Die Ereignisse im Jemen als Dominostein in der Zeitenwende

Von Maike Gosch – 17. September 2026

Die geopolitische Tektonik im Nahen Osten und dem Rest der Welt gerät in Bewegung. Während die Weltöffentlichkeit bei den Ereignissen im Jemen derzeit vor allem auf die explodierenden Erdölpreise und blockierte Handelsrouten blickt, wird die darunter liegende Entwicklung erst langsam klar: Die Ereignisse an der Meerenge Bab al-Mandab sind nicht nur eine Gefahr für die Wirtschaft, sondern der erste Dominostein einer globalen Kettenreaktion. Sie könnte der Katalysator für eine lange aufgestaute und vom Westen verhinderte globale Machtverschiebung sein.

Ende letzter Woche hat die Ansar-Allah-Bewegung (in westlichen Medien meistens als Huthi-Miliz bezeichnet) im Jemen die Stadt Mokka sowie weitere Gebiete und Inseln entlang der Küste erobert und kontrolliert damit nun entscheidende Positionen auf der jemenitischen Seite der Meerenge von Bab al-Mandab. Neben der Straße von Hormus ist sie eines der strategisch wichtigsten „Nadelöhre“ des globalen Seehandels zwischen dem Indischen Ozean und dem Roten Meer – insbesondere für den Transport von Erdöl und anderen Energieträgern. Für Saudi-Arabien ist die Route besonders wichtig, weil über die Ost-West-Pipeline Öl aus den Fördergebieten am Persischen Golf zum Roten Meer transportiert und damit die Straße von Hormus umgangen werden kann. Der weitere Seeweg zu den asiatischen Märkten führt jedoch durch Bab al-Mandab – und damit unmittelbar an von Ansar Allah kontrolliertem Gebiet vorbei. Damit hat eine Bewegung erheblich an strategischem Einfluss gewonnen, die sich nicht nur ausdrücklich mit den Palästinensern solidarisiert, sondern auch eng mit Iran verbündet und Teil der sogenannten „Achse des Widerstands“ ist. Und natürlich stärkt das auch den verbündeten Iran in seinem Krieg gegen die USA und Israel massiv.

Ansar Allah kämpft seit Jahren gegen die von Saudi-Arabien und den USA massiv finanziell und militärisch unterstützte Regierung Jemens, die große Teile des Landes, aber vor allem die dünn besiedelten Gebiete im Osten kontrolliert, während in den von Ansar Allah kontrollierten Gebieten Schätzungen zufolge rund 70 bis 80 Prozent der jemenitischen Bevölkerung leben. Ansar Allah besitzt auch große Unterstützung in der Bevölkerung, da sie als nationale Befreiungsbewegung gesehen wird. Insbesondere Ansar Allahs Einsatz für die Palästinenser und gegen den Völkermord in Gaza hat der Bewegung zusätzliche Sympathie im Land verschafft.

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Schließung des Russischen Hauses in Berlin: Ein Schlag gegen die Kultur im Dienst des Krieges

Von Katja Rippert – 15. September 2026

Das Russische Haus an der Friedrichstraße in Berlin, 8. September 2026

„Мы закрыты – wir sind geschlossen.“ Es ist Dienstag, der 8. September. Ein Sicherheitsmitarbeiter weist alle paar Minuten Besucher ab, die sich das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur an der Berliner Friedrichstraße anschauen wollen. Nur das Café mit russischen Spezialitäten hat noch geöffnet. Ansonsten ist es dunkel und menschenleer in der riesigen Kultureinrichtung im Herzen Berlins.

Es ist ein schwerer Schlag für die Kultur: Das Russische Haus, das 1984 in der DDR als „Haus der Sowjetischen Wissenschaft und Kultur“ gegründet wurde und über Jahrzehnte ein zentraler Ort des deutsch-russischen Kulturlebens war, steht vor dem Aus. Auch die offizielle Website des Hauses ist mittlerweile abgeschaltet.

Am 1. September hat die Bundesregierung das deutsch-russische Kulturabkommen von 2011 gekündigt und damit den Vertrag für den Betrieb des Russischen Hauses zum Juni 2027 beendet. Als Vorwand nutzte sie den Drohnenfund am Leipziger Flughafen, für den sie ohne stichhaltige und nachprüfbare Beweise Russland verantwortlich macht. Der Vorwurf dient einer erneuten Verschärfung der Propaganda, um die Bevölkerung auf den Kriegskurs gegen Russland einzuschwören.

Auch das russische Generalkonsulat Bonn muss bis zum 18. September schließen. 2023 hatte die deutsche Regierung bereits die Schließung der vier russischen Konsulate in Frankfurt, Hamburg, Leipzig und München erzwungen. Damit sind alle fünf Konsulate und das Russische Haus geschlossen – es bleibt nur noch eine einzige offizielle diplomatische Verbindung zu Moskau: die Botschaft in Berlin.

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Musterschüler der Eskalation: Wie die SPD zur US-Vasallen- und Aufrüstungspartei mutiert

Von Sevim Dağdelen – 16. September 2026

Pistorius eilt nach Washington, unterschreibt Rüstungsdeals und hört nur Lob. Die SPD, einst Partei von Brandts Ostpolitik, schreibt Deutschland in die US-Konzeption einer NATO 3.0 ein und schiebt uns in die Feuerlinie gegen eine Atommacht„Wer Verteidigungsminister Boris Pistorius nach dem Treffen mit seinem Amtskollegen Pete Hegseth zuhörte, konnte fast den Eindruck gewinnen, die beiden Minister seien beste Freunde geworden“, berichtet die Tagesschau aus Washington. Dabei geht es um Deutschlands Beitrag dazu, die Dinge in Europa zu eskalieren.

Es scheint eine ferne Zeit zu sein, in der die SPD einst für Dialog und Versöhnung mit unseren europäischen Nachbarn stand. „Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts“ – das war das Credo von Bundeskanzler Willy Brandt mit einer Ostpolitik, die auf Interessenausgleich und Diplomatie setzte. Eine eigenständige Politik der Annäherung gen Osten war zugleich auch ein Stück Souveränitätsgewinn gegenüber den USA.

In diesen Tagen erleben wir eine völlige Abkehr von diesen Erkenntnissen. Die SPD positioniert sich als Teil der Merz-Regierung gegen den erklärten Feind Russland im Osten. Während selbst die USA teilweise den Dialog mit Moskau wagen, ist aus Berlin lediglich die Ansage zu hören, in wenigen Jahren die größte Armee Europas aufstellen zu wollen. Die SPD ist dabei in der Koalition die Partei, die scheinbar am willfährigsten Deutschland in die US-Konzeption einer NATO 3.0 einschreiben will. Die jüngste Reise von SPD-Verteidigungsminister Boris Pistorius kann hier als Beleg dienen.

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50 Jahre nach Daimlers Verbrechen

Von Gaby Weber – 16. September 2026

Bild: Gaby Weber

Morde von Mercedes Benz Argentina jetzt vor Gericht.

Am 22. Oktober wird in einem Vorort von Buenos Aires der ehemalige Produktionschef des deutschen Autobauers Mercedes-Benz Argentina (MBA) vor Gericht stehen: Juan Ronaldo Tasselkraut, Jahrgang 1941. Ihm wird die aktive Beteiligung an der Ermordung von 14 Gewerkschaftsaktivisten zur Last gelegt, konkret geht es um die Verhaftung des Arbeiters Héctor Ratto im August 1977 mitten im Betrieb sowie die Weitergabe der privaten Adresse des Gewerkschafters Diego Núñez an die Militärs, die in derselben Nacht Núñez verschleppten, folterten und dann ermordeten. Seine Leiche wurde nie gefunden. Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass während der Diktatur bis zu 30.000 Menschen „verschwanden“.

Ich hatte den Fall 1999 für den WDR recherchiert und in der Welt bekannt gemacht. In Deutschland erstattete der Republikanische Anwaltsvereins Anzeige gegen Tasselkraut wegen Beihilfe zum Mord. Nach mehreren Jahren stellte die Staatsanwaltschaft Nürnberg das Verfahren ein, weil in ihren Augen nicht nachgewiesen wurde, dass die Verschwundenen wirklich tot seien und nicht irgendwann wieder auftauchen.

2004 erhoben die Hinterbliebenen in San Francisco (USA) Klage gegen DaimlerChrysler. Zunächst verneinten die kalifornischen Richter die geographische Zuständigkeit, annullierten jedoch im Mai 2010 ihr eigenes Urteil, und Daimler rief den Obersten Gerichtshof an. Dazu muss man wissen, dass die Richter in den USA vom Volk gewählt werden, lediglich die Obersten Richter von der Exekutive. 2014 hob der Supreme Court brav das Urteil des kalifornischen Berufungsgerichtes auf. „Der Neunte Gerichtsbezirk (San Francisco) hat den Risiken auf die internationalen Gebräuche zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, als er seine allgemeine Zuständigkeit erklärt hat“, hieß es in dem Urteil, eine „allgemeine Zuständigkeit könnte ausländische Investoren entmutigen“.

In Argentinien war 2002 (da galten noch die Amnestiegesetze) Strafanzeige wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung erstattet worden. Beschuldigt wurden, neben den Militärs, der MBA-Manager Tasselkraut, der Gewerkschaftsboss José Rodriguez und Carlos Ruckauf, bis zum Putsch 1976 peronistischer Arbeitsminister. Nach vier Jahren wurden die Ermittlungen aus der Hauptstadt Buenos Aires in den Vorort San Martín abgegeben, wo sie auf dem Schreibtisch der Richterin Alicia Vence landete. Und die tat gar nichts mehr. Die einst mächtige Menschenrechtsbewegung schaute weg und schwieg, denn der deutsche Autobauer verstand sich gut mit der neuen peronistischen Kirchner-Regierung. Im März 2022 stellte Richterin Vence das Verfahren ein. Dagegen legten die Opferanwälte Einspruch ein. Und nach weiteren vier Jahren wird nun das Verfahren doch noch eröffnet. Ich sprach mit Rattos Rechtsanwalt, Pablo Llonto. Er vertritt die Nebenklage.

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Norwegens Aufrüstung gegen Russland stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit in der Arktis dar

Von Andrew Korybko -16.  September 2026

Norwegens militärischer Aufbau gegen Russland nahm bereits Gestalt an, bevor der Ukraine-Konflikt Anfang 2022 eskalierte.

Der russische Botschafter in Norwegen, Nikolai Korchunov, berichtete über den aktuellen Stand der Militarisierung seines Gastlandes, die er bereits vor einigen Monaten ausführlich erörtert hatte, und warnte diesmal, dass „vier südkoreanische K9-Selbstfahrlafetten mit einer Schussreichweite von bis zu 40 km“ in die an Russland angrenzende Provinz verlegt worden seien. Bis 2030 wird erwartet, dass Norwegen bis zu 16 südkoreanische Raketenwerfer mit einer Reichweite von bis zu 500 km stationieren wird, wodurch das Hauptquartier der Nordflotte in Seweromorsk in Reichweite geriete.

Unabhängig davon verurteilte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, die Stationierung von Raketenwerfern durch die USA in Norwegen und wies darauf hin, dass diese Tomahawk-Raketen sowohl gegen Land- als auch gegen Seeziele abfeuern können. Sewermorsk liegt somit bereits in Reichweite der NATO. Diese beiden Erklärungen folgten auf die Beschlagnahmung eines russischen Forschungsschiffs durch Norwegen, die hier als Beitrag zur Festigung einer engeren Zusammenarbeit innerhalb des Wiking-Blocks analysiert wurde – jenem subregionalen Bündnis im Rahmen der NATO 3.0 zwischen Skandinavien, Finnland und den baltischen Staaten.

Bei genauerer Betrachtung sind diese Schritte nur die jüngsten Manifestationen des norwegischen Militäraufbaus gegen Russland, der bereits Gestalt annahm, bevor der Ukraine-Konflikt Anfang 2022 eskalierte und Russland seine militärische Sonderoperation startete. Norwegen verfügte bereits 2018 über mehr als 230 Militär- und Sicherheitsstandorte, wie diese Karte hier zeigt, auf der verzeichnet ist, „wo es illegal ist, Luftbilder oder Videos mit einer Kamera oder anderen Sensoren aufzunehmen“. Im Jahr zuvor, 2017, begann Norwegen mit der Stationierung einer rotierenden Einheit der US-Marines.

Anfang 2021 erhielten die USA Zugang zu vier norwegischen Stützpunkten, darunter zwei am Polarkreis in der Nähe von Russland. Die Zahl hat sich seitdem verdreifacht. Ein halbes Jahrzehnt später: „Zusätzlich zu den zwölf Militärstützpunkten in Norwegen haben die USA in den letzten fünf Jahren ähnliche Vereinbarungen für 35 Militärstützpunkte in Dänemark, Schweden und Finnland geschlossen, sodass die USA (nicht die NATO) nun über 47 Militärstützpunkte in den nordischen Ländern verfügen. Vor zehn Jahren gab es noch keine solchen Stützpunkte.“ Zwei der Stützpunkte in Norwegen ermöglichen zudem das Anlegen von Atom-U-Booten.

Der allgemeine Trend – insbesondere angesichts der jüngsten Entwicklungen im Zusammenhang mit der Beschlagnahmung des russischen Forschungsschiffs in der Arktis durch Norwegen und dessen wachsender Raketenkapazitäten – geht dahin, dass die USA versuchen, einen Teil der begrenzten russischen Streitkräfte auf die nordwestliche Flanke des neuen „Cordon sanitaire“ umzulenken. Damit ist die Eindämmungsschlinge gemeint, die Trump 2.0 im vergangenen Jahr um Russland gelegt hat. Der „Viking-Block“ ist ein wesentlicher Bestandteil davon, da er gleichzeitig Macht in der Arktis und im Baltikum projizieren kann.

Russlands Berichten zufolge erfolgter militärischer Aufbau entlang dieser Front im vergangenen Jahr ist daher eine rein defensive und wohl längst überfällige Reaktion auf das oben Beschriebene. Mehr Luftstreitkräfte, darunter Drohnen und Raketen, sollten vorerst ausreichen, um den rasch wachsenden militärischen Fähigkeiten des von den USA unterstützten „Viking-Blocks“ entgegenzuwirken. In Zukunft könnten jedoch auch mehr Boden- und Seestreitkräfte erforderlich sein. Am wichtigsten ist, dass Russland seine Kräfte zwischen den verschiedenen Fronten des „Cordon sanitaire“ angemessen ausbalanciert.

Neben der arktisch-baltischen Front sind dies Mitteleuropa, der Südkaukasus–Kaspisches Meer–Zentralasien (das eurasische Kernland) sowie Nordostasien, die jeweils von Polen, der Türkei und Japan angeführt werden. Russlands große strategische Herausforderung besteht daher darin, zu verhindern, dass diese vier Teile ihre Eindämmungsmaßnahmen sinnvoll koordinieren, oder, falls dies nicht möglich ist, sie wirksam davon abzuhalten, Aggressionen zu initiieren. Der „Wiking-Block“ ist daher nur ein Teil des größeren Problems, mit dem sich Russland nun auseinandersetzen muss.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Trumps Folterkäfige für Einwanderer: Guantánamo Bay kommt nach Amerika

Von Jacob Crosse – 16. September 2026

Im Konzentrationslager in Florida, das US-Präsident Donald Trump und seine faschistischen Verbündeten „Alligator-Alcatraz“ nennen, werden Einwanderer in metallene Folterkäfige gesperrt. Das ergibt sich aus einem Bericht der internen Kontrollbehörde, dem Office of Inspector General, des US-Heimatschutzministeriums vom 11. September, der am Montag veröffentlicht wurde.

Die Bilder erinnern an die Freiluftkäfige von Guantánamo Bay und an die Isolationskäfige, mit denen die CIA Gefangene in ihren geheimen Gefängnissen folterte. Die kriminellen Methoden, die die USA in ihren jahrzehntelangen Kriegen im Ausland und im „Krieg gegen den Terror“ entwickelt haben, werden nun ins eigene Land übertragen und gegen Arbeiter in Amerika eingesetzt.

Metallfolterkäfige mit einer Fläche von nur 1,67 m², in die Häftlinge des Lagers „Alligator Alcatraz“ eingesperrt werden, 21. Januar 2026 [Photo: DHS Office of Inspector General]

Zwischen dem 17. Juli 2025 und dem 18. Januar 2026 sperrten Mitarbeiter der sogenannten Florida Soft-Sided Facility insgesamt 79 Menschen in Käfige, die etwa 1,2 Meter Seitenlänge und eine Bodenfläche von rund 1,67 m² hatten. Die Betroffenen wurden dort für einige Minuten bis hin zu knapp zwei Stunden festgehalten. Die Inspektoren beschrieben diese Praxis als „etwas, das noch kein Team des Generalinspekteurs zuvor in ICE-Einrichtungen beobachtet hat“, und stellten fest, dass sie „nicht den Standards für eine humane Behandlung entspricht“.

Das Personal bezeichnete die Käfige als „Beruhigungsbereiche“ und behauptete, die Inhaftierten seien nicht darin eingeschlossen gewesen, doch die Inspektoren stellten Verriegelungsmechanismen fest. Aus den Aufzeichnungen der Einrichtung geht hervor, dass mindestens ein Mann 26 Minuten lang in einem Käfig festgehalten wurde, weil er „einer rechtmäßigen Anweisung nicht Folge geleistet“ habe. Ehemalige Gefangene, die im vergangenen Jahr von Amnesty International befragt wurden, bezeichneten den Käfig als „die Box“. Sie seien als Strafmaßnahme darin eingesperrt und am Boden angekettet worden.

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Faktencheck: Putin hat nicht versucht, Boris Johnson und David Petraeus zu ermorden

Von Andrew Korybko – 16. September 2026

Putin hätte sie problemlos beseitigen lassen können, wenn er gewollt hätte, doch stattdessen wollte er signalisieren, dass westliche Würdenträger nicht länger davon ausgehen sollten, sicher in die Ukraine reisen zu können, da Russland im Vorfeld des Winters möglicherweise bald damit beginnen könnte, die ukrainische Verkehrsinfrastruktur in großem Umfang anzugreifen.

Die westlichen Medien sind in Aufruhr nach dem russischen Drohnenangriff am Wochenende auf einen Bahnhof in der Stadt Yagodin an der ukrainisch-polnischen Grenze. Laut CNN „befand sich der ehemalige US-CIA-Direktor David Petraeus gerade an einem ukrainischen Bahnhof, als am Sonntag eine russische Drohne einen Personenzug traf – kurz nachdem ein Diplomatenzug mit dem ehemaligen britischen Premierminister Boris Johnson und anderen ausländischen Würdenträgern dort vorbeigefahren war.“ Dadurch wurde der Angriff irreführenderweise als Attentatsversuch dargestellt.

Es ist höchst unwahrscheinlich, dass der risikoscheue Putin gegen die NATO eskalieren würde, indem er versucht, zwei ehemalige Spitzenpolitiker des Bündnisses zu töten, zumal er solche Anschläge nicht einmal gegen amtierende ukrainische Politiker, allen voran Selenskyj, genehmigt. Zwar war Putin durch Selenskyjs gescheiterte 40-tägige Einflussoperation gezwungen, gegenüber der Ukraine „zu eskalieren, um zu deeskalieren“, doch geschah dies bislang nur in milder Form, mit Angriffen auf Infrastruktur wie Tankstellen, Häfen und Kraftwerke, anstatt wichtige Persönlichkeiten ins Visier zu nehmen.

Vor dem Hintergrund dieser Beobachtungen lässt sich wohl argumentieren, dass Russlands Drohnenangriff auf den Bahnhof von Jagodin kein Attentatsversuch auf diese beiden ehemaligen Spitzenpolitiker aus dem angloamerikanischen Kern der NATO war, sondern eine Botschaft an ihre Länder und ein Signal für das, was noch kommen könnte. Die Botschaft lautete, dass hochrangige Besucher – sowohl ehemalige als auch amtierende – nicht davon ausgehen sollten, dass sie weiterhin sicher in die Ukraine reisen können, was nahtlos in das von Russland gesendete Signal übergeht.

Es war nicht das erste Mal, dass Russland Eisenbahninfrastruktur in der Ukraine oder Ziele an der Grenze zu Polen ins Visier nahm, aber es ist das erste Mal, dass Russland einen Bahnhof an der Grenze angegriffen hat. Diese Strecke ist eine von mehreren, über die 90 Prozent der militärtechnischen Exporte der NATO in die Ukraine gelangen. Russlands Anhänger haben sich gefragt, warum Putin solche Angriffe nicht schon früher genehmigt hat, was möglicherweise auf seine Risikoscheu, zuvor begrenzte Munitionsvorräte und/oder die früheren Luftabwehrsysteme der Ukraine (die mittlerweile fast aufgebraucht sind) zurückzuführen sein könnte.

Auf jeden Fall war es sicherlich kein Zufall, dass Putin diesen jüngsten Angriff auf einen Bahnhof genehmigte, an dem Petraeus kurz nach Johnsons Durchfahrt wartete; es scheint also, als signalisierte er, dass Russland damit beginnen könnte, die ukrainische Verkehrsinfrastruktur in großem Umfang ins Visier zu nehmen. Dies könnte über Bahnhöfe hinausgehen und auch Autobahnen sowie Brücken über den Dnjepr umfassen. Das Ziel wäre es, die militärische Logistik der NATO in die Ukraine zu behindern und gleichzeitig den Transit von Waffen an die Front zu erschweren.

Der Angriff vom Sonntag zeigt, dass Russland nun jederzeit und an jedem beliebigen Ort in der Ukraine Präzisionsschläge durchführen kann. Solange Russland über genügend Munition verfügt – und zumindest an Drohnen scheint es derzeit keinen Mangel zu geben –, könnte dies auf unbestimmte Zeit fortgesetzt werden, um der Ukraine bis zur erwarteten Wiederaufnahme der trilateralen Gespräche mit den USA im nächsten Monat erhebliche einseitige Zugeständnisse abzuringen. Putins Eskalation könnte auch darauf abzielen, Selenskyjs angedrohte Schließung des russischen Luftraums zu verhindern.

Die Schlussfolgerung lautet, dass sich die militärstrategische Dynamik erneut zugunsten Russlands entwickelt, nachdem im Sommer durch Trumps Entscheidung, durch einen von der Ukraine geführten „Zermürbungskrieg“ gegen Russland „zu eskalieren, um zu deeskalieren“, eine gewisse Unsicherheit entstanden war. Sollte die Ukraine nicht bald ein (möglicherweise von den USA vermitteltes) Abkommen mit Russland schließen, könnte dieser Winter der bisher schwierigste für sie werden, woraufhin sie schließlich gezwungen sein könnte, vor Russland zu kapitulieren – es sei denn, die NATO riskiert einen Dritten Weltkrieg, indem sie direkt eingreift, um dies zu verhindern.

Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Russische Drohne trifft ukrainischen Zug – Boris Johnson und westliche Regierungsvertreter entkommen nur um wenige Minuten

Von Robert Stevens – 16. September 2026

Am Sonntag gegen 5 Uhr morgens zerstörte ein Drohnenangriff die Lokomotive eines Personenzugs am ukrainischen Bahnhof Jahodyn, fünf km von der polnischen Grenze entfernt. Der Angriff war Teil eines massiven nächtlichen Beschusses durch das russische Militär, bei dem Hunderte von Drohnen und Raketen auf ukrainische Ziele abgefeuert wurden.

Die Londoner Times berichtet, dass der Angriff eine stehende Lok traf, die bereits vom Personenzug abgekoppelt worden war. Glücklicherweise wurden 206 Fahrgäste kurz vor dem Drohnenangriff aus dem Zug evakuiert, und es wurden keine Opfer gemeldet. Ein fast zeitgleicher russischer Drohnenangriff traf zudem einen Lkw in der Nähe einer Tankstelle unweit des Grenzübergangs Jahodyn–Dorohusk, wobei Trümmer die Tankstelle und mehrere Lkw in Brand setzten.

Der Angriff auf den Bahnhof Jahodyn ereignete sich etwas mehr als eine Stunde, nachdem ein anderer Diplomatenzug den Bahnhof verlassen hatte, der hochrangige westliche Amtsträger beförderte. Sie hatten am Kriegsgipfel der „Yalta European Strategy“ (YES) in Kiew teilgenommen. Zu den Passagieren gehörten der ehemalige britische Premierminister Boris Johnson, der britische nationale Sicherheitsberater Jonathan Powell, der ehemalige schwedische Premierminister Carl Bildt, Günter Sautter, ein hochrangiger Berater des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz; sowie Fabrizio Saggio, diplomatischer Berater und nationaler Sicherheitsberater der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Ebenfalls an Bord befand sich Robin Wagener, ein Abgeordneter der Grünen im deutschen Bundestag.

Ein weiterer Teilnehmer, der ehemalige CIA-Direktor David Petraeus, entging dem Tod jedoch noch knapp – er wurde etwa 15 Minuten vor dem Drohnenangriff auf die Lokomotive neben seinem Zug aus einem dritten Zug am Bahnhof evakuiert. Berichten zufolge befand sich Petraeus noch im Bahnhof Jahodyn und hatte dort Schutz gesucht, als der Personenzug getroffen wurde. Die New York Times berichtet: „Der ehemalige CIA-Direktor konnte die russischen Drohnen über seinem Zug hören, der am Sonntagmorgen auf dem Weg nach Polen gerade die ukrainische Zollkontrolle passiert hatte. Er und andere Fahrgäste wurden schnell evakuiert. Kurz darauf hörte er eine gewaltige Explosion.“ Petraeus stieg später wieder in einen Zug ein und reiste nach Polen weiter.

Der Beschuss war die jüngste Vergeltungsmaßnahme für monatelange ukrainische Angriffe tief im russischen Hoheitsgebiet, die Moskaus Ölraffinerien und Energieinfrastruktur schwer beschädigt haben. Als Reaktion auf die vom Westen unterstützten Angriffe Kiews hat Moskau die ukrainische Eisenbahninfrastruktur, Grenzübergänge und Treibstoffdepots ins Visier genommen.

Russland hat die Verantwortung für den Angriff nicht bestritten. Ein Kreml-Sprecher erklärte am Montag, die russischen Streitkräfte würden ihre Operationen auf ukrainischem Territorium fortsetzen. Das russische Verteidigungsministerium gab an, es habe „Eisenbahninfrastruktur“ getroffen, die zum Transport von Militärgütern aus Europa genutzt werde.

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Internationale Filmfestspiele von Venedig: Naza entlarvt Israels brutale Kriegsmaschinerie gegen palästinensische Zivilisten

Von Stefan Steinberg – 15. September 2026

Naza, ein Dokumentarfilm der israelischen Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor, erhielt bei den diesjährigen Internationalen Filmfestspielen in Venedig den Spezialpreis der Jury.

Der Film enthält Interviews mit zwei Dutzend Angehörigen des israelischen Militärs, die die KI-Systeme und Protokolle erläutern, mit denen Israel Zivilisten in Gaza ins Visier nimmt und tötet. Der Filmtitel Naza ist ein zynisches Akronym, das die Israelischen Streitkräfte (IDF) als Kürzel für die zivilen Opfer verwenden, die sie als Folge ihrer terroristischen Bombenangriffe und Mordanschläge erwarten.

Naza

Als Naza Anfang letzter Woche in Venedig gezeigt wurde, spendete das Publikum mehr als 24 Minuten Applaus – noch länger als der bisherige Rekord von 22 Minuten Standing Ovation, den Die Stimme von Hind Rajab beim letztjährigen Filmfestival erhalten hatte.

Abraham und Szor sind zwei der vier Regisseure von No Other Land, das 2025 den Oscar als bester Dokumentarfilm erhielt. Er schildert die Bestrebungen der israelischen Regierung, Palästinenser im südlichen Westjordanland aus ihren Häusern zu vertreiben.

Am Samstagabend applaudierte das Publikum bei der Abschlussfeier der Filmfestspiele in Venedig erneut lautstark und lang, als Abraham und Szor ihren Preis entgegennahmen. Abraham erklärte in seiner Ansprache an das Publikum:

Zweifellos ist es für uns nicht leicht, hier zu sein. Ich denke an all die Menschen, die israelischen Politiker, die diesen Film angreifen, die Journalisten, die ihn attackieren, ohne ihn überhaupt gesehen zu haben (…) Tatsache ist, dass in den zehn Tagen seit Beginn dieses Films die Israelis mindestens sechs Kinder getötet haben, ein dreijähriges Mädchen in einer Schule und zwei Schwestern, die zu Hause schliefen.

Die Filmkritik in der Süddeutschen Zeitung trug die Überschrift „Wir töten diese Kinder absichtlich.“

Bei seiner Rede in Venedig erklärte Abraham, das Vorgehen der israelischen Geheimdienste, unterstützt von der Regierung in Tel Aviv, ziele auf die „Entmenschlichung der Palästinenser“ ab. Er verurteilte zudem die Tötung von mehr als 200 Journalisten in Gaza durch Israel und erklärte:

Wir glauben, dass das Leugnen eines Verbrechens dazu führt, dass es begangen wird, und deshalb ist es uns wichtig, dass die Israelis diesen Film sehen.

Das Zionistische Regime reagierte auf die Enthüllung eines Teils seiner massiven und historischen Verbrechen – wie zu erwarten – mit wütender Raserei. Kulturminister Miki Zohar forderte, den israelischen Co-Regisseuren von Naza wegen „Hochverrats“ die israelische Staatsbürgerschaft abzuerkennen.

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Rasende Zerstörung. Wirtschaftliche, politische und psychosoziale Folgen der Kriegsvorbereitung

Buchvorstellung von Amir Mortasawi – 15. September 2026

Auf dem NATO-Gipfel Juni 2026 in Den Haag wurde vereinbart, die jährlichen Militärausgaben der Mitgliedsländer von 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bis zum Jahr 2035 auf 5 Prozent des BIP zu erhöhen: 3,5 Prozent des BIP sollen direkt in die militärische Verteidigung – Ausrüstung und Truppen – fließen; 1,5 Prozent des BIP sind für verteidigungsrelevante Infrastruktur vorgesehen, beispielsweise für den Ausbau von Bahnstrecken, panzertauglichen Brücken und Häfen sowie für Cybersicherheit.

Deutschland meldete für 2026 eine Rekordsumme von 124,7 Milliarden Euro, entsprechend 2,69 Prozent des BIP.

Die BIP-Angaben in der folgenden Tabelle beziehen sich auf die gesamtwirtschaftlichen Projektionen des deutschen Bundesfinanzministeriums von 23.06.2027. Die Angaben bezüglich des Bundeshaushalts Deutschlands beruhen auf den aktuellen Informationen des Bundesfinanzministeriums.

JahrBIP (Milliarden €)Bundes- haushalt- (Milliarden €)3% des BIP (Milliarden €)4% des BIP (Milliarden €)5% des BIP (Milliarden €)
20274.769555,4143,1190,8238,5
20284.910588,2147,3196,4245,5
20295.056597,8151,8202,4253,0
20305.205635,4156,3208,4260,5

Und noch eine wichtige Vorbemerkung: Diese Buchvorstellung schreibe ich auch als ein Zeitzeugnis für meine Enkelkinder. Irgendwann werden sie fragen, wie sich die Menschen in den Jahren der von der deutschen Bundesregierung groß angekündigten „Kriegstüchtigkeit“ verhalten haben. Sie sollen wissen, dass es aufrichtige und engagierte Stimmen gegen den Kriegswahnsinn und für ein gedeihliches Leben gegeben hat.

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