52./53. Tag im Angriffskrieg Israels und der USA gegen den Iran – Tagesbericht

Von Jochen Mitschka – 21. April 2026

Der vorgestrige Tag war erfüllt mit Drohungen der USA und Israel gegen den Iran und mit Waffenstillstandsverstößen bzw. Zerstörungen von Dörfern durch die IDF im Süden des Libanon. Am Abend schließlich verkündete der Iran nicht an nächsten Gesprächen mit den USA teilnehmen zu wollen, solange durch die Blockade der iranischen Häfen gegen den Waffenstillstand verstoßen wird, und dass auch die Straße von Hormus so lange gesperrt bleiben wird. Was in der Nacht und am 20. und 21. April im Nahen Osten in dieser Krise passierte nun in diesem Artikel.

Gestern, am Montag, dem 20. April 2026, und heute, am Dienstag, dem 21. April 2026, blieb der Konflikt zwischen Israel und dem Libanon (sowie die Spannungen mit dem Iran) im Rahmen eines fragilen Waffenstillstands, der seit dem 16./17. April gilt und bis zum 22. April laufen soll. Es gab keine großflächigen neuen Angriffe, aber anhaltende militärische Aktivitäten Israels im Südlibanon und diplomatische sowie maritime Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran. Der Fokus lag auf der Eroberung , israelischer Positionen im Libanon und auf Vorbereitungen für weitere Verhandlungen.

Ebenfalls gestern veröffentlichte die israelische Armee (IDF) eine Karte ihrer neuen „Forward Defence Line“ (auch „Yellow Line“ genannt) im Südlibanon und warnte die Bewohner ausdrücklich, nicht in die betroffenen Gebiete zurückzukehren. Ähnlich wie in Gaza droht Israel jeden zu erschießen, der die gelbe Linie überschreitet. Damit hält die IDF weiterhin Positionen bis zu sechs Kilometer tief im libanesischen Territorium und zerstört systematisch Viertel in Grenzdörfern, um die Rückkehr der Bewohner unmöglich zu machen, wie schon in der Nabka 1948 praktiz9iert. In Bint Jbeil im Südlibanon meldete die IDF den Tod mehrerer „Terroristen“. Die Hisbollah wiederum zündete einen Sprengsatz gegen einen israelischen Militärkonvoi nahe Deir Siriane. Trotz des Waffenstillstands bezeichnete Israel diese Aktionen als „Selbstverteidigung gegen Bedrohungen„.

Gleichzeitig bestätigten die USA gestern eine zweite Runde direkter Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon, die für Donnerstag (23./24. April 2026) im US-Außenministerium in Washington geplant sind. Der libanesische Präsident Joseph Aoun ernannte den ehemaligen Botschafter Simon Karam als Verhandlungsführer und erklärte in einer Fernsehansprache: „Diese Verhandlungen sind keine Schwäche. Sie sind kein Rückzug. Sie sind kein Zugeständnis. Sie sind eine Entscheidung, die aus der Stärke unseres Glaubens an unsere Rechte und unserer Sorge um unser Volk erwächst.“ Die Hisbollah lehnte die Gespräche hingegen ab. Das US-Außenministerium begrüßte die Fortsetzung: „Die Vereinigten Staaten begrüßen den produktiven Dialog, der am 14. April begann. Wir werden weiterhin direkte und in gutem Glauben geführte Gespräche zwischen den beiden Regierungen fördern.“ Kritiker bezeichnen die Verhandlungen als drohende Spaltung des Landes und Aufgabe des Südens durch die Zentralregierung zur Besatzung und späteren Annexion durch Israel und erinnern an die schleichende Annexion Palästinas nach so genannten „Friedensverhandlungen“.

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Wie bedeutsam war Bulgariens Wahlentscheidung?

Von Andrew Korybko – 21. April 2026

Wer mit nennenswerten – außen und innenpolitisch – Veränderungen in Bulgarien rechnet, der dürfte enttäuscht werden. Doch symbolisch gleicht der Sieg des russlandfreundlichen Rumen Radev die Niederlage Orbáns aus.

Die Koalition „Progressives Bulgarien“ des ehemaligen bulgarischen Präsidenten Rumen Radev haben bei den jüngsten Parlamentswahlen am Sonntag, den achten in den letzten fünf Jahren, mit sensationellen 44,7 Prozent der Stimmen einen Erdrutschsieg errungen.

Dies ist auf das Verhältniswahlrecht zurückzuführen, da kleinere Parteien die 4-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament nicht überwinden konnten. Die beiden nächstplatzierten Parteien erhielten nur 13,4 Prozent bzw. 13,2 Prozent.

Radev und seine Koalition „Progressives Bulgarien“ stehen, anders als der Name vermuten lässt, für einen Sozialkonservatismus ähnlich dem von Robert Fico in der Slowakei. Manche glauben, dass die Rückkehr des russlandfreundlichen Radev ein Schlag gegen die anti-russische und pro-ukrainische Linie der EU gewesen wäre, weil er einen pragmatischeren Kurs vertritt. Eine Niederlage hätte diese Politik hingegen gestärkt. Doch Radev wird es schwer haben. Der amtierende Ministerpräsident hat kurz vor den Wahlen ein umstrittenes zehnjähriges Militärabkommen mit der Ukraine durchgepaukt hatte, das Radevs außenpolitischen Spielraum deutlich einschränken könnte.

Trotzdem stellt seine Rückkehr an die Macht eine symbolische Niederlage für die EU dar – genauso wie die Niederlage des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán bei den jüngsten Wahlen eine symbolische Niederlage für Russland war. Ähnlich wie manche russische Experten die Folgen von Orbáns Abwahl für Russland herunterspielen, wird man wohl auch in Brüssel versuchen, die Konsequenzen von Radevs Sieg kleinzureden.

In Wahrheit ändert keines der beiden Ergebnisse etwas Grundlegendes. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte bereits zu Orbán gesagt: „So oder so hätte die EU einen Weg gefunden, die Gelder freizugeben – mit oder ohne ihn.“ Und selbst wenn Radev das Militärabkommen mit der Ukraine kündigen würde (was er mit einer sechsmonatigen Frist schriftlich darf), könnte die EU Bulgarien „kreativ bestrafen“ – die Hebel, die Brüssel gegenüber dem Land hat, sind enorm.

Bulgarien ist nach wie vor arm und korrupt. Genau deswegen haben die Wähler Radev mit der ersten absoluten Mehrheit seit fast drei Jahrzehnten zurückgeholt – in der Hoffnung, dass er endlich aufräumt. Sollte die EU aus Rache die Mittel wegen Korruptionsvorwürfen kürzen, würde das das Land hart treffen. Es wäre dann nicht schwer vorstellbar, dass Radevs Koalition zerbricht, Neuwahlen ausgerufen werden und er selbst wieder abgesetzt wird. Er wird daher innerhalb enger Grenzen agieren müssen.

Zusammengefasst: Es ändert sich nichts Wesentliches. Die Symbolik eines russlandfreundlichen Führers, der genau dann zurückkehrt, als ein anderer abgesetzt wird, gleicht das Ergebnis dieser beiden „Schlachten“ wieder aus. Sowohl Russland als auch die EU werden versuchen, das Ganze zu ihren Gunsten zu drehen, aber faktisch bleibt der Status quo erhalten.

Der Blick richtet sich daher bereits auf die nächsten Parlamentswahlen in Armenien im Juni. Dort wird sich entscheiden, ob das Land den West-Kurs fortsetzt oder sich wieder stärker Russland zuwendet. Die erste Variante würde die westliche Einkreisung Russlands weiter vorantreiben, die zweite könnte Russlands ursprüngliche Rolle als Schutzmacht dieses Korridors wiederherstellen und die Einkreisung ausgleichen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

TV-Serie The Pitt: Das Arztdrama, das mit sozialem Realismus und Ehrlichkeit Millionen Menschen in seinen Bann zieht

Von Isabel Roy und David Walsh – 21. April 2026

The Pitt, eine Szene mit ICE-Agenten

Die Art und Weise, wie die TV-Krankenhaus-Serie The Pitt Millionen von Menschen in den USA und weltweit in ihren Bann zieht und fesselt, ist von großer Bedeutung. Die Serie hat sich zu einem regelrechten soziokulturellen Phänomen entwickelt.

Die Premiere der zweiten Staffel von The Pitt lockte in den ersten drei Tagen fast 200 Prozent mehr Zuschauer an als der Serienstart im Vorjahr. Bis Mitte Januar verzeichnete die Serie 1,19 Milliarden Streaming-Minuten pro Woche und durchschnittlich rund 12 Millionen US-Zuschauer pro Folge. Zwar wurden keine Zuschauerzahlen für das Finale publiziert, doch in den sozialen Medien sind die Schluss- und Post-Credits-Szenen viral gegangen und auf eine überwältigende und positive Reaktion gestoßen.

Der tiefe Eindruck, den die Fernsehserie hinterlassen hat, deutet auf die besonderen Bedingungen im Gesundheitswesen und auf dessen Krise hin. Ganz allgemein zeigt sie jedoch eine wohlwollende Reaktion auf eine ungewohnt humane Darstellung des gesellschaftlichen Lebens in den Vereinigten Staaten.

In einer Zeit, in der die Regierung unter Donald Trump und viele offizielle Ebenen und Einrichtungen mehr und mehr nur noch mit Grausamkeit, Unterdrückung und Gangstertum assoziiert werden, suchen breite Schichten der Bevölkerung nach sozialen Kräften und Mitteln, die einen Ausweg aus den immer unerträglicheren Bedingungen bieten.

Angesichts eines feindseligen politischen Systems, das von zwei korrupten Wirtschaftsparteien dominiert wird, haben zahlreiche Menschen ihr Augenmerk auf ein Krankenhaus in Pittsburgh und dessen Notaufnahme gerichtet: als ein Mikrokosmos, in dem große Probleme des Lebens auf vernünftige, menschliche Weise gelöst werden.

Der Realismus von The Pitt ist ungewöhnlich und sehr zu begrüßen. Viele der populären Streaming-Erfolge der letzten Jahrzehnte zeugten von einem Mangel an Menschlichkeit, wenn nicht gar von regelrechter Menschenfeindlichkeit; allgemein fehlte das echte Interesse an komplexen Motiven und Interaktionen. Es dominierte die Erkundung der sogenannten „dunklen Seite“ des Lebens: je kälter und abstoßender, desto besser. Was als rau oder „knallhart“ daherkam, zeichnete sich oft durch Zynismus und Pessimismus aus. Es bestand die Tendenz, schockierende und brutale Wendungen sowie unerbittliche Niederlagen oder Tragödien mit „hochwertigem“ Drama gleichzusetzen. Ein Großteil dieser „düsteren“ Stoffe ist schlichtweg billiger, marktgängiger Kram, der höchstens Passivität und Abstumpfung fördert.

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Nach der Schließung der Straße von Hormus durch die Revolutionsgarden: Trump droht mit Bombardierung iranischer Kraftwerke und Brücken

Von Andre Damon – 21. April 2026

US-Präsident Donald Trump drohte am Sonntag mit der Bombardierung des zivilen Stromnetzes und der Brücken des Iran, nachdem die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) die Straße von Hormus erneut gesperrt hatten. Am Samstagabend und Sonntagmorgen schrieb er auf Truth Social, falls der Iran seine Bedingungen nicht akzeptiere, werden „die USA jedes einzelne Kraftwerk und jede einzelne Brücke im Iran zerstören. SCHLUSS MIT MISTER NICE-GUY!“

In einem vorher aufgezeichneten Telefoninterview, das am Sonntag in der Sendung „Fox News Sunday“ ausgestrahlt wurde, erklärte Trump gegenüber dem Chef-Auslandskorrespondenten Trey Yingst: „Sie werden sehen, wie Brücken und Kraftwerke im ganzen Land einstürzen.“ Weiter erklärte er, sollte kein Deal zustande kommen, erwäge er, „alles in die Luft zu jagen und das Öl zu übernehmen“. Und in der ABC-Sendung This Week behauptete Trump, die USA und der Iran könnten die Straße von Hormus als „Joint Venture“ betreiben.

Der US-Präsident gab in den sozialen Netzwerken außerdem bekannt, dass das unter iranischer Flagge fahrende Frachtschiff Touska im Golf von Oman von US-Marines geentert worden war. Zuvor habe der Zerstörer USS Spruance dessen Maschinenraum beschossen.

Ein durch mehrere Luftangriffe während des amerikanisch-israelischen Kriegs gegen den Iran beschädigter Fischerhafen auf der iranischen Insel Qeschm am 13. April 2026. Im Hintergrund US-Schiffe in der Straße von Hormus [AP Photo/Asghar Besharati]
Die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA gab daraufhin bekannt, Teheran werde an der angeblich für Montag geplanten zweiten Verhandlungsrunde in Islamabad nicht teilnehmen. Die pakistanische Hauptstadt wurde am Sonntagabend abgeriegelt, außerdem wurden 10.000 zusätzliche Sicherheitskräfte mobilisiert.

Trumps Drohungen und die Beschlagnahme des iranischen Schiffs durch die USA erfolgten am 51. Tag des US-israelischen Kriegs gegen den Iran und am zwölften Tag der zweiwöchigen Waffenruhe, die in 72 Stunden auslaufen soll. Am Freitag schrieb der iranische Außenminister Abbas Araghtschi auf X, die Straße von Hormus sei für die Handelsschifffahrt auf einer Route nahe der iranischen Küste geöffnet.

Am Freitag- und Samstagmorgen durchquerten 19 Schiffe die Straße von Hormus – der erste nennenswerte Güterverkehr seit Beginn des Kriegs am 28. Februar. Die USA reagierten jedoch nicht auf die iranische Öffnung der Straße. Weil die US Navy weiterhin iranische Häfen blockierte, konnte der Iran kein einziges Barrel Öl exportieren.

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Big Brother und die Israel-Lobby

Von Roy Eidelson – 20. April 2026

Anmerkung: Dieser Meinungsbeitrag gibt meine persönlichen Ansichten wieder und nicht die einer Organisation, der ich angehöre.

In George Orwells dystopischem Roman 1984 ist Ozeanien eine totalitäre Gesellschaft, in der der Große Bruder bedingungslose Konformität und Gehorsam verlangt; in der die Gedankenpolizei ständig jede Regelverletzung überwacht und bestraft; und in der das Ministerium für Wahrheit verkündet: „Krieg ist Frieden“, „Freiheit ist Sklaverei“ und „Unwissenheit ist Stärke“. Laut dem Protagonisten der Geschichte ist der größte Ketzerei in Ozeanien der gesunde Menschenverstand, und das wichtigste Gebot lautet, die Beweise deiner Augen und Ohren zu verwerfen. Letztendlich entkommt niemand diesem totalen Überwachungsstaat – „Big Brother Is Watching You!“ –, denn diejenigen, die in irgendeiner Weise rebellieren, werden identifiziert, gefangen genommen, gebrochen und oft „verdampft“, als hätten sie nie existiert.

Manchmal muss ich an Orwells Ozeanien denken, wenn ich die täglichen beunruhigenden und empörenden Nachrichten aus Palästina und der gesamten Region lese. Ich denke darüber nach, wie die heutige Israel-Lobby, ganz ähnlich wie der Große Bruder, völlige Loyalität, Gehorsam und Unterwerfung verlangt. Und wie auch sie oft außergewöhnliche Anstrengungen unternimmt, um diejenigen zum Schweigen zu bringen und zu disziplinieren, die ihre trügerische und betrügerische Propaganda hinterfragen oder ablehnen.

So „friert“ beispielsweise die herrschende Partei Ozeaniens die Geschichte ein, wann immer es nötig ist, um sie ihrer bevorzugten Erzählung anzupassen, in der Überzeugung: „Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.“ Israel-Befürworter versuchen etwas Ähnliches, wenn sie die Ansicht vertreten, dass Israels relevante Geschichte scheinbar mit den schrecklichen, von der Hamas angeführten Angriffen vom 7. Oktober 2023 beginnt und endet. Durch diese verzerrte Brille ignorieren sie Jahrzehnte palästinensischen Leidens und der Unterdrückung, während sie behaupten, dass nach moralischen Maßstäben nichts, was Israel seit jenem Tag getan hat, ihm angelastet werden kann. Nach ihrer Darstellung sind alle israelischen Gräueltaten der letzten zweieinhalb Jahre entweder nie geschehen oder vollständig gerechtfertigt (Israels eigene Version von Ozeaniens „Doppeldenk“). Natürlich haben unwiderlegbare Beweise für Israels Kriegsverbrechen und Verachtung grundlegender menschlicher Anständigkeit diese Fiktion entlarvt. In den letzten Wochen hat Israels wahlloser Angriff auf Wohngebiete und zivile Infrastruktur im Libanon und im Iran zudem jeden noch bestehenden Anschein entlarvt, dass „Selbstverteidigung“ stets die einzige Grundlage für seine Akte massiver Gewalt und Zerstörung sei.

Bedenken Sie auch, dass in Nineteen Eighty-Four der Große Bruder die Geschichte nach Bedarf umschreibt und dafür sorgt, dass die Bürger Ozeaniens in ständiger Angst um ihre Sicherheit leben. Während eines täglichen Pflichtrituals namens „Zwei Minuten Hass“ zeigen Teleschirme überall wutauslösende, erfundene Bilder von feindlichen Soldaten – eine Erinnerung daran, dass Ozeanien sich in einem Zustand des ewigen Krieges befindet und Loyalität daher absolut sein muss. Seit vielen Jahren, lange vor dem 7. Oktober, verfolgt die israelische Propagandamaschinerie ihre eigeneOrwellsche Kampagne derKontrolleund Desinformation, die auf die Dämonisierung und Delegitimierung des palästinensischen Volkes ausgerichtet ist.Palästinenser aller Altersgruppen wurden entmenschlicht und dargestellt als Tiere, die eine existenzielle Bedrohung für das Überleben Israels darstellen. Und ihre brutale und gnadenlose Vertreibung vor Jahrzehnten aus dem heutigen Staat Israel wurde wiederholt heruntergespielt oder geleugnet.

Doch Israel und seine treuen Unterstützer verlieren an all diesen PR-Fronten an Boden. Trotz der Tötung von Hunderten von Journalisten und Medienmitarbeitern haben sich herzzerreißende Berichte aus dem Gazastreifen, darunter Bilder von einigen der Tausenden von Kindern, die abgeschlachtet oder verwaist wurden, als schwer zu ignorieren erwiesen.

Fanatische Siedler im Westjordanland, die ganze Dörfer plündern und dem Erdboden gleichmachen, haben selbst bei einigen der freundlichsten Verbündeten Israels Besorgnis ausgelöst. Neu entdeckte offizielle Dokumente aus der Gründungszeit Israels lassen keinen Zweifel daran, dass Hunderttausende Palästinenser durch rücksichtsloses Terrorverfahren aus ihren Häusern vertrieben wurden. Und zumindest einigen Sympathisanten, die sich für vorsätzliche Ignoranz entschieden haben, fällt es nun zunehmend schwer, den sich entfaltenden, live übertragenen Völkermord zu übersehen.

Es gibt noch eine weitere Parallele zu Nineteen Eighty-Four, die hier hervorzuheben ist. Um unkonforme Äußerungen und unabhängiges Denken zu unterbinden, schafft Big Brother „Newspeak“ – eine neue Sprache mit weitaus weniger Wörtern. Ein Parteianhänger erklärt es so:

Es ist eine schöne Sache, die Zerstörung von Wörtern … Die größte Verschwendung liegt bei den Verben und Adjektiven, aber es gibt auch Hunderte von Substantiven, die man loswerden kann… Das ganze Ziel von Neusprech ist es, den Gedankenraum einzugrenzen … Am Ende werden wir Gedankenverbrechen buchstäblich unmöglich machen, weil es keine Wörter mehr geben wird, um sie auszudrücken.

Die Israel-Propagandamaschinerie scheint ihre eigene Version übernommen zu haben, mit einem ähnlichen Ziel: die Darstellung Israels zu kontrollieren, indem die Sprache streng eingeschränkt wird, sodass unwillkommene Ideen und Wahrheiten viel schwerer auszudrücken oder gar zu denken sind. Wörter wie „Palästina“ und „Palästinenser“ tauchen daher im Wörterbuch „Newspeak for Israel“ nicht auf. Sie wurden durch „anti-israelisch“, „antizionistisch“ und ähnliche Ausdrücke ersetzt, die die Unterscheidung zwischen Opfer und Täter verwischen. Diese bildliche Auslöschung des palästinensischen Volkes entspricht seiner tatsächlichen Vertreibung und Vernichtung und trägt dazu bei, dass Israels Kriegsverbrechen aus den Köpfen und Gesprächen verschwinden. In ähnlicher Weise fehlen auch „Besatzung“, „Apartheid“, „Völkermord“ und andere für Israel beleidigende Wörter im Wörterbuch „Newspeak for Israel“. Sie wurden alle durch ein einziges Wort ersetzt, das Israel-Befürworter dazu angehalten werden, so oft und so laut wie möglich zu verwenden: „Antisemitismus“ (mit einem impliziten Ausrufezeichen). Das ultimative Ziel ist ein „Groß-Israel“ in Wort und Tat.

Big Brothers eiserner Griff hält in Nineteen Eighty-Four an, doch der Anhang des Romans deutet darauf hin, dass Newspeak in Ozeanien nie vollständig übernommen wird und das Regime schließlich gestürzt wird. Auch die israelische Propagandamaschinerie zeigt Anzeichen des Nachlassens. Hier in den Vereinigten Staaten verliert die seit langem bestehende „Palästina-Ausnahme“ – die energische Unterdrückung und Bestrafung von Äußerungen, die die Rechte und die Freiheit der Palästinenser verteidigen – an Einfluss. Heute versteht die amerikanische Öffentlichkeit zunehmend, wer das palästinensische Volk ist und wie es von Israel und seinen Unterstützern zutiefst falsch dargestellt und misshandelt wurde. Nationale Umfragedaten bestätigen diese vielversprechenden Entwicklungen, ebenso wie jüngste Erklärungen und Positionswechsel vieler politischer Führer in Washington, D.C.

Wir wissen nicht genau, wie Israels engagierte Fürsprecher nun reagieren werden, während ihre Spiegelwelt zusammenbricht, ihre Propagandablasen platzen und ihre Verzweiflung wächst. Klar ist jedoch, dass wir die wachsende Welle der Unterstützung für Palästina nicht als selbstverständlich hinnehmen dürfen. Sie spiegelt die unermüdlichen Bemühungen vieler mutiger Menschenrechtsverteidiger wider, die ihren Lebensunterhalt, ihre Freiheit und in manchen Fällen sogar ihr Leben riskiert haben. Auf große und kleine Weise können wir alle dazu beitragen, die Auslöschung des palästinensischen Volkes zu bekämpfen, indem wir seine Sache in unseren Gedanken, unseren Worten und unseren Taten in den Vordergrund stellen. Von der israelischen Propagandamaschinerie werden Sie das nicht hören, aber „Nie wieder“ gilt jetzt und für alle Menschen.

Dr. Roy Eidelson ist ehemaliger Präsident von „Psychologists for Social Responsibility“, Mitglied der „Coalition for an Ethical Psychology“ und Autor des Buches „Doing Harm: How the World’s Largest Psychological Association Lost Its Way in the War on Terror“ (erscheint im September 2023 bei McGill-Queen’s University Press). Roys Website ist https://www.royeidelson.com/und er ist auf Twitter unter @royeidelsonzu finden.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf Counterpunch]

Was ist dran an Kulebas Behauptung, Belarus könnte kurz davorstehen, die Ukraine anzugreifen?

Von Andrew Korybko – 20. April 2026

Kulebas „Argumente“ für einen bevorstehenden Angriffs Minsks auf die Ukraine haben nichts mit der objektiven Realität der militärisch-politischen Dynamik des Konflikts zu tun und sind von Hintergedanken getrieben.

Der ehemalige ukrainische Außenminister Dmitry Kuleba veröffentlichte ein Video über die fünf Gründe, warum er glaubt, dass Belarus kurz davorstehen könnte, die Ukraine anzugreifen. Nexta nutzte KI, um es ins Englische zu übersetzen, und fasste seine Argumente in einem Beitrag dazu zusammen. Der Grund, warum es wichtig ist, seine Punkte einer Faktenprüfung zu unterziehen, ist, dass Selensky gerade damit gedroht hat, Lukaschenko zu verhaften, so wie Trump Maduro verhaftet hat, unter dem Vorwand, ihn dafür zu bestrafen, dass er Russland zumindest erlaubt hat, eine weitere Offensive gegen die Ukraine von Belarus aus zu starten.

Kulebas Argumente lauten, dass die belarussische Armee unter russischer Aufsicht ihre Ausbildung intensiviert habe, die Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften zunehme, Reservisten häufiger einberufen würden, die Luftabwehr verstärkt werde und Anfang dieses Jahres groß angelegte Kommando- und Kontrollübungen stattgefunden hätten. Dies, gepaart mit Selenskys Behauptungen über den Bau von Straßen in der Nähe der Grenze und die Einrichtung von Artilleriestellungen in der Umgebung, dient dazu, die Erzählung von einer möglicherweise bevorstehenden Wiedereröffnung der belarussischen Front zu konstruieren.

Zunächst einmal deuten Kulebas fünf Argumente und Selenskys zwei Punkte nicht automatisch auf Offensivpläne seitens Russlands und/oder Weißrusslands hin, sondern möglicherweise auf defensive, obwohl das russisch-weißrussisch-ukrainische Sicherheitsdilemma erklärt, warum Kiew solche Schritte als offensiv interpretieren würde. Es ist natürlich auch möglich und sogar wahrscheinlich, dass es sich hierbei nicht um eine unschuldige Fehlinterpretation der Absichten seitens der Ukraine handelt, sondern um eine bewusste Provokation, um die Lage an dieser Front zu verschärfen und russische Truppen vom Donbass abzulenken.

Was auch immer die Motive der Ukraine sein mögen, die von Belarus bestehen darin, den Dialog mit den USA aufrechtzuerhalten, in der Hoffnung auf weitere Sanktionserleichterungen; diese Sanktionen würden jedoch wieder verhängt und sogar verschärft, sollte Belarus die Ukraine angreifen oder Russland gestatten, eine weitere Offensive von seinem Territorium aus zu starten. Dasselbe gilt für Russland, was teilweise Putins Zurückhaltung erklärt, zumindest auf jede vom Westen unterstützte ukrainische Provokation – wie den groß angelegten Drohnenangriff vom letzten Sommer gegen Russlands nukleare Triade – mit einer entsprechenden Eskalation zu reagieren.

Die Wiedereröffnung der belarussischen Front durch dieses Land und/oder Russland würde nicht nur ihre jeweiligen Gespräche mit den USA sofort beenden, sondern auch die Spannungen mit der NATO sofort verschärfen, deren polnische Vorhut bereits das drittgrößte Militär des Bündnisses hinter den USA und der Türkei befehligt. Tatsächlich warnten die Geheimdienstchefs dieser beiden Länder Anfang April vor von Polen ausgehenden Bedrohungen, und dieses Damoklesschwert ist wohl dafür verantwortlich, dass sie ihre militärische Zusammenarbeit beschleunigt haben, die die Ukraine nun als Bedrohung bezeichnet.

Es ist unwahrscheinlich, dass einer von beiden diese Konsequenzen in Kauf nehmen würde – wobei die zweite davon das Risiko birgt, in einen heißen Krieg zwischen der NATO und Russland zu eskalieren –, nur um die belarussische Front wieder zu öffnen, auf deren Verteidigung sich die Ukraine seit Russlands Rückzug aus Kiew vorbereitet hat. Das Gelände ist zudem für Angreifer, die nicht wie Russland zu Beginn der Sonderoperation den Vorteil der Überraschung haben, sehr schwierig. Es ist daher nicht zu erwarten, dass der typisch vorsichtige Putin dies genehmigen wird, da die Kosten den Nutzen bei weitem überwiegen.

Kuleba und Selensky schüren somit aus Hintergedanken, die nichts mit der objektiven Realität der militärisch-politischen Dynamik des Konflikts zu tun haben, Ängste vor der Wiedereröffnung der belarussischen Front. Mögliche Motive sind unter anderem, die USA dazu zu manipulieren, ihre Druckkampagnen gegen Weißrussland und Russland wieder aufzunehmen, Trump davon abzuhalten, indirekte Waffenlieferungen an die Ukraine über NATO-Käufe als Strafe für deren Weigerung, den USA bei der Wiederöffnung der Straße von Hormus zu helfen, auszusetzen, und/oder Unruhe zu stiften, um russische Truppen aus dem Donbass abzulenken.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

XI schaltet sich bei Hormuz ein

Von Thomas Oysmüller – 20. April 2026

Erstmals hat Chinas Präsident Xi Jinping die sofortige Öffnung der Straße von Hormuz gefordert. Das sagte er in einem Telefonat mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman.

Während Trump quasi im Minutentakt die Welt mit Meldungen unterhält, agiert Xi Jinping wie ein klassischer Staatsmann. Er äußert sich selten, aber wenn, dann soll sein Wort Gewicht haben. Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, dass Xi Jinping erstmals eine Öffnung der Straße von Hormuz gefordert hat.„Die normale Schifffahrt durch die Straße von Hormuz sollte aufrechterhalten werden. Das liegt im gemeinsamen Interesse der Länder der Region und der internationalen Gemeinschaft“, sagte Xi laut einer Erklärung, die auch von der AFP verbreitet wurde. Ob dies an die USA, den Iran oder beide gerichtet ist, bleibt offen. Vermutlich aber an beide, da er zu einem sofortigen und umfassenden Waffenstillstand aufrief und betonte, dass Streitigkeiten durch politische und diplomatische Mittel gelöst werden müssten.

Zu Saudi-Arabien, einem BRICS-Mitglied, das gerne auch von antiamerikanischer Presse als „US-Vasall“ bezeichnet wird – was der Komplexität geopolitischer Entwicklungen jedoch kaum mehr gerecht wird –, werde man weiter „das strategische gegenseitige Vertrauen mit Saudi-Arabien vertiefen und die praktische Zusammenarbeit ausweiten“. China importierte laut den am Montag veröffentlichten Zolldaten 5,86 Millionen Tonnen Rohöl aus Saudi-Arabien – ein Rückgang um zehn Prozent im Vergleich zum Februar. China wird aber in diesem Monat ein Rekordvolumen an US-Ethan importieren, da petrochemische Produzenten nach der Störung kritischer Lieferungen durch den Krieg im Nahen Osten auf andere Rohstoffe umstellen. Das zeigen andere Daten, die am Montag veröffentlicht wurden.

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Diehl Defence vorn dabei: Deutsche Unternehmen schließen Rüstungsallianz mit der Ukraine

Von RT DE – 20. April 2026

Nach der Unterzeichung der Verträge für die gemeinsame Rüstungsproduktion mit der Ukraine steigt Deutschland zur Nummer eins in der entstehenden ukrainisch-europäischen Rüstungsallianz auf. Laut WSJ ist Deutschland bereit, dafür die zivile Automobilindustrie zu opfern.

Was lag in der Mappe des deutschen Verteidigungsministers Boris Pistorius, die er während des Treffens mit dem ukrainischen Machthaber Wladimir Selenskij am 14. April so strahlend in der Hand hielt? Auffällig war auch seine Krawatte in den Farben des Schwarzen Kreuzes der Bundeswehr. Laut Merkur haben ukrainische Rüstungsunternehmen vor allem mit dem  Rüstungskonzern Diehl Defence neue Kooperationsverträge geschlossen. Während Berlin offiziell schweigt, arbeiten deutsche und ukrainische Ingenieure bereits an einer gemeinsamen Rüstungszukunft. Details dazu lüften die ukrainischen militärischen Fachmedien, die der Merkur zitiert

Laut dem Fachportal Militarny gehört der Drohnen- und Raketenhersteller Fire Point zu den bestätigten ukrainischen Partnern. Das ukrainische Rüstungsfachmagazin Defence Express nennt zusätzlich das Konstruktionsbüro Lutsch als weiteren Vertragspartner. Igor Fedirko, CEO des ukrainischen Rates für Verteidigungsindustrie kündigte die Unterzeichnung am 14. April via Facebook an. Ihm zufolge handelt es sich um einen von insgesamt sechs neuen Kooperationsverträgen, die ukrainische und deutsche Rüstungsunternehmen gleichzeitig abschlossen.

Fedirko kommentierte:

„Genau so funktioniert ‚Build with Ukraine‘: Ukrainische Lösungen, ukrainische Kampferfahrung und ukrainisches Ingenieurwesen kombiniert mit den Produktions-, Technologie- und Finanzmöglichkeiten der Partner.“

Konkrete Projektdetails nannten die Beteiligten bislang nicht.

Da keine offiziellen Projektdetails vorliegen, zieht Defence Express Schlüsse aus den bestehenden Produktportfolios der beteiligten Unternehmen. Demnach könnte Diehl Defence seine Expertise in Lenk- und Leitsystemen einbringen – relevant für ukrainische Waffensysteme wie die Neptun-Seezielflugkörper, die Stugna-P-Panzerabwehrraketen oder das Mehrfachraketenwerfer-System Vilkha. „Handbuch“

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Regime Change im Himmelreich

Von Wolf Wetzel – 18. April 2026

Geht es nach Donald Trump, so hat Jesus in der Gegenwart einen würdigen Nachfolger gefunden: ihn selbst.

„Stellvertreter Christi auf Erden“ — mit diesem Anspruch sind Päpste in der Geschichte oft aufgetreten. US-Präsidenten gaben sich meist damit zufrieden, „God’s own country“ in ständiger Funkverbindung mit dem Herrn zu regieren. Nicht so Donald Trump: Der inszenierte sich in einer bekannt gewordenen KI-Grafik als Heiland — eine Mischung aus Heilpraktiker und Heilsbringer, aufgemotzt durch visuellen Schwulst. Ich, Donald, bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Die Angst, lächerlich wirken zu können, scheint den MAGA-Berserker nicht anzufechten. Sind diese peinlichen Vorgänge für uns überhaupt relevant? Nun, es kann mal passieren, dass ein älterer Herr austickt. Dafür aber gibt es Psychiatrien und Medikamente. Hat der Patient dagegen Macht und sind alle Kontrollinstanzen in seinem Land zahnlos geworden, so ist höchste Gefahr im Verzug. Der Atomkoffer in den Händen eines Kindes mit akut schizophrenem Schub. Fast niemand mehr in den USA und außerhalb tritt dem offensichtlich verwirrten US-Präsidenten entgegen. Da ist die beherzte Kritik, die ausgerechnet von Papst Leo kam, lobenswert.

Der Papst in Rom, also nicht in Washington, hatte sich anlässlich des Osterfestes doch tatsächlich gegen Kriege ausgesprochen, überall, und hält unbelehrbar an der Friedensbotschaft der katholischen Kirche fest.

Das brachte den aktuellen US-Präsidenten Donald Trump auf die Palme. Er verbat sich, sich in seine Kriege einzumischen und bescheinigte dem Papst ad hoc eine „schreckliche Außenpolitik“. Papst Leo XIV. antwortete auf dieses vernichtende Urteil betont gelassen:

„Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung.“

Nun geht der immer noch auf freiem Fuß lebende US-Präsident einen gehörigen Schritt weiter.

Nachdem er bei jeder Gelegenheit allen „die Hölle“ verspricht, die sich ihm und seinem Business-Clan in den Weg stellen, hat er den letzten ultimativen Schritt auf seiner Medienplattform „Truth Social“ vollzogen. Seine Jünger machten sich sofort an die Arbeit und posteten ein KI-generiertes Zukunftsbild des US-Gottesstaates [siehe Titelbild]:

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Trumps letzte Warnung an die EU-NATO?

Von Andrew Korybkow – 20. April 2026

Die NATO-Staaten, und dabei vor allem jene der EU, sollen den Umbau zur „NATO 3.0“ beschleunigen, fordert eine einflussreiche Stimme aus Washington einmal mehr. Dies könnte die letzte Warnung der USA sein, bevor sie drastische Maßnahmen ergreifen, um diejenigen zu bestrafen, die Trumps Forderungen weiterhin ablehnen.

Der US-Unterstaatssekretär für Verteidigungspolitik Elbridge Colby hielt Mitte April beim Ukraine Defense Contact Group eine wichtige Rede, in der er die Europäer eindringlich aufforderte, ihren Übergang zu dem zu beschleunigen, was er bereits früher in diesem Jahr als „NATO 3.0“ bezeichnet hatte. Wie es hier erklärt wurde.

In seiner Rede forderte Colby unmissverständlich: „Europa muss seine primäre Verantwortung für die konventionelle Verteidigung des Kontinents deutlich schneller übernehmen“ – einschließlich der weiteren Bewaffnung der Ukraine über das „Prioritized Ukraine Requirements List“ (PURL)-Programm, bei dem die USA die zentrale Rolle spielen. Dazu sei es „von entscheidender Bedeutung, die europäischen Munitionsvorräte rasch wieder aufzustocken und protektionistische Handelsbarrieren zu beseitigen, die das industrielle Potenzial des Kontinents ersticken“.

Weiter betonte er: „Die Entwicklung einer robusten, leistungsfähigen und integrierten europäischen Verteidigungsindustrie darf keine bloße Wunschvorstellung bleiben, sondern muss zur absoluten Voraussetzung für eine glaubwürdige Abschreckung und Verteidigung werden.“ Da die Europäer geradezu besessen vom Ukraine-Konflikt sind, fügte er hinzu: „Das wird entscheidend sein, um den Krieg in der Ukraine zu beenden – unter Bedingungen, die einen dauerhaften Frieden ermöglichen.“ Abschließend rief er zu „mehr Taten und einem grundlegenden Einstellungswandel“ auf, um „diesen Übergang zu einer ‚NATO 3.0‘ zu beschleunigen“.

Colby schloss mit den Worten: „Wenn Europa diesen Moment ergreift – also wirklich die primäre Verantwortung für die Verteidigung des Kontinents im Sinne unserer Vision eines neu ausbalancierten ‚NATO 3.0‘ übernimmt –, werden wir alle stärker und glaubwürdiger in der Verteidigung unserer Völker und nationalen Interessen sein.“ Mitten in der Rede schickte er eine unmissverständliche Warnung hinterher: Er unterstrich die „kritische Bedeutung“ der NATO-Beteiligung an der Sicherung der Straße von Hormus gemäß Trumps Erwartungen „für unsere künftige Beziehung“.

Wie hier im vergangenen Monat dargelegt und soeben von Colby implizit bekräftigt wurde, könnten die USA ihre geplante militärische Neuausrichtung weg von Europa hin zu Amerika und dem Indopazifik beschleunigen, falls die Europäer Trumps Forderungen ablehnen und ihre bedeutenden PURL-Beiträge einstellen, bevor die NATO diese Lücke schließen kann. Das würde entweder einen vollständigen russischen Sieg in der Ukraine erleichtern oder zumindest bei den Europäern die Angst schüren, dass ein solcher Sieg unvermeidlich wird – vor allem, wenn Trump die Waffenlieferungen erneut stoppt. Damit würden sie genau das tun, was er verlangt.

Sollten einzelne Mitglieder des Bündnisses weiterhin nicht mitziehen, während andere kooperieren, könnte Trump das von ihm angeblich erwogene „Pay-to-Play“-Modell durchsetzen, das hier beschrieben wurde. Dieses würde „Abweichler“ aus den Entscheidungsprozessen ausschließen und ihnen den Schutz der US-Artikel-5-Garantie entziehen. Dieselben Strafmaßnahmen könnten auch bei der Verweigerung einer Verteidigungsausgabe von fünf Prozent des BIP greifen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Colby diese Drohungen seinen europäischen Gesprächspartnern am Rande der Veranstaltung deutlich gemacht hat, auch wenn er sie in der öffentlichen Rede nur andeutete.

Seine Aufforderung, den Übergang zu „NATO 3.0“ – seiner eigenen Idee – zu beschleunigen, ist daher als letzte Warnung der USA zu verstehen, bevor drastische Strafmaßnahmen folgen. Das könnte das „Pay-to-Play“-Modell ebenso umfassen wie ein erneutes Abschneiden der Waffenlieferungen an die Ukraine – oder beides gleichzeitig. Wie die NATO insgesamt oder ihre einzelnen Mitglieder reagieren werden, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch klar: Trump verliert zunehmend die Geduld mit ihnen.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.