Vom Dinner-Club zum Weltlenkungsinstrument: Die Geschichte der US-Denkfabriken und ihr langer Arm nach Deutschland

Von Jochen Mitschka – 10. Mai 2026

Wir haben in dieser Artikelserie bereits gezeigt, wie einzelne Strategiepapiere – von „Which Path to Persia?“ bis „Extending Russia“ – in reale Kriege und Krisen mündeten. Doch woher kommen diese Institutionen? Wer gründete sie, für wen, und mit welchem Ziel? Und wie gelang es ihnen, noch im besiegten Nachkriegsdeutschland Fuß zu fassen und die politische Landschaft der Bundesrepublik bis heute zu prägen? Eine Spurensuche durch ein Jahrhundert verdeckter Elitenherrschaft.

Die Geschichte der modernen US-Denkfabriken beginnt nicht in Washington, sondern in Paris. Im Januar 1919 trafen sich die Sieger des Ersten Weltkriegs zur Friedenskonferenz von Versailles. In der US-Delegation arbeitete eine Gruppe von Akademikern, Bankiers und Diplomaten, die sich selbst „The Inquiry“ nannte – ein Expertenkreis, den Präsident Wilson persönlich zur Vorbereitung der Friedensverhandlungen zusammengestellt hatte.

Wie es begann

Laut Wikipedia fanden sich am 30. Mai 1919 im Pariser Hotel Majestic gut 50 Teilnehmer zusammen – darunter Edward Mandell House, Wilsons engster Berater, britische Round-Table-Mitglieder und führende US-Akademiker von Columbia, Harvard und Yale. Ihr Beschluss: eine dauerhafte Institution zu gründen, die das außenpolitische Denken der anglosphärischen Elite koordinieren sollte.

Zwei Jahre später, 1921, wurde in Manhattan das Council on Foreign Relations (CFR) aus der Taufe gehoben. Mitgründer waren neben Edward M. House die deutschstämmigen Bankiers Paul M. Warburg und Otto Hermann Kahn, der führende Journalist Walter Lippmann sowie New Yorker Unternehmer und hochrangige Politiker. Warburg war kein Unbekannter: Er hatte 1913 maßgeblich an der Gründung der US-Notenbank Federal Reserve mitgewirkt. Was so begann, sollte die amerikanische Außenpolitik des gesamten 20. Jahrhunderts prägen.

Das CFR: Ein „Politbüro für den Kapitalismus“

Der CFR ist keine Behörde, kein Ministerium, kein gewähltes Gremium. Er ist ein privater Mitgliederclub – und dennoch vielleicht die einflussreichste außenpolitische Institution der westlichen Welt. Der Spiegel, als er noch ein investigatives Medium war, bezeichnete ihn einmal als die „einflussreichste private Institution Amerikas und der westlichen Welt“ und als ein „Politbüro für den Kapitalismus„.

Der Zugang ist streng geregelt: Man kann nur durch Kooptation Mitglied werden – ein bestehendes Mitglied muss vorschlagen, drei weitere müssen unterstützen. Unternehmensmitgliedschaften kosten bis zu 50.000 Dollar jährlich, erkaufen aber das Recht auf Teilnahme an privaten Dinners mit Staats- und Regierungschefs.

Die Zahlen sprechen für sich: Eine Studie der Historiker Laurence Shoup und William Minter belegte, dass zwischen 1945 und 1972 von 502 US-Regierungsmitgliedern mehr als die Hälfte CFR-Mitglieder waren. CFR-Studiengruppen erarbeiteten die Regierungsexpertisen für den Kalten Krieg und den Vietnamkrieg. Der Historiker Peter Grose schrieb in seiner offiziellen CFR-Geschichte: Der ehemalige „Elite-Dinner-Club aus Wall-Street-Bänkern und ihren akademischen Protegés wuchs zu einer weitreichenden Gemeinschaft von Amerikanern mit Kompetenz und Verantwortung für die Weltrolle der USA.“

Seit seiner Gründung, so der Befund einer Analyse von Swiss Propaganda Research, waren nahezu alle US-Präsidenten vor ihrer Wahl CFR-Mitglieder – oder zumindest enge Verbündete. Das CFR verleiht seiner Zeitschrift „Foreign Affairs“ das Gewicht eines quasi-offiziellen Organs amerikanischer Außenpolitik. Wer dort publiziert, formuliert die Agenda; wer die Agenda formuliert, regiert.

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So wurde das Ende des WKII gefeiert – in Moskau …

Von Stefano di Lorenzo und Ulrich Heyden – 10. Mai 2026

In Russland ist der Sieg über Hitler-Deutschland am 9. Mai 1945 noch immer ein guter Grund für ein Fest – ein aktuelles Bild aus dem Gorky-Park in Moskau von Ulrich Heyden.

Ein friedlicher 9. Mai in Moskau – Selenskyj machte seine Drohung nicht wahr (von Ulrich Heyden aus Moskau)

Der 9. Mai in Moskau blieb friedlich. In russischen Medien gab es keine Berichte über ukrainische Drohnenattacken auf die russische Hauptstadt. Die Ankündigung von Wladimir Selenskyj am 4. Mai, während der Militärparade zum 81. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland Drohnen über den Roten Platz kreisen lassen, wurde nicht zur Realität. Offenbar bekam Selenskyj kein grünes Licht von seinen Sponsoren in Europa und den USA. Das berichtete das Magazin Forbes am 8. Mai.

Die russische Führung hatte mit Raketenschlägen auf Kiew gedroht, sollte Selenskyj am 9. Mai Moskau angreifen. Vor dem 9. Mai hatten offizielle russische Stellen die Bewohner von Kiew und ausländische Botschaften in der Hauptstadt der Ukraine mehrmals aufgefordert, die Stadt zu verlassen, da russische Raketenangriffe auf das Zentrum von Kiew möglich seien. Diese Drohung hatte offenbar gewirkt.

 
Moskau nahm Kontakt mit China, Indien und den USA auf

Wie Wladimir Putin am Abend des 9. Mai vor Journalisten erklärte, habe sich Moskau nach der Drohung von Selenskyj mit den Führungen von China, Indien und den USA in Verbindung gesetzt und die Folgen eines ukrainischen Angriffs auf Moskau beschrieben. Trump habe daraufhin zwei zusätzlich Tage Waffenstillstand am 10. und 11. Mai sowie einen Gefangenenaustausch vorgeschlagen. Russland habe Kiew eine Liste von 500 ukrainischen Kriegsgefangenen in Russland übermittelt. Kiew habe auf das Angebot eines Gefangenenaustausches jedoch nicht reagiert. 

Für Verhandlungen mit Kiew gäbe es zurzeit keine Grundlage, schrieb die Tageszeitung „Moskowski Komsomolez“. Selenskyj sei zum Rückzug aus dem Gebiet Donezk nicht bereit, und Trump sei „unfähig“, auf Selensky in dieser Frage einzuwirken.

Während es in Moskau friedlich blieb, habe die Ukraine den von Russland ausgerufenen Waffenstillstand am 9. Mai in 1.173 Fällen mit schweren Waffen verletzt. Außerdem habe es 7.151 ukrainische Drohnenangriffe gegeben. Auf ukrainische Angriffe habe die russische Seite „spiegelbildlich“ reagiert. 

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Putin im O-Ton über die Ukraine, den Iran, die USA und China

Einleitung und Übersetzung: Thomas Röper – 10. Mai 2026

Am Samstag hat sich [der russische Präsident Wladimir] Putin in einer Pressekonferenz über die nur knapp verhinderte Eskalation in der Ukraine, die Beziehungen zu den USA und China und zum Iran-Krieg geäußert und dabei viel Neues preisgegeben.

Ich habe in den letzten Tagen viel über die Provokationen Kiews berichtet, die, wenn sie eingetreten wären, zu einer Eskalation in der Ukraine geführt hätten. Dazu ist es schließlich nicht gekommen, und ich habe bereits berichtet, dass das offensichtlich das Verdienst von [US-]Präsident Trump ist, und in meinem Artikel angekündigt, Putins Aussagen, die er am Samstag dazu vor der Presse gemacht hat, zu übersetzen.

Eigentlich wollte ich nur Putins Aussagen zu diesem Thema übersetzen, aber dann fand ich die Pressekonferenz so interessant, dass sich sie komplett übersetzt habe, denn Putin hat sich dabei auch zu allen anderen aktuellen Themen der Weltpolitik und Russlands Position dazu geäußert. Außerdem habe ich schon seit einiger Zeit keine längeren Erklärungen von Putin übersetzt, weshalb es mal wieder an der Zeit dafür ist, um dem deutschen Publikum zu zeigen, wie Russland zu den aktuellen Themen steht.

Außerdem dürfte die Pressekonferenz für Stammleser des Anti-Spiegel interessant sein, weil Putin auch nach der faktischen Kriegsbeteiligung der Europäer gefragt wird und darauf sehr direkt antwortet, indem er zustimmt, dass die Europäer Krieg gegen Russland führen. Interessant sind dabei seine genauen Formulierungen.

Ich empfehle jedem, die Übersetzung bis zum Ende zu lesen, weil sie nicht nach Themen „geordnet“ ist. Die Journalisten haben zu allen möglichen Themen Fragen gestellt, weshalb die Pressekonferenz bei den Themen „hin und her springt“ und Themen immer wieder aufgegriffen wurden. Für europäische Leser dürfte es besonders interessant sein, wie Putin sich an verschiedenen Stellen über die Führung der EU und ihrer Mitgliedsländer äußert.

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Doch keine ukrainischen Provokationen zur Feier der Sieges über Nazi-Deutschland

Von Thomas Röper – 9. Mai 2026

Zur Feier des Sieges über Nazi-Deutschland in Moskau gab es nun doch keine ukrainischen Provokationen. Wie Putin nun erklärt hat, ist das vor allem US-Präsident Trump zu verdanken.

Ich habe in den letzten zwei Tagen darüber berichtet, dass die Ukraine mit Drohnenangriffen auf die Siegesparade in Moskau aus Anlass des Jahrestages des Siegs über Nazi-Deutschland gedroht hat und dass Russland gewarnt hat, in dem Falle werde es das Stadtzentrum von Kiew mit einem massiven Raketenangriff eindecken. Russland hat daher die Kiewer Zivilbevölkerung und die ausländischen Diplomaten vorsorglich aufgefordert, Kiew aus Sicherheitsgründen zu verlassen.

Der Tag der Feierlichkeiten in Russland ist nun vorbei und es gab keine ukrainischen Provokationen oder Angriffe, weshalb es auch keine russische Reaktion in Form eines Angriffs auf das Zentrum von Kiew gegeben hat.

Wie ernst die Lage und wie groß die Gefahr von ukrainischen Angriffen war, hat man an der Parade selbst gesehen, denn sie war so klein, bescheiden und kurz, wie wohl noch nie. Es sind lediglich einige Einheiten an der Ehrentribüne vorbeimarschiert, aber es waren weitaus weniger als in anderen Jahren. Und auf die Vorbeifahrt von Panzern und anderer schwerer Technik wurde ganz verzichtet.

Dass der Feier- und Gedenktag zum Kriegsende am Ende trotz der Drohungen Selenskys ohne ukrainische Provokationen – und damit auch eine extreme Eskalation des Ukraine-Krieges – verlaufen ist, war offensichtlich das Verdienst von Präsident Trump.

Am 8. Mai, also am Tag vor den Feierlichkeiten in Moskau, hat US-Präsident Trump eine Erklärung veröffentlicht, in der er eine dreitägige Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine vom 9. bis zum 11. Mai und einen Austausch von jeweils tausend Kriegsgefangenen verkündet hat.

Niemand wusste zu dem Zeitpunkt, ob das nur wieder eine weitere von Trumps großspurigen Erklärungen war, oder ob das tatsächlich mit Moskau und Kiew abgestimmt war.

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Deutschlands „konstruktiver Dialog“ ist eine Farce, ein Vorwand, um seine Unterstützung für ein Völkermordregime zu verschleiern

Von Jürgen Mackert – 9. Mai 2026

Mit seiner Vorliebe für ausweichende Formulierungen hat Deutschland Israel freie Hand und Rückendeckung für seine barbarischen Vernichtungsfeldzüge gegeben

Das war zu erwarten.

Am 21. April blockierte Deutschland gemeinsam mit Italien einen Antrag Spaniens, Irlands und Sloweniens, das EU-Israel-Handelsabkommen aufgrund der Menschenrechtsverletzungen Israels, seines Völkermordkriegs gegen Gaza und der Gewalt der Siedler im besetzten Westjordanland auszusetzen.

Obwohl dieser Schritt – wenn überhaupt – nicht viel geändert hätte, da die zionistische Entität ihren privilegierten Zugang zum europäischen Markt behalten hätte, bezeichnete Deutschlands Außenminister Johann Wadephul in einer weiteren beschämenden, entlarvenden Reaktion den Vorstoß der drei Länder als „unangemessen“ und sagte: „Wir müssen mit Israel über die kritischen Themen sprechen … das muss in einem kritischen, konstruktiven Dialog mit Israel geschehen.“

„Unangemessen!“

Nach zweieinhalb Jahren Völkermord in Gaza und der Blockade jeglicher Hilfe? Angesichts der beispiellosen Brutalität im Westjordanland, begangen von den „Abschaum der zionistischen Siedler“, die mit Hilfe der israelischen Besatzungstruppen eine „zweite Nakba“ verüben? Nach Monaten des Abschlachtens von Zivilisten im Libanon, der Zerstörung jeglicher Infrastruktur, genau wie es die unmenschlichen fanatischen Siedlerkolonialisten eines Groß-Israel in Gaza taten, und der Bombardierung der iranischen Bevölkerung?

Anstatt endlich gegen all diese abscheulichen Massaker vorzugehen, bietet Wadephul nichts als leeres Gerede über Deutschlands angebliche historische Verantwortung für die zionistischen Massenmörder und die mantrahafte Wiederholung, dass ein „konstruktiver Dialog“ mit ihnen notwendig sei.

In 19 Monaten hat dieser „konstruktive Dialog“ für die Opfer der Zionisten keine Ergebnisse gebracht, doch da Wadephul darauf besteht, ihn fortzusetzen, ist es höchste Zeit, genauer zu betrachten, was diese Art von Dialog eigentlich beinhaltet.

Konstruktiver Dialog

„Konstruktiver Dialog ist eine Form des Gesprächs, bei der Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven versuchen, einander zu verstehen – ohne ihre eigenen Überzeugungen aufzugeben –, um gemeinsam zu leben, zu lernen und zu arbeiten. Er eignet sich besonders gut für die Auseinandersetzung mit wichtigen, komplexen Themen, die Menschen oft spalten.“

Wenn dies eine Definition von Experten ist, ist ein solcher Dialog zwischen Deutschland und Israel völlig unnötig.

Wenn es um Völkermord, Siedlergewalt, die seit Jahrzehnten andauernde Nakba, die Zerstörung des südlichen Libanons und die Bombardierung libanesischer und iranischer Wohnviertel geht, haben Berlin und die Zionisten keine einzige „unterschiedliche Perspektive“, die geklärt werden müsste. Sie „verstehen sich gegenseitig“; sie müssen nicht einmal „ihre eigenen Überzeugungen aufgeben“, und keines dieser Verbrechen würde sie „entzweien“.

Wir erfahren sogar noch mehr: „Im Kern stellt der konstruktive Dialog das gegenseitige Verständnis in den Vordergrund: das gemeinsame Bemühen, die Sichtweisen anderer zu verstehen, in dem Wissen, dass andere sich ebenso um die eigenen bemühen.

Durch diesen Prozess können die Teilnehmer ihre eigenen Perspektiven bereichern, Unterschiede klären, Gemeinsamkeiten aufdecken oder sogar Möglichkeiten für eine zukünftige Zusammenarbeit schaffen, die einst unerreichbar schien.“

Dies hilft uns zu verstehen, warum ein solcher Dialog eigentlich sinnlos ist.

Angesichts all der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die die Zionisten weiterhin begehen, besteht bereits „gegenseitiges Verständnis“ zwischen ihnen und Deutschland. Und es versteht sich von selbst, dass für den deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz alles, was seine besten Freunde in Gaza und darüber hinaus angekündigt haben, getan haben und weiterhin tun, alles andere als ein Völkermord ist.

In einem „konstruktiven Dialog“ können Berlin und die zionistische Entität ihre Perspektiven nicht „bereichern“ oder „Unterschiede klären“, da sie sich in allem, was die Zionisten tun, vollkommen einig sind.

Sie können keine „gemeinsame Basis finden“, denn sie sind Waffenbrüder und Verbündete im Völkermord. Und sie können nicht einmal „Möglichkeiten für eine zukünftige Zusammenarbeit schaffen“, denn so wie das mörderische Völkermordprojekt am palästinensischen Volk ein gemeinsames ist, so war es auch die anschließende Vernichtung der Libanesen und Iraner. Keines davon hat jemals „unerreichbar gewirkt“.

Rauchbomben werfen

Wadephul, der unter Druck der drei EU-Mitgliedstaaten geriet, reagierte mit einer altbewährten Taktik, die nichts anderes als eine groß angelegte Täuschung ist – ein weiterer Einblick darin, was „konstruktiver Dialog“ nicht bedeutet.

„Beim konstruktiven Dialog geht es nicht darum, andere zu überzeugen oder eine Debatte zu gewinnen, und es geht auch nicht darum, der anderen Seite das Unrecht zu beweisen. Während dies vernünftige Ziele für andere Formen des Gesprächs sein mögen, sind sie nicht die Ziele des konstruktiven Dialogs.“

Und genau deshalb will Deutschland den „konstruktiven Dialog“ fortsetzen. Per Definition schließt er alles aus, was tatsächlich getan werden muss.

Dieser heuchlerische „konstruktive Dialog“ soll den deutschen Außenminister davon abhalten, das zu tun, was er eigentlich tun müsste: die Zionisten davon zu überzeugen, ihre abscheulichen Verbrechen zu beenden, und Druck auf sie auszuüben. Er müsste alles in seiner Macht Stehende tun, um der als Israel bekannten Tötungsmaschine die Stirn zu bieten und das Leben derer zu retten, die sie niedermetzelt.

Taten statt leerer Worte wären schlichtweg die Pflicht – und in der Tat die historische Verantwortung – eines deutschen Außenministers. Wie konstruktiv wäre das? Es würde direkt der Sache des Lebens dienen, nicht der zionistischen Nekropolitik.

Doch kann man sich einen deutschen Außenminister vorstellen, der nicht nur leere „konstruktive“ Reden ohne Konsequenzen hält? Wer würde es überhaupt wagen, Sanktionen gegen das zionistische Regime zu verhängen, das täglich eine schier unendliche Liste barbarischer Verbrechen begeht?

„Israel First“

Sicherlich nicht, aber aus Wadephuls Aufruf zu einem „konstruktiven Dialog“ lässt sich viel lernen.

Einen solchen „konstruktiven Dialog“ jetzt zu fordern – nachdem Deutschland zweieinhalb Jahre lang den Völkermord sowie die andauernden Angriffskriege gegen den Libanon, Syrien und den Iran vorbehaltlos unterstützt und gefördert hat – bedeutet in Wirklichkeit, „Israel First“ zu setzen.

Ein weiterer „konstruktiver Dialog“ wird zu nichts führen, denn er soll und darf nirgendwohin führen. Nichts soll sich ändern. Die Auslöschung des palästinensischen und anderer arabischer Völker soll weitergehen. Es ist Ausdruck der kaum verhüllten Verachtung, die in der weißen Vorherrschaft verwurzelt ist und die sowohl Deutschland als auch die Zionisten gegenüber der arabischen und persischen Zivilisation hegen.

Deutschland hingegen würdigt den Beitrag des Zionismus zur westlichen Zivilisation, der im Wesentlichen darin besteht, einige der fortschrittlichsten Militärtechnologien und die ausgefeiltesten Überwachungstechnologien zum Zweck der Tötung und Kontrolle von Menschen zu entwickeln. Beides sind Ausdruck des zionistischen Todeskults, den Deutschland unterstützt und von dem es zu profitieren sucht.

„Israel First“ – das ist eine sehr deutsche Doktrin und das schon seit Jahrzehnten.

Heute sehen wir die Folgen: Während die deutsche Regierung selbst angesichts eines Völkermords versucht, ihr eigenes Volk und die Welt zu beschwichtigen und zu täuschen, indem sie zu einem „kreativen Dialog“ aufruft, ebnet sie gleichzeitig den Weg für die messianisch-zionistischen Reiter der Apokalypse.

Das absichtliche Töten und Verstümmeln von Kindern, Frauen und Männern, das Auslöschen ganzer Familien, das Massakrieren von Journalisten, Hilfsarbeitern und Sanitätern, die Zerstörung von Krankenhäusern, Schulen, Dörfern, Wohnsiedlungen und ganzen Stadtvierteln – das ist es, was „die verkommenste Armee der Welt“ mit Hilfe Deutschlands tut.

Der von Wadephul vorgeschlagene „konstruktive Dialog“ ist nichts weiter als ein weiteres Plaudern am Kaffeetisch, bei dem Deutschland den Zionisten auf durch und durch konstruktive Weise freie Hand und Unterstützung für die Fortsetzung ihrer barbarischen Vernichtungskampagnen zusichert.

Da es niemals Konsequenzen geben wird, sind solche Gespräche, um Wadephuls Wortwahl zu verwenden, völlig „unangemessen“.

Jürgen Mackert ist Professor für Soziologie an der Universität Potsdam. Er war außerordentlicher Professor für Struktur moderner Gesellschaften an der Universität Erfurt und Gastprofessor für Politische Soziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen gehören On Social Closure. Theorizing Exclusion, Exploitation, and Elimination (Oxford University Press 2024). Siedlerkolonialismus. Grundlagentexte und aktuelle Analysen (herausgegeben zusammen mit Ilan Pappe; Nomos 2024).

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf Middle East Eye]

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

China, Iran, USA: Ein komplexes Spiel der Macht

Von Lorenzo Maria Pacini – 9. Mai 2026

Aus Washingtons Sicht ist das Bündnis zwischen Teheran und Peking ein strategischer Albtraum.

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Die strategische Lage des Konflikts

Der anhaltende Krieg der USA gegen den Iran geht weit über eine bloße regionale Krise hinaus; er ist ein deutlicher Beweis für die anhaltende Instabilität, die der amerikanischen globalen Hegemonie innewohnt. Durch ihre Missachtung des Völkerrechts, der Souveränität und der multilateralen Diplomatie bekräftigen die Vereinigten Staaten ihren Glauben an die Legitimität von Zwangsgewalt als Instrument der Kontrolle. Wie Zhao Minghao schreibt, wird Washingtons Einsatz von Gewalt die Ordnung nicht wiederherstellen, sondern lediglich die Brüche verschärfen, die das entstehende Weltsystem kennzeichnen.

Die von den USA angeführte Militäraktion gegen den Iran, die am 28. Februar 2026 begann, startete als eine Reihe gezielter „Enthauptungsschläge“, hat sich jedoch mittlerweile zu einer regionalen Konfrontation ausgeweitet, die die geopolitischen Grenzen im gesamten Nahen Osten und darüber hinaus neu zieht. Was zunächst als taktischer Schachzug zur Ausschaltung der iranischen Nuklear- und Raketenkapazitäten erschien, hat sich zu einer vollwertigen strategischen Initiative zur Neugestaltung des globalen Kräfteverhältnisses entwickelt.

Für Peking stellt dieser Krieg einen direkten Angriff auf seine zentralen nationalen Interessen dar. China hat im Nahen Osten ein dichtes Netzwerk von Partnerschaften in den Bereichen Energie, Infrastruktur und Verkehr aufgebaut, von denen viele auf den Iran als entscheidenden Knotenpunkt angewiesen sind. Rund 53 Prozent der chinesischen Rohölimporte stammen aus dieser Region, und über 30 Prozent werden durch die Straße von Hormus transportiert. Jede länger andauernde Unterbrechung stellt daher eine systemische Bedrohung für Chinas wirtschaftliche Stabilität und Energiesicherheit dar.

Unterdessen betrachten hochrangige Strategen in Washington ihre Kampagne als Gelegenheit, das zu zerschlagen, was sie als „Achse des Chaos“ bezeichnen – das informelle Bündnis zwischen Russland, dem Iran, Nordkorea und Venezuela. Diese Staaten, die alle US-Sanktionen und -Druck ausgesetzt sind, stützen sich zunehmend auf China als ihre diplomatische und wirtschaftliche Schutzmacht. Das Ziel der USA ist klar: Chinas globale Rohstoffversorgungskette zu schwächen und Peking zu zwingen, seinen außenpolitischen Einfluss neu auszurichten.

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Der US-Israel-Krieg gegen Iran und Libanon: Tag 71 – Eskalation im Hormuz, anhaltende Angriffe trotz „Waffenstillstand“

Von Peter F. Mayer – 9. Mai 2026

Am 71. Tag des US-israelischen Krieges gegen Iran und seine Verbündeten eskaliert die Lage erneut, besonders in der strategisch entscheidenden Strait of Hormuz. Die Realität ist eine fragile Waffenruhe, die ständig durchbrochen wird, massive humanitäre Kosten und eine globale Energiekrise, die sich verschärft.

Iranische Quellen berichten von anhaltenden Spannungen. Teheran wirft den USA vor, den Waffenstillstand verletzt zu haben, indem Schiffe im Strait of Hormuz angegriffen wurden. Fars News meldet, dass Iran US-Vorschläge prüft, aber keine Fristen akzeptiert. Gleichzeitig haben US-Kräfte iranische Schiffe attackiert, was zu Feuerwechseln führte. Präsident Trump behauptet, US-Zerstörer hätten „großen Schaden“ zugefügt, ohne selbst Verluste zu erleiden – eine Darstellung, die aus iranischer Sicht stark geschönt wirkt.

Al Jazeera berichtet von gegenseitigen Vorwürfen: Iran habe einen Tanker im Golf von Oman aufgebracht, während die USA Schiffe „deaktiviert“ hätten. Dies geschieht, obwohl die Waffenruhe nominell hält. Die Blockade iranischer Schifffahrt und die Kontrolle über den Hormuz – durch den normalerweise ein Fünftel des Weltöls fließt – treiben die globalen Energiepreise in die Höhe und belasten Lieferketten weltweit.

Trump in China: Verzweifelte Diplomatie oder Machtverlust?

Mitten in der anhaltenden Krise reist US-Präsident Trump nach China. Der Besuch unterstreicht die wachsende Erkenntnis in Washington, dass die USA die strategische Lage am Persischen Golf nicht mehr allein kontrollieren können.

Wie das US-amerikanische Portal Sonar21 analysiert, sind Russland und China ernsthaft dabei, die USA als Machtvermittler in der Region abzulösen. Beide Mächte nutzen den Konflikt, um ihre Präsenz auszubauen und alternative Sicherheitsarchitekturen für die Golfstaaten anzubieten.

Dieser Besuch Trumps wirkt wie ein Versuch, Peking als Vermittler oder zumindest als stabilisierenden Faktor einzubinden – ein Eingeständnis, dass die einseitige Militärstrategie an ihre Grenzen stößt. China, das einen Großteil seines Öls über den Hormuz bezieht, hat ein vitales Interesse an Stabilität und signalisiert bereits, dass es weder einen totalen Kollaps Irans noch eine unkontrollierte Eskalation akzeptieren wird.

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Selektiver Edelmut

Von Wolf Reiser – 9. Mai 2026

Als 1980 die Olympischen Spiele in Moskau stattfanden, gab es Boykottaufrufe und einen großen Entrüstungsfuror. 2026, im Jahr des Irankriegs, findet niemand etwas dabei, dass in den USA gebolzt wird.

„Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“, schrieb Bertolt Brecht. Nicht so im deutschen Sportbetrieb. Dieser kann geradezu als globales Zentrum moralischer Unbeflecktheit gelten. Da wird bei jeder passenden oder auch unpassenden Gelegenheit für Vielfalt und Völkerverbrüderung geworben, treten Politikerinnen in Katar mit Regenbogen-Armbinden auf, wird zum Boykott gegen so gut wie jeden Austragungsort einer Großsportveranstaltung aufgerufen, der nicht London, Paris oder Barcelona heißt. Denn an allen anderen Flecken der Erde treibt das Böse sein Unwesen, und allen, die hier nicht fernbleiben, drohen moralische Kontamination und Kontaktschuld. Sport ist von einer spannenden Spaßveranstaltung zum Ort performativer Rechtgläubigkeitsbekundungen geworden. Wenn dies wenigstens konsequent geschehen würde, könnten wir ja notfalls damit leben. Warum aber, fragt der Autor in seinem Beitrag, gilt für die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko nicht, was einst für Veranstaltungen auf russischem Boden galt? Und dies, obwohl eines der genannten Länder noch einen völkerrechtswidrigen, unprovozierten Angriffskrieg am Laufen hat? Wo bleibt die breite Debatte über ein ethisch motiviertes Fernbleiben der Mannen um Julian Nagelsmann? Hat man etwa Angst vor dem missbilligenden Stirnrunzeln des großen Bruders in Übersee? Der DFB ist dabei, eine große Chance zu verspielen, ausnahmsweise einmal etwas Richtiges zu tun.

Frühling 2026. Ein lebensmüder Buckelwal erschüttert die Nation. In den ICEs der Bahn die üblichen Saalschlachten. Ricarda Lang meldet sich stündlich zum Ulmen-Fake. In Hannover werden 760 Teilnehmer am Ostermarsch verzeichnet. Alt und jung fordern Frieden und Freiheit. Man hört Trillerpfeifen. Eine derangierte Mischpoke aus Londoner Bankern, suizidären Evangelikalen, KI-Oligarchen und Zionisten bereitet den deutschen Zapfsäulen Kopfzerbrechen. Als Konsequenz des sogenannten „Iran-Konflikts“ verlangt die AfD den kompletten Abzug der US-Armee. Alle andern im Land warten auf Godot. Der DFB hält sich in der Causa Undav & Nagelsmann bedeckt. Wir leben in Zeiten, in denen wir laut Lothar Matthäus „den Sand nicht in den Kopf stecken dürfen.“

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CIA: Iran kann US-Seeblockade monatelang überstehen

Von Thomas Oysmüller – 8. Mai 2026

Ein geleakter CIA-Bericht hält fest, dass der Iran die US-Blockade der Straße von Hormus monatelang überstehen kann.

Die Washington Post berichtet am Donnerstag über eine vertrauliche, aktuelle CIA-Analyse. Diese kommt zum Schluss, dass der Iran die US-Marineblockade mindestens drei bis vier Monate lang überstehen kann, bevor es zu schwerwiegenderen wirtschaftlichen Schäden kommt. Das widerspricht der Darstellung, die Washington nach außen kommuniziert. Rubio und Trump erklären regelmäßig, der Iran stehe kurz vor dem Zusammenbruch.

Die Analyse der US-Geheimdienste ergab außerdem, dass Teheran trotz wochenlanger intensiver Bombardements durch die USA und Israel über erhebliche ballistische Raketenfähigkeiten verfügt. Der Iran habe etwa 75 Prozent seiner Vorkriegsbestände an mobilen Abschussvorrichtungen und etwa 70 Prozent seiner Vorkriegsvorräte an Raketen behalten, soll es im Bericht heißen.

Freilich muss auch die innenpolitische Perspektive berücksichtigt werden: Die Washington Post gilt als traditioneller Trump-Gegner und könnte versuchen, das Narrativ des Weißen Hauses über den Krieg zu stören. Der „geheime CIA-Bericht“ könnte von einem demokratischen Sympathisanten erstellt worden sein, mit dem Ziel, ihn an die Medien zu leaken. Ebenso könnte es sich lediglich um einen Entwurf handeln, den die Presse in dieser Form veröffentlicht hat. Grundsätzlich sollte man bei Berichten über Geheimdienstinformationen immer vorsichtig sein.

Der Bericht ist für die Ergebnisse der US-Militärkampagne tatsächlich ziemlich verheerend. So gebe es auch Hinweise darauf, dass das Regime fast alle seiner unterirdischen Lagerstätten wiederherstellen und wieder öffnen konnte.

Trump sieht das ganz anders und sagte am Mittwoch im Oval Office: „Ihre Raketen sind größtenteils zerstört, sie haben wahrscheinlich noch 18, 19 Prozent, aber im Vergleich zu dem, was sie hatten, nicht viel.“ Zudem erklärte Washington zur Seeblockade:
„Die Blockade des Präsidenten fügt echten, sich verstärkenden Schaden zu – sie unterbricht den Handel, zerquetscht die Einnahmen und beschleunigt den systemischen wirtschaftlichen Zusammenbruch. Das iranische Militär ist schwer geschädigt, seine Marine zerstört und seine Führer halten sich versteckt. Was bleibt, ist die Bereitschaft des Regimes, ziviles Leid in Kauf zu nehmen – es lässt sein eigenes Volk hungern, um einen Krieg in die Länge zu ziehen, den es bereits verloren hat.“

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Ukrainische Drohnen in Lettland, Finnland und Griechenland

Von Florian Rötzer – 9. Mai 2026

Fischer haben vor der Küste der griechischen Insel Lefkada eine ukrainische Magura V5 Marinedrohne entdeckt. Das Boot mit Antennen und Kommunikationssystemen wurde in einer Küstenhöhle gefunden, der Motor lief noch und es befand sich „aktiver Sprengstoff“ an Bord, so dass die griechischen Sicherheitskräfte vermuten, dass damit ein Schiff oder ein Öltanker im Kamikaze-Stil angegriffen werden sollte.

Am Freitag wurden die Zünder entfernt, die Küstenwache, der die Wasserdrohne von den Fischern übergeben worden war, schaltete die Batterien aus, um sie stillzulegen. An Bord wurden auch handschriftliche Dokumente gefunden, was Verwunderung auslöste, weil diese mit der Explosion bei einem Angriff vernichtet würden. Die Behörden gehen einigen spekulativen Theorien nach, beispielsweise dass es sich um eine Provokation, um Drogenhandel oder um einen geplanten Angriff auf einen Tanker der russischen Schattenflotte handelt. Aber es ist völlig unklar, wer die Drohne in griechische Gewässer gebracht hat bzw. wie sie dorthin gelangt ist.

Auch zuvor haben ukrainische Wasserdrohnen nicht nur Ziele im Schwarzen Meer angegriffen. Ende Dezember 2025 wurde der Tanker Qendil nördlich von Libyen mit einer Drohne angegriffen. Vermutet wird auch, dass im März 2026 der LNG-Tanker Arctic Metagaz der russischen Schattenflotte von einer ukrainischen Drohne attackiert wurde. Das Risiko bestand seither, dass durch das herumtreibende Wrack eine Umweltkatastrophe verursacht werden könnte, das Gas soll aber schon weitgehend ausgetreten sein. Mittlerweile scheint es eingefangen und vor der Küste Libyens verankert worden sein.

Es gibt fast gleichzeitig einen anderen Vorfall mit Drohnen in Lettland. Zwei Drohnen kamen aus russischem Gebiet. Eine stürzte in einem leeren Öldepot in der ostlettischen Stadt Rēzekne ab. Dabei wurde der Tank beschädigt, das Feuer konnte schnell gelöscht werden. Später vermutete die Polizei, es könnte dort auch eine zweite abgestürzt sein. Andererseits heißt es, die zweite Drohne sei noch nicht gefunden worden.

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