komplette Übernahme der Straße von Hormus durch das US-Militär in den Raum.

Der geopolitische Kontext

Die extremen Töne fallen mitten in eine hochempathische Phase, in der das mühsam ausgehandelte Abkommen zwischen den USA und dem Iran zu scheitern droht:

Der Auslöser war, dass der Iran am Samstag erklärte, die strategisch wichtige Straße von Hormus wieder zu schließen. Teheran begründete dies mit anhaltenden israelischen Militärschlägen im Libanon gegen die Libanesen und die Hisbollah, welche laut Iran gegen die Bedingungen des frisch unterzeichneten Memorandums (MoU) verstoßen.

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„Wir wollen mit allen Völkern befreundet sein“: Russland darf kein Feind sein!

Von Stefano di Lorenzo – 21. Juni 2026

Diese Menschen hier vor dem Brandenburger Tor setzen ein kleines Zeichen: Russland und Deutschland müssen nicht unbedingt Feinde sein. (Foto: Stefano di Lorenzo, Globalbridge)

Es gibt sie in Deutschland, die Menschen, die sich der Geschichte erinnern und die mit der Russland-feindlichen Politik der jetzigen Regierung nicht einverstanden sind. Am Samstag haben sie es in Berlin gezeigt. (cm)

Am 22. Juni 1941 um 3.15 Uhr morgens begann an mehreren Fronten der Angriff Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion. Es war ein Krieg, der früher oder später kommen sollte, schließlich war der „jüdische Bolschewismus“ schon immer der Erzfeind Hitlers und seiner Nazi-Verbündeten gewesen. Der Nichtangriffspakt zwischen Nazideutschland und der Sowjetunion von 1939 erwies sich als nichts anderes als ein taktischer Schachzug, um einen unvermeidlichen Krieg hinauszuzögern.

Am Samstag, 20. Juni, anlässlich des 85. Jahrestags des Beginns der Operation Barbarossa versammelten sich in Berlin etwa 700 Menschen vor dem Brandenburger Tor unter dem Motto „Russland ist nicht unser Feind“. Zwei Stunden an einem sehr schwülen Nachmittag zu Beginn des Sommers, der nur kurz durch ein paar vereinzelte Regentropfen eines angekündigten, aber letztendlich ausbleibenden Regengusses erfrischt wurde.

Christiane Reymann ist Journalistin. Sie ist diejenige, die den Impuls zu dieser Veranstaltung gegeben hat. Sie eröffnet die Kundgebung mit einer eindringlichen und bewegenden Rede. Es geht um historische Verantwortung und auch um die Notwendigkeit, dass sich so etwas nicht wiederholt: „Vor 85 Jahren begann im Namen Deutschlands ein Morden, wie es die Welt noch nie gesehen hatte. Auf dem Russlandfeldzug hat Deutschland seinen Anspruch, eine Kulturnation zu sein, verwirkt.“ 

Auf der Bühne erinnert Christiane Reymann an den Vernichtungskrieg des nationalsozialistischen Deutschlands: „Wir wollen, dass das Massenverbrechen Deutschlands in der Sowjetunion endlich auch von der Bundespolitik als Völkermord anerkannt wird!“ Es handelt sich nicht nur um müßige Sorgen für Berufshistoriker, sondern um eine von der Zeit diktierte Notwendigkeit: „Der große Mantel des Vergessens ist die Vorbereitung darauf, die Geschichte umzuschreiben.“

Die Sowjetunion, sagt Reymann, habe gezeigt, dass eine andere Art der gesellschaftlichen Organisation möglich war, wenn auch nur für kurze Zeit: „Unsere Eliten verzeihen Russland nicht, dass die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg Deutschland besiegt hat. Sie verzeihen nicht, dass die Sowjetunion und andere gezeigt haben, dass eine Gesellschaft möglich ist, die nicht allein auf Profit aufgebaut ist.“

Am Ende der Rede ein Appell, bei dem die Rednerin fast Mühe hat, ihre Emotionen im Zaum zu halten: „Die Russen ehren ihre gefallenen Rotarmisten mit der Musik eines Deutschen. Das ist Großmut. Und wir können uns dankbar zeigen und tapfer wehren gegen Russenhass und Kriegsvorbereitungen gegen Russland. Russland ist nicht unser Feind!“

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Drei politisch heikle Kursänderungen könnten Russlands Image in den Augen der Polen schlagartig verbessern

Von Andrew Korybko – 21. Juni 2026

Dazu gehören die Rückgabe polnischer Militärsymbole an den Kriegsfriedhof von Katyn; die Einleitung einer umfassenden PR-Kampagne zu Russlands Haltung gegenüber Katyn, die die Beendigung jeglichen historischen Revisionismus‘ in dieser Frage innerhalb seines „globalen Medienökosystems“ beinhaltet; sowie die Verlegung von Denkmälern der Roten Armee aus Polen.

Die Entziehung der höchsten polnischen Auszeichnung – des Ordens des Weißen Adlers – durch den polnischen Präsidenten Karol Nawrocki gegenüber Selenskyj wegen dessen staatlicher Verherrlichung der Täter der OUN-UPA im Zusammenhang mit dem Volhynien-Völkermord veranlasste andere ukrainische Amtsträger und die berüchtigten Trollfabriken ihres Landes dazu, Polen auf X heftig anzugreifen. Diese Angriffe waren so massiv, dass ein Abgeordneter der hartgesottenen antirussischen konservativen Oppositionspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) zu dem Schluss kam, dass die Ukrainer die Polen mehr hassen als die Russen.

Mit den Worten von Kazimierz Smoliński: „Die Kommentare über Polen unter Selenskys Beitrag sind erschreckend. Der Hass einiger Ukrainer auf Polen ist erschütternd. Es sieht so aus, als würden sie uns mehr hassen als die Russen. Wie schnell haben sie vergessen, dass sie unter anderem deshalb existieren, weil wir ihnen geholfen haben und weiterhin helfen.“ Dieses in Polen wachsende Bewusstsein bietet Russland die Chance, sein Image in den Augen der Polen sofort zu verbessern, sofern es den Willen hat, drei politisch schwierige Kursänderungen umzusetzen.

Die erste besteht darin, die polnischen militärischen Symbole auf den Kriegsfriedhof von Katyn zurückzubringen, nachdem sie Ende letzten Jahres entfernt worden waren – angeblich aus technischen Gründen, was damals als asymmetrische Reaktion auf die Schließung des russischen Konsulats in Danzig durch Polen interpretiert wurde. Dies steht im Einklang mit dem, was der polnische Populist Grzegorz Braun bereits in seinem offenen Brief an den russischen Außenminister Sergej Lawrow vorgeschlagen hatte. Die zweite politische Maßnahme baut auf der ersten auf und besteht in einer umfassenden PR-Kampagne über Russlands Haltung zu Katyn.

Die Polen sollten daran erinnert werden, dass die ehemalige Sowjetunion und die Russische Föderation für dieses Verbrechen Buße getan haben, indem sie die Schuld der UdSSR [unter Stalin; die Red.] eingestanden, Archivdokumente freigegeben haben, die dies belegen – nachdem sie jahrzehntelang die Nazis dafür verantwortlich gemacht hatten –, und sogar Putin selbst Spekulationen über Stalins Motive dafür angestellt hat. Parallel dazu sollte die Ausstellung der Russischen Militärhistorischen Gesellschaft zum Thema „Zehn Jahrhunderte polnischer Russophobie“, die die Geschichte umschreibt, indem sie den Nazis die Schuld an diesem Verbrechen zuschreibt, niemals wieder auf dem Katyn-Kriegsfriedhof gezeigt werden.

Ebenso sollte jeglicher Katyn-Revisionismus innerhalb des „globalen Medienökosystems“ Russlands ein Ende finden, und diejenigen, die ihn weiterhin vorantreiben, sollten darüber informiert werden, dass der Staat keine weiteren Beziehungen zu ihnen unterhalten wird. Die letzte politische Maßnahme ist politisch am schwierigsten, würde jedoch bei der überwiegenden Mehrheit der Polen einen bleibend positiven Eindruck hinterlassen: Russland muss – sei es auf Kosten der Steuerzahler oder eines wohlhabenden Unternehmers – dafür aufkommen, alle Denkmäler der Roten Armee aus Polen zu entfernen, da diese dort als „Symbole der Besatzung“ angesehen werden.

Dies würde keine Zustimmung zu Polens historischer Darstellung bedeuten, sondern wäre ein pragmatischer Schritt, um das zu retten, was noch übrig ist, anstatt alles unweigerlich zerstören zu lassen. In Moskau könnte sogar ein Ort ausgewiesen werden, an dem Russen all diese verlegten Denkmäler besichtigen könnten. Das übergeordnete Ziel dieser drei vorgeschlagenen politischen Maßnahmen besteht darin, den Polen zu vermitteln, dass der russische Staat sie nicht so hasst wie der neue anti-polnische ukrainische Staat, um den Prozess der Wiederherstellung der zwischenmenschlichen Beziehungen in Gang zu setzen.

Polen und Russland sind auf staatlicher Ebene seit Jahrtausenden Rivalen, doch keines ihrer Völker trägt kollektiv die Schuld für das, was ihre früheren Staaten dem jeweils anderen in der Vergangenheit angetan haben. Indem Russland die moralische Überlegenheit einnimmt, kann es sich unvergesslich von der Ukraine abheben, deren „Helden“ unter der falschen Prämisse der Kollektivschuld über 100.000 Polen einem Völkermord unterzogen haben. Noch schlimmer ist, dass Kiew Warschau nicht erlaubt, die Opfer zu exhumieren, ordnungsgemäß zu bestatten und ihrer zu gedenken, obwohl es Berlin gestattet, dies für über 100.000 gefallene Nazis zu tun, was eine Schande ist.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.