Sommerpause

Hervorgehoben

Von der Redaktion – 8. August 2025

Globale Gleichheit legt bis zum 15. September 2025 eine Sommerpause ein. In dieser Zeit stellen wir auf dieser Seite nur ein reduziertes Angebot an neuen Nachrichten, Analysen und Hintergrundinformationen zur deutschen und internationalen Politik zur Verfügung.

Aufrufe & Appelle

Hervorgehoben



Bis hierher und nicht weiter! Wir protestieren gegen die rechtswidrigen Sanktionen gegen Oberst Jacques Baud und den Kriegskurs der EU


Fordert die Freilassung des sozialistischen Kriegsgegners Bogdan Syrotiuk aus einem ukrainischen Gefängnis!


Waffenstillstand sofort! Sofortiger Stopp aller Waffenlieferungen an die Ukraine! Kein Krieg gegen Russland! Abzug aller Atomraketen aus Europa!


Freiheit für Julian Assange! Aufruf des Komitees zur Verteidigung von Julian Assange und Chelsea Manning …


Kein Krieg gegen den Irak! – Kein Blut für Öl und Macht! Aufruf der Initiative gegen den Irak-Krieg vom November 2002…


Kommentar | Die Drohne war nur der Zünder

Von Sabiene Jahn – 3. September 2026

Ein missglückter Anschlag erklärt nicht, warum Berlin Konsulate und Kulturkanäle kappt. Wer den Blick hebt, sieht eine Ukraine unter militärischem, personellem und finanziellem Druck, eine veränderte russische Kriegführung und ein Deutschland, das immer tiefer in die ukrainische Rüstungs- und Nachschubstruktur hineinrückt. Die Drohne zwischen Leipzig und Halle an der Saale detonierte nicht. Politisch war ihre Sprengkraft jedoch bemerkenswert.

Noch bevor der Flughafen Leipzig/ Halle zur großen deutschen „Russland-Attribution“ wurde (1), hatte die Bundesregierung eine bemerkenswerte Verantwortungsformel entwickelt. Ende August fragte die AfD-Fraktion nach mehreren ukrainischen Angriffsdrohnen, die auf dem Weg zu Zielen in Russland in Finnland und den baltischen Staaten gelandet oder abgestürzt waren. Die Frage war naheliegend. Wer trägt die Verantwortung, wenn die Ukraine eine Waffe startet und diese anschließend im Luftraum eines NATO-Staates auftaucht? Die Antwort der Bundesregierung ist lesenswert. (20)

Russland trage für Luftraumverletzungen an der NATO-Ostflanke „die volle Verantwortung“. Ukrainische Flugkörper seien dagegen „nachweislich“ keine vorsätzlichen Angriffe auf die betroffenen Staaten gewesen. Ihre technischen Fehlfunktionen seien „mutmaßlich auf bewusste russische Störmaßnahmen“ des GPS zurückzuführen. Am Ende folgt daraus ein erstaunlich eindeutiger Satz. Auch für Schäden, die ukrainische Flugkörper in Drittstaaten verursachen, trage Russland die politische Verantwortung, sofern russische elektronische Kriegführung ursächlich sei. Man muss diese Logik einen Augenblick auf sich wirken lassen. (20)

Die Ukraine schickt eine Angriffsdrohne nach Russland. Russland versucht, die angreifende Waffe elektronisch abzuwehren. Die Drohne verliert möglicherweise ihre Navigation und fliegt in einen Nachbarstaat. Politisch verantwortlich ist nach Berliner Lesart wiederum Russland. Mit anderen Worten, funktioniert die russische Abwehr schlecht, ist Russland militärisch verwundbar. Funktioniert sie gut und die ukrainische Waffe kommt vom Kurs ab, wächst Russlands politische Verantwortung. Das ist eine bemerkenswert komfortable Konstruktion.

Noch eigentümlicher wird sie, wenn man liest, auf welcher eigenen Erkenntnisbasis Berlin diese Eindeutigkeit herstellt. Die Bundesregierung erklärt in derselben Drucksache, sie erhalte Informationen über Vorfälle bei Verbündeten über das NATO-Meldewesen. Ein Teil davon sei geheim. Zugleich sei es nicht Aufgabe der Bundesregierung, detaillierte nationale Ermittlungen der NATO- und EU-Staaten zu einzelnen Fällen einzuholen oder selbst zu bewerten. Man habe schlicht keinen Anlass, an den veröffentlichten Informationen der jeweiligen Behörden zu zweifeln. (20)

Berlin kündigt Abkommen

Finnland kam bei praktisch derselben technischen Ausgangslage zu einer erheblich nüchterneren Schlussfolgerung. Helsinki bestreitet russisches GPS-Jamming überhaupt nicht. Verteidigungsminister Antti Häkkänen erklärte jedoch, die Ukraine müsse ihre Angriffe so planen, dass bekannte russische Störmaßnahmen nicht dazu führten, dass ukrainische Waffen in finnischen Luftraum gerieten. Auch unbeabsichtigte Verletzungen seien nicht akzeptabel. Wer eine Waffe losschickt, muss also einkalkulieren, dass der Gegner versucht, sie abzuwehren. (21)

Es zeigt zwei vollkommen unterschiedliche Arten, Verantwortung zu denken. Finnland fragt, wer hat die Waffe gestartet, und was musste der Betreiber bei der Einsatzplanung vorhersehen? Berlin fragt offenbar zuerst, welche russische Handlung lässt sich noch in die Kausalkette einfügen?

Und dann liegt wenige Wochen später eine Sprengstoffdrohne auf dem Flughafen Leipzig/ Halle, in unmittelbarer Nähe einer ukrainischen Antonow-Frachtmaschine. Am 1. September erklärt die Bundesregierung Russland zum Verantwortlichen. Es folgten Maßnahmen, die weit über die Sicherung eines Flughafens hinausreichen. Das letzte russische Generalkonsulat in Bonn soll schließen, neue Sanktionen werden vorbereitet, Einreiseregeln verschärft, und Berlin kündigt das Abkommen über das Russische Haus. (2)

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Russlands rote Linien

Von German-Foreign-Policy.com – 3. September 2026

Die Debatte um den Drohnenanschlag am Leipziger Flughafen wirft erneut die Frage nach Russlands roten Linien im Ukraine-Krieg auf.

Die Debatte um den Drohnenanschlag am Leipziger Flughafen wirft zum wiederholten Mal die Frage nach Russlands roten Linien im Ukraine-Krieg auf. Moskau hat in den vergangenen Jahren immer wieder gewarnt, überschritten die westlichen Staaten seine roten Linien – so zum Beispiel mit der Lieferung weitreichender Raketen an die Ukraine, mit der die ukrainischen Streitkräfte Ziele weit im russischen Hinterland angreifen können –, dann behalte es sich Reaktionen vor. Inzwischen wird das russische Kernland mit weitreichenden Drohnen aus britischer Produktion angegriffen; derartige Drohnen werden, explizit für den Export in die Ukraine, auch in der Bundesrepublik hergestellt. Ein russischer Regierungsberater bestätigte kürzlich, es könne „früher oder später“ eine „nicht nur verbale, sondern vielleicht auch sichtbare Reaktion“ darauf geben. Auch Cyberangriffe oder „halbmilitärische Schritte“ seien denkbar. Die Ziele können dabei auch asymmetrisch gewählt werden. Sollte sich bestätigen, dass die Täter in Leipzig in Kontakt mit russischen Stellen standen [wofür bislang nicht der geringste Beweis vorgelegt wurde; die GG-Red.], dann könnte der Anschlag eine Reaktion Russlands auf das Überschreiten seiner roten Linien sein. Deutschland stünde ein Stück weiter im Krieg.

Immer weiter ausgetestet

Die Frage, wo Russlands rote Linien liegen und was geschieht, wenn man sie überschreitet, begleitet die westlichen Staaten seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Zunächst war unklar, wie die russische Regierung reagieren würde, wenn der Westen der Ukraine Kampfpanzer, Raketen kürzerer Reichweite oder auch Kampfjets lieferte. Die Vereinigten Staaten begannen bald, das auszutesten. Im Juni 2023 konstatierte die Washington Post, die USA hätten nach und nach HIMARS-Mehrfachraketenwerfer – plus Raketen mit zunehmender Reichweite –, Abrams-Kampfpanzer, dann auch Helikopter geliefert und nun entschieden, es auch mit Kampfjets der vierten Generation vom Typ F-16 zu versuchen. Bislang habe Moskau alles hingenommen; das verleite zu der Annahme, dass dem auch weiterhin so sei. Experten warnten aber, Risiken bestünden unverändert und bei jedem neuen Schritt. „Das Problem ist, dass wir die wirkliche rote Linie nicht kennen“, erläuterte damals Maxim Samorukov vom Carnegie Endowment for International Peace; zudem könne sie sich „von Tag zu Tag ändern“.[1] Alexander Gabuev vom Berliner Carnegie Russia Eurasia Center bestätigte dies: „Bestimmte rote Linien existieren“; weil man nicht sicher wisse, „wo sie sind“, entstünden Risiken.

„Direkte Kriegsbeteiligung“

Eine bedeutende Rolle in der Debatte um Russlands rote Linien spielen seit Jahren Waffen mit großer Reichweite, die geeignet sind, Ziele in Moskau bzw. weit im russischen Hinterland zu treffen. Mitte September 2024 erklärte Präsident Wladimir Putin, sollten westliche Länder der Ukraine weitreichende Raketen liefern, dann werde Moskau das als „direkte Beteiligung“ von NATO-Staaten am Krieg werten – und zwar, weil solche Raketen bloß mit westlichen Satellitendaten und mit Steuerungshilfe westlicher Militärs eingesetzt werden könnten. Dürfe Kiew sie nutzen, dann werde das „die Natur des Konflikts wesentlich verändern“, erklärte Putin.[2] Hardliner im Westen drangen darauf, seine Äußerungen zu ignorieren, und urteilten, es handle sich dabei lediglich um einen Bluff; man dürfe vor der Lieferung weitreichender Raketen nicht zurückschrecken.[3] Großbritannien und Frankreich hatten schon im Jahr 2023 Raketen des Typs Storm Shadow bzw. Scalp in der Exportvariante mit einer Reichweite von bis zu 290 Kilometern geliefert, deren Einsatz gegen Ziele im russischen Kernland jedoch untersagt; erlaubt wurden nur Angriffe auf Ziele etwa auf der Krim. Großbritannien gestattete Ende 2024 erstmals Angriffe auf Ziele auf unstrittig russischem Territorium – zunächst im Gebiet Kursk.[4]

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Deutsche Regierung provoziert Eskalation des Ukrainekriegs

Von Peter Schwarz – 3. September 2026

Antonov-Frachtflugzeug [Photo by Vitorinostudio / wikimedia / CC BY-SA 4.0]

Die Anschuldigung der deutschen Regierung, Russland habe am 4. August auf dem Leipziger Flughafen einen missglückten Terroranschlag verübt, ist eine politische Provokation, die ausgerechnet am 87. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs inszeniert wird. Sie verfolgt das Ziel, den eskalierenden Krieg in der Ukraine weiter anzuheizen, die anderen europäischen Mächte auf den Kriegskurs einzuschwören und die öffentliche Meinung auf einen direkten Krieg mit der Atommacht Russland vorzubereiten.

Die Bundesregierung ist dabei, die Schwelle vom Stellvertreterkrieg zum offenen Krieg gegen Russland zu überschreiten. Das meint Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, wenn er sagt: „Wir befinden uns nicht im Krieg, aber wir sind tägliches Ziel hybrider Kriegsführung.“

Die Strafmaßnahmen, die die Regierung verhängt hat – Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn und des Russischen Hauses in Berlin, strengere Einreisebestimmungen für Russen, Druck auf die sogenannte „Schattenflotte“ –, zielen in dieselbe Richtung: Der Abbruch diplomatischer und kultureller Beziehungen ist ein Schritt zum Krieg. Die Bundesregierung rechnet fest damit, dass nun auch das Goethe-Institut in Moskau und das deutsche Konsulat in Sankt Petersburg geschlossen werden.

Die Anschuldigungen gegen Russland waren zeitlich sorgfältig abgestimmt. Am Sonntag verkündete Bundeskanzler Friedrich Merz, dass eine offizielle „Zuordnung des Leipziger Angriffs“ in Kürze erfolgen werde, und drohte: „Sie werden dafür bezahlen.“ Am Dienstag gaben dann Außenminister Johann Wadephul und Innenminister Dobrindt gemeinsam eine Erklärung vor der Presse ab, die Russland für den Angriff verantwortlich machte.

Anschließend flog Wadephul nach Irland zu einem Treffen der EU-Außenminister, um sie auf den verschärften Kurs gegen Russland einzuschwören. Während seinem Presseauftritt hatten in Irland bereits die EU-Verteidigungsminister getagt und ebenfalls eine Verschärfung des Kriegs gegen Russland beschlossen.

Dobrindt und Wadephul haben keinen einzigen tragfähigen Beweis für die behauptete Täterschaft Russlands vorgelegt. Dobrindt sprach lediglich ganz allgemein von polizeilichen Ermittlungen und nachrichtendienstlichen Erkenntnissen, die ergeben hätten, dass „Tatmittel“ – wie die Konfiguration der Drohne, Bauteile, Sprengstoff und Zündtechnik – aus anderen hybriden Operationen Russlands bekannt seien. Die Technik sei „professionell“ und der Aufwand für die Planung „erheblich“ gewesen, behauptete Dobrindt – was im Widerspruch zu seiner eigenen Aussage stand, die Tat sei von „Low-Level-Agenten“, also von Dilettanten, ausgeführt worden.

Der Drohnenfund auf dem Flughafen Leipzig, der neben dem zivilen Verkehr auch als Drehscheibe für Fracht- und Waffentransporte dient, wirft zahlreiche Fragen auf.

Die kleine Drohne wurde am 4. August spätnachts von einem Busfahrer auf dem Boden in der Nähe eines Antonov-Schwerlastflugzeugs der gleichnamigen ukrainischen Fluggesellschaft gefunden, die seit Kriegsausbruch von Leipzig aus operiert. In der Nähe wurden dann 600 Gramm hochexplosiver Sprengstoff entdeckt, der sich angeblich von der Drohne gelöst hatte. Eine Explosion oder einen Schaden gab es nicht.

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Bundesregierung wirft Russland offiziell hybride Kriegsakte gegen Deutschland vor

Von Thomas Röper – 2. September 2026

Die Bundesregierung hat Russland nun offiziell vorgeworfen, hinter dem Drohnenvorfall von Leipzig zu stehen, und Maßnahmen gegen Russland angekündigt. Damit dürften die (fast) letzten Brücken zwischen Deutschland und Russland abgebrochen sein.

Die Pressekonferenz von Innenminister Dobrindt und Außenminister Wadephul dauerte kaum zehn Minuten. Zuerst erklärte Dobrindt, warum die Bundesregierung Russland vorwirft, hinter dem Drohnenvorfall von Leipzig zu stecken. Allerdings präsentierte Dobrindt keinerlei Belege, sondern nur Verdachtsmomente, die man aber auch ganz anders interpretieren kann. Dobrindt begründete die Anschuldigungen gegen Russland wie folgt:

„Erkenntnisse unserer Dienste und Partnerdienste deuten hierbei, gleichermaßen übrigens wie Ermittlungsverfahren in Deutschland und bei unseren europäischen Partnern, klar auf eine russische Involvierung bei den geplanten, durchgeführten und auch vereitelten hybriden Aktionen. Diese hybriden Aktionen folgen wiederkehrenden Mustern. In diesen Mustern finden sich vergleichbare Ziele, ebenso vergleichbare Tatmittel sowie vergleichbare Vorgehensweisen und Täterprofile.“

Dobrindt behauptete damit nicht einmal, dass es irgendwelche Belege für eine russische Täterschaft gibt, sondern sagte lediglich, irgendetwas würde „auf eine russische Involvierung deuten“. Dass Russland, im Gegensatz zur Ukraine, die von anti-russischen Maßnahmen profitiert, von solchen Aktionen keinerlei Vorteil hat, interessiert in deutschen Medien und der Regierung offensichtlich niemanden.

Dobrindt fügte noch hinzu, Deutschland befände sich „nicht im Krieg, aber“ sei aber „tägliches Ziel hybrider Kriegsführung“. Das ist eine starke Aussage, wenn man bedenkt, dass noch immer, also nach all den Jahren, in denen deutsche Politiker so etwas behaupten, noch kein einziger Fall belegt ist, in dem Russland tatsächlich mit „hybrider Kriegsführung“ gegen Deutschland vorgegangen wäre.

„Mit offener Feindseligkeit“

Nach Dobrindt sprach dann Wadephul, der seinen Auftritt ziemlich verlogen begann, als er sagte:

„Russlands Führung tritt unserem Land mit offener Feindseligkeit entgegen. Ich möchte betonen, dieser Zustand unserer Beziehungen liegt nicht im Interesse der Bundesregierung. Wir bedauern ihn ausdrücklich.“

Dass Wadephul, oder seine Kollegen in der Regierung, den Zustand der deutsch-russischen Beziehungen “ausdrücklich bedauern”, ist dreist gelogen, denn es sei daran erinnert, dass Wadephul im November 2024, also Monate bevor Merz Kanzler wurde, sagte, dass Russland „für uns immer der Feind und eine Gefahr für unsere europäische Sicherheit“ bleiben werde (die Details dazu finden Sie hier). Es stellt sich also die Frage, wer wem „mit offener Feindseligkeit entgegentritt“. Es ist wohl eher diese Bundesregierung, die Russland „mit offener Feindseligkeit entgegentritt“, als umgekehrt.

Danach verkündete Wadephul die anti-russischen Maßnahmen der Bundesregierung und kündigte an, das russische Generalkonsulat in Bonn zum 18. September zu schließen, den Vertrag mit dem Russischen Haus in Berlin zu kündigen, Einreisekontrollen für russische Staatsangehörige zu verschärfen, den russischen Botschafter einzubestellen und den Druck auf die „russische Schattenflotte“ zu erhöhen.

Auch diese deutschen Maßnahmen zeigen deutlich, wer wem „mit offener Feindseligkeit entgegentritt“, denn wenn sie russische Konsulate schließt, Diplomaten ausweist und das russische Haus, die einzige offizielle Begegnungsstätte für deutsch-russischen Kulturaustausch in Deutschland, schließt, dann beschneidet die Bundesregierung in erster Linie mögliche Kommunikationskanäle, die man ja brauchen würde, wenn man irgendwann mal eine Verhandlungslösung erreichen will. Indem die Bundesregierung praktisch alle Kommunikationskanäle schließt, beweist sie, dass sie keinerlei Interesse an einer Verhandlungslösung oder einer Deeskalation hat.

Die Pressekonferenz von Dobrindt und Wadephul dauerte nur zehn Minuten, und es wurde keine einzige Frage von Journalisten zugelassen.

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Der Vorfall von Leipzig trägt alle Merkmale einer False-Flag-Operation

Von Andrew Korybko – 2. September 2026

Der Anschlag von Leipzig diente offensichtlich dem Zweck, die Umstellung der deutschen Wirtschaft auf Kriegswirtschaft zu rechtfertigen, von den daraus resultierenden Problemen abzulenken und eine künftige ernsthafte Eskalation gegen Russland vorab zu legitimieren.

Deutschland beschuldigte Russland für den Vorfall im letzten Monat in Leipzig verantwortlich zu sein, als eine mit Sprengstoff beladene Drohne auf dem Rollfeld in der Nähe ukrainischer Frachtflugzeuge gefunden wurde, eine weitere Berichten zufolge bei einem Landeversuch mit einem anderen Frachtflugzeug kollidierte, aber nicht explodierte, und eine dritte später in der Nähe des Geländes entdeckt wurde. Russlands Präsident Wladimir Putin verurteilte diese Behauptung, äußerte die Meinung, dass es sich um eine False-Flag-Aktion gehandelt habe, da Beweise platziert worden seien, und spekulierte, dass das dahinterstehende Motiv Angstmacherei bezüglich Russland sei.

Skeptiker mögen vielleicht mit den Augen rollen. Doch der Vorfall in Leipzig weist alle Anzeichen einer False-Flag-Operation auf. Zunächst einmal unterstellt Deutschland Russland eine geradezu cartoonhafte Inkompetenz. Die Öffentlichkeit soll glauben, dass die weltweit erfahrensten Drohnenpiloten, die mit dem wohl sensationellsten „Hybridkrieg“-Angriff auf die NATO aller Zeiten beauftragt gewesen seien, eine Drohne auf dem Rollfeld zurückgelassen haben, Pech hatten, als eine andere Drohne nach dem Aufprall auf ein landendes Frachtflugzeug nicht explodierte, und eine weitere in der Nähe zurückließen. Das ist schwer zu glauben.

Der zweite Punkt, der für Putins Hypothese spricht, ist, dass im letzten Herbst etwas Ähnliches passierte, als unbekannte Drohnen große Flughäfen in Skandinavien dazu zwangen, alle Flüge vorübergehend einzustellen. Selenskyj beschuldigte erwartungsgemäß Russland und forderte die Schließung der dänischen Meerengen für dessen Schifffahrt. Wie beim Vorfall in Leipzig wurden nie Beweise zur Unterstützung dieser Behauptung vorgelegt, aber sie diente als Präzedenzfall, um Russland für mysteriöse Drohnenvorfälle in Europa verantwortlich zu machen und weitere Eskalationen gegen das Land zu rechtfertigen.

Während Selenskyjs seinerzeit vorgeschlagene Eskalation letztlich nie verwirklicht wurde (höchstwahrscheinlich, um einen heißen NATO-Russland-Krieg zu vermeiden), könnte auf den Vorfall in Leipzig nun jedwede Form von Eskalation erfolgen.

Hier wurde Ende August argumentiert, dass die NATO von einer ernsthaften Eskalation mit Russland mehr zu gewinnen hätte als umgekehrt; dies könnte in Form einer unbefristeten Wiederaufnahme der gescheiterten großangelegten Drohnenkampagne dieses Sommers gegen Russland geschehen. Mit dem Ziel, dessen Deindustrialisierung und Demilitarisierung voranzutreiben. Ein solcher Versuch könnte im nächsten Jahr unternommen werden.

Beobachter sollten bedenken, dass Deutschland, das mittlerweile hinter den USA der zweitwichtigste militärische Unterstützer der Ukraine ist, im Frühjahr eine Vereinbarung zur Entwicklung der Tiefschlagfähigkeiten der Ukraine getroffen hat. Auch die deutsche Wirtschaft rüstet sich für den Krieg, da Deutschland im Hinblick auf sein Ziel, Europas größte Armee zu stellen, rasch remilitarisiert – im Vorgriff auf die Prognose der EU, dass es um das Jahr 2030 zu einem möglichen Krieg mit Russland kommen könnte. Dies hat sich bei den Wählern jedoch als unpopulär erwiesen, weshalb es notwendig wurde, dies nun mit dem Vorfall in Leipzig zu rechtfertigen.

Um die Erklärung zu Putins False-Flag-Hypothese zusammenzufassen: Der russische Drohnen-Schreck in Skandinavien im letzten Herbst diente als Vorwand, um dem Kreml ohne Beweise die Schuld an zukünftigen derartigen Vorfällen zu geben, was Deutschland nun mit dem Leipziger Vorfall getan hat. Das Narrativ von der Inkompetenz der russischen Drohnenbediener ist jedoch schwer zu glauben, wird aber dennoch verbreitet, um die Umstellung der deutschen Wirtschaft auf Kriegswirtschaft zu rechtfertigen, von den daraus resultierenden Problemen abzulenken und eine zukünftige ernsthafte Eskalation gegen Russland zu legitimieren. Eine solche könnte, wie bereits erwähnt, darin bestehen, die gescheiterte Drohnenkampagne gegen Russland vom Sommer in großem Umfang auf unbestimmte Zeit wieder aufzunehmen, um dessen Deindustrialisierung und Demilitarisierung voranzutreiben.

Ein solches Vorgehen birgt jedoch die Gefahr, dass gemäß der aktualisierten Doktrin Russlands die nukleare Schwelle überschritten wird. Zumindest würde Putin erneut eine vorsichtige „Eskalation zur Deeskalation“ gegenüber der Ukraine vornehmen, doch es besteht immer die Gefahr, dass alles außer Kontrolle gerät. Daher wäre es für Deutschland am besten, eine Eskalation überhaupt zu vermeiden, so wie es die skandinavischen Staaten letztendlich getan haben.

Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert .

Kommentar | Der Leipziger Drohnenvorfall – Wer profitiert von der Eskalation?

Von Manfred Böhm – 2. September 2026

»Offenbar identifiziert« – Es ist nach wie vor unklar, was genau in Leipzig vorgefallen und wer dafür letztlich verantwortlich ist. Aber die deutsche Regierung nutzt die Chance, die Stimmung gegen Russland zu intensivieren … (Screenshot)

Der jüngste Drohnenvorfall auf dem Flughafen Leipzig und die darauffolgenden drastischen diplomatischen Schritte werfen Fragen auf, die in der medialen Berichterstattung kaum Platz finden. Wer das offizielle Narrativ hinterfragt, stößt schnell auf massive Ungereimtheiten. Bei genauerer Betrachtung teilt ein erheblicher Teil der Bürger in Deutschland eine ganz andere Befürchtung: Es deutet vieles auf eine gezielte Inszenierung („False Flag“) hin, um das Image Russlands im öffentlichen Bewusstsein weiter zu beschädigen.

Kognitive Kriegsführung statt Aufklärung

Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Vorfall gezielt genutzt wird, um das gebetsmühlenartig wiederholte Feindbild zu festigen. Die Taktik der ständigen Wiederholung ist ein bekanntes Instrument der kognitiven Kriegsführung. Sie dient dazu, Zweifel im Keim zu ersticken und jeden als Abweichler zu brandmarken, der die Positionen der herrschenden Politik und der etablierten Medienlandschaft nicht unkritisch übernimmt.

Politische Akteure blieben bis heute jeden harten Beweis schuldig, dass die Drohne tatsächlich von russischen Stellen installiert wurde. Die gesamte Kommunikation leidet unter massiver Intransparenz. Dass diese politischen Schuldzuweisungen weit vor dem Abschluss gesicherter, transparenter Ermittlungen stattfinden, greifen mittlerweile auch etablierte Medien auf. So titelt die Zeitung nd.aktuell explizit:

„Ausreichend Beweise hat das Bundeskriminalamt nach dem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle nicht gefunden. Trotzdem legt sich der Dienstherr jetzt fest, dass Russland dahintersteckt.“

Selbst eine Analyse der Tagesschau weist darauf hin, dass eine öffentliche Zuschreibung staatlicher Angriffe eine rein politische Handlung ist, bei der es vorerst keine juristische Gewissheit geben wird. Die ARD warnt in diesem Zusammenhang deutlich:

„Sind die öffentlich präsentierten Belege nicht überzeugend, könnte das ein Einfallstor für Kritik aus dem In- und Ausland sein.“

Wie dünn das Eis ist, auf dem sich die Bundesregierung bewegt, zeigte sich schon vor der offiziellen Schuldzuweisung: Selbst Innenminister Alexander Dobrindt gab im Vorfeld offen zu, dass Russland es den Ermittlern „sehr, sehr schwer macht, den Beweis zu führen“. Wenn die Beweise derart lückenhaft sind, beweist der Fund vermeintlich russischer Komponenten überhaupt nichts. Solche Bauteile sind auf dem Weltmarkt frei zugänglich. Sie eignen sich perfekt dazu, absichtlich am Tatort platziert zu werden, um den Verdacht manipulativ in eine ganz bestimmte Richtung zu lenken.

Wer installierte die Drohne wirklich?

Die entscheidende Frage lautet: Wer hat ein echtes Interesse an diesem Vorfall? Es sind jene Akteure, die Russland weiter diskreditieren und das Feindbild im Westen maximal ausmalen wollen.

Die Konsequenzen dieses Vorfalls sind gravierend und folgen einem klaren Muster: Die Schließung des Generalkonsulats, die Schließung des Russischen Hauses und die Ausweisung russischer Mitarbeiter basieren auf einer Indizienkette, die einer rechtlichen und logischen Prüfung kaum standhält.

Am Abgrund: Der unaufhaltsame Weg in den Konflikt

Aus Sicht vieler unvoreingenommener Beobachter handelt es sich hierbei um ein böses Spiel, das die diplomatische Eskalationsspirale mutwillig weiter anheizt. Für den wachsamen Bürger liefert diese Politik den endgültigen Beleg: Der aktuelle Kurs der Bundesregierung gefährdet die Sicherheit und das Leben der Menschen in Deutschland und ganz Europa auf unverantwortliche Weise. (Hervorhebung durch die Redaktion.)

[Zum Originalbeitrag auf Globalbridge.ch]

Die vielen Kräfte hinter unserem Klima

Von Uwe Froschauer – 1. September 2026

Sonne, Symbolbild für Klimawandel
Peter O’Connor aka anemoneprojectorsCC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Welche Faktoren bestimmen das Klima?

Fortsetzung der Artikel vom 3. August 2026, 17. August 2026 und 25. August 2026. Sie finden den ersten Teil hier. Der zweite Teil ist hier zu finden. Der dritte Teil ist hier zu finden.

Nun stellt sich die nächste Frage: Warum verändert sich das Klima?

In der öffentlichen Debatte entsteht meist der Eindruck, als gäbe es auf diese Frage eine einfache Antwort. Für viele ist sie inzwischen auf ein einziges Molekül reduziert: Kohlendioxid.

Das Klimasystem der Erde ist kein einfaches Ursache-Wirkungs-System. Es ist ein hochkomplexes Netzwerk natürlicher Prozesse. Es wird von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst, die sich gegenseitig verstärken, abschwächen oder überlagern können. Die nachfolgenden Abschnitte stellen die wichtigsten natürlichen Einflussgrößen vor. Sie machen deutlich, wie komplex das Klimasystem tatsächlich ist und weshalb einfache Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge ihm nur selten gerecht werden. Auffallend ist, wie stark sich die öffentliche und politische Klimadebatte auf einen einzigen Faktor konzentriert: Kohlendioxid. Das bedeutet nicht, dass CO₂ keine klimatische Wirkung besitzt. Die Frage ist vielmehr, wie groß sein Einfluss im Zusammenspiel mit all den anderen Faktoren tatsächlich ist und welche politischen Schlussfolgerungen daraus gerechtfertigt sind. Dass mit der Beantwortung dieser Fragen inzwischen gewaltige wirtschaftliche und politische Interessen verbunden sind, sollte dabei ebenfalls nicht ausgeblendet werden. Darauf werde ich später noch zurückkommen.

Die Sonne – der Motor unseres Klimas

Ohne die Sonne gäbe es auf der Erde kein Leben. Sie liefert nahezu die gesamte Energie, die unser Klimasystem antreibt. Jeder Wind, jede Meeresströmung, jede Verdunstung und jeder Wasserkreislauf sind letztlich Folgen der Sonnenenergie.

An der Grenze zum Weltraum – noch bevor die Sonnenstrahlen in die Erdatmosphäre eintreten – treffen im Mittel rund 1.361 Watt Sonnenleistung auf jeden Quadratmeter, der der Sonne direkt zugewandt ist. Erst beim Durchgang durch die Atmosphäre wird ein Teil dieser Energie von Wolken, Wasserdampf und anderen Bestandteilen der Luft reflektiert oder absorbiert, sodass die Erdoberfläche deutlich weniger Sonnenenergie erreicht. 1.361 Watt entsprechen ungefähr der Leistung eines kräftigen Heizlüfters oder gut 13 einhundert Watt-Glühbirnen – und zwar auf jedem einzelnen Quadratmeter. Ein Teil dieser Energie wird von Wolken, Eisflächen und hellen Oberflächen wieder ins Weltall reflektiert. Der übrige Teil erwärmt Land und Meere, lässt Wasser verdunsten, treibt Winde an und setzt den gesamten Wasserkreislauf in Gang. Nahezu jedes Wetterereignis auf der Erde geht letztlich auf diese Energiequelle zurück.

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Lawrow verkündet den Beginn einer neuen Entwicklungsphase in der russischen Arktis

Von Andrew Korybko – 1. September 2026

Russlands übergeordnete Strategie scheint darin zu bestehen, möglichst viele Länder dazu zu bewegen, sich an Energie-, Transport- und Logistikprojekten in der Arktis zu beteiligen, um ihnen Anreize zu bieten, sich den Bemühungen der NATO zur Eindämmung Russlands in dieser Region entgegenzustellen – wenn auch nur auf politischer Ebene, im Idealfall jedoch unter Missachtung der Sanktionen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow veröffentlichte im Vorfeld des jährlichen Östlichen Wirtschaftsforums, das diese Woche in Wladiwostok stattfindet, einen Beitrag zum Thema „Internationale Zusammenarbeit in der Arktis: Herausforderungen und Chancen“ [zur deutschen Übersetzung hier]. Der Zeitpunkt lässt vermuten, dass er davon ausgeht, dass auf der Veranstaltung entsprechende Vereinbarungen getroffen werden. Wie dem auch sei, erklärte er, dass eine neue Entwicklungsphase in der russischen Arktis gerade begonnen habe, nachdem erstmals ein chinesisches Containerschiff über die Nordostpassage (NSR) nach Murmansk gesegelt sei.

Russland sei bereit, dort mit „allen konstruktiv eingestellten ausländischen Staaten“ zusammenzuarbeiten, „vor allem mit China und Indien“. Beide Länder könnten die NSR für den Handel mit der EU nutzen, während Lawrow prognostizierte, dass „die Arktis in den nächsten 20 Jahren zu einem wichtigen Bereich der Zusammenarbeit zwischen Russland und Indien werden könnte“. Alle BRICS-Länder sind ebenso zur Teilnahme an dieser Entwicklung eingeladen wie Weißrussland und die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten. Er fügte hinzu, dass auch Südkorea und Singapur daran interessiert seien.

So vielversprechend das „enorme Potenzial des hohen Nordens in den Bereichen Ressourcen, Transport und Logistik“ auch sei, stelle doch die Militarisierung dieser Region durch die NATO eine Herausforderung dar, da die Gefahr bestehe, durch Fehleinschätzungen einen Konflikt auszulösen. In diesem Zusammenhang verurteilte Lawrow die Anfang dieses Jahres gestartete „Arctic Sentry“-Mission sowie die „groß angelegten Militärübungen unter Einbeziehung nicht zur Region gehörender Länder und die Einführung neuer Komponenten ihres Führungs- und Kontrollsystems“ in der Region. Er erwähnte es zwar nicht, aber Finnland spielt dabei eine Schlüsselrolle.

Ein weiteres Problem seien die Sanktionen, sagte Lawrow – möglicherweise in Anspielung auf die Entscheidung eines chinesischen Unternehmens, sich im Sommer 2024 aus Russlands „Arctic LNG 2“-Megaprojekt zurückzuziehen. Er bedauerte zudem, dass der Arktische Rat, der am 19. September sein 30-jähriges Bestehen feiert, seine Arbeit seit Beginn der militärischen Sonderoperation praktisch eingefroren habe. Dennoch bekräftigte er zwar die Bereitschaft Russlands, die „Arbeit in vollem Umfang wieder aufzunehmen“, sofern man „in gutem Glauben handelt“, erklärte aber gleichzeitig, dass Russland über die Fähigkeiten verfüge, seine Pläne auch ohne dies umzusetzen.

Russlands übergeordnete Strategie scheint darin zu bestehen, möglichst viele Länder dazu zu bewegen, sich an den Energie-, Transport- und Logistikprojekten in der Arktis zu beteiligen, um ihnen Anreize zu bieten, sich den Bemühungen der NATO zur Eindämmung Russlands in dieser Region entgegenzustellen – wenn auch nur politisch, im Idealfall jedoch durch die Missachtung von Sanktionen. Lawrows Prognose, dass „die Arktis in den nächsten 20 Jahren zu einem wichtigen Bereich der Zusammenarbeit zwischen Russland und Indien werden könnte“, deutet darauf hin, dass er sich vorstellt, Indien könnte dort einen Gegenpol zum wirtschaftlichen Einfluss Chinas bilden.

Russlands Balanceakt zwischen China und Indien ist nicht perfekt, und manchmal neigt sich die Waage eher zur einen oder zur anderen Seite, doch die zugrundeliegende Logik ist stichhaltig: Indien hilft Russland dabei, eine potenziell unverhältnismäßige Abhängigkeit von China präventiv zu vermeiden. Indien unterhält zudem enge Beziehungen zu den USA und dem Westen insgesamt, sodass seine Diplomaten diese davon überzeugen könnten, Indien zumindest von den arktischen Aspekten ihrer antirussischen Sanktionen auszunehmen, damit Indien Russland dabei helfen kann, das vorgenannte Ziel voranzutreiben, das auch im indischen Interesse liegt.

Das beste Szenario für Russland wäre ein Durchbruch im Verhältnis zum Westen, um zumindest diese regionale Dimension der Sanktionen aufzuheben, was dazu führen würde, dass Wirtschaftsmächte wie Japan, Südkorea und Singapur Indiens oben genannte Rolle ergänzen – doch das wird zunehmend unwahrscheinlich. Daher wird das Ausmaß der Rolle Indiens in der Arktis darüber entscheiden, ob Russlands Arktisstrategie bipolar oder chinazentriert ausfällt; Russland sollte deshalb in Betracht ziehen, sich dort den westlichen Sanktionen zu widersetzen, falls es keine Ausnahmeregelung erwirken kann.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

„Auf Sachsen-Anhalt schaut gerade die Welt ..!“

Von Ramon Schack – 1. September 2026

Merseburg
Foto von Ramon Schack

Impressionen vom Wahlkampf in dem ostdeutschen Bundesland.

Erster Teil. Ein zweiter Teil dieser Reportage erfolgt in Kürze.

Merseburg, an einem heißen Wochentag im August. In Sachsen-Anhalt tobt der Wahlkampf, was auch hier in der alten Dom- und Universitätsstadt – in unmittelbarer Nachbarschaft zu Halle an der Saale – nicht zu übersehen ist. Wahlplakate versperren den Blick auf die Architektur der frühen DDR-Zeit, welche die Straße, rund um den Hauptbahnhof zu prägen scheint.

„Hier in der Region kann man überhaupt nicht in irgendeiner Blase leben“

In einem indischen Bistro, unweit des Bahnhofgebäudes, herrscht Hochbetrieb. Arbeiter im Blaumann gönnen sich ein Feierabend-Bier, scherzen mit dem Inhaber, der vor über 20 Jahren aus dem Punjab nach Merseburg kam. Herr Singh schaut ehrlich amüsiert, als ihm die Frage nach fremdenfeindlichen Erlebnissen gestellt wird. „Singh heißt auf Deutsch Löwe!“, antwortet er lächelnd. „Ich weiß mich also zu verteidigen. Aber um ehrlich zu sein, ich habe keine Probleme. Schauen Sie doch selbst. Der Inder serviert eine neue Runde Bier an seine Stammkunden, derbe Männer in Arbeitskleidung, die nicht unbedingt eine linksliberale Lebenswelt repräsentieren.

„So Männer, noch ne Runde von Eurem kulturfremden Invasoren“, ruft Singh, um damit eine AfD-Parole zu persiflieren.

Ronko, 28, ist in Merseburg aufgewachsen. Der Fliesenleger berichtet von der politischen Stimmung auf dem Bau, während er sich eine Zigarette dreht. „Die meisten wählen Blau, stimmt schon, auch die Migranten mit deutschem Pass. Die AfD ist zur Arbeiterpartei geworden, ohne es zu sein“, gibt er zu bedenken. Sein Kollege Udo, ein bulliger Endvierziger, der früher einmal ein richtiges „Nazischwein“ war, wie er unumwunden zugibt, ergänzt. „Ich hatte vor 15 Jahren einen schweren Arbeitsunfall. Die ausländischen Kollegen, Kurden, Türken, Bosnier, haste nicht gesehen, kamen zu mir ins Krankenhaus und haben mich anschließend zu Hause besucht, meiner Frau die Arbeit abgenommen. Von den Deutschen, keine Spur. Glaub mir, danach war ich kein Nazi mehr. Trotzdem wähl ich AfD, eben weil das keine Nazis sind. Was denn sonst. Da gibt es auch genug Arschlöcher, dieser Rumäne zum Beispiel, wie heißt der noch genau? Tillschneider, den kannste in der Pfeife rauchen, aber Sigmund muss jetzt mal ran, bevor uns die anderen in den Krieg treiben!“

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Das Pentagon übernimmt die Kontrolle über das Öl Venezuelas: Imperialistischer Diebstahl und der Bankrott des bürgerlichen Nationalismus

Von Andrea Lobo – 31. August 2026

Delcy Rodriguez im Gespräch mit dem Chef des US Southern Command, General Francis Donovan, 6. Juli 2026 [Photo: Presidencia de Venezuela]

Am 24. Juni forderte das stärkste Erdbeben in Venezuela seit 125 Jahren mehr als 6.500 Todesopfer; Zehntausende gelten weiterhin als vermisst. Zwei Monate später, da ein Großteil der Bevölkerung noch immer in Zelten auf der Straße lebt, kündigte Donald Trump an, dass die US-Regierung die Kontrolle über Venezuelas Öl übernehmen werde.

Am Freitagabend prahlte Trump in den sozialen Medien damit, dass Washington sich „die Mehrheitskontrolle der USA über mehr als 65 Milliarden Barrel nachgewiesener Ölreserven in Venezuela“ gesichert habe. Dies entspricht einem Fünftel der venezolanischen Reserven, den größten der Welt. Tatsächlich beansprucht Washington damit jedoch die Kontrolle über die gesamte Ölindustrie.

Das Wall Street Journal  hat inzwischen berichtet, dass ein privates Unternehmen unter der Leitung des venezolanischen Geschäftsmanns Alejandro Betancourt auf Jahrhunderte hinaus die Rechte zur Erschließung von 17 Ölfeldern erhalten wird. Das „Office of Strategic Capital“ des Pentagons wird über „Penny Warrants“ – also praktisch kostenlose Beteiligungen – einen Anteil von 35 Prozent übernehmen und ein Vorzugsrecht auf den Kauf von 20 Prozent der Fördermenge zum Selbstkostenpreis erhalten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Kriegsministerium der Vereinigten Staaten sich das Öl eines Landes aneignet, in das es vor acht Monaten militärisch eingefallen ist – nicht als bloßer Vermittler oder Finanzier, sondern als Eigentümer.

Dies ist der bislang deutlichste Beweis dafür, dass der sich anbahnende Dritte Weltkrieg ein Krieg um koloniale Eroberung und Neuaufteilung ist. Das Öl wird beschlagnahmt, um Washingtons Kriege gegen den Iran, Russland und China zu finanzieren.

Die Maßnahme ist zudem untrennbar mit dem Handelskrieg gegen Kanada, der Umbenennung des Golfs von Mexiko und des Ontariosees sowie Trumps Nationaler Sicherheitsstrategie verbunden, die die amerikanische Vorherrschaft über die gesamte Hemisphäre beansprucht. Der US-Imperialismus macht die amerikanischen Kontinente zur Rohstoffbasis und zum Aufmarschgebiet für einen globalen Krieg.

Zwei Dinge werden dabei deutlich. Das erste ist der kriminelle Charakter der herrschenden Klasse der USA, die ihren früheren [immer schon verlogenen; die GG-Red.] Anspruch als Wahrer des Völkerrechts, der Menschenrechte und der Demokratie [spätestens seit Trump 2.0 unverhohlen; die GG-Red.] aufgegeben hat. Das zweite ist die Käuflichkeit und Feigheit der lateinamerikanischen Bourgeoisie und ihrer kleinbürgerlichen Apologeten – allen voran der Chavista-Bewegung, die 20 Jahre lang von pablistischen, stalinistischen und akademischen Strömungen als neuer Weg zum Sozialismus gepriesen wurde. Diese Bewegung ist heute maßgeblich an der Übergabe des nationalen Reichtums Venezuelas an das Pentagon beteiligt.

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