„Russiagate 2.0“ könnte versuchen, Dugin fälschlicherweise als Strippenzieher der MAGA-Dissidenten hinzustellen

Von Andrew Korybko – 15. März 2026

Die möglicherweise bevorstehenden FARA-Anklagen gegen Tucker Carlson wegen seiner Kontakte zum Iran könnten sich zu Russiagate 2.0 entwickeln, wenn die kürzlich wiederbelebten Spekulationen über den Einfluss des russischen Philosophen Alexander Dugin vom „Deep State“ zu diesem Zweck ausgenutzt und Beweise gefälscht werden, um ihn zu belasten.

Tucker Carlson gab bekannt, dass er von den angeblichen Plänen der CIA gehört habe, ihn wegen seiner Kontakte zum Iran unter dem „Foreign Agents Registration Act“ (FARA) anzuklagen; den iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian hatte er letzten Sommer kurz nach dem Ende des Zwölf-Tage-Kriegs interviewt. Seine Erzfeindin Laura Loomer, die eine enge Beraterin Trumps ist und bei einer Medienveranstaltung in Indien, an der sie kürzlich teilnahm, sogar eine Erklärung von ihm verlas, beanspruchte auf X präventiv die Lorbeeren, falls dies geschehen sollte.

In einem separaten Beitrag gab sie bekannt: „Ich habe eine Liste konservativer Influencer erstellt, von denen ich glaube, dass sie Geld aus dem Iran, Russland und Katar annehmen. Ich habe meine Beweise beigefügt. Wie ich dem Justizministerium mitteilte, ist Tucker Carlson nicht die einzige Person, die wahrscheinlich gegen das FARA verstößt. All diese Verräter verdienen eine Gefängnisstrafe.“ In einem anderen Beitrag prahlte sie damit, das FBI und das Weiße Haus direkt über ihre Bedenken informiert zu haben. Sollte Tucker unter dem FARA angeklagt werden, was nicht ausgeschlossen werden kann, könnte sich dies zu einem „Russiagate 2.0“ ausweiten.

Das liegt nicht nur daran, dass er Anfang 2024 Putin interviewt hat – was die Biden-Regierung seinen Angaben zufolge zu verhindern versuchte –, sondern auch am Tenet-Medienskandal später im selben Jahr, der hier und hier analysiert wurde. Kurz gesagt behauptete das Justizministerium, Russland habe diese konservative Influencer-Agentur bezahlt, um sie dazu zu ermutigen, weiterhin Inhalte zu produzieren, obwohl die Influencer selbst behaupten, davon nichts gewusst zu haben. Dies schafft den Präzedenzfall für „Russiagate 2.0“, falls der „Deep State“ dies wünscht.

In der Zeit dazwischen haben einige konservative Persönlichkeiten die Spekulationen des letzten Jahrzehnts über den Einfluss des russischen Philosophen Alexander Dugin wiederbelebt und insbesondere behauptet, er sei der Drahtzieher hinter MAGA-Dissidenten wie Tucker, Candace Owens und Marjorie Taylor Green und anderen. Tucker interviewte Dugin während seiner Reise nach Moskau, und Dugin hat Tucker und die genannten Dissidenten gelobt, worauf Loomer kürzlich aufmerksam gemacht hat. Der angebliche Beweis für eine Absprache besteht darin, dass sie ähnliche Kritik an Trump 2.0 äußern.

Das ist kein stichhaltiger Grund für die Behauptung, er sei ihr Strippenzieher, ebenso wenig wie Dugins berühmtes Buch „Die Grundlagen der Geopolitik“ aus dem Jahr 1997, in dem vorgeschlagen wird, den Westen durch die Verschärfung innenpolitischer Differenzen zu untergraben, da sie alle einfach nur aus ihren eigenen Gründen Trump 2.0 ablehnen. Während Dugin ein russischer Nationalist ist, neigen die MAGA-Dissidenten eher zum Linksextremismus, Islamismus und/oder „Dritte-Welt-Denken“, auch wenn sie sich selbst nicht als Anhänger dieser Ideologien bezeichnen, die denen von MAGA entgegenstehen.

Dennoch könnte der „Deep State“ weiterhin versuchen, die Spekulationen über Dugins Einfluss voranzutreiben, die von einigen konservativen Persönlichkeiten und Loomer selbst wiederbelebt wurden – worauf die Gegner der MAGA-Dissidenten aufgrund ihrer Abneigung gegen diese Leute und ihrer Überzeugung, dass Trump 2.0 so etwas nicht aushecken würde, hereinfallen könnten. Der Zweck dieses Komplotts des „Deep State“ wäre es, die laufenden Gespräche über eine russisch-amerikanische „Neue Entspannungspolitik“ zu sabotieren und aus ihrer Sicht im Idealfall Trump dazu zu bringen, die Unterstützung der USA für die Ukraine zu verdoppeln.

In der Vorstellung einiger Amerikaner gleicht Dugin Rasputin, er kritisiert „Trump 2.0“ auf X scharf und hat in der Vergangenheit tatsächlich MAGA-Dissidenten gelobt, sodass viele MAGA-Anhänger zu der irrigen Annahme verleitet werden könnten, er sei tatsächlich der Drahtzieher hinter der Opposition gegen Trump. Das wäre bedauerlich, da es den Interessen der US-amerikanischen Bevölkerung tatsächlich dient, die hier und hier erläuterte geplante Annäherung an Russland zu vollenden. Eine Vereitelung ihrer „New Détente“ würde Trump 2.0 daher weitaus stärker untergraben, als es die MAGA-Dissidenten tun.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Welche langfristigen Folgen der Iran-Krieg auf die globalen Energiemärkte haben dürfte

Von Nikolaj Gaponenko (übersetzt und eingeleitet von Thomas Röper) – 15. März 2026

Der Iran-Krieg hat gezeigt, wie verwundbar Seetransporte sind. Das werden die Player der weltweiten Energiemärkte berücksichtigen, und es dürfte überall, wo es möglich ist, zu einer Wiedergeburt der Pipelineprojekte führen.

Der Iran-Krieg bestätigt auf spektakuläre Weise die Kritik an der Politik der EU von Leuten wie mir, die immer wieder auf die Gefahren hingewiesen haben, die der Umstieg von russischem Pipelinegas auf LNG-Lieferungen per Tanker mit sich bringt. Das wurde als russische Propaganda bezeichnet, dabei stehen dahinter handfeste Argumente, die man im in der EU herrschenden anti-russischen Wahn nicht sehen will.

Pipelines haben gegenüber Tankern gleich mehrere Vorteile: Man kann sie nicht einfach umleiten, der Transport ist billiger und auch noch umweltfreundlicher. Und auch die Preise sind stabiler und niedriger.

Der Grund für die niedrigeren Preise ist neben der Tatsache, dass der Transport über Pipelines billiger ist als mit Tankern, bei denen Gas für viel Geld und mit hohem Energieaufwand erst verflüssigt und gekühlt, und dann wieder vergast werden muss, dass Pipelinetransporte zu langfristigen Verträgen abgewickelt werden, die stabile Preise und stabile Lieferungen garantieren, während das Gas auf Tankern über kurzfristige Bestellungen geordert wird, bei denen die Preise von den Launen der Märkte abhängen.

Hätte Europa heute noch das russische Pipelinegas, würde es – zumindest beim Gas – von dem Krieg im Nahen Osten gar nichts merken. Aber die EU hat in ihrer Weisheit anders entschieden und sich damit schon in „normalen Zeiten“ dem Risiko von Preisschwankungen und den Launen der Gasproduzenten ausgesetzt, die ihre Gastanker jederzeit in andere Regionen der Welt umleiten können, was bei Pipelines nicht geht. Und nun hat der Iran-Krieg gezeigt, dass die EU sich auch noch den Launen der internationalen Politik ausgesetzt hat, die die Energiemärkte durcheinander bringen können.

Ein russischer Energieexperte hat vor einigen Tagen in einem Artikel für die TASS erklärt, welche langfristigen Veränderungen auf den weltweiten Energiemärkten bevorstehen und warum vor allem die EU in der Energiepolitik strategische Fehler gemacht hat. Ich habe den Artikel übersetzt. […]

Es riecht nach Bruch: Warum der Nahostkonflikt nicht auf regionale Erschütterungen beschränkt bleibt

Nikolaj Gaponenko, promovierter Wirtschaftswissenschaftler und außerordentlicher Professor am Institut für Recht und Nationale Sicherheit, über die Transformation des Persischen Golfs zum Epizentrum von Ereignissen, die das gesamte globale Energiesystem grundlegend verändern können, und die damit verbundenen Konsequenzen.

Die Welt tritt in eine neue Energierealität ein. Die aktuelle Krise ist nicht nur ein weiterer Preisschock, sondern ein struktureller Bruch. Die Ära, in der Energie relativ leicht zugänglich und global verfügbar war, weicht einer Ära der Fragmentierung, hoher Risiken und permanenter Volatilität. Der Nahe Osten ist nicht länger nur eine „Region der Instabilität“, er ist zum Epizentrum geworden, in dem sich das Schicksal der Globalisierung entscheidet.

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16. Tag im Angriffskrieg Israels und der USA gegen den Iran (Ticker 14:30 Uhr)

Von Peter F. Mayer und Jochen Mitschka – 15. März 2026

Weiter kein Lebenszeichen von Netanjahu, Tel Aviv leidet wie Teheran unter Raketeneinschlägen, USA bereiten Bodenoffensive vor, Bodenkämpfe deuten sich im Irak an, und die Hisbollah wehrt sich gegen eine Besatzung des Südlibanons, während die libanesische Armee sich noch weigert, einen Bürgerkrieg zur Unterstützung Israels zu beginnen und die Terrorgruppe HTS ebenfalls noch nicht versucht in den Libanon einzumarschieren.

Was geschah in der letzten Nacht, wie sehen arabische Medien die Entwicklung? In den Nachrichten arabischer Medien wie Al Jazeera wird der anhaltende US-israelische Krieg gegen den Iran seit dem 28. Februar 2026 als Eskalation mit schweren Raketenangriffen beschrieben. Iran hat eine Salve von Raketen auf Israel abgefeuert, wobei Treffer im Zentrum Israels wie in Holon gemeldet wurden, und erklärt zusätzliche Angriffe auf US-Basen im Irak und Kuwait. Gleichzeitig haben US- und israelische Streitkräfte Ziele in der zentralen Provinz Isfahan mit Raketen beschossen, wobei mindestens 15 Zivilisten getötet wurden. Arabische Quellen berichten außerdem von iranischen Vergeltungsschlägen auf Golfstaaten wie Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate, darunter Brände in der großen Ölanlage Fujairah in den VAE. Damit macht der Iran seine Warnung wahr, alle US-Interessen in den Ländern anzugreifen, welche den Krieg durch Bereitstellung von Militärbasen oder Überflugrechten möglich gemacht haben.

Die Zivilbevölkerung im Iran leidet stark, mit mindestens 1.444 Toten und über 18.000 Verletzten seit Beginn der Angriffe, wie das iranische Gesundheitsministerium angibt. Opferzahlen in Israel unterliegen der Zensur.

Sicht aus China

Chinesische Nachrichtenquellen wie CGTN und Global Times betonen die regionale Ausweitung des Krieges und die diplomatischen Bemühungen Pekings um Deeskalation. Israel erklärt den Konflikt in die „entscheidende Phase“ eingetreten, während Explosionen Städte im gesamten Nahen Osten erschüttern, einschließlich Angriffen auf die US-Botschaft in Bagdad und die Emirati-Energieanlage Fujairah.

China berichtet von über 15.000 getroffenen Zielen im Iran durch US- und israelische Luftangriffe und warnt vor steigenden Ölpreisen sowie wirtschaftlichen Schocks durch die Blockade der Straße von Hormuz. Die neuen iranischen Vergeltungsschläge, darunter auf israelische Raffinerien in Haifa, werden als Reaktion auf US-israelische Energieinfrastruktur-Angriffe erklärt.

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Warum sehen mehr Russen Polen als Feind an als jedes andere Land?

Von Andrew Korybko – 15. März 2026

Polen ist Russlands ältester Rivale, hat im Laufe des letzten Jahrtausends mehr als zwei Dutzend kriegerische Konflikte mit Russland ausgetragen und macht keinen Hehl aus seiner Absicht, nach dem Ende des Ukraine-Kriegs die regionale Eindämmung Russlands anzuführen.

Notes From Poland“ machte im Januar auf einen Bericht aufmerksam, den das Levada-Zentrum im Auftrag der deutschen Sacharow-Gesellschaft unter dem Titel „Russland und die Welt: Feinde, Konkurrenten, Partner“ erstellt hatte. Unter anderem zeigte sich darin, dass 62 Prozent der Russen Polen als Feind betrachten, ebenso viele wie Litauen. Das winzige Litauen wird in den Köpfen der meisten Russen mit Polen gleichgesetzt, während Großbritannien, das mit 57 Prozent an zweiter Stelle steht, einer der historischen Rivalen Russlands ist; die Platzierung der einzelnen Länder folgt also einer gewissen Logik.

Die von Polen bedarf jedoch einer näheren Betrachtung, da oberflächliche Beobachter überrascht sein könnten, dass so viele Russen es als Feind wahrnehmen. Zunächst einmal ist Polen Russlands ältester Rivale, und ihre Vorgängerstaaten führten im Laufe des vergangenen Jahrtausends mehr als zwei Dutzend kriegerische Konflikte gegeneinander. Die bedeutendsten davon fanden im letzten halben Jahrtausend seit der Gründung des Polnisch-Litauischen Commonwealth im Jahr 1569 statt und umfassten sogar die einzige ausländische Besetzung der russischen Hauptstadt (1610–1612) seit der Mongolenzeit.

In diesem Zusammenhang verwechseln die meisten Russen fälschlicherweise Polen und Litauen, weshalb sie beide Länder gleichermaßen als Feinde wahrnehmen, da sie über 400 Jahre lang (1386–1795) entweder in einer Union oder in einem Commonwealth miteinander verbunden waren. Das historische Gedächtnis ist nur ein Teil des Grundes, warum mehr Russen Polen als Feind betrachten als jedes andere Land (unter Berücksichtigung der oben genannten Beobachtung, dass sie Polen und Litauen fälschlicherweise miteinander vermischen), da auch die aktuelle Geopolitik eine Rolle spielt.

Unter Russen ist es heutzutage allgemein bekannt, dass Polen die Wiederherstellung seines längst verlorenen Großmachtstatus anstrebt. Sie sind sich auch bewusst, dass Polen der wichtigste Partner der USA in Mittel- und Osteuropa ist und dementsprechend eine unersetzliche militärisch-logistische Rolle bei der Fortsetzung des NATO-Stellvertreterkriegs gegen ihr Land über die Ukraine gespielt hat, dem traditionellen Schauplatz der historischen russisch-polnischen Rivalität. Viele erinnern sich daran, dass Polen im Sommer 2020 auch die gescheiterte Farbrevolution gegen den verbündeten belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko unterstützt hat.

Polens beispielloser militärischer Aufbau, der dazu führte, dass das Land nun über die größte Armee der EU und die drittgrößte der NATO hinter den USA und der Türkei verfügt, ist auch vielen Russen bekannt. Viele von ihnen erinnern sich auch daran, dass die unter Bush Jr. begonnenen „Raketenabwehr“-Pläne der USA in Polen, die der Kreml als Vorwand für die heimliche Stationierung von Offensivraketen unter Verletzung früherer Rüstungskontrollabkommen verdächtigte, zu den ersten ernsthaften Spannungen zwischen Russland und den USA seit dem Ende des Kalten Krieges führten.

Dennoch bedeutet die Wahrnehmung der Russen, Polen (und Litauen, das sie fälschlicherweise damit gleichsetzen) als Feind zu betrachten, nicht, dass sie das polnische Volk als ihren Feind ansehen. Als amerikanisch-polnischer Staatsbürger mit doppelter Staatsbürgerschaft (geboren und aufgewachsen in den USA, aber mit polnischer Staatsangehörigkeit durch meinen Vater), der seit zwölfeinhalb Jahren mit meinem polnischen Pass in Moskau lebt, habe ich nie irgendeine Polonophobie seitens der Russen erlebt. Es sind nur einige „nicht-russische Pro-Russen“, die polonophob sind, wie ich hier erklärt habe.

Betrachtet man das Gesamtbild, ist es daher verständlich, warum mehr Russen Polen als Feind wahrnehmen als jedes andere Land (nachdem Litauen den gleichen Platz einnimmt). Polen ist Russlands ältester Rivale, hat im Laufe des letzten Jahrtausends mehr als zwei Dutzend militärische Konflikte mit Russland ausgetragen und macht keinen Hehl aus seiner Absicht, nach dem Ende des Ukraine-Konflikts die regionale Eindämmung Russlands anzuführen. Wie zu erwarten, betrachten auch die Polen Russland als Feind, sodass davon auszugehen ist, dass ihre historische Rivalität noch viele Jahre andauern wird.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Demokratie à la Ukraine: Selensky droht Abgeordneten, die nicht in seinem Sinne abstimmen, mit Einberufung an die Front

Von Thomas Röper – 15. März 2026

Nachdem er selbst in seiner eigenen Fraktion zunehmend die Unterstützung verliert, droht Selensky den Abgeordneten des Parlaments mit Einberufung an die Front, wenn sie nicht für die von ihm geforderten Gesetze stimmen.

Das ukrainische Modell von Demokratie war schon immer sehr speziell. Die Ukraine war seit ihrer Gründung ein hochgradig korrupter Staat, in dem es vollkommen normal war, dass die Vertreter verschiedener Interessensgruppen vor wichtigen Abstimmungen mit Koffern voller Bargeld im Parlament unterwegs waren, um Stimmen von Abgeordneten zu kaufen. In der Ukraine war es immer vollkommen normal, dass viele Politiker ihre Parteizugehörigkeit vor jeder Wahl wechselten und sich der gerade führenden Strömung anschlossen, um im Parlament zu bleiben. Und es war normal, dass Oligarchen den Wahlkampf von Dutzenden Abgeordneten finanzierten, um sie und ihr Abstimmungsverhalten zu kontrollieren.

Nun aber scheint sich im ukrainischen Parlament etwas zu ändern. Nicht zu mehr Demokratie, aber offenbar befürchten immer mehr Abgeordnete eines Tages für ihr Abstimmungsverhalten während des Krieges zur Verantwortung gezogen zu werden, denn mit ihren Maßnahmen sorgen sie nicht nur für den finanziellen und wirtschaftlichen Untergang der Ukraine, sondern auch für ihre Entvölkerung durch die ungeheuren Verluste in dem inzwischen nicht mehr gewinnbaren und daher vollkommen sinnlosen Krieg.

Das ist zumindest meine Interpretation dafür, dass das Parlament sich immer öfter gegen die von Selensky geforderten Gesetze stellt und sich weigert, ihnen zuzustimmen. Das wäre ja noch verständlich, wenn es nur um die Fraktionen anderer Parteien ginge, aber sogar die Fraktion von Selenskys Regierungspartei „Diener des Volker“ verweigert dem Machthaber sogar bei wichtigen Gesetzen immer öfter die Gefolgschaft.

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Deckerinnerung als Politpraxis

Von Moshe Zuckermann – 14. März 2026


IDF-Selbstdarstellung

Was sich in Israel in den letzten drei Jahren zugetragen hat, wird von der Bevölkerung kaum noch diskutiert. Wie erklärt sich das?

Der Begriff Deckerinnerung stammt aus der Psychoanalyse, besonders aus den Arbeiten von Sigmund Freud. Er beschreibt eine scheinbar unwichtige oder banale Erinnerung aus der Kindheit, die tatsächlich eine andere, emotional bedeutsame oder verdrängte Erinnerung „verdeckt“. Verdeckt werden soll die bedeutsame Erinnerung wegen ihres dem Erinnernden unangenehmen bzw. unerträglichen Inhalts.

Der Begriff lässt sich nicht ohne weiteres auf kollektive Erinnerungen übertragen, und doch kann man Verdeckungspraktiken auch bei Kollektiven nachweisen. In der Soziologie hat sich dafür der Begriff der Ideologie etabliert, welcher in der marxistischen Tradition auch mit dessen negativen Deutung als „falsches Bewusstsein“ einhergehen mag. Dabei kann Ideologie als bewusste, aber auch als eine sich gleichsam „von selbst“ ergebende Manipulation des Bewusstseins wirken; beide sind mit den Kategorien der Rationalisierung, der Schutzbehauptung und der Rechtfertigung verschwistert. Ziel ist dabei das Verdrängen bzw. das Vergessen des Unangenehmen oder auch narzisstisch Kränkenden, wobei Manipulierende und Manipulierte sich wechselseitig beeinflussen.

Denkt man etwa an das erste Jahrzehnt der alten Bundesrepublik, so stach das Beschweigen des Zweiten Weltkriegs, mithin der Shoah, hervor. Sich in der wirtschftswunderlichen Normalität schnell einlebend, konnte man allerlei deckerinnernde Narrative annehmen, sprach bald vom „anderen Deutschland“, apostrophierte die NS-Zeit als geschichtlichen „Betriebsunfall“ oder gab schlicht vor, von nichts gewusst zu haben. Verdeckt wurde dabei, Margarete und Alexander Mitscherlich zufolge, die sogenannte Unfähigkeit (der Deutschen) zu trauern, was – entgegen dem common sense – die Unfähigkeit, sich vom Faschismus zu verabschieden meinte, der bei sehr vielen innerlich noch nachwirkte, äußerlich jedoch illegitim und politisch inakzeptabel war.

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Politisch und humanitär kann Deutschland sofort handeln“: Lage in Kuba

Von Benjamin Roth – 14. März 2026

Die US-Regierung hat die Sanktionen gegen Kuba erneut verschärft und droht Ländern, die die Insel mit Erdöl beliefern, mit hohen Strafzöllen. Die Blockade löst international Proteste aus. Vinzenz Hans Glaser ist Mitglied des Deutschen Bundestages für die Partei Die Linke. Der studierte Erzieher und Friedenspädagoge ist Mitglied des Auswärtigen Ausschusses und Sprecher für antikoloniale Außenpolitik der Linksfraktion. Im Interview mit amerika21 spricht er über die geopolitischen Hintergründe der Verschärfung der US-Blockade gegen Kuba, die Auswirkungen der Rohstoffknappheit, den Umgang der kubanischen Bevölkerung damit und benennt Forderungen an die Bundesregierung. Von Benjamin Roth.

Wie ordnen Sie die Verschärfung der US-Blockade gegen Kuba ein?

Die Verschärfung der US-Blockade gegen Kuba ist ein klarer Bruch des Völkerrechts und trifft unmittelbar die Bevölkerung, die bereits seit über 60 Jahren unter der Blockade leidet. Bereits vorher war die wirtschaftliche Situation angespannt. Ende Januar erklärte die US-Administration, die kubanische Regierung stelle eine „ungewöhnliche und außergewöhnliche Bedrohung“ für die nationale Sicherheit der USA dar, ohne eine nachvollziehbare Begründung zu liefern. Damit wird eine Erzählung konstruiert, die den Weg für eine aggressive und unilaterale Politik freimacht. Dieser Schritt reiht sich ein in eine seit Jahrzehnten bestehende Regime-Change-Politik gegen unliebsame Regierungen. Ähnliche Strategien sahen wir bereits Anfang des Jahres in Venezuela, wo unter dem Vorwand einer angeblichen Bedrohung Maduro völkerrechtswidrig entführt wurde. Wir verurteilen als Linke aufs Schärfste das imperialistische Großmachtstreben der USA, das Lateinamerika als Einflussgebiet betrachtet und offen mit militärischer und wirtschaftlicher Gewalt droht, um seine Regime-Change-Politik durchzusetzen.

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Die Vereinigten Staaten haben sich im Iran übernommen

Von Murad Sadygzade – 14 März 2026

Washington projiziert, wie schon so oft zuvor, seine eigenen Annahmen auf eine politische Kultur, die es nur im Ansatz versteht. Diese Ignoranz erklärt auch, warum die aktuelle militärische Kampagne [in Wahrheit ein verbrecherischer Angriffskrieg; die Red.] gegen den Iran nicht die von Washington erhofften Ergebnisse hervorgebracht hat.

Es ist noch viel zu früh, um mit Sicherheit sagen zu können, wann die gegenwärtige Phase des US-israelischen Krieges gegen Iran enden wird. Selbst profunde Kenntnisse der Region lösen das Problem der Unsicherheit nicht.

Zu viele entscheidende Variablen entziehen sich jedem einfachen regionalen Modell. Entscheidungen in Washington sind wichtig. Chinas Haltung ist wichtig. Die Kalkulationen der globalen Finanz- und Politikelite sind wichtig. Die individuellen Risikoschwellen der Golfmonarchien sind wichtig. Kein seriöser Analyst kann all dies in eine einfache Formel pressen. Betrachtet man jedoch die sichtbare Entwicklung der letzten beiden Tage und geht man davon aus, dass keine strategischen Schocks das Muster umkehren, ist die plausibelste Erwartung, dass diese akute Phase noch etwa zehn Tage, vielleicht auch etwas länger, andauern wird. Das wäre die nüchternste Interpretation der aktuellen Lage.

Zunächst gilt es, die bequeme Sprache von Sieg und Niederlage abzulehnen. Iran hat im endgültigen Sinne weder gewonnen noch verloren. Was wir erleben, ist kein isolierter Krieg mit einem klaren Anfang und einem klaren Ende, sondern ein weiteres gewaltsames Kapitel in der umfassenderen Konfrontation, die am 7. Oktober 2023 in eine neue aktive Phase eintrat. Seitdem hat Israel versucht, Teheran strategisch einzudämmen, zurückzudrängen, seine Abschreckung zu schwächen und, wenn möglich, eine historische Wende im regionalen Machtgleichgewicht herbeizuführen. Doch dieses Ziel blieb unerfüllt. Der Krieg dauert an, weil sich der politische Organismus Irans als weitaus widerstandsfähiger erwiesen hat, als viele in Washington und Westjerusalem erwartet hatten.

Diese Widerstandsfähigkeit wird im Westen regelmäßig missverstanden, weil Iran allzu oft durch Kategorien betrachtet wird, die Außenstehenden schmeicheln, anstatt die iranische Realität zu erklären. Analysten, die nur nach wirtschaftlichen Faktoren, Absprachen der Eliten, sozialer Frustration, Korruption, Sanktionsmüdigkeit oder technologischer Rückständigkeit suchen, untersuchen die äußere Hülle des Staates und übersehen dabei seine innere Struktur. Iran stützt sich nicht allein auf Ideologie, Wirtschaftsleistung oder die Eigeninteressen seiner Eliten. Im tiefsten Inneren ruht die Islamische Republik auf einem viel älteren Fundus an Legitimität, Erinnerung, Ritualen und heiliger Geschichte. Der moderne iranische Staat schöpft seine Kraft aus einer zivilisatorischen Tiefe, die der Republik selbst vorausgeht und sie in wichtigen Aspekten sogar übertrifft.

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15. Tag im Angriffskrieg Israels und der USA gegen den Iran (Ticker 17:00 Uhr)

Von Peter F. Mayer / Jochen Mitschka – 14. März 2026

Der Iran hatte kein Interesse an einem Waffenstillstand gezeigt, mit der Begründung, man habe keine Lust, nach ein paar Monaten wieder angegriffen zu werden. Das Ziel des Irans ist offensichtlich eine dauerhafte Friedenslösung zu erreichen, welche Israels Expansion eindämmt, die Golfdiktaturen zur Neutralität statt US-Vasallenschaft oder sogar Kooperation bringt, und den Einfluss der USA in der Region zerstört. Nun zu den Ereignissen seit gestern Abend 21:00 Uhr.

Um 21:50 Uhr am 13. März führte die israelische Armee einen Luftangriff auf ein Wohnhaus in Nabatije im Südlibanon durch, bei dem sechs Menschen, darunter ein junges Mädchen, getötet wurden; das israelische Militär äußerte sich nicht dazu. In der Nacht ab ca. 00:16 Uhr kam es in Katar zu Explosionen und vorübergehenden Evakuierungen mehrerer Gebiete, nachdem iranische Angriffe auf Golfstaaten gemeldet wurden; Reporter hörten Abfangjäger über Doha. Ziel des Irans waren wieder Reste von US-Anlagen und Soldaten. Um 00:18 Uhr warnten iranische Streitkräfte die USA offiziell vor Angriffen auf Öl-, Wirtschafts- oder Energieinfrastruktur und drohten, manche sagten „kündigten an“, mit der Zerstörung aller entsprechenden US-Einrichtungen in der Region. Angriffe einstecken zu müssen, nachdem sie angekündigt worden waren, ist noch erniedrigender für die USA als Angriffe ohne Ankündigung.

Der 15. Tag

Um 00:38 Uhr verkündete US-Präsident Donald Trump, dass die US-Armee einen der heftigsten Luftangriffe in der Geschichte des Nahen Ostens auf militärische Ziele der iranischen Öl-Exportinsel Kharg durchgeführt habe. Damit wurde klar, dass die USA offensichtlich den Plan aufgaben, iranisches Öl über diese Insel zu stehlen, nachdem sie die Führung des Landes „eliminiert“ hatten. Die Tatsache, dass der Iran diesen Schlag, der die Anlagen zerstört, bewusst und kalkulierend einsteckt, obwohl darüber  bisher 80% des iranischen Öls exportiert wurden, kann nur bedeuten, dass sie einen Plan B haben.

Um 01:30 Uhr wurde ein weiterer Raketenangriff auf Katar abgewehrt, wie westliche Medien melden, wobei das Verteidigungsministerium allerdings zusätzliche Evakuierungen anordnete. Um 01:59 Uhr kündigte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth ein „gnadenloses Vorgehen“ im Krieg gegen den Iran an und erklärte: „Kein Pardon, keine Gnade für unseren Feind.“ Was angesichts der schon bisher erfolgten gnadenlosen Angriffe auf Schulen, pharmazeutische Fabriken, Krankenhäuser und Wohngebäude etwas übertrieben theatralisch erscheint. Ebenfalls um 01:59 Uhr tötete ein israelischer Luftangriff auf ein Gesundheitszentrum in Borj Qalaouiya im Südlibanon mindestens zwölf medizinische Mitarbeiter; die Zahl könnte noch steigen. Geradeso als wollte Israel das „gnadenlos“ noch mal unterstreichen.

In den frühen Morgenstunden des 14. März 2026 wurden weitere Angriffe auf Ziele in Teheran, Karadsch und anderen iranischen Städten gemeldet, mit dicken Rauchwolken über der Hauptstadt; zudem traf eine Rakete das US-Botschaftsgelände in Bagdad (Helipad), was Rauchentwicklung auslöste.

Iranisch gestützte Milizen im Irak kündigten weitere Angriffe auf US-Einrichtungen an. Dies soll die USA möglicherweise von der Idee abbringen, mit dem Invasionskorps, das unterwegs zum Iran ist, gegen den Iran im Bereich der Straße von Hormus vorzugehen, und die USA in den Irak locken soll, um die dortigen US-Soldaten zu entlasten.

Tatsächlich sind die Seeleute der USA bereits seit viel längerer Zeit auf See und erschöpft, so wie ihre Schiffe. Während der Iran offensichtlich kein Problem mit Nachschub und Motivation hat, sind mindestens zwei Flugzeugträger am Rande ihrer Leistungsfähigkeit, und einer möglicherweise bereits beschädigt. Mit jedem Anschlag auf Krankenhäuser, Schulen und anderen „gnadenlosen“ Massakern wächst die Wut und Motivation im Iran.

08 Uhr 15:

Wo ist Netanyahu?

Wie gestern berichtet wurde gestern eine durch KI generierte Ansprache von Netanyahu öffentlich, wo über das Kommen des Messias orakelt wurden. Tatsächlich ist Premier Benjamin Netanyahu seit mindestens 10 Tagen abgängig ebenso wie der israelische Minister Itamar Ben-Gvir.

Das Originalvideo, obwohl KI-generiert, ist jedoch authentisch und wurde vom israelischen Premierministeramt (PMO) selbst veröffentlicht – in voller HD-Qualität auf dem offiziellen YouTube-Kanal ohne die genannten Artefakte. Israel hat die Rede nicht dementiert, sondern sie als reale Aussage stehen lassen. Das Büro Netanyahus hat lediglich allgemein geraten, nur auf offizielle Quellen zu achten, um Fake-News und Todesgerüchte zu bekämpfen. Es gibt keine spezifische Stellungnahme wie „Das Video ist fake“ oder „Netanyahu hat das nie gesagt“ – weil die Inhalte stimmen. Im Gegensatz zum Christentum ist er kein göttlicher Sohn Gottes, kein Erlöser von persönlichen Sünden und kein bereits gekommener Heiland. Er ist ein zukünftiger menschlicher König aus der davidischen Linie (Nachkomme von König David), der die Welt in ein Zeitalter des Friedens und der göttlichen Erkenntnis führen wird. Der Glaube an seine Ankunft gehört zu den 13 Glaubensprinzipien des Maimonides (12. Prinzip): „Ich glaube mit vollkommener Überzeugung an das Kommen des Messias; und auch wenn er sich verspäten sollte, warte ich täglich auf ihn.“

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Der iranische und der russische Botschafter widerlegen falsche Behauptungen über Indiens „Verrat“

Von Andrew Korybko – 14. März 2026

Pepe Escobar behauptete in der vergangenen Woche, Indien habe Russland und den Iran nacheinander verraten. Eine gefährliche Falschmeldung, meint unser Autor.

Der iranische Botschafter in Indien antwortete am Freitag auf eine Frage von RT India zu widersprüchlichen Berichten, wonach der Iran Indien die Erlaubnis zur Nutzung der Straße von Hormus erteilt habe, mit der Erklärung: „Ja, denn Indien ist unser Freund. Sie werden es innerhalb von zwei oder drei Stunden sehen.“ Seine Bestätigung erfolgte, nachdem Premierminister Narendra Modi sein erstes Telefonat mit dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian seit Beginn des Dritten Golfkriegs geführt hatte, während sein Chefdiplomat Dr. Subrahmanyam Jaishankar sein viertes Gespräch mit seinem Amtskollegen führte.

Diese Nachricht dürfte für viele Mitglieder des russischen „globalen Medienökosystems“ überraschend kommen, nachdem einer seiner einflussreichsten Akteure, Pepe Escobar, einen Artikel darüber veröffentlicht hatte, wie Indien angeblich sowohl Russland als auch den Iran „verraten“ habe. Er sprach darüber auch in einem Podcast mit Judge Andrew Napolitano und hatte zuvor auf X darüber gepostet, nachdem er auf ein mittlerweile widerlegtes, virales, KI-gestütztes pakistanisches Fake-Video hereingefallen war, in dem der Chef der indischen Armee angeblich zugab, Israel die Koordinaten des iranischen Schiffes gegeben zu haben, das die USA später versenkten.

Pepe ist mit Außenminister Sergej Lawrow, dessen Sprecherin Maria Sacharowa, dem stellvertretenden Duma-Vorsitzenden Alexander Babakow und dem Beauftragten für Integration und Makroökonomie innerhalb der Eurasischen Wirtschaftskommission, Sergej Glasjew, befreundet und gehört dem führenden russischen Think Tank, dem Valdai-Club, als privilegiertes Mitglied an. Er gilt daher aufgrund seiner Arbeit zu diesem Thema als „die Stimme russischer Insider“, als „Russlands BRICS-Guru“ und als „das ausländische Gesicht der russischen Soft Power“. Das ist in diesem Zusammenhang problematisch.

Er schrieb auf X, dass es in seiner zweiteiligen Artikelserie über den Dritten Golfkrieg „jede Menge privilegierte Informationen“ gebe; der zweite Teil wurde zwei Absätze weiter oben geteilt, und der erste Teil kann hier nachgelesen werden. Der erste Teil ist relevant, da Pepe Escobar darin schrieb, dass „Indien nacheinander sowohl das Vollmitglied der BRICS, Russland, als auch den Iran verraten hat“. Er bezeichnete Indien zudem als „unzuverlässig“, als unwürdig, den Globalen Süden anzuführen, wie es das Land anstrebt, und als offenbar prädestiniert, aus den BRICS suspendiert oder sogar ausgeschlossen zu werden.

Die iranische Dimension von Indiens angeblichem „Verrat“ wurde gerade vom iranischen Botschafter in Indien widerlegt, während die russische Dimension bereits am Vortag vom russischen Botschafter in Indien widerlegt worden war, der dem neu gestarteten Sender RT India ein ausführliches Interview über die bilateralen Beziehungen der beiden Länder gab. Dies wurde hier analysiert, doch die wichtigsten Punkte sind, dass er Indien und insbesondere dessen Vorsitz bei den BRICS überschwänglich lobte. Es ist daher schlichtweg falsch, dass „Indien nacheinander sowohl das Vollmitglied der BRICS, Russland, als auch den Iran verraten hat“.

Während oberflächliche Beobachter vielleicht glauben, dass Escobars „privilegierte Informationen“ hierzu aus seinem umfangreichen Netzwerk offizieller russischer Freunde stammen, was zu dem falschen Eindruck führt, Russland unterstütze seine Angriffe gegen Indien, hat er zuvor Verbindungen zu mindestens drei ausländischen Geheimdiensten offenbart, die die eigentliche Quelle sein könnten. Im April 2024 gab er zu, mit „zwei Geheimdiensten aus zwei verschiedenen asiatischen Ländern“ in Kontakt zu stehen, und ließ dann letzten Monat durchblicken, dass er auch „einen Freund in einem der europäischen Geheimdienste“ habe.

Daher könnte eine dieser Quellen oder vielleicht eine andere, bislang nicht bekannt gegebene Information dafür verantwortlich sein, dass er fälschlicherweise behauptete, „Indien habe nacheinander sowohl das Vollmitglied der BRICS, Russland, als auch den Iran verraten“, wogegen die Botschafter dieser Länder in Indien ihn gerade widerlegt haben. Dennoch könnten oberflächliche Beobachter weiterhin glauben, dass seine offiziellen russischen Freunde dahinterstecken, und so Russlands Image in ihren Augen schädigen. Das schlimmste Szenario wäre, wenn indische Beamte dies ebenfalls glauben würden, was durchaus möglich ist.

Die Lehre daraus ist, dass großer Einfluss große Verantwortung mit sich bringt, und jemand wie Pepe Escobar, der aufgrund seines umfangreichen Netzwerks offizieller russischer Freunde als „die Stimme russischer Insider“ bekannt ist, sollte keine Gerüchte über strategische Partner wie Indien als Tatsachen ausgeben. Obwohl er dies in persönlicher Verantwortung teilte, werden die meisten Beobachter davon ausgehen, dass seine „privilegierten Informationen“ aus Russland stammten, daher ist zu hoffen, dass er diesen Fehler nicht noch einmal begeht. Seine offiziellen russischen Freunde könnten ebenfalls verärgert über ihn sein, falls ihre indischen Amtskollegen diesbezüglich nachfragen sollten.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.