Fünf Überlegungen zum fünften Jahrestag der Machtübernahme durch die Taliban

Von Andrew Korybko – 16. August 2026

Die stategische Lage in der Region ist geprägt von einer erstaunlichen Wende: Russland ist nun der wichtigste militärisch-technische Förderer der Taliban, während Pakistan zu ihrem größten Feind geworden ist.

Vor einem halben Jahrzehnt, am 15. August 2021, kehrten die Taliban an die Macht zurück; daher ist es an der Zeit, über ihre Stellung im In- und Ausland nachzudenken. Im Inland hat sich nichts Dramatisches ereignet: Die Taliban haben weiterhin die feste Kontrolle, weigern sich nach wie vor, eine ethnisch-politisch-inklusive Regierung zu bilden, und die Rechte der Frauen bleiben stark eingeschränkt. Gleichzeitig agieren die Taliban nun in einem ganz anderen regionalen strategischen Umfeld, das anhand der folgenden fünf Überlegungen zusammengefasst wird:

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1. Russland ist nun der wichtigste militärisch-technische Partner der Taliban

Russland war das erste und bislang einzige Land weltweit, das im vergangenen Jahr die Rückkehr der Taliban an die Macht offiziell anerkannt hat, was zu dem militärisch-technischen Abkommen in diesem Frühjahr führte. Auch wenn es offiziell nur um die Reparatur von Ausrüstung geht, erwarten viele, dass sich dies unweigerlich auf Waffenverkäufe, gemeinsame Übungen und andere intensivere Formen der Zusammenarbeit ausweiten wird – sofern dies nicht, wie manche vermuten, insgeheim bereits geschehen ist. Im Grunde genommen hat Russland die traditionelle Rolle Pakistans als wichtigster Partner der Taliban abgelöst.

2. Pakistan ist nun der größte Feind der Taliban

Pakistan wiederum ist nun der größte Feind der Taliban, nachdem die beiden Länder seit Anfang dieses Jahres in einen nicht erklärten Krieg verwickelt sind, der bis heute andauert (wenn auch mit deutlich geringerer Intensität). Ausgelöst wurde der militärische Konflikt durch die Unterstützung anti-pakistanischer Terrorgruppen durch die Taliban. Afghanistan und Pakistan stehen sich allerdings bereits seit der pakistanischen Unabhängigkeit feindlich gegenüber, da Kabul sich weigert, die Durand-Linie anzuerkennen, doch hatten diese Grenzstreitigkeiten bislang nicht zu einem militärischen Konflikt zwischen den beiden Ländern geführt. Sollte die militärische Fehde zwischen den Taliban und Pakistan zur neuen Normalität werden, könnte könnte diese weitreichende Folgen.

3. Russlands ehrgeizige Pläne zur Anbindung sind auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt

Aufgrund der jüngsten kriegerischen Entwicklung ist Russlands ehrgeiziger Plan, eine Landverbindung mit Pakistan über Afghanistan zu erschließen, auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Dies wiederum behindert die Umsetzung seines Gesamtplans, die neuerdings verbesserten Beziehungen zu Pakistan zu nutzen, um zwischen diesem Land und Indien zu vermitteln. Dennoch bietet der afghanisch-pakistanische Zwist Moskau auch die Gelegenheit, zu versuchen, zwischen den Taliban und Pakistan zu vermitteln, wenn die Erfolgsaussichten zugegebenermaßen auch gering sind.

4. Die Trump-Regierung will amerikanische Truppen auf den Luftwaffenstützpunkt Bagram zurückverlegen

Vor dem Ausbruch des nicht erklärten afghanisch-pakistanischen Krieges Anfang dieses Jahres hatte US-Präsident Trump im vergangenen Jahr mehrfach erklärt, er wolle US-Truppen auf den Luftwaffenstützpunkt Bagram zurückverlegen. Es ist daher möglich, dass der Krieg des „wichtigen Nicht-NATO-Verbündeten“ Pakistan gegen die Taliban zumindest teilweise darauf abzielt, die Taliban dazu zu zwingen, diesem Plan zuzustimmen. Zwar liegt der regionale Fokus der USA derzeit auf dem Krieg gegen den Iran, der zeitgleich mit dem afghanisch-pakistanischen Krieg ausbrach, doch ist es nicht ausgeschlossen, dass Washington sein Fokus wieder auf Afghanistan richtet, sobald der Irankrieg beendet ist.

5. Eine engere Zusammenarbeit zwischen den USA und Pakistan gegen die Taliban könnte unvermeidlich sein

Es könnte daher unvermeidlich sein, dass sich die USA im Kampf gegen die Taliban eng mit Pakistan abstimmen. Beobachter können allerdings nur spekulieren, wie weit diese Kooperation in der Praxis gehen könnte. Mit zunehmender Schwere der militärischen Auseinandersetzung könnte dies in Form von verstärkter Unterstützung für bewaffnete Gruppen (einschließlich ISIS-K), grenzüberschreitenden Einfällen aus Pakistan (sei es durch die genannten Gruppen und/oder die pakistanische Armee) nach dem Vorbild des türkischen Präzedenzfalls während des Syrien-Kriegs und/oder US-Luftangriffen geschehen. Auf jeden Fall sollten sich die Taliban wappnen.

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Sollte Pakistan seinen Krieg gegen die Taliban verstärken, insbesondere wenn sich die USA einmischen, könnte Russland seine militärisch-technische Unterstützung Kabuls ausweiten. Diese wiederum würde mit ziemlicher Gewissheit zu einer surrealen Neuauflage des amerikanisch-sowjetischen Stellvertreterkriegs in Afghanistan in den 1980er Jahren führen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

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