Russland könnte in seinem Wettrüsten mit Europa indirekte Unterstützung von den USA erhalten

Von Andrew Korybko – 17. Oktober 2026

Selbst eine teilweise Lockerung der Sanktionen – mit oder ohne Beendigung der Feindseligkeiten in der Ukraine – würde in Russland das dringend benötigte BIP-Wachstum generieren, um in diesem Wettrüsten besser mit Europa mithalten zu können.

Der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz forderte Mitte Oktober, dass die EU ihre militärisch-industrielle Produktion auf „Kriegsmodus“ hochfahren solle. Der öffentlich finanzierte Sender TVP seines Landes stellte dies in einen Zusammenhang, indem er einen Bericht zitierte, wonach Russland im vergangenen Jahr „rund sieben Millionen Artillerie-, Mörser-, Panzer- und Raketenmunitionen“ produziert habe, während alle 27 EU-Mitgliedstaaten plus Norwegen in diesem Jahr nur zwei Millionen produziert hätten. Der umfassendere Hintergrund betrifft die Nationale Verteidigungsstrategie der USA und die neue „Theorie des Sieges“ der NATO.

Was die erste betrifft, so wird darin eingeschätzt, dass „die europäische NATO Russland in Bezug auf wirtschaftliche Größe, Bevölkerungszahl und damit latente Militärmacht in den Schatten stellt“; daher die Logik hinter den NATO-3.0-Plänen der USA, wonach die Europäer die Führung bei der Eindämmung Russlands übernehmen sollen, während sich die USA „(wieder) nach (Ost-)Asien ausrichten“, um China stärker in Schach zu halten. Was den zweiten Punkt betrifft, so fordert dieser den Einsatz konventioneller Streitkräfte, Drohnen und Präzisionsmunition, um Russland jeweils zu blockieren, abzuschwächen und zu brechen. In ihrer Gesamtheit haben diese Entwicklungen zur Folge, dass ein weiteres Wettrüsten ausgelöst wird.

Der zuvor erwähnte Bericht, auf den sich TVP berief, behauptete, dass Russland im vergangenen Jahr schätzungsweise 7,5 Prozent seines BIP für Verteidigung ausgegeben habe, was voraussichtlich weiter steigen wird, sobald das neue Wettrüsten mit der europäischen NATO (E-NATO) wie erwartet in Gang kommt. Russlands BIP dürfte in diesem Jahr nach eigenen Schätzungen des Kremls jedoch nur um 0,6 Prozent wachsen, sodass höhere Verteidigungsausgaben eine größere Belastung darstellen werden. Der militärisch-industrielle Komplex nimmt bereits einen erheblichen Anteil an der Wirtschaft ein und kann das Wachstum nicht auf Dauer ankurbeln.

Dringend erforderlich ist daher eine Rückkehr zu der Wachstumsrate von 5,6 Prozent im Jahr 2021 aus der Zeit vor der besonderen Operation, die auf natürliche Ursachen zurückzuführen war und nicht auf die militärisch-industrielle Produktion – wie jene, die das Wachstum von 4,1 Prozent im Jahr 2023 und 4,9 Prozent im Jahr 2024 prägte, bevor es im vergangenen Jahr auf nur noch ein Prozent einbrach. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass dies in den kommenden Jahren eintritt, es sei denn, Russland erhält eine gewisse Erleichterung bei den Sanktionen, was wiederum Putins Pläne in einen Zusammenhang stellt, den Ukraine-Konflikt rasch zu beenden und bedeutende Abkommen mit den USA zu schließen.

Um das erste Ziel zu erreichen, wird Russland im Laufe des Winters seine systematischen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur verstärken, während das Dieselabkommen eine „Geste des guten Willens“ war, die als Schritt in Richtung des zweiten Ziels dient. Die Logik des vorangegangenen Hyperlinks wurde durch den nachfolgenden Bericht der Washington Post über die von den USA geplante Sanktionserleichterung für Russland untermauert, die auf die „wirtschaftliche Integration von Russland, der Ukraine und Europa durch ein Energieabkommen“ abzielt. Eine mögliche Beteiligung der USA an Nord Stream könnte dabei eine herausragende Rolle spielen.

Im Gegenzug für spekulative Zugeständnisse bei seinen maximalistischen Zielen im Ukraine-Konflikt würde Russland die Sanktionserleichterungen erhalten, die für eine komfortable Teilnahme an diesem neuen Wettrüsten mit der E-NATO erforderlich sind, von dem die USA durch Waffenverkäufe an ihre Verbündeten profitieren werden. Trump ist der Ansicht, dass die USA langfristig mehr von einer ressourcenorientierten strategischen Partnerschaft mit Russland profitieren – auch wenn dies auf Kosten der Erleichterung der russischen Teilnahme an dem oben genannten Wettrüsten geht –, als wenn sie den finanziellen Druck auf Russland zum militärischen Vorteil der E-NATO aufrechterhalten.

Ob man diese Strategie nun als teuflisch oder als pragmatisch beurteilt, sie stellt eine Art machiavellistischen Balanceakt dar, wenn auch einen, der die E-NATO begünstigt, da die USA ihr Waffen verkaufen werden, die eines Tages Russen töten könnten, diese aber niemals an Russland verkaufen würden, um Europäer zu töten. Allerdings würde Russland selbst durch die teilweise Aufhebung der Sanktionen eine gewisse indirekte Unterstützung von den USA im Wettrüsten mit der E-NATO erhalten.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Somalia: Eine Million Kinder, Frauen und Männer hungern

Von Heinrich Fein – 17. Oktober 2026

Zwei Kinder, die in einer ländlichen Gegend Somalias mit Kanistern Wasser holen (Foto: Pexels/Najim Kurfi)

In Europa schauen wir verständlicherweise auf den Krieg in der Ukraine und wegen der Folgen auch auf den US-amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran. Dabei gerät das geschehen in anderen Teilen der Welt leider schnell in Vergessenheit. Der Autor Heinrich Frei erinnert uns daran, was in Somalia passiert.

Die Zahl der Hungernden steigt erstmals seit 20 Jahren, wie die Welthungerhilfe schreibt. Auch in Somalia mit 17 Millionen Einwohnern gibt es heute mehr Hungernde. Dieses Land hat heute drei Millionen Binnenvertriebene. Laut Angaben der UNO sind in Somalia 4,4 Millionen Menschen vom Hunger bedroht. Eine Million Kinder, Frauen und Männer leiden bereits jetzt unter extremen Hunger. 

Tausende sind in Somalia vor der Dürre, des Krieges und angesichts eines starken Rückgangs der Lieferung von Hilfsgütern, des Welternährungsprogrammes in die Städte geflohen. Tausende von Hunger betroffene Familien haben aufgrund der jahrelangen Dürre in Somalia ihr Vieh und ihre Höfe verloren.

Die US-Regierung unter Donald Trump hat die Hilfe gekürzt und viele andere Länder auch. Die USA haben bisher weltweit am meisten Hilfe geleistet.

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Putin beim Waldai-Klub: Gemeinsame Verantwortung für Zukunft statt Konfrontation

Von Gabor Stier – 17. Oktober 2026

Russlands Präsidemt Wladimir Putin am 1. Oktober 2026 beim Waldai-Jahrestreffen mit Moderator Fjodor Lukjanow (rechts) (Foto: http://en.kremlin.ru/events/president/news/80910/photos)

»Kriege sind Teil unseres Lebens geworden« und das globale Kräfteverhältnis befindet sich im Umbruch: So beschrieb Wladimir Putin am 1. Oktober auf dem jüngsten Treffen des Waldai-Klubs in Moskau die aktuelle Weltlage. Der ungarische Journalist Gábor Stier ist langjähriges Mitglied des Klubs und war persönlich vor Ort – wo Gäste aus dem Westen mittlerweile selten geworden sind. Seine Analyse wirft ein anderes Licht auf das Treffen und stellt der westlichen Berichterstattung die Aussagen vor Ort gegenüber.

»Das Fehlen allgemein anerkannter Regeln führt häufig zu egoistischem Verhalten. […] Die globale Politik liefert dafür fast täglich Beispiele. Jedes erdenkliche Tabu wird gebrochen.« Das erklärte Wladimir Putin auf der Plenarsitzung des 23. Jahrestreffens des Internationalen Waldai-Diskussionsklubs.

Laut dem russischen Präsidenten habe die Welt einen entscheidenden Wendepunkt erreicht, und nicht nur das globale Kräfteverhältnis, sondern unser gesamtes Leben verändere sich. Er mahnte die Staaten der Europäischen Union zur Mäßigung und machte deutlich, dass Russland den Krieg in der Ukraine zu Ende führen werde. Er gab auch zu verstehen, dass die globalen Spannungen in den kommenden Jahren nicht abnehmen würden, sodass Unsicherheit nicht nur für die Russen, sondern für alle ein natürlicher Teil des Lebens sei.

Die Entwicklung der Welt habe einen entscheidenden Punkt erreicht. Dies sei nicht nur eine politische Frage, da Politik wie immer das Produkt tiefgreifender Veränderungen sei. Von Technologie über gesellschaftliche Strukturen, Klima, Medizin, militärische Angelegenheiten und Bioethik bis hin zur Zukunft der Energie, demografischen Veränderungen, Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und völlig neuen wirtschaftlichen Entwicklungsmodellen fänden in allen Bereichen gewaltige Umwälzungen statt.

»Dies ist der Beginn einer völlig neuen Welt, einer ganz neuen Realität. Bedrohungen und Gefahren sind eng mit Chancen und Perspektiven verflochten. Wir müssen verstehen: Unser gesamtes Leben verändert sich.«

Dabei gehe es keineswegs nur – und nicht einmal in erster Linie – um eine Verschiebung des Machtgefüges oder die Umverteilung von wirtschaftlichem und technologischem Einfluss. Wichtiger sei, dass diese Veränderungen die biologische und moralische Natur des Menschen, sein Wesen, unsere Lebensweise und die Grundlagen unseres Weltbildes beeinflussten. Die Technologie eröffne buchstäblich phantastische Perspektiven zur Verlängerung des Lebens und zur Verbesserung der Lebensqualität. Gleichzeitig hebe sie jedoch durch militärische Konflikte, schnelle Umweltzerstörung oder den Verlust der Kontrolle über technologische Prozesse die Möglichkeit einer universellen Vernichtung auf eine neue Stufe.

Eine natürliche Begleiterscheinung dieser Veränderungen sei eine erhöhte Nervosität, Unsicherheit und innere Spannungen, die aus dem Mangel an Verständnis für die Zukunft resultierten.

Eine Folge davon sei der innenpolitische Aufruhr in vielen Ländern, insbesondere da traditionelle Parteiensysteme die sich rasch verändernde Sozialstruktur immer weniger widerspiegelten. Um die innere Stabilität zu wahren, gingen Regierungen unterdessen immer größere Risiken ein und exportierten dadurch Instabilität. All dies verschärfe und verstärke die in der Welt herrschende Spannung nur noch weiter. Unabhängig davon, welches Szenario sich in den kommenden Jahren global herausbilde, würden internationale Konflikte daher leider dauerhaft bestehen bleiben. Während wir uns strategisch von der westlichen Hegemonie hin zu einer stabileren, demokratischeren und freieren multipolaren internationalen Ordnung bewegten, werde sich die globale Lage allmählich zum Besseren verändern.

Heute seien Vorsicht und Umsicht das Wichtigste. Dies könne helfen zu verhindern, dass die Veränderungen unkontrollierbar würden.

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Putin könnte Trumps angeblichen Friedensplan akzeptieren

Von Andrew Korybko – 16. Oktober 2026

Er stellt einen pragmatischen Interessenausgleich zwischen allen Seiten dar, meint unser Autor.

Die Washington Post berichtete, dass Trumps Sonderbeauftragte Steve Witkoff und Jared Kushner an einem vierteiligen Friedensplan zur Lösung des Ukraine-Konflikts arbeiten. Der erste Teil betrifft den Wiederaufbau der Ukraine, bei dem BlackRock und die Weltbank die Führung übernehmen würden. Das ist angesichts ihrer jeweiligen Erfahrung in den Bereichen Vermögensverwaltung und Kreditvergabe sinnvoll. Der zweite Teil befasst sich mit Sicherheitsgarantien, wobei die Ukraine voraussichtlich Garantien ähnlich denen aus Artikel 5 erhalten soll. Diese hat sie jedoch de facto bereits.

Wie hier im März 2025 erläutert wurde, verpflichtet Artikel 5 nicht zur Entsendung von Truppen, sondern lediglich dazu, dass die Verbündeten in Betracht ziehen, ihren Verbündeten, die angegriffen werden, ein gewisses Maß an Unterstützung zu gewähren. Genau das tut die NATO seit Beginn der militärischen Sonderoperation, indem sie der Ukraine Waffen, Finanzmittel und Geheimdienstinformationen zur Verfügung stellt. Trumps angeblicher Friedensplan würde diese Verbindungen vermutlich formalisieren, um Russland davon „abzuschrecken“, die Feindseligkeiten wieder aufzunehmen, könnte die Ukraine jedoch dazu ermutigen, zu diesem Zweck eine False-Flag-Aktion durchzuführen.

Der dritte Teil ist der interessanteste der vier und sieht „eine wirtschaftliche Integration von Russland, der Ukraine und Europa durch ein Energieabkommen“ vor, um allen ein gemeinsames Interesse an der Wahrung des Friedens zu verschaffen. Der Bericht erwähnt es zwar nicht, doch dies könnte potenziell durch eine zumindest teilweise US-Kontrolle über die Pipelines „Nord Stream“, „Yamal“ und/oder „Brotherhood“ im Rahmen der ressourcenorientierten strategischen Partnerschaft vorangetrieben werden, über die Russland und die USA derzeit verhandeln. Leser können hier mehr darüber erfahren.

Und schließlich fordert der letzte Teil einen vollständigen Waffenstillstand, der den Konflikt entlang der Kontrolllinie auf unbestimmte Zeit einfrieren würde, vermutlich jedoch ohne dass eine der beiden Seiten ihre Ansprüche gegenüber der anderen aufgibt, damit ihre Staatschefs angesichts der Brisanz eines solchen Kompromisses vor ihrem jeweiligen Volk noch „ihr Gesicht wahren“ können. Was die jeweiligen Standpunkte Russlands betrifft – in der Reihenfolge, in der sie erwähnt wurden: Russland ist es egal, wer den Wiederaufbau der Ukraine übernimmt; es will lediglich nicht, dass seine im Westen eingefrorenen Vermögenswerte zu diesem Zweck gestohlen werden.

Was die Formalisierung von Sicherheitsgarantien für die Ukraine im Stil von Artikel 5 betrifft, lehnt Russland diese natürlich ab, doch sie haben Russland nicht dazu provoziert, die europäische NATO anzugreifen. Es ist daher zu erwarten, dass Russland diese Garantien – wenn auch widerwillig – akzeptieren wird, da es trotz fast eines halben Jahrzehnts der Bemühungen nicht gelungen ist, diese Verbindungen zu kappen. Darüber hinaus hat Russland stets die vollständige Aufhebung der westlichen Sanktionen gefordert, einschließlich derer gegen seine Energieindustrie. Es wird daher wahrscheinlich ein umfassendes Energieabkommen zwischen sich selbst, der Ukraine und der EU befürworten.

Dazu gehört auch das Szenario einer teilweisen Kontrolle der USA über seine Pipelines, um dies zu ermöglichen. Und schließlich: Auch wenn Russland die gesamten umstrittenen Regionen als sein Eigentum betrachtet, könnte Putin zustimmen, diese Ansprüche auf diplomatischem Wege statt militärisch durchzusetzen, sofern ihm die übrigen Bedingungen eines Gesamtpakets zusagen. Schließlich hat er kürzlich erneut bekräftigt, während seiner Fragerunde auf der jüngsten Jahrestagung des Waldai-Clubs, dass er den Bedingungen der USA in Anchorage zugestimmt habe, was Berichten zufolge einen territorialen Kompromiss irgendeiner Art beinhaltete.

Angesichts der in dieser Analyse dargelegten Erkenntnisse ist davon auszugehen, dass Putin Trumps angeblichen Friedensplan akzeptieren wird (sofern die von der Washington Post berichteten Details zutreffen), insbesondere wenn der dritte Teil über ein groß angelegtes Energieabkommen zustande kommt; von Selenskyj hingegen wird erwartet, dass er sich dem widersetzt. Es wird daher an Trump liegen, Selenskyj zur Zustimmung zu zwingen, beispielsweise durch die Einstellung von Waffenlieferungen und/oder der Geheimdienstzusammenarbeit; andernfalls wäre die harte Arbeit seiner Sonderbeauftragten in den letzten Monaten umsonst gewesen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in https://korybko.substack.com/p/putin-might-accept-trumps-reportedenglischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Es ist widersinnig, gegen Nazis zu sein, aber nicht gegen Kriegstüchtigkeit

Von Bernhard Trautvetter – 16. Oktober 2026

Aktuell werden viele Friedenskräfte mit dem Argument der „Rechtsoffenheit“ angegriffen. Gleichzeitig können ihre Kritiker selbst mit völkerrechtlich und ethisch unhaltbaren Forderungen bis zur Atomkriegsgefahr in der Öffentlichkeit punkten. Die Forderungen „Nie wieder Faschismus!“ und „Nie wieder Krieg!“ sollten eine Einheit bilden.

Die Kampagne gegen BSW und die Friedensbewegung ist ein Element der Kriegsstrategie der NATO-nahen Kräfte in unserem Land. Die Demonstration mit dem Auftritt von Militärminister Pistorius am Bebelplatz nach der Wahl des Parlamentspräsidenten in Sachsen-Anhalt stellt keine Entgleisung, sondern nur eine logische Konsequenz der bisherigen Entwicklungen dar.

Die Führungen der Bündnisgrünen und der SPD drängen in der Öffentlichkeit auf ein Verbot der AfD als praktischem Kern ihrer antifaschistischen Konzeption. Grundlegend für die Grünen Bundestagsageordneten Misbah Khan, Irene Mihalic, Konstantin von Notz, Lamya Kaddor und Marcel Emmerich, die dafür verantwortlich zeichneten, ist die Trennung der beiden Forderungen „Nie wieder Faschismus!“ und „Nie wieder Krieg!“. Sie nannten ihren Text „Entschlossen gegen Rechtsextremismus”. Zentrale Aussage:

„Die demokratischen Kräfte müssen gerade vor dem Hintergrund unserer historischen Erfahrung alles tun, um sich totalitären Plänen und menschenfeindlichen Aktionen entgegenzustellen, … in der Arbeit in den Regierungen und Parlamenten. … Wir stehen hinter unseren Sicherheitsbehörden und wollen sie befähigen, noch konsequenter gegen rechtsextreme Umtriebe vorzugehen.“

Militärminister Pistorius und der Grüne Ministerpräsident Cem Özdemir beziehen eine ähnliche Stellung, wenigstens erwähnen sie noch den Krieg als Ergebnis von 1933 – Zitat:

„Was wäre geschehen, wenn man 1930 auf eine Gruppe preußischer Beamter um den Juristen Robert Kempner gehört hätte, die … die Absicht der Nazis dokumentiert hatten, die … auch auf ein Verbotsverfahren drangen? … Ob all das die Diktatur, den Krieg und die Schoa verhindert hätte, wissen wir nicht. … Auch heute haben wir es wieder mit einer Gefahr für die Demokratie durch extreme Rechte zu tun. Mit einer AfD, die zunehmend als rechtsextremistisch betrachtet wird … Die rechtliche Prüfung der Verfassungsmäßigkeit einer politischen Partei ist dann geboten, wenn diese den Fortbestand unserer Demokratie infrage stellt und bedroht.”

Dazu passt auch der Antrag von Bundestagsabgeordneten aus SPD, Grüne, Linkspartei und CDU, der Bundestag möge das Bundesverfassungsgericht auffordern, die Verfassungswidrigkeit der AfD festzustellen.

Pistorius und Özdemir stellen immerhin fest, dass diese Fragen etwas mit der von Krieg und Frieden zu tun haben, indem sie die Frage stellen, ob der Krieg durch ein NSDAP-Verbot hätte verhindert werden können.

Inzwischen sind die Verrücktheiten so weit gediehen, dass in vielen grün-sozialdemokratischen Spektren jene bekämpft werden, die dem NATO-Narrativ der einseitigen Verantwortung für den Ukrainekrieg die Fakten seiner Vorgeschichte entgegenhalten und die mit dieser Aufklärung gegen die Priorität der Hochrüstung auf Kosten des Sozialstaates, der Ökologie und der Bildung entgegentreten.

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Stimmen aus Russland – Trumps neuer Russland-Kurs: Wenn die Ukraine plötzlich keine Rolle mehr spielt

Von Fjodor Lukjanow – 16. Oktober 2026

Eine erneute Wende in den US-amerikanisch-russischen Beziehungen hat Kiew schockiert, die europäischen Verbündeten empört und weltweit für Ratlosigkeit gesorgt: Zum ersten Mal hat die US-Regierung gegenüber Moskau eine Entscheidung getroffen, bei der die Interessen Kiews schlicht übergangen wurden. Eine Analyse von Fjodor Lukjanow, Forschungsdirektor des Waldai-Klubs, Vorsitzender des Präsidiums des Rates für Außen- und Verteidigungspolitik sowie Chefredakteur der Zeitschrift Russia in Global Affairs, über die Hintergründe und was sie für die Zukunft bedeutet. Aus dem Russischen übersetzt von Éva Péli.

Die überraschende Entscheidung der US-Regierung unter Donald Trump, die Sanktionen gegen Lieferungen von russischem Dieselkraftstoff vorübergehend auszusetzen, steht in direktem Widerspruch zu den jüngsten Schritten Washingtons — etwa der Verabschiedung eines scharfen Sanktionsgesetzes und der Absicht, damit den Druck auf Moskau zu erhöhen.

Manche führen diesen Schritt auf die Eigenmächtigkeit des US-Präsidenten zurück, andere sehen darin die Ansätze einer neuen Strategie, und wieder andere deuten ihn als grundlegenden Kursschwenk in der Ukraine-Politik. Um die tatsächliche Logik dahinter zu verstehen, muss man den Blick von den Äußerlichkeiten befreien — allen voran vom gewohnt schrillen Auftreten des US-Präsidenten. Seine oft grenzwertig anmutenden Auftritte sind meist nur die äußere Hülle einer knallharten Zielsetzung. Ob diese im Ergebnis richtig oder falsch ist, steht auf einem anderen Blatt.

Wolodymyr Selenskyj wurde zum Sündenbock für die steigenden Spritpreise an den US-Tankstellen gemacht – und wer Trump kennt, weiß: Es ist unmöglich, ihm eine einmal gefasste Meinung wieder auszureden. Der eigentliche Auslöser für Trumps Schwenk dürfte in der US-Innenpolitik liegen: In wenigen Wochen stehen die Zwischenwahlen zum US-Kongress an, und die Aussichten für die Republikaner sind düster. Trump gibt sich nach außen hin zwar unbeeindruckt, doch der Verlust beider US-Kongresskammern würde für ihn zwei Jahre Dauerfeuer und zermürbenden Machtkampf bedeuten.

[Hier weiterlesen auf den NachDenkSeiten]

Die „Siegestheorie“ der NATO ist nichts Neues

Von Andrew Korybko – 15. Oktober 2026

Wie man so schön sagt: „Je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie doch gleich.“

Der US-General Alexus Grynkewich, der höchste Kommandeur der NATO, teilte während seiner Rede auf dem Warschauer Sicherheitsforum die lang erwartete „Theorie des Sieges“ des Bündnisses mit. Seiner Aussage nach würde die NATO im Falle eines Krieges jeden Angriff abwehren und eindämmen und, falls dieser nicht endet, die Streitkräfte, die gegen sie vorgehen, zerschlagen.

Das ist nichts Neues. Seit Beginn des Drohnenzeitalters, das durch die Eskalation des Ukraine-Konflikts vor fast fünf Jahren eingeläutet wurde, wird diese Theorie als die nicht-nukleare Art der Kriegsführung zwischen Nuklearmächten angesehen. Eine Nuklearmacht wird wahrscheinlich nur dann zu nuklearen Waffen greifen, wenn sie in der ersten Phase vollständig überwältigt wird oder ihr militärischer Apparat letztendlich zusammenbricht.

Kürzlich hat „Russland deutlich gemacht, dass ein Atomkrieg jeder schwerwiegenden Aggression gegen Kaliningrad folgen würde“, das konventionell schwer zu verteidigen ist. Das Gleiche gilt nicht für irgendeinen Teil der NATO, nicht einmal für die baltischen Staaten. Im Gegensatz zu Russlands Kaliningrader Exklave sind sie alle miteinander verbunden. Selbst wenn man eine russischen Invasion des „Suwałki-Korridors“ herbeifantasierte, könnten von den baltischen Staaten aus immer noch Gegenangriffe durchgeführt werden, Kaliningrad bliebe verwundbar, und Norwegen und Finnland könnten eine Nordfront eröffnen. Wenn man all dies bedenkt, wird rasch klar, dass „die EU eine viel glaubwürdigere Bedrohung für Russland darstellt als umgekehrt“, was schon immer die Realität war.

Obwohl Grynkewich behauptete, dass die „Siegestheorie“ der NATO rein defensiver Natur sei und öffentlich bekannt gegeben werde, um eine abschreckende Wirkung zu erzielen, ist es unwahrscheinlich, dass Russland diese Erklärung beschwichtigen wird. Moskau sieht die anhaltende Ausdehnung des Bündnisses nach Osten – insbesondere die tatsächliche Ausdehnung in die Ukraine – als Bedrohung an. Seine mittelfristige Verteidigungsstrategie wird daher wahrscheinlich darauf abzielen, das Szenario zu verhindern, in dem die „Siegestheorie“ der NATO für offensive Zwecke ausgenutzt wird, was einen dreiteiligen Gegenplan beinhaltet.

Genau wie die baltischen Staaten und Polen das, was als „Europäische Verteidigungslinie“ bekannt ist, entlang ihrer Grenzen zu Russland und Belarus aufbauen, könnten sie auch eine symmetrische Infrastruktur errichten, um jede konventionelle Offensive zu behindern. Was die Drohnenkomponente der zweiten Phase betrifft, so könnten sie die von der EU geplante „Drohnenmauer“ nachbilden, die sowohl offensive als auch defensive (Abfang-)Drohnen umfassen wird. Und schließlich können weitere Luftabwehrsysteme Angriffe auf ihre Kriegssysteme abwehren, aber diese müssen landesweit ausgebaut werden.

Wie man so schön sagt: „Je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie doch gleich.“ In diesem Fall bleibt die grundlegende Logik eines nicht-nuklearen Krieges zwischen der NATO und Russland gleich, nämlich dass sich beide auf eine Kombination aus konventionellen Streitkräften, unbemannten Systemen und Langstrecken-Präzisionsangriffen verlassen würden. Atomwaffen würden wahrscheinlich nur dann eingesetzt werden, wenn eine Seite die andere überwältigt oder ihre Kriegssysteme letztendlich zum Erliegen bringt, aber das könnte ziemlich schnell geschehen, vielleicht schon in der ersten Stunde.

Was dringend nötig ist, um das schlimmste Szenario eines Dritten Weltkriegs infolge einer Fehlkalkulation zu verhindern, ist eine gegenseitige Deeskalation zwischen der europäischen NATO und Russland, insbesondere entlang der „Europäischen Verteidigungslinie“, die den Großteil der Ostflanke der NATO bildet und bei deren Vermittlung Trump helfen könnte. Wie hier vorgeschlagen, könnte ein erster Schritt ein Krisenkommunikationskanal zwischen den USA, Polen und Russland sein, gefolgt von gegenseitigen militärischen Rückzügen, was die Grundlage für die Stabilisierung der europäischen Sicherheitsarchitektur nach dem Krieg schaffen könnte.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

»Es sind die Europäer, die das größte Hindernis für den Frieden darstellen«

Interview mit Jacques Baud. Interview: Thomas Kaiser – 15. Oktober 2026

Er weiß, was er sagt, wenn er etwas sagt oder schreibt: Jacques Baud an einem Seminar in Solothurn. (Foto Christian Müller)

»Bei unseren Politikern gibt es keine Reflexion, keine Vision und kein Verständnis für die Welt mehr« – Ein ausführliches Interview mit dem von der EU sanktionierten Schweizer Jacques Baud*.

Auch wenn sich bei der Abstimmung am 26. September 2026 die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung, die einer massiven Propagandawalze ausgesetzt war, gegen eine eindeutige Definition der Neutralität in der Verfassung ausgesprochen hat, bleibt die Frage, wie sich die Schweiz bei den bestehenden Konflikten positionieren will. Im folgenden Interview mit Jacques Baud wird deutlich, in welche Abhängigkeiten sich die Schweiz begibt, geht sie den eingeschlagenen Weg weiter. Wenn irgendwann die Menschen aufwachen und den Betrug merken, wird es viel Kraft brauchen, das Rad zurückzudrehen.

Zeitgeschehen im Fokus: Was ist der Nutzen für die Schweiz, wenn sie Mitglied der »Partnerschaft für den Frieden« (PfP) ist? 

Jacques Baud: Die NATO wurde 1949 gegründet, um die europäischen Länder unter den nuklearen Schutzschirm der USA zu stellen, nachdem die UdSSR die Atombombe entwickelt hatte. Im Mai 1955 führte der Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur NATO eine Woche später zur Gründung des Warschauer Pakts. Diese beiden Blöcke standen sich während des Kalten Krieges gegenüber, während die Schweiz zwischen ihnen stand. Die Schweiz hat keinen Platz in einem Militärblock.

Nach dem Kalten Krieg stand die NATO vor zwei Problemen: zum einen die Aufnahme der ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten, die um einen Beitritt zur NATO ersuchten, und zum anderen die Schaffung eines Instruments zur Beilegung verschiedener lokaler und regionaler Konflikte, insbesondere im ehemaligen Jugoslawien.

Die »Partnerschaft für den Frieden« war die Lösung, die die Clinton-Regierung fand. Sie ermöglichte einerseits die Koordinierung des Engagements für den Frieden, stellte aber vor allem für viele dieser Länder eine Art »Wartezimmer« zum Beitritt zur NATO dar. Man darf nicht vergessen, dass zu jener Zeit der Wiederaufbau ihrer Länder für die ehemaligen kommunistischen Staaten oberste Priorität hatte. Ihr Interesse an der EU galt nicht den »Werten«, sondern den großzügigen EU-Subventionen! Der Beitritt zur NATO war jedoch ein unverzichtbarer Schritt auf dem Weg in die EU. 

Ich erinnere mich, dass ich Anfang der 1990er Jahre, bevor wir uns der „Partnerschaft für den Frieden“ (PfP) annäherten, Teil einer kleinen Delegation war, die die politischen Auswirkungen einer Schweizer Beteiligung auf unsere Neutralität bewerten sollte. Als wir die Folgen einer möglichen Annäherung an die EU zur Sprache brachten, brach der (französische) Vertreter der Europäischen Kommission in schallendes Gelächter aus. Er sagte uns, dass die osteuropäischen Länder nur an den Subventionen interessiert seien und dass die Schweiz, sollte sie der EU beitreten, keinerlei Nutzen daraus ziehen würde, da sie lediglich zahlen würde!

Für die Schweiz war die Teilnahme an der PfP sinnvoll. Sie ermöglichte es, die Schweiz im Rahmen der »Sicherheit durch Zusammenarbeit« mit ihren europäischen Nachbarn zu vernetzen. Ich möchte daran erinnern, dass die PfP zu jener Zeit eine Kooperationsplattform war, zu der auch Weißruss­land und Russland gehörten. Zudem war dies die Zeit, in der die Schweiz bestrebt war, ihr Engagement für den Frieden auszubauen.

Man darf auch nicht vergessen, dass die NATO unmittelbar nach dem Kalten Krieg als mögliche Plattform für die Sicherheitszusammenarbeit in Europa angesehen wurde. Zu dieser Zeit hatte Russland die Möglichkeit eines NATO-Beitritts ins Spiel gebracht. Das Problem ist, dass der Westen diese Chance nicht erkannt hat. Einerseits waren die USA der Überzeugung, den Kalten Krieg »gewonnen« zu haben, und wollten diesen »Sieg« auskosten. Andererseits gelang es ihnen nicht, das Konzept des Atlantischen Bündnisses von einer Verteidigungsstruktur hin zu einer Struktur der kollektiven Sicherheit weiterzuentwickeln.

* Jacques Baud hat einen Master in Ökonometrie und ein Nachdiplomstudium in internationaler Sicherheit am Hochschul­institut für internationale Beziehungen in Genf absolviert und war Oberst der Schweizer Armee. Er arbeitete für den Schweizerischen Strategischen Nachrichtendienst und war Berater für die Sicherheit der Flüchtlingslager in Ost-Zaire während des Ruanda-Krieges, arbeitete unter anderem für die NATO in der Ukraine und ist Autor mehrerer Bücher über Nachrichtendienste, asymmetrische Kriegsführung, Terrorismus und Desinformation. – Heute gehört Jacques Baud – als Schweizer Bürger! – zu den von der EU Sanktionierten, lebt wirtschaftlich blockiert in Brüssel, mit gesperrten Bank-Konten.

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[Das Interview führte Thomas Kaiser in Brüssel. Es wurde zuerst am 29. September 2026 in der Schweizer Zeitung Zeitgeschehen im Fokus publiziert.]

US-Demokraten planen nach Zwischenwahlen erhebliche Eskalation des Ukraine-Kriegs

Von Andre Damon – 17. Oktober 2026

Die USA haben die Ukraine mit modernen Raketen und anderen Hightech-Waffen beliefert, darunter das oben abgebildete „High-Mobility Artillery Rocket System“

Die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten, die in weniger als drei Wochen stattfinden, werden voraussichtlich eine Absage an US-Präsident Donald Trump und seine Politik des Krieges, der Diktatur und der sozialen Sparmaßnahmen bedeuten. Trumps Zustimmungswerte befinden sich auf einem Rekordtief.

Während sie die Wut der Arbeiterklasse über die Lebenshaltungskosten und die soziale Ungleichheit für sich benutzen, machen die Demokraten deutlich, dass ihre zentrale Priorität eine massive und katastrophale Eskalation des Krieges gegen Russland ist. Die Demokraten stimmen mit Trumps Angriff auf Sozialprogramme und die Arbeiterklasse überein. Ihr Konflikt mit Trump dreht sich vor allem darum, dass er ihrer Ansicht nach die globalen Interessen des amerikanischen Imperialismus nicht aggressiv und konsequent genug verfolgt.

Der Abgeordnete Jim Himes aus Connecticut, ranghöchster Demokrat im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, erklärte am 13. Oktober auf dem Warsaw Security Forum im Namen der Parteiführung, ein demokratisch geführter Kongress „bedeutet, dass Hilfspakete [für die Ukraine] nicht in neun Monaten, sondern in neun Tagen oder neun Wochen auf den Weg gebracht werden.“ „Wenn die Demokraten die Kontrolle über den Capitol Hill erlangen, wird die erneute Ukraine-Hilfe eine Priorität sein“, schrieb die Fachzeitschrift Breaking Defense in einem Bericht über seine Äußerungen.

Die Demokratische Partei und die Medien bereiten sich auf diese Eskalation vor, indem sie unter der wohlhabenden oberen Mittelschicht Kriegshysterie schüren und Trump vorwerfen, gegenüber Russland zu nachgiebig zu sein.

Im Mittelpunkt der Agitation der Demokraten gegen Trump steht sein vorübergehender „Energie-Waffenstillstand“ mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin – ein politischer Schachzug, um den Handel mit russischem Dieselkraftstoff zu ermöglichen. Die Demokraten verurteilten das Abkommen innerhalb weniger Stunden, und am 13. Oktober forderte eine parteiübergreifende Gruppe von zwölf Senatoren Trump auf, es als „Geschenk an unseren Gegner“ zurückzunehmen.

Die New York Times, die als Sprachrohr der Demokratischen Partei fungiert, hat diese Kampagne angeführt. Allein in der ersten Oktoberhälfte veröffentlichte sie mindestens zwanzig Berichte, Analysen und Kolumnen, die sich um angebliche russische Bedrohungen für Europa, ukrainische Erfolge auf dem Schlachtfeld und die Gefahr einer Lockerung des Drucks auf Moskau drehten.

Unbewiesene Behauptungen werden als feststehende Tatsachen dargestellt. Am 2. Oktober berichtete die Zeitung über einen angeblich abgefangenen russischen Plan zur Zerstörung des ukrainischen Stromnetzes, räumte dabei jedoch ein, dass sie die Echtheit des Dokuments nicht bestätigen könne. Am 9. Oktober behandelte Steven Erlanger einen russischen „Schattenkrieg“ der Sabotage in Europa als feststehend, räumte ein, dass viele der Vorfälle nur schwer Moskau zugeschrieben werden können, und machte anschließend Vorschläge für Cyberangriffe auf die russische Infrastruktur.

Am 15. Oktober veröffentlichte die Times dann zwei Kolumnen, die diese Kampagne zusammenfassen. Unter der Überschrift „Trumps Deal: ‚Demokratie für Diesel‘ beschämt uns alle“ schrieb Thomas Friedman: „Donald Trump, das ist Neville Chamberlain“, und verglich ihn mit dem britischen Premierminister, der Hitler 1938 in München beschwichtigt hatte. David French schrieb, Trump „wirft Wladimir Putin einen Rettungsring zu.“

Friedman schreibt, Trump werde als einer jener Staatsführer in die Geschichte eingehen, die „die demokratischen Werte ihres Landes verkauft haben, um einen Diktator zu beschwichtigen.“ Friedman ist der letzte Mensch auf Erden, der das Recht hätte, irgendjemanden über demokratische Werte zu belehren. Während der NATO-Bombardements auf Serbien im Jahr 1999 schrieb er: „Jede Woche, in der ihr den Kosovo verwüstet, ist ein weiteres Jahrzehnt, um das wir euer Land zurückwerfen werden, indem wir euch in Grund und Boden stampfen. Ihr wollt 1950? Wir können 1950. Ihr wollt 1389? Wir können auch 1389.“

[Hier weiterlesen auf wsws.org]

EU-Gipfel in Brüssel: Europäische Mächte verschärfen Kriegskurs gegen Russland

Von Johannes Stern – 17. Oktober 2026

Der EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel war ein Ausdruck der gefährlichen Zuspitzung der internationalen Kriegseskalation. Während die Trump-Regierung im Konflikt mit den europäischen Mächten zumindest momentan eine gewisse Verständigung mit Russland sucht, drängen die EU-Regierungen, allen voran Berlin, auf eine Fortsetzung und Ausweitung des Ukrainekriegs. Sie wollen die finanziellen und militärischen Lasten zunehmend selbst tragen und Europa zu einer eigenständigen Militärmacht aufbauen.

Das geht mit einer Eskalation einher, die einen direkten Krieg zwischen der NATO und Russland, einschließlich eines Atomkriegs, heraufbeschwört. Zugleich unterstreichen die Gipfelberatungen zu Aufrüstung, „Wettbewerbsfähigkeit“, Handelskrieg und Migration: Der Kriegskurs nach außen ist mit verschärften sozialen Angriffen und autoritären Maßnahmen im Inneren verbunden.

Konflikte zwischen Washington und Europa

Im Mittelpunkt des Gipfels stand die demonstrative Unterstützung für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Trump hatte nach einer Vereinbarung mit Putin über russische Diesellieferungen Sanktionen gelockert und die ukrainischen Angriffe auf russische Ölraffinerien kritisiert. Zudem forderte er einen Wechsel an der Spitze der Ukraine. Die europäischen Regierungen sind dagegen entschlossen, die Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur fortzusetzen und die Sanktionen zu verschärfen.

EU-Ratspräsident António Costa erklärte am Freitag an Selenskyjs Seite: „Jetzt ist nicht die Zeit, die Unterstützung für die Ukraine zurückzuziehen. Jetzt ist nicht die Zeit, die Sanktionen gegen Russland zu lockern.“ Vielmehr müsse die EU ihre Unterstützung und den Druck auf Russland erhöhen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte die Vorbereitung eines 22. Sanktionspakets an.

Besonders aggressiv tritt die Bundesregierung auf. Kanzler Friedrich Merz erklärte, die EU müsse ihre Finanzmittel für Kiew „noch einmal … aufstocken“, um der Ukraine „dauerhaft zu helfen“. Dabei gehe es darum, „die politische Ordnung Europas“ zu verteidigen. Der Konflikt mit Washington betrifft inzwischen auch die Verfügung über rund 210 Milliarden Euro eingefrorenes russisches Zentralbankvermögen in Europa. Berichten zufolge wollen US-Unterhändler Teile davon bei Verhandlungen mit Moskau einsetzen. Merz wies dies brüsk zurück: „Das ist unsere Angelegenheit und darüber entscheiden wir.“

Hinter den Differenzen stehen rivalisierende geostrategische und wirtschaftliche Interessen. Die europäischen Mächte fürchten, Trump könnte mit Putin ein Abkommen schließen, das ihre eigenen Kriegsziele und ihren Einfluss in Osteuropa untergräbt. Gleichzeitig hängt die ukrainische Kriegsführung weiterhin von amerikanischer Militärtechnik und Geheimdienstunterstützung ab. Berichte über Einschränkungen des satellitengestützten Starshield-Systems zeigen diese Abhängigkeit besonders drastisch.

Immer neue Milliarden für den Krieg

Selenskyj bezifferte die ukrainischen Kriegskosten für 2027 auf 155 Milliarden Euro und forderte mindestens 70 Milliarden Euro zusätzliche europäische Unterstützung. Mit dem Geld könne die Ukraine zwei- bis dreimal so viele Drohnen produzieren und den militärischen Druck auf Russland massiv erhöhen. Bereits für 2026 und 2027 hat die EU einen Kredit von 90 Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Über die neuen Milliardenforderungen fiel in Brüssel noch keine Entscheidung; die Kommission soll Finanzierungsmöglichkeiten erarbeiten.

Die Dimension der bereits mobilisierten Summen ist gewaltig. Nach einer Untersuchung des Kiel Instituts für Weltwirtschaft beziffert die Bundesregierung ihre bisherige und zugesagte Ukraine-Unterstützung auf rund 100 Milliarden Euro. Rund 41,7 Milliarden Euro werden als direkte Hilfe für die Ukraine erfasst, 22 Milliarden Euro sind weitere künftige militärische Zusagen und mögliche Ausgaben. Zusammen sind das 63,7 Milliarden Euro. Davon entfallen rund 56,3 Milliarden Euro auf Militärhilfe. Hinzu kommen 35,9 Milliarden Euro, die überwiegend für ukrainische Flüchtlinge in Deutschland ausgegeben wurden. Nicht alle erfassten Haushaltsmittel sind bereits ausgezahlt.

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