„Wir wollen mit allen Völkern befreundet sein“: Russland darf kein Feind sein!

Von Stefano di Lorenzo – 21. Juni 2026

Diese Menschen hier vor dem Brandenburger Tor setzen ein kleines Zeichen: Russland und Deutschland müssen nicht unbedingt Feinde sein. (Foto: Stefano di Lorenzo, Globalbridge)

Es gibt sie in Deutschland, die Menschen, die sich der Geschichte erinnern und die mit der Russland-feindlichen Politik der jetzigen Regierung nicht einverstanden sind. Am Samstag haben sie es in Berlin gezeigt. (cm)

Am 22. Juni 1941 um 3.15 Uhr morgens begann an mehreren Fronten der Angriff Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion. Es war ein Krieg, der früher oder später kommen sollte, schließlich war der „jüdische Bolschewismus“ schon immer der Erzfeind Hitlers und seiner Nazi-Verbündeten gewesen. Der Nichtangriffspakt zwischen Nazideutschland und der Sowjetunion von 1939 erwies sich als nichts anderes als ein taktischer Schachzug, um einen unvermeidlichen Krieg hinauszuzögern.

Am Samstag, 20. Juni, anlässlich des 85. Jahrestags des Beginns der Operation Barbarossa versammelten sich in Berlin etwa 700 Menschen vor dem Brandenburger Tor unter dem Motto „Russland ist nicht unser Feind“. Zwei Stunden an einem sehr schwülen Nachmittag zu Beginn des Sommers, der nur kurz durch ein paar vereinzelte Regentropfen eines angekündigten, aber letztendlich ausbleibenden Regengusses erfrischt wurde.

Christiane Reymann ist Journalistin. Sie ist diejenige, die den Impuls zu dieser Veranstaltung gegeben hat. Sie eröffnet die Kundgebung mit einer eindringlichen und bewegenden Rede. Es geht um historische Verantwortung und auch um die Notwendigkeit, dass sich so etwas nicht wiederholt: „Vor 85 Jahren begann im Namen Deutschlands ein Morden, wie es die Welt noch nie gesehen hatte. Auf dem Russlandfeldzug hat Deutschland seinen Anspruch, eine Kulturnation zu sein, verwirkt.“ 

Auf der Bühne erinnert Christiane Reymann an den Vernichtungskrieg des nationalsozialistischen Deutschlands: „Wir wollen, dass das Massenverbrechen Deutschlands in der Sowjetunion endlich auch von der Bundespolitik als Völkermord anerkannt wird!“ Es handelt sich nicht nur um müßige Sorgen für Berufshistoriker, sondern um eine von der Zeit diktierte Notwendigkeit: „Der große Mantel des Vergessens ist die Vorbereitung darauf, die Geschichte umzuschreiben.“

Die Sowjetunion, sagt Reymann, habe gezeigt, dass eine andere Art der gesellschaftlichen Organisation möglich war, wenn auch nur für kurze Zeit: „Unsere Eliten verzeihen Russland nicht, dass die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg Deutschland besiegt hat. Sie verzeihen nicht, dass die Sowjetunion und andere gezeigt haben, dass eine Gesellschaft möglich ist, die nicht allein auf Profit aufgebaut ist.“

Am Ende der Rede ein Appell, bei dem die Rednerin fast Mühe hat, ihre Emotionen im Zaum zu halten: „Die Russen ehren ihre gefallenen Rotarmisten mit der Musik eines Deutschen. Das ist Großmut. Und wir können uns dankbar zeigen und tapfer wehren gegen Russenhass und Kriegsvorbereitungen gegen Russland. Russland ist nicht unser Feind!“

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Drei politisch heikle Kursänderungen könnten Russlands Image in den Augen der Polen schlagartig verbessern

Von Andrew Korybko – 21. Juni 2026

Dazu gehören die Rückgabe polnischer Militärsymbole an den Kriegsfriedhof von Katyn; die Einleitung einer umfassenden PR-Kampagne zu Russlands Haltung gegenüber Katyn, die die Beendigung jeglichen historischen Revisionismus‘ in dieser Frage innerhalb seines „globalen Medienökosystems“ beinhaltet; sowie die Verlegung von Denkmälern der Roten Armee aus Polen.

Die Entziehung der höchsten polnischen Auszeichnung – des Ordens des Weißen Adlers – durch den polnischen Präsidenten Karol Nawrocki gegenüber Selenskyj wegen dessen staatlicher Verherrlichung der Täter der OUN-UPA im Zusammenhang mit dem Volhynien-Völkermord veranlasste andere ukrainische Amtsträger und die berüchtigten Trollfabriken ihres Landes dazu, Polen auf X heftig anzugreifen. Diese Angriffe waren so massiv, dass ein Abgeordneter der hartgesottenen antirussischen konservativen Oppositionspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) zu dem Schluss kam, dass die Ukrainer die Polen mehr hassen als die Russen.

Mit den Worten von Kazimierz Smoliński: „Die Kommentare über Polen unter Selenskys Beitrag sind erschreckend. Der Hass einiger Ukrainer auf Polen ist erschütternd. Es sieht so aus, als würden sie uns mehr hassen als die Russen. Wie schnell haben sie vergessen, dass sie unter anderem deshalb existieren, weil wir ihnen geholfen haben und weiterhin helfen.“ Dieses in Polen wachsende Bewusstsein bietet Russland die Chance, sein Image in den Augen der Polen sofort zu verbessern, sofern es den Willen hat, drei politisch schwierige Kursänderungen umzusetzen.

Die erste besteht darin, die polnischen militärischen Symbole auf den Kriegsfriedhof von Katyn zurückzubringen, nachdem sie Ende letzten Jahres entfernt worden waren – angeblich aus technischen Gründen, was damals als asymmetrische Reaktion auf die Schließung des russischen Konsulats in Danzig durch Polen interpretiert wurde. Dies steht im Einklang mit dem, was der polnische Populist Grzegorz Braun bereits in seinem offenen Brief an den russischen Außenminister Sergej Lawrow vorgeschlagen hatte. Die zweite politische Maßnahme baut auf der ersten auf und besteht in einer umfassenden PR-Kampagne über Russlands Haltung zu Katyn.

Die Polen sollten daran erinnert werden, dass die ehemalige Sowjetunion und die Russische Föderation für dieses Verbrechen Buße getan haben, indem sie die Schuld der UdSSR [unter Stalin; die Red.] eingestanden, Archivdokumente freigegeben haben, die dies belegen – nachdem sie jahrzehntelang die Nazis dafür verantwortlich gemacht hatten –, und sogar Putin selbst Spekulationen über Stalins Motive dafür angestellt hat. Parallel dazu sollte die Ausstellung der Russischen Militärhistorischen Gesellschaft zum Thema „Zehn Jahrhunderte polnischer Russophobie“, die die Geschichte umschreibt, indem sie den Nazis die Schuld an diesem Verbrechen zuschreibt, niemals wieder auf dem Katyn-Kriegsfriedhof gezeigt werden.

Ebenso sollte jeglicher Katyn-Revisionismus innerhalb des „globalen Medienökosystems“ Russlands ein Ende finden, und diejenigen, die ihn weiterhin vorantreiben, sollten darüber informiert werden, dass der Staat keine weiteren Beziehungen zu ihnen unterhalten wird. Die letzte politische Maßnahme ist politisch am schwierigsten, würde jedoch bei der überwiegenden Mehrheit der Polen einen bleibend positiven Eindruck hinterlassen: Russland muss – sei es auf Kosten der Steuerzahler oder eines wohlhabenden Unternehmers – dafür aufkommen, alle Denkmäler der Roten Armee aus Polen zu entfernen, da diese dort als „Symbole der Besatzung“ angesehen werden.

Dies würde keine Zustimmung zu Polens historischer Darstellung bedeuten, sondern wäre ein pragmatischer Schritt, um das zu retten, was noch übrig ist, anstatt alles unweigerlich zerstören zu lassen. In Moskau könnte sogar ein Ort ausgewiesen werden, an dem Russen all diese verlegten Denkmäler besichtigen könnten. Das übergeordnete Ziel dieser drei vorgeschlagenen politischen Maßnahmen besteht darin, den Polen zu vermitteln, dass der russische Staat sie nicht so hasst wie der neue anti-polnische ukrainische Staat, um den Prozess der Wiederherstellung der zwischenmenschlichen Beziehungen in Gang zu setzen.

Polen und Russland sind auf staatlicher Ebene seit Jahrtausenden Rivalen, doch keines ihrer Völker trägt kollektiv die Schuld für das, was ihre früheren Staaten dem jeweils anderen in der Vergangenheit angetan haben. Indem Russland die moralische Überlegenheit einnimmt, kann es sich unvergesslich von der Ukraine abheben, deren „Helden“ unter der falschen Prämisse der Kollektivschuld über 100.000 Polen einem Völkermord unterzogen haben. Noch schlimmer ist, dass Kiew Warschau nicht erlaubt, die Opfer zu exhumieren, ordnungsgemäß zu bestatten und ihrer zu gedenken, obwohl es Berlin gestattet, dies für über 100.000 gefallene Nazis zu tun, was eine Schande ist.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Ukrainekrieg vor der Eskalation mit Belarus?

Von Jochen Mitschka – 21. Juni 2026

Bild: tkp

Selenskyj hat vor wenigen Tagen ein einwöchiges Ultimatum an Lukashenko gestellt: Demontieren Sie die Grenzrelaisstationen, die angeblich russische Drohnen leiten und liefern sie keine Ölprodukte an Russland … oder die Ukraine wird sie angreifen.  Aber der belarussische Präsident kann unmöglich auf dieses Ultimatum eingehen.

Während Selenskyj dies als angeblichen Schutz der Zivilbevölkerung dargestellt, birgt dieser Schachzug die Gefahr, Belarus in einen vollständigen Krieg hineinzuziehen und eine gefährliche neue nördliche Front zu eröffnen. Es folgt dem schrittweisen Eskalationsschauspiel, das im RAND-Papier „Extending Russia“ detailliert wird – russische Streitkräfte in Europa binden, damit die USA sich auf China konzentrieren können. Das Script hat sich noch lange nicht geändert, sagen einige Beobachter.

Europas globalistische Eliten weigern sich, jede Niederlage hinzunehmen, und sehen Russland und den Iran als Sprungbretter für den größeren Zusammenstoß mit China. Und Selenskyjs Überlebensstrategie ist es, die NATO zum Krieg gegen Russland zu bewegen, Tod und Zerstörung auf ganz Europa auszudehnen. So zumindest die Meinung im Globalen Süden.

Sicher ist, dass die Risiken eines erweiterten Krieges und einer direkten Konfrontation zwischen Europa und Russland mit einem Eintritt Weißrusslands in den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine außer Kontrolle geraten.

Zunächst noch mal die Details

Am 19. Juni erklärte Selenskyj bei einer Pressekonferenz mit dem honduranischen Präsidenten Nasry Asfura, Belarus habe eine Woche Zeit, um Relaisstationen auf Grenztürmen in zwei Regionen abzubauen, die nach ukrainischen Angaben russische Drohnenangriffe auf Zivilgebiete steuern – andernfalls werde die Ukraine sie selbst ausschalten. Er begründete die Frist damit, dass täglich Zivilisten sterben und Kinder verletzt werden. Zusätzlich forderte er Belarus auf, seine Treibstofflieferungen einzustellen, die der russischen Armee zugutekommen, da Belarus einer der Hauptlieferanten der russischen Streitkräfte sei. Bemerkenswert: Nur drei Tage zuvor, am 16. Juni, hatte sich Lukaschenko in einem Interview mit Al Arabiya noch für frühere scharfe Äußerungen gegenüber Selenskyj entschuldigt und betont, von Belarus gehe „absolut nichts“ für die Ukraine zu befürchten. Nach dem Ultimatum drohte er dagegen mit einem Gegenschlag auf ein „sehr wichtiges“ Ziel in der Ukraine. Die Tonlage hat sich also innerhalb weniger Tage deutlich verschärft.

Schauen wir uns die verschiedenen Sichtweisen auf diese Entwicklung an

Die ukrainische/westlich-sicherheitspolitische Lesart: Selbstverteidigung mit klarer Adresse

Aus Kyjiws/Kiews Sicht ist das Ultimatum keine Aggression, sondern die öffentliche Markierung einer roten Linie gegen eine Infrastruktur, die de facto im Kriegsgeschehen genutzt wird. Die Argumentation: Wenn Belarus seit 2022 russisches Territorium für Angriffe zur Verfügung stellt, russische Atomwaffen und Militärinfrastruktur beherbergt und Bauteile für die russische Rüstungsindustrie liefert, dann ist die Behauptung Lukaschenkos, sein Land sei nicht in den Krieg involviert, in den Augen Kyjiws unglaubwürdig. Selenskyj hatte bereits Anfang Mai erklärt, die Ukraine sei zu „präventiven“ Maßnahmen bereit, falls sich militärische Bedrohungen aus dem Norden konkretisieren. In dieser Lesart ist das Ultimatum kalkuliert eng gefasst – es zielt auf konkrete technische Infrastruktur (Relaisstationen), nicht auf eine Invasion, und lässt Lukaschenko bewusst einen Ausweg, der ihm erlauben würde, sein Land formal aus dem Krieg herauszuhalten.

Die Frage ist, was, wenn diese Ansicht richtig sein sollte, mit den NATO-Ländern ist, welche ähnlich und noch weit darüber hinaus, für die Ukraine Leistungen erbringen.

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Selenskys Ultimatum an Lukaschenko gibt Putin die Chance, die Abschreckung wiederherzustellen

Von Andrew Korybko – 20. Juni 2026

Russland kann nicht zulassen, dass die von den USA unterstützte Ukraine ungestraft Belarus angreift, da es sonst riskiert, seinen engsten Verbündeten zu verlieren – sei es durch Zerstörung oder durch Lukaschenkos „Überlaufen“ zum Westen; beide Szenarien würden das strategische Kräfteverhältnis im Ukraine-Konflikt zu Russlands größtem Nachteil verschieben.

Selenskyj gab dem belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko eine Woche Zeit, um Luftabwehrsysteme und Drohnen-Relaisstationen entlang ihrer gemeinsamen Grenze zu entfernen, ansonsten werde die Ukraine dies für ihn tun. Dies geschieht vor dem Hintergrund wachsender Spannungen, die seit dem Frühjahr brodeln, nachdem Selenskyj andeutete, die Ukraine könne Lukaschenko festnehmen, so wie die USA Maduro gefangengenommen hatten – unter dem Vorwand, einer angeblich unmittelbar bevorstehenden belarussischen Invasion der Ukraine zuvorzukommen. Dies ähnelt stark der Krise der Beiden Länder vom Sommer 2024, über die Leser hier, hier und hier mehr erfahren können.

Der entscheidende Unterschied zwischen damals und heute besteht jedoch darin, dass der Westen und die Ukraine keinen Respekt mehr vor Russlands „roten Linien“ haben, nachdem Putins edle Bemühungen, einen gefährlichen Eskalationszyklus abzuwenden, der unbeabsichtigt zum Dritten Weltkrieg führen könnte, von ihnen als „Schwäche“ missverstanden wurden. Als vollendeter Pragmatiker projizierte Putin seine eigenen Überlegungen auf sie und ging daher davon aus, dass sie innehalten würden, sobald ihnen klar würde, dass sie mit dem Feuer spielen – doch das einzige, was geschah, war, dass sie Russlands Abschreckung nicht mehr ernst nehmen.

In den vergangenen zwei Jahren ist die Ukraine in die russische Region Kursk eingedrungen, hat die „Operation Spiderweb“ gegen die nukleare Triade Russlands durchgeführt, versucht, Putin in seiner Residenz in Valdai zu ermorden, hat mit Langstrecken-Drohnenangriffen auf Sankt Petersburg begonnen (von denen viele vermuten, dass sie den baltischen Luftraum durchqueren) und kürzlich auch auf Moskau, und Trump bereitet sich nun darauf vor, „zu eskalieren, um zu deeskalieren“, nachdem er bei Putin noch mehr „Schwäche“ als je zuvor gespürt hat. Dies hat eine scharfe Reaktion seitens führender russischer Vordenker ausgelöst.

Der führende Falke Sergej Karaganow beharrt weiterhin auf einem Erstschlag gegen Europa, zunächst mit konventionellen Waffen und dann mit Atomwaffen, falls diese zurückschlagen, um die Abschreckung wiederherzustellen, obwohl Putin Anfang Juni erklärte, dass solche Äußerungen „nicht einfach nur Unsinn sind; sie sind eine Provokation“. Unterdessen warnte der ehemalige russische Top-Spion Andrey Bezrukov, dass der Westen versuche, „den Frosch zu kochen“, wobei eines ihrer Ziele darin bestehe, die russischen Nuklearstreitkräfte zu neutralisieren. Er forderte Russland auf, nicht mehr so „nett“ zu seinen Feinden zu sein und endlich seine „roten Linien“ durchzusetzen.

Selenskyjs Ultimatum an Lukaschenko gibt Putin die Chance, die Abschreckung endlich wiederherzustellen. Weißrussland ist Russlands Verbündeter im Rahmen der gegenseitigen Verteidigung, und beide Länder beteiligen sich am Projekt des Unionsstaates. Darüber hinaus verfügt Russland in Weißrussland auch über Hyperschallraketen vom Typ „Oreshnik“ sowie taktische Atomwaffen, die genau zu Abschreckungszwecken stationiert wurden. Wie Putin selbst im September 2024 erklärte: „Wir behalten uns das Recht vor, im Falle einer Aggression gegen Russland und Weißrussland als Mitglied des Unionsstaates Atomwaffen einzusetzen.“

Dementsprechend könnte Putin Lukaschenko raten, Selenskys Ultimatum zurückzuweisen, und versprechen, dass Russland im Falle eines Angriffs auf Weißrussland Vergeltungsmaßnahmen gegen die Ukraine ergreifen wird, indem es den ersten Kampfeinsatz der „Oreshniks“ genehmigt (Putin stellte kürzlich klar, dass frühere Einsätze dieser Raketen in der Ukraine Testzwecken dienten). Sollte die Aggression der Ukraine gegen Weißrussland erheblichen Ausmaßes sein – etwa wenn Kiew die 500 Ziele angreift, von denen ein hochrangiger Drohnenkommandeur Ende letzten Monats behauptete, sie seien dort identifiziert worden –, könnte Russland stattdessen mit taktischen Atomwaffen zurückschlagen.

Russland kann nicht zulassen, dass die von den USA unterstützte Ukraine ungestraft Belarus angreift, da es sonst riskiert, seinen engsten Verbündeten zu verlieren – sei es durch Zerstörung oder durch Lukaschenkos „Überlaufen“ zum Westen; jedes dieser Szenarien würde das strategische Kräfteverhältnis im Ukraine-Krieg zu Russlands größtem Nachteil verschieben. Putin muss daher endlich die Abschreckung wiederherstellen oder riskiert das Worst-Case-Szenario in diesem Stellvertreterkrieg. Der Ausgang des Konflikts ist noch lange nicht entschieden, doch das könnte sich je nach seinem Handeln schlagartig ändern.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Selenskij droht Belarus mit Angriff und setzt ein Ultimatum

Von Florian Rötzer – 20. Juni 2026

Durch einen [ukrainischen] Drohnenangriff auf einen Bus mit belarussischen Kindern in der Region Brjansk verstärkt sich der Konflikt zwischen der Ukraine und Belarus. Bild: belta.by

Am 4. Juni hatte der ukrainische Präsident Selenskij einen offenen Brief an den russischen Präsidenten Putin geschrieben, indem er diesen zu direkten Gesprächen mit ihm aufforderte. Den Brief zu veröffentlichen, war schon ein Zeichen, dass es Selenskij nicht um Diplomatie ging. Der ganze Brief zeugte davon, dass Selenskij sich auf der Siegerseite sieht und die Russen im Niedergang. Entsprechend machte er Putin nieder und wiederholte die seit einiger Zeit laufende Kampagne der ukrainischen Überlegenheit. Am Schluss schrieb er etwas gönnerhaft:

„Wenn Sie nicht selbst zu dem Schluss kommen, dass es an der Zeit ist, diesen Krieg zu beenden, wird die Ukraine weiter um ihre Existenz kämpfen. Wir werden diejenigen haben, die uns unterstützen. Aber auch Sie werden viel härter um Ihre eigene Existenz kämpfen müssen – nicht um die Russlands, sondern um Ihre eigene. Und das ist keine Drohung von mir oder von der Ukraine. Es ist eine Tatsache der russischen Geschichte, die Sie nur zu gut kennen: Wenn Russland müde wird, kommt der Wandel.“

Natürlich wusste man in Kiew, dass Putin auf diesen Brief nicht reagieren und er ihn als unverschämt betrachten würde. Man muss davon ausgehen, dass die Selenskij-Regierung dies auch wollte, um vorzugeben, für einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen einzustehen, aber eigentlich den Krieg mit den europäischen Verbündeten fortsetzen zu wollen. Das kristallisierte sich als Muster des mit den europäischen Unterstützer- oder Kriegsparteienstaaten gemeinsamen Vorgehens heraus, zu dem auch die Drohnen-Angriffe auf die Energie-Infrastruktur Russlands in St. Petersburg, Moskau und anderen weit von der Grenze zur Ukraine entfernten Orten gehören. Die Luftabwehr beider Seiten wird überwältigt von massenhaften Drohnenangriffen, es kann nicht verhindert werden, dass einige durchdringen und ihr Ziel erreichen. Die Unterstützerstaaten haben die weitreichenden Drohnenangriffe auf zivile Infrastruktur, gemeinsam mit Donald Trump, auch zuletzt auf dem G7-Gipfel begrüßt und sind auch nicht auf die vermutlich gezielten ukrainischen Angriffe kürzlich auf einen Bus und eine Schule eingegangen, durch die acht bzw. 32 Menschen starben. Das war kurz vor dem Brief an Putin geschehen (Deep Strikes und vermehrte zivile Opfer auf beiden Seiten eskalieren den Krieg).

Dabei wurde auch auf angeblich direkte Angriffe auf zivile und kulturell wichtige Orte wie das Höhlenkloster in Kiew verwiesen. Dessen Dach wurde wahrscheinlich durch herabfallende Teile von Drohnen oder von Abfangraketen in Brand gesetzt, aber suggeriert und vielfach von Medien übernommen wurde, es habe sich um einen beabsichtigten Angriff auf die ukrainische Kultur und Identität gehandelt. […] Drohnenangriffe auf Zivilisten und zivile Fahrzeuge werden [mutmaßlich; die GG-Red.] von beiden Seiten durchgeführt. So wurde etwa nach ukrainischen Berichten ein Sanitätsfahrzeug und ein Bus am 16. Juni in Cherson von russischen Drohnen angegriffen. Berichtet wurde von einem Toten und sechs Verwundeten.

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Fake-News-Alarm: Russland hat die Kiewer Höhlenkloster nicht ins Visier genommen

Von Andrew Korybko – 20. Juni 2026

Die Wahrscheinlichkeit, dass Putin ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als sich die westlichen Staats- und Regierungschefs beim diesjährigen G7-Gipfel trafen, plötzlich seine tiefe Überzeugung aufgab, dass Russen und Ukrainer ein Volk seien, und beschloss, eine der heiligsten Stätten des orthodoxen Christentums zu zerstören, dann aber aus unerklärlichen Gründen scheiterte, ist gleich null.

Die Ukraine behauptete, der jüngste Brand in der Kiewer Höhlenlawra, einem der heiligsten Orte des orthodoxen Christentums, sei das Ergebnis eines gezielten russischen Angriffs auf die Anlage gewesen. Ein kurzer Blick auf die Schäden zeigt jedoch, dass diese entweder durch eine fehlgeleitete US-Patriot-Rakete (die laut dem russischen Verteidigungsministerium möglicherweise abgelaufen war) oder durch Trümmer einer abgefangenen russischen Rakete verursacht wurden. Russland hatte an diesem Tag militärische Ziele in Kiew getroffen, sodass beide Szenarien plausibel sind, wenn auch das erste eher als das zweite.

Unabhängig davon, welche dieser beiden Versionen man für wahr hält, bleibt die Tatsache bestehen, dass ein direkter Treffer durch eine russische Rakete, die – wie von der Ukraine behauptet – absichtlich auf die Kiewer Höhlenkloster-Lawra abgefeuert wurde, alles dort vollständig zerstört und nicht nur für kurze Zeit ein Feuer ausgelöst hätte. Dennoch wurden die dramatischen Bilder vorhersehbar von der Ukraine ausgenutzt, um Russland die Schuld zu geben – zufällig genau zu dem Zeitpunkt, als der jüngste G7-Gipfel in Frankreich stattfand. Das bedeutet jedoch nicht, dass es sich um eine „False-Flag“-Aktion der Ukraine handelt, um Russland die Schuld zu geben.

Schließlich war es das russische Verteidigungsministerium, das berichtete, dass eine möglicherweise defekte US-Patriot-Rakete dafür verantwortlich sei. Der russische Auslandsgeheimdienst hatte weder eine Vorwarnung vor einem bevorstehenden „False-Flag“-Angriff auf die Anlage herausgegeben, noch berichtete er im Nachhinein, dass ein solcher für diesen Vorfall verantwortlich sei. Da also nicht einmal offizielle russische Quellen spekulieren, dass die Ukraine absichtlich einen Teil dieser heiligen Stätte zerstört habe, riskiert jeder, der etwas anderes behauptet, sich selbst zu diskreditieren.

Nachdem nun erläutert wurde, dass weder Russland noch die Ukraine die Kiewer Höhlenkloster-Lawra ins Visier genommen haben, ist es an der Zeit, darauf einzugehen, was die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, dazu zu sagen hatte. Sie wies scharf darauf hin, dass der Westen weder nach dem Bombenanschlag auf das Studentenwohnheim in Starobelsk im letzten Monat etwas gesagt habe, noch als die Polizei im vergangenen Jahr im Rahmen von Selenskyjs Vorgehen gegen die ukrainisch-orthodoxe Kirche die Räumlichkeiten [des Höhlenklosters] durchsuchte.

Das sind stichhaltige Argumente, die den Eindruck verstärken, dass die Empörung des Westens über diesen tragischen Unfall Teil seiner antirussischen Propagandakampagne ist. Wie üblich gingen sie von der Schuld Russlands aus und beleidigten dann die Intelligenz ihres Publikums, indem sie es aufforderten zu glauben, dass ein Volltreffer einer russischen Rakete nur einen relativ begrenzten Brand verursacht habe, anstatt alles zu zerstören. Nur diejenigen, die Russland ohnehin schon zutiefst ablehnen, glauben, dass es verantwortlich war, und schenken dieser plumpen Falsch-Darstellung Glauben.

Alle anderen vermuten wahrscheinlich, dass man sie belügt, auch wenn sie nicht wissen, dasss das russische Verteidigungsministerium erklärt hat, dass eine US-Patriot-Rakete schuld sei. Putin hat seine Streitkräfte in diesen viereinhalb Jahren zurückgehalten, aufgrund seiner aufrichtigen Überzeugung, dass Russen und Ukrainer einander verwandte Völker sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass er seine tiefe Überzeugung gerade dann abrupt aufgegeben hätte, als sich die westlichen Staats- und Regierungschefs beim diesjährigen G7-Gipfel trafen, beschlossen hätte, diese heilige Stätte zu zerstören, und dann aus unerklärlichen Gründen gescheitert wäre, ist gleich null.

Die Erkenntnis aus den Ereignissen in der Kiewer Höhlenkloster-Lawra ist, dass die Ukraine opportunistisch beschlossen hat, Russland für einen offensichtlichen tragischen Unfall verantwortlich zu machen, und ihre westlichen Gönner dies freudig aufgegriffen haben. Nichts davon ist überraschend, aber es ist dennoch unmoralisch angesichts der religiösen Implikationen, die mit Lügen darüber verbunden sind, wie diese heilige Stätte beschädigt wurde – weshalb Russland der Ukraine nicht im Gegenzug vorgeworfen hat, dies absichtlich getan zu haben.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Russland gewinnt Prozess um die Gewässer der Krim, aber die westlichen Medien schweigen

Von Boris Roschin (Übersetzung: Thomas Röper) – 20. Juni 2026

Russland hat gegen die Ukraine vor dem Ständigen UN-Gerichtshof in Den Haag einen Prozess um die Rechte an den Gewässern um die Krim und das Asowsche Meer gewonnen, der de facto auch Russlands Rechte an der Krim selbst anerkennt. So viel zur angeblichen Annexion. Und natürlich berichten westliche Medien darüber nicht.

Dass Russland vor dem Ständigen UN-Gerichtshof in Den Haag einen Prozess gegen die Ukraine um die Rechte an den Gewässern um die Krim und das Asowsche Meer gewonnen hat, konnte man in Deutschland bisher wohl nur bei RT-DE erfahren. Das nach der UN-Seerechtskonvention eingerichtete Schiedsgericht hat die Klage der Ukraine gegen Russland zurückgewiesen, mit der Kiew faktisch seine Ansprüche auf die Halbinsel Krim durchsetzen wollte, aber der Schuss ging nach hinten los und das Gericht entschied zu Russlands Gunsten, womit es de facto auch die russische Souveränität über die Krim anerkannt hat.

Natürlich hat man davon in deutschen Medien nichts gehört, denn dann müssten die ja einräumen, dass die Krim – laut UN-Gericht – nicht etwa illegal von Russland annektiert, sondern ein legaler Teil Russlands ist. Und natürlich lassen sich die westlichen Medien ihre anti-russischen Lieblingsnarrative nicht nehmen – also verschweigen sie dem deutschen Publikum solche Dinge einfach.

Auch wenn es sich dabei auf den ersten Blick nur um eine juristische Formalität handelt, die natürlich an der Realität, dass die Ukraine mit Unterstützung des Westens die Rückgabe der Krim fordert, hat das Urteil durchaus wichtige Auswirkungen. Welche das sind, hat ein Experte in einem Artikel für die TASS beschrieben, den ich übersetzt habe. […]

Die juristische Front: Wie internationale Gerichte zu Russlands langfristigem Trumpf werden

Boris Roschin über den Kampf um das Schwarze Meer und Moskaus weitere Erfolge vor Gericht sowie darüber, wie das der NATO und Kiew den Boden unter den Füßen entzieht.

Der Ständige Schiedshof in Den Haag hat ein endgültiges Urteil im seit 2016 andauernden Rechtsstreit der Ukraine gegen Russland gefällt. Kiew forderte die Anerkennung seiner Rechte an den Küstengewässern der Krim, einem Teil der Straße von Kertsch und den Ressourcen dieser Gewässer, die derzeit von Russland genutzt werden. Der mehrjährige Prozess wurde von einer intensiven Medienkampagne in der ukrainischen und westlichen Presse begleitet.

Dennoch sind Kiews Versuche, den Status dieser Gewässer anzufechten, vollständig gescheitert, was in der Ukraine äußerst schmerzlich aufgenommen wurde. Das russische Außenministerium bezeichnete die Entscheidung Den Haags bereits als überzeugenden diplomatischen Sieg, der die Rechte Russlands an der Krim und den angrenzenden Meeresgebieten festigt.

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Diplomatische Mätzchen, zwei Selbstdarsteller in Versailles und ein verprellter Bundesrat

Von Ralph Bosshard – 20. Juni 2026

Die Schweizer Presselandschaft gibt sich überrascht und konsterniert: Das Memorandum of Understanding, welches den Krieg zwischen den USA und dem Iran beenden soll, wurde weder in Genf noch auf dem Bürgenstock unterzeichnet, sondern in Versailles, wo US-Präsident Donald Trump nach dem G-7-Gipfel hingeflogen war (1). Und es gab kein Gipfeltreffen zwischen den Staats- bzw. Regierungschefs, sondern ein getrenntes Vorgehen: Donald Trump unterschrieb das Dokument in Papierform während eines feierlichen Abendessens im Schloss Versailles, während die iranische Führung unter Präsident Massud Peseschkian das Abkommen rein digital aus der Ferne unterzeichnete.

Ob Peseschkian aus Verärgerung über israelische Angriffe auf die Hisbollah im Südlibanon nicht nach Versailles anreiste, oder weil er ganz einfach das persönliche Zusammentreffen mit Trump vermeiden wollte, ist unklar (2). Letzteres ist durchaus plausibel: Das Außenministerium in Teheran erklärte, dass eine gemeinsame, physische Zeremonie angesichts des digitalen Verfahrens nicht angebracht sei. Solche Mätzchen erlaubt sich nur, wer sich in der starken Position sieht. Peseschkian wird es so sehen, dass der Iran de facto als Gewinner aus dem Krieg hervorgegangen ist, da die USA ihre erklärten Ziele nicht erreicht und an Einfluss verloren hätten, und dass das Ergebnis für Israel als aufgeschobene, aber absehbare strategische Niederlage zu betrachten sei (3). Die Trump-Administration hingegen verkauft das Memorandum als erfolgreichen Deal zu günstigen Bedingungen. Als erstes stellt sich nun die Frage, welche Einschätzung überzeugender erscheint. Neben vorsichtigem Optimismus dominieren derzeit eher skeptische Einschätzungen (4).

Wenn das Memorandum of Understanding (MoU) so unterschrieben wurde, wie in verschiedenen Medien publiziert, dann darf man wohl von einem Sieg des Iran auf der ganzen Linie sprechen (5). Der Iran soll Reparationen für die erlittenen materiellen Schäden erhalten – obwohl sie im MoU nicht so bezeichnet werden – und von Lockerungen der gegen ihn gerichteten Sanktionen profitieren. Die USA sollen sich auch dafür einsetzen, dass die von der Internationalen Atomenergie-Behörde IAEA und dem UN Sicherheitsrat verhängten Sanktionen gelockert werden. Es ist kaum davon auszugehen, dass sich der UN SC und die IAEA dem Abkommen widersetzen werden, denn sie wollen sicher nicht in die Rolle des Spielverderbers schlüpfen. Eigentlich müssten auch die Europäer mitziehen, denn wichtige Forderungen des Atomdeals JCPOA, den sie vor Jahren abgeschlossen hatten, werden erfüllt werden. 

Ausstrahlungskraft in der Region und darüber hinaus

Der iranische Erfolg wird hohe Ausstrahlung in der Region Nahost/Westasien haben, denn er erzwingt möglicherweise den Abzug von US-Streitkräften aus der Region. Im Irak waren diese schon seit längerem nicht mehr erwünscht gewesen. Das irakische Parlament hatte schon am 5. Januar 2020 in einer Sondersitzung den Abzug der US-amerikanischen Truppen gefordert. Auslöser war der Mord am iranischen General Qasem Suleimani und an einem irakischen Milizenführer durch US-Drohnen nahe Bagdad zwei Tage zuvor gewesen. Das Parlament verpflichtete die irakische Regierung damals, die Präsenz aller ausländischen Truppen auf irakischem Boden zu beenden und die Nutzung des irakischen Luftraums zu verbieten. Schon zuvor, im März 2018, war ein ähnlicher Parlamentsbeschluss gefasst worden, der einen konkreten Zeitplan für den Abzug ausländischer Streitkräfte verlangte. Jahrelange Verhandlungen führten schließlich zu einem Plan für die schrittweise Reduktion der US-Militärpräsenz (6).

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Der Iran und die »longue durée« der Geschichte

Vom Patrick Lawrence – 20. Juni 2026

Unser [Globalbridge] Kolumnist aus den USA, Patrick Lawrence, macht sich Gedanken, wie die neuste Niederlage der USA geschichtlich einzuordnen ist. Noch ist nicht alles klar, da die USA noch nie eine Niederlage eingestanden haben. (cm)

Nun, da die Islamische Republik und die Vereinigten Staaten ein vorläufiges Abkommen unterzeichnet haben (digital, ohne Zeremonie), schweifen meine Gedanken – meine amerikanischen Gedanken, wie ich wohl anmerken sollte – zurück zu einigen bedeutsamen Ereignissen der Nachkriegszeit. Das eine ist die chinesische Revolution, als Mao am 1. Oktober 1949 die Rote Armee nach Peking führte und die Volksrepublik ausrief. Das andere ereignete sich am 30. April 1975, als die Volksarmee Vietnams und der Vietcong die südvietnamesische Hauptstadt einnahmen und die letzten Amerikaner mit Hubschraubern vom Dach der US-Botschaft abflogen. Letzteres wird gemeinhin als „Fall von Saigon“ bezeichnet. Wer die longue durée der Geschichte versteht, wird „den Aufstieg von Saigon“ als den zutreffenderen Begriff erkennen. 

Es ist aufschlussreich, diese beiden weltgeschichtlichen Wendepunkte zu betrachten, jetzt, da Teheran und Washington eine Vereinbarung getroffen haben, die den im April vereinbarten, gescheiterten Waffenstillstand um weitere 60 Tage verlängert. Sie lassen erahnen – hoffentlich zum Guten, doch ich befürchte das Schlimmste –, was während und nach diesen nächsten zwei Monaten detaillierterer Gespräche, die zu einer umfassenden Einigung zwischen den Iranern und den Amerikanern führen sollen, zu erwarten ist.

Die Vorzüge der soeben unterzeichneten Absichtserklärung sind, soweit ich das beurteilen kann, zweierlei:

Erstens werden die meisten der großen offenen Fragen zwischen der Islamischen Republik und den Vereinigten Staaten aufgeschoben. Die Trump-Regierung hätte es andernfalls nicht unterzeichnen können. Auch wenn ich die Chance auf ein dauerhaftes Friedensabkommen als gering einschätze, eröffnet sich immerhin die Möglichkeit eines solchen Ergebnisses. 

Zweitens stellen selbst die rudimentären Bedingungen, die in der soeben unterzeichneten Absichtserklärung festgelegt sind, eine dramatische Kapitulation seitens der Amerikaner dar. Viele bezeichnen das Memorandum als „Katastrophe“, „sehr schlechtes Abkommen“ oder gar „Schande“. Meine Ansicht steht im krassen Gegensatz zu all diesen Interpretationen. Indem es die Souveränität des Iran, seine völkerrechtlichen Rechte, seine Ansprüche auf seit langem eingefrorene Vermögenswerte und die Gerechtigkeit eines von den USA finanzierten Wiederaufbauprogramms in der einen oder anderen Form anerkennt, dient das Memorandum dieser angegriffenen Nation, die es verdient hat, und vereitelt die Ziele ihres Angreifers. 

Es ist an der Zeit, so möchte ich sagen, zu dem Schluss zu kommen, dass die USA zusammen mit Israel, ihrem speerführenden Verbündeten, diesen Krieg verloren haben und dass – was am wichtigsten ist – es niemals anders kommen konnte. Der Sieg des Iran spiegelt klar und symmetrisch den Aufstieg des Nicht-Westens als (vielseitigen) Machtpol wider – dies ist die longue durée, wie wir sie im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts erleben.

Was könnte die Vergangenheit – Amerikas Vergangenheit in solchen Angelegenheiten – darüber aussagen, was die Zukunft bereithält?

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Ein Artikel von Außenminister Lawrow für das europäische Publikum

Von Thomas Röper – 19. Juni 2026

Die europäische Ausgabe von Politico hat sich mit dem russischen Außenministerium darauf geeinigt, exklusiv einen Artikel des russischen Außenministers Sergej Lawrow zu veröffentlichen, es sich dann aber in letzter Minute anders überlegt. Also veröffentlicht der Anti-Spiegel den Artikel.

Ich sage immer wieder, dass das größte Problem darin besteht, dass westliche Medien russische Politiker nicht korrekt zitieren, sondern entweder kurze Fetzen aus dem Zusammenhang reißen oder einfach nur schreiben, was die russische Regierung angeblich gesagt haben soll. Diese Zensur im Westen kann man seit Jahren beobachten, und nun gibt es ein neues Beispiel dafür, denn die europäische Ausgabe von Politico hat sich mit dem russischen Außenministerium darauf geeinigt, exklusiv einen Artikel des russischen Außenministers Lawrow zu veröffentlichen, es sich dann aber in letzter Minute anders überlegt und die Veröffentlichung abgesagt hat.

Wie groß das Interesse an den Originalaussagen der russischen Führung in Deutschland ist, erlebe ich täglich. Es begann 2018 mit meinem ersten Buch über Putin, das zu etwa der Hälfte aus ausführlichen Putin-Zitaten zu allen damals relevanten Themen der Außenpolitik bestand. Obwohl ich damals noch komplett unbekannt und der Anti-Spiegel ein Portal mit nur ein paar hundert Lesern war, wurde das Buch ein Bestseller und stand wochenlang bei Amazon an der Spitze der Bücher der Rubriken Politik etc. Das zeigte, wie groß das Interesse in Deutschland daran war, einmal im Original und ungefiltert zu erfahren, was Putin tatsächlich zu den aktuellen Themen sagt.

In dem Buch habe ich geschrieben, dass ich von niemandem erwarte, ein Putin-Freud zu werden. Aber um zu entscheiden, wie man über Putins Politik denkt, muss man erst einmal erfahren, was Putin tatsächlich sagt und tut. Aber genau das verhindern die deutschen und europäischen Medien mit ihrer Zensur.

Da das gleiche auch für den russischen Außenminister Lawrow gilt, habe ich seinen Artikel, der exklusiv für Politico gedacht war, und nun auf der Seite des russischen Außenministeriums veröffentlicht wurde, übersetzt.

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