Von Andrew Korybko – 15. Juli 2026

Der NATO-Russland-Stellvertreterkrieg in der Ukraine, die Kriege in Westasien und die indisch-pakistanischen Auseinandersetzungen im Frühjahr 2025 haben die Annahmen der letzten fast 80 Jahre in Bezug auf strategische Sicherheit auf den Kopf gestellt – mit ungewissen Folgen für die strategische Stabilität.
Rose Gottemoeller, die US-Staatssekretärin für Rüstungskontrolle und internationale Sicherheit aus der Obama-Ära, veröffentlichte letzten Monat in Foreign Affairs einen aufschlussreichen Artikel mit dem Titel „Die seltsame Niederlage der nuklearen Abschreckung“. Dieser wird in diesem Beitrag zusammengefasst und kurz analysiert. Der Kernpunkt ist, dass die ukrainische „Operation Spiderweb“, die iranischen Angriffe auf Israel und die indisch-pakistanischen Zusammenstöße im Frühjahr 2025 gezeigt haben, dass Atomwaffen allein Gegner nicht abschrecken. Das alte Modell der nuklearen Abschreckung ist daher nicht mehr gültig.
Was früher „Abschreckung durch die Androhung nuklearer Vergeltungsmaßnahmen“ war, weicht nun der Abschreckung durch Verhinderung im Sinne einer „Entmutigung des Angreifers, indem ein Angriff durch robustere Verteidigungsmaßnahmen als sinnlos erscheint“. Israel wird in dieser Hinsicht aufgrund seiner mehrstufigen Luftabwehr als Vorreiter dargestellt, doch selbst diese hat sich als unzureichend erwiesen, um das Land – einschließlich seiner Plutoniumaufbereitungsanlage in Dimona – vollständig zu schützen. Zudem spielen sehr klare Kosten-Nutzen-Abwägungen eine Rolle, die gegen den verteidigenden, atomar bewaffneten Staat sprechen.
Gottemoeller stellt interessanterweise fest, dass „widersprüchliche Trends hinsichtlich der nuklearen Abschreckung bestehen. Die nukleare Stabilität zwischen den beiden Supermächten der Zeit des Kalten Krieges scheint konventionelle Konflikte in Europa und Ostasien in Schach zu halten. Der neue Konkurrent, China, könnte diese Stabilität stören, doch vorerst hält sie an. In Südasien hingegen kommt es zu konventionellen Kriegen, obwohl beide Seiten über Atomwaffen verfügen. Diese Realitäten legen nahe, dass die bestehenden Atommächte ihre Atomwaffen weiterhin aufrechterhalten müssen“.
Sie rät: „Die Länder müssen die sich wandelnde Landschaft der konventionellen Kriegsführung erkennen und begreifen, wie Drohnen und ballistische Raketen die zentrale strategische Rolle von Atomwaffen bedrohen. Regierungen müssen bessere Verteidigungsmaßnahmen entwickeln und ein widerstandsfähiges Bollwerk gegen konventionelle Angriffe auf ihre Nuklearstreitkräfte errichten.“ Sie schlägt außerdem vor, dass sie ihre erklärte Politik überdenken sollten, und argumentiert, dass Russland in ein schlechtes Licht geriet, nachdem es erklärt hatte, Atomwaffen einsetzen zu können, falls seine Triade angegriffen würde, sich dann aber dagegen entschied, als die Ukraine genau dies tat.
Insgesamt ist Gottemoellers Beitrag aufschlussreich und für alle, die sich für dieses Thema interessieren, durchaus lesenswert. Wie es der Zufall will, spiegelt ihr Vorschlag die Äußerungen des ehemaligen russischen Top-Spions Andrey Bezrukov wider, der auf die dringende Notwendigkeit seines Landes hinwies, seine kritische Infrastruktur zu sichern. Im Gegensatz zu ihr argumentierte Bezrukov jedoch überzeugend, dass die Ukraine als Stellvertreter des Westens fungiere, um nach dem Prinzip des „kochenden Frosches“ durch schrittweise eskalierende Provokationen die Reaktion Russlands unterhalb der nuklearen Schwelle zu halten.
Bezrukov behauptete zudem, dass die USA Russlands nukleare Fähigkeiten durch weitere „Operation Spiderwebs“ und weltraumgestützte Systeme neutralisieren wollen. Seine Ausführungen darüber, wie Atommächte zu diesem Zweck nicht-nukleare Staaten als Stellvertreter gegen andere Atommächte einsetzen können, sowie seine Warnung vor weltraumgestützten Systemen sind relevant für das Thema der sich entwickelnden Trends zur strategischen Stabilität und des Wandels der nuklearen Abschreckung. Gottemoeller und Bezrukov sollten daher in dieser Hinsicht als die führenden Denker ihrer jeweiligen Länder angesehen werden.
Die Kernaussage von Gottemoellers Artikels lautet, dass der Proxy-Krieg in der Ukraine, die Kriege in Westasien und die indisch-pakistanischen Zusammenstöße im Frühjahr 2025 die Annahmen der letzten fast 80 Jahre über strategische Sicherheit auf den Kopf gestellt haben – mit ungewissen Folgen für die strategische Stabilität. Zwar bleibt das herkömmliche Denken im Hinblick auf das Szenario eines konventionellen Konflikts zwischen Russland und den USA relevant, doch selbst dieses wurde durch den Einsatz der Ukraine als Stellvertreter gegen Russland durch die USA weitgehend untergraben, sodass es nun an der Zeit ist, dass Experten völlig neue Modelle entwickeln.
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[[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert.







