Trump lässt die Maske fallen. Was bedeutet der US-Angriff auf Venezuela?

Von Thomas Röper – 5. Januar 2026

Trumps Angriff auf Venezuela und die Entführung des Präsidenten des Landes nach Mafia-Manier haben die Welt schockiert, dabei konnte der Angriff nicht wirklich überraschen. Was bedeutet der Angriff für die künftige Politik der USA?

Da die Biden-Regierung auf eine unkontrollierbare Eskalation mit Russland zugesteuert hat, die zum Krieg zwischen den beiden größten Atommächten der Welt hätte führen können, habe ich während des US-Wahlkampfes auf einen Wahlsieg von Trump gehofft, von dem ich erwartet habe, dass er von dieser extrem gefährlichen Politik abrückt, wonach es ja auch aussieht.

Aber ich habe dabei auch immer davor gewarnt, dass ein Wahlsieg Trumps für andere Regionen der Welt – konkret für Venezuela und den Nahen Osten, und dort vor allem für den Iran – nichts Gutes bedeuten würde.

Die Tatsache, dass es genau so gekommen ist – schließlich hat Trump als erster US-Präsident den Iran, und dabei auch noch Nuklearanlagen, bombardieren lassen, und nun hat er auch Venezuela bombardiert –, zeigt, dass Trump keineswegs so chaotisch und unberechenbar ist, wie ihn viele einschätzen. Trump verwirrt Freund und Feind zwar gern mit wilden Aussagen, aber in seinen Handlungen folgt er offensichtlich sehr konkreten Plänen.

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„Donroe-Doktrin“: Trump will den politischen Kurs Venezuelas bestimmen und das Öl des Landes kontrollieren

Von Thomas Röper – 5. Januar 2026

Nach dem Angriff auf Venezuela hat Präsident Trump offen erklärt, was seine Ziele sind. Er will den politischen Kurs Venezuelas bestimmen und das Öl des Landes an US-Konzerne übergeben, wobei er durchaus geschickt vorgeht.

Während deutsche Medien immer behauptet haben, den USA gehe es in Venezuela um Menschenrechte und Demokratie (oder gar um den Kampf gegen den Drogenschmuggel), war aller Welt klar, dass es den USA erstens um die Kontrolle über ihren „Hinterhof“ geht, wie Trump in seiner Nationalen Sicherheitsstrategie ja auch offen angekündigt hat, indem er sich auf die Monroe-Doktrin berufen hat, und dass es den USA um die venezolanischen Ölreserven geht.

So sagte Trump schon am 3. Januar, also direkt nach dem US-Angriff, er werde mehr venezolanisches Öl an die Länder der Welt verkaufen, als Venezuela bisher verkauft hat. Und in der Nacht auf Montag sagte er:

„Sie produzieren sehr wenig Öl. Wir werden dafür sorgen, dass die großen Ölkonzerne kommen, die werden die Infrastruktur sanieren und investieren.“

Trump will das venezolanische Öl an die US-Konzerne übergeben, die zu seinen wichtigsten Unterstützern gehören. Die werden es ihm bei den anstehenden Zwischenwahlen sicher mit sehr großzügigen Spenden danken, mit denen Trump wiederum die Kandidaten für das US-Parlament unterstützen wird, die ihm treu ergeben sind.

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US-Angriff auf Venezuela: Indem er auf das Völkerrecht spuckt, fügt Kanzler Merz Deutschland großen Schaden zu

Von Thomas Röper – 5. Januar 2026

Die offizielle Erklärung des Bundeskanzlers auf den US-Angriff auf Venezuela und die genauso illegale Entführung von Präsident Maduro ist zwar nicht überraschend, aber deshalb nicht weniger schockierend. Der Kanzler sagt in der sehr kurzen Erklärung unter anderem:

„Die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes ist komplex. Dazu nehmen wir uns Zeit. Grundsätzlich müssen im Umgang zwischen Staaten die Prinzipien des Völkerrechts gelten.“

Komplex ist daran gar nichts, es ist im Gegenteil vollkommen eindeutig, denn die UN-Charta, also die Basis des Völkerrechts, sagt in Artikel 2 Absatz 4 eindeutig:

„Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt.“

Der US-Angriff war zweifelsfrei eine „gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete Anwendung von Gewalt“, für die sich auch in anderen Bestimmungen des Völkerrechts keinerlei Rechtfertigung finden lässt. Immerhin war das ein militärischer Angriff auf ein souveränes Land, der das offen genannte Ziel hatte, die politische Unabhängigkeit Venezuelas zu beenden und Venezuela unter die politische Kontrolle der USA zu stellen, denn Präsident Trump hat in seiner Pressekonferenz nach dem Angriff ganz offen gesagt, dass die USA die Entscheidungen über die politische Zukunft Venezuelas treffen würden.“

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Welche Folgen hat die US-Entführung des Präsidenten von Venezuela?

Von Rainer Rupp – 4. Januar 2025

Larry Johnson, ein ehemaliger CIA-Analyst beschreibt die US-Operation zur Entführung von Nicolás Maduro als einen taktisch erfolgreichen, aber strategisch katastrophalen Schritt. Er vergleicht sie mit George W. Bushs pompösem „Mission Accomplished“-Moment nach der Invasion im Irak.

Am 3. Januar interviewte der finnische Professor Glen Diesen in einem einstündigen Gespräch auf Utube den ehemaligen hochrangigen CIA-Mitarbeiter und Experten für Terrorismusbekämpfung Larry Johnson. Nachfolgend habe ich die wichtigsten Punkte zusammengefasst und einige Kommentare hinzugefügt.

Vergleich mit historischen US-Interventionen

Zum Einstieg in die Diskussion, die unter dem Titel „U.S. War on Venezuela Has Global Ramifications“ (US-Krieg gegen Venezuela hat globale Auswirkungen“) betont Johnson, dass Trump glaubt, wie damals Bush mit seinem „Mission Erfüllt“-Moment glaubt, „ein Problem gelöst zu haben, stattdessen aber neue, größere Probleme geschaffen hat“.

Johnson zieht Parallelen zu früheren Operationen, bei denen der Sturz eines einzelnen Staatschefs keine Stabilität gebracht hat. Beispiele sind Manuel Noriega in Panama (1989), Saddam Hussein im Irak, Muammar Gaddafi in Libyen oder Bashar al-Assad in Syrien. „Diese Vorstellung im Westen, dass wir nur einen Mann ersetzen müssen, um unsere Probleme zu lösen, hat in der Vergangenheit schon nicht funktioniert.“

Er warnt vor einer Wiederholung des Vietnam-Szenarios: Am Anfang sind es einige wenige US-Militärstiefel am Boden in Venezuela, aber um diese dann gegen immer gefährlichere Angriffe zu schützen, müssen immer mehr US-Truppen kommen, um die Situation zu „stabilisieren“; eine nur schwer zu stoppende Eskalation, die zu einem Selbstläufer wird, zumal sich Venezuela aus einer Reihe von geographischen und logistischen Gesichtspunkten – unübersichtliche und lange Grenzen zu US-kritischen Nachbarländern Kolumbien und Brasilien – ideal für den Guerillakrieg eignet.

Innere Lage in Venezuela und Risiko einer Aufstandsbewegung

Johnson hebt hervor, dass die Bevölkerung in Venezuela schwer bewaffnet ist und die porösen Grenzen zu Kolumbien und Brasilien, die Guerilla-Kämpfe begünstigen – ähnlich wie das bei der FARC in Kolumbien nach seit 1964 der Fall war. Für die innere Lage in Venezuela prognostiziert Johnson einen Anstieg von Kriminalität, Attentaten und Angriffen auf US-Interessen: „Die Kriminalitätsrate, die Zahl der Attentate und Ähnliches werden steigen.“ Er erwartet eine hausgemachte „Widerstandsbewegung“, die Venezuela instabil macht, und warnt, dass bereits in den nächsten zwei bis drei Monaten die US-Regierung gezwungen sein könnte, weitere Truppen zu schicken. Laut Johnson hätten Oppositionelle wie María Corina Machado keine breite Unterstützung um das Land ideologisch „zu säubern“.

Dazu eine Anmerkung des Autors: Während einer Pressekonferenz am 3. Januar wurde Trump gefragt, ob er mit Machado in Kontakt stehe oder sie nach Maduros Festnahme als lebensfähige Führerin ansehe. Abschätzig sagte er: „Ich denke, es wäre sehr schwer für sie, die Anführerin zu sein. Sie hat weder die Unterstützung noch den Respekt innerhalb des Landes. Sie ist eine sehr nette Frau, aber sie hat nicht den Respekt“.

Laut Trump werden vorerst die USA Venezuela regieren, wobei Marco Rubio und Pete Hegseth diese Mission erhalten, um – wie in früheren Zeiten als das britische Imperium die Ozeane regierte – als Trumps Vizekönige Venezuela zu regieren. Das dürfte interessant sein. In diesem Zusammenhang erinnerte Johnson an die historische CIA-Kontrolle über Venezuela in den 1970er/80er Jahren unter dem damaligen Präsident Carlos Andrés Pérez, der nachweislich auf der Lohnliste der CIA gestanden hatte. Aber durch Missmanagement und anti-soziale Politik habe er letztlich dem sozialistischen Revolutionär Chávez‘ und seinem Nachfolger den Weg an die Macht freigemacht.

Rolle der CIA und Verrat im Inneren

Die Entführung Maduros und seiner Frau sei von einer US-Spezialeinheit der „Delta Force“ durchgeführt worden. Johnson ist überzeugt, dass der reibungslose Ablauf der Operation nur mit Hilfe von „Insidern“ aus Maduros Abwehr und Apparat zum Schutz des Präsidenten möglich war. Durch diesen Verrat dürften einige Leute in Caracas über Nacht stinkreich geworden sein. „Da sind Leute bezahlt worden“, ist sich Johnson sicher und verweist darauf, dass auch die venezolanischen Luftabwehrsysteme nicht aktiviert worden waren, die Sicherheitskräfte um Maduro inkompetent oder bestochen worden waren, vergleichbar mit der Bin-Laden-Operation in Pakistan.

Geopolitische Motive: Öl und Vorbereitung auf einen Iran-Krieg

Johnson sieht den Zugriff auf venezolanisches Öl als zentrales Motiv, insbesondere als Absicherung gegen einen möglichen Krieg mit Iran: „Der Versuch, sich das Öl in Venezuela unter den Nagel zu reißen, ist die Vorbereitung eines Angriffs auf den Iran … eine Notfallplanung für den Fall, dass die Straße von Hormus geschlossen werden könnte.“ Venezuela soll als alternative Ölquelle dienen, falls der Persische Golf blockiert wird. Dies müsse mit den aktuellen Protesten in Iran, die Johnson als CIA/MI6-gesteuert einstuft, um einen Regimewechsel vorzubereiten, bzw. bei der US-Bevölkerung Zustimmung für eine erneute US-Bombardierung Irans zu schaffen.

Internationale Reaktionen und globale Konsequenzen

Zweifellos verstärkt die US-Operation gegen Maduro Misstrauen gegenüber den USA in Russland und China. Johnson verknüpft sie mit einem gescheiterten Drohnenangriff auf Präsident Putins Residenz und sieht eine russische Neubewertung von Verhandlungen bezüglich der Ukraine, nämlich den „Verlust jeglichen Vertrauens in den Westen“. China, als wichtiger Öl-Abnehmer Venezuelas, könnte ökonomisch kontern, z. B. durch Dumping von US-Treasuries (US-Schatzbriefen) oder Export-Einschränkungen bei kritischen „Seltenen Erden“ (Rare Earths). Die EU zeigt laut Johnson die übliche Heuchelei: Sie verurteilt Russland für die Ukraine, hat aber Verständnis für die US-Aktion. Trumps Monroe-Doktrin 2.0 sei eine Pervertierung der US-Außenpolitik mit negativen Folgen in Lateinamerika, vor allem für Kuba, Kolumbien und Mexiko.

Bewertung des Erfolgs und Ausblick

Johnson misst den Erfolg der US-Operation daran, ob Venezuela bis März 2026 stabil unter US-Kontrolle sein wird, was er stark bezweifelt: „Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die Vereinigten Staaten scheitern werden.“ Stattdessen drohten in Venezuela Chaos, eine Flut von Flüchtlingen und Angriffe auf die Öl-Infrastruktur des Landes. Er sieht 2026 als „Jahr des Kriegs“: kein Ende des Kriegs in der Ukraine, Krieg mit Iran und nun Venezuela. „Die Lehre, die die USA der Welt erteilt haben, ist die, dass es keine echte US-Diplomatie gibt, sondern nur Täuschung, Betrug und Überraschungsangriffe.“

Insgesamt zeichnet Johnson ein düsteres Bild: Die Operation ist ein Rückfall in imperiales Gehabe, die regionale Instabilität schürt und globale Mächte wie Russland und China enger zusammenschweißt. Statt Stabilität wird der Sturz Maduros für die USA langfristig mehr Konflikte und Kosten bedeuten.


Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Venezuela: Eskalation mit Ansage – Was die US-Thinktanks planten, wird jetzt Realität

Von Michael Hollister – 4. Januar 2026

Der militärische Eingriff in die Souveränität Venezuelas war zwar und ist noch immer ein Thema in den Medien, aber neben der Katastrophe in Crans-Montana ging das rücksichtslose und absolut völkerrechtswidrige Vorgehen der USA in Venezuela in den Medien doch fast unter. Und weil Venezuela mit Russland und China verbündet war und theoretisch noch immer ist, ist in den Augen der westlichen Medien der Untergang dieses Staates ja auch nicht wirklich schlimm. Wo kann man lesen, dass Donald Trump ein echter Kriegsverbrecher ist? (cm)

In der Nacht zum 3. Januar 2026 verkündete US-Präsident Donald Trump auf Truth Social das Undenkbare:

„The United States of America has successfully carried out a large scale strike against Venezuela and its leader, President Nicolás Maduro, who has been, along with his wife, captured and flown out of the Country. This operation was done in conjunction with U.S. Law Enforcement.“

Was wie eine dystopische Satire klingt, ist bittere Realität. US-Streitkräfte haben in den frühen Morgenstunden vom 3. Januar Caracas bombardiert, Militärstützpunkte unter Beschuss genommen und den demokratisch gewählten Präsidenten eines souveränen Staates entführt. Die offizielle Begründung aus Washington: Kampf gegen Drogenkartelle und „Narco-Terrorismus“. Die tatsächliche Motivation: Regime Change, Ressourcenzugriff, geopolitische Dominanz.

Wer verstehen will, wie es zu diesem beispiellosen Akt militärischer Aggression kommen konnte, muss nicht spekulieren. Die Eskalation war geplant, in Thinktank-Papieren dokumentiert, öffentlich einsehbar – und ihre Umsetzung lässt sich lückenlos nachvollziehen.

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Zusammenbruch des Völkerrechts – Wie Medien auf der ganzen Welt über Trumps Angriff auf Venezuela berichten

Von TASS (Übersetzung: Thomas Röper) – 4. Januar 2026

Die weltweiten Medien sind sich in ihrer Analyse über die Vorgänge in Venezuela weitgehend einig und finden teilweise sehr deutliche Worte zu Trumps Vorgehen, während die meisten Politiker der sich mit einer Verurteilung des illegalen US-Angriffs schwer tun.

Die russische Nachrichtenagentur TASS hat eine lange Liste von Reaktionen internationaler Medien auf Trumps Angriff auf Venezuela veröffentlicht, die ich übersetzt habe: […]

Zusammenbruch des Völkerrechts: Weltweite Medien zur US-Operation gegen Venezuela

Die Ergreifung Maduros und die US-Militäroperation in Venezuela haben eine weltweite diplomatische Krise ausgelöst. Medien bezeichnen Trumps Vorgehen als „Verstoß gegen das Völkerrecht“ und „Bruch juristischer Tabus“, ja sogar als „faschistischen Akt“ zur Aneignung von Öl. Die Operation zielt angeblich darauf ab, Zugang zu den größten Ölreserven zu erhalten und Russland und Iran zu verdrängen. Beobachter warnen vor der Gefahr eines Bürgerkriegs und einer Flüchtlingswelle in die USA und nach Lateinamerika.

The Washington Post: Dieses strategische Abenteuer mit unvorhersehbaren Folgen in einer Region mit tiefen Spaltungen verändert die Sicherheitsdynamik auf dem gesamten Kontinent grundlegend. Die Angriffe haben sowohl Amerikas Verbündeten als auch seinen Gegnern sofort deutlich gemacht, dass die Bedrohung durch die US-Militärmacht unbestreitbar real ist.

The New York Times: Eine plausible Erklärung für die Angriffe findet sich in Trumps kürzlich veröffentlichter Nationaler Sicherheitsstrategie, die sein Recht auf Vorherrschaft in Lateinamerika untermauert. Venezuela scheint das erste Land zu sein, das von diesem neuen Imperialismus vereinnahmt wird. Dieser Kurs offenbart Amerikas gefährliche und illegitime Vorstellung von seiner Rolle in der Welt.

The New York Times: Trump machte eines deutlich: Diese Militäroperation wurde nicht nur durchgeführt, um einen wegen Drogenhandels angeklagten Machthaber zu stürzen, sondern auch, um den USA einen besseren Zugang zu Venezuelas Ölreserven zu verschaffen.

The Wall Street Journal: Für einen Präsidenten, der seinen Vorgängern jahrelang vorgeworfen hat, Länder verändern zu wollen, deren Wesen sie nicht verstanden, markierte die Operation in Venezuela eine radikale Kehrtwende.

Venezolana de Television: Im Kontext der US-Militäroperation gegen Venezuela muss klar sein, dass die USA ihre Ölreserven erschöpft haben. Heute ist ein neuer Tag angebrochen, an dem das venezolanische Volk lautstark seine Ablehnung der Bombardierungen durch die US-Regierung und seine volle Unterstützung für Präsident Nicolás Maduro zum Ausdruck bringt.

La Nación: Die Operation in Venezuela fügt sich in eine abrupte Wende in der amerikanischen Außenpolitik ein, die auf Trumps Weltbild eines Systems von Einflusssphären basiert. Für den republikanischen Magnaten ist die westliche Hemisphäre seine exklusive Kontrollzone, was viele Analysten als Rückkehr und Radikalisierung der Monroe-Doktrin werten.

La Nación: Es geht hier um die Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates … Die USA haben die gläserne Wand durchbrochen, das Prinzip, dass die Einmischung in die Angelegenheiten eines anderen souveränen Staates als inakzeptabel galt … Möglicherweise hat eine neue historische Ära begonnen.

O Globo: Die US-Aktionen zur Festnahme Maduros schaffen einen gefährlichen Präzedenzfall in der internationalen Geopolitik … Fast alle sind sich einig, dass Trumps Vorgehen völkerrechtswidrig war. Venezuela hat die USA nicht angegriffen.

Folha de S.Paulo: Die US-Militäraggression gegen Venezuela reißt eine dunkle Phase in den Beziehungen zwischen der Supermacht und ihren regionalen Nachbarn wieder auf. Trump hat die internationale Ordnung völlig missachtet, um seinen Willen durchzusetzen.

Granma: Die Aggression gegen Venezuela ist nichts Geringeres als ein faschistischer Akt, der darauf abzielt, das Land auszuplündern und seine Bodenschätze zu rauben… Das war eine Operation gegen eine legitime Regierung und ein Land, das noch nie ein anderes angegriffen hat.

El Universal: Keinem Land, in dem die USA militärisch interveniert haben, ging es nach der Intervention besser als vorher. Eine Invasion Venezuelas birgt für den Kontinent das Risiko einer beispiellosen humanitären Krise… Das Land könnte in einen blutigen Bürgerkrieg gestürzt werden, der Millionen von Flüchtlingen entweder in den USA oder in lateinamerikanischen Ländern zur Folge hätte.

El Universal: Was geschehen ist, entbehrt jeglicher internationaler Legitimität und Rechtsgrundlage… Wieder einmal handelt der US-Präsident nicht aus dem Wunsch heraus, Demokratie oder Institutionen zu verteidigen, sondern aus wirtschaftlichen und politischen Interessen, die ihm und seinen Verbündeten zugutekommen.

La Jornada: Der sogenannte „Regimechange“ ist der Versuch, einen Marionettenherrscher einzusetzen, der den USA die Bodenschätze des Landes ausliefert.

Le Figaro: Niemand weiß, ob die Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten zum Sturz des Regimes führen wird. Vorerst bleibt das Regime an der Macht und das Militär ist Maduro treu ergeben. Die politischen und militärischen Ziele der USA bleiben unklar… Die Enthauptung der venezolanischen Regierung ist bereits zu einer Lehre und einem Signal an den Rest der Welt geworden. Diese Lehre bestätigt, dass Trump Gewalt anwenden will, wenn er es für notwendig hält.

Le Monde: Maduros Entführung ist eine Machtdemonstration Trumps und eine Botschaft an die Welt… Trump hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass sein Hauptziel der Zugang zu Venezuelas Ölreserven ist, den größten der Welt.

The Guardian: Trump ändert die Regeln nicht mehr, er bricht sie, und die Folgen reichen weit über Caracas hinaus … Der Angriff auf Venezuela zeigt, dass ihn fremde Ländereien, Öl und Bodenschätze mittlerweile mehr reizen als der Nobelpreis.

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Venezuela und der US-Imperialismus

Von Alexandra Nollok – 4. Januar 2026

Mit ihrem Krieg gegen Venezuela und der Entführung von Präsident Nicolás Maduro eskalieren die USA ihren Machtkampf um globale Vorherrschaft weiter. Das war abzusehen und ist Ausdruck sich zuspitzender imperialistischer Konkurrenz. Die EU ist dabei keineswegs nur Zuschauer.

Mit ihren brutalen Angriffen auf Venezuela und der Verschleppung von Präsident Nicolás Maduro haben die USA ihre imperialistische Aggression nun – wie erwartet – weiter eskaliert. Unter wachsender Erklärungsnot rätselten anschließend deutsche Leitmedien darüber, welche Rechtsgrundlagen US-Präsident Donald Trump wohl später vortragen werde. Man könnte fast darüber lachen.

Denn der westliche „Werte-Kanon“ zieht nicht mehr, es ist längst unübersehbar: Es geht den USA nicht um ein „böses sozialistisches Regime“, sondern um billigen Zugriff auf Öl, Gas, Seltene Erden und andere Ressourcen Venezuelas. Die USA eskalieren ihre imperialistische Standortpolitik zunehmend kriegerisch auf einem Weltmarkt, der mit China, Russland, einigen arabischen und anderen Staaten mächtige Konkurrenz hervorgebracht hat und sich gerade neu sortiert.

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Regimeanpassung statt Regimewechsel – das ist es, was die USA gerade in Venezuela erreicht haben

Von Andrew Korybko – 4. Januar 2025

Dieser terminologische Unterschied bezieht sich darauf, dass die Machtstruktur des Zielstaates aufrechterhalten wird, jedoch nach einigen (mitunter erheblichen) Veränderungen, die den Interessen des sich einmischenden Staates dienen. [Was freilich nichts daran ändert, dass es sich um einen erneuten eklatanten Bruch des Völkerrechts durch den US-Imperialismus handelt; die GG-Red.]

Einige Kritiker der „militärischen Sonderoperation” der USA in Venezuela behaupten, dass sie trotz der Festnahme von Präsident Nicolas Maduro nicht erfolgreich war, da der von ihm geführte „Chavismo-Deep-State” weiterhin besteht. Dies bezieht sich auf die explizit ideologischen Elemente der ständigen Militär-, Geheimdienst- und Diplomatiebürokratie seines Landes, kann aber auch auf Gouverneure und Gewerkschaften sowie andere Gruppen ausgeweitet werden. Der Punkt ist, dass die Entfernung Maduros aus der politischen Gleichung nicht zu einem Regimewechsel geführt hat.

Das ist richtig, aber die Prämisse, dass die USA ein solches Ziel erreichen wollten, ist umstritten, da Trump 2.0 aus Persönlichkeiten besteht, die frühere Regimewechseloperationen dafür kritisiert haben, dass sie ihre Regionen destabilisiert und zu unvorhersehbaren Folgen geführt haben, die letztlich den Interessen der USA geschadet haben. Es ist daher plausibel, dass sie nie die Absicht hatten, einen Regimewechsel in Venezuela gewaltsam durchzuführen, da sie befürchteten, dass es zu einem Bürgerkrieg kommen könnte, der eine gewaltige Migrationskrise auslösen und die Energieinfrastruktur zerstören würde.

Vielmehr kann das unmittelbare Ziel als „Regimeanpassung” oder „Regimekorrektur” bezeichnet werden, was bedeutet, dass die Machtstruktur des Zielstaates erhalten bleibt, jedoch nach einigen (mitunter erheblichen) Veränderungen, die den Interessen des sich einmischenden Staates dienen. Im Falle Venezuelas haben die USA Maduro gewaltsam abgesetzt, damit er durch seine Vizepräsidentin Delcy Rodriguez ersetzt wird, von der Trump öffentlich erwartet, dass sie „das tut, was wir wollen” (wahrscheinlich auf Anweisung von Marco Rubio). Das ist wohl auch, was er mit „das Land regieren“, bis der Übergang abgeschlossen ist, gemeint hat.

Ein solcher Übergang würde möglicherweise nicht zu einem Regimewechsel führen, nachdem Trump ausgeschlossen hat, dass die Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado Venezuela führen könnte, da „sie weder Unterstützung noch Respekt genießt“. Außerdem erwähnte er während seiner Pressekonferenz kein einziges Mal das Wort „Demokratie“, was darauf hindeutet, dass er (zumindest zum jetzigen Zeitpunkt) kein Interesse an einem radikalen Regimewechsel vom Chavismo-Modell zu einem westlichen Modell hat. Dies deutet darauf hin, dass er offen für Rodriguez oder einen anderen Chavisten ist, von dem er glaubt, dass die USA mit ihm als Nachfolger Maduros zusammenarbeiten können.

Sie müssten die Unterstützung der mächtigen Streitkräfte und Milizen genießen, um einen Bürgerkrieg zu verhindern, was ipso facto bedeutet, dass zumindest einige ihrer Privilegien, insbesondere wirtschaftlicher und finanzieller Art, erhalten bleiben müssen. Allerdings haben die Streitkräfte am Samstag kaum Widerstand geleistet, sodass es möglich ist, dass Verteidigungsminister Vladimir Padrino Lopez und Innenminister Diosdado bereits eine Vereinbarung mit den USA getroffen haben, nur um anschließend vor den Kameras harte Töne anzuschlagen, wie es Rodriguez aus innenpolitischen Gründen getan hat.

Wenn innerhalb von 30 Tagen Wahlen stattfinden, wie es Artikel 233 der Verfassung vorsieht, müssten das Verteidigungs- und das Innenministerium zur Sicherung der Wahlen beitragen, was die Bedeutung ihrer Chefs für die Unterstützung des von den USA angestrebten Übergangs in Venezuela noch verstärken würde. Den USA ist es egal, wie Venezuela regiert wird oder wer (zumindest nominell) das Land regiert, solange nur der Einfluss der USA wiederhergestellt wird. Dies könnte bedeuten, dass das Öl des Landes nur noch an von den USA genehmigte Käufer verkauft wird und ausländische Konkurrenten wie China dort keinen Fuß mehr fassen können.

Natürlich würde die Entideologisierung des venezolanischen „tiefen Staates“ mit dem Zweck, die Chavisten durch leichter manipulierbare pro-westliche Persönlichkeiten zu ersetzen, den neu gewonnenen Einfluss der USA festigen. Aber dies könnte aus Sicht Washingtons) nur schrittweise geschehen, da ein zu schnelles Vorgehen einen Bürgerkrieg auslösen und damit letztlich den Interessen der USA schaden könnte. Einige der sozioökonomischen Programme und Nachbarschaftsorganisationen des Chavismo-Modells müssten möglicherweise ebenfalls beibehalten werden, um dies zu verhindern. Es bleibt daher abzuwarten, wie sich der Übergang entwickelt. [Anmerkung der GG-Redaktion: Die Frage ist auch, wie tief der Chavismus wirklich im venezolanischen Volk verankert ist und wie die von der Regierung immerhin bewaffneten Massenorganisationen sich zu dem Angriff auf ihr Land und die Entführung ihres Staatspräsidenten verhalten werden].

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache]

„Mit Mexiko muss etwas unternommen werden“

Von Florian Rötzer – 4. Januar 2025

Noch spielt Vizepräsidentin Rodriguez nicht mit. Im Verteidigungsrat verurteilte sie den Angriff: „Es gibt nur einen Präsidenten in Venezuela, und der heißt Nicolas Maduro“. Bild: vicepresidencia

Der Überfall auf Venezuela und der Regime Change, der damit bewirkt werden soll, wird für alle Regierungen in Lateinamerika und vielleicht auch für Kanada oder Grönland ein Warnsignal sein. Während Russland die Wahrung nationaler Sicherheitsinteressen beim Einmarsch in das Nachbarland Ukraine vorgab [und das wohl auch so meinte; die GG-Red.], das in die NATO aufgenommen werden sollte und sich schon länger auf einen Krieg vorbereitete, kann die USA dies nicht geltend machen und will den militärischen Angriff durch Drogenkriminalität bzw. „Narkoterrorismus“ rechtfertigen, der angeblich die USA gefährdet, weil Maduro Gangs und Menschen aus den Gefängnissen und psychiatrische Kliniken geschickt habe.[Allerdings hatte Trump im Widerspruch dazu vor Kurzem ganz offen erklärt, dass die USA das venezolanische Öl (zurück) wollen, weil es ihnen gehöre! – die GG-Red.]

Die Begründung für den Völkerrechtsbruch ist durchsichtig und an den Haaren herbeigezogen, um Venezuela mit seinen Ressourcen dem kolonialen Zugriff der USA zu öffnen. Die Freiheit, die den Venezolanern geschenkt wird, bestünde vor allem in der Privatisierung vor allem der Ölressourcen für die amerikanischen Konzerne und der Einrichtung einer Marionettenregierung: Machado, der Friedensnobelpreisträgerin, traut er allerdings die Regierungsübernahme nicht zu und erklärte in seiner Ansprache, die USA würden das Land erst einmal selbst regieren (run Venezuela), also zeitweise annektieren. Bodentruppen schloss er nicht aus. Übergangsweise gerne mit der Vizepräsidentin Delcy Rodríguez, die möglicherweise mitspielt, wie Trump andeutete. Das würde dem Regierungssturz ein besseres Image verpassen und könnte die Situation beruhigen. Rodriguez aber macht dazu keine Anstalten und ruft zum Widerstand und zur Freilassung von Maduro auf.

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„Negativer Nationalismus“ wird gegen Zivilisationsstaaten als Waffe eingesetzt

Von Andrew Korybko – 4. Januar 2025

Die aus seit Langem bestehenden Zivilisationsstaaten hervorgegangenen jungen Staaten, die es zuvor nie gegeben hatte, neigen zu Ultranationalismus und sind besessen von ihren tatsächlichen oder vermeintlichen Unterschieden.

Ein wichtiger multipolarer Trend ist der Aufstieg von Zivilisationsstaaten, d. h. Staaten, die über Jahrhunderte hinweg ein bleibendes soziokulturelles Erbe in ihren Nachbarländern hinterlassen haben. Ihre regionale und in einigen Fällen auch globale Rolle gewinnt zunehmend an Bedeutung. Sie sind nach wie vor vielfältig, aber Teile ihrer historischen Territorien haben inzwischen ihre Unabhängigkeit erlangt. Diese jungen Staaten, die es zuvor nie gegeben hat, neigen zu Ultranationalismus und sind besessen von tatsächlichen oder vermeintlichen Unterschieden zwischen ihnen und dem Zivilisationsstaat, aus dem sie hervorgegangen sind.

Dieser „negative Nationalismus“ ist eine starke Kraft der politischen Mobilisierung und wurde von anderen gegen ihre benachbarten Zivilisationsstaaten als Waffe eingesetzt oder wird gerade dazu gemacht. Drei Beispiele hierfür sind die Ukraine gegenüber Russland seit ihrer Unabhängigkeit, Eritrea gegenüber Äthiopien und Bangladesch gegenüber Indien nach dem von den USA unterstützten Regimewechsel im Sommer 2024. Putin hat viel darüber gesprochen, während der äthiopische Außenminister kürzlich dasselbe tat wie ein ehemaliger bangladeschischer Minister.

Die USA haben den „negativen Nationalismus“ der Ukraine gegen Russland instrumentalisiert, Ägypten hat den Eritreas gegen Äthiopien instrumentalisiert, und Pakistan instrumentalisiert den Bangladeschs gegen Indien. Da sie seit Jahrhunderten Teil ihres Zivilisationsstaates sind, kennen diese neuen und vergleichsweise kleineren Staaten die Schwachstellen ihres „mütterlichen” Staates, weshalb sie damit beauftragt wurden, ihn zu destabilisieren. Der Ziel-Zivilisationsstaat respektiert ihre Souveränität; er verlangt lediglich, dass diese neuen Länder keine Bedrohung für ihn darstellen.

Die Ukraine, Eritrea und Bangladesch nach dem Staatsstreich begannen jedoch genau damit, nachdem andere ihre Neigung zu „negativem Nationalismus“ ausnutzten und sie dazu manipulierten, Russland, Äthiopien und Indien als Bedrohung für ihre Souveränität anzusehen. Dies führte zu künstlichen Sicherheitsdilemmata, die wiederum (oder im Falle von Bangladesch und Indien noch immer) selbsttragende Zyklen regionaler Instabilität hervorbrachten, die von den Schutzmächten der kleineren Staaten für Stellvertreterkriege gegen ihre größeren Nachbarn genutzt werden.

Dies kann viele Formen annehmen, darunter die Verbreitung staatsfeindlicher Propaganda, die Beherbergung staatsfeindlicher Militanter, die von dem betroffenen Zivilisationsstaat als Terroristen betrachtet werden, und die Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Schutzherrn in provokativen militärisch-strategischen Fragen, die beiden einen qualitativen Vorteil gegenüber ihrem gemeinsamen Ziel verschaffen könnten. Das Schwierige an diesen Taktiken ist, dass jede Reaktion des Zivilisationsstaates aufgrund ihrer Asymmetrien als „Überreaktion” falsch dargestellt und unehrlich als „Beweis für hegemoniale Absichten” ausgelegt wird.

Sie befinden sich dann in einem Nullsummen-Dilemma, in dem alles, was sie tun, einschließlich gar nichts zu tun, dazu führt, dass sich die Bedrohung ausbreitet, bis sie in irgendeiner Form über ihre Grenzen hinausgreift. Die dramatischste Reaktion in Form einer Militäraktion nach dem Vorbild der russischen Sonderoperation zielt darauf ab, die Bedrohung entschlossen zu beseitigen, wird jedoch von ihrem Rivalen bereits einkalkuliert und kann daher dazu genutzt werden, um einen regionalen Stellvertreterkrieg zu initiieren, wie es in diesem Beispiel der Fall ist. Es gibt also keine Patentlösung.

Dennoch können jene Zivilisationsstaaten, die durch die Instrumentalisierung des „negativen Nationalismus” ihrer Nachbarn durch andere bedroht sind, ihre Erfahrungen austauschen, um kreative Lösungen für ihre Dilemmata zu finden, die eine Wiederholung der russischen Sonderoperation im Falle Äthiopiens und Indiens verhindern könnten. Obwohl beide Staaten jedes Recht haben, zur Verteidigung ihrer nationalen Sicherheitsinteressen militärische Gewalt anzuwenden, könnte dies dennoch unbeabsichtigt zu einer Destabilisierung ihrer Regionen führen, weshalb es ideal ist, nach Möglichkeit andere Mittel einzusetzen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache]