Aufrufe & Appelle

Hervorgehoben



Bis hierher und nicht weiter! Wir protestieren gegen die rechtswidrigen Sanktionen gegen Oberst Jacques Baud und den Kriegskurs der EU


Fordert die Freilassung des sozialistischen Kriegsgegners Bogdan Syrotiuk aus einem ukrainischen Gefängnis!


Waffenstillstand sofort! Sofortiger Stopp aller Waffenlieferungen an die Ukraine! Kein Krieg gegen Russland! Abzug aller Atomraketen aus Europa!


Freiheit für Julian Assange! Aufruf des Komitees zur Verteidigung von Julian Assange und Chelsea Manning …


Kein Krieg gegen den Irak! – Kein Blut für Öl und Macht! Aufruf der Initiative gegen den Irak-Krieg vom November 2002…


Ukrainischer Angriff auf iranisches Schiff entlarvt globalen Charakter des imperialistischen Kriegs

Von Johannes Stern – 31. Juli 2026

Der ukrainische Angriff auf ein iranisches Frachtschiff im Kaspischen Meer markiert eine neue Stufe in der Verschmelzung des NATO-Kriegs gegen Russland mit dem US-israelischen Angriffskrieg gegen den Iran. Er bestätigt David Norths Warnung in seiner Rede am 1. Mai 2026: „Ein Weltkrieg ist keine zukünftige Bedrohung, sondern eine Realität, die sich bereits entfaltet.“

Der Weltkrieg entsteht nicht durch eine einzelne Erklärung. Er entfaltet sich als Prozess: durch die Verknüpfung regionaler Kriege, Stellvertreteroperationen, Sanktionen, Blockaden, Marineeinsätze und Langstreckenangriffe. Die Intervention der Ukraine gegen ein iranisches Ziel bringt diesen Prozess scharf zum Ausdruck.

Der ukrainische Langstrecken-Drohnenangriff tötete einen Matrosen und verletzte einen weiteren. Er richtete sich gegen das iranische Schiff Ana im Kaspischen Meer – einem Gewässer, an das Russland, Iran, Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenistan grenzen, nicht aber die Ukraine. Kiew behauptete, das Schiff habe Drohnen und Raketen nach Russland transportiert. Teheran verurteilte den Angriff als Aggression gegen ein Handelsschiff.

Der Angriff entlarvt die offizielle Propaganda über den Ukrainekrieg als Betrug. Seit Jahren wird der Krieg von den imperialistischen Mächten und ihren Medien als rein defensiver Kampf der Ukraine gegen eine „unprovozierte“ russische Invasion dargestellt. Diese Lüge wird vor allem in Deutschland benutzt, um die größte Aufrüstung seit Hitler und eine erneute Militäroffensive gegen Russland zu rechtfertigen.

Die Invasion der Ukraine durch den Kreml im Jahr 2022 war reaktionär. Sie war die Antwort eines kapitalistischen Oligarchenregimes auf die unerbittliche Einkreisung und Provokation Russlands durch die NATO. Sie spaltete die russischen und ukrainischen Arbeiter, stärkte die NATO und lieferte den imperialistischen Mächten einen Vorwand zur Eskalation. Aber sie war weder „unprovoziert“, noch ändert sie den Charakter des Kriegs, der nun von der NATO durch ihre ukrainische Marionette geführt wird.

Der ukrainische Angriff auf ein iranisches Schiff macht dies unmissverständlich deutlich. Ein Krieg, der angeblich zur Verteidigung der ukrainischen Souveränität geführt wird, hat einen ukrainischen Angriff auf ein iranisches Schiff weit entfernt von den Grenzen der Ukraine hervorgebracht – genau in dem Moment, in dem die Vereinigten Staaten und Israel einen verbrecherischen Angriffskrieg gegen den Iran führen.

Die Kriegsfronten sind nicht voneinander getrennt. Sie werden bewusst miteinander verbunden. Die Ukraine ist nicht mehr nur der Stellvertreter der NATO gegen Russland; sie wird zu einer Hilfstruppe in der umfassenderen imperialistischen Offensive gegen den Iran und alle Staaten, die als Hindernisse für die Vorherrschaft der USA und Europas über Eurasien betrachtet werden.

[Hier weiterlesen]

Roger Waters veröffentlicht Neuinterpretation des Pink-Floyd-Klassikers „Comfortably Numb“ als Plädoyer für Rechte der Palästinenser

Von Kevin Reed – 31. Juli 2026

Roger Waters, einer der Gründungsmitglieder der britischen Rockband Pink Floyd, hat zusammen mit der palästinensischen Sängerin Mona Miari eine neue neunminütige Version des bekannten Pink-Floyd-Songs „Comfortably Numb“ aufgenommen. Es ist eine starke Neuinterpretation eines klassischen Rock-Klageliedes in Form einer Anklage gegen den Völkermord im Gazastreifen und eines Plädoyers für internationale Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung.

Roger Waters und Mona Miari

Mehrere neue englische und arabische Verse verändern den ursprünglichen satirischen Refrain der Resignation „I have become comfortably numb“ zu dem Schwur „I will never become comfortably numb / لن أسمحَ أن أُصبحَ مُخدَّرًا ومرتاح.“ Die neue Version endet mit der Aussage „Palestine must be free… with equal rights, for everyone, from the river to the sea.“

„Comfortably Numb Re-Imagined“ wurde am 12. Juni veröffentlicht, als Interpreten werden Waters und Miari genannt. Der Song ist um Piano, Streich- und Schlaginstrumente und mehrschichtigen Gesang arrangiert. Waters und Miari erklären ausdrücklich, das Projekt sei eine Antwort auf den „anhaltenden Völkermord im Gazastreifen“.

Die Veröffentlichung geht zudem mit einer Spendensammlung für den Palestine Children’s Relief Fund einher und steht in Verbindung mit einem Netzwerk von Gruppen, die Projekte für politische Bildung, Graswurzelorganisation und unabhängige Medien betreiben, bei denen Palästina im Mittelpunkt steht.

Das Musikvideo zeigt abwechselnd Aufnahmen von Waters und Miari im Studio in New York und Schwarzweißaufnahmen des palästinensischen Fotografen Suhail Nassar und seines Teams von den Trümmern im Gazastreifen. Es stellt das Bildmaterial des Projekts als etwas dar, das denjenigen gehört, die den Krieg durchgemacht haben.

Für Miari, die unter israelischer Besatzung aufwuchs, ist die Zusammenarbeit einen Akt des Erzählens. Sie erklärt: „Ich bin mein Volk, ich erzähle meine Geschichte.“ Waters beschrieb die Komposition als „organische“ Korrespondenz zwischen „einem alten Typen in New York City“ und einer palästinensischen Künstlerin auf der anderen Seite des Ozeans.

Waters erklärte die Abweichung von der bekanntesten Zeile des Originals eine Botschaft der bewussten Verweigerung gegenüber dem Druck, sich angesichts der Gräueltaten, die an den Palästinensern verübt werden, herauszuhalten, auf politische Aussagen zu verzichten und sich in Taubheit zurückzuziehen.

Ausschnitt aus dem Musikvideo

In einem Interview mit Wired erklärt Waters, er hoffe darauf, dass seine Hörer schließlich erkennen werden, dass „es ein Richtig und ein Falsch gibt. Das ist nicht kompliziert und dieser Song steht auf der richtigen Seite der Geschichte“. Er verbindet die Weigerung, passiv zu sein, mit moralischer Klarheit und politischem Bewusstsein.

[Hier weiterlesen]

Ben Gvirs Krokodile sind die neueste Waffe in Israels „Tierkrieg“ gegen die Palästinenser

Von Joseph Massad – 30. Juli 2026

Von Herzls kolonialistischen Schriften bis hin zu Kampfhunden, Wildschweinen und Gefängnissen mit Krokodilgräben – Tiere werden seit langem im zionistischen Projekt eingesetzt, um die Palästinenser zu terrorisieren

Anfang dieses Monats kündigte Israels Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir, an, dass Israel Nilkrokodile als Gefängniswächter für palästinensische politische Gefangene einsetzen werde.

Foto von David Clode auf Unsplash
Symbolbild: Gruppe von Krokodilen. Foto von David Clode auf Unsplash

Das Programm soll im Ketziot-Gefängnis, Israels größtem Gefängnis, in der Naqab-Wüste (Negev) beginnen. Das Gefängnis diente während der Ersten Intifada zwischen 1988 und 1995 als Konzentrationslager, in dem Tausende Palästinenser inhaftiert waren. Die Palästinenser kannten Ketziot als Lager „Ansar III“.

Um diesen Plan zu ermöglichen, erklärte Umweltministerin Idit Silman das Krokodil zum „gezüchteten Wildtier“. Im Rahmen dieser neuen Taxonomie sollen die Reptilien in Gräben rund um Israels Kerker freigelassen werden, in denen Palästinenser inhaftiert und wie Tiere behandelt werden.

Ben Gvir ließ sich inspirieren von dem neuen Migrantenhaftzentrum in Florida, das als „Alligator Alcatraz“ bezeichnet wird und das der US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr besichtigte. Dieses Schreckensgefängnis „liegt in einem riesigen subtropischen Feuchtgebiet voller Alligatoren, Krokodile und Pythons“.

Es ist ein Fall, in dem eine Siedlerkolonie eine andere inspiriert.

Tiere spielen seit langem eine Rolle in den israelischen Strategien zur Unterwerfung und Unterdrückung der Palästinenser sowie zur „Rückführung“ Palästinas in seine fantasierte hebräische Vergangenheit. Zionistische und israelische Führer haben Palästinenser regelmäßig mit Tieren verglichen, doch Israels „Tierkrieg“ geht über Metaphern hinaus und bezieht echte Tiere mit ein.

Tierkrieg

Zionistische und israelische Führer haben Palästinenser seit langem als „Tiere“ bezeichnet und dabei oft die jeweilige Tierart genau benannt.

Um beispielsweise den Beginn seines Völkermords im Gazastreifen zu rechtfertigen, bezeichnete Israels damaliger Verteidigungsminister Yoav Gallant die Palästinenser als „menschliche Tiere“.

Im Gegensatz dazu konnte sich Israels Verteidigungsminister Moshe Dayan in den 1960er- und frühen 1970er-Jahren nicht entscheiden, welcher Insekten- oder Säugetierart die Palästinenser am meisten ähnelten, und nannte sie im Interesse der Nichtdiskriminierung „Wespen“ und „Hunde“.

Seit Jahrzehnten nutzt Israel Tiere, um Palästinenser zu unterdrücken und zu demütigen, während es beide mit seiner Tötungsmaschine ins Visier nimmt

In den 1980er Jahren erhob der israelische Ministerpräsident Menachem Begin sie zu „zweibeinigen Bestien“, während der ehemalige israelische Generalstabschef Rafael Eitan sie erneut zu „Kakerlaken“ herabstufte. Der israelische Ministerpräsident Yitzhak Shamir bevorzugte die entomologische Kategorie und bezeichnete palästinensische Demonstranten als „Heuschrecken“.

Ironischerweise bezeichnete Premierminister Ehud Barak im Jahr 2000 die Palästinenser als „Krokodile“. Ben Gvirs Plan scheint darin zu bestehen, echte Krokodile zur Bewachung der metaphorischen Krokodile einzusetzen.

Abgesehen von Gleichnissen und Metaphern leitet das Vorhaben des Ministers keinen Krieg mit Tieren gegen die Palästinenser ein. Seit Jahrzehnten setzt Israel Tiere ein, um sie zu unterdrücken und zu demütigen, während es sowohl Palästinenser als auch deren Tiere mit seiner Tötungsmaschine ins Visier nimmt und sie als dieselbe Spezies behandelt.

In einem erschreckenden Bericht von Al Jazeera English vom 28. November 2023 führt der palästinensische Schriftsteller und Dichter Refaat Alareer, der ehrenamtlich für die Stadtverwaltung von Gaza tätig ist, die Zuschauer durch den verwüsteten städtischen Zoo und dokumentiert tote und hungernde Tiere.

Eine Woche später führte Israel im Rahmen seines andauernden Völkermords die mittlerweile berüchtigte Erschießung von Alareer und mehreren Mitgliedern seiner Familie durch.

Wenn sie palästinensische Tiere nicht töten, haben israelische Siedler sie auch gestohlen, zusammen mit Rindern und anderem palästinensischen Vieh. Israel stahl 2018 sogar die einheimische palästinensische Viper und erklärte sie zu seiner „Nationalschlange“.

Das Interesse der Zionisten an Tieren, insbesondere an Schlangen, geht auf den Gründer der Zionistischen Organisation, Theodor Herzl, zurück, der in seinen Tagebüchern darlegte, was mit den einheimischen Menschen und Tieren Palästinas geschehen solle.

Nachdem er erörtert hatte, wie man die Palästinenser vertreiben und durch europäische jüdische Kolonisten ersetzen könne, schrieb er:

„Wenn wir in eine Region ziehen, in der es wilde Tiere gibt, an die die Juden nicht gewöhnt sind – große Schlangen usw. –, werde ich die Einheimischen, bevor ich ihnen in den Transitländern Arbeit gebe, zur Ausrottung dieser Tiere einsetzen. Hohe Prämien für Schlangenhäute usw. sowie für deren Nachkommen [werden von den Juden angeboten].“

Nach mehr als einem Jahrhundert zionistischer Kolonisierung und Vertreibungen sind die Palästinenser und ihre Schlangen – zum Leidwesen Israels und seiner jüdischen Kolonisten – nach wie vor im Land.

Biblische Fantasien

Während des britischen Mandats importierten die grausamen, kolonisierenden Briten Ende der 1930er Jahre rassistische Hunde aus Südafrika und ließen sie in ihren Kerkerzellen auf palästinensische antikoloniale Revolutionäre los. Die Briten hungerten die Hunde aus und provozierten sie, bevor sie sie auf die Gefangenen hetzten, damit diese deren Fleisch „verschlingen“ sollten.

Seit 1967 führen die einfallsreicheren Israelis jedoch einen regelrechten Tierkrieg gegen die Palästinenser. Lange vor dem Krokodil-Wächter-Projekt setzten sie Hunde, Wildschweine, Schafe, Kühe, Rehe, Wildesel und Vögel als Instrumente der Unterdrückung ein und tun dies auch weiterhin.

Biblische Fantasien inspirierten Avraham Yoffe, einen General der israelischen Armee von 1948, der später der erste Leiter der Israelischen Natur- und Parkbehörde wurde, dazu, das zu starten, was die Israelis als „Rückkehr“ und „Wiederansiedlung“ von in der Bibel erwähnten Tierarten bezeichneten.

Zwei solcher Tiere wurden – genau wie die Juden „zurückgekehrt“ sind – aus dem Iran nach Israel „zurückgebracht“, wo beide Arten weiterhin existiert hatten: das Persische Damwild und der Asiatische Wildesel.

Der Wildesel wurde zwischen 1982 und 1987 im Negev angesiedelt, nachdem er Israel vor dem Sturz seines Regimes vom Zoo des Schahs in Teheran geschenkt worden war. Vier Damhirsche wurden unterdessen am Vorabend der Islamischen Revolution gewagt aus der Wildnis entführt und von Israel aus dem Iran „gerettet“, wodurch sie vor dem neuen Regime „bewahrt“ wurden.

Die im Buch Hiob erwähnten Wildesel wurden im Negev „wiederangesiedelt“ und drangen in die Weidegebiete der palästinensischen Beduinen ein. Ihre Besitzer wurden bestraft, weil sie ihren Kamelen erlaubt hatten, aus den üblichen Wasserquellen zu trinken, die nun den „zurückkehrenden“ Wildeseln vorbehalten waren. Allein in den Jahren 2018 und 2019 verhängte Israel 76 Bußgelder in Höhe von insgesamt 544.300 Schekel (160.000 US-Dollar) gegen palästinensische Beduinen wegen des Betretens des neuen Wildeselgebiets durch ihre Kamele.

Was die Damhirsche betrifft, so veranlasste deren „Rückkehr“ Israel dazu, die Wildhundepopulation in den Jerusalemer Hügeln zu töten, bevor die Hirsche 2005 wieder angesiedelt wurden. Die Hunde wurden als „verwildert“ eingestuft, um ihre legale „Keulung“ im Namen des Schutzes der Hirsche zu ermöglichen.

Das Töten palästinensischer Hunde und die Vertreibung palästinensischer Kamele aus ihrem Heimatgebiet ist ein Schicksal, das dem nicht unähnlich ist, das Israel dem palästinensischen Volk selbst zugefügt hat – alles, um das Land biblisch und „wieder jüdisch“ zu machen, wie die israelische Rechtsprofessorin und Umweltanwältin Irus Braverman argumentiert hat.

Wildtiere als Waffen

Israel hat zudem die weit verbreitete Praxis der Stieglitzhaltung unter Strafe gestellt – kleine Vögel, die in Palästina und den benachbarten arabischen Ländern wegen ihrer schönen Farben und ihres verlockenden Gesangs geschätzt werden.

Doch Israels „Tierkrieg“ ist weitaus gewalttätiger als die Geschichte der Rehe, Wildesel und Stieglitze.

Seit 2009, wenn nicht sogar schon früher, hat die israelische Siedlerkolonie Wildschweine als Waffe gegen Palästinenser im Westjordanland eingesetzt. Dies geschah erneut in den Jahren 2014 und 2022, als israelische Siedler die Wildschweine auf Lastwagen verladeten und in der Nähe palästinensischer Gemeinden freiließen, die – im Gegensatz zu den umzäunten und illegalen israelischen Siedlungen in der Nähe – für Wildschweininvasionen ungeschützt sind.

Die Wildschweine haben Menschen und Nutztiere angegriffen und verletzt sowie Ernten zerstört. Israel verbietet den Palästinensern, sie zu töten, da sie eine geschützte Tierart sind.

Der Einsatz als Waffe geht weiter. Im April 2025 ließ die israelische Armee 18 Wildschweine in Iktaba frei, einem belagerten palästinensischen Dorf in der Nähe des Flüchtlingslagers Nur Shams im besetzten Westjordanland. Israel hatte die Bewohner des Lagers vertrieben und mit der Zerstörung des Lagers begonnen. Die Wildschweine sollten Palästinenser terrorisieren, die versuchten, in ihre Heimat zurückzukehren.

Neben der Rettung von Damhirschen vor der drohenden Islamischen Republik im Jahr 1978 hat Israel auch versucht, die Esel im Gazastreifen vor der palästinensischen „Sklaverei“ zu retten, während es gleichzeitig Völkermord an den Palästinensern verübt.

Die Palästinenser im Gazastreifen sind auf Esel und Pferde für den Transport, die Wasserversorgung, das Sammeln von Brennholz, die Landwirtschaft sowie den Transport von Journalisten und Hilfsteams angewiesen, sodass der Diebstahl von Eseln Teil der völkermörderischen Bemühungen Israels ist.

Hunderte der überlebenden Esel wurden entführt und gestohlen, da mehr als 97 Prozent der Tierpopulation Gazas – darunter Kühe, Schafe, Ziegen, Pferde, Maultiere und Esel – seit Beginn des Völkermords ausgelöscht wurden, ebenso wie 84 Prozent der Vegetation.

Auch im Westjordanland greifen Siedler regelmäßig palästinensisches Vieh an, stehlen es und töten es. Ein Bericht von Amnesty International beschreibt detailliert diesen Krieg gegen das Vieh, einschließlich der Übernahme palästinensischer Weideflächen durch Israel.

Kampfhunde

Während palästinensische „wilde“ Hunde getötet wurden, damit persische Damhirsche Israel wieder „jüdisch“ machen konnten, werden europäische Hunde importiert, um Palästinenser anzugreifen und, in jüngerer Zeit, sie zu vergewaltigen.

Die Niederlande, seit 1948 ein Feind des palästinensischen Volkes, sind ein wichtiger Lieferant dieser rassistischen Kampfhunde. Israels Oketz-Hundestaffel importiert zudem Hunde von anderen europäischen Lieferanten und bildet sie aus, um Zivilisten zu terrorisieren.

Noch schrecklicher ist, dass Israel diese rassistischen Hunde darauf trainiert hat, palästinensische Gefangene zu vergewaltigen, wie im vergangenen Jahr bekannt wurde

Zwischen Oktober 2023 und 2025 führte Israel mindestens 146 „Oketz“-Angriffe durch, bei denen Mohammad Bhar, ein 24-jähriger Palästinenser mit Down-Syndrom und Autismus, in seinem Haus getötet und Dutzende verletzt wurden. Menschenrechtsorganisationen haben einen Großteil dieser Kriegshandlungen mit Hunden aufgedeckt.

Noch erschreckender ist, dass Israel diese rassistischen Hunde darauf trainiert hat, palästinensische Gefangene zu vergewaltigen, wie im vergangenen Jahr bekannt wurde. Angesichts des Ausmaßes dieses Grauens hat sich sogar die „New York Times“ schließlich dazu herabgelassen, über die von Israel ausgebildeten Vergewaltigungshunde zu berichten.

Damit wir nicht vergessen, wie human das israelische Recht gegenüber Wildtieren im Gegensatz zu palästinensischen Tieren und Menschen ist: Die mitfühlenden Richter des israelischen Obersten Gerichtshofs gehörten 2003 zu den ersten weltweit, die die Foie-gras-Produktion verboten haben, um domestizierte Gänse und Enten vor der Folter durch Zwangsfütterung zu schützen.

Das selbe Gericht erlaubt natürlich die Folter von Palästinensern. Im Jahr 2015 legalisierte Israel hingegen die Zwangsernährung palästinensischer Hungerstreikender in seinen Kerkerzellen – eine Praxis, die international als Folter verurteilt wird.

Vor diesem Hintergrund ist Ben Gvirs Vorhaben, „menschliche Krokodile“ mit Nilkrokodilen bewachen zu lassen, nicht empörend, sondern zeugt von Israels humaner Liebe zu jeder Tierart – mit Ausnahme der palästinensischen „menschlichen Tiere“, deren Ausrottung es beharrlich vorantreibt – diesmal, indem es sie an Nilkrokodile verfüttert.

Joseph Massad ist Professor für moderne arabische Politik und Geistesgeschichte an der Columbia University in New York. Er ist Autor zahlreicher Bücher sowie wissenschaftlicher und journalistischer Artikel. Zu seinen Büchern zählen „Colonial Effects: The Making of National Identity in Jordan“, „Desiring Arabs“, „The Persistence of the Palestinian Question: Essays on Zionism and the Palestinians“ und zuletzt „Islam in Liberalism“. Seine Bücher und Artikel wurden in ein Dutzend Sprachen übersetzt.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf Middle East Eye]

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Unruhe im Paradies — die Krim unter Angriff

Von Stefano di Lorenzo – 30. Juli 2026

Die Halbinsel Krim war das Ferienparadies par excellence – und ist es zumindest für russische Touristen bis heute. Vor allem die Südküste zwischen Sewastopol und Feodossija ladet zum Baden, wie das Bild zeigt. (Foto: Christian Müller)

Die Ukraine beschießt mehr und mehr Ziele im Innern Russlands, notabene mit Waffen aus dem Westen und mit westlicher Steuerung der Drohnen und Raketen. Und seit einiger Zeit gehört auch die Krim zu den Zielen des ukrainischen Militärs. De facto verstärkt die Ukraine damit sogar den Willen der Krim-Bewohner, nicht zur Ukraine, sondern zu Russland zu gehören. (cm)

In den letzten Wochen hatte die Ukraine ihre Angriffe auf die Krim massiv verstärkt, jene Halbinsel, die seit langem ein Zankapfel zwischen Russland und der Ukraine ist. Die Angriffe mit Drohnen und Raketen haben systematisch nicht nur militärische Ziele wie Flugplätze getroffen, sondern auch Kraftwerke, Eisenbahnstrecken und Brücken. Russische Schiffe, die Öl und Benzin transportieren, wurden in großer Zahl im Asowschen Meer östlich der Krim getroffen. Auch die Straßen, die von der Südukraine zur Krim führen, sind zu Zielen geworden. Die berühmte Kertsch-Brücke, die die Ukraine in der Vergangenheit zu zerstören versuchte, blieb jedoch vorerst verschont. Tausende Menschen haben die Krim in den vergangenen zwei Monaten über diese Brücke verlassen. Die Ukraine will angeblich die Brücke als Fluchtweg offen lassen — für diejenigen, die die Halbinsel verlassen wollen.

Die ukrainischen Angriffe auf die Krim haben zu häufigen Strom- und Wasserausfällen sowie zu Benzinknappheit geführt. Maria ist Reiseleiterin und Lehrerin, sie wohnt in Sewastopol, wo bis 2022 die russische Flotte stationiert war. „Auf der Krim ist die Lage schwierig“, sagte Maria. „In Dschankoi [im nördlichen Teil der Halbinsel, Anm. d. Red.] gibt es seit über einer Woche keinen Strom mehr. Kühlschränke funktionieren nicht, Geschäfte schließen. Manche haben Generatoren, dort kann man sein Handy für 200 Rubel [etwa 2 Euro, Anm. d. Red.] aufladen.“ 

In Sewastopol, das weiter von der Front entfernt liegt, scheint die Lage etwas besser zu sein: „Auch hier in Sewastopol haben wir Stromengpässe, Strom haben wir jeweils nur drei Stunden lang. So hat man zumindest Zeit, sein Handy und so weiter aufzuladen. Die Kühlschränke werden nicht warm, die Lebensmittel bleiben gut erhalten. Viele Geschäfte werden mit Generatoren betrieben.“ 

Und wie reagieren die Menschen auf der Krim? Die Leute seien müde, sagte Maria, aber sie würden alles „mit Verständnis“ hinnehmen: „Wir sind das gewissermaßen gewohnt. Als wir noch zur Ukraine gehörten, wurden Strom, Wasser und Gas ständig rationiert. Wir erinnern uns auch an 2014, als sie [die Ukraine, Anm. d. Red.] die gesamte Stromversorgung unterbrochen haben. Für uns war die Ukraine immer mit Engpässen verbunden.“ 

Es gibt jedoch etwas, das man nicht so leicht hingenommen hat. Am 10. Juni griff die Ukraine das Museum „Panorama“ an, gewidmet dem Krimkrieg des 19. Jahrhunderts. Das Museum wurde bei dem Angriff „praktisch zerstört“. „Der Brand im Panorama-Museum war das Schrecklichste. Meine Freunde und Kollegen haben mich angerufen und geweint. Das wird man nicht verzeihen können.“

[Hier weiterlesen]

Trump-Regierung höhlt das Asylrecht aus, mehr als 300.000 Haitianern droht die Abschiebung

Von Jacob Grosse – 30. Juli 2026

Am Montag verloren mehr als 300.000 haitianische Immigranten in den USA durch die Aufhebung ihres befristeten Schutzstatus (TPS) ihren legalen Aufenthaltsstatus und ihre Arbeitserlaubnis. Durch diese brutale Maßnahme droht Arbeitern und ihren Familien die Inhaftierung und Abschiebung in ein Land, das durch jahrzehntelange imperialistische Interventionen der USA verwüstet wurde.

Einen Tag später führte das Heimatschutzministerium eine weitreichende neue Regelung ein, die es Asylbeamten erlaubt, Hunderttausende von Anträgen direkt in Abschiebeverfahren zu überführen, ohne die Antragsteller zuvor anzuhören. Diese Maßnahme könnte bis zu 444.724 laufende Verfahren sowie schätzungsweise 132.000 künftige Anträge pro Jahr betreffen.

Berichten zufolge wurden in Städten mit großem haitianischem Bevölkerungsanteil schwer bewaffnete und maskierte ICE-Agenten mobilisiert, u.a. in New York City, Boston, San Diego, Orlando, Miami und Springfield (Ohio). Anwohner berichteten, dass normalerweise belebte und stark frequentierte Straßen leer seien, da die Bewohner zu Hause blieben, um der Einwanderungs-Gestapo aus dem Weg zu gehen.

Die Operation trägt die Züge eines modernen Pogroms. Bundesagenten, die niemandem Rechenschaft schuldig sind, werden in Arbeiterviertel geschickt, um Jagd auf Arbeiter, Eltern, Schüler, Studenten, Pflegekräfte und Lehrer zu machen, die kein Verbrechen begangen haben. Den Festgenommenen drohen wochen-, monate- oder sogar jahrelange Haft in dem wachsenden Netzwerk größtenteils privat betriebener Konzentrationslager in den gesamten USA, bevor sie in eines der gefährlichsten Länder der Welt abgeschoben werden.

Guerline Jozef, die geschäftsführende Direktorin der Haitian Bridge Alliance, erklärte gegenüber dem Miami Herald: „Wir hören von Leuten aus dem ganzen Land, dass sie Angst haben, verwirrt sind, traumatisiert, weil es keine klaren Richtlinien gibt.“

Jozef erklärte, haitianische Gemeinden hätten bereits am Wochenende über eine zunehmende Präsenz der ICE berichtet. Arbeitern wurden bereits die Schichten gestrichen, während Schüler, die sich auf die Rückkehr in die Schule im Herbst vorbereiten, nach dem Verlust ihres Aufenthaltsstatus von der Schule abgemeldet werden.

[Hier weiterlesen]

Wie die NATO die Nachschubwege für den Fall eines Krieges mit Russland plant

Von Boris Roschin (Übersetzung: Thomas Röper) – 28. Juli 2026

Die Planungen der NATO für einen Krieg mit Russland sind weit fortgeschritten und werden seit Jahren konsequent verfolgt. Das zeigt sich besonders deutlich an den laufenden Bemühungen der NATO zur Sicherstellung der Treibstoffversorgung der Truppen im Falle eines Krieges mit Russland.

Im Falle eines Krieges zwischen der NATO und Russland ist die Sicherung der Treibstoffversorgung der Truppen für beide Seiten lebenswichtig. Vor diesem Hintergrund muss man übrigens auch die (als ukrainisch bezeichneten) Angriffe der EU auf die russische Ölindustrie sehen, bei denen in der EU produzierte und von der EU bezahlte Drohnen und Raketen auf Ziele tief im russischen Hinterland abgefeuert werden. Das ist der Versuch der EU (oder der NATO), Russlands Militär vor einem anstehenden Krieg mit Europa zu schwächen.

Auf der anderen Seite unternimmt die NATO seit Jahren massive Anstrengungen, die Versorgung ihrer eigenen Truppen mit Treibstoff im Falle eines Krieges mit Russland zu sichern. Darüber hat ein russischer Militärexperte für die TASS einen interessanten Artikel geschrieben, den ich übersetzt habe. […]

Die NATO zieht ihre militärischen Pipelines bis an Russlands Grenzen: Möglichkeiten und Mittel zur Ausschaltung

Boris Roschin über die Fähigkeiten des Bündnisses und worum es im neuen Plan geht.

Die Botschafter aller 32 NATO-Staaten haben das größte Projekt zur Modernisierung der militärischen Treibstoffinfrastruktur in der Geschichte des Bündnisses mit Kosten von 27 Milliarden Euro genehmigt. Der Plan, dessen wichtigste Prioritäten bis 2031 festgeschrieben sind, umfasst sowohl die Erneuerung von 10.000 Kilometern Pipelines aus der Zeit des Kalten Krieges als auch den großflächigen Bau neuer Netze in Ost- und Südosteuropa.

Die ewige „Bedrohung aus dem Osten“

Die Osterweiterung der NATO seit den 1990er-Jahren ging entgegen den Versprechungen stets mit einer Verlagerung der militärischen Logistik in Richtung der Grenzen Russlands und Weißrusslands einher. Konflikte – selbst lokale, wie der andauernde Krieg im Nahen Osten zeigt – erfordern enorme Mengen an Nachschub und unter dem Vorwand der „russischen Bedrohung“ hat die Rüstungslobby der NATO systematisch die Investitionen in die Infrastruktur erhöht. In den Jahren 2023/24 nahm das im Konzept des „militärischen Schengen-Raums“, einer umfassenden Modernisierung von Straßen, Brücken und Eisenbahnknotenpunkten für die schnelle Verlegung von Truppen an die Ostflanke, Gestalt an.

Der Übergang zum Konzept der rotierenden Truppenverlegung im Baltikum, in Polen und Rumänien hat den Block nicht nur zur Errichtung neuer permanenter NATO-Basen in diesen Gebieten veranlasst, sondern auch zur Überprüfung des bestehenden Versorgungssystems in diesem Teil des Kontinents. Seit der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre haben NATO-Manöver in den Regionen der Suwalki-Lücke, des Baltikums, Kaliningrads und Weißrusslands Gefechte mit Russland simuliert und dabei eine gravierende Schwäche offengelegt: nicht nur die geringe Kapazität der Straßen Osteuropas, sondern auch die Unfähigkeit des bestehenden Systems, die Truppen mit Treibstoff zu versorgen.

[Hier weiterlesen]

Quo vadis, AfD? – Chrupalla-Buch, Friedensbewegung und Mittelschichten

Von Dieter Dehm – 28. Juli 2026

Seitdem „links” nicht mehr für Frieden steht und „rechts” nicht mehr für Krieg gegen Russland, ist Jahrmarkt im Himmel der Wortverdreher. Wer Raketen auf Moskau fordert, ist „gemäßigte Mitte”. Wer Meinungsfreiheit will, ist „Extremist”. Faschisten, die nationale Sozialisten erschießen ließen, werden zu „nationalen Sozialisten” umgemünzt und Hitler gar zum Kommunisten. Die Babylonier brauchten dazu noch einen hohen Turm, dem Magazin Focus reicht ein mittlerer Immobilienhändler: Rainer Zitelmann. Der altmaoistische FDPler hat dort Tino Chrupallas Biographie „Handwerk-Meister-Politik” als zu „links” verrissen.

Ein Geheimnis der Popularität von AfD und Tino Chrupalla – aber auch der dortigen Streitigkeiten – liegt im Mythos „Mittelstand” (= KMU), welcher zu 96 Prozent aus Klein- und Kleinstunternehmen besteht, aber kulturell in Angestellte und Arbeiterschaft hineinstrahlt. Linke, aber auch CDU- und FDP-Eliten nannten ihn jahrzehntelang hochnäsig „Spieß- oder Kleinbürgertum” – was die klassenspezifische Zuordnung so kompliziert macht: Diese Mittelschichten sind „soziale Zwitter”, bringen zwar viel Arbeitskraft ein, besitzen aber auch kleines, meist fremdfinanziertes Produktivkapital.

Den linkspopulären Fronten in Spanien, Frankreich und in der italienischen Partisanenbewegung war es über Jahrzehnte gelungen, weite Teile dieser Selbstständigen an die Arbeiterbewegung zu binden – in Deutschland nur selten. Ernst Bloch rief der deutschen Linken zu: Kampflos, Genossen, habt ihr das Kleinbürgertum dem Faschismus überlassen.

Mit dem Zusammenbruch des „realen Sozialismus”, mit KI und dem Rückgang von Fließband und Werkhallen ist die Arbeiterbewegung nicht eben in ihre Blütejahre getreten, kulturell zunächst gar in den Hintergrund. Ehrliche Linkskräfte (nicht die Etikettenschwindler ähnlichen Namens) agierten seit 1989 zunehmend – in Ermangelung eines Besseren – in Bündnisformationen mit friedensorientierten und konzernkritischen Teilen von Kleinunternehmern und mit Führungspersonal aus dem Mittelstand. Zumal Gewerkschaftsführungen von NATO-besessenen, rechten SPDlerinnen und SPDlern okkupiert wurden. Die rosa-grüne Wählerschaft war unter SPD, Grünen und „Links”partei aufgeteilt, aber zusammen zu Raketen gegen Russland verleitet worden. Nachdem das BSW zunächst als Träger übergroßer Hoffnungen eingeknickt war, wuchs die AfD so zur stärksten Partei – auch mit den meisten Arbeiterstimmen.

[Hier weiterlesen]

Die Debatte über Trumps Pläne für eine „massive“ Eskalation im Iran: Alles wird besprochen – nur nicht das Verbrechen

Von Andre Damon – 28. Juli 2026

Am Sonntag, den 26. Juli, veröffentlichte die New York Times eine News-Analyse von David Sanger, ihrem langjährigen Korrespondenten für das Weiße Haus und für nationale Sicherheitsfragen. Die Überschrift lautete: „Trump scheint im Irankrieg gefangen, obwohl er den mächtigsten Hammer der Welt schwingt“. Trump, so schreibt Sanger, „wirkt gefangen, seine Präsidentschaft immer mehr von einem Krieg verschlungen, aus dem er keinen Ausweg findet.“

Die Vereinigten Staaten haben ihre Bombardements am Freitag nach 13 aufeinanderfolgenden Nächten eingestellt. Trump droht nun mit einem „massiven“ Angriff auf den Iran, den er jedoch bisher nicht gestartet hat. Sanger schreibt: „Sein Zögern rührt möglicherweise daher, dass der Krieg die US-amerikanischen Raketenabwehrbestände erschöpft hat.“

Seit über 40 Jahren fungiert Sanger bei der Times als wichtigster Experte für den US-amerikanischen Militärgeheimdienst. Seine Analysen sind bedeutsam, weil sie Aufschluss darüber geben, wie der Krieg innerhalb des Staatapparats selbst gesehen und diskutiert wird.

Am wichtigsten ist jedoch das, was weggelassen wird. Die Analyse ignoriert schlichtweg die Frage nach der Rechtmäßigkeit des Krieges. Der Krieg wird als gescheiterte Politik dargestellt, nicht als Tatbestand eines Kriegsverbrechens. In dieser Hinsicht ist der Artikel repräsentativ für die gesamte Diskussion über den Krieg innerhalb des amerikanischen politischen Establishments und seiner Medien.

Nach dem Völkerrecht ist der Krieg der USA gegen den Iran ein krimineller Angriffskrieg. Der Angriff erfolgte am 28. Februar, während offiziell die Verhandlungen noch liefen, und er richtete sich gegen ein Land, das die Vereinigten Staaten weder angegriffen noch bedroht hatte und dazu nicht einmal in der Lage war.

Bei den ersten Angriffen wurden der iranische Staatschef Ayatollah Ali Khamenei und zahlreiche militärische und politische Führer des Landes getötet. Bis zum Unterzeichnen eines Waffenstillstands am 17. Juni zählten die iranischen Behörden mindestens 3.468 Tote, darunter 376 Kinder.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Internationale Militärgerichtshof von Nürnberg die „Entfesselung eines Angriffskrieges“ als „das größte internationale Verbrechen [definiert], das sich von anderen Kriegsverbrechen nur dadurch unterscheidet, dass es in sich alle Schrecken vereinigt und anhäuft“. Aufgrund dessen wurden die Führer des Dritten Reiches verurteilt und gehängt.

Nach diesem Maßstab – dem Maßstab, den die Vereinigten Staaten selbst in das Völkerrecht eingeschrieben haben – ist der Krieg gegen den Iran ein kriminelles Unterfangen, und jeder Politiker, der ihn angeordnet, geplant und ausgeführt hat, ist ein Kriegsverbrecher.

[Hier weiterlesen]

Die „Südfront“ des Ukraine-Konflikts spitzt sich zu

Von Andrew Korybko – 27. Juli 2026

Die mit dieser jüngsten Phase des militärischen Konflikts verbundenen erhöhten Risiken deuten darauf hin, dass eine noch stärkere Eskalation sehr wahrscheinlich ist.

Die jüngste Phase des Stellvertreterkriegs in der Ukraine ist geprägt von dem „Zermürbungskrieg“, den die USA über die Ukraine gegen Russland führen, seit Trump beschlossen hat, „zu eskalieren, um zu deeskalieren“. Bislang äußerte sich dies in Form von Drohnenangriffen auf Energieinfrastruktur, Online-Händler und die Seeschifffahrt im Schwarzen Meer, im Asowschen Meer und nun sogar im Kaspischen Meer. Gerade dieser zuletzt genannte Aspekt bildet die Grundlage der vorliegenden Analyse nach den ukrainischen Angriffen vom Wochenende auf Ziele im Kaspischen Meer.

Laut ukrainischen Quellen griffen Kiews Streitkräfte eine Offshore-Ölförderplattform, ein Frachtschiff und ein Transportschiff an, gegen die wegen ihrer mutmaßlichen Rolle im russisch-iranischen Waffenhandel Sanktionen verhängt worden waren, sowie ein Raketenboot. Sollte sich dies bestätigen, wäre dies die bislang weitestgehende Ausweitung der ukrainischen Kampagne gegen die russische Seeschifffahrt nach den Angriffen auf die russische Schwarzmeerflotte im Laufe der Jahre und nachdem sie kürzlich genügend Chaos verursacht hatte, um den Schiffsverkehr im Asowschen Meer auszusetzen, das über den Wolga-Don-Kanal mit dem Kaspischen Meer verbunden ist.

Von Bedeutung ist, dass ein Teil des dort von Russland geförderten Öls über diesen Kanal auf dem Weg zur Krim und zum Weltmarkt transportiert wird; daher sind Angriffe auf Ölförderplattformen im Kaspischen Meer und die Unterbrechung des Schiffsverkehrs im Asowschen Meer Teil einer umfassenderen Strategie. Der Plan scheint darin zu bestehen, die Einnahmen des Kremls drastisch zu kürzen, im Inland Treibstoffknappheit zu verursachen, um politische Unruhen zu provozieren, und die mit Drohnen durchgesetzte „Blockade“ der Krim zu verschärfen. Diese breite „Südfront“ ist daher von großer Bedeutung.

Laienhafte Beobachter aus dem Westen könnten daher den Eindruck gewinnen, dass sich die Gesamtdynamik des Ukraine-Konflikts infolge der oben genannten Entwicklungen zugunsten Kiews verschoben hat, doch sie sollten wissen, dass Russland seine Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur am Schwarzen Meer drastisch verstärkt hat, wie RT am 22. Juli berichtete. Dies führte kürzlich dazu, dass die Ukraine den Schiffsverkehr durch diesen Seekorridor zum ersten Mal seit 2023 aussetzte – der bislang wichtigste Erfolg von Russlands neuer „systematischer Angriffskampagne“.

Zwar bleibt Odessa selbst weiterhin außerhalb des militärischen Aktionsradius‘ Moskaus, und es gab seit Beginn der militärischen Sonderoperation auch nie einen Versuch, die Stadt einzunehmen, doch zielen die jüngsten Angriffe auf ihre Infrastruktur eindeutig darauf ab, sie (zumindest vorerst) zu entmilitarisieren. Schließlich startet die Ukraine von Odessa aus ihre Marine-Drohnen gegen die russische Schwarzmeerflotte, und dort erhält die Ukraine auch einen Teil ihrer maritimen Waffenimporte. Es ist daher wohl längst überfällig, dass Russland diesen Hafen ebenso wie alle anderen ukrainischen Schwarzmeerhäfen außer Betrieb setzt.

Die radikale Verschärfung der Lage an der Südfront könnte zu einem von drei Ergebnissen führen: Die Situation verschlechtert sich weiter; es wird ein teilweiser Waffenstillstand zur Beendigung der Angriffe auf Schiffe und maritime Infrastruktur vereinbart (wobei unklar ist, ob dieser auch für die Krim gelten würde); oder die NATO schaltet sich ein. Was den zuletzt genannten Fall betrifft, so ist er zwar am unwahrscheinlichsten, kann aber dennoch nicht ausgeschlossen werden, nachdem sich die Türkei verpflichtet hat, der Ukraine Garantien für die Sicherheit auf See zu gewähren, was hypothetisch in Form von „Begleitmissionen“ geschehen könnte.

Der aktuelle Fokus der von den USA unterstützten Ukraine besteht darin, im den von Trump neu eingeschlagenen „Zermürbungskrieg“ gegen Russland dessen „weichen Unterbauch“ ins Visier zu nehmen. Das hat dazu geführt, dass nun auch Kiews eigener „weicher Unterbauch“ ins Visier gerät – sowie zu einer Form der (wohl längst überfälligen) russischen Vergeltungsmaßnahmen, die die gesamte Schwarzmeerregion zu einer „No-Go-Zone“ machen. Die mit dieser jüngsten Phase des Konflikts verbundenen erhöhten Risiken deuten darauf hin, dass eine noch stärkere Eskalation sehr wahrscheinlich ist.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen

Der Sturz von Chefankläger Karim Khan ist ein Putsch gegen das Völkerrecht

Von Manuel Loomans – 27. Juli 2026

Der Ankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), Karim Khan, während der ersten Anhörung des ehemaligen Präsidenten Rodrigo Duterte vor der Vorverfahrenskammer des Gerichtshofs am 14. März 2025. (Quelle: IStGH)

Karim Khan beantragte als erster Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs einen Haftbefehl gegen Israels Premierminister Benjamin Netanjahu. Kurz danach wurden Vorwürfe mutmaßlicher sexueller Übergriffe gegen ihn bekannt. Am 24. Juli wurde über seine Absetzung entschieden. Was als bloße Personalentscheidung erscheint, ist ein Frontalangriff auf das Völkerrecht. Kann politischer Druck den obersten Ankläger der Welt zu Fall bringen, weil seine Ermittlungen mächtigen Staaten zu nahe gekommen sind?

Anmerkung der NDS-Redaktion: Der Artikel gibt den Stand vor der Absetzung wieder, was aber an den Inhalten nichts ändert.

Im Sechzehntelfinale der Fußballweltmeisterschaft sah US-Stürmer Folarin Balogun nach einem Foulspiel die Rote Karte und war damit automatisch für das Achtelfinale gesperrt. Wenige Stunden später telefonierte US-Präsident Donald Trump mit FIFA-Präsident Gianni Infantino – kurz darauf wurde die Sperre aufgehoben. Ein Skandal, der über den Fußball hinaus die Frage aufwirft, ob internationale Spielregeln für alle gleichermaßen gelten.

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) basiert auf dem Römischen Statut – einem internationalen Vertrag, dem bislang 124 Staaten beigetreten sind. Sie haben sich damit verpflichtet, die Entscheidungen des Gerichts anzuerkennen und zu unterstützen. Anders als der Internationale Gerichtshof entscheidet der IStGH nicht über Streitigkeiten zwischen Staaten, sondern verfolgt Einzelpersonen wegen schwerster Völkerrechtsverbrechen.

Schon bei der Gründung 1998 in Rom versuchten die USA, Sonderregeln für ihre Soldaten und Geheimdienstmitarbeiter durchzusetzen – ohne Erfolg. Bei der Schlussabstimmung stimmten 120 Staaten für das Statut, dagegen nur die USA, Israel, China, Irak, Libyen, Katar und Jemen. Kurz darauf begannen die USA, den Gerichtshof aktiv zu bekämpfen. Zwar unterzeichneten sie das Statut zunächst, zogen ihre Unterschrift unter Präsident George W. Bush jedoch wieder zurück – ein diplomatisch beispielloser Schritt. An dieser ablehnenden Haltung änderte sich auch unter Obama, Trump und Biden nichts.

Diese Haltung eskalierte jedoch mit Trumps zweiter Amtszeit und dem Haftbefehl gegen die israelische Führung zu einem offenen Konflikt mit dem IStGH. In einer kürzlich veröffentlichten Stellungnahme drohte US-Außenminister Marco Rubio, den IStGH „Ziegelstein für Ziegelstein“ auseinanderzunehmen. Zugleich stellte er Staaten, die den Gerichtshof weiterhin unterstützen, finanzielle und politische Konsequenzen in Aussicht, sollten sie die „falsche Autorität des IStGH“ nicht zurückweisen. Am 13. Juli weitete das US-Außenministerium seine Maßnahmen gegen den IStGH und seine Unterstützer aus, um Staaten zum Austritt aus dem Gerichtshof zu bewegen und Verbündete zu „ähnlichen Maßnahmen“ aufzurufen.

[Hier weiterlesen]