Pavel Durov warnt die EU-Bürger vor der kommenden EU-App, mit der nun eine verpflichtende Ausweisprüfung für das Internet eingeführt wird.
Die EU arbeitet am Ende des Internets, wie wir es kennen, und steht kurz vor dem Erfolg. Die Kommission bringt nun ihre erste Zwangs-App auf die Smartphones der Bürger. Die „Altersverifizierungs-App“ wurde mit großem Pomp vorgestellt, soll bald in die digitale ID der EU integriert werden und bald zur Pflicht werden, wenn man das Internet nutzen will. Über „Kinderschutz“ wird dann bald niemand mehr reden.
Nicht nur berichtete das Sicherheitsportal Cybernews von einem schnellen Hack der App. Hier lohnt ein genauerer Blick, statt darüber zu lachen: Die App war nämlich von Anfang an so konzipiert, dass sie leicht zu knacken ist. Sie vertraute vollständig dem Gerät des Nutzers – ein klassischer Fehler, der in der IT-Sicherheit als „instant game over“ gilt. Pavel Durov, Gründer und Chef von Telegram, sieht darin kein Versehen, sondern System. In seinem Kanal schreibt er wörtlich:
„Schritt 1 – Präsentiere eine angeblich ‚datenschutzfreundliche‘, aber hackbare App. Schritt 2 – Lass sie hacken (WIR SIND HIER). Schritt 3 – Entferne den Datenschutz, um die App zu ‚reparieren‘.“
Das Ergebnis wird dann ein Überwachungsinstrument [sein], das als „datenschutzfreundliche Alterskontrolle“ verkauft wird.
Was ist wahr, wem kann man glauben? Dass bei Aussagen der meisten Mainstream-Medien in der Regel am Besten das Gegenteil angenommen werden sollte, ist Normalität. Aber wie ist es mit den „alternativen“ Medien und Kanälen?
Plattes Russland-Bashing im Mainstream gehört inzwischen zum guten Ton. Aus kritischen Medien ist man das nicht so gewöhnt. In Telegram kursiert derzeit folgender Text zusammen mit einem Screenshot von N-TV – ausgehend von dem Kanal „Phantom-Schweiz“, der aber auch schon von mindestens einem namhafteren Kanal geteilt wurde.
🇷🇺🚫 Kreml sperrt schlimmer als China – Russland geht offline – und die Menschen sind wütend
In Moskau herrscht Bezahlchaos. Warum? Der Kreml schaltet das mobile Internet ab. Auch andere Regionen sind immer häufiger ohne Netz.
Die Umfragewerte Wladimir Putins sind so schlecht wie lange nicht. Der Grund dafür ist aber nicht der Krieg gegen die Ukraine und auch nicht die schwere Wirtschaftskrise. Viele Russen sind sauer, weil ihr Internet nicht richtig funktioniert.
Bei Whatsapp und Telegram sind bereits seit vergangenem Sommer keine Audio- und Videoanrufe mehr möglich. Auch andere beliebte Messengerdienste wie Signal sind seitdem blockiert. Sie werden von der russischen Regierung eingeschränkt und blockiert.
Andere westliche Dienste wie X, Instagram, Youtube, Snapchat, Facebook oder LinkedIn sind schon seit Beginn des Ukraine-Krieges 2022 nicht mehr erreichbar.
Die russische Regierung schottet das Internet immer stärker ab. Im Februar hat die Staatsduma in Moskau eine Änderung des Kommunikationsgesetzes beschlossen. Putin kann das Internet in einzelnen Regionen oder sogar im ganzen Land abschalten lassen – ohne das näher zu begründen.
Der Staat will, dass die Russen die staatliche Super-App Max nutzen. Sie ist dem chinesischen Wechat nachempfunden und soll die ausländischen Netzwerke ersetzen. Auch staatliche Dienstleistungen sollen integriert sein. Damit auch möglichst alle Russen sie nutzen, muss die App seit vergangenem August auf allen verkauften Smartphones und Tablets vorinstalliert sein.
Nicht nur der Screenshot, auch die zitierten Inhalte stammen im wesentlichen von N-TV.de und sind zumindest in einem Punkt definitiv Fake News. Die Aussage: „Bei Whatsapp und Telegram sind bereits seit vergangenem Sommer keine Audio- und Videoanrufe mehr möglich.“ kann ich persönlich widerlegen, da ich in den vergangenen Wochen mehrfach per Telegram mit Freunden in Russland kommuniziert habe. Wenn selbst ich eine Aussage ganz einfach falsifizieren kann, was ist dann mit dem Rest?
Interessant ist auch, dass folgender Satz aus dem N-TV-Artikel weggelassen wurde. Dort kann man nämlich lesen „Angeblich geht es um die nationale Sicherheit.“ – zwar mit einem „angeblich“ eingeleitet, aber immerhin. Ich möchte mehr wissen.
Von Peter F. Mayer und Jochen Mitschka – 17. April 2026
Gestern Nachmittag wurde ein 10-tägiger Waffenstillstand zwischen dem Libanon mit Hisbollah und Israel verkündet. Ist dies nun das Ende des Krieges gegen Iran und Libanon, nachdem die Blockade der USA an dem Tag schon fast zur Routine geworden war, ohne dass der Iran die Einfahrt zum Roten Meer blockieren ließ? Was in der Nacht und am 17. April im Nahen Osten passierte, in diesem Ticker.
Auch gestern wurde bekannt, dass der Iran die sieben von den USA zerbombten Eisenbahnbrücken bereits wieder befahrbar gemacht hatte. Das Land war offensichtlich auf den Krieg vorbereitet gewesen und hatte Fertigteile der Brücke in der Nähe gelagert. Aber wie reagiert das Land auf die Blockade der iranischen Häfen?
Kurz vor Inkrafttreten des Waffenstillstands war es im Libanon noch zu intensiven militärischen Aktionen gekommen. Die israelische Armee (IDF) meldete, dass sie in den vorangegangenen 24 Stunden fast 400 Ziele der Hisbollah im Südlibanon angegriffen habe. Die Hisbollah feuerte ihrerseits Raketen und Drohnen auf nordisraelische Orte ab, was zu Verletzten führte (unter anderem zwei Schwerverletzte in Karmiel). Luftschutzsirenen heulten noch Minuten vor Mitternacht.
08 Uhr 00:
Was in der Nacht geschah
Zum Mitternachtsbeginn des Waffenstillstands feierten viele Libanesen in Beirut mit Schüssen in die Luft und Feuerwerk. Gleichzeitig meldete die libanesische Armee jedoch „eine Reihe von Aggressionen“ durch israelischen Beschuss in Dörfern wie Khiam und Dibbine etwa eine halbe Stunde nach Inkrafttreten. Die IDF erklärte, sie „prüfe“ diese Berichte. Israel behält sich „das Recht auf Selbstverteidigung“ vor und zieht seine Truppen aus dem Südlibanon nicht ab. Kritiker weisen darauf hin, dass Israel im letzten „Waffenstillstand“ diesen über 10.000 Mal verletzt hatte, wie die UN notierte, und dass der Waffenstillstand lediglich eine Wiederaufstockung der Bombenlager bedeute.
Gegen den Iran selbst gab es in dieser Nacht keine neuen Angriffe oder Gegenangriffe. Der separate Waffenstillstand zwischen den USA, Israel und Iran (seit dem 8. April) hält weiterhin, auch wenn er fragil ist. Trump äußerte sich zuversichtlich, dass weitere Gespräche mit Teheran schon am Wochenende möglich seien. Der Libanon-Waffenstillstand ist davon getrennt und betrifft vor allem die Hisbollah-Front. Damit soll die „Widerstandsachse“ gespalten werden.
Zusammengefasst war die Nacht also geprägt vom Übergang zu einer vorläufigen Waffenruhe im Libanon nach wochenlangen schweren Kämpfen – mit letzten Angriffen unmittelbar davor und ersten Vorwürfen von Verletzungen unmittelbar danach.
Deutschland bereitet Teilnahme der Bundeswehr an von Frankreich geplantem Marineeinsatz in der Straße von Hormuz vor. Paris will die USA ausschließen, Berlin nicht. Schäden an US-Militärbasen in Mittelost stellen deren Zukunft in Frage.
Die Bundesregierung bereitet eine Teilnahme der Bundeswehr an dem von Frankreich geplanten Marineeinsatz zur Sicherung der Straße von Hormuz vor. Bundeskanzler Friedrich Merz will dies, wie am Donnerstag berichtet wurde, am heutigen Freitag in Paris offiziell mitteilen. Dort findet ein Treffen zur Vorbereitung des Einsatzes statt. Dieser soll allerdings erst nach dem Ende des Irankriegs beginnen und strikt defensiv sein. Frankreich positioniert sich mit ihm als mögliche ergänzende oder alternative Schutzmacht für die arabischen Golfstaaten. Bei diesen nimmt gegenwärtig der Unmut über die Vereinigten Staaten zu, die schon seit Jahrzehnten als ihre Schutzmacht auftreten, heute aber keinen wirksamen Schutz mehr leisten und zudem die Region in den Irankrieg gestürzt haben. US-Experten weisen darauf hin, dass die Schäden, die Iran den US-Stützpunkten in Mittelost zugefügt hat, so schwer sind, dass ihre weitere Nutzung für Washington nicht mehr unumstritten ist. Während Paris den Marineeinsatz zur Sicherung der Straße von Hormuz ohne die USA durchführen will, plädiert Berlin für die Einbindung der US-Streitkräfte – allerdings womöglich nicht in Kommandofunktion.
Drei Ziele
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte bereits am 9. März angekündigt, einen multinationalen Marineeinsatz in der Straße von Hormuz organisieren zu wollen. Dazu hatte er in einem ersten Schritt elf Kriegsschiffe in den Nahen und Mittleren Osten entsandt, darunter der Flugzeugträger Charles de Gaulle.[1] Der Einsatz soll erst nach einem Ende des Kriegs beginnen und ausschließlich defensiven Charakter haben. Genannt werden drei Ziele. In einem ersten Schritt sollen Maßnahmen eingeleitet werden, um die Handelsschiffe, die im Persischen Golf festsitzen, sicher durch die Straße von Hormuz zu geleiten.[2] Im zweiten Schritt ist die Beseitigung von Seeminen geplant, die Iran in der Straße von Hormuz platziert haben könnte; ob und, wenn ja, in welchem Ausmaß dies der Fall ist, ist nicht bekannt. Im dritten Schritt sollen dann Handelsschiffe regelmäßig von Fregatten und Zerstörern eskortiert werden. Dies sei, so heißt es, vor allem dazu gedacht, das Vertrauen der Schiffsbesatzungen, der Reeder und der Versicherer wieder herzustellen und den regelmäßigen Verkehr zu ermöglichen. Paris erklärt ausdrücklich, man schließe die Beteiligung der Kriegsparteien, vor allem der USA, grundsätzlich aus. Allerdings soll der Marineeinsatz in Absprache mit Iran stattfinden. Dies gilt als nötig, um die sichere Passage von Schiffen zu gewährleisten.
Laut einem Bericht der Times hält die britische Regierung wegen der Sperrung der Straße von Hormus schon im Sommer eine Lebensknappheit für möglich. Das sei ein „realistisches Worst-Case-Szenario“.
Ich übersetze hier einen Artikel aus der Times, über den ich in deutschen Medien kaum Meldungen gefunden habe. […]
Eine geheime Analyse der Regierung spricht von einem Worst-Case-Szenario, bei dem ein kritischer Mangel an Kohlendioxid-Lieferungen Landwirtschaft und Gastgewerbe treffen würde.
Großbritannien könnte diesen Sommer mit Engpässen bei Hühnerfleisch, Schweinefleisch und anderen Supermarktprodukten konfrontiert sein, sollte der Krieg im Iran andauern. Dies geht aus einer geheimen Regierungsanalyse hervor.
Angesichts der Befürchtung, dass die Schließung der Straße von Hormus zu einem Mangel an Kohlendioxid führen wird, einem für die Lebensmittelindustrie lebenswichtigen Rohstoff, haben Beamte Notfallpläne für ein „realistisches Worst-Case-Szenario“ ausgearbeitet.
Hochrangige Beamte, darunter Vertreter der Downing Street Nr. 10, des Finanzministeriums und des Verteidigungsministeriums, haben im Rahmen einer Übung mit dem Codenamen „Übung Turnstone“ geheim verschiedene Szenarien durchgespielt, um die potenziellen Auswirkungen auf die britische Industrie zu untersuchen.
Wie die Times erfuhr, wurde das für die Sitzung des Krisenstabes der Regierung Cobra erstellte Worst-Case-Szenario auf Juni 2026 angesetzt. Es geht davon aus, dass die Straße von Hormus bis dahin nicht wieder geöffnet und kein dauerhaftes Friedensabkommen erzielt wurde.
Von Boris Roschin (Übersetzung: Thomas Röper) – 17. April 2026
Die Entscheidung europäischer Staaten, die ukrainische Rüstungsindustrie bei sich anzusiedeln, um sie vor russischen Angriffen zu schützen, ist ein weiterer Schritt, der riskiert, diese Staaten nicht nur völkerrechtlich sondern auch faktisch in den Krieg gegen Russland hineinzuziehen. In Russland bereitet man sich darauf vor.
Die EU eskaliert weiter gegen Russland. Immer mehr europäische Politiker und Militärs erklären, man sei zwar (noch) nicht im Krieg mit Russland, aber man sei auch nicht mehr im Frieden mit Russland. Diese Formulierung zeigt, wie die europäischen Politiker die Grenze zwischen Krieg und Frieden verschieben. Und das birgt das Risiko, eines Morgens aufzuwachen und sich tatsächlich in einem heißen Krieg mit Russland wiederzufinden.
Ich habe vor einer Woche bereits in einer Artikelserie auf die drei Themen (siehe hier, hier und hier) hingewiesen, mit denen die EU einen Krieg mit Russland provoziert. Nun ist die Ansiedelung ukrainischer Rüstungsfabriken in der EU hinzugekommen, worüber ich gestern berichtet habe.
Über die Warnung des russischen Verteidigungsministeriums, die nach Europa ausgelagerten ukrainischen Rüstungsunternehmen seien für Russland legitime Ziele, wird in Russland nun heftig diskutiert, wobei die Experten sich einig sind, dass dieser Schritt Europa ein großes Stück näher an einen Krieg mit Russland gebracht hat. Ich übersetze hier als Beispiel dafür einen Artikel, den ein Experte für die russische Nachrichtenagentur TASS geschrieben hat. […]
Boris Roschin über die Rücksichtslosigkeit Europas, das mit unüberlegten Aktionen wie der Eröffnung ukrainischer Produktionsstätten für Drohnen auf seinem Territorium einen atomaren Konflikt riskiert.
Am 15. April gab das russische Verteidigungsministerium bekannt, dass einige NATO-Staaten zur Unterstützung des Stellvertreterkriegs gegen Russland in der Ukraine beschlossen haben, die Produktion von Drohnen und Komponenten für die Ukraine zu erhöhen. Der Beschluss wurde am 26. März 2026 gefasst. Europa macht keinen Hehl aus seiner Hoffnung, durch die Produktionssteigerung die Anzahl der Angriffe mit Langstreckendrohnen gegen Russland zu erhöhen und unserem Land zusätzlichen militärischen und wirtschaftlichen Schaden zuzufügen.
Während in Washington Kameras klicken und Diplomaten von „historischen Treffen“ sprechen, fallen im Libanon weiter Bomben. Karin Leukefeld seziert von Beirut aus die Inszenierung hinter den Schlagzeilen: viel Symbolik, wenig Frieden. Hinter wohlfeilen Worten über Waffenruhe und Stabilität stehen Machtpolitik, Besatzungspläne und die fortgesetzte Verwüstung eines Landes, dessen Souveränität im Westen offenbar nur zweitrangig ist.
Zur Information:
Während dieser Text am Donnerstag, 16.4.2026, entstand, entwickelten sich politische Ansagen von US-Präsident Donald Trump, über die im Verlauf des Textes berichtet wird. Aktuell heißt es, dass am Donnerstagabend 21:00 GMT (22:00 MEZ und 24:00 Libanon) eine „Waffenruhe im Libanon“ beginnen solle. Für 10 Tage! Und was dann? Dieser Artikel über das libanesisch-israelische Botschaftertreffen in Washington und was das mit dem US-israelischen Krieg gegen Iran zu tun hat, soll Hintergrund in den medialen Nebel bringen, der über dem östlichen Mittelmeer bis zur Persischen Golfregion liegt. Was wirklich geschieht und welche Pläne die Akteure tatsächlich haben, bleibt unklar. Nichts ist gesagt über die Verluste und das Leid der Bevölkerung. Nichts ist gesagt darüber, was die ursprünglichen Bewohner dieser Region anstreben. (kl)
Ein Botschaftertreffen in Washington im Nebel der Medien
Ein Treffen der libanesischen Botschafterin in den USA, Nada Hamadeh Moawad, und des israelischen Botschafters in den USA, Jechiel Leiter, in Washington am vergangenen Dienstag hat medialen Wirbel verursacht. Ort des Treffens war das US-Außenministerium, Gastgeber war US-Außenminister Marco Rubio. Der hatte mit dem Empfang der beiden Diplomaten und der Begrüßung am blumengeschmückten Konferenztisch vor laufenden Kameras für die Bilder gesorgt, die um die Welt gingen. Rubio gratulierte beiden Ländern zu einem „historischen Treffen“, bei dem es um einen Waffenstillstand und die Entwaffnung der Hisbollah gehen solle.
Der britische Premierminister Sir Keir Starmer (Mitte links) bei einem Treffen zu Diskussionen über die Ukraine mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron im Elysee-Palast am 17. Februar 2025 [Photo by Simon Dawson/No 10 Downing Street/Flickr / CC BY-NC-ND 2.0]
Die europäischen Regierungen haben die Forderungen der Trump-Regierung zurückgewiesen, sich an der Blockade der Straße von Hormus zu beteiligen, die Trump am Sonntag ausgerufen hatte. Zuvor hatte er im Verlauf der Woche eine Feuerpause in seinem Angriffskrieg gegen den Iran angekündigt. Damit bahnt sich ein historischer Zusammenbruch in der Beziehung zwischen den europäischen Mächten und den USA mit weitreichenden Folgen an.
Gleichzeitig ist die Reaktion der Herrschenden in Europa vor allem von Feigheit und Heuchelei geprägt. Abgesehen von der Tatsache, dass die Blockade selbst eine kriegerische Handlung ist, würde die Schließung der Straße von Hormus lebenswichtige Öl-, Gas- und Düngemittellieferungen nach Europa und die ganze Welt unterbrechen. Doch keine europäische Regierung hat es gewagt, die Blockade zu verurteilen, ihre Beendigung zu fordern oder die militärische und finanzielle Unterstützung für die US-Regierung zu beenden.
Stattdessen diskutieren die europäischen Regierungen weiterhin über eine Marineintervention im Persischen Golf, auch wenn sie ihre Schiffe damit der gleichen Bedrohung durch iranische Raketen aussetzen würden, die auch die US-Navy bisher davon abgehalten hat, die iranische Küste anzugreifen. Das ist die Perspektive der korrupten kapitalistischen Oligarchien, für die die Regierungen sprechen. Großbritannien und Frankreich richten am Freitag ein Gipfeltreffen von 40 Staaten aus, auf dem eine von Washington unabhängig koordinierte Marinemission in die Straße von Hormus vorbereitet werden soll.
Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte: „Diese rein defensive Mission, die getrennt von den Kriegsteilnehmern stattfinden wird, soll beginnen, sobald die Situation es zulässt.“ Er forderte eine „solide und stabile Lösung für den Konflikt im Nahen Osten auf diplomatischem Wege, eine Lösung, die die Schaffung eines robusten Rahmens ermöglicht, damit alle in Frieden und Sicherheit leben können.“ Er verurteilte die „Aktivitäten des Iran bezüglich des Baus von Atomwaffen und ballistischen Raketen sowie sein destabilisierendes Verhalten in der Region.“
Macrons Lügen sind atemberaubend. Die größte Bedrohung für Frieden und Sicherheit im Nahen Osten geht nicht vom Iran aus, der weder diesen noch irgendeinen anderen gegen ihn geführten Krieg begonnen hat, sondern von Washington und dem Vernichtungskrieg, den der faschistische US-Präsident angefangen hat. Was den Frieden im Nahen Osten angeht, so hat auch Frankreich ihn durch das ständige Betonen der Freundschaft mit der israelischen Regierung untergraben, die im Gazastreifen einen Völkermord begeht.
Interview mit Seyed Mohammad Sadegh Movahed – 16. April 2026
Wissenschaftliche Einrichtungen dienten lange Zeit als neutraler Boden für internationale Zusammenarbeit – Orte, an denen Wissen Grenzen und politische Streitigkeiten überwindet. Nun sind Universitäten zur Zielscheibe geworden. Während des Ramadan-Krieges wurden über dreißig iranische Forschungsinstitute angegriffen, darunter die Shahid-Beheshti-Universität in Teheran.
Im folgenden Interview, das während eines brüchigen Waffenstillstands am 15. April geführt wurde, spricht die International Union of Scientists (IUS) mit Professor Seyed Mohammad Sadegh Movahed, einem Physiker an der Shahid-Beheshti-Universität. Professor Movahed berichtet von den Angriffen, analysiert die systematische Bekämpfung der wissenschaftlichen Infrastruktur des Iran und richtet einen Appell an die weltweite Wissenschaftsgemeinschaft. Das Gespräch befasst sich mit der Trennung von ziviler und militärischer Forschung im Iran, den historischen Beiträgen der iranischen Wissenschaft zur Weltzivilisation und der Rolle der wissenschaftlichen Diplomatie beim Widerstand gegen eine imperiale Strategie zur Unterdrückung unabhängiger Entwicklung in Westasien.
Transkript
Adam Claridge-Chang (IUS): Heute ist Professor Seyed Mohammad Sadegh Movahed von der Shahid-Beheshti-Universität bei uns, einer bedeutenden öffentlichen Forschungsuniversität in Teheran, die kürzlich von anhaltenden Militärschlägen gegen akademische Einrichtungen betroffen war. Vielen Dank, dass Sie unter solch schwierigen Umständen bei uns sind, Professor Movahed. Der Hintergrund dieses Interviews ist, dass der Iran kürzlich während eines 40-tägigen Krieges angegriffen wurde. Wir befinden uns nun in einem Waffenstillstand. Unser Publikum besteht aus Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen. Vielleicht könnten Sie sich und Ihre Arbeit kurz vorstellen.
Seyed Mohammad Sadegh Movahed: Vielen Dank. Zunächst einmal bin ich sehr dankbar für diese Gelegenheit, unter solchen Bedingungen ein Interview zu geben. Ich habe 2006 meinen Doktortitel an der Sharif University of Technology erworben und unmittelbar danach eine Stelle als Dozent an der Shahid-Beheshti-Universität erhalten, dem Hauptcampus in Teheran. Von 2009 bis 2017 war ich Junior Associate am ICTP in Italien. Dieses Institut wurde von Professor Abdus Salam gegründet. Jetzt bin ich ordentlicher Professor für Physik und arbeite am Fachbereich Physik der Shahid-Beheshti-Universität. Gleichzeitig bin ich als Forscher an der School of Astronomy am Institute for Research in Fundamental Sciences tätig. Außerdem bin ich als Dozent an der Universität Lahore in Pakistan tätig. Gleichzeitig betreue ich iranische Studierende und nehme ausländische Studierende aus unserer Region auf – zum Beispiel aus dem Irak, Pakistan und Syrien.
Mein Forschungsgebiet konzentriert sich auf Kosmologie und komplexe Systeme, insbesondere auf statistische Physik. Zu den Schlüsselbegriffen meiner Arbeit gehören Gravitationswellendetektion, großräumige Strukturen, Phasenübergänge und kritische Phänomene. Ich nutze auch großräumige Simulationen im Zusammenhang mit physikgestütztem maschinellem Lernen und verwandten Themen.
ACC: Fantastisch. Vielen Dank. Wie groß war der Schaden an Ihrem Institut an der Shahid-Beheshti-Universität während der jüngsten Angriffe im Krieg?
SMSM: Leider wurde meine Universität zweimal angegriffen. Der erste Angriff erfolgte, soweit ich weiß, um den 27. März herum, und der zweite am 3. April. Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich in meinem Büro an der Universität, als leider und ohne vorherige Warnung seitens der USA und Israels eines der auf dem Hauptcampus gelegenen Labore angegriffen wurde. Glücklicherweise wurde bei diesem Angriff niemand verletzt, aber das Labor war der optischen Forschung gewidmet – Laser, Glasfaser, optische Bildgebung, Bildgebung des Gehirns – und diente ausschließlich zivilen Zwecken. Leider wurde es beschädigt und zerstört.
Alle wissenschaftlichen Ergebnisse dieses Labors wurden in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht und sind im Internet zu finden. Das bedeutet, dass ein großer Teil der wissenschaftlichen Tätigkeit in diesem Labor der zivilen Nutzung gewidmet war, nicht dem militärischen Einsatz. Ich habe diesen Ort unmittelbar nach dem Bombardement persönlich besucht, und es war eine schreckliche Situation. Die gesamte Ausrüstung, einschließlich optischer Tische, Analysatoren, Sensoren und aller damit verbundenen Instrumente zur Durchführung von Forschung, wurde vollständig zerstört.
Nach internationalem Recht zeugen Angriffe auf Schulen für Jugendliche und Kinder sowie auf universitäre Einrichtungen von einem Wahnsinn, der jeglicher Rationalität entbehrt. Dies gehört zu dem kriegsverbrecherischen Verhalten, das leider von den USA und Israel als unseren Feinden an den Tag gelegt wird. Unmittelbar danach gab ich eine Erklärung ab und verteilte sie an einige meiner internationalen Kollegen. In dieser Erklärung betonte ich, dass Wissenschaftler weltweit solche Angriffe auf Universitäten verurteilen sollten, denn wenn wir dies nicht tun, ist zu befürchten, dass die USA, Israel und andere arrogante Mächte rund um den Globus versuchen werden, Universitäten ohne jegliche Rechtfertigung anzugreifen.
ACC: In der Vergangenheit hat Israel Evakuierungsbefehle für Gebäude erteilt, um die Menschen im Inneren zu warnen, bevor sie bombardiert wurden. Aber Sie sagen, dass es an Ihrer Universität keine Warnung und keinen Evakuierungsbefehl gab. Die Absicht war also tatsächlich, nicht nur Labore zu zerstören, sondern auch Wissenschaftler zu töten?
SMSM: Bei diesem Angriff haben sie versucht, die Ausrüstung zu zerstören. Aber aus einer anderen Perspektive erinnere ich mich daran, dass – ja – sie fünf Wissenschaftler meiner Universität getötet haben. Alle von ihnen sind Wissenschaftler. Man kann sie im Internet finden und die Forschungsergebnisse dieser Wissenschaftler einsehen. Die Ermordung von Wissenschaftlern ist Teil der Strategie Israels, des Zionismus, gemäß dessen Doktrin.
ACC: Und inwiefern wurden Ihre laufenden Forschungsprojekte gestört oder zerstört, und wie wirkt sich dieser Verlust auf die iranische Wissenschaft und den allgemeinen wissenschaftlichen Fortschritt im Zusammenhang mit diesem Schaden aus?
SMSM: Da das Zentrum nicht direkt mit meinem Forschungsgebiet zusammenhängt, hat es für mich nur indirekte Auswirkungen. Aber ich habe verlässliche Informationen von meinen Kollegen, die in diesem Labor arbeiten. Die dort durchgeführten Aktivitäten insgesamt – alle Projekte für mehr als 20 Masterstudierende, 10 Doktoranden und mindestens drei Postdocs – sind aufgrund dieses Schadens mit ernsthaften Problemen konfrontiert, da es danach keine Ausrüstung mehr gab und keine geeigneten Bedingungen, um wissenschaftliche Projekte durchzuführen.
Glücklicherweise ist die Ausrüstung für wissenschaftliche Aktivitäten jedoch auf verschiedene Universitäten im Iran verteilt, sodass wir durch die Zusammenarbeit mit anderen Labors dieses schwerwiegende Problem abmildern und überwinden können.
ACC: Richtig. Dennoch ist es ein enormer Verlust an Forschungskapazität. Und generell gibt es natürlich Menschen, die direkt von der Zerstörung ihres Labors betroffen sind. Wie gehen Studierende, Nachwuchsforscher und die Gemeinschaft insgesamt mit der Zerstörung und den Angriffen auf die Bildung um, die, wie Sie sagen, ein Kriegsverbrechen darstellen? Es handelt sich hier nicht um militärische Ziele.
SMSM: Sie haben Kriegsverbrechen und kriminelles Verhalten der Zionisten erwähnt. In meiner vorherigen Stellungnahme habe ich darauf hingewiesen, dass der US-Präsident und der israelische Ministerpräsident durch solches Verhalten leider das Ausmaß ihrer Kriegsverbrechen auf eine neue Ebene heben.
Lassen Sie mich auf Ihre Frage zurückkommen. Ja, dieser illegale Krieg führt zweifellos zu einer verstärkten Solidarität unter der Mehrheit der Iraner mit unterschiedlichen Einstellungen. Dies führt daher zu einer wachsenden Widerstandsfähigkeit bei fast der Mehrheit des patriotischen iranischen Volkes. Um ehrlich und realistisch zu sein: Diese Bombardements verursachen aus Sicht der wissenschaftlichen Tätigkeit große Besorgnis. Diese Besorgnis umfasst die Frage, wie Projekte abgeschlossen, akademische Verpflichtungen erfüllt und die Voraussetzungen für Abschlussarbeiten geschaffen werden können.
Aber wie ich bereits erwähnt habe: Da die Infrastruktur für wissenschaftliche Aktivitäten auf verschiedene Universitäten in unterschiedlichen Teilen des Iran verteilt ist, können wir durch die Unterstützung anderer Institute und sogar durch die Hilfe internationaler Wissenschaftler und internationaler Institutionen diese Auswirkungen auf den wissenschaftlichen Fortschritt im Iran in naher Zukunft abmildern, überwinden und verringern. Ich werde in einem anderen Teil meines Vortrags die Details erörtern und durchgehen, wie die internationale Gemeinschaft und internationale Wissenschaftler uns während des Krieges und nach dem Krieg helfen können.
ACC: Ihre Universität, die Shahid-Beheshti-Universität, war nur eine von etwa 30 Universitäten und Instituten, die während des Krieges ins Visier genommen wurden. Wie interpretieren Sie den systematischen Charakter dieser israelisch-amerikanischen Angriffe auf die Wissensbasis des Iran? Glauben Sie, dass dies tatsächlich ein Mittel ist, den Iran zu schwächen, indem man die Wissenszentren und die Wissenschaftler angreift?
SMSM: Ja, tatsächlich habe ich während des 12-tägigen Krieges im vergangenen Juni – unmittelbar nach dem Krieg – einen Artikel verfasst, der in einer internationalen Zeitschrift veröffentlicht wurde, und darin versucht, einige wichtige Schlüsselbegriffe zu klären. Der Titel dieses persischsprachigen Artikels lautete „Patriotismus und Wissenschaft“. In diesem Artikel habe ich versucht aufzuzeigen und zu verdeutlichen, dass jedes Zeichen und jeder Akteur, der die iranische Souveränität und die gesamte iranische Zivilisation schützt, gemäß Israels Strategie, Hegemonie und Doktrin von Natur aus ein Angriffsziel sein kann.
Das bedeutet, dass jedes Instrument, jede Person, jeder Wissenschaftler, jede politische Persönlichkeit – jeder, den man finden kann, der sich dafür einsetzt, die iranische Souveränität zu stärken – von Natur aus ein Ziel Israels ist. Das ist meine Ansicht.
Danach versuchten Israel und die USA, um die internationale Gemeinschaft zu überzeugen, nach nichtigen und leeren Ausreden zu suchen. Sie versuchen auch, die internationale Gemeinschaft zu täuschen, um die Kosten für die Beseitigung von Wissenschaftlern, die Zerschlagung wissenschaftlicher Einrichtungen und die Ermordung von Wissenschaftlern zu senken. Sie versuchen, Ausreden zu finden, um den Druck von anderen zu verringern. Daher kann man erkennen, dass es einen logischen und kausalen Zusammenhang zwischen solch barbarischem Verhalten der Zionisten und ihrer Strategie gibt.
ACC: Das führt uns zurück zu Ihrem Punkt bezüglich der zivilen Forschung. Der iranische Rechtswissenschaftler hat darauf hingewiesen, dass viele amerikanische Universitäten, einschließlich amerikanischer Universitäten in der Golfregion, militärische Projekte durchführen, was sie zu legitimen Zielen in einem Krieg machen würde. Ich habe jedoch gehört, dass im Iran eine Trennung zwischen ziviler und militärischer Forschung besteht. Waren die angegriffenen Universitäten eindeutig als zivile wissenschaftliche Einrichtungen gekennzeichnet?
SMSM: Um Ihre Frage ganz kurz und klar zu beantworten: Meines Wissens nach gibt es im Iran militärische Forschungszentren, die vollständig von zivilen Universitäten getrennt sind. Andererseits muss jede Regierung militärische Forschung betreiben, um ihre Souveränität zu wahren und sich gegen Terroristen und jegliche Aggression zu verteidigen. Es ist logisch, solche Forschungszentren zu haben, die dem Militär gewidmet sind.
Es stellt sich jedoch heraus, dass zur Durchführung und zum Abschluss solcher Projekte sowie zur Erreichung solcher Ziele einige Wissenschaftler der Universität möglicherweise an der Umsetzung dieser Projekte mitarbeiten. Soweit ich weiß, werden diese Projekte vollständig außerhalb der Universität durchgeführt und geleitet.
Das bedeutet, dass zumindest die Shahid-Beheshti-Universität, die Sharif-Universität und andere Universitäten, die während dieses illegalen Krieges gegen den Iran von Israel und den USA ins Visier genommen wurden, sich vollständig zivilen Aktivitäten widmen, nicht militärischen. Das bedeutet, dass sie solche Aggressionen, solch barbarisches Verhalten an den Tag legen, weil sie für andere Aspekte des Krieges keine Lösung gefunden haben, und nun versuchen sie wie besessen, fernab jeder Rationalität, Universitäten ins Visier zu nehmen, die sich zivilen Aktivitäten widmen, nicht militärischen.
ACC: Ich möchte mit meiner Frage nicht andeuten, dass es akzeptabel wäre, selbst militärische Forschung ins Visier zu nehmen, denn dies war ein Angriffskrieg, und eigentlich war nichts, was die USA und Israel ins Visier genommen haben, gerechtfertigt. So definiert das Völkerrecht Aggression. Nur um das klarzustellen.
Wir haben zuvor einen systematischen „Scholastizid“ in Gaza erlebt, wo so gut wie alle Universitäten zerstört wurden, zumindest die Gebäude, und viele Wissenschaftler ermordet wurden. Sehen Sie die Angriffe auf iranische Einrichtungen als Teil einer amerikanisch-israelischen imperialen Strategie zur Unterdrückung der wissenschaftlichen Entwicklung in ganz Westasien?
SMSM: Ja. Meine Antwort lautet ganz klar Ja, auf jeden Fall. Es gibt viele Belege, die meine Antwort stützen. Erstens, grundsätzlich, meiner Meinung nach als Wissenschaftler – ich bin kein Politiker oder Soldat –, ich bin nur Wissenschaftler. Aus wissenschaftlicher Sicht können Wissenschaft und Technologie, insbesondere die Konvergenz von Wissenschaft und Technologie, was gewissermaßen über multidisziplinäre Aktivitäten hinausgeht, als Fundament der Autorität jeder Gesellschaft betrachtet werden. Das ist meine erste Aussage.
Darüber hinaus führt der Mangel an Kultur und Zivilisation zur Abhängigkeit jeder Gesellschaft von anderen arroganten Mächten. Auch der Mangel an Wissenschaft und Technologie führt zu einer solchen Abhängigkeit. Im ersten Punkt ist der Iran glücklicherweise sehr stark. Wir haben eine sehr tief verwurzelte, sehr lange und sehr alte Zivilisation – um ein Vielfaches älter als das Alter der USA und des zionistischen Regimes, wenn man sich die Geschichte ansieht, falls sich jemand dafür interessiert.
Aus der Perspektive unseres Feindes scheint es, dass die am leichtesten zugängliche Maßnahme zur Unterdrückung unserer Entwicklung Aggression, Angriffe und die Ermordung iranischer Wissenschaftler ist. Wir werden durch Beharrlichkeit siegen. Wir wollen keinerlei Lösegeld an die USA und das zionistische Regime zahlen. Das ist Teil unserer Kultur. Das iranische Volk will nicht von arroganten Mächten auf der ganzen Welt gedemütigt werden. Ich glaube, dass wir durch Beharrlichkeit und Vertrauen in den allmächtigen Allah bald wieder in diesem Krieg siegen werden.
Übrigens können wir das Erbe der USA in unserer Region sehen – zum Beispiel im Irak, in Syrien, im Libanon und so weiter. Wir wollen nicht wie solche Länder sein. Wir möchten unabhängig sein und wollen kein Lösegeld an die USA zahlen.
ACC: Jedes Land, das unabhängig vom Westen auftritt, kann Ziel von Kritik und sogar Propaganda gegen die Regierung werden. Teilweise aus diesem Grund und auch, weil viele regierungskritische iranische Einwanderer im Westen leben, haben viele Wissenschaftler im Westen und sogar in anderen Ländern eine stark negative Sicht auf die iranische Regierung. Die Delegitimierung von Regierungen und die Dämonisierung von Bürgern ist ein entscheidender Bestandteil imperialistischer Kriegsführung und war ein wesentlicher Teil des 47-jährigen Krieges gegen den Iran. Was denken Sie zu diesem Thema?
SMSM: Bevor ich auf die Details meiner Antwort eingehe, möchte ich Ihnen zunächst sehr dafür danken, dass Sie eine so wichtige und präzise Frage gestellt haben. Das ist eine sehr wichtige Frage. Sie haben zwei wichtige Schlüsselbegriffe erwähnt: die Delegitimierung von Regierungen und die Dämonisierung ihrer Bürger. Das sind zwei wichtige Schlüsselbegriffe. Ich möchte noch zwei weitere hinzufügen: unterdrückerische Sanktionen und die Schaffung von Unsicherheit in der Region durch die Förderung extremistischer Gruppen.
Einer der Hauptgründe für diese Feindseligkeit ist, dass der Iran, wie ich Ihnen bereits sagte, es nicht mag, von arroganten Leuten gedemütigt zu werden. Der Iran weigerte sich, Lösegeld an die Vereinigten Staaten zu zahlen. Die Geschichte beweist, dass die USA seit langer Zeit – über einen sehr langen Zeitraum hinweg – große Anstrengungen unternommen haben, um speziell Zugang zu iranischen Ressourcen zu erhalten. Zu diesem Zweck müssen sie ständig viele Lügen durch Propaganda verbreiten, um den internationalen Druck gegen ihr illegales Verhalten zu verringern und ihr eigenes Volk zu überzeugen.
Heutzutage ist es bekannt, dass die Lebensweise der Mehrheit der Menschen darin besteht, dass sie in der Regel im Internet nachschauen, die Nachrichten sehr schnell überfliegen, um eine Überschrift zu finden, aber nicht auf die Details eingehen. Sie achten nicht auf die Zuverlässigkeit und Fundiertheit dieser Nachrichten. Dies führt zu vielen irreführenden und falschen Vorstellungen über die Realität dessen, was geschieht.
Sie wissen wahrscheinlich, dass das erste strukturelle Menschenrecht durch den Kyros-Zylinder gewährt wurde. Der Kyros-Zylinder wird, soweit ich weiß, im British Museum aufbewahrt. Er steht in Zusammenhang mit dem alten iranischen Kaiser aus der Zeit mehr als 500 Jahre vor Christus. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Iraner auch Pioniere beim Verfassen von Texten über Menschenrechte waren. Auch das islamische Goldene Zeitalter verdankt dem iranischen Volk viel. Wenn man sich die islamische Geschichte des Mittelalters ansieht, findet man dort den Beitrag des iranischen Volkes zum Fortschritt von Wissenschaft und Forschung.
Soweit ich weiß, hat der Iran zumindest in den letzten 200 Jahren keinen Angriff gestartet, während er vielen Aggressionen von anderen Mächten in unserer Umgebung ausgesetzt war. Die Sanktionen richten sich zudem nicht nur gegen das Militär, sondern auch gegen die Zivilbevölkerung und führen zu einer Verschärfung und Beschleunigung der Wirtschaftskrise. Dies führt zu Kritik seitens anderer Wissenschaftler an der Regierungsführung im Iran. Der Hauptgrund für diese Herausforderungen liegt jedoch in den repressiven Sanktionen, die vor mindestens 47 Jahren verhängt wurden und in diesen 47 Jahren von den USA aufrechterhalten wurden.
Darüber hinaus versuchen sie, eine weitere wichtige Sache aufzubauschen. Ich nenne dies das „falsche Dilemma“ zwischen Ideologie und Patriotismus. Meiner Ansicht nach sind diese beiden Schlüsselbegriffe vollkommen miteinander vereinbar. Dies ist kein Dilemma. Es handelt sich nicht um eine Dualität zwischen Ideologie und Patriotismus.
Wie Sie erwähnt haben: In modernen Kriegen gegen jede Macht, gegen jedes Land, das versucht, sich gegen arrogante Menschen zu stellen, versuchen sie, viele falsche Anschuldigungen zu nutzen, um die Macht zu schwächen, um verschiedene Teile zu destabilisieren, und schließlich versuchen sie, an die Ressourcen dieses Landes zu gelangen. Das ist Teil der modernen Welt.
ACC: Was würden Sie einem Westler oder sogar einem westlichen Wissenschaftler sagen, der sagt: „Nun, wissen Sie, ich unterstütze keinen Krieg zur Regimewechsel, aber die iranische Regierung ist ein unterdrückerisches Regime, ein brutales Regime, und deshalb sollte das iranische Volk die Regierung absetzen“? Das ist es, was manche im Westen gesagt haben.
SMSM: Leider ist dies Teil der Lügenpropaganda, die insbesondere von den USA betont wird. Wie ich Ihnen bereits sagte: Wenn wir auf die Geschichte zurückblicken, vor 47 Jahren – kurz nach der Islamischen Revolution. Ich wurde nur vier Tage nach der Islamischen Revolution geboren, daher erinnere ich mich an nichts davon. Aber laut der wahren Geschichte, laut den wahren Berichten in zuverlässigen Büchern, wurde diese Revolution vom Volk getragen, nicht durch militärische Aktionen, um das Regime im Iran zu stürzen.
Wie ich bereits sagte und betonte, will das iranische Volk den USA kein Lösegeld zahlen, und die USA wollen Zugang zu den Ressourcen des Iran, weil wir eine gute geopolitische Lage in Westasien haben. Mein Land ist sehr weitläufig, hat eine riesige Fläche, und wir verfügen über viele Ressourcen wie Erdöl, Erdgas und so weiter. Wir haben sehr lange Landgrenzen und Zugang zum Persischen Golf.
Daher tolerieren die USA gemäß ihrer Doktrin – denn die USA müssen als Supermacht bestehen bleiben – nicht, dass eine neue Macht entsteht. Diese neue Macht in Westasien ist gewissermaßen der Iran. Angesichts dieser Herausforderung versuchen sie, jede Rechtfertigung, jede Ausrede zu finden, um den Druck der internationalen Gemeinschaft, der Bevölkerung und so weiter abzuschwächen. Also betonen und verbreiten sie Schlagworte, um die Bürger zu delegitimieren und zu dämonisieren. Das ist nicht wahr.
Aufgrund der Sanktionen gegen den Iran – selbst ich als Wissenschaftler bin davon betroffen, zum Beispiel fallen auch die Sharif University of Technology und die Shahid Beheshti University unter bestimmte Sanktionen – stößt der Zugang von Wissenschaftlern zu internationalen Aktivitäten, Konferenzen und so weiter auf viele Probleme. Der fehlende Kontakt zwischen Wissenschaftlern einerseits und die Verbreitung von Propaganda andererseits schaffen leider einen Nährboden für falsche Vorstellungen und Missverständnisse darüber, was in der iranischen Gesellschaft tatsächlich geschieht.
Ich schließe jedoch persönlich jene Menschen aus, die der Diktatur folgen und versuchen, im Iran Unruhe zu stiften – ich schließe all diese Personen aus –, aber die Mehrheit, die Mehrheit der Iraner, mag den Iran als Ganzes. Genau wie andere Länder haben wir in unserer Regierungsführung viele Probleme. Tatsächlich, ja, wir haben viele Probleme. Unserer Ansicht nach glauben wir nicht, dass irgendein anderes Land uns helfen kann. Wir können uns auf unsere Autoritäten im Land stützen und verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Ansichten einsetzen, um Probleme zu lösen, unsere Regierungsführung anzupassen und zu verbessern. Das ist es, was wir wollen. Aber leider wollen die USA alle Ressourcen haben, insbesondere Erdöl und insbesondere Humanressourcen. Deshalb versuchen sie, solche Lügen im Rahmen ihrer Propaganda zu verbreiten.
ACC: Vielen Dank. Also, der Brief – ich glaube, Sie waren der Verfasser des Briefes zum Schutz der iranischen Wissenschaft, ist das richtig?
SMSM: Ja, ich habe dazu beigetragen, und danach habe ich separat eine Erklärung abgegeben und diese in der internationalen Gemeinschaft verbreitet.
ACC: Der Brief zum Schutz der iranischen Wissenschaftler und der Wissenschaft hat über tausend Unterschriften von Wissenschaftlern weltweit gesammelt, darunter mehrere Nobelpreisträger und einen Dirac-Medaillengewinner. Was können internationale Kollegen tun, um der iranischen Wissenschaft, den Wissenschaftlern und dem Iran in dieser Krise zu helfen?
SMSM: Ich schätze meine Kollegen auf der ganzen Welt, die sich engagieren und ihrer Pflicht gegen Aggression nachkommen. Die internationale Wissenschaftsgemeinschaft muss an wissenschaftlichen Werten festhalten und die Sanktionen gegen iranische Wissenschaftler und iranische Universitäten verurteilen, denn einige iranische Universitäten und fast alle Wissenschaftler im Iran haben aufgrund dieser Sanktionen unter schwerwiegenden Problemen gelitten. Wir sind schlichtweg nicht in der Lage, Ausrüstung für Labore zu kaufen. Auch um an internationalen Konferenzen teilzunehmen und Beiträge zu leisten, stehen wir vor Herausforderungen, die von der Beschaffung von Visa bis hin zur Reise selbst reichen. Wenn man sich jedoch renommierte Fachzeitschriften ansieht, stellt man fest, dass viele iranische Wissenschaftler gute Beiträge leisten und hochrangige Artikel veröffentlichen.
Ich habe das bereits erwähnt: Das ICTP bietet iranischen Wissenschaftlern ebenfalls sehr gute Unterstützung, mehr als andere Zentren, und ich schätze das ICTP sehr. Ich würde mir wünschen, dass es ein gutes Vorbild und ein gutes Beispiel für andere internationale Institutionen ist.
ACC: Was ist das ICTP? Ich kenne es nicht.
SMSM: Das Internationale Zentrum für Theoretische Physik, gegründet von Abdus Salam. Er war ein Nobelpreisträger aus Pakistan. Dies ist ein sehr guter Ort als Drehscheibe, als Verbindung zwischen renommierten Wissenschaftlern weltweit und Entwicklungsländern, insbesondere aus Ost- und Westasien, vor allem im Iran, in Indien und so weiter. Sie stellen uns sehr gute Einrichtungen zur Verfügung. Wie ich Ihnen bereits sagte, war ich etwa 10 Jahre lang als Junior Associate tätig, und in dieser Funktion besuchte ich dieses Zentrum in der Regel im Sommer, knüpfte Kooperationen und knüpfte Kontakte zu anderen internationalen Wissenschaftlern. Dies ist ein sehr gutes Umfeld, das uns hilft, unsere Ideen voranzubringen und einen Beitrag zu leisten. Lassen Sie mich Ihnen nun einige Vorschläge nennen, wie internationale Wissenschaftler und die internationale Gemeinschaft uns helfen können.
Erstens denke ich, dass meine Kollegen auf der ganzen Welt nicht zulassen dürfen, dass die Kosten für die Ermordung von Wissenschaftlern durch die USA und das zionistische Regime weltweit, insbesondere im Iran, gesenkt werden. Das ist meine erste Forderung.
Zweitens sollten sie Druck auf die Politik ausüben, um günstige Bedingungen für Verhandlungen zu schaffen, wobei der Iran respektiert und die Rechte der Iraner ohne jegliche Demütigung berücksichtigt werden müssen. Das ist mein zweiter Vorschlag und meine zweite Forderung.
Drittens: Versuchen Sie, dazu beizutragen, alle Sanktionen, alle repressiven Sanktionen gegen den Iran, insbesondere gegen Wissenschaftler und wissenschaftliche Einrichtungen, abzubauen, denn diese Sanktionen führen zu erheblichen Verzögerungen bei unserem Fortschritt.
Ein weiterer Vorschlag ist die Bereitstellung von Einrichtungen für die wissenschaftliche Zusammenarbeit im Allgemeinen sowie die Schaffung von Schnellverfahren für den Austausch von Studierenden und Fakultätsmitgliedern. Wir wollen keine einseitige Migration aller Studierenden und Fakultätsmitglieder fördern, sondern wir bemühen uns um den Austausch zwischen ihnen und legen den Schwerpunkt darauf. Wie ich Ihnen bereits sagte, war ich im letzten Jahr Gastgeber für eine Doktorandin aus Pakistan – sie kam für ihr Sabbatical an meine Universität.
Ein weiterer Vorschlag ist die Schaffung von Postdoc-Stellen speziell für iranische Wissenschaftler. Dann die Spende von Laborausrüstung, um unsere Labore zu renovieren, die während dieses von den USA und Israel gegen den Iran geführten illegalen Krieges beschädigt und angegriffen wurden.
Wenn solche Vorschläge von meinen Kollegen aus aller Welt in Betracht gezogen werden können, denke ich, dass sie mindestens zwei Auswirkungen für uns haben. Zum einen würde dies der iranischen Regierung ermöglichen, ihre Herausforderungen zu bewältigen und die Regierungsführung aus wissenschaftlicher Sicht zu verbessern, da wir die Verbindung und den Austausch zwischen der wissenschaftlichen Gemeinschaft im Iran und der Regierung stärken und so in der Lage wären, Herausforderungen anzugehen und zu verringern, um unsere Regierungsführung reibungslos zu verbessern.
Der Aufbau einer solchen wissenschaftlichen Diplomatie trägt auch dazu bei, einige Missverständnisse abzubauen. In einem Teil Ihrer Frage haben Sie erwähnt, dass einige Wissenschaftler im Westen negative Vorstellungen und Sichtweisen gegenüber der iranischen Regierung haben. Durch den Aufbau einer solchen wissenschaftlichen Diplomatie werden diese Vorurteile aus wissenschaftlicher Sicht meiner persönlichen Meinung nach abgebaut. Dies ist Teil meines Vorschlags.
ACC: Das ist großartig. Vielen Dank. Wenn man über die aktuelle Krise hinausblickt – und eines Tages wird sie zu Ende gehen –, wie stellen Sie sich vor, dass die iranische Wissenschaft zu einer besseren Welt beiträgt, und was sind Ihre Träume für Bildung und Forschung im Iran und anderswo?
SMSM: Um meine Antwort zu geben, möchte ich zunächst die Wissenschaftsgeschichte hervorheben. Aus der Wissenschaftsgeschichte geht hervor, dass das iranische Volk über lange Zeiträume hinweg stets eine konstruktive Rolle im wissenschaftlichen Fortschritt gespielt hat, insbesondere in der mittelalterlichen islamischen Periode. Sie kennen vielleicht Avicenna, Al-Biruni, Al-Khwarizmi, Ibn al-Haytham – er war der Pionier der modernen Optik.
Ich habe im Internet nachgeschaut und festgestellt, dass es in Wien eine Statue von vier berühmten iranischen Wissenschaftlern aus der Antike gibt: Al-Khwarizmi, Al-Biruni, und ich glaube, die nächsten sind Ibn Sina und andere. Anhand dieser Geschichte wird uns also schließlich klar, dass das iranische Volk, das aus dieser langen Zivilisation stammt, in der Regel eine konstruktive und keine destruktive Rolle im Fortschritt von Wissenschaft und Zivilisation spielt, nicht nur im Iran, sondern weltweit.
Und nicht nur Gelehrte, sondern alle Menschen – anständige, würdevolle und edle Menschen, insbesondere diejenigen, die an der Universität studieren – kümmern sich in der Regel um mindestens vier grundlegende Einflüsse und Verpflichtungen. Was bedeutet das? Sie versuchen, Führungsqualitäten zu stärken, soziale Empathie zu fördern, Problemlösungskompetenzen zu verbessern und kreativ zu sein. Dies sind gewissermaßen die vier grundlegenden Aspekte des Einflusses der Elite zur Verbesserung der Lebensqualität.
Angesichts dieser Tatsachen glaube ich, dass der Iran zweifellos einen konstruktiven Beitrag zur Welt leistet, wie bereits zuvor bewiesen wurde. Wenn Sie mich nach meinem Traum für den Iran fragen, kann ich Ihnen eine sehr kurze Antwort geben: Mein Traum ist es, die Erkenntnis und Vision zu institutionalisieren, dass größere intellektuelle Aktivität und größere intellektuelle Kapazitäten zu größerer Verantwortung gegenüber der menschlichen Natur führen. Indem wir mehr denn je zuvor Möglichkeiten für das Wachstum und die Entfaltung iranischer Talente und Eliten schaffen, für eine bessere Regierungsführung.
Und auch die Zirkulation und Mobilität von Talenten und Wissenschaft in unserer Region und international. Wir betonen dies, weil wir in unserer Region über gute Kapazitäten verfügen und versuchen können, Mobilität zu schaffen und die Wissenschaftspolitik zu stärken, um Missverständnisse abzubauen, wie ich bereits erwähnt habe. Und schließlich und letztendlich die Würde und Erhabenheit des Iran zu erreichen.
ACC: Das ist ein wunderbarer Traum. Vielen Dank, Herr Professor. Ich schätze all Ihre Gedanken und Einsichten zu dieser Situation sehr.
SMSM: Vielen Dank, dass ich zu diesem Interview eingeladen wurde. Danke. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und danke für Ihre Teilnahme. Ich hoffe, wir sehen uns in naher Zukunft, insbesondere im Iran, um Ihnen die reale Situation im Iran zu zeigen, die völlig anders ist als die, die von vielen oder fast einem Großteil der Medien dargestellt wird.
Von Peter F. Mayer und Jochen Mitschka – 16. April 2026
Während der Bombenkrieg gegen den Iran ruhte, hat Israel weite Teile des Südlibanons vernichtet und die Regierung des Libanons, unter Führung des von den USA in sein Amt gebrachten Präsidenten, erklärte in einer Konferenz, durch USA und Israel unter Druck gesetzt, die Hisbollah entwaffnen […] und quasi den Süden Israel überlassen zu wollen. Ereignisse der Nacht und am 17. April 2026 in diesem Ticker.
Für Beobachter stellt sich die Frage, ob mit dieser Aussage von Regierungsverantwortlichen die Grundlage für einen neuen Bürgerkrieg geschaffen wurde, wie er schon einmal von Israel zur Besetzung des Landes genutzt wurde, oder ob es sich als diplomatischen Versuch herausstellt, den Druck auf die Regierung zu lockern, ohne dass ernsthafte Maßnahmen folgen. Derweil kämpft der Widerstand im Süden verzweifelt gegen die Zerstörung der Dörfer, in die nach Vorstellung Israels ihre Bewohner nicht mehr zurückkehren dürfen. Wovon nicht nur schiitische, sondern auch christliche Dörfer betroffen sind.
In der Nacht gab es zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon keine großangelegten neuen Bodenoffensiven, aber intensive Luftangriffe und Raketenbeschüsse hielten an. Die israelische Armee teilte mit, sie habe in den vergangenen 24 Stunden mehr als 200 Hisbollah-Ziele im südlichen Libanon getroffen, darunter militärische Strukturen, Panzerabwehrraketen-Stellungen und Kommandozentren. Wobei man diese Information ähnlich sehen muss wie bei der totalen Zerstörung von Gaza. Die Hisbollah meldete ihrerseits rund 30 Raketenabschüsse auf nordisraelische Gebiete innerhalb weniger Stunden, darunter eine Salve von etwa 20 Raketen am 15. April. Aber diese Raketen haben eher symbolischen Wert, zeigen den Bestand des Widerstands, weniger militärische Bedeutung.
Bei israelischen Angriffen im Süden des Libanon wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens drei Rettungskräfte getötet; die libanesische Regierung verurteilte dies als „offensichtliches Verbrechen“.
Trotz der anhaltenden Kämpfe bewerteten beide Seiten die ersten direkten Gespräche zwischen israelischen und libanesischen Vertretern in Washington am 14. April als „positiv“ und kündigten eine zweite Verhandlungsrunde an. Israel fordert die Entwaffnung der Hisbollah, der Libanon eine sofortige Waffenruhe und den Abzug israelischer Truppen. Berichtet die Tagesschau. Und vergisst zu erwähnen, dass der eigentliche Widerstand gar nicht am Tisch saß.
Zahlreiche UN-Experten verurteilten die israelischen Angriffe auf den Libanon wenige Stunden nach einer Waffenstillstandsvereinbarung im Iran-Krieg als Verletzung der Vereinbarung. Der israelische Generalstabschef wies seine Truppen an, „alle Hisbollah-Kämpfer südlich des Litani-Flusses zu töten“.
08 Uhr 15
Die Krise um die Straße von Hormus
In den letzten zehn Stunden gab es im laufenden Krieg der USA und Israels gegen den Iran keine neuen militärischen Angriffe oder Raketeneinschläge. Stattdessen dominierten diplomatische Bemühungen, die Durchsetzung der US-Seeblockade und wirtschaftliche Druckmaßnahmen die Entwicklungen.
US-Präsident Donald Trump erklärte am Mittwoch, der Krieg sei „sehr nah am Ende“ und wiederholte, er sehe ihn als „fast vorüber“. Das US-Militär teilte gleichzeitig mit, die Blockade der Straße von Hormus sei nun „vollständig umgesetzt“; Schiffe in iranischer Richtung würden umgedreht oder mit Gewalt gestoppt.
Der pakistanische Armeechef traf sich am Mittwoch wie bereits berichtet in Teheran mit dem iranischen Außenminister, um Spannungen zu entschärfen und eine zweite Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran vorzubereiten – dies ist die jüngste diplomatische Initiative zur Beendigung des seit fast sieben Wochen andauernden Konflikts.
Der US-Finanzminister Scott Bessent kündigte an, die USA würden sekundäre Sanktionen gegen Finanzinstitute verhängen, die mit dem Iran Geschäfte machen. Er nannte diese Maßnahme wörtlich „das finanzielle Äquivalent einer Bombenkampagne“.
Die Vereinten Nationen stellten am Abend des 15. April Notfallhilfe in Höhe von zehn Millionen Euro für die vom Krieg betroffene iranische Bevölkerung bereit, wie der ARD-Liveblog berichtete.
Die westlichen Regierungen sind inzwischen gespalten darin, dem Iran, das Land, das unter einem illegalen Angriffskrieg leidet, Unterstützung, mindestens diplomatisch, zukommen zu lassen. Allerdings deutet sich angesichts des Verhaltens der USA an, dass die EU sich zunehmend militärisch selbständig machen will, was bisher insbesondere von Deutschland verhindert worden war.