Die Welt hat eine Kriegssimulation durchgeführt und die „Bild“ berichtet, „Putin könnte die NATO mit 15.000 Soldaten besiegen“. Das Wichtige an dem Planspiel war aber etwas ganz anderes.
Die „Welt“ hat vor einigen Tagen über ein von ihr organisiertes Planspiel berichtet, In dem Artikel darüber heißt es einleitend:
„Was, wenn Russland uns angreift? In einem Wargame hat WELT mit früheren Entscheidern und Militärs, mit Politikern und Experten den Ernstfall simuliert. Das Szenario ist fiktiv, aber nicht aus der Luft gegriffen. Es hilft uns, zu verstehen, wo unsere Schwächen liegen – und sie zu beheben.“
Das Planspiel
Der Springer-Verlag, zu dem die „Welt“ gehört, veranstaltet gerade ein großes Brimborium um das Wargame, denn neben den ausführlichen Berichten in der „Welt“ selbst hat das in Springer-Besitz befindliche Politico unter der Überschrift „Wir haben in einer Planspiel einen russischen Angriff auf die NATO simuliert. Hier ist, was dann geschah“ einen sehr lange Artikel darüber geschrieben und natürlich durfte das Springer-Blatt „Bild“ nicht fehlen, das darüber unter der Überschrift „Schock-Szenario! Putin könnte die Nato mit 15.000 Soldaten besiegen“ berichtet hat.
Solche Planspiele sind nichts Ungewöhnliches und das tägliche Handwerk von Militärs. Sie würden ihren Job nicht machen, wenn sie nicht mögliche Kriegsszenarien durchspielen würden. Die Tatsache, dass es solche Planspiele gibt ist also keine große Meldung. Warum also schreibe ich dann darüber?
Der Grund ist, dass das Planspiel zeigt, warum ich ständig vor wachsender Kriegsgefahr rede. Ob der Ausgang des Planspiels, dass die russische Armee die NATO überrumpelt, realistisch ist, sei mal dahin gestellt. Was an dem Planspiel allerdings sehr realistisch ist, ist der Kriegsgrund – und darauf will ich mich hier konzentrieren.
Unter dem Vorwand, wichtige Mineral- und Energieversorgungsketten aus Zentralasien über die „Trump-Route für internationalen Frieden und Wohlstand“ zu sichern, ist Aserbaidschan dabei, sich zur Startrampe für die Ausweitung des NATO-Einflusses im Südkaukasus, am Kaspischen Meer und in Zentralasien zu entwickeln.
Auf seiner Reise nach Aserbaidschan, dem letzten Teil seiner Südkaukasus-Tour, die ihn auch nach Armenien führte, unterzeichnete Vizepräsident JD Vance eine Charta über eine strategische Partnerschaft zwischen den beiden Ländern. Drei Punkte sind dabei besonders hervorzuheben: Die „Trump Route for International Peace and Prosperity” (TRIPP) wird eine Verbindung zum „Mittleren Korridor über das Kaspische Meer in Zentralasien” herstellen; wichtige Mineralien und Energie werden zu den Gütern gehören, die über diese Route in den Westen transportiert werden; und die USA und Aserbaidschan werden ihre Zusammenarbeit im Bereich Sicherheit verstärken.
Sie stellen jeweils eine Herausforderung für die Interessen Russlands dar, indem sie den wirtschaftlichen Einfluss des Westens im Südkaukasus und in Zentralasien stärken, wichtige Lieferketten schaffen, an deren Sicherung der Westen entsprechend interessiert ist, und unter diesem Vorwand eine Startrampe für die Ausweitung des NATO-Einflusses in der Region schaffen. In Bezug auf den letzten Punkt gab Aserbaidschan im November letzten Jahres bekannt, dass seine Streitkräfte die Anpassung an die NATO-Standards abgeschlossen haben und somit in der Lage sind, diesem militärisch-strategischen Zweck zu dienen.
Kurz darauf kündigte Kasachstan, Partner der „Organisation der Turkstaaten“ (OTS) zwischen Aserbaidschan und dem NATO-Mitglied Türkei, an, mit der Produktion von Granaten nach NATO-Standard zu beginnen, was zu einer unumkehrbaren Konfrontation mit Russland führen könnte. Dies wurde hier näher erläutert, wo detailliert beschrieben wurde, wie TRIPP die militärische Logistik der aserbaidschanisch-türkischen Achse (ATA) optimiert, um den kasachischen Streitkräften in Abstimmung mit den USA dabei zu helfen, sich an die NATO-Standards anzupassen, und sie im Falle einer Krise mit Russland schnell zu versorgen.
Die erfolgreiche Anpassung der aserbaidschanischen Streitkräfte an die NATO-Standards war aus Sicht der nationalen Sicherheitsinteressen Russlands bereits besorgniserregend genug, aber dass Kasachstan diesem Beispiel folgt, wäre aufgrund der gemeinsamen Grenze, die die längste der Welt ist, noch besorgniserregender und könnte möglicherweise eine Krise auslösen. Selbst wenn es in dieser Frage nicht zu einem Konflikt kommt, könnte es zu einem Konflikt kommen, wenn Kasachstan seine Exportabhängigkeit vom russischen Transittransportunternehmen Caspian Pipeline Consortium verringert, was zwei Formen annehmen könnte.
Conor Gallagher schrieb hier Anfang November darüber, wie dies entweder durch eine Unterwasser-Transkaspische Pipeline geschehen könnte, was aufgrund einer regionalen Konvention, die einseitige Arbeiten daran verbietet, den Zorn Russlands und des Irans auf sich ziehen würde, oder durch eine Tankerflotte für denselben Zweck. Die verstärkte Sicherheitszusammenarbeit zwischen den USA und Aserbaidschan, insbesondere durch die Entsendung einer nicht näher bezeichneten Anzahl von Schiffen durch die USA, soll Russland abschrecken und könnte leicht auf Kasachstan und das gasreiche Turkmenistan ausgeweitet werden.
Unter dem Vorwand, wichtige Mineral- und Energieversorgungsketten aus Zentralasien über TRIPP zu sichern, die den USA und der EU helfen, ihre Abhängigkeit von China und Russland zu verringern, wird Aserbaidschan zur Startrampe für die Ausweitung des NATO-Einflusses entlang der gesamten südlichen Peripherie Russlands werden. So wie Aserbaidschan Mitglied der „Schatten-NATO” wurde, was eine De-facto-Mitgliedschaft ohne die Garantien des Artikels 5 bedeutet (wie es wohl auch für die Ukraine gilt), könnte auch Kasachstan bald versuchen, in seine Fußstapfen zu treten.
Es wird erwartet, dass die aserbaidschanisch-türkische Achse den Vorgaben der USA folgt und den Streitkräften ihres OTS-Partners Kasachstan dabei hilft, sich an die NATO-Standards anzupassen und das Kaspische Meer als Teil ihrer Einkreisung Russlands zu militarisieren. In diesem Fall würde Zentralasien nach dem Südkaukasus und dem Kaspischen Meer zur nächsten neuen Zone des Wettbewerbs zwischen der von den USA geführten NATO und Russland werden, wodurch das Risiko einer transregionalen Instabilität in diesem riesigen Raum und die damit verbundene Gefahr eines kriegerischen Konflikts wie in der Ukraine steigen würde.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Von Michael von der Schulenburg & Harald Kujat – 13. Februar 2026
Die Welt erlebt derzeit einen der tiefgreifendsten geopolitischen Umbrüche seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs – einen Umbruch, in dem die Europäische Union kaum noch als gestaltende Kraft wahrgenommen wird. Damit riskiert sie, zum großen Verlierer dieser globalen Neuordnung zu werden.
Denn die EU befindet sich heute in der wohl schwierigsten Lage seit ihrer Gründung. Im Osten steht sie vor einem zunehmend aussichtslosen Ukrainekrieg; im Süden führt Israel, einer ihrer engsten Partner, mehrere militärische Konflikte, die es nicht mehr gewinnen kann. Zugleich befindet sich die transatlantische Allianz durch ihr perspektivloses Engagement an der Seite der Ukraine vor einer Zerreißprobe. Während Russland die ständige Neutralität der Ukraine und die Angliederung der sicherheitspolitisch und geostrategisch bedeutenden Gebiete in der Ostukraine fordert, wollen die USA die amerikanische Hemisphäre ausweiten, indem sie nach dem strategisch wichtigen Grönland ihres NATO-Verbündeten Dänemark greifen. Im Iran droht ein völlig unkontrollierbarer Krieg, der die europäische Nachbarregion des Mittleren Ostens auf Jahre in Unruhen versinken lassen würde. Und mit China, der aufstrebenden globalen Macht, findet die EU keinen stabilen Modus der Zusammenarbeit. Die neue Staatengruppe der BRICS-plus-Staaten, die der EU inzwischen demografisch, wirtschaftlich und technologisch überlegen ist, wird von Europa fahrlässig ignoriert.
Die Europäische Union ist nicht zuletzt durch den Ukrainekrieg geschwächt und in der Machtarithmetik der großen Mächte zurückgefallen. Noch dazu, weil Europas strukturelle Probleme der sicherheits- und energiepolitischen sowie technologischen Abhängigkeit den weltpolitischen Einfluss zusätzlich mindern. Und die Sanktionen gegen Russland haben unsere Verwundbarkeit offengelegt, interne Divergenzen verstärkt und zentrifugale Kräfte befeuert.
Diese Entwicklungen haben bereits heute gravierende geopolitische und wirtschaftliche Folgen – Folgen, die Sicherheit und Wohlstand kommender Generationen nachhaltig beeinträchtigen werden. Dennoch fällt der EU und – mit wenigen Ausnahmen – ihren Mitgliedstaaten kaum etwas anderes ein, als mit leeren Drohungen, selbstschädigenden Sanktionen und einem überhasteten, extrem teuren Aufrüstungsprogramm zu reagieren. In einer Zeit, die nüchterne Analyse und besonnenes Handeln erfordern würde, versinkt Europa in Selbstgerechtigkeit und Selbstüberschätzung und ist gefangen in einem moralisierten Informationskrieg, das den Blick auf die Realität verstellt.
Hyperschallraketen für Deutschland? Darüber berichtet gerade Die Welt. Der französische Konzern Ariane Group sei mit Deutschland zu den Angriffswaffen im Gespräch. Sollte die deutsche Regierung sich zu diesem Schritt entscheiden: Die Aufrüstung des Landes würde immer bedrohlicher. Kritische Stimmen kommen indes in dem Artikel nicht zu Wort. Dafür ist die Rede vom Schließen einer „Fähigkeitslücke“ und einer „Raketenfamilie“. Es gilt sich vor Augen zu führen: Das politische Großvorhaben Kriegstüchtigkeit wäre ohne eine Presse, die publizistisch den Weg mitbereitet, nicht umsetzbar. Die Sprache, die zum Einsatz kommt, verrät viel. Eine Kurzanalyse von Marcus Klöckner.
Wozu soll Deutschland Angriffswaffen benötigen, die mit Hyperschallgeschwindigkeit tausende von Kilometern fliegen können? Diese Frage sollten Journalisten gerade laut stellen – unter kritischer Berücksichtigung von Propaganda, Machtverhältnissen und geostrategischen Interessen. Denn wie es aussieht, laufen im Hintergrund Gespräche zur Beschaffung der entsprechenden Raketen. Darüber berichtet Die Welt – wobei „berichten“ ein Begriff ist, der in Bezug auf den besagten Artikel mit Vorsicht anzuwenden ist.
Kritisch einordnende Stimmen kommen in dem Beitrag nicht zu Wort. Stattdessen gebraucht der Autor mehrmals den Begriff „Fähigkeitslücke“. Wer die Diskussion verfolgt, weiß, was gemeint ist: Die Bundeswehr habe – so sagen es Militärexperten – eine „Lücke“ im Hinblick auf die „Fähigkeit“, mit weitreichenden Angriffswaffen zu agieren. Sprich: Sollte die Bundeswehr in einer „Situation“ solche Waffen mit hoher Reichweite benötigen, wären sie nicht vorhanden. Kurzum: Es gibt eine „Fähigkeitslücke“.
Nach den Gesprächen von OSZE-Generalsekretär Feridun Sinirlioğlu und dem amtierenden Vorsitzenden Ignazio Cassis in Kiew und Moskau vergangene Woche stellt sich die Frage: Kann eine Organisation, die über Jahre ihre Neutralität verspielt hat, heute noch den Frieden sichern? Der ukrainische Oppositionspolitiker Viktor Medwedtschuk zieht eine kritische Bilanz der OSZE-Aktivitäten seit 2014. Der ehemalige Vorsitzende der größten Oppositionspartei der Ukraine und zentraler Teilnehmer der damaligen Verhandlungen dokumentiert aus erster Hand, wie Spionagevorwürfe und eine einseitige Parteinahme das Vertrauen in die Institution zerstört haben. Sein Beitrag auf dem Portal smotrim.ru beleuchtet die Hintergründe einer Mission, die zwischen neutralem Mandat und den Interessen Washingtons zerrieben wurde. Aus dem Russischen übersetzt von Éva Péli.
Wenn Europa heute versucht, seine Beobachter in den Verhandlungsprozess zwischen der Ukraine, Russland und den USA einzuschleusen, dann sollte man sich in erster Linie an die Rolle der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im ukrainischen Konflikt seit 2014 erinnern. Die OSZE-Mission hat nicht nur nicht versucht, den Konflikt zu lösen, sondern sie hat dessen Eskalation in jeder Hinsicht gefördert.
Am 29. Januar 2026 erklärte der Ständige Vertreter Russlands bei der OSZE, Dmitri Poljanski, dass die Sonderbeobachtungsmission anstelle einer friedenserhaltenden Tätigkeit Spionage zugunsten Kiews und der NATO betrieb.
„Es ist kein Zufall, dass keine der internationalen Strukturen, die versuchten, sich den Ambitionen der NATO-Staaten anzupassen, die Eskalationsspirale stoppen konnte. Das gelang auch der OSZE nicht, deren Sonderbeobachtungsmission anstelle einer ehrlichen Verifizierung offene Spionage betrieb“, bemerkte Dmitri Poljanski in einem Interview mit der Agentur TASS.
Sicherheitsarchitektur, strategische Autonomie und das Ende der transatlantischen Illusion: Während Washington unter Donald Trump Europa zunehmend als Rivalen behandelt und geopolitisch instrumentalisiert, wächst in Brüssel die Erkenntnis, dass eine stabile Ordnung ohne Russland kaum denkbar ist. Gábor Stier analysiert die notwendige Abkehr von alten Dogmen und die schwierige Suche nach einem neuen Dialog mit Moskau, um Europas drohende Marginalisierung zwischen den USA und China zu verhindern. Ein Plädoyer für geopolitischen Realismus.
Die Kluft zwischen der Europäischen Union und den USA vertieft sich zusehends. In dieser prekären Lage kann Brüssel nicht länger auf eine bloße Kehrtwende in den politischen Kräfteverhältnisse in den USA hoffen; stattdessen sucht man händeringend nach Gegengewichten zu Donald Trump. Wirtschaftlich öffnet sich der Kontinent bereits in Richtung Südamerika, Indien und China – und vorsichtig keimt sogar die Idee auf, den Dialog mit Russland wiederaufzunehmen.
Zwar ist der europäische Mainstream noch weit davon entfernt, Russland nicht mehr als Problem, sondern als Teil der Lösung zu begreifen. Doch Trumps Rückkehr ins Weiße Haus und die zunehmende Distanzierung Washingtons treiben Europa fast zwangsläufig in diese Richtung. Bisher zeigt sich auch Moskau wenig bereit für eine Annäherung, doch es bleibt bemerkenswert, dass man dort die Wiederaufnahme des Dialogs nicht kategorisch ablehnt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Ist eine Neuregelung der europäisch-russischen Beziehungen mittelfristig überhaupt möglich?
US-Präsident Donald Trump hielt am Mittwoch im Weißen Haus eine dreistündige Kriegsratssitzung mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu ab, um Pläne für einen massiven Militärschlag gegen den Iran zu besprechen. Der angehende US-Diktator hat wiederholt betont, dass ein neuer Krieg gegen den Iran die 12-tägigen Luftangriffe der USA und Israels auf das Land im Juni letzten Jahres, bei denen mehr als tausend Iraner, darunter überwiegend Zivilisten, ums Leben kamen, in den Schatten stellen wird.
Seit Anfang des Jahres haben die USA riesige Mengen an Militärpersonal und Feuerkraft in die Region verlegt. Gleichzeitig haben Trump und seine Berater ununterbrochen Kriegsdrohungen ausstoßen.
Angeführt vom Flugzeugträger USS Lincoln umzingelt eine amerikanische Armada nun die Küsten des Iran. Kriegsschiffe, bestückt mit Tomahawk-Marschflugkörpern und F-35- und F-18-Kampfflugzeugen, sind im Arabischen Meer, in der Straße von Hormus und weiter nördlich im Persischen Golf vor Katar stationiert. Tracking-Daten deuten auch auf einen massiven Zustrom von Globemaster C-17-Militärtransportflugzeugen der USA hin, die auf US-Militärstützpunkten in der gesamten Region landen und zweifellos alle Arten von Waffensystemen, Raketen und anderer Munition transportieren.
Am Dienstag erklärte Trump, er werde möglicherweise bald eine zweite „Armada“, d. h. eine zweite Flugzeugträgerkampfgruppe, in die Region entsenden. Berichten zufolge ist die US-Marine nun bereit, Tanker zu beschlagnahmen, die iranisches Öl transportieren. Damit will Washington die jahrzehntelange Kampagne zur Strangulierung der iranischen Wirtschaft verschärfen. Die umfassenden Sanktionen der vergangenen Jahrzehnte kommen dabei selbst schon einer Kriegshandlung gleich.
Von Boris Rozhin (Übersetzung/Eingleitung: Thomas Röper) – 12. Februar 2026
Vor dem Hintergrund des Auslaufens der New-START-Vertrages und der Vorwürfe an den Iran, er wolle Atomwaffen entwickeln, ist es interessant, sich anzuschauen, welche Länder tatsächlich in welchem Zeitraum Atomwaffen entwickeln können.
Der New-START-Vertrag, der die Zahl der einsatzbereiten, strategischen Atomwaffen begrenzt hat, ist vor einigen Tagen ausgelaufen, weil die USA die russischen Vorschläge, den Vertrag zu verlängern und einen neuen Vertrag zu verhandeln, abgelehnt haben. Nun gibt es erstmals seit über 50 Jahren keinen Vertrag mehr, der das atomare Wettrüsten begrenzt, was deutschen Medien keine nennenswerten Schlagzeilen wert war.
Hinzu kommt, dass die aggressive Politik der USA kleinere Länder dazu drängt, sich Atomwaffen zuzulegen, um sich vor möglichen Angriffen der USA zu schützen, wie die Beispiele der letzten Jahre oder aktuell des Iran und Venezuelas zeigen. Hätten sie, wie beispielsweise Nordkorea, Atomwaffen gehabt, hätten die USA es kaum gewagt, militärisch gegen sie vorzugehen.
Da nun ein neues, unkontrolliertes atomares Wettrüsten nicht nur zwischen den USA und Russland bevorzustehen scheint, lohnt sich ein Blick auf die Frage, welche Länder in welchem Zeitraum Atomwaffen entwickeln können. Dazu hat die TASS einen Artikel veröffentlicht, den ich übersetzt habe. […]
Boris Rozhin über das Potenzial der Erweiterung des Atomwaffenclubs.
Angesichts der sich zuspitzenden militärpolitischen Krise um das iranische Atomprogramm erklärte der türkische Außenminister Hakan Fidan, dass Ankara dem nuklearen Wettrüsten beitreten werde, sollte ein Land der Region Atomwaffen erwerben. Das käme faktisch einer Aufkündigung des Atomwaffensperrvertrags gleich.
Die aktuelle Situation
Die Erweiterung des Atomwaffenclubs wird derzeit sowohl durch den Druck der Großmächte als auch durch den Atomwaffensperrvertrag, eines der wenigen noch bestehenden Abkommen aus einer vergangenen Ära zu diesem Thema, eingeschränkt.
Derzeit ist bekannt, dass Russland, die USA, China, Frankreich, Großbritannien, Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel Atomwaffen besitzen. Dabei wurden die beiden letztgenannten Länder de facto trotz bestehender Beschränkungen zu Atommächten und dienen als Beispiele dafür, wie unter bestimmten militärpolitischen Umständen gegen den Nichtverbreitungsvertrag verstoßen werden kann. In einer Zeit des verschwindenden Völkerrechts und der Auflösung zahlreicher internationaler Verträge steigt daher das Risiko eines Zusammenbruchs des nuklearen Nichtverbreitungsregimes.
Armenien könnte gezwungen sein, die Rückkehr der rund 200.000 Aserbaidschaner, die während des chaotischen Zusammenbruchs der Sowjetunion geflohen sind (und ihrer Nachkommen), zu akzeptieren, ihnen gleiche Sprachrechte zu gewähren, in den Schulen zu lehren, dass sie Armenien als „Westaserbaidschan” betrachten, und möglicherweise einem Schengen-ähnlichen Abkommen mit Aserbaidschan zuzustimmen.
Die Reise von US-Vizepräsident JD Vance nach Armenien endete mit drei hochstrategischen Vereinbarungen über eine Neun-Milliarden-Dollar-Partnerschaft im Bereich Kernenergie, einem Chip-Deal, der zu einem umstrittenen KI-Rechenzentrumsprojekt führte, dessen Investitionen dort um das Achtfache auf vier Milliarden Dollar erhöht wurden, und einem Verkauf von Überwachungsdrohnen im Wert von elf Millionen Dollar. Sie diskutierten auch die Umsetzung der „Trump Route for International Peace and Prosperity“ (TRIPP), deren strategische Bedeutung hier näher erläutert wurde, sowie den parallelen Bau einer Pipeline vom Kaspischen Meer.
Dieses letzte Detail wurde nicht weiter ausgeführt, abgesehen von Vances Erklärung, dass „viel privates Kapital“ in dieses Projekt fließen werde, aber es ist anzunehmen, dass dies Teil eines größeren Zukunftsplans ist, entweder den Zorn Russlands und des Iran durch den Bau einer Unterwasserpipeline von Zentralasien nach Aserbaidschan oder einer Tankerflotte für denselben Zweck zu riskieren. In jedem Fall ist es von Bedeutung, dass Armenien eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der transregionalen Logistik zwischen den USA/der EU/der Türkei und Zentralasien spielen wird, was Russlands regionalen Einfluss herausfordert.
Premierminister Nikol Paschinjan steht nun kurz vor dem Abschluss der proamerikanischen Wende Armeniens, die er nach seinem Machtantritt im Zuge einer Farbenrevolution Anfang 2018 eingeleitet und nach der Niederlage Armeniens im letztenKrieg mit Aserbaidschan Ende 2020 in beispielloser Weise beschleunigt hat. Vor diesem Hintergrund belohnten die USA Armenien mit der Lieferung dieser Technologien, auf deren symbolische Bedeutung Vance hinwies, bevor er Paschinjan im Vorfeld der nächsten Parlamentswahlen im Juni seine Unterstützung zusagte.
In diesem Zusammenhang „zeichnen sich die nächsten Parlamentswahlen in Armenien als weiterer Brennpunkt ab“, da „eine mögliche demokratische Absetzung Paschinjans das TRIPP-Abkommen erschweren und möglicherweise sogar aussetzen könnte, durch welches die geostrategische Lücke [für Russland; die Red.] geschlossen würde, durch welche die Türkei voraussichtlich westlichen Einfluss entlang der gesamten südlichen Peripherie Russlands ausüben wird. Ebenso würde eine Beibehaltung seiner Macht diese Lücke offen halten.“ Dies erklärt, warum die USA wollen, dass Paschinjan die Wiederwahl gewinnt und Armeniens proamerikanische Wende vollendet.
Auf dieses Szenario würde wahrscheinlich folgen, dass die Anteile der meisten russischen Unternehmen auf dem armenischen Markt durch ihre amerikanischen Konkurrenten ersetzt würden. Einige könnten schnell verdrängt werden, wie es kürzlich in Venezuela geschehen ist, worüber sich Außenminister Sergej Lawrow beklagt hat, während andere, beispielsweise im Energiesektor, erst nach einiger Zeit verdrängt werden könnten, da eine schnelle Ablösung nicht realistisch ist. Das dreifache Ziel wäre, russischen Unternehmen zu schaden, den russischen Einfluss zu verringern und den Einfluss der USA auszuweiten.
Während die USA Armenien materiellen Wohlstand versprechen, könnte dies mit radikalen soziokulturellen Kosten verbunden sein. Paschinjans Unterordnung als „neo-osmanischer Sandschak“ könnte im Fall seiner Wiederwahl unvermeidlich sein, woraufhin Aserbaidschan und die Türkei ihn zwingen könnten, die armenische Gesellschaft zu „türkisieren“. Dies könnte damit beginnen, dass die Rückkehr der rund 200.000 Aserbaidschaner (und ihrer Nachkommen), die während des chaotischen Zusammenbruchs der Sowjetunion geflohen sind, akzeptiert wird, ihnen gleiche Sprachrechte gewährt werden und in der Folge Armenien im Schulunterricht als „Westaserbaidschan“ definiert
Wenn auch ein Schengen-ähnliches Abkommen zwischen Armenien und Aserbaidschan vereinbart wird, vielleicht sogar mit der Türkei, falls die Beziehungen zu Armenien unter US-Vermittlung normalisiert werden, könnte die postsowjetische monoethnische Gesellschaft Armeniens der Vergangenheit angehören. Da Identität in der heutigen Politik auf nationaler und internationaler Ebene ein immer wichtigerer Faktor wird, werden sich viele Armenier möglicherweise unwohl fühlen, wenn ihnen die Wahrscheinlichkeit einer solchen Veränderung bewusst wird, was Paschinjans Wiederwahlkampagne scheitern lassen könnte.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Während Regierung und Medien zur drohenden Gasmangellage schweigen und die Bundesnetzagentur Mantra artig Entwarnung gibt, hat die Bundesregierung die Füllstände der Gasspeicher als kritisch eingestuft und versucht, zu reagieren. Der Öffentlichkeit wird die Dramatik der Situation wegen anstehender Wahlen verschwiegen.
Wer auf die Seite der Bundesnetzagentur geht, der findet zur aktuellen Lage der Gasversorgung in Deutschland immer noch diesen beruhigenden Hinweis: „Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil. Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet. Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung im Augenblick als gering ein.“
Wie passt das zu den Meldungen, die ich hier seit Wochen schreibe, dass die Gasmangellage in Deutschland in diesem Winter praktisch nicht mehr abwendbar ist?
Ganz einfach: Die Bundesnetzagentur sagt nicht die Wahrheit. Oder besser gesagt, sie formuliert die Wahrheit so geschickt, dass man von bewusster Desinformation sprechen muss, da sie die Einschränkung macht, sie schätze die Gefahr „im Augenblick“ als gering ein. Nun ja, „im Augenblick“, also genau jetzt, mag das noch (fast) stimmen. Aber was ist in zehn Tagen oder Anfang März?
Tatsächlich ist die Lage bereits kritisch. Und das sage nicht ich, das sagt das Bundeswirtschaftsministerium. Nur sagt es das nicht laut, sondern es handelt heimlich. Laut dem Notfallplan Erdgas für die Bundesrepublik Deutschland des Wirtschaftsministeriums ist die Einschätzung der Versorgungslage mit Gas bei den aktuellen Füllständen bereits als kritisch eingestuft und das Ministerium hat die Ausschreibung von Gaskäufen gemäß Alarmstufe angeordnet.
Das klingt kompliziert, also will ich das erklären.