Die Aluhüte des Mainstreams

Von Jens Berger – 6. Februar 2026

Westliche „Eliten“ sollen etwas mit dem Missbrauch minderjähriger Mädchen zu tun haben? Kann nicht sein. Jahrelang haben die selbsternannten Qualitätsmedien des Westens die „Epstein-Affäre“ wahlweise totgeschwiegen oder als Verschwörungstheorie irgendwelcher Spinner im Netz abgetan. Nun haben sie, wie Annalena Baerbock es formulieren würde, eine 360-Grad-Wende vollzogen und beweisen der Welt, dass niemand so gute Verschwörungstheorien basteln kann wie die Edelfedern des Mainstreams. Eine Glosse von Jens Berger.

Es kommt ja nicht oft vor, aber manchmal sind sich die Verschwörungstheoretiker auf Telegram und X und die Verschwörungstheoretiker in den Redaktionsstuben des Mainstreams erstaunlich ähnlich. Die Vorstellung, dass westliche Eliten von sich aus und ohne einen fiesen Masterplan durch einen noch fieseren Oberbösewicht die unaussprechlichen Sexualstraftaten begangen haben sollen, die ihnen in den Epstein Files vorgeworfen werden, erschüttert offenbar so manches Weltbild. Und was nicht sein darf, kann ja auch bekanntlich nicht sein. Also wird munter Täter-Opfer-Umkehr betrieben. Die elitären Täter sind in diesen Erzählungen dann die eigentlichen Opfer. Nur bei der Frage, wer denn nun genau der Oberbösewicht ist, unterscheiden sich die Verschwörungstheorien je nach Provenance dann doch.

Auf Telegram und X läuft es – wie so oft – auf einen klaren Favoritensieg hinaus. Schuld ist der Mossad! Wer auch sonst? Schließlich wussten schon unsere Groß- und Urgroßväter, dass im Zweifel der Jude die Strippen zieht und in Wahrheit™ hinter aller Unbill der Weltgeschichte steckt. Derlei Verschwörungstheorien sind heute – natürlich zu Recht – im Mainstream verpönt. Aber die Neigung, einen universellen Schurken zu haben, der für alles verantwortlich ist, ist freilich auch für den Mainstream sehr verlockend. Doch im modernen Deutschland geht man mit der Zeit und hat im Russen seinen neuen Juden gefunden. Vollkommen klar: Hinter so diabolischen Straftaten Epsteins kann ja nur der Russe stecken. Wer auch sonst?

[Hier weiterlesen]

„America First“: Trumps verzweifelter Anlauf zur neuen Weltherrschaft

Interview mit Werner Rügemer. Interview: Éva Péli – 6. Februar 2026

Ist Donald Trumps „America First“-Kurs ein Rückzug in den Isolationismus oder der Beginn einer aggressiven neuen Globalisierungswelle? Der Publizist, Philosoph und langjährige Gastautor der NachDenkSeiten Werner Rügemer analysiert im Gespräch mit Éva Péli, wie die USA unter dem Einfluss einer neuen Oligarchen-Generation weltweit nach Territorien und Ressourcen greifen. Er zeichnet das Bild eines „Raubtierkapitalismus“, der keine moralischen Masken mehr braucht und Europa zunehmend in eine gefährliche Abhängigkeit drängt.

Éva Péli: Viele Beobachter interpretieren die Politik Donald Trumps als Rückzug der Vereinigten Staaten von Amerika in den „Isolationismus“ oder zumindest auf den traditionellen Hinterhof Lateinamerika. Sie aber sagen: Mit Trump rolle eine neue Globalisierungswelle. Warum?

Werner Rügemer: Trump bezieht sich in seiner „Nationalen Sicherheitsstrategie“ vom Dezember 2025 auf die Monroe-Doktrin. Sie stammt von 1823, als der US-Gründungsstaat noch am Anfang seiner weiteren Expansion stand, in Nordamerika, und die europäischen Kolonialmächte raushalten beziehungsweise vertreiben wollte. Aber das Monroe-Prinzip besagt: Aus allen neu zu erobernden Gebieten müssen alle Feinde und Konkurrenten vertrieben werden!

1918, noch im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs, organisierten die USA gemeinsam mit ihren europäischen Alliierten – und in einer pragmatischen Allianz sogar mit dem befeindeten Deutschland – die militärische Intervention in Russland. Ziel dieser Invasion war es, die junge sozialistische Regierung unter Wladimir I. Lenin gewaltsam zu vertreiben und die alte Ordnung oder ein genehmes Regime zu restaurieren.

Obwohl dieser massive Versuch der Konterrevolution damals am Widerstand der Bevölkerung scheiterte, markiert er den Beginn einer Interventionspolitik, die im Kern bis heute anhält. Bekannte US-Präsidenten wie Theodore und Franklin D. Roosevelt, Harry S. Truman, Dwight D. Eisenhower, Richard Nixon, George H. W. und George W. Bush, Barack Obama sowie Joseph Biden setzten diese Expansionspraktiken fort – offen und geheim, mit professioneller fake production [Anm. NDS-Red.: systematische, industrielle Herstellung von Scheinrealitäten]. Das macht auch Trump, national, global, situationsbedingt auch in neuen Formen.

[Hier weiterlesen]

„Waffen nieder, Löhne rauf!”

Von German-Foreign-Policy.com – 6. Februar 2026

Interview mit Cinzia Della Porta über den Aktionstag gegen Militarisierung und Krieg in mehr als 20 Häfen am Mittelmeer – von Marokko über Italien bis in die Türkei.

Mit einem Aktionstag an diesem Freitag protestieren Arbeiter in mehr als 20 der größten Häfen am Mittelmeer gegen die Militarisierungspolitik der EU und gegen die Nutzung der Häfen für den Waffennachschub im Ukraine-Krieg und in Israel. Man setze sich gegen „die Umwandlung des Mittelmeers in einen Knotenpunkt für die Kriegsökonomie” zur Wehr, erläutert Cinzia Della Porta im Gespräch mit german-foreign-policy.com. Della Porta gehört dem Vorstand der italienischen Gewerkschaft Unione Sindicale di Base (USB) an, die an der Organisation des Aktionstags beteiligt ist. Die Häfen am Mittelmeer müssten „Orte des Friedens” sein, fordert die USB. Della Porta weist darauf hin, dass Arbeiter stets zu den ersten gehören, die „den Preis für den Krieg” zahlten, in Form zum Beispiel von Lohnkürzungen oder der Einschränkung gewerkschaftlicher Rechte; das seien „direkte Folgen der Kriegsökonomie”. Zudem würden etwa Hafenarbeiter, die Waffen verladen müssten, zu unfreiwilligen Komplizen in Kriegen, die sie ablehnten. Della Porta plädiert dafür, den „Widerstand gegen den Krieg mit sozialen Kämpfen um Löhne, öffentliche Dienstleistungen und Arbeiterrechte” zu verbinden.

[Hier weiterlesen]

Reiches Deutschland – Wie die Wirtschaftsministerin für die Wichtigen wirkt

Von Ralf Wurzbacher – 6. Februar 2026

Vom „Meinungsführertreffen“ am Tegernsee zum „VIP-Gipfel“ in die Tiroler Alpen: Katherina Reiche scheut vor keiner Innigkeit mit politischen und wirtschaftlichen Führern zurück. Hauptsache die Geschäfte laufen, die Wohlhabenden profitieren und dem Normalbürger wird genommen. Dass zu viel Kuschelei irgendwann peinlich wird, scheint ihr nicht in den Sinn zu kommen. Warum auch? Zum Rücktritt reicht das alles sowieso nicht.

Ja, es lässt sich mit Fug und Recht sagen, dass Katherina Reiche zu den reicheren Menschen im Land gehört. Als bis 2015 und damit lange vor ihrer Vereidigung zur Bundeswirtschaftsministerin wirkende Spitzenpolitikerin – allein zweimal war sie parlamentarische Staatssekretärin –, speziell aber danach als hochdotierte Managerin der Energiebranche hat sie gewiss allerhand auf die hohe Kante gelegt. Und wenn wer gut betucht aus der Wirtschaft in die Politik wechselt und dann auch noch so heißt, dann fordert das zu Wortwitzen geradezu heraus. Das muss die CDU-Frau aushalten, zumal gerade sie mit Anlässen zum Spotten nicht geizt.

[Hier weiterlesen]

Wie sind Trumps Aussichten für einen Regimechange auf Kuba?

Von Joseph Addington – 5. Februar 2026

US-Präsident Trump hat in seiner Nationalen Sicherheitsstrategie klar geschrieben, dass die Monroe-Doktrin, also die Dominanz der USA in ihrem “Hinterhof” Lateinamerika, für ihn oberste Priorität hat. Bei Venezuela hat er gezeigt, dass er das ernst meint, und nun scheint Kuba an der Reihe zu sein. […]

Bei The American Conservative ist dazu ein Artikel erschienen, der Trumps Strategie analysiert und den Thomas Röper übersetzt hat.

Trump nimmt Kurs auf einen Regimewechsel in Kuba

Mit Nicolás Maduro aus dem Weg gezerrt, zieht die USA die Schlinge um die kubanische Inselnation enger denn je.

Von Joseph Addington | The American Conservative

Präsident Donald Trump scheint den Geschmack seines vernichtenden „Sieges“ über Nicolás Maduro in Venezuela zu genießen. Nachdem er mit der US-amerikanische Dominanz in Lateinamerika auf den Geschmack gekommen ist, scheint er nicht gewillt zu sein, sich zurückzulehnen, wenn noch mehr im Angebot ist.

Am 11. Januar, kurz nach der Festnahme von Maduro bei einem Blitzzugriff in Caracas, ließ Trump auf Social Media eine Bombe platzen, mit der er direkt auf  Havanna zielte:

„Kuba lebte viele Jahre von großen Mengen ÖL und GELD aus Venezuela. Im Gegenzug stellte Kuba ‚Sicherheitsdienste‘ für die letzten beiden venezolanischen Diktatoren, ABER NICHT MEHR! Die meisten dieser Kubaner sind nachi dem Angriff der USA in der vergangenen Woche TOT, und Venezuela braucht keinen Schutz mehr vor den Schlägern und Erpressern, die sie so viele Jahre als Geiseln hielten. Venezuela hat jetzt die USA, das (mit Abstand!) mächtigste Militär der Welt, um sich zu schützen, und wir werden es schützen. ES WIRD KEIN ÖL ODER GELD MEHR NACH KUBA GEHEN – NULL! Ichempfehle, dass sie einen Deal machen, BEVOR ES ZU SPÄT IST.“

Der Präsident setzt seine Drohungen aus sozialen Medien nun in die Tat um. Trump unterzeichnete ein Dekret, das den Handelsminister anweist, Zölle gegen jedes Land zu erheben, „das direkt oder indirekt Öl an Kuba verkauft oder anderweitig bereitstellt“.

Ziel des Dekrets ist es eindeutig, die bereits prekäre kubanische Wirtschaft, die seit der Covid-Pandemie im Jahr 2020 in einer tiefen Rezession steckt, vollständig zu strangulieren. Die kubanische Wirtschaft ist in hohem Maße auf Ölimporte aus Venezuela und Mexiko angewiesen, um sich über Wasser zu halten.

[Hier weiterlesen]

Italien: Demonstrationen gegen ICE-Einsatz bei Winterspielen in Mailand

Von Allison Smith – 6. Februar 2026

Die Ankündigung in der letzten Woche, dass die US-Einwanderungsbehörde ICE während der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina auf italienischem Boden operieren soll, löste massiven Protest in Italien aus.

Die ICE ist weltweit berüchtigt für ihre politisch motivierten Hinrichtungen von US-Staatsbürgern in Minneapolis. Die Ankündigung ihres geplanten Einsatzes in Mailand folgt auf den Angriff von ICE-Agenten auf zwei italienische Journalisten, die letzte Woche über Proteste in Minneapolis berichtet hatten. Das Video, das hunderttausendfach angesehen wurde, löste eine wütende Reaktion aus und führte zu Forderungen, dass die italienischen Behörden gegen die Trump-Regierung Stellung beziehen sollen.

Doch jetzt soll die ICE bei den Olympischen Winterspielen in Italien eingesetzt werden, die am 6. Februar in dem Bergresort Cortina D’Ampezzo in der Nähe von Mailand beginnen. An den Spielen werden mehr als 3.000 Athleten aus über 90 Nationen teilnehmen. Die Organisatoren rechnen mit zwei Millionen Besuchern, 60.000 allein bei der Eröffnungszeremonie im Mailänder Stadion San Siro.

[Hier weiterlesen]

Mohammad Marandi & Larry C. Johnson: Irans Vergeltung könnte verheerend sein

Nima R. Alkorshid im Gespräch mit L. C. Johnson und M. Marandi – 5. Februar 2026

N.R. Alkorshid: Wenn man die Außenpolitik der Vereinigten Staaten in Westasien betrachtet, in der Nähe des Iran und des Nahen Ostens, wie lautet ihre Einschätzung im Moment? Genau zu diesem Zeitpunkt in Bezug auf die Eskalation und den militärischen Aufbau rund um den Iran sowie die derzeitige Rhetorik, bei der wir auf der einen Seite Verhandlungen haben und auf der anderen Seite jederzeit ein Angriff stattfinden könnte. Wie lautet ihre Einschätzung?

L. C. Johnson: Ja, ich war letzte Woche wirklich besorgt. Ich dachte, ein Angriff stünde unmittelbar bevor. Aber jetzt gehöre ich zu denen, die glauben, dass es aus verschiedenen Gründen nicht dazu kommen wird. Fangen wir […] mit der sogenannten Armada an. Es gibt eine Flugzeugträgerkampfgruppe, die im Arabischen Meer unterwegs ist, aber sie bleibt etwa 1000 Meilen vor der Küste. Wenn sie also den Iran angreifen wollten, womit würden sie das tun? Mit Tomahawk Marschflugkörpern. Und weißt du, wie groß die Reichweite eines Marschflugkörpers ist? 1000 Meilen. Vielleicht könnten sie sie etwas ausreizen, wenn sie keinen großen Sprengkopf tragen. Vielleicht auf eineinhalbtausend Meilen. Plötzlich heißt es also, der angebliche Zweck sei, oh, wir müssen alle ballistischen Raketenstellungen des Iran ausschalten, aber von dort draußen auf See kommen sie nicht einmal ein Drittel des Weges bis nach Teheran. Das ist also Problem Nummer 1. […]

[Zum Transkript des Videos in deutscher Sprache]

Essay | Im Schatten der Antennen – Der „Bunker Wollenberg“ und die neue Frontlinie im Inneren des Rechtsstaats

Von Sabiene Jahn – 5. Februar 2026

Blick in einen Schaltraum des Militärhistorischen Museums Wollenberg

Tief im Wald von Märkisch-Oderland steht ein Bauwerk aus Beton, Stahl und Funktechnik. Errichtet für den Atomkrieg – und heute unfreiwillig Teil eines politischen Konflikts, der mit dem Kalten Krieg mehr gemeinsam hat, als vielen lieb ist. Der „Bunker Wollenberg“ ist ein Museum. Ein Ort der Erinnerung. Ein Ort der Technikgeschichte. Doch seit Wochen wird er nicht mehr nur als historischer Ort gelesen. Er ist zur Projektionsfläche geworden. Für neue Feindbilder. Für neue Sicherheitslogiken. Für eine staatliche Praxis, die immer häufiger mit Verdacht beginnt – und mit Untersuchungshaft endet. An diesem Ort lässt sich beobachten, wie schnell Geschichte wieder Gegenwart wird. Und zwar durch politische Deutung.

Der Wald bei Wollenberg wirkt unscheinbar. Kiefern, sandiger Boden, ein flacher Höhenzug im äußersten Osten Brandenburgs, im Landkreis Märkisch-Oderland, wenige Kilometer westlich von Bad Freienwalde und keine siebzig Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Die Zufahrt führt über schmale Landstraßen, vorbei an Dörfern, die still wirken und abseits jeder touristischen Route liegen. Kein Hinweisschild. Keine Landmarke, die Bedeutung ankündigt. Nichts, was darauf vorbereitet, was hinter diesem Wald beginnt. Erst tief im Forst, auf dem Gebiet der Gemeinde Höhenland, Ortsteil Wölsickendorf-Wollenberg, steht ein schlichtes Tor. Dahinter beginnt das Militärhistorische Sonderobjekt 301.

[Hier weiterlesen]

Venezuelas Regierung kündigt Amnestiegesetz an

Von Tobias Lambert – 5. Februar 2026

Politische Delikte seit 1999 betroffen. Menschenrechtsgruppen zeigen sich vorsichtig optimistisch.

In Venezuela hat Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez eine umfassende Amnestie für „politische Delikte” angekündigt. „Wir haben beschlossen, ein allgemeines Amnestiegesetz voranzutreiben, das den gesamten Zeitraum politischer Gewalt von 1999 bis heute abdeckt”, erklärte Rodríguez vergangene Woche in einer Rede vor dem Obersten Gericht (TSJ). Ein etwaiges Gesetz müsste vom venezolanischen Parlament beschlossen werden. Von Tobias Lambert.

„Ich möchte, dass dieses Gesetz dazu dient, die Wunden zu heilen, die die politische Konfrontation durch Gewalt und Extremismus hinterlassen hat, die Gerechtigkeit in unserem Land wiederherzustellen und das Zusammenleben zwischen allen Venezolanerinnen und Venezolanern zu ermöglichen”, fügte Rodríguez hinzu. Ausgenommen seien gemäß der Verfassung Verbrechen wie Mord, Menschenrechtsverletzungen, Korruption und Drogenhandel. Zudem kündigte die Übergangspräsidentin an, das als „Folterknast” kritisierte Helicoide-Gefängnis in der Hauptstadt Caracas in ein soziales und kulturelles Zentrum umzuwandeln. In den 1950er-Jahren als befahrbares Einkaufszentrum geplant, befindet sich in dem spiralförmigen Bau heute unter anderem die Zentrale des Geheimdienstes Sebin.

[Hier weiterlesen]

„Europas zentrale Führungsmacht“

Von German-Foreign-Policy.com – 5. Februar 2026

Deutschland soll rüstungsindustriell und militärisch an Frankreich vorbeiziehen und „zentrale Führungsmacht Europas“ werden. Dies fordert ein CDU-Bundestagsabgeordneter, der zudem deutsche Mitentscheidung über die Force de frappe verlangt.

Frankreich soll seine Kernwaffen als „europäischen“ Nuklearschirm zur Verfügung stellen und Deutschland eine „maßgeblich[e]“ Mitentscheidung einräumen, „wie Europas atomarer Schutzschirm aussieht“. Dies fordert der CDU-Bundestagsabgeordnete David Preisendanz in einem aktuellen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Im Gegenzug gegen einen „substanziellen finanziellen Beitrag“ zur Force de frappe müsse Berlin deren „Modernisierung“ und „taktische Erweiterung“ mitgestalten können. Die Forderung wird laut, während die Bundesrepublik Frankreich gleich mehrere herbe politische und rüstungsindustrielle Niederlagen zugefügt hat und nun daran geht, sich „als zentrale Führungsmacht Europas“ (Preisendanz) zu etablieren – nicht mehr nur politisch und ökonomisch, sondern auch militärisch. So hat Berlin das Freihandelsabkommen mit dem Mercosur gegen Paris durchgesetzt und grenzt französische Waffenschmieden bei seiner Hunderte Milliarden Euro schweren Hochrüstung auch dort aus, wo dies klaren Interessen der EU zuwiderläuft, so etwa beim Kampfjetprojekt FCAS, das vor dem Scheitern steht. Deutschland wird so zur europäischen Rüstungs- und Militärmacht Nummer eins.

[Hier weiterlesen]