Mohammad Marandi & Larry C. Johnson: Irans Vergeltung könnte verheerend sein

Nima R. Alkorshid im Gespräch mit L. C. Johnson und M. Marandi – 5. Februar 2026

N.R. Alkorshid: Wenn man die Außenpolitik der Vereinigten Staaten in Westasien betrachtet in der Nähe des Iran und des Nahen Ostens, wie lautet ihre Einschätzung im Moment? Genau zu diesem Zeitpunkt im Bezug auf die Eskalation und den militärischen Aufbau rund um den Iran sowie die derzeitige Rhetorik, bei der wir auf der einen Seite Verhandlungen haben und auf der anderen Seite jederzeit ein Angriff stattfinden könnte. Wie lautet ihre Einschätzung?

L. C. Johnson: Ja, ich war letzte Woche wirklich besorgt. Ich dachte, ein Angriff stünde unmittelbar bevor. Aber jetzt gehöre ich zu denen, die glauben, dass es aus verschiedenen Gründen nicht dazu kommen wird. Fangen wir also mit der sogenannten Armada an. Es gibt eine Flugzeugträgerkampfgruppe, die im Arabischen Meer unterwegs ist, aber sie bleibt etwa 1000 Meilen vor der Küste. Wenn sie also den Iran angreifen wollten, womit würden sie das tun? Tomahawk Marschflugkörpern. Und weißt du, wie groß die Reichweite eines Marschflugkörpers ist? 1000 Meilen. Vielleicht könnten sie sie etwas ausreizen, wenn Sie keinen großen Sprengkopf tragen. Vielleicht auf eineinhalbtausend. Plötzlich heißt es also, der angebliche Zweck sei, oh, wir müssen alle ballistischen Raketenstellungen des Iran ausschalten, aber von dort draußen auf See kommen sie nicht einmal ein Drittel des Weges bis nach Teheran. Das ist also Problem Nummer 1. […]

[Zum Transkript des Videos in deutscher Sprache]

Analyse der gemeldeten Pläne der USA, erneut taktische Atomwaffen in Großbritannien zu stationieren

Von Andrew Korybko – 6. Februar 2026

Es ist möglich, dass die USA – sei es unter Trump 2.0 oder einer anderen Regierung, einschließlich einer möglichen demokratischen Regierung, die danach an die Macht kommt – zustimmen könnten, ihre taktischen Atomwaffen nach Estland zu verlegen, parallel zu einem möglichen Einsatz britischer F-35A-Kampfflugzeuge auf dem dortigen Stützpunkt.

Die Daily Mail zitierte Ende Dezember Finanzierungsvorschläge des Pentagon, wonach die USA planen, nach der Renovierung der Lakenheath Airbase erneut taktische Atomwaffen in Großbritannien zu lagern. Das Projekt wird voraussichtlich 264 Millionen Dollar kosten und bis 2031 abgeschlossen sein. Sie fügten hinzu: „Großbritannien wird seine (12 F-35A) Jets am Ende dieses Jahrzehnts erhalten und damit zum ersten Mal seit 1998 wieder über luftgestützte taktische Atomwaffen verfügen. Während Großbritannien Eigentümer der Jets sein wird, behalten die USA das Eigentum an den damit verbundenen Atomwaffen.“

Obwohl sie auch schreiben, dass „[dies] eine Bestätigung dafür ist, dass amerikanische Atomwaffen zum ersten Mal seit ihrem Abzug durch Präsident Barack Obama vor 17 Jahren nach Großbritannien zurückkehren werden“, wurde dies bereits im Juni nach zwei Ankündigungen angenommen. Das Verteidigungsministerium gab bekannt, dass London zwölf F-35A von den USA kaufen und sich der NATO-Mission für doppelt einsetzbare Atomflugzeuge anschließen wird. Der Verteidigungsminister bestätigte dann im November, dass die USA die Kontrolle über die betreffenden Atomwaffen behalten würden.

Was den Bericht der Daily Mail so bedeutend macht, ist, dass er inmitten der laufenden Gespräche zwischen Russland und den USA über die Ukraine veröffentlicht wurde, als Putins Sonderbeauftragter Kirill Dmitriev an diesem Wochenende in Miami mit Trumps Sonderbeauftragten Steve Witkoff und Jared Kushner zusammentraf, um darüber zu diskutieren. Das Signal, das damit ausgesendet wurde, war, dass ein großes Abkommen mit Russland zur Reform der europäischen Sicherheitsarchitektur nach Beendigung des US-Stellvertreterkrieges nicht dazu führen wird, dass die USA ihre NATO-Verbündeten im Stich lassen, wie die geplante Stationierung von Atomwaffen in Großbritannien beweist.

Ein Teil der Truppen in Europa könnte in die westliche Hemisphäre oder den asiatisch-pazifischen Raum verlegt werden, die in der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie jeweils an erster und zweiter Stelle stehen, aber das ist nicht gleichbedeutend damit, „Europa an Russland zu verkaufen“ oder einem „neuen Jalta“ zuzustimmen. Der Zweck bestünde ausschließlich darin, einige der Bedenken Russlands auszuräumen, um dessen Sicherheitsdilemma besser zu bewältigen, und gleichzeitig den NATO-Verbündeten durch eine fortgesetzte Präsenz auf dem Festland und die Wiederaufnahme der nuklearen Präsenz im Vereinigten Königreich die Zuverlässigkeit der Allianz zu versichern.

Die Leser sollten auch bedenken, dass die USA bereits Atomwaffen in Belgien, Deutschland, Italien, den Niederlanden und der Türkei lagern, sodass eine erneute Lagerung im Vereinigten Königreich von Russland nicht als allzu provokativ angesehen werden dürfte, da es geografisch weiter von seinen Grenzen entfernt ist als alle oben genannten NATO-Länder. Dennoch birgt die Wiederaufnahme der Rolle Großbritanniens im Nuklearwaffenteilungsprogramm der USA zusätzliche Risiken aufgrund der militärischen Präsenz Londons in der estnischen Tapa-Armeebasis, deren Regierung die Stationierung ihrer F-35A-Kampfflugzeuge anstrebt.

Der estnische Verteidigungsminister brachte dies erstmals im Juli zur Sprache, woraufhin die strategische Bedeutung dieser Maßnahme hier analysiert wurde, und bekräftigte sein Interesse im September erneut. Es ist daher möglich, dass die USA – sei es unter Trump 2.0 oder einer anderen Regierung, einschließlich einer möglichen demokratischen Regierung, die danach an die Macht kommt – einer Verlegung ihrer taktischen Atomwaffen nach Estland zustimmen könnten, parallel zu einer möglichen Stationierung britischer F-35A-Kampfflugzeuge in diesem Land. Das Vereinigte Königreich würde dann als Speerspitze der US-Atomwaffen gegen Russland fungieren.

Um es klar zu sagen: Diese Pläne sind vorerst noch Spekulation, können aber auch nicht ausgeschlossen werden. Wenn ein Verbündeter von MAGA wie Vizepräsident JD Vance die Nachfolge von Trump antritt, wird dies wahrscheinlich nicht geschehen, es sei denn, es kommt zu einer hypothetischen Verschlechterung der Beziehungen zu Russland aus irgendeinem Grund. Ein Nachfolger aus der Demokratischen Partei könnte jedoch mit diesem Gedanken liebäugeln oder ihn sogar umsetzen, um eine Krise zu provozieren. Es ist daher zu erwarten, dass Russland diesen Einsatz aufgrund seiner potenziell überragenden strategischen Bedeutung genau beobachten wird.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache]

Gaza: Kriegsende?

Von Moshe Zuckermann – 7. Februar 2026

Leben im Gazastreifen. Bild: Januar 2026, UNRWA

Der 21-Punkte-Plan von Donald Trump hat den Waffenstillstand im Gazakrieg gezeitigt, mithin den Krieg beendet. Stimmt das überhaupt?

Viele hohle Worte sind in den letzten beiden Jahren zur Beschreibung von Abläufen und Entwicklungen im Gazakrieg verwendet worden. Zu den trügerischsten gehören in letzter Zeit “Waffenstillstand” und “Kriegsende”. Nachdem Donald Trumps 21-Punkte-Plan in Kraft trat, wurden die Kampfhandlungen offiziell eingestellt. Das hat mit der Realität indes nichts zu tun, denn die israelischen Angriffe dauern auch in diesen Tagen an.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen (die mittlerweile auch in Israel als glaubwürdig eingestuft werden) wurden seit Inkrafttreten des Waffenstillstandsabkommens bis zum 17.1.2026 464 Menschen getötet, darunter mindestens 100 Kinder, und 1275 weitere durch Beschuss israelischer Streitkräfte verletzt. Inzwischen ist die Zahl der Toten, verschiedenen Quellen zufolge, schon auf weite über 500 PalästinenserInnen angestiegen. In Israel werden diese Daten weitgehend trocken registriert (wenn sie überhaupt berichtet werden), ohne sich mit “dem Thema” weiter größer zu befassen.

Mehrere Gründe lassen sich dafür anführen. Zum einen ist für das Gros der israelischen Bevölkerung der Krieg mit der “Befreiung” der letzten (toten) Geisel und ihrer kollektiv gefeierten Bestattung an sein Ende gelangt. Das Schicksal der Palästinenser während und nach dem (vermeintlichen) Ende des Krieges interessiert die allerwenigsten jüdischen BürgerInnen. Die Aufmerksamkeit richtet sich nunmehr auf die Frage der Nominierung einer staatlichen Kommission zur Untersuchung der Katastrophe des 7. Oktobers und des nicht minder katastrophalen Krieges, den Israel vom Zaun gebrochen hat. Dies wiederum hat primär mit der unmittelbar nach dem 7. Oktober begonnenen, perfiden Regierungspraxis zu tun, der es darum geht, sämtliche Schuld am Desaster von sich abzuwälzen und sie der Armee und den Geheimdiensten zuzuschreiben. Denn Wahlen stehen dieses Jahr an, und nichts ist der Regierungskoalition bedrohlicher, als der mögliche Macht- und Herrschaftsverlust. Gelogen wird dabei am laufenden Band, ohne die mindeste Verunglimpfung und giftige Besudelung aller Gegner der Regierung (und Netanjahus) auszulassen.

[Hier weiterlesen]

Mamdani krönt einen Monat des Verrats mit seiner Unterstützung für die rechte Demokratin Kathy Hochul

Von Joseph Kishore – 6. Februar 2026

Nachdem Donald Trump im vergangenen November eine Stunde mit dem neu gewählten New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani, einem Mitglied der Demokratischen Sozialisten (DSA), verbracht hatte, beschrieb er ihn als „sehr rational“ und prophezeite ihm „wirklich großartige“ Taten. Mamdani hat den faschistischen Präsidenten nicht enttäuscht.

Es ist kaum einen Monat her, seit Mamdani sein Amt als Bürgermeister von New York City angetreten hat. Doch in dieser kurzen Zeit hat er bereits viel erreicht – indem er die oppositionelle Stimmung, die ihn ins Amt gebracht hat, umfassend verraten und zurückgewiesen hat. Caesar – seinerzeit in Gallien – kam, sah und siegte. Mamdani hat – dieser Tage in der Gracie Mansion, dem Amtssitz des New Yorker Bürgermeisters – Kompromisse geschlossen, konspiriert und kapituliert.

Der jüngste in einer endlosen Reihe von chaotischen Rückzügen erfolgte am Donnerstag, als Mamdani die rechte Demokratin und Gouverneurin von New York, Kathy Hochul, für die bevorstehenden Gouverneursvorwahlen unterstützte. Als er noch ein einfacher Abgeordneter war, bezeichnete Mamdani Hochuls Unterstützung für den Völkermord in Gaza als „widerwärtig“ und verurteilte ihre politische Agenda als „republikanisch light“. Das ist gerade einmal zwei Jahre her.

Doch in einer in The Nation veröffentlichten Erklärung wandelte sich Mamdanis Abscheu nun in Bewunderung, und er begründete seine Unterstützung für Hochul mit einem Lob für ihr „gemeinsames Engagement für eine Regierung, die gleichermaßen kompetent und vertrauenswürdig ist“. Hochul, so schrieb er, habe sich dafür entschieden, im Geiste der „Transformation“ zu regieren, und er hob ihre Zusammenarbeit als Vorbild für eine effektive Regierung hervor.

[Hier weiterlesen]

Merz in der Golfregion: Bündnis mit Mördern und Diktatoren im Namen deutscher Großmachtpolitik

Von Johannes Stern – 6. Februar 2026

Um die eigene Aufrüstung und den Vorstoß zu einer neuen deutschen Großmachtpolitik zu rechtfertigen, behaupten Politik und Leitmedien regelmäßig, Berlin stehe – anders als die USA unter Trump, Russland oder China – für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass diese Darstellung nichts als Propaganda ist, dann war es die Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz in die Golfmonarchien Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – und allen voran sein zweieinhalbstündiges persönliches Treffen mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman.

Bin Salman als „reaktionär“ zu bezeichnen, wäre eine grobe Verharmlosung. Er ist kein Menschenrechtler, sondern ein Menschenzerstückler. Der saudische Kronprinz war direkt in den bestialischen Mord am Journalisten und Regimegegner Jamal Khashoggi involviert. Khashoggi wurde am 2. Oktober 2018 in das saudische Konsulat in Istanbul gelockt, um Dokumente für seine bevorstehende Hochzeit abzuholen. Er verließ das Gebäude nie wieder.

Die Details seines Martyrium sind seit Jahren bekannt. Bereits kurz nach seinem Verschwinden erklärte die türkische Regierung, sie verfüge über Ton- und Videoaufnahmen, die belegten, dass Khashoggi im Konsulat verhört, gefoltert und anschließend ermordet wurde. Auf den Aufnahmen sei zu hören, wie er bei lebendigem Leib zerstückelt und seine Leiche später in Säure aufgelöst wurde.

All dies ist der Bundesregierung ebenso bekannt wie den anderen imperialistischen Mächten, die nach einer kurzen Phase gespielter Distanz längst wieder geschlossen nach Riad pilgern. Im Februar 2021 veröffentlichte selbst die US-Regierung einen Geheimdienstbericht, dem zufolge Mohammed bin Salman den Mord persönlich „gebilligt“ habe. Die Täter stammten aus seinem engsten Umfeld.

[Hier weiterlesen]

Wie wahrscheinlich ist eine US-Militäroperation gegen Iran und welche Optionen hat Teheran?

Von Iwan Timofejew – 6. Februar 2026

Auch wenn eine Militäroperation der USA gegen Iran zahlreiche Risiken birgt, ist es durchaus realistisch, dass es dazu kommt. Und welche Optionen hat Teheran, wenn die Vereinigten Staaten zum Militärschlag ausholen?

Die Konzentration US-amerikanischer Streitkräfte im Persischen Golf hat Diskussionen über die Möglichkeit einer neuen Militäroperation gegen Iran ausgelöst. Internationale Beziehungen sind schwer vorherzusagen. Die Entwicklung der Situation lässt sich jedoch leicht als eine Reihe alternativer Szenarien betrachten. Eine Militäroperation ist eines davon.

Für ein militärisches Szenario sprechen mehrere Argumente. Zunächst einmal haben die Vereinigten Staaten ganz konkrete Motive, gerade jetzt eine Operation durchzuführen. Iran zählt seit über 40 Jahren zu Washingtons wichtigsten und beständigsten Gegnern. Die Beziehungen Irans zu Israel, einem wichtigen US-Verbündeten in der Region, sind sogar noch unversöhnlicher. Westliche Verbündete gehen davon aus, dass Iran seit vielen Jahren nach Atomwaffen strebt, und Nordkoreas erfolgreicher Aufstieg zu einer faktischen Atommacht dient dabei als offensichtlicher Präzedenzfall.

Im Gegensatz dazu bietet die jüngere Geschichte zahlreiche Beispiele von Staaten ohne Atomwaffen, die gewaltsam angegriffen oder zerschlagen wurden: Irak, Libyen, Syrien, Venezuela. Auch Iran selbst war 2025 Ziel militärischer Angriffe. Gleichzeitig hat Teheran bemerkenswerte Fortschritte in seinem Raketenprogramm erzielt, das US-Beamte offen als direkte Bedrohung bezeichnen. Iranische Gegenangriffe auf Israel im Konflikt des vergangenen Jahres unterstrichen diese Fähigkeit.

Die Proteste in Iran könnten für die USA ein weiterer Anreiz dafür sein, Gewalt anzuwenden. Sie werden wahrscheinlich als Zeichen der Schwäche der iranischen Machthaber gewertet, und die Entstehung von Protesten wird als Vorbote revolutionärer Veränderungen interpretiert. Aus dieser Sichtweise könnte militärischer Druck als Katalysator wirken – Protestbewegungen verstärken, staatliche Institutionen untergraben und potenziell entweder einen Systemzusammenbruch oder einen Bürgerkrieg nach syrischem Vorbild auslösen.

[Hier weiterlesen]

Deutsche Journalisten spielen Krieg: „Was, wenn Russland uns angreift?“

Von Tobias Riegel – 6. Februar 2026

In einem Planspiel („Wargame“) haben die Tageszeitung Welt und die Bundeswehr-Uni mit einigen Politikern und „Experten“ ein emotionales Szenario erdacht, das einen russischen Angriff auf die NATO simulieren soll. Diese öffentliche Inszenierung ist aber militärisch völlig irrelevant: Sie richtet sich stattdessen an die Bürger, deren „Kriegstüchtigkeit“ durch solche unseriösen Spektakel noch mehr gesteigert werden soll.

Unter dem Titel „Ernstfall – Was, wenn Russland uns angreift?“ haben das German Wargaming Center der Helmut-Schmidt-(Bundeswehr)-Universität Hamburg und die Medienmarke Welt eine sicherheitspolitische Krise in Europa simuliert, wie Medien berichten.

„6.47 Uhr. Im Bundeskanzleramt in Berlin brennt Licht …“

Es sei ein hypothetisches Eskalationsszenario im Baltikum durchgespielt worden, hieß es. Die Simulation – inklusive hybrider Angriffe auf die deutsche Infrastruktur – habe bereits im Dezember 2025 stattgefunden. So könnten Cyberangriffe etwa das Online-Banking lahmlegen und Geldautomaten ausfallen lassen, während gezielte Desinformation Unsicherheit und Verunsicherung verbreite. Das durchgespielte Szenario sei dabei ausdrücklich hypothetisch gewesen und stelle einen von mehreren möglichen Krisenverläufen dar.  Die Welt veröffentlicht die Simulation in Podcasts, Print- und Online-Beiträgen sowie in einer TV-Reportage, weitere Infos finden sich in diesem Welt-Artikel.

[Hier weiterlesen]

Wie wahrscheinlich ist ein globales nukleares Wettrüsten?

Von Andrew Korybko – 6. Februar 2026

Es wird erwartet, dass Russland und China auf die mögliche Entwicklung neuer Atomwaffen bzw. auf neue Atomwaffentests durch die USA reagieren werden, nachdem diese gerade das New-START-Abkommen auslaufen ließen. Dies könnte von europäischen und ostasiatischen Ländern ausgenutzt werden, um eigene Atomwaffen zu entwickeln, was wiederum einige muslimische Länder dazu ermutigen könnte, diesem Beispiel zu folgen.

RT berichtete über die Verurteilung einer prominenten AfD-Politikerin durch die deutsche Politikerin Sahra Wagenknecht, weil diese behauptet hatte, Deutschland „brauche Atomwaffen”. Zuvor hatte der CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter gefordert, dass sein Land sich an einem europäischen Atomschutzschild beteiligen solle. Der Hintergrund ist der Vorschlag Frankreichs vom letzten Jahr, seinen eigenen Atomschutzschild auf die EU auszuweiten, da einige europäische Eliten befürchten, dass eine Invasion Grönlands durch die USA dazu führen könnte, dass die EU aus dem Atomschutzschild ausgeschlossen wird.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat gerade bestätigt, dass Berlin dies prüft. NBC News zitierte eine Woche zuvor sechs europäische Beamte mit der Aussage, dass zu den Optionen „die Verbesserung der französischen Atomwaffen, die Verlegung französischer atomwaffenfähiger Bomber außerhalb Frankreichs und die Verstärkung der französischen und anderen europäischen konventionellen Streitkräfte an der Ostflanke der NATO gehören. Eine weitere Option, die diskutiert wird, ist die Ausstattung europäischer Länder, die keine Atomwaffenprogramme haben, mit den technischen Fähigkeiten, solche zu erwerben.“

Der Bericht von RT erinnerte die Leser daran, dass „Deutschland nach internationalem Recht, einschließlich des Vertrags über die Nichtverbreitung von Kernwaffen und des Zwei-Plus-Vier-Vertrags, die Entwicklung von Atomwaffen untersagt ist“. Allerdings wird das Völkerrecht nur dann eingehalten, wenn es glaubwürdige Durchsetzungsmechanismen gibt oder der politische Wille besteht, das Völkerrecht einseitig durchzusetzen, wenn die oben genannten Mechanismen nicht mehr existieren, was aufgrund der dysfunktionalen Pattsituation im UN-Sicherheitsrat in den letzten zehn Jahren derzeit wohl der Fall ist.

Solange Deutschland unter dem nuklearen Schutzschild eines anderen Landes steht und dieses den politischen Willen hat, seine Verpflichtungen einzuhalten, sei es nun die USA, Frankreich und/oder Großbritannien, ist es unwahrscheinlich, dass Russland einen Dritten Weltkrieg riskieren würde, indem es Deutschland angreift, wenn dieses mit der Entwicklung von Atomwaffen beginnt. Das Gleiche gilt für jedes andere europäische Land wie Polen oder die nordischen Länder, von denen das erste bereits stark angedeutet hat, dass es in Zukunft Atomwaffen entwickeln will, während ein norwegischer Oberstleutnant das zweite in einem Artikel bei War On The Rocks vorgestellt hat.

Der „öffentlich plausible“ Vorwand für die Ausweitung des nuklearen Schutzschirm Frankreichs bzw. Großbritanniens über die EU – auch um den der USA zu verstärken, falls dieser nicht aufgehoben wird – sowie die Entwicklung von Atomwaffen durch die beiden Länder, könnte Russlands Reaktion auf die mögliche Entwicklung neuer Atomwaffen bzw. auf neue Atomtests durch die USA sein. Trumps Entscheidung, den New-START-Vertrag mit Russland auslaufen zu lassen, anstatt Putins Vorschlag zu dessen Verlängerung um ein weiteres Jahr zuzustimmen, entbindet die USA nämlich von ihren rechtlichen Verpflichtungen, derartige Schritte zu unterlassen.

Es ist daher möglich, dass ein nukleares Wettrüsten nicht nur zwischen den USA auf der einen Seite und Russland (und China) auf der anderen Seite ausbricht, sondern auch zwischen der EU und Russland, wobei möglicherweise die USA Nukleartechnologie an ihre EU-Verbündeten weitergibt. In diesem Szenario könnten auch Japan, Südkorea, Saudi-Arabien und die Türkei sich nicht mehr zurückhalten, wobei die ersten beiden Länder durch die wahrgenommene Bedrohung durch China bzw. Nordkorea und die beiden letzteren durch die Bedrohung durch Israel (möglicherweise mit technischer Unterstützung durch Pakistan) dazu veranlasst würden.

Die Welt steht am Rande eines globalen nuklearen Wettrüstens. John Mearsheimer argumentiert, dass „Atomwaffen ein hervorragendes Abschreckungsmittel sind“, da „kein Staat wahrscheinlich das Heimatland oder die vitalen Interessen eines atomar bewaffneten Staates angreifen würde, aus Angst, dass ein solcher Schritt eine schreckliche nukleare Reaktion auslösen könnte“, aber dies setzt voraus, dass Staaten rational agieren, was einige EU-Staaten offenbar nicht tun. Ein globales nukleares Wettrüsten könnte, anstatt die Welt zu stabilisieren und den Frieden zu bewahren, diese destabilisieren und das Risiko eines versehentlichen Atomkrieges erhöhen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache]

Auf der Suche nach einem Ende des globalen Interregnums

Von Ralph Bosshard – 6. Februar 2026

Derzeit erleben wir, wie der Westen sich an die Idee einer von ihm dominierte Weltordnung klammert, nachdem er die alte Ordnung systematisch geschwächt hat. Die UNO und die OSZE haben durch den manifest gewordenen westlichen Unilateralismus an Bedeutung verloren. Gleichzeitig hat der Westen selbst an Glaubwürdigkeit verloren, weil er zu oft zweierlei Maß anwandte und Diplomatie durch Sanktionen und Gewalt ersetzte. Und ein Jahr der Administration Trump zeigte, dass die USA keineswegs vom Unilateralismus abkehren – ganz im Gegenteil. Eine multipolare Welt und eine Reform der UNO vermögen allenfalls ein Quäntchen globale Gerechtigkeit und Sicherheit wiederherzustellen.

Die US-amerikanische Aggression gegen Venezuela und die Drohungen Trumps gegen Grönland, den Iran und Kuba haben in jüngster Zeit Ängste geweckt. Was immer Zweck und Ziel der Intervention der USA in Caracas war, ob es wirklich darum ging, einen korrupten Präsidenten dingfest zu machen oder eine unbequeme Figur im „Hinterhof Amerikas“ auszuschalten, es war völkerrechtswidrig (1). Und die Drohung mit militärischer Gewalt gegen einen Staat verletzt Völkerrecht ebenso, wie ein Angriff selbst (2). Irritierend waren nach Venezuela die lauen Reaktionen aus Westeuropa, das sich selbst immer gerne als Hüter des Völkerrechts profiliert. Mancher sieht schon die Weltordnung zusammenbrechen und fragt nach der Verantwortung. Handelt es sich um eine Systemkrise oder um eine bewusste Ablehnung des Systems?

[Hier weiterlesen]

Die Aluhüte des Mainstreams

Von Jens Berger – 6. Februar 2026

Westliche „Eliten“ sollen etwas mit dem Missbrauch minderjähriger Mädchen zu tun haben? Kann nicht sein. Jahrelang haben die selbsternannten Qualitätsmedien des Westens die „Epstein-Affäre“ wahlweise totgeschwiegen oder als Verschwörungstheorie irgendwelcher Spinner im Netz abgetan. Nun haben sie, wie Annalena Baerbock es formulieren würde, eine 360-Grad-Wende vollzogen und beweisen der Welt, dass niemand so gute Verschwörungstheorien basteln kann wie die Edelfedern des Mainstreams. Eine Glosse von Jens Berger.

Es kommt ja nicht oft vor, aber manchmal sind sich die Verschwörungstheoretiker auf Telegram und X und die Verschwörungstheoretiker in den Redaktionsstuben des Mainstreams erstaunlich ähnlich. Die Vorstellung, dass westliche Eliten von sich aus und ohne einen fiesen Masterplan durch einen noch fieseren Oberbösewicht die unaussprechlichen Sexualstraftaten begangen haben sollen, die ihnen in den Epstein Files vorgeworfen werden, erschüttert offenbar so manches Weltbild. Und was nicht sein darf, kann ja auch bekanntlich nicht sein. Also wird munter Täter-Opfer-Umkehr betrieben. Die elitären Täter sind in diesen Erzählungen dann die eigentlichen Opfer. Nur bei der Frage, wer denn nun genau der Oberbösewicht ist, unterscheiden sich die Verschwörungstheorien je nach Provenance dann doch.

Auf Telegram und X läuft es – wie so oft – auf einen klaren Favoritensieg hinaus. Schuld ist der Mossad! Wer auch sonst? Schließlich wussten schon unsere Groß- und Urgroßväter, dass im Zweifel der Jude die Strippen zieht und in Wahrheit™ hinter aller Unbill der Weltgeschichte steckt. Derlei Verschwörungstheorien sind heute – natürlich zu Recht – im Mainstream verpönt. Aber die Neigung, einen universellen Schurken zu haben, der für alles verantwortlich ist, ist freilich auch für den Mainstream sehr verlockend. Doch im modernen Deutschland geht man mit der Zeit und hat im Russen seinen neuen Juden gefunden. Vollkommen klar: Hinter so diabolischen Straftaten Epsteins kann ja nur der Russe stecken. Wer auch sonst?

[Hier weiterlesen]