Die USA setzen das NATO-3.0-Konzept in Asien durch AUKUS+ um

Von Andrew Korybko – 15. August 2026

Die USA übertragen ihr regionales Modell der Eindämmung Russlands auf China.

Der Unterstaatssekretär für Kriegspolitik, Elbridge Colby, hielt Anfang August während der ersten Etappe seiner Südostasien-Reise in Manila eine wegweisende Rede, die darauf hinauslief, dass die USA das NATO-3.0-Konzept in der Region einführten. Wie der militärstrategische Vordenker von „Trump 2.0“ erklärte, verlagern die USA einen größeren Teil der Verantwortung für die Aufrechterhaltung des regionalen Status quo auf ihre Verbündeten und Partner, die dasselbe Interesse teilen – in diesem Zusammenhang nämlich „ein Asien frei von Hegemonie“. Das unausgesprochene Ziel ist die Eindämmung Chinas.

Colby verwies auf die Nationale Sicherheitsstrategie, die Nationale Verteidigungsstrategie und die Rede von Kriegsminister Pete Hegseth beim Shangri-La-Dialog Ende Mai, um die Politik der Trump-Regierung zu rechtfertigen, „eine Abschreckungshaltung durch Verweigerung entlang der ersten Inselkette“ von Japan bis Borneo aufrechtzuerhalten. Die Philippinen liegen mittendrin und sind daher unersetzlich für den Aufbau dessen, was andernorts als „AUKUS+“ bezeichnet wurde. Leser können hier mehr über dieses Konzept und seinen von den USA unterstützten japanisch-philippinischen (-indonesischen?) Kern erfahren.

Mit Colbys Worten: „Wir bauen aktiv eine starke Abwehrstrategie auf, um einen ‚Peace through Strength‘-Ansatz für ein dauerhaft günstiges Kräftegleichgewicht in Asien zu untermauern. Wir stärken systematisch unsere Vorwärtspräsenz, festigen unsere Präsenz vor Ort und treiben eine tiefgreifende Interoperabilität mit Schlüsselstaaten voran, die bereit sind, ihren Teil der Last zu schultern. Dabei geht es nicht nur darum, symbolische Übungen vor den Kameras durchzuführen; es geht darum, kampffähige Streitkräfte aufzustellen, die in der Lage sind, echte militärische Aggressionen abzuwehren.“

Dies lässt keinen Zweifel an der Absicht der USA, China im asiatisch-pazifischen Raum durch „Leading From Behind“ einzudämmen, sobald die Region das NATO-3.0-Konzept durch den beschleunigten Aufbau des AUKUS+-Netzwerks umsetzt. Von Bedeutung ist, dass Colby darauf hinwies, die Philippinen seien „ein vorbildlicher Verbündeter“ – genau so, wie Hegseth Polen beschrieb, als er sich dort Anfang 2025 auf der ersten Etappe seiner Europareise aufhielt. Es ist daher anzunehmen, dass die USA den Philippinen eine ähnliche Rolle in der Region zugedacht haben.

Beobachter sollten daher damit rechnen, dass die Philippinen zur regionalen Militärfestung der USA werden, die aufgrund ihrer geostrategischen Lage dazu bestimmt ist, die führende Rolle bei der Eindämmung Chinas zu übernehmen – genau wie Polen gegenüber Russland, wie kürzlich von Präsident Karol Nawrocki bestätigt, und zwar in enger Abstimmung mit den USA. Natürlich können die Philippinen dies nicht alleine bewältigen, genauso wenig wie Polen, doch ihre jeweiligen Rollen bei der Eindämmung der regionalen Gegner der USA bestehen größtenteils darin, als logistische Stützpunkte und Abschussrampen für US-Streitkräfte zu dienen.

In der Praxis besteht das Endziel darin, dass sie genügend Nachschub, US-Streitkräfte und Raketen beherbergen, um China entsprechend davon abzuschrecken, einen militärischen Vorstoß gegen Taiwan zu unternehmen, und Russland davon abzuhalten, dasselbe in der Ukraine zu tun, nachdem die andauernden Feindseligkeiten endlich beendet sind; andernfalls werden die Philippinen und Polen eingreifen, woraufhin die USA folgen werden. Japan wird auf dieselbe Rolle wie die Philippinen vorbereitet, könnte sich jedoch aus Gründen der Eskalationskontrolle und zur Vermeidung eines globalen Wirtschaftsschocks zunächst nicht in Feindseligkeiten einmischen, falls Peking direkt Vergeltungsmaßnahmen ergreift.

Chinas Wirtschaft ist für die Weltwirtschaft weitaus wichtiger als die Polens, ganz zu schweigen von den Philippinen, doch alle drei Länder sind Verbündete der USA im Rahmen der gegenseitigen Verteidigung; daher würde jede direkte Vergeltungsmaßnahme Chinas oder Russlands – anstatt in den jeweiligen Szenarien lediglich ihre Streitkräfte in Taiwan bzw. der Ukraine anzugreifen – eine Reaktion der USA nach sich ziehen. Wie aus Colbys Rede hervorgeht, wenden die USA ihr anti-russisches regionales Eindämmungsmodell nun auf China an, was enorme Auswirkungen auf die globale Stabilität hat und das Risiko eines Dritten Weltkriegs erhöht.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Frankreich: Social-Media-Verbot mit Identitätskontrolle betrifft die ganze Bevölkerung

Von Stephen Parker – 14. August 2026

Am Dienstag, dem 4. Juli 2023, untersagte ein Richter mehreren US-Bundesbehörden und Beamten der Biden-Regierung die Zusammenarbeit mit Social-Media-Unternehmen in der Frage der „geschützten Meinungsäußerung“

Am 21. Juli verabschiedete das französische Parlament ein weitreichendes, reaktionäres Gesetz, das Kindern unter 15 Jahren den Zugang zu den großen Social-Media-Plattformen verbietet. Auch wird damit ein bereits bestehendes Handyverbot an den Schulen auf die Gymnasien ausgeweitet.

Der Senat stimmte dem Gesetzestext an jenem Morgen mit 243 zu 2 Stimmen zu; die Nationalversammlung verabschiedete ihn am selben Abend mit 279 zu 81 Stimmen bei 66 Enthaltungen. Präsident Emmanuel Macron feierte das Gesetz als Schutz der Kinder, doch es handelt sich um eine autoritäre Maßnahme, die jeden Internetnutzer in Frankreich verpflichtet, sein Alter und damit seine Identität nachzuweisen, um Zugang zu sozialen Netzwerken zu erhalten.

Aufgrund von EU-Regeln und der komplexen technischen Umsetzung wird das Gesetz nicht vor dem 1. September in Kraft treten. Auch haben Abgeordnete von „La France Insoumise“ (LFI) und der Sozialistischen Partei (PS) das Gesetz dem Verfassungsrat vorgelegt, der für eine Entscheidung einen Monat Zeit hat. Doch ungeachtet der Ratsentscheidung ist die politische Bedeutung der Abstimmung unmissverständlich. Unter dem fadenscheinigen Vorwand des Jugendschutzes geht die europäische Bourgeoisie in die Offensive, um die Anonymität im Internet abzuschaffen, Internetzensur zu ermöglichen und jeden digitalen Fußabdruck mit einer staatlich verifizierten physischen Identität zu verknüpfen.

Das Gesetz richtet sich gegen die weltweit zunehmende politische Radikalisierung von Arbeitern und Jugendlichen. Macron, der weithin als „Präsident der Reichen“ verachtet wird, befindet sich in den letzten Monaten seiner zehnjährigen Amtszeit. Angesichts explodierender Lebenshaltungskosten, wachsender sozialer Ungleichheit und des eskalierenden Kriegs mit Russland nutzt seine Regierung die Sorgen der Eltern um das Wohlergehen ihrer Kinder, um die Infrastruktur für eine totale Internetüberwachung aufzubauen.

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EU steht wegen geheimer Verhandlungen mit Israel über Polizeidaten in der Kritik

Von Middle East Monitor – 15. August 2026

Die Europäische Kommission verhandelt über ein geheimes Abkommen zum Austausch sensibler personenbezogener Daten mit der israelischen Polizei, obwohl interne rechtliche Warnungen vorliegen, dass das Abkommen gegen internationales Recht verstoßen und Palästinenser gefährden könnte, wie aus einem neuen Bericht der Bürgerrechtsorganisation Statewatch hervorgeht, der von Novara Media veröffentlicht wurde, berichtet Anadolu.

Der ursprünglich mit der europäischen Polizeibehörde Europol ausgehandelte Vertragsentwurf würde den Austausch von biometrischen Daten, genetischen Informationen, Standortdaten, politischen Ansichten und persönlichen Angaben ermöglichen.

Kritische Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Verhandlungen fortgesetzt wurden, obwohl der Juristische Dienst des Rates der EU den Vorschlag 2022 als rechtlich unhaltbar eingestuft hatte.

Darin wurde gewarnt, dass das Abkommen die Gefahr birgt, Israels illegale Besetzung palästinensischer Gebiete zu legitimieren, und das Selbstbestimmungsrecht des palästinensischen Volkes untergraben würde.

Es wurden Bedenken hinsichtlich des potenziellen Missbrauchs von Daten geäußert, die von EU-Polizeimissionen im Westjordanland und in der Stadt Rafah im Gazastreifen gesammelt werden. Experten warnen, dass die Informationen, sollten sie an israelische Behörden weitergegeben werden, in bestehende militärische Überwachungssysteme einfließen könnten, die gegen die palästinensische Bevölkerung eingesetzt werden.

„Die im Rahmen des Abkommens übermittelten Daten könnten als Geheimdienstinformationen genutzt werden, um Entscheidungen zu unterstützen, Palästinenser anzugreifen und zu töten“, erklärte der Rechtsexperte Eitan Diamond gegenüber Novara Media. „Die EU würde das Risiko eingehen, Menschen willkürlich ihrer Freiheit zu berauben und sie unter höllischen Haftbedingungen systematischer Misshandlung auszusetzen.“

Der palästinensische Anwalt Raji Sourani verurteilte die Gespräche und erklärte gegenüber Novara Media: „Die beabsichtigte Zusammenarbeit wurzelt in der rassistischen Kolonialmentalität Europas und wendet sich gegen uns Palästinenser, die Opfer eines Völkermords.“

Zwar versuchte der Entwurfstext, die Nutzung der weitergegebenen Daten in den besetzten Gebieten auszuschließen, enthielt jedoch weit gefasste Ausnahmen für „unmittelbare Lebensgefahr“ sowie zur Verhinderung oder Verfolgung allgemeiner Straftaten. Europäische Rechtsexperten bezeichneten die Ausnahmen als viel zu vage.

Die Verhandlungen bauen auf einer enger gefassten Vereinbarung aus dem Jahr 2018 auf, die den Austausch personenbezogener Daten und die besetzten Gebiete ausdrücklich ausschloss. Kritiker sagten, das fortgesetzte Streben der Kommission nach dem erweiterten Abkommen verstoße gegen ihre eigene diplomatische Politik und ignoriere jüngste Urteile internationaler Gerichte.

Douwe Korff, ein Rechtswissenschaftler der Yale University, bezeichnete die Haltung der Kommission als „zutiefst besorgniserregend“ und wies auf das Risiko hin, sensible Informationen an einen Staat weiterzugeben, dem „glaubwürdig Völkermord und andere Verbrechen vorgeworfen werden“.

Seit Oktober 2023 sind laut Angaben des Gesundheitsministeriums von Gaza 73.389 Palästinenser durch den israelischen Völkermord ums Leben gekommen und 174.266 weitere verletzt worden.

Trotz eines im Oktober 2025 unterzeichneten Waffenstillstands haben die israelischen Angriffe im Gazastreifen angehalten und weitere Opfer sowie Schäden an der Infrastruktur verursacht.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf Middle East Monitor]

Eine weitere polnisch-ukrainische Getreidekrise zeichnet sich ab

Von Andrew Korybko – 14. August 2026

Selenskyjs 40-tägige Einflusskampagne provozierte Putin dazu, die Ukraine de facto zu einem Binnenstaat zu machen.

Politico veröffentlichte einen Artikel mit dem Titel „Wie russische Angriffe, europäischer Protektionismus und Dürre das lebenswichtige Getreide der Ukraine einschränken“, der die Wechselwirkungen zwischen diesen Faktoren beleuchtete. Von besonderem Interesse ist die Meldung, dass Polen erwägt, den Transit von ukrainischem Getreide durch sein Hoheitsgebiet auf dem Weg zu Nicht-EU-Märkten erneut zuzulassen, da die russischen Angriffe die Ukraine de facto zu einem Binnenstaat machen. Als dies das letzte Mal geschah, kam es zu Protesten der Landwirte, nachdem tatsächlich große Mengen Getreide in Polen zurückblieben.

Die Demonstrationen dieser wahlpolitisch bedeutenden Gruppe stellten die erste größere Verschlechterung der polnisch-ukrainischen Beziehungen dar, deren vollständiger Zusammenbruch verhindert wurde, nachdem Polen ein Embargo gegen ukrainisches Getreide verhängt hatte. Zwar zitierte „Politico“ die Zusicherung des polnischen Landwirtschaftsministers gegenüber lokalen Medien in der vergangenen Woche, dass „wir alles tun, um das Embargo aufrechtzuerhalten“, sowie die Aussage des Sprechers des Außenministeriums, dass sich die Gespräche ausschließlich auf Transitrechte bezögen, doch zitierte die Plattform auch einen der Anführer der Bauernproteste, der Zweifel äußerte.

Das Szenario, dass eine Einigung über den Getreidetransit erzielt wird, die erneut dazu führt, dass große Mengen Getreide in Polen verbleiben und somit eine weitere Runde von Bauernprotesten auslöst, könnte in den bilateralen Beziehungen zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt eintreten. „Die polnische Polarisierung in Bezug auf die Ukraine ist wahrscheinlich die neue Normalität“ – und das inmitten ihres eskalierenden Streits, der auf Selenskyjs staatliche Verherrlichung der OUN-UPA-Täter des Wolhynien-Völkermords im Mai folgte. Sollte es zu weiteren Bauernprotesten kommen, könnten sich die bilateralen Beziehungen weiter verschlechtern, was Auswirkungen auf die Wahlen haben könnte.

Seriöse Umfragen, darunter auch solche des politisch nicht gerade wohlgesinnten Politico, deuten darauf hin, dass die beiden konservativen und die beiden libertär-nationalistischen Parteien bereits über genügend Unterstützung verfügen, um nach den nächsten Sejm-Wahlen im Herbst 2027 eine Koalition zu bilden und die regierende liberale Koalition abzulösen. Diese vier Parteien, die alle in unterschiedlichem Maße der Ukraine kritisch gegenüberstehen, könnten einen weiteren explosionsartigen Anstieg ihrer gemeinsamen Popularität erleben, was den Druck auf die regierende liberale Koalition erhöhen würde, vorgezogene Wahlen abzuhalten, sollten weitere Bauernproteste stattfinden.

Zum Thema Wahlen: „Die Ukraine plant Berichten zufolge eine Kampagne, die einer Einmischung in die Wahlen in Polen gleichkommt“, in deren Rahmen ihre Spione möglicherweise Beweise fälschen könnten, die nahelegen, dass eine, einige oder alle dieser Oppositionsgruppen und/oder etwaige neue Bauernproteste von Russland finanziert werden. Das Zusammenspiel dieser Faktoren – neue Bauernproteste, ein Popularitätsschub der Opposition und ukrainische Einmischung – könnte die bereits bestehende politische Polarisierung in Polen verschärfen, mit ungewissen Folgen.

Die Leser sollten nicht vergessen, dass der Auslöser für diese Abfolge von Ereignissen nicht Russlands neue Angriffskampagne in der Region Odessa an sich ist, sondern Selenskyjs 40-tägige Einflussoperation zu Beginn dieses Sommers, die darauf abzielte, Russland zu einem bedingungslosen Waffenstillstand zu zwingen, Putin jedoch dazu provozierte, „zu eskalieren, um zu deeskalieren“. Der stets vorsichtige russische Staatschef hatte es bereits 4,5 Jahre lang vermieden, die Ukraine de facto zu einem Binnenstaat zu machen, wurde jedoch schließlich durch Selenskys neuen, von Trump unterstützten und mit Drohnen geführten „Zermürbungskrieg“ dazu gedrängt.

Selenskyj ist daher für die Auslösung der möglicherweise nächsten polnisch-ukrainischen Getreidekrise verantwortlich, nicht Putin, obwohl der ukrainische Staatschef offensichtlich nicht damit gerechnet hatte, dass sein russischer Amtskollege auf die jüngste Angriffswelle in dieser Weise reagieren würde. Dies zeigt, wie sehr seine 40-tägige Einflusskampagne nach hinten losging, da sie nun auch seine oberflächlichen Bemühungen zur Wiederherstellung der Beziehungen zu Polen zunichtemachen könnte. Selenskyj hätte also besser daran getan, diese verhängnisvolle Operation erst gar nicht zu starten.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Opposition gegen 15-jährige Haftstrafe für ukrainischen Sozialisten Bogdan Syrotjuk nimmt weltweit zu

Von Andre Damon – 14. August 2026

Bogdan Syrotjuk mit einem Bild von Leo Trotzki in einer alten sowjetischen Ausgabe von John Reeds 10 Tage, die die Welt erschütterten, April 2023

Weltweit wächst die Opposition gegen die Inhaftierung des 27-jährigen Sozialisten Bogdan Syrotjuk, der von einem ukrainischen Gericht wegen „Hochverrats“ zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde, weil er in seinen Artikeln geschrieben hat, russische und ukrainische Arbeiter sollten sich gegen den Krieg vereinen, und weil er sich gegen die offizielle Glorifizierung von Nazi-Kollaborateuren gewandt hat.

Arbeiter, Akademiker und bekannte Intellektuelle von vier Kontinenten haben die Petition für seine Freilassung unterzeichnet oder Protestschreiben an das Bezirksgericht in Perwomajsk geschickt, welches das Urteil gefällt hat.

In den vergangenen Tagen haben hunderte Menschen weltweit die Petition für seine Freilassung unterzeichnet, die seit ihrer Veröffentlichung mehr als 5.700 Unterschriften erhalten hat.

Die Unterzeichner seit der Bekanntgabe des Urteils kommen aus den USA, Großbritannien, Australien, Kanada, Deutschland, Italien, Neuseeland, Sri Lanka, Spanien, Frankreich, Österreich, Irland, Finnland, der Türkei, Belgien, Schweden, Portugal, Indien, China, Taiwan, Polen, Norwegen, Dänemark, Südkorea, Rumänien, den Niederlanden, Litauen, den Philippinen, Brasilien, Kroatien, der Schweiz, Peru – und aus der Ukraine selbst.

Die Anklage stützte sich ausschließlich auf Bogdans Artikel, die sich sowohl gegen die russische Invasion als auch gegen den Stellvertreterkrieg von USA und NATO richten, und auf seine Kommunikation mit den Redakteuren der WSWS. Das Gericht ordnete an, Bogdans Eigentum zu beschlagnahmen und die Bücher und Schriften der von ihm angeführten Jungen Garde der Bolschewiki-Leninisten zu zerstören.

Bogdan sitzt in Haft, seit er am 25. April 2024 vom Sicherheitsdienst der Ukraine verhaftet und zu einem russischen Agenten erklärt wurde. Diese Behauptung hat der ukrainische Staat zu keinem Zeitpunkt belegt.

Mario Kessler, ein auf den Kommunismus spezialisierter Historiker und leitender Wissenschaftler am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, schickte am Mittwoch ein Protestschreiben, in dem er erklärte: „Ich, Professor Dr. Mario Keßler, Historiker in Berlin, protestiere hiermit entschieden gegen die Verurteilung von Herrn Bogdan Syrotiuk…

Muss ich daran erinnern, dass Leo Trotzki als Volkskommissar für Verteidigung den Aufbau der Roten Armee sicherstellte, die in der Lage war, dem Massenmord an ukrainischen Juden während des Bürgerkriegs Einhalt zu gebieten? Muss ich außerdem daran erinnern, dass Trotzki 1939 die Teilung der Westukraine zwischen Deutschland und der Sowjetunion entschieden verurteilte und für eine von der Sowjetunion – einschließlich Stalins Sowjetunion – unabhängige Ukraine eintrat? Wie passt dies zu dem Vorwurf, Herr Syrotiuk, der sich selbst als Sozialist und Trotzkist bezeichnet, spiele Putins Spiel mit?

Marta Hawryschko, eine ukrainische Holocaust-Historikerin, die am Strassler Center for Holocaust and Genocide Studies der Clark University in Worcester (Massachusetts) unterrichtet, verbreitete am Mittwochmorgen auf X den Bericht der WSWS über das Urteil und zwar unter ihrer eigenen Überschrift: „Politische Unterdrückungen in der Ukraine unter Selenksyj.“ Der Post wurde binnen weniger Stunden mehr als 10.000-mal angesehen und erhielt 500 Likes.

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Ist Russland gegen eine Waffenruhe im Schwarzen Meer?

Von Thomas Röper – 14. August 2026

Die Ukraine hat das Schwarze Meer zum Kriegsschauplatz gemacht, indem sie seit Monaten wahllos Handelsschiffe angreift. Der Spiegel berichtet seinen Lesern nun, Russland lehne eine Waffenruhe im Schwarzen Meer ab, was eine Verdrehung von Ursache und Wirkung ist.

Die Ukraine ist Ende letzten Jahres dazu übergegangen, im Schwarzen Meer zivile Handelsschiffe anzugreifen, wobei sie keinerlei Rücksicht auf die Herkunft der Schiffe nimmt. So hat die Ukraine in letzter Zeit sogar türkische Handelsschiffe angegriffen, was in der Türkei für Unmut sorgt, schließlich hat die Türkei immer wieder versucht, in dem Konflikt zu vermitteln und unterhält gute Beziehungen zu Kiew. Der türkische Außenminister telefonierte deswegen am 24. Juli mit seinem ukrainischen Amtskollegen, aber die Ukraine griff auch danach weiterhin türkische Handelsschiffe an.

Die Eskalation im Schwarzen Meer

Auch die USA haben offenbar gegen die ukrainischen Angriffe im Schwarzen Meer protestiert. Den USA geht es um Schiffe und Anlagen, die zum Caspian Pipeline Consortium (CPC) gehören, das kasachisches Öl über den russischen Hafen Noworossijsk exportiert. Dabei handelt es sich weder um russisches Öl noch sind russische Firmen daran beteiligt. Die Aktionäre des CPC sind kasachische Firmen und westliche Ölkonzerne wie beispielsweise Chevron.

Laut ihren eigenen Angaben haben die ukrainischen Streitkräfte im Schwarzen Meer alleine im Juli etwa 200 Handelsschiffe angegriffen, die russische Häfen anliefen. Europäische Politiker, wie beispielsweise Kanzler Merz, lobten dieses Vorgehen der Ukraine ausdrücklich.

Ab dem 11. Juli hat Russland als Reaktion auf die verstärkten ukrainischen Angriffe begonnen, ukrainische Schwarzmeerhäfen massiv zu bombardieren und ebenfalls Schiffe anzugreifen, die ukrainische Häfen anlaufen. Das hat dazu geführt, dass die ukrainischen Schwarzmeerhäfen de facto die Arbeit einstellen mussten, was für die Ukraine ein schmerzhafter Schlag ist, da über die Häfen einerseits westliche Waffen geliefert werden, während über sie andererseits vor allem ukrainisches Getreide exportiert wird, was eine der wenigen verbliebenen Einnahmequellen der Ukraine ist.

Der türkische Außenminister forderte am 8. August in einem Interview „die Einrichtung eines Mechanismus, um die Vereinbarung eines Moratoriums zu ermöglichen“, denn „er Konflikt hat sich auf das gesamte Schwarze Meer ausgeweitet“. Obwohl es die Ukraine ist, die schon letztes Jahr damit begonnen hat, Handelsschiffe anzugreifen, vermeidet die türkische Regierung es, in ihren Erklärungen zu erwähnen, welches Land ihre Schiffe angegriffen hat, sondern fordert in ihren Erklärungen von Russland und der Ukraine einen Stopp der Angriffe.

Unter dem wachsenden Druck hat Kiew nun versucht, propagandistisch die Initiative zu ergreifen und Russland laut Reuters vorgeschlagen, dass beide Seiten die Angriffe auf zivile Ziele im und am Schwarzen Meer einstellen.

Am Freitag wurde Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, nach dem türkischen Vorschlag für ein Moratorium gefragt, und sie antwortete darauf unter anderem, Russland habe „über offizielle Kanäle keine formelle türkische Anfrage erhalten, die die Bedingungen dieser Initiative konkretisiert“. Weiter äußerte sie sich skeptisch zu solchen Vorschlägen, weil die von Kiew und dem Westen immer dann kommen, wenn es für die Ukraine schlecht läuft und sie dringend eine Feuerpause braucht, um ihre Wunden zu lecken. Wörtlich sagte Sacharowa:

„Wir sehen derzeit regelmäßig ungezügelte Terrorangriffe, die die ukrainischen Streitkräfte mit Drohnen auf zivile Schiffe von Anrainerländern des Schwarzen Meeres durchführen, die sich mehrmals monatlich ereignen. Wir betrachten diese Angriffe als gezielte Politik zur Destabilisierung der zivilen Schifffahrt im Schwarzmeerraum, mit dem Ziel, die Situation weiter zu eskalieren und den Konflikt zu verlängern – und zwar mit dem offenkundigen Einverständnis der Nachbarn in der Region. Gleichzeitig sehen wir keinerlei Anzeichen einer Besserung der Lage und somit keine Grundlage für Halbheiten, die dem Kiewer Regime lediglich eine vorübergehende Atempause verschaffen.“

Das beliebteste Mittel der westlichen Propaganda

Der Spiegel hat unter der Überschrift „Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine – Moskau lehnt Waffenruhe im Schwarzen Meer ab“ darüber berichtet, wobei er eines der beliebtesten Mittel der westlichen Propaganda benutzt hat. Dieses Mittel ist es, alle zum Verständnis wichtigen Informationen wegzulassen. Daher erfährt der Spiegel-Leser nicht, dass es die Ukraine war, die die Lage im Schwarzen Meer so stark eskaliert hat und dass Russland erst nach vielen Monaten begonnen hat, mit gleicher Münze zurückzuzahlen. Folgerichtig beginnt der Spiegel-Artikel mit folgender Einleitung:

„Mitten in der Erntezeit nimmt Russland vermehrt ukrainische Häfen und internationale Getreidefrachter im Schwarzen Meer ins Visier. Nun soll die Ukraine eine Feuerpause vorgeschlagen haben. Moskau sieht dafür keine Grundlage.“

In dem Artikel vertauscht der Spiegel kurzerhand Ursache und Wirkung, denn der Spiegel schreibt:

„Russland greift zur Erntezeit derzeit massiv ukrainische Häfen und auch internationale Frachtschiffe im Schwarzen Meer an, die Getreide exportieren. Die Ukraine hat ihrerseits Angriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer in den vergangenen Wochen verstärkt.“

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Verteidigung braucht keinen Hass

Von Artjom Drabkin – 14. August 2026

Der russische Historiker Artjom Drabkin darüber, wie man auf den Aufruf, Russen zu töten, reagieren muss. Aus dem Russischen übersetzt von Éva Péli.

Am 8. August 2026 stellte der Korrespondent der deutschen Zeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung, Michael Martens, auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von Wolodymyr Selenskyj und Aleksandar Vučić in Belgrad folgende Frage: „Was genau können wir, die Europäer, tun, um Ihnen zu helfen, mehr Russen zu töten? … Mehr russische Soldaten natürlich.“ Die Präzisierung folgte nach einer kurzen Pause. Diese öffentlich geäußerte Formulierung zeigt, wie weit sich die Grenze des Sagbaren verschoben hat. Der deutsche Journalist nennt die Nationalität noch vor dem militärischen Status. Er spricht weder von der Beendigung des Krieges noch vom Schutz von Zivilisten oder auch nur von der Niederlage der gegnerischen Armee. Sein praktischer Erfolgsindikator wird zur nackten Zahl getöteter Russen. Und das geschieht vor laufenden Kameras, auf einer internationalen Pressekonferenz, im Namen „unserer, der Europäer“.

Und sofort fanden sich bei uns Stimmen, die bedauerten, dass unsere Vorfahren „mit Deutschland nicht zu Ende gearbeitet“ hätten. Der Historiker und Direktor der Stiftung „Historisches Gedächtnis“, Alexander Djukow, schreibt dazu: „Nach 1945 haben wir unsere Arbeit mit Deutschland katastrophal nicht zu Ende gebracht. Man hat der DDR die Reparationen erlassen, nationalsozialistische Verbrecher begnadigt und als Geste des guten Willens an die BRD übergeben, und über den nationalsozialistischen Völkermord hat man mit maximal gedämpfter Stimme gesprochen, um den Internationalismus und die weltweite Solidarität nicht zu erschüttern. Und das Ergebnis sehen wir genau jetzt: Die Worte ‚Russen töten‘ rufen keine Panik und kein Entsetzen vor der Vergeltung hervor – sondern den Wunsch, sich daran zu beteiligen. Eine Vergeltung hat ja nicht stattgefunden, man hat alle verschont, alle freigelassen, allen vergeben, 1945 noch Lebensmittel verteilt und sie später mit Gas unterstützt. Es gibt keinen Grund zur Panik. Nun, wenn es nicht gelingt, alle Russen zu töten – die Übriggebliebenen werden es ja wieder verzeihen.“

Wer, wenn nicht die Generation des Großen Vaterländischen Krieges, die in Auschwitz und Berlin stand, die durch verbrannte Dörfer und an Massengräbern vorbeiging, hätte ein Recht auf Rache gehabt? Hätten sie alle Deutschen bis zum „siebten Glied“ vernichten können? Sie hätten es gekonnt. Sie hatten das volle moralische Recht dazu.

Und sie haben es nicht getan. Darin liegt eine weitere große Heldentat: Sie hielten ihren Namen rein. Sie stellten sich nicht mit den Nationalsozialisten auf dieselbe Stufe. Sie verwandelten den großen Sieg nicht in einen Rachefeldzug. Sie haben vergeben, so wie wir zu vergeben wissen.

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Putin warnt die EU vor weiterer Piraterie

Von Thomas Röper – 14. August 2026

Der russische Präsident hat die EU gewarnt, ihre Politik der Piraterie fortzusetzen. Andernfalls werde Russland „spiegelbildlich“ reagieren und ebenfalls Schiffe der Länder festsetzen, die russische Schiffe kapern.

Der Westen ist schon vor einiger Zeit zu offener Piraterie übergegangen. So hat Großbritannien beispielsweise schon 2019 einen iranischen Tanker gekapert, die USA haben 2021 iranische Tanker gekapert und seit 2022 kapern Länder der EU immer wieder Tanker mit russischem Öl. Als Vorwand für diese Piraterie nennen die Länder des Westens ihre Sanktionen, die sie beliebig gegen jedes Land verhängen, dessen Politik ihnen nicht gefällt. Natürlich ist das völkerrechtswidrig, denn die Freiheit der zivilen Schifffahrt ist ein völkerrechtlich hohes Gut, das nur durch Sanktionen der UN-Sicherheitsrates eingeschränkt werden kann, nicht aber durch von einzelnen Ländern einseitig und willkürlich verhängte Sanktionen.

Diese fortgesetzte Piraterie, die derzeit vor allem die EU betreibt, ist gefährlich, weil das schon einige Male dazu geführt hat, dass russische Kriegsschiffe oder Kampfflugzeuge Handelsschiffen zur Hilfe kommen mussten, die von Kriegsschiffen aus EU-Staaten bedrängt wurden.

Im Juni hat Großbritannien einen Tanker mit russischem Öl festgesetzt und darüber nachgedacht, die Ladung zu verkaufen und den Erlös der Ukraine zukommen zu lassen. Inzwischen will auch die EU so verfahren.

Darauf hat der russische Präsident Putin vor zwei Tagen bei einem Besuch der russischen Pazifikflotte reagiert, als er an die Adresse der EU sagte:

„Es gibt noch ein Problem, auf das ich aufmerksam machen möchte. Der Kommandeur erwähnte soeben die Eskortierung unserer Schiffe im Verantwortungsbereich der Pazifikflotte. Ich möchte Sie auf die jüngsten Beschlüsse der EU aufmerksam machen. Wir sehen, dass die Regierungen einiger Länder unter Verstoß gegen das Internationale Seerecht versuchen, die friedliche Bewegung der Schiffe unserer Wirtschaftsakteure einzuschränken und kürzlich sogar daran gedacht haben, unsere Schiffe zu beschlagnahmen und das gestohlene Gut zu verkaufen. Das ist natürlich nichts anderes als Piraterie und Raub. Sollte das umgesetzt werden, sind wir gezwungen, spiegelbildlich zu reagieren. Und zwar nicht unbedingt in den Gewässern, in denen Angriffe auf unsere Schiffe geplant werden, sondern überall dort, wo wir es für notwendig und angemessen halten, auch innerhalb des Verantwortungsbereichs der Pazifikflotte. Ich bitte Sie, das zu beachten. Der entsprechende Befehl wurde dem Verteidigungsministerium gegeben und ist, wie ich weiß, auch dem Kommando der Pazifikflotte übermittelt worden.“

Heute hat sich auch der russische Außenminister Lawrow dazu geäußert und die Warnung von Putin wiederholt:

„Die EU hat das schon vor langer Zeit erfunden. Es wird in keinem Dokument erwähnt. Die EU hat entschieden, ihr eigenes Recht, wenn man Brüssels illegale Enteignungen überhaupt als Recht bezeichnen kann, anzuwenden, um Russlands Möglichkeiten, auf den Weltmärkten Geld zu verdienen, einzuschränken und Russland faktisch den Handel mit Energieträgern verboten. Alle Schiffe, egal unter welcher Flagge, die nicht auf die EU hören, werden zur „Schattenflotte“ erklärt. Das ist ein sehr gefährlicher Weg, denn sie behaupten, ihre Entscheidungen stünden über dem Völkerrecht. Sie haben sich nicht nur erlaubt, Schiffe anzuhalten und zu inspizieren, sondern auch die Ladung zu beschlagnahmen und zu verkaufen, um Einnahmen zu generieren und diese an die Ukraine weiterzuleiten, damit die ihr Nazi-Regime weiter festigen kann. Putin hat ganz klar und ruhig erklärt, dass wir auf diesen Raub, auf diese Piraterie spiegelbildlich reagieren und unsere Ziele selbst aussuchen werden. Die Ziele werden Schiffe sein, die im Interesse von Ländern operieren, die Raub und Piraterie zu ihrer offiziellen Politik erklärt haben.“

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War der Drohnenvorfall von Leipzig ein Versuch der Einmischung in die anstehenden Wahlen?

Von Thomas Röper – 13. August 2026

Nun berichten auch deutsche Medien über Unstimmigkeiten bei dem Drohnenvorfall vom Leipzig. Sie erwähnen nun, dass auch die Ukraine als Täter in Frage kommt, meinen aber, die hätte kein wirkliches Motiv. Stimmt das?

In der Zeit ist ein Artikel erschienen, der über neue Informationen über den Drohnenvorfall von Leipzig berichtet, der seit einer Woche Schlagzeilen macht. Während deutsche offizielle Stellen sich über die Frage der Täterschaft bedeckt halten, suggerieren deutsche Medien, dass Russland hinter dem Vorfall steckt, weil es ukrainische Transportflugzeuge angreifen wollte, die in Leipzig stationiert und an den Waffenlieferungen an die Ukraine beteiligt sind.

Der Artikel aus der Zeit berichtet nun von mindestens einer Explosion, über die bisher nichts bekannt war. Demnach haben Zeugen sie vier Stunden vor der Entdeckung der Drohne auf dem Flugplatz gehört, just zu dem Zeitpunkt, an dem die Drohne – wie man inzwischen weiß – auf das Gelände des Flugplatzes geflogen ist.

An dem Vorfall ist einiges merkwürdig, worauf ich schon in meinem ersten Artikel darüber hingewiesen habe. Warum hat jemand die Drohne gegen 19.30 Uhr auf den Flugplatz geflogen und sie dort gelassen, bis sie etwa vier Stunden später von einem Busfahrer entdeckt wurde? Selbst wenn es einen Versuch gab, die Drohne in einen Flügel einer der ukrainischen Transportmaschinen zu steuern, sie dabei aber nicht explodiert ist, weil der Zünder anscheinend nicht funktioniert hat, hätte ein Täter die Drohne doch vom Flugplatzgelände weggeflogen, denn im Falle einer Entdeckung der unbeschädigten Drohne könnte man die Täter recht leicht ermitteln. So macht die Geschichte jedoch den Eindruck, als hätten die Täter gewollt, dass die Drohne erstens keinen Schaden anrichtet und dass sie zweitens unbeschädigt gefunden wird.

Auch die Geschichte mit dem Busfahrer ist merkwürdig, denn sie wurde mehrfach verändert. Zuerst soll er die Drohne im Flug erwischt und mit einem Schlag zu Boden befördert haben. Dann soll die Drohne über dem Boden geschwebt sein und er habe sie mit einem Tritt außer Gefecht gesetzt. Nun lag die Drohne bereits am Boden und er hat einfach nur auf sie draufgetreten, wobei man sich fragt, wieso jemand freiwillig auf eine Drohne treten sollte, die am Boden liegt und einen verdächtigen Behälter trägt, in dem der Sprengstoff war.

Hinzu kommen nun noch die ungeklärte Explosion, über die die Zeit berichtet, und die Durchsuchung eines nahegelegenen verlassenen Dorfes durch die Polizei, wovon wir ebenfalls aus der „Zeit“ erfahren.

Die „Zeit“ stellt nun fest, dass die Bauart der Drohne und auch der von ihr mitgeführte militärische Semtex-Sprengstoff darauf hindeuten, dass hinter dem Vorfall ein Staat steht. Die „Zeit“ nennt als mögliche Verdächtige die Ukraine und Russland, dass auch die Bundesregierung, also Deutschland, in Frage kommt, erwähnt die Zeit nicht.

Schauen wir uns also einmal an, wie die Zeit argumentiert und welcher Staat welche Motive hatte.

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Mauerbau 1961: Verschwiegene Ursachen und Hintergründe

Von Thilo Gräser – 13. August 2026

Berlin im August 2026: Die Steine in der Straße zeichnen nach, wo hier, vorm „Checkpoint Charlie“ in der Friedrichstraße, die „Mauer“ verlief (Foto: Tilo Gräser)

Vor 65 Jahren, am 13. August 1961, hat die DDR die Grenze zur BRD und zu Westberlin gesichert, auch durch den Bau der sogenannten Mauer. Das wird dem untergegangenen Land bis heute vorgeworfen. Die internationalen Ursachen für das Ereignis werden oft übersehen, verschwiegen oder verdreht. Eine Spurensuche.

Wie jedes Jahr wird in den medialen Beiträgen und offiziellen Reden zum 65. Jahrestag des „Mauerbaus“ ein Zitat des damaligen DDR-Partei- und Staatschefs Walter Ulbricht wiederholt, das zum geflügelten Wort wurde: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Auch dieses Mal wird zwar wiedergegeben, was Ulbricht am 15. Juni 1961 auf einer Pressekonferenz auf eine Frage der Journalistin Annemarie Doherr antwortete – aber nicht, was er hinzufügte. Ein Beispiel dafür liefert seit Jahren der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) auf seinem Online-Portal „Die Berliner Mauer“. Im Video der damaligen Pressekonferenz ist nur noch kurz zu hören, dass der DDR-Staatschef weiterredet. Doch was er sagt, geht im Off-Kommentar „Ulbrichts Worte werden zur Lüge des Jahrzehnts“ unter.

So wird bewusst ein Detail weggelassen, das helfen könnte, die Ereignisse von damals zu verstehen. Darauf machte der ehemalige Ulbricht-Mitarbeiter Herbert Graf (2019 verstorben) vor einigen Jahren in einem Gespräch mit dem Autor des Beitrages aufmerksam. Graf war damals Leiter der Hauptabteilung Staatsorgane im Staatsrat der DDR und aktiv in die Ereignisse um den Bau der Mauer 1961 einbezogen. In seinem 2011 veröffentlichten Buch „Interessen und Intrigen: Wer spaltete Deutschland?“ hat er die ganze Antwort Ulbrichts an Doherr, Korrespondentin der Frankfurter Rundschau, zitiert:

„Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten. Ich habe vorhin schon gesagt: Wir sind für vertragliche Beziehungen zwischen Westberlin und der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik. Das ist der einfachste und normalste Weg zur Regelung dieser Fragen.“

Aber nur die ersten acht Worte werden immer wieder gebracht und danach das Zitat abgebrochen. Weggelassen werde ebenso, worum es Wochen vor dem Mauerbau ging, sagte Graf:

„Im Zentrum stand die Forderung nach einem Friedensvertrag für Deutschland, verbunden mit der damals international erörterten Idee der Schaffung einer entmilitarisierten Freien Stadt Westberlin.“

Die vielzitierte Antwort sei gegeben worden, nachdem die Veranstaltung schon mehrere Stunden lief. Und: „Zu dem Zeitpunkt, als Ulbricht auf der Pressekonferenz sprach, war die letzte Entscheidung, was passiert, noch nicht getroffen. Niemand wusste, was wir machen.“ Der DDR-Partei- und Staatschef sei immer für eine Verhandlungslösung der Probleme um Westberlin gewesen, „und nicht für eine Mauer-Lösung“. Die sei erst später gekommen. In einem Vortrag zum Thema hatte Graf erklärt:

„Das vorrangige Ziel dieser seit Jahrzehnten laufenden und sich zunehmend verstärkenden Medienkampagne ist es, Ursachen und Folgen der Berliner Mauer wahrheitswidrig dem Sozialismus, der Sowjetunion und der DDR anzulasten.“

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