Der Iran-Krieg und die „schreckliche Macht des Geldes“

Von Alastair Crooke – 24. Oktober 2026


Die gewaltsame Fortsetzung des Angriffskrieges gegen den Iran steht offenbar für November auf dem Plan der USA. Der Start wird für nach den Midterm-Wahlen am 3. November erwartet. Nicht nur Trump verkündet das ganz offen, auch Außenminister Marco Rubio tut es.

Der „große Plan“, „den Platz [der westlichen Zivilisation] an der Spitze der Welt zu sichern“ (wie Marco Rubio es formulierte), erfordert zwei Instrumente zur Durchsetzung: Die Schürung zerstörerischer revolutionärer Leidenschaft von unten (heute als „Regimewechsel“ bezeichnet); und zweitens den Einsatz dessen, was Theodor Herzl in einem mittlerweile berühmten Satz als „die schreckliche Macht des Geldes, um unwiderstehlichen Druck auf die internationale Politik auszuüben“ bezeichnete, um die herrschenden Schichten in ein Machtnetzwerk einzubinden, das das „Grand Design“-„Projekt“ vorantreiben würde.

Genau das beobachten wir bei Trumps Krieg gegen den Iran. Der israelisch-amerikanische Angriff im Juni 2025 war in erster Linie ein „Enthauptungs-Angriff“, der darauf abzielte, sowohl die politische als auch die militärische Führung des Iran außer Gefecht zu setzen, während bewaffnete, vom Mossad ausgebildete Kräfte – unter anderem die MEK und belutschische Separatisten – in den Iran eingeschleust werden sollten, um von der Basis aus eine Revolution anzuzetteln. Zu dieser Zeit wurde der Sohn des ehemaligen Schahs – unglaubwürdig – den westlichen Medien als künftiger Führer des Iran präsentiert.

Es hat nicht funktioniert. Und nun verkündet Netanjahu, Israel habe „neue Beweise“ dafür, dass der Iran darauf hinarbeitet, eine Waffenkomponente für sein Atomprogramm herzustellen. Er sagt Trump, dass er nun die Zerstörung des Iran zu Ende bringen müsse. Und um Trump weiter zu motivieren, berichtet die führende israelische Tageszeitung Ma’ariv, dass Israel Likud-Umfrageergebnisse direkt ins Weiße Haus weitergeleitet habe, wonach Netanjahu die israelischen Wahlen am 27. Oktober gewinnen könnte. Dem Bericht zufolge veranlassten diese Likud-Informationen (die den meisten anderen israelischen Umfragen widersprechen) Trumps uneingeschränkte Wahlunterstützung für Netanjahu.

Gleichzeitig schwingen die pro-zionistischen Milliardärsspender die „schreckliche Macht des Geldes“ gegenüber Trump: „Wir werden nichts weniger als die Niederlage des Iran akzeptieren. Wenn Sie weiterhin ein Abkommen anstreben, werden wir Ihnen unsere finanzielle Unterstützung entziehen.“

Hochrangige aktuelle und ehemalige Sicherheitsbeamte in Israel weisen jedoch die Notwendigkeit eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs auf den Iran sowie die Behauptung zurück, es gäbe neue Beweise dafür, dass der Iran auf eine Atomwaffe zusteuere —

IDF-Stabschef Zamir sagte gegenüber dem israelischen Sender Channel 13: „Wir sehen keine Notwendigkeit, den Iran vor den Wahlen anzugreifen“.

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Die Protestbewegung der Schüler und das Eingreifen der Arbeiterklasse

Von Peter Schwarz – 24. Oktober 2026

Zehntausende Protestierende marschieren während der Demonstration am 17. Oktober 2026 in Paris entlang des Boulevard Saint-Martin in Richtung Place de la République (Bild: WSWS)

Die Massenproteste in Frankreich breiten sich über ganz Europa aus. Nicht weniger als neun Länder – neben Frankreich auch Serbien, Albanien, Spanien, Italien, Griechenland, Belgien, Portugal und Irland – haben in den vergangenen Tagen und Wochen Massenproteste erlebt, die meist von Schülern und Studierenden ausgingen.

Und die Bewegung wächst weiter. In Österreichs Hauptstadt Wien gingen am Donnerstag rund 40.000 gegen die Kürzung des Universitätsbudgets um zehn Prozent auf die Straße. In Deutschland beteiligen sich regelmäßig mehrere zehntausend Jugendliche an den „Schulstreiks gegen Wehrpflicht“.

Von größter Bedeutung ist dabei die wachsende Rolle der Arbeiterklasse. Für November sind in mehreren betroffenen Ländern größere Streiks und nationale Protesttage geplant, an denen sich Millionen Arbeiter beteiligen werden. Das macht deutlich, dass es hier nicht nur um Protest geht. Es entwickelt sich ein grundlegender Klassenkonflikt, der direkt die Frage der Macht stellt.

Wer bestimmt über die Gesellschaft? Die milliardenschweren Oligarchen, die Konzernchefs und ihre Politiker, die alle verfügbaren Mittel zur Steigerung ihrer Profite, für die Aufrüstung und für die Kriege gegen Russland und im Nahen Osten einsetzen? Oder die Arbeiterklasse, die große Mehrheit der Bevölkerung, die eine sichere Zukunft, gute Bildung, bezahlbare Mieten, Energie und Lebensmittel und sichere Renten und Gesundheitsversorgung braucht?

Die meisten der geplanten Streiks und nationalen Protesttage werden von den offiziellen Gewerkschaften organisiert, die nicht die geringste Absicht haben, die Machtfrage zu stellen. Sie unterstützen die Kriegs- und Sparpolitik ihrer Regierungen und arbeiten beim Abbau von Arbeitsplätzen und Löhnen eng mit den Konzernen zusammen.

Sie setzen sich an die Spitze der Bewegung, um sie unter Kontrolle zu halten. Sie haben die Aktionen so lange wie nur möglich hinausgezögert, beschränken sie von vornherein auf einen oder wenige Tage und schüren die Illusion, die Regierungen würden dem Druck von unten nachgeben, obwohl diese Polizei und Militär gegen die Protestierenden einsetzen, Tausende verhaften lassen und die extreme Rechte stärken.

Doch was die Bewegung antreibt, sind reale Klassenfragen: Das Fehlen jeder Zukunftsperspektive für die Jugend; steigende Lebenshaltungskosten, Energiepreise und Mieten; die Verschwendung von hunderten Milliarden für Aufrüstung und Krieg, während Renten und Sozial-, Gesundheits- und Bildungsausgaben zusammengestrichen werden; die unüberbrückbare Kluft zwischen einer Oligarchie, deren Luxus keine Grenzen kennt, und der Masse der Bevölkerung, die jeden Cent umdrehen muss.

Anders als etwa in den 1970er Jahren haben die europäischen Regierungen keinen Spielraum mehr für Zugeständnisse. Das verleiht der Bewegung eine mächtige Dynamik und eine internationale Dimension.

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Israel vor der Wahl

Von Moshe Zuckermann – 24. Oktober 2026

Die Knesset, das israelische Parlament. Bild: Adiel lo/CC BY-SA-3.0

Was bedeutet es, wenn man im israelischen Politdiskurs von „schicksalhaften Wahlen“ redet?

US-Präsident Donald Trump hat bekundet, Benjamin Netanjahu bei den bevorstehenden Wahlen in Israel zu unterstützen. Zwei Tage zuvor erklärte er noch, sich bei den Wahlen nicht einmischen und niemanden unterstützen zu wollen. Oft genug will es scheinen, als halte sich Trump für göttlich; auf jeden Fall lässt sich feststellen, dass seine Wege, ähnlich wie die des allmächtigen Schöpfers von Himmel und Erde unergründlich seien.

Er selbst hat gestanden, dass er von israelischen Personen gedrängt worden sei, seine Unterstützung Netanjahus zu veröffentlichen, er sich aber geweigert habe, dies zu tun. Warum er sich nun, eine Woche vor den Wahlen, eines anderen besonnen hat, bleibt sein Geheimnis. Es hieß bei nicht wenigen Kommentatoren, Trump verarge Netanjahu, ihn zweimal in den Krieg mit Iran mit haltlosen Versprechungen über den Verlauf des Waffengangs hineingeritten zu haben; aber es kam dann nicht zum Sturz des Mullah-Regimes, das Potenzial der Produktion von atomaren Waffen ist mitnichten eliminiert, und auch die Herstellungskapazität von Langstreckenraketen ist wieder aufgebaut worden. Zudem hat der amerikanisch-israelische Angriff auf Iran eine globale Energiekrise ausgelöst, die die Lebenhaltungskosten in den USA sehr hat ansteigen lassen. Nicht sehr hilfreich für Trump bei den bevorstehenden Midterms – alles eher Gründe für den US-Präsidenten, sich vom israelischen Premier zu distanzieren, zumal Netanjahu bei den meisten US-Bürgern merklich an Ansehen verloren hat, ja regelrecht verhasst ist. Es gibt keine andere Erklärung für Trumps erratisches Verhalten, als die, dass er die kandidierenden Rivalen Netanjahus kaum kennt, nicht zuletzt, weil sie ihn nicht interessieren, wie ihn offenbar Israel bzw. Israels Schicksal nicht sonderlich interessiert. Der Nahe Osten ist ihm mittlerweile insgesamt eine Last, die ihm zwar gute Geschäfte in den Golfstaaten, aber ansonsten vor allem narzisstische Kräkungen einbringt.

Zweifelhaft ist gleichwohl, ob Trumps deklarierte Unterstützung für Netanjahu sich ernstlich auf das Wahlvolk in Israel auswirken wird. Dem war nicht immer so – es gab Zeiten, da wurde jeder Besuch des israelischen Premiers im Weißen Haus, jede erzwungene Rede vor dem amerikanischen Kongress, auch jeder Auftritt vor der UN-Generalversammlung in New York von israelischen Medien und seinen servilen Parteigängern frenetisch bejubelt. Er bewege sich in einer „ganz anderen Liga“, hieß es in seiner Wahlpropaganda, habe guten Kontakt sowohl zu Trump als auch zu Putin, vertrete mithin Israels Interessen meisterlich auf der Weltbühne. Lang, lang ist’s her – der frühere Glanz ist längst verblichen; der kranke, auch gealterte Netanjahu ist nicht mehr der große Politmagier, der als begnadeter Kampagner fähig war, fintenreich jede Wahl für sich zu entscheiden.

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Erneute Zusammenstöße im Osten des Kongo stärken den Einfluss der USA

Von Andrew Korybko – 24. Oktober 2026

Der Einfluss der USA auf den mineralreichen Kongo wird sich wahrscheinlich unabhängig vom Ausgang des dortigen Krieges ausweiten, meint unser Autor

Die Demokratische Republik Kongo (DRK) geriet diesen Monat erneut in die Schlagzeilen, nachdem ein ehemaliger UFC-Kämpfer, der nun als Podcaster tätig ist, im Osten des Landes verwundet worden war, während er dort als Teil von „Vectus Global“ – einer Organisation des Blackwater-Gründers Erik Prince – zur Unterstützung der Regierung in Kinshasa kämpfte. Zum Hintergrund: Die DRK kämpft seit Langem gegen von Ruanda unterstützte Rebellen in ihrem mineralreichen Grenzgebiet, was dazu führte, dass die USA im vergangenen Jahr ein Friedensabkommen vermittelten, das sie zum Sicherheitsgaranten der DRK machte – im Gegenzug für privilegierten Zugang zu diesen Ressourcen.

Gleichzeitig pflegen die USA im Rahmen ihrer „Vorwärtsverteidigung“/„strategischen Tiefe“ gegen die Rebellen, die Mitte der 1990er Jahre in Ruanda Zuflucht fanden, enge Beziehungen zu Kigali, und das obwohl die dortige Regierung zur Aufrechterhaltung der Feindseligkeiten entscheidend beiträgt. Ruanda ist nicht nur trotz seiner Nähe zu China und Russland nach wie vor einer der wichtigsten Sicherheitspartner der USA auf dem Kontinent, sondern ein US-kanadisches Bergbauunternehmen hat im vergangenen Monat eine Wolframpartnerschaft mit Ruanda geschlossen, mit dem ausdrücklichen Ziel, die Verteidigungslieferketten der USA zu stärken.

Vor diesem Hintergrund ist die politische und militärische Allianz des von den USA mit Sanktionen belegten ehemaligen Präsidenten der DRK, Joseph Kabila, mit Rebellenführern und seine angekündigte Übernahme der Führung der „Front für die Neugründung der Nation“ (FRN) Anfang Oktober zu sehen. Die neue Allianz ist nach dem Zusammenschluss der „Congo River Alliance“ mit den von Ruanda unterstützten M23-Rebellen entstanden, die in ihrem Krieg gegen die Regierung weite Teile des Ostens des Landes eingenommen haben. Die USA haben umfassende Sanktionen gegen Kabila verhängt. Washington wirft ihm vor, die M23 finanziell unterstützt, Desertionen aus der kongolesischen Armee gefördert und sogar „versucht zu haben, Angriffe“ auf das Militär von außerhalb des Landes zu starten.

Hier wurde im Dezember eingeschätzt, dass das Szenario einer Rückkehr Kabilas an die Macht als Chef einer von der Opposition geführten Regierung zu „der Umwandlung des Landes in einen föderalen Staat“ führen könnte.

Das Endergebnis könnte dann sein, dass „ressourcenreiche Provinzen wie die Region Kivu und das ehemalige Katanga (das nun in mehrere kleinere Provinzen aufgeteilt ist) den größten Teil des nationalen Reichtums horten. Sollten die Teilstaaten so autonom werden, dass sie über eigene Sicherheitskräfte verfügen, würde das Land einer ‚Balkanisierung‘ ausgesetzt sein, woraufhin in der gesamten DR Kongo ein Wettlauf um Einfluss und Gewinne beginnen könnte.“ Die oben erwähnte Analyse kam zudem zu dem Schluss, dass die Trump-Regierung dieses Szenario zynischerweise unterstützen könnte.

Die düstere Realität ist, dass die USA wahrscheinlich unabhängig vom Ausgang des Krieges in jedem Fall von diesem profitieren werden. Die „Balkanisierung“ der DR Kongo durch den von Ruanda unterstützten Kabila (dessen Vater in den 1990er Jahren von ihnen unterstützt wurde, bevor er nach seiner Machtübernahme Krieg gegen sie und seine ugandischen Verbündeten führte) könnte es den USA ermöglichen, die ressourcenreiche Peripherie des Kongo effektiver von den weit entfernten zentralen Behörden zu trennen und zu beherrschen. Gleichzeitig würde ein Sieg der DR Kongo über die von Ruanda unterstützten Rebellen mit Hilfe von Vectus Global den Einfluss der USA festigen – es ist also eine Win-Win-Situation.

Der Fehler der DR Kongo, der sich letztendlich als fatal für seine nationale Einheit erweisen könnte (sei es de jure oder nur de facto), besteht darin, dass die Regierung naiv davon ausging, die Gewährung privilegierten Zugangs zu ihren Bodenschätzen an die USA würde genügend Unterstützung seitens der USA gewährleisten, damit die besagte Einheit intakt bliebe – doch das war eine Fehleinschätzung. Der einzige Sicherheitsgarant, der dies hätte gewährleisten können, war Russland, das die Bodenschätze der DR Kongo nicht benötigt, da es selbst über reichlich eigene verfügt; doch die DR Kongo hat diese Chance vertan, sodass Russland nun Ruanda unterstützen könnte.

Sollte der Kongo nach der Ukraine und möglicherweise bald auch Afghanistan zu einem weiteren Stellvertreterkrieg zwischen Russland und den USA werden, könnte sich die strategische Dynamik des Konflikts so weit verschieben, dass die USA die DR Kongo stärker unterstützen – doch ihr Sieg über die dann von Russland unterstützten Rebellen wäre nicht wie in der Vergangenheit gesichert. Das beste Szenario ist möglicherweise die ressourcenorientierte strategische Partnerschaft, über die Moskau und Washington derzeit verhandeln und die zu einem dauerhaften Frieden in Zentralafrika führen könnte, sodass beide Seiten davon profitieren können, jedoch nicht auf Kosten der DR Kongo.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

NATO verlegt zusätzliche Kräfte ins Schwarze Meer, während Krieg gegen Russland eskaliert

Von Ulaş Sevinç – 23. Oktober 2026

Dieser Ausschnitt aus einem Video, das im Dezember 2025 vom ukrainischen Sicherheitsdienst veröffentlicht wurde, zeigt einen russischen Öltanker, der im Schwarzen Meer von einer ukrainischen Seedrohne getroffen wurde [Photo: Security Service of Ukraine]

Die Entsendung weiterer Streitkräfte ins Schwarze Meer angekündigt. Als Grund nannte sie zunehmende militärische Angriffe auf die Handelsschifffahrt. Dieser Schritt stellt eine gefährliche Eskalation des NATO-Kriegs gegen Russland in der Ukraine dar.

Die Ankündigung folgte im Anschluss an ein Treffen des Nordatlantikrats in Brüssel, des wichtigsten politischen Entscheidungsgremiums der NATO, bei dem es um die Lage im Schwarzen Meer ging. Colonel Martin O’Donnell von der US Army, ein Militärsprecher der NATO, erklärte: „Die Verbündeten haben es bereits getan oder werden zusätzliche Seeaufklärungsflugzeuge, Radarsysteme, Sprengstoff-Einsatzteams, Geheimdienstpersonal, Drohnen und mehr ins Schwarze Meer schicken.“

NATO-Sprecherin Allison Hart erklärte: „Die NATO hat bereits ihre Aufstellung entlang der Ostflanke gestärkt, u.a. mit Systemen zur Drohnenabwehr. Wir werden weiterhin geschlossen auftreten und sicherstellen, dass wir bereit und in der Lage sind, jeder Bedrohung zu begegnen und die Sicherheit unserer eine Milliarde Bürger zu gewährleisten.“

Am Dienstag bestätigte Bulgarien, dass ein US-Aufklärungsflugzeug des Typs P-8 Poseidon Patrouillenflüge über dem Schwarzen Meer begonnen hat. Frankreich hat Berichten zufolge am 18. Oktober ein Seeaufklärungsflugzeug nach Rumänien geschickt.

Mit ihren eskalierenden Maßnahmen reagiert die NATO auf Forderungen von Rumänien und Bulgarien, den beiden Mitgliedern des Bündnisses an der Westküste des Schwarzen Meeres. Am 6. Oktober wurden zwei Handelsschiffe in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Bulgariens, etwa 70 Seemeilen östlich der Küste von Byala, von See- und Luftdrohnen angegriffen. Dabei handelte es sich um den ersten gemeldeten Angriff in der bulgarischen Wirtschaftszone. Das Schiff Alfa Watan, das unter der Flagge von Togo fuhr, sank, und zehn Matrosen gelten weiterhin als vermisst.

Am 14. Oktober wurde der Tanker Yara J, der unter der Flagge der Komoren fuhr, Ziel eines Drohnenangriffs in rumänischen Hoheitsgewässern bei Sulina. Am 17. Oktober behauptete Rumänien, seine F-16-Kampfflugzeuge hätten zwei Drohnen abgeschossen, die in rumänische Hoheitsgewässer eingedrungen waren. Laut dem Fachmagazin Maritime Executive wurden im westlichen Schwarzen Meer in diesem Monat mindestens acht Angriffe auf Handelsschiffe verzeichnet, abgesehen von Angriffen auf ukrainische Häfen: vier vor der rumänischen Küste und vier in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Bulgariens. Dabei kamen nach Berichten 23 bis 27 Seeleute ums Leben oder werden vermisst.

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Selenskyjs Doppelmoral hinsichtlich Butscha und Wolhynien diskreditiert die Ukraine weiter

Von Andrew Korybko – 23. Oktober 2026

Der amtierende ukrainische Präsident Selenskyj betrachtet den Tod von 500 Ukrainern in Butscha als Völkermord, weigert sich jedoch, das Massaker an über 100.000 Polen durch ukrainische Ultranationalisten während des Zweiten Weltkriegs als solchen zu bezeichnen – darunter die geschätzten 8.000, die am „Blutigen Sonntag“ getötet wurden.

Selenskyj schrieb kürzlich: „Butscha. Es war ein Völkermord, der von allen anerkannt wurde. Sie haben Hunderte von Menschen begraben. Sie haben Menschen gefoltert. Wir haben das Grab gefunden. Dort lagen, glaube ich, etwa 500 Menschen.“ Abgesehen davon, dass die Geschehnisse in Butscha keineswegs so eindeutig geklärt sind, wie es dem westlichen Publikum präsentiert wird, und der russische Außenminister Sergej Lawrow kürzlich daran erinnerte, dass sein Land eine diametral andere Sichtweise auf sie hat, ist es bemerkenswert, dass Selenskyjs Maßstab für Völkermord bereits der Tod von 500 Menschen ist. Dies ist für die polnisch-ukrainischen Beziehungen von Bedeutung.

Die Ukraine weigert sich, das Massaker an über 100.000 Polen in der Region Wolhynien und den umliegenden Gebieten während des Zweiten Weltkriegs durch mit den Nazis verbündete ukrainische Ultranationalisten als Völkermord anzuerkennen. Tatsächlich benannte Selenskyj im Mai sogar eine Elite-Kommandoeinheit nach den Tätern, der „Ukrainischen Aufständischen Armee“ (UPA). Dies löste eine politische Krise mit Polen aus, die die öffentliche Meinung über die Ukraine und die Ukrainer bis heute polarisiert hat. Es wird erwartet, dass diese Polarisierung bei den nächsten Sejm-Wahlen im Herbst 2027 eine wichtige Rolle spielen wird.

Polen erkennt die oben genannten Morde offiziell als Völkermord an, zumal der „Blutige Sonntag“ am 11. Juli 1943 zum Massaker an schätzungsweise 8.000 Polen an einem einzigen Tag führte, von denen sich die meisten zum Zeitpunkt ihrer Ermordung in der Kirche befanden. Obwohl Selenskyjs Maßstab für Völkermord bereits der Tod von 500 Menschen ist – und das nicht einmal alle am selben Tag –, will er die Ereignisse in Wolhynien und den angrenzenden Gebieten nicht als Völkermord anerkennen, obwohl dabei an einem einzigen Tag 16-mal so viele Menschen starben und insgesamt sogar 200-mal so viele.

Das liegt daran, dass die UPA und die „Organisation Ukrainischer Nationalisten“ (OUN), aus der sie hervorging, in der Ukraine nach dem „Maidan“ als „Helden“ gelten. Ihre Führer, Spitzenpolitiker und führende Persönlichkeiten der Zivilgesellschaft betrachten die Handlungen der OUN-UPA im Zweiten Weltkrieg als Grundlage für den modernen ukrainischen Staat. Zu diesen Handlungen gehören die ethnische Säuberung des Staates von Polen (sowie von Juden und anderen Minderheiten) und sogar der Völkermord (gemäß der Definition dieses Verbrechens durch die UNO selbst) an ihnen.

Obwohl er selbst Jude ist, folgt Selenskyj den gesellschaftspolitischen Vorgaben der ukrainischen Ultranationalisten, von deren Unterstützung seine Macht und seine Fähigkeit, den Krieg gegen Russland fortzusetzen, abhängen. Würde er ihre „Helden“ aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs als die Völkermörder anerkennen, die sie objektiv gesehen sind, deren Verherrlichung verbieten und Polen gestatten, endlich die Überreste aller Opfer zu exhumieren und anschließend ordnungsgemäß wieder zu bestatten – so wie die Ukraine es Deutschland für über 100.000 Wehrmachtssoldaten gestattet hat –, dann würden sie revoltieren.

Aus diesem eigennützigen Grund wendet Selenskyj in Bezug auf Butscha und Wolhynien unverhohlen mit zweierlei Maß an, was die Ukraine weiter diskreditiert, da es sachkundige Beobachter – insbesondere Polen – dazu veranlasst, sich zu fragen, warum er die Wolhynien-Massaker nicht als den Völkermord anerkennt, der es objektiv gesehen war, um seine Behauptung zu untermauern, dass Butscha angeblich ebenfalls ein solcher sei. Darüber ist die Anwendung der Doppelmoral auf ethnisch-nationaler Grundlage, wie sie in diesem Fall vorliegt, ein eindeutiger Ausdruck von behaupteter ethnischer bzw. rassischer Überlegenheit.

Polen sind sprichwörtlich keine Kinder eines geringeren Gottes, aber in den Augen ukrainischer Ultranationalisten – wie jener, denen Selenskyj zu verdanken hat, dass er an der Macht bleibt und seinen (äußerst profitablen) Krieg gegen Russland fortsetzen kann – werden sie tatsächlich als solche angesehen. Aus diesem Grund wird er es nicht wagen, das Massaker an ihnen durch die OUN-UPA während des Zweiten Weltkriegs, das insgesamt 200-mal so viele Opfer forderte wie in Butscha und 16-mal so viele wie am „Blutigen Sonntag“ – sofern man davon ausgeht, dass die Gräueltaten in Butcha an einem einzigen Tag begangen wurden –, als Völkermord anzuerkennen. Ein Großteil der Polen ist sich vor Wut.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

In der Eskalationsspirale

Von German-Foreign-Poliy.com – 23. Oktober 2026

Die Eskalationsspirale, die durch die – in Deutschland beklatschten – Angriffe der Ukraine auf russische Lagerhäuser und Raffinerien ausgelöst wurde, geht vor allem zu Lasten der ukrainischen Wirtschaft.

Die Wirtschaft der Ukraine wird in diesem Jahr nicht wie zunächst erwartet leicht wachsen, sondern zum Stillstand kommen. Dies geht aus der Herbstprognose des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) hervor. Ursache sind demnach Russlands Angriffe auf die Exportinfrastruktur der Ukraine, die zu dramatischen Einbrüchen etwa beim Getreideexport und infolgedessen bei den Einnahmen des Landes geführt haben. Kiew werde deshalb noch stärker als bisher von Geld aus dem westlichen Ausland abhängig sein, heißt es beim wiiw. Mit seinen Angriffen antwortete Russland auf ukrainische Angriffe auf russische Lagerhäuser und Raffinerien, die im Westen – auch in Deutschland – weithin mit Schadenfreude quittiert wurden. Aus ihnen geht die russische Wirtschaft allerdings nur leicht geschädigt hervor und wird laut wiiw im zuvor prognostizierten Ausmaß wachsen. Die Hauptgeschädigten der Eskalationsspirale sind die Ukraine und ihre Bevölkerung. Zudem eskalieren die Kosten für ihre westeuropäischen Kriegsfinanziers – für 2027 fehlen in Kiew ungefähr 70 Milliarden Euro. Die Kosten für den Wiederaufbau wurden bereits zu Jahresbeginn auf 588 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Mit Schadenfreude

Die verstärkten Angriffe der ukrainischen Streitkräfte auf Ziele der zivilen Wirtschaft in Russland waren im Sommer im Westen zunächst mit demonstrativer Genugtuung registriert worden. So seien allein bei Angriffen auf Lagerhäuser russischer Onlinehändler Waren im Wert von mehr als zwei Milliarden Euro zerstört worden, hieß es etwa Mitte August.[1] Die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien sowie der zeitweise aufgetretene Mangel an Treibstoffen in Russland wurden ebenso mit Schadenfreude beobachtet – jedenfalls, bis Moskau am 8. Juli einen Exportstopp auf Diesel verhängte, um den gefährdeten Bedarf im Inland zu sichern. Dies trieb, weil Russland zuvor der zweitgrößte Dieselexporteur weltweit war, den Dieselpreis empfindlich in die Höhe. Dieser erreichte in Deutschland im September den Rekordwert von rund 2,40 Euro pro Liter.[2] In den Vereinigten Staaten stieg er auf über 6,50 US-Dollar pro Gallone – auch dies mehr als je zuvor. Die hohen Preise belasten bis heute Verbraucher und Wirtschaft weltweit und veranlassten US-Präsident Donald Trump, in einem Deal mit der russischen Regierung Sonderlieferungen zu vereinbaren, um vor den US-Zwischenwahlen den Dieselpreis wenigstens etwas zu senken. Die Bundesregierung gab einen Teil der deutschen Notfallreserven frei.[3]

Prognose gesenkt (I)

Russland hat im Gegenzug seine Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung sowie auf die Exportinfrastruktur der ukrainischen Häfen intensiviert – mit vorhersehbar verheerenden Folgen für die ukrainische Wirtschaft. Bereits im September berichtete die European Bank for Reconstruction and Development (EBRD), man müsse damit rechnen, dass die Ausfuhr von Getreide und Ölsaaten, die traditionell über das Schwarze Meer erfolge, aufgrund der schweren Schäden an der ukrainischen Exportinfrastruktur insbesondere in den Häfen um 50 bis 60 Prozent einbrechen werde.[4] Der Zwang, alles neue Getreide zu lagern, belaste die Handelsinfrastruktur zusätzlich. Die ukrainische Wirtschaft werde daher in diesem Jahr nicht um 2,2 Prozent wachsen, wie man noch im Juni vorhergesagt habe, sondern bloß um 1,5 Prozent. Für 2027 müsse man die Wachstumsprognose nun von 2,5 Prozent auf 1,5 Prozent senken. Noch könne man der Ukraine „makroökonomische Stabilität“ attestieren; ihre Gesamtwirtschaft aber sei von einer „langsamen Erholung“ in einen Zustand „nahe an der Stagnation“ übergegangen. Weil außerdem die Treibstoffkosten, bedingt durch den Krieg der USA und Israels gegen Iran, in die Höhe geschossen seien, habe die Inflation schon im Juli 7,7 Prozent erreicht.

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Israel: Wahlen im Zeichen von Krieg – die fehlende Vision von Frieden

Von Karin Leukefeld – 23. Oktober 2026

Am 27. Oktober blicke die Welt gespannt auf die Wahlen in Israel, heißt es in zahlreichen deutschsprachigen Medien. In der arabischen Welt allerdings weiß man schon, wie es ausgehen wird. Egal wer die Wahlen gewinnen wird, für den palästinensischen Gazastreifen und das von Israel besetzte palästinensische Westjordanland, für Libanon und Syrien, für Jemen, Irak und Iran werden die israelischen Kriege „an sieben Fronten“ weitergehen.

Keiner der Kandidaten für den Posten des israelischen Ministerpräsidenten spricht über Frieden. Im Gegenteil, die Parteien übertrumpfen sich gegenseitig, wer am schnellsten die Hamas vernichtet und das Westjordanland besetzen wird. Alle scheinen sich einig, dass ein weiterer Krieg gegen Iran „unvermeidlich“ sei. Andere Stimmen sind nur von ehemaligen und kritischen Militärs und Geheimdienstoffizieren zu hören. Die aber spielen im Wahlkampf keine Rolle.

Wahlen im Krieg

Die bevorstehenden Parlamentswahlen in Israel finden unter dem Eindruck des Krieges statt. Am 27. Oktober wird gewählt, 50.000 Israelis aus aller Welt werden zur Stimmabgabe in dem Land erwartet. Briefwahlen sind für sie nicht vorgesehen, diese sind nur für Angehörige des diplomatischen Korps erlaubt. Für Tausende israelische Besatzungssoldaten im palästinensischen Gazastreifen, in Syrien und im Libanon wurden 800 Wahlzentren eingerichtet, damit die Soldaten im Einsatz und an fernen Fronten ihre Stimme abgeben können.

Am Morgen des 23. Oktober kam es zu einem Feuergefecht zwischen palästinensischen bewaffneten Kräften und Angehörigen einer Reserveeinheit des israelischen Heimatfront-Kommandos, wie die israelische Internetplattform Walla berichtete. Der Kampf an einem militärischen Kontrollpunkt bei Farsh al-Hawa/Hebron habe etwa 20 Minuten gedauert. Dabei wurden offiziellen Angaben zufolge 6 israelische Soldaten verletzt, von denen zwei später starben. Zwei palästinensische Militante wurden getötet. Aus „Sicherheitsgründen“ habe die israelische Armee Hebron und umliegende Ortschaften abgesperrt. Das Militär durchsuchte demnach Häuser, der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich ordnete die Zerstörung von Häusern an. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat israelischen Berichten zufolge eine militärische Belagerung von Hebron und die Absperrung des gesamten Westjordanlandes angeordnet.

Der israelische Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, erklärte, Israel müsse „die palästinensische Autonomiebehörde auflösen, entwaffnen und die Infrastruktur des Terrorismus vollständig zerstören“. Israel müsse „nicht auf den 7. Oktober im Westjordanland warten, es müsse handeln, bevor es zu spät“ sei.

Die palästinensischen Organisationen Hamas, Islamischer Jihad und die Volksfront für die Befreiung Palästinas begrüßten den „heldenhaften Angriff auf die israelische Besatzungsarmee“ und riefen ihre Kräfte im besetzten Westjordanland auf, gegen die Besatzungstruppen vorzugehen. Das sei eine „natürliche und legitime Antwort auf die anhaltenden Verbrechen und brutalen Angriffe gegen unser Volk, unser Land und unsere heiligen Stätten im Westjordanland und im besetzten Jerusalem und gegen die anhaltende Aggression gegen unser Volk in Gaza“, hieß es in einer Erklärung der Al-Quds-Brigaden (Hamas), die auszugsweise in der libanesischen Tageszeitung Al Akhbar veröffentlicht wurde. Es sei „die einzige Sprache“, die „der Feind“ verstehe.

[Hier weiterlesen auf den NachDenkSeiten]

Die vierte Galeria-Insolvenz und der Bankrott der Strategie von Verdi

Von Marianne Arens – 23. Oktober 2026

Noch gibt es sie in einigen Stadtzentren: die Galeria-Kaufhäuser, in denen von Winterjacken über Dampfkochtöpfe und Brettspiele bis hin zu Lebensmitteln fast alles zu finden ist, und deren Restaurants als Treffpunkte dienen. 83 dieser Häuser sind noch übrig – doch was nach Weihnachten geschieht, ist völlig offen. Viele von ihnen oder alle könnten geschlossen werden.

Galeria hat am 2. Oktober beim Amtsgericht Düsseldorf erneut einen Insolvenzantrag gestellt, den bisher vierten in sechs Jahren. Wie die WSWS seit Jahren dokumentiert, wird der Konzern systematisch ausgeplündert und Schritt für Schritt demontiert und zerschlagen.

Abgesperrte Ware in einer Galeria-Filiale, Frankfurt, Oktober 2026

Offiziell werden noch 11.250 Stellen bei Galeria gezählt, aber weil viele Verkäuferinnen in Teilzeit arbeiten, sind es noch etwa 12.000 Beschäftigte. Für 9.650 Arbeitsplätze fließt „Insolvenzgeld“ bis zum Januar 2027, d.h. das Bundesamt für Arbeit (BfA) bezahlt die Löhne, doch nur bis Ende Dezember, d.h. rund um das Weihnachtsgeschäft.

Für weitere mindestens 1.600 Beschäftigte, die bei den Lebensmitteln und in den Restaurants arbeiten, ist die Bezahlung ab November völlig offen. Von den noch 83 Filialen sollen bis zu 33 im Januar 2027 geschlossen werden; von Schließung bedroht sind aber letztlich alle.

In mehreren Filialen sind schon Restaurants geschlossen, und Gutscheine werden nicht mehr angenommen. Einzelne Abteilungen sind mit Flatterband abgesperrt, da die Waren als Sicherheit für laufende Kredite gelten. „Diese Marke steht vorübergehend nicht zum Verkauf“, heißt es auf den Schildern. Angeblich fehlt das Geld, um die Filialen weiterzuführen.

[Hier weiterlesen auf der WSWS]

„Ein absoluter Fall von Antisemitismus“

Von Gaby Weber – 23. Oktober 2026

Im Gerichtssaal. Bild: Gaby Weber

Am Donnerstag war es endlich so weit. Fünfzig Jahre nach den Verbrechen begann in San Martín, einem Vorort von Buenos Aires, der Prozess gegen den früheren Produktionschef von Mercedes-Benz Argentina (MBA). Zahlreiche Zuschauer waren erschienen, vor allem von Gewerkschaften und Opferverbänden – obwohl die großen Zeitungen und das Fernsehen auf eine Berichterstattung verzichteten, die deutschen sowieso.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Juan Ronaldo Tasselkraut (85 J.) nicht wegen der Ermordung von 14 Gewerkschaftsaktivisten während der Militärdiktatur (1976-83), und auch nicht wegen der Aneignung „seiner“ drei Kinder. Nein, es geht „nur“ um zwei konkrete Fälle: um die Auslieferung des Arbeiters Héctor Ratto an die Militärs, die ihn mitnahmen, folterten und anderthalb Jahre gefangen hielten, sowie um die Übergabe der Privatadresse des Gewerkschaftsaktivisten Diego Núñez. Von dort verschleppten ihn die Soldaten noch in derselben Nacht in die Kaserne Campo de Mayo. Seitdem fehlt von ihm jede Spur; er gilt als „verschwunden“. Diese beiden Taten, so die Anklageschrift, geschahen am 12. August 1977 im Büro Tasselkrauts.

Ratto hatte bereits 1985 im spektakulären Prozess gegen die Junta-Kommandanten als Zeuge über seine Festnahme und die Übergabe der Adresse an die Militärs ausgesagt, zusammen mit den Familienangehörigen der Verschwundenen. Und die Generäle wurden damals (auch aufgrund seiner Aussage) verurteilt. Doch dann kamen die Amnestiegesetze und der Mantel des Schweigens breitete sich über dieses Kapitel aus.

Blick auf die Richter. Bild: Gaby Weber

Ich begann 1999, damals für den WDR, diesen Fall zu recherchieren, und es war genau der richtige Zeitpunkt. Denn bis dahin war, wenn es um Menschenrechtsverletzungen ging, immer nur von den Militärs oder Polizisten die Rede, aber nicht von denen, die den Auftrag der systematischen Säuberung des Industriegürtels gegeben hatten, um durch diesen Terror die Produktion gewinnbringend voranzutreiben. Ich habe über diesen Fall Bücher geschrieben, für ARD (Hörfunk) und taz stetig berichtet und Filme gedreht (siehe auch das Gespräch mit Rattos Rechtsanwalt, Pablo Llonto).

[Hier weiterlesen auf Overtone-Magazin]