Die Kriegsgefahr in Asien und die Rolle der USA dabei

Von Stanislaw Varivoda (Übersetzung: Thomas Röper) – 9. August 2026

Die Konflikte in Asien spielen in deutschen Medien kaum eine Rolle, dabei ähneln die Prozesse dort extrem denen, die in Europa zum Krieg in der Ukraine geführt haben: Die USA instrumentalisieren historische Ressentiments mit Ziel, sie zu potenziellen Stellvertreterkriegen zu eskalieren, um ihre geopolitischen Gegner zu schwächen.

Aus geopolitischer Sicht ist die Genese des Ukraine-Krieges erstaunlich einfach und gradlinig: Die USA wollten ihren Konkurrenten Russland schwächen und haben dazu mit dem Maidan 2014 die Kontrolle über die Ukraine übernommen, indem sie dort ein radikal anti-russisches Regime installiert und aufgerüstet haben, wobei sie darauf geachtet haben, dass die Europäer den Löwenanteil der Kosten tragen. Ab 2021 haben sie die Eskalation provoziert, indem sie für Russland inakzeptable Forderungen wie den NATO-Beitritt der Ukraine forciert und sämtliche Versuche Russlands, darüber zu verhandeln, abgelehnt haben, sodass Russland 2022 vor der Wahl stand, den inakzeptablen NATO-Beitritt der Ukraine und damit US-Raketen 300 Kilometer vor Moskau zu akzeptieren, oder den NATO-Beitritt militärisch zu verhindern.

So haben die USA in der Ukraine einen Stellvertreterkrieg geschaffen, in dem die Ukrainer sterben und für den die Europäer bezahlen, während die USA daran verdienen und sich über die erhoffte Schwächung Russlands freuen. Aus Sicht der USA ist es übrigens egal, ob in dem Krieg irgendwann auch Europäer sterben müssen, Hauptsache der Krieg bleibt für die USA profitabel und für Russland teuer.

Das gleiche Spiel spielen die USA auch in Asien, wo sie Taiwan aufrüsten und sich im Falle eines Krieges Taiwans mit China exakt genauso verhalten werden, wie in der Ukraine. Sie werden die Taiwanesen sterben lassen, sich über die Kosten freuen, die für China entstehen, und sie werden an Waffenlieferungen Milliarden verdienen.

In Asien gibt es aber noch einen weiteren Konfliktherd, nämlich die koreanische Halbinsel. Zusammen mit dem Taiwan-Streit ist das tatsächlich ein zusammengehörender Konfliktherd, denn Japan hat sich sowohl dem Schutz Taiwans verschrieben, als auch Ambitionen in Korea und sieht China als Gegner.

Die USA nutzen das und befeuern die historischen Ressentiments, die noch aus der japanischen Kolonialzeit herrühren, in der Japan China und Korea brutal unterworfen und ausgebeutet hat. Wie schon in Europa mit dem Ukraine-Konflikt, können die USA auch in Asien bestimmen, wann aus dieser Konfrontation ein heißer Krieg wird, in dem China und Nordkorea den US-Verbündeten gegenüberstehen und in dem die USA sich wieder so verhalten werden, wie schon in der Ukraine und in Europa.

Der Nordkorea-Korrespondent der TASS hat in einem Artikel über die letzten Entwicklungen in der Region berichtet und da man solche Artikel in Deutschland kaum zu lesen bekommt, habe ich den Artikel übersetzt. […]

Japanischer Revanchismus und die Antwort Nordkoreas: Die Unterschiede dere Ansätze Tokios und Pjöngjangs

Stanislaw Varivoda, Leiter des TASS-Büros in Nordkorea, wie Nordkorea auf Japans Kurswechsel reagiert und was das mit den USA und den Ausfällen Südkoreas zu tun hat.

In den letzten Wochen stand Japan regelmäßig im Fokus der nordkoreanischen Medien. Sie Veröffentlichungen reden von Bedrohungen der regionalen Sicherheit, von provokativen Militärmanövern und Plänen für „Aggressionen“ bis hin zur Ausweitung der US-Militärpräsenz in Japan und der Entwicklung unbemannter Angriffs-U-Boote. Vor diesem Hintergrund und als Reaktion auf die Veröffentlichung des neuen japanischen „Weißbuchs zur Verteidigung“ warnte Kim Yo-jong, Abteilungsleiterin des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas, dass Nordkorea als Reaktion auf Tokios Kurswechsel in der Sicherheitspolitik zusätzliche militärische Maßnahmen ergreifen werde.

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Stepan Bandera – Warum sein Kult Europas Glaubwürdigkeit beschädigt

Von Uwe Froschauer – 10. August 2026

Statue von Stepan Bandera
HaidamacCC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Europa verurteilt Rechtsextremismus kompromisslos – doch warum schweigt die EU weitgehend zur staatlichen Verehrung Stepan Banderas in der Ukraine?

Europa erklärt den Kampf gegen Rechtsextremismus zu einem seiner wichtigsten politischen Ziele. Kaum eine gesellschaftliche Entwicklung wird so entschieden bekämpft wie Nationalismus, Antisemitismus und die Verherrlichung faschistischer Ideologien. Politiker beschwören regelmäßig die historische Verantwortung Europas und betonen, dass sich die Verbrechen des Nationalsozialismus niemals wiederholen dürfen.

Wie kann es dann sein, dass dieselben Regierungen seit Jahren einen Staat politisch, finanziell und militärisch unterstützen, in dem Stepan Bandera – eine der umstrittensten Figuren des Zweiten Weltkriegs – von großen Teilen der Gesellschaft und Politik als Nationalheld verehrt wird. Straßen, Denkmäler und Gedenkveranstaltungen erinnern an einen Mann, dessen Name außerhalb der Ukraine vor allem mit ethnischem Nationalismus sowie den Verbrechen der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) verbunden wird.

Besonders in Polen stößt diese Erinnerungspolitik seit Jahren auf scharfe Kritik. Dort gelten die Massaker an der polnischen Zivilbevölkerung in Wolhynien und Ostgalizien als eines der dunkelsten Kapitel des Zweiten Weltkriegs. Dennoch ist die Bandera-Verehrung in der Ukraine für viele westliche Regierungen selten ein Thema.

Wie passt es zusammen, dass Europa jede Form der Verherrlichung nationalsozialistischer Ideologien im eigenen Land entschieden verurteilt, gleichzeitig aber kaum Kritik daran übt, wenn in einem eng unterstützten Partnerstaat Persönlichkeiten geehrt werden, deren historische Rolle international höchst umstritten ist? Dieser Frage geht dieser Beitrag nach.

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Die VW-Übernahme in Osnabrück durch die israelische Waffenindustrie

Von Freddie Ponton – 11. August 2026

Gerade als Berlin einmal kurz und zurückhaltend Israel wegen seines Vorgehens im Gazastreifen kritisierte, nahm Volkswagen Verhandlungen mit dem israelischen staatlichen Unternehmen Rafael Advanced Defense Systems über die Zukunft seines Werks in Osnabrück auf. Die Gespräche gingen dabei weit über einen gewöhnlichen Liefervertrag hinaus. Reuters berichtete später, dass Rafael eine Absichtserklärung unterzeichnet habe, das Werk zu erwerben und es für die Produktion im Zusammenhang mit dem Iron Dome zu nutzen. Die Sicherung der Zukunft des Werks ist aber nur ein Aspekt des Themas. Die Produktion in Osnabrück könnte Rafael nämlich eine deutsche Basis verschaffen, von der aus das Unternehmen europäische Rüstungsaufträge anstreben könnte. Ein Artikel von Freddie Ponton, aus dem Englischen übersetzt von Maike Gosch.

Die Verhandlungen schritten weiter voran, auch nachdem eine UN-Untersuchungskommission festgestellt hatte, dass Israel in Gaza Völkermord beginge, nachdem umfangreiche Beweise für die Tötung und schwere Schädigung palästinensischer Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, vorlagen. Auch die Haftbefehle des IStGH gegen Premierminister Benjamin Netanjahu und den ehemaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit blieben in Kraft. Die Kritik aus Berlin unterbrach die industriellen Bemühungen nicht. Das Verteidigungsministerium arbeitete mit dem Wirtschaftsministerium zusammen, und Niedersachsen begann später damit, Strukturen zu prüfen, um Rafael mit öffentlicher Unterstützung nach Osnabrück zu holen.

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CIA richtet Kuba-Taskforce ein und verhängt neue Sanktionen – UN warnen vor einem „stillen Gaza“

Von Andrea Lobo – 9. August 2026

Die Botschaft der USA in Havanna [Photo: US Department of State]

US-Außenminister Marco Rubio kündigte am Donnerstag eine neue Sanktionsrunde gegen Kuba an und erklärte: „[Präsident Donald Trumps] Entschlossenheit ist eisern: Die Vereinigten Staaten werden nicht zulassen, dass ein Schurkenstaat nur 90 Meilen [140 km] vor dem amerikanischen Festland ausländische Streitkräfte, Geheimdienste und terroristische Aktivitäten beherbergt.“

Diese Drohung richtete sich gegen ein Land, dessen Stromnetz letzte Woche zweimal innerhalb von 24 Stunden zusammenbrach, dessen Krankenhäuser ohne zuverlässige Stromversorgung arbeiten und dessen Bevölkerung durch eine bewusste Energieblockade der USA Nahrungsmittel, Medikamente und Treibstoff vorenthalten wird.

Ebenfalls Donnerstag verurteilten Menschenrechtsberichterstatter der Vereinten Nationen die Maßnahmen der USA und warnten, auf der Insel vollziehe sich ein „stilles Gaza“. Sie erklärten, Nahrungsmittel dürften „niemals als Instrument zur Ausübung von politischem Druck eingesetzt werden“. Maßnahmen, die einer Bevölkerung bewusst die Existenzgrundlagen entzögen, verletzten die grundlegendsten Garantien des Rechts auf Leben.

Die Trump-Regierung führt einen nicht erklärten Vernichtungskrieg gegen fast zehn Millionen Menschen, der gegen das Völkerrecht verstößt und darauf abzielt, eine ganze Gesellschaft um ein Jahrhundert zurückzuwerfen und ihr Land in eine Kolonie zu verwandeln.

Die am Donnerstag angekündigten Sanktionen richten sich gegen fünf kubanische Unternehmen und acht Personen, darunter Tochtergesellschaften des Militärkonglomerats GAESA, den Minister der Revolutionären Streitkräfte Álvaro López Miera, Generalstabschef Roberto Legrá Sotolongo und die kubanischen Militärattachés in Russland und China.

Einen Tag zuvor hatte die New York Times enthüllt, dass die CIA heimlich eine Kuba-Taskforce eingerichtet hat. Dazu gehören Führungsoffiziere, die Spione rekrutieren und steuern, Geheimdienstanalysten, Personal für Cyberoperationen und Spezialisten für verdeckte Einflussoperationen. Laut den Beamten, die anonym mit der Times sprachen, soll die Taskforce Spaltungen innerhalb der politischen Elite Kubas schüren, in der Hoffnung, „Hardliner“ durch Führungskräfte zu ersetzen, die Trumps Forderungen gegenüber aufgeschlossener sind.

Die Times enthüllte auch, dass die Trump-Regierung den Rahmenplan für nationale Geheimdienstprioritäten (National Intelligence Priorities Framework) abgeändert hat. Kuba befindet sich jetzt in der obersten Prioritätsstufe, gemeinsam mit China, dem Iran und Russland. Dies hat dazu geführt, dass die National Security Agency, die National Geospatial-Intelligence Agency und andere Behörden zusätzliche Kapazitäten zur Nachrichtengewinnung auf die Insel richten, darunter Satelliten.

Die Times erklärt offen, welchem Zweck dies dient: Die Geheimdienstinformationen werden „dem US-Militär helfen, seine Optionen für potenzielle Militäraktionen gegen Kuba zu aktualisieren“.

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Sommer in Russland

Von Stefano di Lorenzo – 8. August 2026

Am 3. August kamen bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf den Schwarzmeer-Ferienort Gelendschik sieben Menschen ums Leben, darunter drei Kinder. Gelendschik liegt in der Region Krasnodar im Süden Russlands. Es ist unklar, was das Ziel des Angriffs war. Sieben Zivilisten tot: Wozu?

Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, bezeichnete die Ukraine als ein von der NATO und der EU finanziertes Terroristenland: „Im Herzen Europas agiert eine Terroristenbande, die den Staatsapparat der Ukraine besetzt hat. Die Geldgeber des Terrorismus sind die NATO-Staaten. Vor nicht allzu langer Zeit hatten die NATO und die EU noch Nulltoleranz gegenüber dem Terrorismus erklärt. Nun sind sie selbst zu einem integralen Bestandteil internationaler terroristischer Aktivitäten geworden.“

Zwei Tage zuvor, am 1. August, starben fünf Menschen bei einer Explosion in einem gehobenen italienischen Restaurant im Zentrum von Moskau. Das Ziel des Anschlags war ein russischer General. Stattdessen kam der Schwiegersohn des Generals ums Leben. Unter den Opfern befand sich auch die Kurierin, die die Bombe überbrachte – eine Frau, die höchstwahrscheinlich unwissentlich für die Operation missbraucht und geopfert wurde. Es ist nicht das erste Mal, dass die Ukraine solche Taktiken anwendet.

Wird der Sommer in Russland zu heiß?

Angesichts dieser Anschläge könnte man davon ausgehen, dass die Russen in einer ständigen Atmosphäre der Panik und Angst leben müssten. Das Schüren von Panik und Angst könnte durchaus das Ziel der ukrainischen Anschläge sein. Doch seit 2022 haben die Russen gelernt, mit Widrigkeiten zu leben. Die ukrainische Kampagne, „den Krieg nach Russland zurückzubringen“, mag zwar an der Oberfläche des ruhigen russischen Alltags in Moskau, Sankt Petersburg und anderen Städten gekratzt haben, doch scheint sie weit davon entfernt zu sein, das soziale Gefüge der Normalität völlig zu erschüttern.

In den letzten Jahren wurde den Europäern die Realität des russischen Alltags ausschließlich durch die Brille des Krieges dargestellt. Doch für die meisten Russen war der Krieg in der Ukraine etwas, das im Hintergrund ablief, unabhängig davon, ob sie die Handlungen der Regierung bezüglich der Ukraine gutheißen oder nicht.

Angesichts der ukrainischen Angriffe auf russisches Territorium, die zunehmend Opfer unter der Zivilbevölkerung fordern, würde man erwarten, dass das Land in Kriegsbereitschaft ist und die allgemeine Stimmung trübt. Doch der russische Charakter lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Der Sommer kommt nur einmal im Jahr, und die Russen wollen ihn nicht verschwenden. Die Russen haben nicht ständig nur den Krieg im Kopf. Im August hat sogar die russische Duma, das russische Parlament, wegen der Ferien geschlossen.

Russland ist groß und die Welt auch

Russland ist riesig und es gibt viele Orte, an denen man den Urlaub verbringen kann. Während sich bis vor einem Jahr noch viele für die Krim entschieden hätten, scheint ein Urlaub auf der Krim in diesem Jahr eher problematisch zu sein. Es gibt jedoch viele andere Reiseziele. Zwölf Prozent der Russen planten ihren Urlaub in einem der vielen Ferienorte am Schwarzen Meer, während weitere zwölf Prozent in andere Regionen Russlands reisen wollten. 

In diesem Jahr plante jedoch ein Drittel der Russen, ihren Urlaub einfach zu Hause zu verbringen. Etwa elf Prozent planten keinen Sommerurlaub. Weitere zehn Prozent wollten ihren Urlaub in der Datscha, dem traditionellen Landhaus außerhalb der Stadt, verbringen.

Nur sechs Prozent hatten vor, ins Ausland zu fahren. Die Hälfte davon würde in die Türkei reisen, die bei russischen Touristen traditionell sehr beliebt ist. Da türkische Fluggesellschaften von den EU-Sanktionen nicht betroffen sind, haben sie ihre Flüge von und nach Russland nicht eingestellt.

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Drohnenfund in Leipzig: Deutsche Regierung verschärft Kriegskurs gegen Russland

Von Peter Schwarz – 8. August 2026

Die Entdeckung einer Sprengstoffdrohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle sowie die provokativen und verantwortungslosen Reaktionen darauf zeigen, wie nahe Deutschland vor einem direkten Krieg mit der Atommacht Russland steht. Ein überraschender Zwischenfall – oder eine Provokation – genügen, um den Stellvertreterkrieg, den die NATO derzeit in der Ukraine gegen Russland führt, in einen offenen Krieg zu verwandeln, der auch große Teile Deutschlands und Europas in Mitleidenschaft zieht.

Antonov Frachtflugzeug [Photo by Dmitry A. Mottl / wikimedia / CC BY-SA 3.0]

Obwohl bisher weder der Ursprung der Drohne bekannt ist, noch wer sie auf den Flughafen gebracht und gesteuert hat, haben zahlreiche Medien, Politiker und sogenannte „Sicherheitsexperten“ sofort Russland beschuldigt, einen Terroranschlag auf deutschem Boden verübt zu haben. „Die Tat passt in das Muster der ‚hybriden‘ Eskalation Russlands in Europa,“ lautet ein typischer Kommentar des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND), der mit den Worten beginnt: „Wir sind nicht im Krieg, aber auch schon lange nicht mehr im Frieden.“

Das Rechtsportal LTO (Legal Tribune Online) stellte sogar die Frage, ob der Vorfall als „militärischer Angriff“ zu werten sei, „der einen Verteidigungsfall nach Art. 115a Grundgesetz (GG) auslöst“, und ob er die Voraussetzungen für den „NATO-Bündnisfall nach Art.5 des Nordatlantikvertrags“ erfülle. Anders formuliert, ob er ausreiche, um Russland offiziell den Krieg zu erklären.

LTO verneinte die Frage zwar, gelangte aber zum Schluss, dass Deutschland nicht „tatenlos zusehen“ müsse. Es habe die Möglichkeit, „einzelne Notstandsgesetze mit einfacher Mehrheit des Bundestags scharfzustellen“. Die Aktivierung der Notstandsgesetze, so LTO, solle Zivilbevölkerung und Streitkräfte auf „ein Durchhalten im Verteidigungsfall“ vorbereiten.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt drückte sich etwas vorsichtiger aus. Er sprach von einer „neuen Gefahrenqualität“ und einem „hybriden Anschlagsszenario“, ohne Russland direkt beim Namen zu nennen. Stattdessen sprach er allgemein von der Bedrohung durch „fremde Mächte“. Wegen der besonderen Bedeutung des Falls hat inzwischen die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.

Am aggressivsten äußerten sich die Grünen. Ihr Sicherheitsexperte Konstantin von Notz griff Innenminister Dobrindt scharf an, weil er nicht klar gesagt habe, wer hinter dem Angriff stehe. Es sei „vollkommen naheliegend“, dass Russland verantwortlich sei, so Notz.

Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge verlangte eine Dringlichkeitssitzung des neugegründeten Nationalen Sicherheitsrats – eine Forderung, der die Regierung am Freitag nachkam. Dröge warf Russland „Staatsterrorismus“ vor, „auf den es eine klare und konsequente Reaktion der Bundesrepublik Deutschland“ brauche.

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Eskalation des NATO-Ukraine-Kriegs gegen Russland: Drohnenangriffe auf Schiffe im Schwarzen Meer nehmen zu

Von Barış Demir – 8. August 2026

Am 3. August 2026 wurde das zivile Handelsschiff Nadeschda angegriffen, als es von Russland aus durch das Schwarze Meer in Richtung Türkei unterwegs war. [Photo: denizcilikgm / X]

Am Montag wurde das RoRo-Schiff Nadeschda, das sich im Besitz einer türkischen Reederei befindet, sowie ein weiteres ziviles türkisches Handelsschiff, die Yasar, vor der russischen Hafenstadt Noworossijsk angegriffen.

Die Nadeschda, die laut Berichten frisches Obst und Gemüse von Russland in die Türkei transportierte, hatte eine Besatzung von 22 Mann, darunter 13 türkische Staatsbürger. Die Besatzung wurde in den Hafen von Noworossijsk evakuiert. Mehrere von ihnen wurden verwundet, drei davon schwer. Der Kapitän des Schiffs, Yalçın Şahin, erklärte, das Schiff sei von der Ukraine mit sechs oder sieben Drohnen angegriffen worden.

Am 22. Juli wurde die Reyhan Sari, die mit einer Ladung Kohle aus dem russischen Hafen Taman ausgelaufen war, in internationalen Gewässern getroffen. Zwei der 22 türkischen Besatzungsmitglieder an Bord wurden verwundet; Savaş Çakar, der im Maschinenraum arbeitete, kam ums Leben.

Die ukrainischen Angriffe weit im Inneren Russlands und in internationalen Gewässern, die mit Unterstützung und Geheimdienstdaten der NATO durchgeführt werden, richten sich gegen zivile und wirtschaftliche Infrastruktur wie Häfen, Schiffe und Raffinerien. Der Seehandel im Schwarzen Meer ist eins der zentralen Ziele der jüngsten Eskalation geworden, wodurch auch Drittparteien, allen voran die Türkei, miteinbezogen werden.

Russland reagiert seinerseits auf die ukrainischen Angriffe mit Schlägen auf die Hafenstädte Odessa und Nikolajew (Mykolajiw) sowie ukrainische Schiffe im Schwarzen Meer. Am 3. August gab das russische Verteidigungsministerium bekannt, es habe im Schwarzen Meer zwei Trockenfrachtschiffe getroffen, die angeblich Versorgungsgüter für die ukrainische Armee transportierten, sowie zwei weitere Schiffe, die im Hafen von Nikolajew ihre Ladung löschten. Diese Angriffe sorgen für eine starke Beeinträchtigung des Seehandels.

Laut Sputnik schrieb der Gouverneur der ukrainischen Nationalbank, Andrij Pyschnyj, auf Facebook: „Die Einschränkungen der maritimen Logistik sind sehr deutlich zu spüren, vor allem bei Unternehmen der Realwirtschaft. Daher wird der Export von Waren stark verzögert oder vorübergehend ausgesetzt.“

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Selenskyis 40-tägige Einflussoperation in Charkow und Odessa ging gründlich nach hinten los

Von Andrew Korybko – 6. August 2026

Die von der Ukraine mit Drohnen durchgesetzte „Blockade“ der Krim veranlasste Russland dazu, Charkow und Odessa mit einer eigenen Art von „Blockaden“ zu belegen. Der daraus resultierende Schaden für die Ukraine ist unvergleichlich größer ist als der, den die Ukraine Russland zugefügt hat – was bedeutet, dass Putin zum ersten Mal konsequent „eskaliert, um zu deeskalieren“.

Selenskyj kündigte Ende Juni den Beginn einer 40-tägigen Einflussoperation an, die darauf abzielte, Russland zur Annahme eines Waffenstillstands ohne Vorbedingungen zu zwingen. In diesem Zusammenhang verstärkte die Ukraine mit Unterstützung der USA und Frankreichs ihre Drohnenangriffe auf Russlands strategische Infrastruktur als Teil von Trumps „Zermürbungskrieg“ gegen Russland gemäß seiner neuen Politik der „Eskalation zur Deeskalation“. Energieanlagen, zivile Logistikzentren und die russische Schifffahrt wurden angegriffen, was zudem Kiews durch Drohnen erzwungene „Blockade“ der Krim verschärfte.

Obwohl sie den russischen Interessen unbestreitbaren Schaden zufügten, verfehlten diese Bemühungen Selenskyis angestrebtes politisch-militärisches Ziel. Außerdem gingen sie in Charkow und Odessa schwer nach hinten los. Was den ersten Fall betrifft, so zerstörte Russland mindestens 80 Tankstellen in dieser Frontregion, was sich nachteilig auf die militärische Logistik der ukrainischen Streitkräfte auswirkte, während im zweiten Fall russische Angriffe den größten Hafen der Ukraine lahmlegten, um dasselbe Ziel zu erreichen. Dieser Schaden ist unvergleichlich größer als der, den die Ukraine Russland bisher zugefügt hat.

Es gibt zudem erhebliche Folgen zweiter Ordnung, die Beobachter im Blick behalten sollten. Angefangen bei Charkow hat Russlands Bombardierungskampagne gegen Tankstellen – als Reaktion auf die verstärkten ukrainischen Luftangriffe auf russische Ölraffinerien – den Einwohnern der zweitgrößten Stadt des Landes das Leben schwer gemacht und damit teilweise das nachgebildet, was die Ukraine der Krim antut. Die Warnung lautet, dass Russland eine noch härtere „Blockade“ gegen Charkow verhängen könnte, sollte die von der Ukraine mit Drohnen durchgesetzte „Blockade“ der Krim nicht bald aufgehoben werden.

Was Odessa betrifft, so birgt die Schließung seines Hafens und anderer Schwarzmeerhäfen, über die 89 Prozent der ukrainischen Agrarexporte abgewickelt werden, die Gefahr, dass 30 Millionen Tonnen Getreide und Ölsaaten vom Weltmarkt ferngehalten werden – was der Ukraine laut Reuters geschätzte Kosten in Höhe von 1,5 bis 3 Milliarden US-Dollar verursachen würde. In dem Bericht wurde zudem darauf hingewiesen, dass alternative Routen nur etwas mehr als die Hälfte der monatlichen Exportkapazität dieser Häfen bewältigen können und daher möglicherweise zu einem Anstieg der weltweiten Lebensmittelpreise führen könnten. Unerwähnt bleibt die Möglichkeit von Bauernprotesten nach polnischem Vorbild.

Die unmittelbaren und sekundären Folgen des soeben Beschriebenen sind das direkte Ergebnis von Putins milder „Eskalation zur Deeskalation“ durch Russlands neue Kampagne der „systematischen Schläge“. Diese ist eine Reaktion darauf, dass Trumps den jüngsten Zyklus seines neuen, von der Ukraine angeführten „Zermürbungskriegs“ gegen Russland eingeleitet hat. Dies stellt eine bedeutende Entwicklung dar, da Putin bisher auf deratige konsequente Vergeltungseskalationen verzichtet hatte, um zu verhindern, dass Zyklen wie der oben beschriebene außer Kontrolle geraten. Putin ist also nicht mehr so vorsichtig.

Diese Änderung in der Vorgehensweise Moskaus ist wohl auf den unbestreitbaren Schaden zurückzuführen, den Selenskyjs 40-tägige Einflusskampagne den russischen Interessen zugefügt hat – ein Schaden, der zwar nicht übertrieben werden sollte, dessen Herunterspielen aber auch unehrlich wäre. Schließlich hatte sich Putin bis dahin aufgrund seiner Befürchtungen, unabsichtlich den Dritten Weltkrieg auszulösen, sehr zurückhaltend verhalten.

Es ist daher abzusehen, dass Russlands Kampagne der „systematischen Schläge“ so lange andauern wird, wie der vom Westen unterstützte „Zermürbungskrieg“ der Ukraine gegen Russland fortgeführt wird, und Russland seine eigenen „Blockaden“ gegen Charkow und Odessa so lange fortführt, wie die durch Drohnen durchgesetzte ukrainische „Blockade“ der Krim anhält. Jede nennenswerte Eskalation seitens der Ukraine – beispielsweise falls ihr gestattet wird, Starlink oder Starshield über ganz Russland einzusetzen – wird daher auch Russland zu einer Eskalation veranlassen. Diese neue Dynamik ist eine direkte Folge von Selenskyis gescheiterter 40-tägiger Einflusskampagne.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Sommerpause

Hervorgehoben

Von der Redaktion – 8. August 2025

Globale Gleichheit legt bis zum 15. September 2025 eine Sommerpause ein. In dieser Zeit stellen wir auf dieser Seite nur ein reduziertes Angebot an neuen Nachrichten, Analysen und Hintergrundinformationen zur deutschen und internationalen Politik zur Verfügung.

Die von Selenskij angeordnete 40-Tage-Operation hat den Krieg weiter eskaliert

Von Florian Rötzer – 6. August 2026

Brennendes Lagergebäude in Kiew nach einem Angriff. Bild: kv.dsns.gov.ua/

In der Nacht vom 4. auf den 5. August haben die russischen Truppen Kiew und die Umgebung erneut angegriffen. Nach ukrainischen Angaben wurden 115 Drohnen, von denen 98 abgewehrt werden konnten, und 24 Raketen, davon vier Zirkon, eingesetzt, die alle ihr Ziel erreichten. Der ukrainischen Seite fehlen die Abfangraketen, vor allem Patriot-Raketen, die weder die USA noch europäische Länder liefern. Das zeigt auch, dass die europäischen Länder keine eigenen Raketenabwehrsysteme besitzen.

Das russische Ve4rteidigungsministerium erklärte, dass „Transport-, Logistik- und Distributionszentren“ angegriffen wurden, die auch militärischen Zwecken dienen sollen, beispielsweise zur Lagerung und Verteilung von Drohnenteilen oder Dual-use-Gütern. Überdies seien drei Frachtschiffe südlich von Odessa angegriffen worden, die Waffen und militärisches Material des ukrainischen Militärs transportiert hätten. Das geschah vermutlich in Reaktion auf ukrainische Angriffe auf russische Schiffe im Schwarzen Meer.

Aber es liegt auf der Hand, dass diese Angriffe auf zumindest auch wichtige zivile Logistikzentren, die auch Menschenleben forderten, eine Reaktion auf die ukrainischen Angriffe auf Logistikzentren  des Onlinehändlers Wildberries war. Seit Mitte Juli griffen ukrainischen Truppen mit Drohnen nicht nur vornehmlich Raffinerien und andere Ziele der Energieindustrie an, sondern Selenskij wollte mit der Ausweitung des Krieges den Krieg in den Alltag der russischen Menschen bringen, damit der Druck auf Putin wachsen sollte, diesen zu beenden. Vorangegangen waren russische Angriffe auf den privaten ukrainischen Lieferkonzern Nova Poshta

Selenskij behauptete nicht sonderlich glaubhaft, dass sich in den Lagerhäusern keinerlei militärische Güter befinden und sie „keinen Bezug zum Krieg“ hätten, zumal er ukrainische Angriffe auf Lagerhäuser von Wildberries, ebenfalls damit begründet hatte, dass der Onlinehändler auch das Militär beliefern würde. Vermutlich sind die Truppen auf beiden Seiten auf private Lieferdienste angewiesen.

Ende Juni hatte Selenskij mit dem damaligen SBU-Chef Yevhenii Khmara, der nach der Entlassung von Fedorov Mitte Juli nur amtierender, weil nicht ziviler wie von der Verfassung vorgesehen Verteidigungsminister wurde, eine vierzigtägige Operation beschlossen, um „Druck auf den Aggressorstaat auszuüben und ihn zum Kriegsende zu zwingen“. Die Ukraine schien im Drohnenkrieg gerade Oberhand zu gewinnen, das sollte ausgenutzt werden, um eine massive Offensive im Drohnenkrieg zu fahren.

Khamara gilt als einer der zentralen Figuren des Krieges mit Langstreckenwaffen auf das russische Hinterland und war verantwortlich für die spektakuläre Operation Spiderweb. Am 18. Juli starteten die Angriffe auf Wildberries, in Brand gesetzt wurde u.a. das größte Auslieferungslager Elektrostal bei Moskau. Es wurden auch mehrere Menschen getötet. Zur Überwindung der russischen Flugabwehr wird diese mit Drohnenschwärmen überwältigt. Allerdings haben die 40 Tage, die am 4. August endeten, die russische Seite nicht zu Veränderungen gezwungen. Der nach Russland verstärkt transportierte Krieg, die Treibstoff- und Versorgungskrise haben keine Proteste ausgelöst. Die angestiegenen Ölpreise stützen die Kriegswirtschaft. Moskau verfolgt im Augenblick weiter eine militärische Lösung und greift nun nach der von Selenskij verkündeten 40-Tage-Operation die Dual-use-Logistik der Ukraine an, die ähnlich wie Angriffe auf die Energie-Infrastruktur, neuerdings die Tankstellen, alle Menschen in der Ukraine betrifft. Die wirtschaftlichen Folgen hat Michael Silnizki in dem Artikel „Russische Blockade des Schwarzen Meeres“ analysiert.

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