Warum die Schaffung großer Arsenale an Drohnen den EU-Staaten im Ernstfall nichts nützen

Von Thomas Röper – 10. Juli 2026

Die EU-Staaten haben beschlossen, für den Fall eines Krieges mit Russland große Arsenale an Drohnen anzulegen. Das Geld ist jedoch aus dem Fenster geworfen, weil die Technologie sich so schnell weiterentwickelt, dass neue Drohnen innerhalb von Wochen oder Monaten komplett veraltet sind.

NATO-Generalsekretär Mark Rutte gab am 7. Juli auf dem Forum der Verteidigungsindustrie am Rande des NATO-Gipfeltreffens bekannt, dass 20 NATO-Staaten an der Initiative Drone Edge teilnehmen werden, die in den nächsten fünf Jahren 40 Milliarden Dollar in die Produktion von Drohnen und Drohnenabwehrsysteme investieren und die Ausbildungskapazität für Drohnenbediener verfünffachen soll.

Dabei gibt es allerdings ein Problem, auf das der Business Insider hingewiesen hat, und das für jeden, der sich mit dem Krieg in der Ukraine auskennt, offensichtlich ist: Die Drohnen-Technologie ändert sich so schnell, dass Drohnen, die man heute anschafft, schon in wenigen Wochen oder Monaten veraltet und weitgehend nutzlos sind.

Die Drohnen-Technologie ändert sich im Krieg in der Ukraine oft innerhalb weniger Wochen. Eine Seite entwickelt eine neue Technik, damit Drohnen zum Beispiel Abwehrmaßnahmen besser umgehen können, und die andere Seite entwickelt sofort eine neue Technik, um diese neuen Drohnen trotzdem abzuwehren. Und das alles passiert oft innerhalb von vier Wochen.

Daher sind viele Pläne der EU-Staaten, die vom Aufbau von „Drohnenmauern“ oder Ähnlichem sprechen und dafür große Arsenale an Drohnen anlegen wollen, rausgeworfenes Geld, denn selbst wenn ein Krieg in drei Monaten beginnen würde, wären heute angeschaffte Drohnen den neuen Entwicklungen gegenüber schon unterlegen.

Das hat man auch in der NATO erkannt. Der Business Insider schreibt beispielsweise:

„Der deutsche Armeechef Carsten Breuer erklärte, dass eine Garantie für zukünftige Einsatzbereitschaft biete, jetzt große Mengen an Drohnen zu bauen. Deutschland glaubt, dass Russland bereits 2029 zu einem Krieg gegen die NATO bereit sein könnte. Er fragte mit Blick auf die Drohnen: „Können wir von Millionen sprechen, wenn diese Millionen im Jahr 2029 bereits veraltet sein könnten?““

In der NATO will man daher das Beschaffungswesen ändern, wie der Business-Insider ebenfalls schreibt:

„Tarja Jaakola, Mitarbeiterin des NATO-Generalsekretärs für Innovation und Rüstung, erklärte, dass es bei Drohnen und Drohnenabwehrlösungen „nicht mehr so ​​funktioniert wie früher: Kaufen, einlagern und abwarten“. In diesem Bereich, sagte sie, „müssen wir die Beschaffungsmethoden jetzt ändern“. (…) Jaakola sagte, die NATO müsse erkennen, „dass die sich entwickelt“ und mit der Industrie „neue Geschäfts- und Vertragsmodelle“ entwickeln, um zunächst kleinere Stückzahlen für Schulung und Tests zu beschaffen und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Unternehmen über die „Produktionskapazitäten“ und die nötige „Innovationskraft“ verfügen, um Drohnen herzustellen, wenn sie gebraucht werden. Es könne nicht mehr eine rein transaktionsorientierte Beziehung mit Industrie sein, vielmehr müsse eine „strategischere Partnerschaft aufgebaut werden“, und fügte hinzu, die alten Methoden der Verteidigungsbeschaffung seien nicht mehr nachhaltig.“

[Zum Originalbeitrag auf dem Anti-Spiegel]

Die Festgenommenen behaupten, die Täterin von Monaco im Auftrag des ukrainischen Geheimdienstes liquidiert zu haben

Von Thomas Röper – 10. Juli 2026

Die Mörder der Frau, die in Monaco den Bombenschlag gegen den ukrainischen Oligarchen Jemolajew ausgeführt hat und nach ihrer Rückkehr in die Ukraine getötet wurde, haben ausgesagt, die Frau im Auftrag ihrer Vorgesetzten „liquidiert“ zu haben, weshalb sie keine Mörder seien, da sie im Auftrag des Staates gehandelt hätten.

Wie ich bereits berichtet habe, steckt hinter dem Bombenanschlag in Monaco, bei dem der ukrainische Oligarch Jermolajew, seine Frau und sein Sohn verletzt wurden, mehr, als deutsche Medien berichten, in denen man über die Hintergründe praktisch nichts erfährt, sondern die im Gegenteil davon ablenken, indem sie den Oligarchen kurzerhand als “pro-russisch” bezeichnen, was schon deshalb absolut unwahr ist, weil er in der Ukraine ein Netz von Callcentern betreibt, das sich darauf spezialisiert hat, vor allem Russen um Geld zu betrügen. Um hier nicht alle Einzelheiten zu wiederholen, verweise ich auf diesen Artikel, in dem sie die Details nachlesen können.

Die Spur im Fall des Bombenanschlags von Monaco führt in die Ukraine und es war von Beginn an mehr als offensichtlich, dass Kreise der ukrainischen Regierung hinter dem versuchten Mord stecken, wobei es von Beginn an auch Hinweise darauf gab, dass der Anschlag auf einen Machtkampf innerhalb der Ukraine hinweist, denn Jermolajew galt im Falle von Wahlen in der Ukraine als potenzieller Unterstützer von Saluschny, dem ehemaligen Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte und heutigem ukrainischen Botschafter in London, der als erfolgversprechender Gegenkandidat gegen Selensky gilt und in der Ukraine sowohl im Volk als auch im Machtapparat viele Unterstützer hat.

Die Spur in die Ukraine wird anhand der Chronologie deutlich: Am 30. Juni führte Anastasia Beresovskaja als Mann verkleidet den Bombenanschlag in Monaco durch, sie ist dann zu Fuß nach Frankreich geflohen und mit einem Auto nach Frankfurt gefahren. Nach Angaben der ukrainischen Behörden traf sie am 1. Juli in der Ukraine ein. Am 3. Juli, an dem Tag, als Interpol sie zur internationalen Fahndung ausschrieb, wurde sie mit vier Schüssen in den Hinterkopf regelrecht hingerichtet und am 6. Juli wurde ihre Leiche gefunden.

Unmittelbar danach hat der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU zwei Tatverdächtige verhaftet, die inzwischen beide geständig sind. Einer ist Wladislaw Reut, ein aktiver Offizier des Hauptnachrichtendienstes des ukrainischen Verteidigungsministeriums (GUR), in dessen Keller sogar eine Folterkammer gefunden wurde. Der zweite Verdächtige ist der ehemalige SBU-Offizier Witali Schikowitsch. Beide Verdächtigen befinden sich in Untersuchungshaft.

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Lügen in Zeiten des Kriegs

Von Mirko Jähnert – 9. Juli 2026

Der Ukraine-Konflikt ist ein Lehrbeispiel für Kriegspropaganda im 21. Jahrhundert. Jens Winkelmann prüft die zehn häufigsten Falschaussagen.

Kreml und Bolschoi-Kamenny-Brücke am späten Abend (Bild: Andrey Korzun, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

In den westlichen Leitmedien kommen zum Ukraine-Krieg fast ausschließlich sogenannte Experten zu Wort, die in einschlägig bekannten NGOs integriert sind und typische transatlantische Lebensläufe vorweisen, wie ich in einem früheren Text [1] aufgezeigt habe. Über die Mainstream-Kanäle verbreiten diese Transatlantiker politisch genehme Narrative zum Krieg – und was ständig wiederholt wird, bleibt in den Köpfen hängen. So werden Ausgaben in Milliardenhöhe zu Lasten der Menschen in den EU-Ländern gerechtfertigt. Die zehn häufigsten Falschaussagen hat der ehemalige Diplomat und heutige politische Aktivist Jens Winkelmann für die Freie Medienakademie analysiert.

1. Die Ukraine verteidigt Europa und unsere Werte

Diese Behauptung findet sich zum Beispiel in diesen beiden Texten: Zentrum Liberale Moderne [2] und Europäische Kommission [3].

Menschen haben Werte, Staaten Interessen. Und die USA und die EU haben handfeste geostrategische und wirtschaftliche Interessen in dieser rohstoffreichen Region. Ihre „Werte“ sind politische, wirtschaftliche und militärische Expansion und Ausschaltung eines Konkurrenten auf dem internationalen Rohstoffmarkt. Der Rest ist Propaganda (Soft Power).

2. Russland hat 2014 die Ukraine überfallen

Beispiele für diese Aussage: Zentrum Liberale Moderne [4] und Deutsche Welle [5].

Die Ereignisse 2014 sehe ich eher als einen Bürgerkrieg unter aktiver Beteiligung der russischen Seite zum Schutz der russischsprachigen Bevölkerung im Osten der Ukraine. Jeder Krieg hat eine Vorgeschichte. Hier war es aus meiner Sicht die Osterweiterung der Nato, die spätestens seit 1994 unter Präsident Clinton zum strategischen Programm der USA erklärt wurde. Dabei hat man sich die politische und wirtschaftliche Schwäche Russlands in den 1990er Jahren zunutze gemacht. Bereits Mitte der 1990er Jahre haben US-Experten wie George F. Kennan davor gewarnt, dass diese Strategie unvermeidlich zu einem Krieg mit Russland führen wird:

Ich glaube, das ist der Beginn eines neuen Kalten Krieges. Ich denke, die Russen werden allmählich ziemlich negativ reagieren, und das wird ihre Politik beeinflussen. Ich halte das für einen tragischen Fehler. Es gab überhaupt keinen Grund für diesen Schritt. Niemand hat irgendjemandem gedroht. Bei dieser Expansion würden sich die Gründerväter dieses Landes im Grabe umdrehen. (George F. Kennan)

Kern dieser Strategie war es, die Ukraine Schritt für Schritt aus dem russischen Einflussbereich herauszubrechen und die NATO unmittelbar an die russischen Grenzen heranzuführen. 2014 war eine Zeitenwende, jedoch boten die Abkommen Minsk 1 und Minsk 2 die Möglichkeit, einen Krieg zu verhindern. Diese Chance wurde nicht genutzt.

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Hohler Protest – Wenn gegen eine bestimmte Partei demonstriert wird, aber Regierungstäter verschont bleiben

Von Thomas Moser – 9. Juli 2026

Bild: Tim Reckmann/ccnull.de/CC BY-2.0

Anmerkungen zum Klimbim am ersten Juli-Wochenende in und um Erfurt, mit dem politische Zusammenhänge vernebelt werden.

Am ersten Juli-Wochenende haben Tausende gegen eine Partei demonstriert, weil sie geflohene und zugewanderte Menschen in deren Heimatländer zurückschicken will; weil sie Menschen ungleich behandle; weil sie verfassungswidrig sei. Die Demonstranten haben Straßen blockiert und versucht, den Parteitag der Partei, die im Bundestag sitzt und angibt, eine Alternative sein zu wollen, zu verhindern. Die Akteure meinen, oder sagen zumindest, ihre Aktionen seien antifaschistische Aktionen. Allerdings gibt es politische Täter und Taten, gegen die diese Demonstranten seltsamerweise nicht protestieren. Hängt das etwa zusammen?

Die Partei, die angibt, eine Alternative sein zu wollen, hat bisher nirgendwo regiert, weder in einem Landtag noch im Bundestag. Während gegen sie demonstriert wird, weil sie zum Beispiel Menschen „remigrieren“ will, zurückschicken, tun Parteien, die ständig und in wechselnden Zusammensetzungen irgendwo regieren, genau das tatsächlich. Sie „remigrieren“ Menschen, die nach Deutschland geflohen sind, um ihr Leben zu retten.

Mehrmals im Jahr hebt vom Flughafen Leipzig/Halle eine Maschine ab, in die Bundesregierung und Landesregierungen durch die Bundespolizei Menschen verfrachten lassen, die aus Afghanistan gekommen sind und nun in das Land zurück geflogen werden. Dorthin, wo die Taliban herrschen – und zwar auf terroristische Weise. Man muss es sagen, weil diejenigen, die für diese Flüge und Rückverfrachtungen verantwortlich sind, es nicht mehr sagen.

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Jenseits der NATO

Von German-Foreign-Policy.com – 9. Juli 2026

Politiker und Militärs in mehreren europäischen NATO-Staaten arbeiten an Optionen militärischer Handlungsfähigkeit jenseits der Allianz – vor allem in den nordischen Staaten und in Großbritannien.

Ungeachtet aller Appelle zum Aufbau einer „europäischen NATO“ arbeiten Politiker wie auch Militärs in mehreren europäischen NATO-Mitgliedstaaten an Optionen militärischer Handlungsfähigkeit jenseits der Allianz. Ursache sind Befürchtungen, auch eine „europäische NATO“, in der zentrale Kommandoposten und Waffensysteme von europäischen Staaten gestellt würden, könne letztlich von den USA „blockiert“ werden, wenn ihre Aktivitäten Washington nicht passten. Schon seit längerer Zeit werden deshalb Forderungen nach einem „Plan B“ laut. In den nordischen Staaten heißt es, ein „starker nordeuropäischer Verteidigungscluster“ könne zum „Kern“ eines solchen Plans werden. Großbritannien wiederum hat seit 2014 mit der Joint Expeditionary Force (JEF) eine Streitmacht aufgebaut, die zwar NATO-kompatibel, aber auch ohne die NATO einsatzfähig ist; ihr Hauptquartier in Northwood verfügt über eigenständige Strukturen aller Art. Unlängst haben die zehn Mitgliedstaaten der JEF beschlossen, gemeinsame Seestreitkräfte aufzubauen – gegen Russland. Zudem heißt es, die NATO orientiere sich an überkommenen Doktrinen; es gelte, am Drohnenkrieg orientiert, „europäische“ Wege der Kriegsführung zu finden.

„Wir brauchen einen Plan B“

Jenseits der Bestrebungen, die NATO stärker auf Personal und Waffen aus Europa zu stützen und damit zugleich die Eigenständigkeit der europäischen Mitgliedstaaten gegenüber den USA auszubauen [1], werden mittlerweile auch Optionen diskutiert, jenseits der NATO militärische Handlungsfähigkeit zu entwickeln. Anlass dafür ist, wie berichtet wird, nicht zuletzt die Befürchtung, Washington könne, sollten die Länder Europas in einen bewaffneten Konflikt verwickelt werden, nicht bloß seine militärische Unterstützung verweigern, sondern womöglich sogar die NATO-Strukturen für Europa blockieren. Mit Blick darauf, dass die Vereinigten Staaten die NATO bislang dominieren – zentrale Strukturen etwa wurden um US-Führungspersonal herum und mit US-Technologie errichtet –, ließ sich kürzlich ein Insider mit der Frage zitieren: „Welche Befehlskette kann man nutzen, wenn Amerika die NATO blockiert?“[2] Noch sei es so, dass ohne die Vereinigten Staaten mit einer „Zersplitterung des Ökosystems der Abschreckung“ zu rechnen sei, wird etwa Luis Simón von der Freien Universität Brüssel zitiert. Allerdings gebe es inzwischen Streitkräfte, die insgeheim Pläne schmiedeten, wie sie ohne Rückgriff auf die Kommandoinfrastruktur der NATO Krieg führen könnten, heißt es. Ein Regierungsmitarbeiter aus Schweden wird mit der Aussage zitiert: „Wir brauchen einen Plan B.“[3]

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Wer sagt dem Bundeskanzler, dass Kriege nicht „gewonnen“ werden?

Von Marcus Klöckner – 9. Juli 2026

„Russland hat keine Chance, diesen Krieg zu gewinnen“ – das sagte Friedrich Merz beim NATO-Gipfel in Ankara. Offensichtlich hat der Bundeskanzler eine grundlegende Wahrheit nicht verstanden. Ein Krieg kann so wenig gewonnen werden wie ein Tsunami. Wenn tausende, zehntausende, hunderttausende und mehr Soldaten tot, verstümmelt oder schwer traumatisiert sind, ist der Begriff „gewinnen“ fehl am Platz – die NachDenkSeiten weisen darauf immer wieder hin. Politiker, die das nicht verstehen, sollten möglichst schnell eins tun, nämlich: die Politik verlassen. Mandatsträger, die im Zusammenhang mit Kriegen in den Kategorien „gewinnen“ und „verlieren“ denken, haben schon genug Schaden angerichtet.

Wie leicht geht dem Bundeskanzler doch der Begriff über die Lippen. Er steht da im Anzug, mit weißem Hemd und Krawatte, hinter ihm die Pappwand mit der NATO-Symbolik und spricht zu den versammelten Pressevertretern. Er will, wie er sagt, „eine klare Botschaft“ an Moskau richten:

„Russland hat keine Chance, diesen Krieg zu gewinnen.“

Jeder Militär mit einem Funken Verstand und Verantwortungsbewusstsein weiß in Anbetracht der Ausmaße eines Krieges, dass Kriege im Allgemeinen nicht zu „gewinnen“ sind. Nicht nur Russland kann diesen Krieg nicht „gewinnen“. Auch die NATO nicht. Niemand. Ein Spiel lässt sich „gewinnen“. Doch ein Krieg ist kein Spiel. Weiß der Bundeskanzler das?

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„Wir kommen frei nach wenigen Tagen, aber Palästinenser wissen … das ist ihre Existenz“

Interview mit Zohar Regev. Interview: Hassan Al Khalaf – 9. Juli 2026

Die Global Sumud Flotilla vereint die verschiedensten Menschen mit dem Ziel, Gaza zu erreichen. So auch die Menschenrechtsaktivistin Zohar Regev. Die gebürtige Israeli ist langjähriges Mitglied der Bewegung und versucht seit über einem Jahrzehnt, die Hungerblockade Gazas zu durchbrechen. Die Anfänge der Global Sumud Flotilla hat sie miterlebt und wirkt inzwischen bei der Planung mit. Sie hatte Kontakt zu Überlebenden, die an Bord der ersten Flotilla waren, auf der zehn Aktivisten infolge von Gewalteinwirkung des IDF getötet und über 50 weitere Aktivisten verletzt wurden. Dieser tragische Vorfall schaffte es nicht, die Bewegung im Keim zu ersticken, sondern brachte sie erst in Fahrt. Mit dem Journalisten Hassan Al Khalaf sprach die Aktivistin über die erste Flotilla, über die Gewalt, deren Zeugin sie in israelischer Haft wurde, über die ungleiche Behandlung der Palästinenser, die sie als Kind in Israel miterlebte, und wieso sie trotz alldem ihre israelische Staatsbürgerschaft behält. Das Interview führte Hassan Al Khalaf.

Über die Interviewpartnerin: Zohar Chamberlein Regev ist 1970 in Israel geboren, als ihre Vorfahren aus Polen, Belarus und Deutschland einwanderten. Durch ihre Großeltern erhielt sie neben der israelischen Staatsbürgerschaft auch die deutsche. Die langjährige Aktivistin lebte dort bis 2004. Als Jugendliche hat sie ihr Bein bei einem Autounfall verloren und trägt seitdem eine Prothese. Bis 2018 hat sie in Spanien gelebt, wo sie als Mitglied des Komitees an der Organisation für die Global Sumud Flotilla mitgewirkt hat und selbst an Bord vieler Boote segelte, etwa die Al Awda Segelflotte 2018. Von 2019 bis 2022 lebte sie in Bethlehem, wo sie an dem Palestinian Museum of National History mitwirkte, ihren heutigen Mann kennenlernte und zum Islam konvertierte. Seit 2022 lebt die Aktivistin in Frankfurt und segelte kürzlich auch wieder auf der Global Sumud Flotilla Richtung Gaza.

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Moderne Seeräuberei – Brüssels Jagd nach russischem Öl auf hoher See

Von Hannes Hofbauer – 9. Juli 2026

Weltpolitische Vorgänge mit persönlichen Geschichten vergleichen oder erklären zu wollen, geht gar nicht. Zu komplex ist das Ringen um Vorherrschaft im Weltmaßstab, als dass man es auf individuelle Erfahrungen herunterbrechen könnte. Ich probier’s trotzdem. Es ist einfach zu verlockend.

Meine Großmutter hatte mir immer eingebläut, nur ja nicht im Geschäft gegenüber einzukaufen. „Der Händler hat Dreck am Stecken, deshalb darf man dort sein Geld nicht hintragen“, meinte sie. „Du musst eine Gasse weiter gehen, um die Milch zu holen.“ Ich tat, wie mir geheißen, auch deshalb, weil mein geliebtes Brausepulver überall dasselbe war und gleich gut schmeckte. Als Großvater mir allerdings kurz darauf auftrug, meinen Klassenkameraden zu schlagen, weil dessen Familie beim Händler einkauft, der bei uns auf der schwarzen Liste steht, weigerte ich mich. Es schien mir unlogisch, meinen Freund für ein Verbot zu bestrafen, das zwar mir galt, aber ihn nicht betraf.

Womit wir mitten im Thema angelangt sind. Seit September 2025 kapern Marinestreitkräfte aus mittlerweile einem halben Dutzend EU-Staaten Tanker, die unter lateinamerikanischen, karibischen oder afrikanischen Flaggen fahren. Sie transportieren russisches Erdöl, um ihre Ladung in Indien, Ägypten, Israel oder sonst wo außerhalb der EU löschen zu lassen. Weil sich Schiffe aus Panama, den Marshallinseln, Kamerun oder Gabun nicht an Brüsseler Verbotslisten halten, werden sie unter meist fadenscheinigen Begründungen auf Hoher See militärisch aufgebracht, in EU-Häfen verschleppt und festgesetzt. Ihre aus aller Herren Länder stammenden Kapitäne werden verhaftet und die Crew schikaniert. Damit ist ein neues Zeitalter der Piraterie angebrochen, die im 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreicht hatte.

Es begann mit Sekundärsanktionen

Mit dem 11. EU-Sanktionspaket gegen Russland, das am 24. Juni 2023 in Kraft trat, setzte Brüssel Zwangsmaßnahmen in Kraft, die kurz zuvor von europäischen Politikern noch heftig abgelehnt worden waren. Die Rede ist von sogenannten Sekundärsanktionen, auch extraterritoriale Sanktionen genannt. Sie sollen alle Drittstaaten bzw. Unternehmen aus denselben treffen, die sich nicht an das gegen Russland gerichtete EU-Sanktionsregime halten und zu dessen Umgehung beitragen. Wer also von irgendwo in der Welt Waren nach Russland liefert, die auf schwarzen Listen der Europäischen Union stehen, dem drohen ab sofort das Einfrieren sämtlicher Vermögenswerte sowie ein Einreiseverbot in die EU.

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Polen und die Türkei sind bereit, die Schlinge der westlichen Eindämmungspolitik um Russland enger zu ziehen

Von Andrew Korybko – 8. Juli 2026

Eine engere wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern in Mittel- und Osteuropa – vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer – würde Russland in der europäischen Nachkriegsordnung vor neue Herausforderungen stellen.

Der polnische Präsident Karol Nawrocki stattete der Türkei Ende letzten Monats einen Staatsbesuch ab, bei dem er erklärte: „Es ist unmöglich, Verantwortung für die Ostflanke der NATO aufzubauen, ohne das enorme Potenzial anzuerkennen, das Polen im Norden – einschließlich der Verantwortung für die Ostsee – und die Türkei, die größte Landstreitmacht der NATO in Europa in der Schwarzmeerregion, mitbringen.“ Bemerkenswert ist, dass Polen mittlerweile über die drittgrößte Streitmacht der NATO verfügt, was bedeutet, dass die zweit- und drittgrößten Streitkräfte der Allianz zusammenarbeiten, um Russland in Schach zu halten.

Diese Schlussfolgerung hinsichtlich ihrer Absichten ist keine Spekulation, da Nawrocki zudem verriet, dass er und sein Amtskollege Recep Tayyip Erdogan über Russlands mutmaßliche hybride Kriegsführungsangriffe gegen den Westen gesprochen hätten. Zudem ist mittlerweile allgemein bekannt, dass die Ostsee und das Schwarze Meer Zonen heftiger Konkurrenz zwischen der NATO und Russland sind, wobei Nawrocki die polnische Verantwortung für Ersteres und die türkische Verantwortung für Letzteres bekräftigte. Dies steht im Einklang mit dem „Cordon sanitaire“, das Trumps Neo-Reagan-Doktrin kürzlich errichtet hat.

Die Eindämmungsschlinge des Westens um Russland erstreckt sich nun von der Arktis und der Ostsee durch von Großbritannien geführte Bemühungen, über Mitteleuropa durch von Polen geführte Bemühungen, entlang der gesamten südlichen Peripherie Russlands durch von der Türkei geführte Bemühungen sowie über Nordostasien durch von Japan geführte Bemühungen. Eine engere Zusammenarbeit zwischen den tragenden Kräften der einzelnen Fronten – sei es im militärischen Bereich, wie Nawrocki in Bezug auf Polen und die Türkei andeutete, oder im Energiebereich im Zusammenhang mit den hier angesprochenen Entwicklungen – stellt Russland vor neue Herausforderungen.

Zu diesem Thema berichtete Nawrockis Pressemitteilung zudem, dass sie „regionale Formate erörterten, die für Polen so wichtig sind, darunter die Drei-Meere-Initiative – zum Aufbau infrastruktureller, wirtschaftlicher und handelspolitischer Verantwortung für Mittel- und Osteuropa – und die B9-Initiative – die Bukarester Neun, die neun Länder der östlichen Flanke der NATO zusammenbringt“. Die „Drei-Meere-Initiative“ (3SI) ist von besonderer Bedeutung, da viele dieser Projekte zur Verbesserung der Handelsverbindungen einen doppelten militärischen Zweck verfolgen.

Wie hier dargelegt wurde, profitiert auch „Trump 2.0“ von der 3SI, da Mittel- und Osteuropa (CEE) in seiner Nationalen Sicherheitsstrategie eine zentrale Rolle in Bezug auf militärische und wirtschaftliche Planung spielt; zudem könnte das Engagement der USA in regionalen Projekten als beruhigender Auslöser für jene Länder dienen, die durch den geplanten militärischen Abzug der USA aus Europa verunsichert sind. Polen ist kürzlich zu einer 1-Billionen-Dollar-Wirtschaft geworden, sodass es nun ernsthafter in die 3SI investieren kann, ebenso wie die etwas größere Türkei mit ihrer 1,6-Billionen-Dollar-Wirtschaft.

Das Endergebnis könnte durchaus eine engere polnisch-türkische wirtschaftliche Synergie in ganz Mittel- und Osteuropa sein, verkörpert durch koordinierte und/oder gemeinsame 3SI-Investitionen, die mit einer engeren militärischen Synergie zwischen beiden Ländern durch koordinierte Aktivitäten in der Ostsee und im Schwarzen Meer einhergehen könnten, um ihren „Cordon sanitaire“ gegen Russland zu verstärken. All dies wird von den USA überwacht, doch im Geiste der Multipolarität räumt sie ihren Verbündeten nun im Rahmen des NATO-3.0-Modells größeren Spielraum ein, Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse eigenständig zu regeln.

Obwohl sie jahrhundertelang Feinde waren, wurden das Polnisch-Litauische Commonwealth und das Osmanische Reich später Verbündete, wobei der Sultan sich sogar bekanntlich weigerte, die Dreiteilung des Commonwealth anzuerkennen. Was nun mit Unterstützung der USA geschieht, ist daher eine Rückkehr zur Geschichte, in der sich Polen und Türken erneut gegen die Russen verbünden. Ob ein weiterer großer Krieg zwischen ihnen folgen wird, ist ungewiss, doch die Möglichkeit lässt sich nicht ausschließen; hoffentlich setzen sich letztendlich die besonnenen Köpfe durch.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Die ersten russischen Reaktionen auf den NATO-Gipfel

Von Thomas Röpers – 9. Juli 2026

Auf dem NATO-Gipfel hat der Westen sich für die Eskalation entschieden und der Ukraine offen weitere Hilfe bei Angriffen auf Ziele tief in Russland versprochen. Russische Analysten reagieren deutlich.

Nach dem NATO-Gipfel, der die ukrainischen Angriffe gegen Ziele tief in Russland unterstützt und sogar weitere Hilfe dabei versprochen hat, sind die ersten Reaktionen russischer Analysten deutlich. Das kann nicht überraschen, denn zusätzlich wurden auf dem NATO-Gipfel nicht nur weitere Waffenlieferungen an Kiew im dreistelligen Milliardenwert beschlossen, sondern auch Verträge zur „gemeinsamen Produktion“ von Drohnen und Raketen für Angriffe tief im russischen Hinterland unterzeichnet.

„Gemeinsame Produktion“ bedeutet dabei nichts anderes, als dass die ukrainischen Waffen in Europa produziert werden, wo die Produktionsstätten sicher vor russischen Angriffen sind, und dass die europäischen Staaten auch alle Kosten übernehmen. Eine eindeutigere Kriegsbeteiligung am Krieg gegen Russland ist nur schwer vorstellbar.

Derzeit hat die Ukraine einen massiven Mangel an Flugabwehr, was die letzten russischen Angriffe gezeigt haben, bei denen die Ukraine nach eigenen Angaben keine einzige russische Rakete abfangen konnte. Entsprechend schwer waren die Schäden.

Westliche Staaten erklären unterdessen, sie hätten keine Patriot-Raketen mehr, die sie Kiew übergeben könnten. Auch die USA brauchen die neu produzierten Raketen für selbst, um die im Irankrieg verschossenen Raketen zu ersetzen. Die Rettung soll die Vergabe einer Lizenz zur Produktion dieser Raketen an die Ukraine sein, die Trump angedeutet hat, was natürlich ebenfalls bedeutet, dass die Raketen irgendwo in Europa, aber sicher nicht in der Ukraine, produziert werden sollen.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das, wenn so etwas verkündet wird, längst beschlossen ist und vielleicht schon umgesetzt wurde, denn der Westen hat nicht die Zeit, in Europa erst jahrelang eine entsprechende Fabrik zu bauen oder umzurüsten. Die Ukraine braucht die Raketen sofort.

Russland dürfte das Zeitfenster nutzen, in dem die Ukraine über fast keine effektive Luftabwehr mehr verfügt, und weitere schwere Angriffe durchführen.

Ich übersetze hier einen der ersten Artikel, die in Russland nach dem NATO-Gipfel erschienen sind, um zu zeigen, wie russische Analysten den NATO-Gipfel beurteilen.

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