Auf der Suche nach Alternativen

Von German-Foreign-Policy.com – 13. Januar 2026

Merz in Indien: Der Bundeskanzler will die Wirtschaftsbeziehungen stärken – gegen China –, die Rüstungsbeziehungen ausbauen – gegen Russland – und die allgemeine Kooperation mit New Delhi stärken, als Teilalternative zu den USA.

Deutschlands Machtkämpfe mit China, mit Russland und ansatzweise mit den USA prägen die aktuellen Gespräche von Bundeskanzler Friedrich Merz in Indien. Einerseits ist Merz bemüht, den deutschen Handel mit Indien und die Investitionen dort zu stärken, um eine Alternative zum Chinageschäft zu schaffen und New Delhi gegenüber Beijing aufzuwerten. Andererseits strebt der Bundeskanzler eine Ausweitung der deutschen Rüstungsexporte an – nicht bloß, um den Absatz der deutschen Waffenschmieden zu erhöhen, sondern auch, um den Anteil russischer Rüstungsgüter in den indischen Streitkräften zu reduzieren. Bisher gelingt es freilich nicht, Moskaus Einfluss in New Delhi zu brechen – auch nicht auf militärischer Ebene: Beide Staaten führen weiterhin gemeinsame Kriegsübungen durch, jüngst im Oktober 2025 in Indien („Indra-2025“). Merz und Indiens Premierminister Narendra Modi verhandelten nun etwa über die Lieferung deutscher U-Boote für sieben Milliarden Euro. Der Ausbau ihrer Beziehungen soll beide Länder nicht zuletzt unabhängiger von den Vereinigten Staaten machen, die etwa mit Zöllen und mit anderen Repressalien sowohl Deutschland als auch Indien ernstlich schädigen.

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Die Fälschung der Geschichte und die Bedeutung der Kultur

Von Wolfgang Bittner – 12. Januar 2026

Die hier folgende historische und kulturelle Analyse der geopolitischen Situation, insbesondere was die Aktivitäten der USA betrifft, kann mit Worten nicht deutlich genug zum Lesen empfohlen werden! Nicht zuletzt die jungen Leute, die von der Geschichte der letzten 200 Jahre kaum eine Ahnung haben, sollten die hier folgenden Ausführungen des geschichts- und kulturbewussten Autors Wolfgang Bittner mit großer Aufmerksamkeit lesen und beherzigen! Globalbridge ist dankbar, Wolfgang Bittner seit Juni 2023 zu seinen Autoren zählen zu können! (cm)

Wenn wir in die Geschichtsbücher schauen, erfahren wir zumeist nur das, was wir erfahren dürfen und wissen sollen. Ein jüngeres Beispiel dafür ist die Darstellung des Ukraine-Konflikts. Angeblich hat er im Februar 2022 begonnen, als die russische Armee in das Nachbarland einmarschierte. Die Vorgeschichte wird verschwiegen, nach vorherrschender Meinung handelt es sich um einen unprovozierten „brutalen Angriffskrieg“, einen Überfall auf ein souveränes, demokratisch regiertes Land.

Nur beiläufig wird ein „Regierungswechsel“ erwähnt, der 2014 stattfand. In Wikipedia heißt es dazu: „Im Februar 2014 brach infolge der Annexion der Krim durch Russland und des Krieges im Donbas ein bis heute andauernder Konflikt zwischen beiden Ländern aus. Die Krim und Teile des Donbas befinden sich seither unter russischer Kontrolle. (…) Am 24. Februar 2022 begann der Überfall auf die Ukraine…“[1]

Dass es sich 2014 in Wirklichkeit um einen von ausländischen Kräften organisierten, lange vorbereiteten blutigen Putsch gehandelt hat, erfährt der Geschichtsbeflissene bestenfalls aus geächteten Büchern sowie den sogenannten alternativen Medien und deren Berichterstattung im Internet und bei YouTube, soweit das nicht als „Desinformation“ oder „Fakenews“ gelöscht wird. KI wird in erheblichem Maße dazu beitragen, die Weltgeschichte im Sinne fanatisch vertretener Meinungen und Ideologien zu fälschen.

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Der Amokläufer und sein Kumpan

Von German-Foreign-Policy.com – 12. Januar 2026

Die Bundesregierung schweigt zu den zunehmenden globalen Gewaltverbrechen der Trump-Administration. US-Präsident Trump sieht sich nicht mehr an das Recht, sondern nur noch an seine „Moralität“ gebunden und bedroht nun Kuba und Iran.

Die Bundesregierung schweigt weithin zu dem globalen Amoklauf der Trump-Administration mit einer steigenden Zahl an Gewaltverbrechen gegen fremde Staaten und signalisiert partielle Zustimmung. US-Präsident Donald Trump hat in der vergangenen Woche bestätigt, er sehe sich nicht an internationales Recht, sondern lediglich an seine „eigene Moralität“ gebunden. Trump äußerte dies nach dem Angriffskrieg gegen Venezuela und der Verschleppung seines Präsidenten; zudem drohte er mit einer Erdölblockade gegen Kuba und mit einem zweiten Angriffskrieg gegen Iran. In Kuba zieht Trump die Ernennung von US-Außenminister Marco Rubio zum Präsidenten in Betracht – und damit den Umbau des Landes in ein US-Protektorat. Begleitend fordert er, den US-Militäretat um rund zwei Drittel auf 1,5 Billionen US-Dollar aufzustocken – rund 55 Prozent aller weltweiten Militärausgaben im Jahr 2024. Die ungehemmt verübten Verbrechen gegen fremde Länder ähneln auf internationaler Ebene den Amokläufen mit zahllosen Todesopfern, von denen die USA regelmäßig erschüttert werden. Berlin erklärt die Lage auch weiterhin für „komplex“; Außenminister Johann Wadephul fordert, gegen Iran müsse der Westen „zusammenstehen“.

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Die „Trump-Doktrin“ ist geprägt von Elbridge Colbys „Strategie der Verweigerung“

Von Andrew Korybko – 12. Januar 2026

Bei der „Trump-Doktrin“ geht es darum, dass die USA ihre militärische Überlegenheit gegenüber China aufrechterhalten und gleichzeitig China den Zugang zu den Energien und Märkten verweigern, die es benötigt, um sein Wachstum und damit seinen Weg zur Supermacht fortzusetzen.

Die Großstrategie von Trump 2.0 ist im letzten Monat viel deutlicher geworden, seit die USA an Weihnachten in Nigeria ISIS bombardiert, ihre erstaunlich erfolgreiche „spezielle Militäroperation“ in Venezuela durchgeführt haben und nun unter dem Vorwand, regierungsfeindliche Demonstranten zu unterstützen, mit neuen Angriffen gegen den Iran drohen. Was diese drei Staaten gemeinsam haben, ist ihre wichtige Rolle in der globalen Energieindustrie, sei es aktuell oder potenziell (aufgrund von sanktionsbedingten Einschränkungen), sowie in Chinas Belt & Road Initiative (BRI).

Dementsprechend würde die Nötigung dieser Länder, sich den USA unterzuordnen (sei es durch Zölle, Gewalt, Subversion usw.), dazu führen, dass Trump 2.0 Einfluss auf ihre Energieexporte und Handelsbeziehungen erhält, was als Druckmittel gegen China eingesetzt werden könnte. Was die USA von China wollen, ist, dass es einem einseitigen Handelsabkommen zustimmt, das dann mit der EU und den anderen Partnern der USA repliziert würde, um, wie es in der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie heißt, „Chinas Wirtschaft wieder in Richtung des privaten Konsums auszubalancieren”.

Das implizite Ziel besteht darin, China zu zwingen, seine Überproduktion zu korrigieren, die für seine beispiellosen weltweiten Exporte verantwortlich ist, welche die führende Rolle des Westens im Welthandel verdrängt und zu einem enormen Einfluss auf den Globalen Süden geführt haben, um so den globalen Marktanteil und Einfluss des Westens wiederherzustellen. Eine solch radikale Politikänderung hätte erhebliche wirtschaftliche und damit politische Auswirkungen, die das Land destabilisieren könnten, ganz zu schweigen davon, dass sie seinen Aufstieg zur Supermacht beenden würde, weshalb sie nicht freiwillig erfolgen würde.

Der Einfluss der USA auf die Energieexporte Venezuelas und möglicherweise bald auch des Iran und Nigerias sowie auf deren Handelsbeziehungen mit China könnte durch Drohungen mit Einschränkungen oder Unterbrechungen als Druckmittel eingesetzt werden, parallel dazu könnte Druck auf die Verbündeten am Golf ausgeübt werden, dasselbe zu tun, um dieses Ziel zu erreichen. Dies könnte jedoch nicht ausreichen, um Chinas Kapitulation sicherzustellen. Aus diesem Grund strebt Trump 2.0 auch eine ressourcenorientierte strategische Partnerschaft mit Russland an, die China den Zugang zu den Lagerstätten versperren könnte, in die die USA in diesem Szenario massiv investieren würden.

Die Gegenleistung für die Zuführung von Milliarden von Dollar in die russische Wirtschaft, unter anderem durch die mögliche Rückgabe eines Teils der geschätzten 300 Milliarden Dollar an eingefrorenen Vermögenswerten für diesen Zweck, besteht darin, dass Russland einige seiner sicherheitspolitischen Ziele in der Ukraine aufgibt. Das ist für Putin inakzeptabel, weshalb er Trumps Vorschlag bisher abgelehnt hat. Dennoch können die USA auch ohne die faktische (wenn auch unbewusste) Rolle Russlands in ihrer Großstrategie weiterhin mit traditionellen militärischen Mitteln Druck auf China ausüben.

Wie Michael McNair in seinem Artikel über „Die Brücke im Zentrum des Pentagon“ feststellt, ist die Wiederherstellung des Einflusses der USA auf die westliche Hemisphäre „eine Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der Machtprojektion im indopazifischen Raum“ für den oben genannten Zweck, was mit dem Rahmenkonzept von Elbridge Colby übereinstimmt. Er ist Unterstaatssekretär für Politik im Verteidigungsministerium und setzt aktiv die Ideen um, die er in seinem 2021 erschienenen Buch mit dem Titel „The Strategy of Denial: American Defense in an Age of Great Power Conflict“ (Die Strategie der Verweigerung: Amerikanische Verteidigung im Zeitalter großer Machtkonflikte) vorgestellt hat.

McNair argumentiert überzeugend, dass die neue Nationale Sicherheitsstrategie Colbys Handschrift trägt, was angesichts seiner Position sinnvoll ist, und erklärt, wie die Großstrategie von Trump 2.0 von seiner Arbeit geprägt ist. Er schreibt: „Colbys Kernaussage lautet, dass die Strategie der USA im 21. Jahrhundert darauf abzielen sollte, China daran zu hindern, die Vorherrschaft über Asien zu erlangen. Der Rest seines Konzepts ergibt sich aus diesem Punkt.“ Genau das ist das Ziel der „Trump-Doktrin“, die in letzter Zeit viel klarer geworden ist.

Die Wiederherstellung des Einflusses der USA auf die westliche Hemisphäre, deren Politik als „Festung Amerika“ bezeichnet werden kann, würde ihnen die Ressourcen und Märkte verschaffen, die erforderlich sind, um das Verteidigungsbudget um über 50 Prozent von fast einer Billion Dollar auf 1,5 Billionen Dollar zu erhöhen, wie Trump gerade angekündigt hat. Die drastisch gesteigerte militärisch-industrielle Produktion der USA würde dann dazu dienen, China militärisch dazu zu zwingen, sich den USA durch die zuvor erwähnten handelsbezogenen Mittel zu unterwerfen.

Bei der „Trump-Doktrin“ geht es daher um die anhaltende militärische Überlegenheit der USA gegenüber China und darum, die USA in eine Position zu bringen, in der sie China den Zugang zu den Energien und Märkten verweigern können, die es zur Aufrechterhaltung seines Wachstums und damit seines Aufstiegs zur Supermacht benötigt. Ersteres wird durch Zölle und die Gewinne aus der „Festung Amerika“ vorangetrieben, während Letzteres durch die Unterordnung der EU, den Druck auf die Golfstaaten und die Nötigung strategischer BRI-Partner (Venezuela, Iran, Nigeria usw.) zur Unterwerfung gefördert wird.

Alles, was Trump 2.0 bisher getan hat, steht im Einklang mit diesen Erfordernissen und Vorgehensweisen, einschließlich politischer Maßnahmen, die nicht erfolgreich waren, wie der Versuch der USA, Indien zu unterwerfen, und die Bemühungen, eine ressourcenorientierte strategische Partnerschaft mit Russland auf Kosten seiner sicherheitspolitischen Ziele in der Ukraine zu schließen. Selbst Trumps Hass auf die BRICS-Staaten ergibt aus dieser Perspektive Sinn, da er und sein Team sie als eine von China dominierte Front zur Internationalisierung des Yuan und zur Schwächung des Dollars betrachten.

Zusammenfassend besteht die Großstrategie der USA, wie sie in der von Colby beeinflussten „Trump-Doktrin“ zusammengefasst wird, darin, China zur Unterordnung zu zwingen. Dies soll durch eine Reagan-ähnliche militärische Aufrüstung mit den AUKUS+-Verbündeten sowie durch Maßnahmen erreicht werden, die China den Zugang zu Energie und Märkten verwehren. Das Endziel ist die Wiederherstellung der unipolaren Hegemonie der USA, zunächst über Amerika, dann über den globalen Westen (EU, Golfstaaten und Verbündete im indopazifischen Raum), den globalen Süden und schließlich China, wobei Russland zu einem Juniorpartner degradiert würde.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache]

Pressekonferenz zum Solidaritätsaufruf gegen die EU-Sanktionierung von Jacques Baud: „Es reicht!“

Von der NDS-Redaktion – 12. Januar 2026

Am 8. Januar stellten der Journalist Patrik Baab, die BSW-Politikerin Sevim Dagdelen sowie die Friedensaktivistin Laura von Wimmersperg den internationalen Solidaritätsaufruf gegen die EU-Sanktionierung des in Belgien lebenden Schweizer Militäranalysten Jacques Baud vor. Dieser wurde von zahlreichen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Medien unterzeichnet. Die politische Breite der Unterzeichner reicht vom Vorsitzenden der DKP über prominente BSW-Vertreter bis zum ehemaligen Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen. Auch der Politikwissenschaftler Prof. Dr. John J. Mearsheimer sowie der Pink-Floyd-Musiker Roger Waters setzten ihre Unterschrift unter den Aufruf. Die NachDenkSeiten kommentieren die Pressekonferenz in voller Länge.

Hintergrund

In ihrem jüngsten Sanktionspaket hat die EU den Militärhistoriker und ehemaligen Oberst der Schweizer Armee sowie des Schweizer Strategischen Nachrichtendienstes mit umfassenden Sanktionen belegt: Ein- und Ausreiseverbot aus dem EU-Raum, das heißt, er darf Belgien nicht mehr verlassen und alle seine Konten in der EU wurden blockiert. Begründung: Seine Analysen zur Entwicklung des Ukraine-Krieges stimmen nicht mit den etablierten Narrativen in der EU einher.

Unterzeichnen kann man den Aufruf hier: free-baud.org

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Israel ermordet 14 Palästinenser, während Trump imperialistischen „Friedensrat“ für Gaza vorbereitet

Von Kevin Reed – 12. Januar 2026

Am Donnerstag und Freitag wurden innerhalb von 24 Stunden bei israelischen Angriffen im Gazastreifen mindestens 14 Palästinenser getötet, darunter auch Kinder. Die Angriffe erfolgten unter dem Vorwand der Reaktion auf einen „gescheiterten Raketenstart“ von palästinensischen Aufständischen. Sie richteten sich gegen Flüchtlingsfamilien, die in Zeltlagern und Schulen untergebracht waren, sowie gegen Wohngebiete in Gaza-Stadt.

Laut palästinensischen Sanitätern wurden bei diversen israelischen Angriffen am Donnerstag 14 Palästinenser getötet. Die Israelischen Verteidigungskräfte (IDF) behaupten, die Angriffe hätten einer Raketenabschussrampe und „terroristischer Infrastruktur“ gegolten, nachdem sie eine aus dem Gebiet von Gaza-Stadt abgefeuerte Rakete entdeckt hatten, die ihr Ziel verfehlt hatte und neben einem Krankenhaus innerhalb des Gazastreifens einschlug. Israel bezeichnete den Raketenabschuss als Verstoß der Hamas gegen den Waffenstillstand.

In einer von mehreren westlichen Medien übernommenen Formulierung behauptete die IDF, diese Angriffe seien eine legitime Reaktion auf ein von palästinensischen Aufständischen abgefeuertes „fehlgeschlagenes Geschoss“ gewesen. Das gleiche Narrativ diente auch als Rechtfertigung für frühere Verbrechen wie die Bombardierung des al-Ahli-Krankenhauses in Gaza im Jahr 2023 und andere Angriffe, die später als israelische Kriegsverbrechen entlarvt wurden.

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Wie Trump alte Ölkonflikte zum Kriegsargument gegen Venezuela macht

Von La Tabla Blog (Übersetzug: Hans Weber) – 4./11. Januar 2026

Die kriegerische Rhetorik des US-Präsidenten Donald Trump, der Venezuela beschuldigt, Öl und Vermögenswerte der USA „gestohlen” zu haben, ist nicht neu. Sein unmittelbares Ziel ist es, die Seeblockade und den aktuellen Militäreinsatz zu rechtfertigen, doch sein Argument geht auf einen bestimmten und weitgehend gelösten Handelskonflikt zurück: die Umstrukturierung der Ölindustrie durch Hugo Chávez im Jahr 2007.

In diesem Jahr vollzog die venezolanische Regierung eine Kehrtwende in der Politik der Öffnung des Ölsektors der 90er-Jahre, indem sie verfügte, dass Projekte mit ausländischem Kapital auf das Modell gemischtwirtschaftlicher Unternehmen umgestellt werden mussten, wobei die staatliche PDVSA die Mehrheit der Anteile und die operative Kontrolle behalten sollte.

Während Unternehmen wie Chevron über ihren Verbleib als Minderheitspartner verhandelten, lehnten ExxonMobil und ConocoPhillips die neuen Bedingungen ab. Der Staat übernahm die Kontrolle über ihre Vermögenswerte, was beide Unternehmen als Enteignung bezeichneten.

Der Mechanismus zur Beilegung solcher Streitigkeiten, die internationale Schiedsgerichtsbarkeit, hat bereits funktioniert. Das Internationale Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (ICSID) entschied zugunsten der Ölkonzerne und verurteilte Venezuela dazu, Entschädigungen in Höhe von 1,6 Milliarden US-Dollar an ExxonMobil und rund 8,7 Milliarden US-Dollar an ConocoPhillips zu zahlen.

18 Jahre später greift die Regierung Trump diese Episode wieder auf und ignoriert dabei den bereits abgeschlossenen Charakter des rechtlichen Streits. Indem sie die Sache als „Diebstahl“ darstellt, der eine militärische Reaktion erfordert, verlagert sie den Konflikt aus dem Bereich der Schiedsgerichte in den Bereich der geopolitischen Konfrontation, in dem andere Ziele verfolgt werden – Regimewechsel oder strategische Kontrolle über Ressourcen.

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Die Geopolitik im östlichen Mittelmeerraum wird immer komplexer

Von Andrew Korybko – 11. Januar 2026

Die Spannungen zwischen der Türkei und Pakistan sowie zwischen Israel, Zypern und Griechenland nehmen zu.

Die Stabilität im östlichen Mittelmeerraum kann aufgrund dreier aktueller Entwicklungen nicht mehr als selbstverständlich angesehen werden: 1) der wachsenden Rivalität zwischen der Türkei und Israel im Syrien nach Assad; 2) Israels Plänen, gemeinsam mit Zypern und Griechenland eine schnelle Eingreiftruppe aufzubauen; und 3) der neuen militärischen Beziehungen des türkischen Verbündeten Pakistan zu General Khalifa Haftar im Osten Libyens. Die oben genannten Entwicklungen finden vor dem Hintergrund der Pläne Israels für eine Unterwasser-Gaspipeline durch das östliche Mittelmeer nach Griechenland und der maritimen Ansprüche der Türkei statt, die genau diese Route kreuzen.

Die gemeldete schnelle Eingreiftruppe könnte dementsprechend zur Verteidigung der Eastern Mediterranean pipeline (EastMed) zusammengestellt werden, wenn mit dem Bau begonnen würde, während Pakistan unter dem Deckmantel der Ausbildung von Haftars Streitkräften eine militärische Präsenz in Ostlibyen aufbauen könnte, um die türkischen Streitkräfte in Westlibyen zu ergänzen und Ankara dabei zu helfen, den israelischen Plänen entgegenzuwirken. Uninformierte Beobachter sollten diesen Artikel hier lesen, um mehr über die Annäherung zwischen der Türkei und Haftar zu erfahren, die zuvor Feinde waren, und die die oben genannten maritimen Ansprüche der Türkei vorantreibt.

Das türkisch-pakistanische Tandem (TPT) könnte zumindest zunächst nicht direkt mit Israel wegen der EastMed in Konflikt geraten, da es viel wahrscheinlicher ist, dass die Türkei zunächst Druck auf Syrien ausübt, während Pakistan durch seine potenzielle militärische Präsenz in Ostlibyen (möglicherweise mit Drohnen) für Unruhe auf See sorgt. Das Ziel wäre es, die Spannungen beherrschbar und „plausibel leugbar” zu halten. Das wäre jedoch schwierig, wenn sie das NATO-Mitglied Griechenland ins Visier nehmen würden, was nach hinten losgehen könnte, falls Athen den Block um sich scharen würde.

Aus diesem Grund würde TPT in der ersten Phase wahrscheinlich geringfügige und „plausibel zu leugnende“ hybride Provokationen gegen Israel einsetzen, obwohl zu erwarten wäre, dass Israel dies im Falle eines Falles anprangern würde. Es ist nicht möglich, genau vorherzusagen, was dann folgen würde, aber es reicht aus, zu prognostizieren, dass Israel wahrscheinlich nicht zurückweichen würde, da es dies unter militärischem Druck selten tut. Eine konventionelle Eskalation könnte daher bevorstehen, was wiederum die gesamte Region in Brand setzen könnte, wenn sie außer Kontrolle gerät.

Das Interesse der Türkei, Pakistan in diesen Streit einzubeziehen, würde nicht nur darin bestehen, die Verantwortung für eine Eskalation ihrer maritimen Ansprüche zu verwässern, sondern auch darin, die Unterstützung der einzigen muslimischen Atommacht zu erhalten, um Israel davon abzuhalten, in einer Weise zu reagieren, die einen Krieg zwischen den beiden Ländern riskiert. Pakistan seinerseits wäre wahrscheinlich gerne bereit, gegenüber Israel mit dem Säbel zu rasseln, da dies im Inland gut ankommen würde, aber es möchte verständlicherweise nicht, dass Israel es zu einem konventionellen Krieg oder zum Einlenken zwingt.

Jede ernsthafte Eskalation zwischen TPT und Israel würde mit Sicherheit zu einer diplomatischen Intervention der USA führen, da alle drei Länder enge Partner der USA sind. Welche Seite die USA unterstützen würden, bleibt jedoch unklar. Während Israel einer ihrer wichtigsten Partner ist, könnte die EastMed-Pipeline die neu gewonnene Energiehegemonie der USA über die EU in Frage stellen, sodass argumentiert werden könnte, dass Washington einen Kompromiss bevorzugen würde, bei dem Israel die Türkei mit Gas versorgt, so wie es auch Ägypten versorgen will.

Wenn Syrien den Abraham-Abkommen[von den USA unter Trump 1.0 initiierte Friedensverträge zwischen Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Bahrain, Marokko und dem Sudan; die Red.] beitritt, könnte eine Pipeline durch sein Territorium von Israel zur Türkei gebaut werden, während auch der Libanon einbezogen werden könnte, wenn er ebenfalls dem Abkommen beitritt. Selbst wenn dies nicht geschieht, könnte eine Unterwasserpipeline die Offshore-Gasfelder Israels mit der Türkei verbinden, was ihre komplexe gegenseitige Abhängigkeit stärken und das Konfliktrisiko verringern würde. Aus Sicht Washingtons wäre dies vermutlich das beste Szenario zur Lösung der türkisch-israelischen Spannungen im östlichen Mittelmeerraum.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache]

Gier: Ein Konzern wütet in Erfurt – Politiker schnappatmend und machtlos, Arbeiter werden entlassen und verhöhnt

Von Frank Blenz – 11. Januar 2026

Wie soziale Marktwirtschaft nicht funktioniert, aber Raubtierkapitalismus, dem kein Einhalt geboten wird, zeigt auf beklemmende Weise ein aktuelles Beispiel aus Ostdeutschland: Zalando, ein europaweit aufgestellter Online-Modehändler, macht kurzen Prozess. Der Konzern schließt in diesem Jahr 2026 seinen einzigen ostdeutschen Standort, das Logistikzentrum in Erfurt. Die Unternehmensentscheidung wird eiskalt mit Neuausrichtung und Modernisierung begründet. Dem nicht genug: 2.700 Mitarbeiter in Thüringen werden geradezu verhöhnt. Kein Wort findet sich zur eigentlichen Motivation: unstillbare Gier und noch mehr Profit für ein erfolgreiches Unternehmen. Die Bosse jubelten schon im alten Jahr über kräftige Effizienzgewinne. Sie raten den überflüssig gewordenen Erfurtern, doch umzuziehen, nach Westdeutschland. Dort braucht der Konzern für das neue Logistikzentrum Gießen (Hessen) möglicherweise auch ein paar fleißige Ost-„Zalandos“ für noch mehr Ertrag. Was für ein Zynismus. Ein Zwischenruf von Frank Blenz.

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