Fedorov: Humanoider Roboter soll innerhalb von sechs Monaten den ersten russischen Soldaten töten

Von Florian Rötzer – 3. Oktober 2026

Fedorovs Vorstellung einer Roboterarmee, die in den Krieg zieht. Screenshot von dem Werbevideo

Kriege und Kriegsvorbereitungen zum Angriff oder zur Abschreckung können unglaubliche Ressourcen, nicht zuletzt an Menschen, verschwenden. Die Produktion dient ausschließlich der Destruktion und dem Schutz vor Destruktion durch den Feind. Weil es letztlich um das Überleben sozialer oder nationaler/staatlicher Gebilde gehen soll, wie die an Krieg oder Kriegsvorbereitung interessierten Kräfte den Menschen einreden, werden ethische Begrenzungen des Verhaltens und der technischen Entwicklung beiseitegestellt. Wenn es um Tod oder Überleben geht, ist Selbsterhaltung und die Vernichtung des Gegners alles.

Zwar kämpfen, töten und sterben die Einzelnen, aber es geht nicht um einen Konflikt zwischen Einzelnen, sondern um den zwischen Gruppen und Staaten. Das Paradox ist, dass der Gegner, den ein Soldat/Kämpfer mit allen Waffen, die ihm technisch zur Verfügung stehen, jenseits der fundamentalsten ethischen Prinzipien, die ein Zusammenleben ermöglichen, zu töten, nichts gegen den anderen, der ihn ins Visier nimmt, persönlich hat. Er ist nur ein Repräsentant des Feindes, der sich als Maschinerie zeigt.

Repräsentant klingt noch so, als wäre er ein Mensch mit eigener Entscheidungskraft, in Wirklichkeit ist er ein Rädchen, im Zeitalter der KI würde man eher sagen: ein Agent der Kriegsmaschinerie, die nur deswegen funktioniert, weil die normalen Gesetze aufgehoben werden und der Einzelne seine Freiheit durch Zwang oder Bestechung (hoher Verdienst) verliert. Deswegen werden beispielsweise in der Ukraine Männer, die sich nicht für den Kriegsdienst kaufen lassen, auf den Straßen gejagt und mit Gewalt zum Militär verschleppt – und das im Namen der Freiheit, die es angeblich zu verteidigen gilt, die aber für den Einzelnen an der Front nur abstrakt existiert.

Man darf die Wahrheit ja nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts sagen: Soldaten sind Mörder. Allerdings müsste man sagen, sie werden zu Mördern gemacht und allein schon deswegen, weil ihnen beigebracht wird, die Tötungshemmung zu überwinden. Die ist im modernen Krieg sowieso nur noch bedingt vorhanden, denn man steht sich kaum noch gegenüber, sondern wirft Bomben an, feuert Artilleriegeschosse oder steuert Kamikazedrohnen. Bei letzteren sieht der Pilot dem Gegner, den er kaltblütig ermordet, mitunter noch ins Auge, auch wenn dieser nur die Drohne bzw. deren Kamera kurz vor dem Tod oder der Verstümmelung sehen kann. Gerne werden die Videos verbreitet, die Menschen, die sich nicht mehr wehren können, in Todesangst zeigen (Wir sollen den Krieg finanzieren, aber seine Wirklichkeit nur selektiv sehen). Man genießt auch Videos, die zeigen, wie sich Verletzte selbst töten, um den Schmerzen, dem langsamen Sterben oder einer Gefangennahme zu entgehen. Das sind Videos, die man als Realitätspornos verstehen kann, die aber eine ästhetisierende Distanz zum wahrgenommenen Geschehen herstellen. Man könnte sie umgekehrt zur Beschreibung der Aura von Walter Benjamin „als einmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie sein mag“ als eine einmalige Nähe beschreiben, die aber in der entrückten Ferne bleibt und daher emotional kalt lässt.

Mit autonomen Drohnen, die gelernt haben, bestimmte Objekte oder auch Menschen zu suchen und zu erlegen, die als Gegner gelten, verschwindet zwar diese direkte Grausamkeit (Sind schon Autonome Kampfdrohnen im Ukraine-Krieg im Einsatz?) Aber die Mordabsicht bleibt beim Start einer selbständigen Waffe nicht nur bestehen, das Töten wird auch erleichtert, wenn es geschieht, weil der Mörder keinem Menschen mehr gegenübersteht, sondern nur noch in einem entfernten und sicheren Raum, der auch ein Flugzeug oder ein Artilleriesystem sein kann, Koordinaten eingibt. Man ist nicht mehr direkt verantwortlich für Tod und Zerstörung und sieht die zu killenden Menschen nur als abstrakte Ziele. Nur so konnten die amerikanischen Piloten am Ende des Zweiten Weltkriegs die Atombomben als eine Art Insektenvernichtungsmittel abwerfen.

[Hier weiterlesen]

Netanjahus UN-Rede: „Es geht nicht um Territorien“

Von Moshe Zuckermann – 3. Oktober 2026

Der israelische Regierungschef Netanjahu hielt eine Rede vor der UN-Vollversammlung. Screenshot aus UN-Video

Was besagt die vor der UN-Vollversammlung gehaltene Rede Benjamin Netanjahus?

Am 25.9. hielt Israels Premierminister, Benjamin Netanjahu, eine Rede vor der UN-Vollversammlung. Ich habe überlegt, ob ich sie umfassend analysieren sollte, musste aber sehr bald einsehen, dass ich dann nahezu jeden Satz dieses nicht gerade kurzen Textes auseinandernehmen müsste. Denn die Rede strotz nur so vor Lügen, Halbwahrheiten, polemischen Entstellungen und perfiden Manipulationen. Das ist die Mühe nicht wert. Und so will ich hier nur zwei, drei Auslassungen Netanjahus kommentieren; sie sollen stellvertretend für die gesamte Rede stehen, die sich an Selbstgerechtigkeit, Larmoyanz und Verblendung kaum überbieten lässt.

Bevor Netanjahu mit seiner Rede auf dem Podium begann, erhoben sich Dutzende von Delegierten aus verschiedenen Ländern und verließen den Saal. Netanjahu wandte sich darauf an den Präsidenten der Versammlung mit den Worten: “Herr Präsident, bevor ich beginne, nur eine kurze Ankündigung. Wenn es hier noch irgendwelche anderen moralischen Feiglinge gibt, die diese Halle noch nicht verlassen haben, dann tun Sie es bitte jetzt. Vielen Dank.” Es ist verständlich, dass der Redner auf die im Saal entstandene Peinlichkeit reagieren wollte; es handelte sich ja um einen performativen Akt, der ihn bloßstellen sollte, was offenbar auch gelang. Es gab Zeiten, in denen Netanjahus Reden in der Vollversammlung so bejubelt wurden, dass man ihn nachgerade als Meister dieser internationalen Veranstaltung apostrophierte. Lang ist das her. Ob Netanjahu überhaupt würde reden dürfen, war insofern fragwürdig, als ein internationaler Haftbefehl gegen ihn vorliegt. Verweilen sollte man aber bei dem Ausdruck “moralische Feiglinge”, den er verwendete.

Diese Worte als Anklage aus dem Munde eines Benjamin Netanjahu sprechen jedem Anstand und moralischem Anspruch Hohn. Denn Netanjahu selbst ist moralisch völlig verkommen. Nicht von ungefähr läuft schon seit Jahren ein Prozess gegen ihn wegen Korruption, Betrug und Veruntreuung, der so lange dauert, weil er es darauf angelegt hat, ihn nicht zum Ende gelangen zu lassen. Mit gutem Grund, denn er könnte bei einer Verurteilung im Gefängnis landen. Um dies zu verhindern, hat er die Staatsinteressen Israels seinen privaten Interessen unterstellt und betreibt bis zum heutigen Tag eine Politik der Aushöhlung der israelischen Justiz, die auf eine objektive Auflösung der Gewaltenteilung des zionistischen Staates hinausläuft. Alle ihm dabei zur Verfügung stehenden Mittel zur Besudelung, Verleumdung, Diskreditierung und Kompromittierung von Personen und Instanzen, die ihm im Wege stehen, verwendet er unentwegt in hinterhältiger Verschlagenheit und geübter manipulativer Effizienz (die bei seiner Wählerschaft sehr gut ankommt).

Vor der Rede Netanjahus verließen die meisten den Raum. Screenshot aus UN-Video

Aber die moralische Feigheit drückt sich vor allem darin aus, dass er, der kraft seines Amtes Hauptverantwortliche für das Desaster des 7. Oktober, welches er in seiner UN-Rede ausführlich beklagt, sich seit dem ersten Tag nach der Katastrophe konsequent weigert, eine staatlich eingesetzte Untersuchungskommission zuzulassen, weil sie zweifellos offenlegen würde, wie sehr er an der Genese des Unglücks schuldig ist. Er war es, der seit Jahren die Hamas mit Katar-Geldern hochhielt, weil er am Konzept festhielt, dass die verhandlungswillige PLO eine Gefahr darstelle, wohingegen die ideologisch verhandlungsresistente Hamas eine Garantie dafür sei, dass es nicht zur Errichtung eines palästinensischen Staates komme. Verhandlungen laufen auf politische Lösungen hinaus, Netanjahu aber will den Konflikt nicht lösen, er will ihn lediglich verwalten. Was diese Einstellung gezeitigt hat, weiß man seit dem 7. Oktober allzu gut.

[Hier weiterlesen]

Ein amerikanischer Albtraum: Die gescheiterte Hinrichtung der Christa Pike

Von Kate Randall – 3. Oktober 2026

Bild: AI USA

Es gibt Vorfälle in der heutigen amerikanischen Gesellschaft, die so barbarisch sind, dass sie die Empfindungen eines jeden Menschen schockieren, der für soziale Gleichheit, Gerechtigkeit und menschliche Würde eintritt. Der Versuch des Bundesstaates Tennessee, Christa Gail Pike am Mittwochabend hinzurichten, ist ein solches Ereignis.

Die Entschlossenheit der rechten Mehrheit am Obersten Gerichtshof der USA, diese Frau hinrichten zu lassen, ist verachtenswert. Gleiches gilt dafür, dass kein Teil des politischen Establishments sich entschieden gegen die Folter ausgesprochen hat, die Pike zugefügt wurde – oder gegen die gesamte barbarische Praxis der Todesstrafe im Amerika des 21. Jahrhunderts. Sie alle stehen hinter dem Recht des Staates, zu töten. Die Welt hat allen Grund, empört zu sein.

Die 50-jährige Pike hat drei Jahrzehnte in einer Todeszelle in Tennessee verbracht, davon mehr als ein Vierteljahrhundert in quasi vollständiger Isolationshaft in einer Zelle, die gerade einmal etwa zwei mal vier Meter groß ist. Im Januar 1995, als sie 18 Jahre alt war, lockten sie und ihr 17-jähriger Freund, Tadaryl Shipp, die 19-jährige Colleen Slemmer, eine Mitschülerin am Knoxville Job Corps, in einen Wald, wo sie sie schlugen, folterten und töteten. Es war ein schreckliches Verbrechen, und Pike hat dies auch als solches anerkannt. „Ich habe das Leben von jemandes Kind, Schwester, Freundin genommen“, schrieb sie in ihrem Gnadengesuch. „Es macht mich heute krank, wenn ich daran denke, dass ich fähig war, ein solches Verbrechen zu begehen.“

Pike sollte die erste Frau werden, die in Tennessee seit der Zeit vor dem Bürgerkrieg hingerichtet wurde, als der Staat noch ein Sklavenstaat war. Am Dienstagabend lehnte der Oberste Gerichtshof Pikes Antrag auf einen Aufschub in einem aus zwei Sätzen bestehenden Beschluss ohne nennenswerte Gegenstimmen ab. Eine Stunde, bevor sie in der Riverbend Maximum Security Institution in Nashville hingerichtet werden sollte, am Mittwoch gegen 9:00 Uhr morgens, beschloss ein Gremium des US-Berufungsgerichts des 6. Bezirks mit 2:1 Stimmen, die Hinrichtung auszusetzen. Die Staatsanwaltschaft von Generalstaatsanwalt Jonathan Skrmetti wandte sich eilig an den Obersten Gerichtshof und prangerte „missbräuchliche Verzögerungstaktiken“ an. Gegen 17:50 Uhr gaben die Richter seinem Antrag statt und hoben den Aufschub mit 6:3 Stimmen auf.

Pike ist eine von mehr als 2.000 Menschen in den Todeszellen des Landes. Sie stammen überwiegend aus der Arbeiterklasse und aus armen Verhältnissen, viele von ihnen leiden unter psychischen Erkrankungen oder geistigen Behinderungen. Wie Pike hatten viele eine von Missbrauch geprägte Kindheit. Im Alter von zwei bis fünf Jahren wurde sie vom Freund ihrer Großmutter sexuell missbraucht, mit elf Jahren von einem 37-jährigen Nachbarn vergewaltigt und mit 17 Jahren erneut von einem Fremden vergewaltigt. Ihre Anwälte führen Beweise dafür an, dass der starke Alkoholkonsum ihrer Mutter während der Schwangerschaft zu einer Schädigung des Frontallappens im Gehirn geführt habe. Erst nach ihrer Verurteilung wurden bei ihr eine bipolare Störung und eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Ihr unerfahrener, vom Gericht bestellter Anwalt legte der Jury nichts dergleichen vor. Sie wurde für schuldig befunden und zum Tode verurteilt.

[Hier weiterlesen]

Pflegereform: Merz-Regierung verschärft den Notstand

Von Marianne Arens – 3. Oktober 2026

Sommer 2021: Pflegekräfte von Vivantes und der Charité in Berlin kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen

Am 30. September hat das Bundeskabinett der Pflegereform zugestimmt. Für die Pflegebedürftigen und alle, die für sie sorgen, steigen die Kosten und verschlechtern sich die Bedingungen; für viele sozialpflichtig Beschäftigte werden die Beiträge erhöht.

Der Gesetzentwurf „zur Neuordnung der sozialen Pflegeversicherung (Pflegeneuordnungsgesetz, PNOG)“ von Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU), dem am vergangenen Mittwoch auch die SPD im Kabinett zustimmte, soll ab dem 1. Januar 2027 greifen. Sein Hauptzweck besteht darin, bis zu 8 Milliarden Euro einzusparen. Damit ist die Reform Bestandteil einer Politik, die die Kosten des verheerenden Kriegskurses vollständig der arbeitenden Bevölkerung aufhalst, ohne die Superreichen anzutasten.

Der Gesetzentwurf bereitet auf 249 Seiten Worthülsen wie „Prävention und Rehabilitation“, „Stärkung der häuslichen Pflege“ und „Entbürokratisierung“ aus, um den Sozialabbau als Fortschritt zu verkaufen. Bezeichnend ist jedoch, was auf den ganzen 249 Seiten fehlt: Da steht nichts über mehr Pflegepersonal, bessere Arbeitsbedingungen oder geringere Kosten für Betroffene und Beitragszahler.

Dabei übersteigen die Pflegekosten schon heute die finanziellen Möglichkeiten von Millionen Arbeiterinnen und Arbeitern. Besonders der Eigenanteil für einen Aufenthalt im Pflegeheim ist in den letzten Monaten exorbitant gestiegen und beträgt im bundesweiten Durchschnitt rund 3.500 Euro im Monat. Das ist für die große Mehrheit schlicht unerschwinglich.

Die Regierung sorgt dafür, dass sich die meisten Pflegebedürftigen ein Heim überhaupt nicht mehr leisten können. Systematisch verlagert sie die Pflege aus den kostenintensiven stationären Einrichtungen auf die Pflegebedürftigen selbst, auf ihre Angehörigen, die unbezahlt pflegen, und auf Pflegekräfte, deren Löhne und Arbeitsbedingungen weiter verschlechtert werden. Aktuell werden in Deutschland rund fünf Millionen Menschen, etwa 85 Prozent der Pflegebedürftigen, zu Hause gepflegt.

[Hier weiterlesen]

Russland hat deutlich gemacht, dass jede ernsthafte Aggression gegen Kaliningrad einen Atomkrieg nach sich ziehen würde

Von Andrew Korybko – 2. Oktober 2026

Weder Polen noch Litauen werden es wagen, diese russische Exklave zu blockieren, geschweige denn, sie zu besetzen.

Der polnische Außenminister Radek Sikorski schlug Mitte September vor, Polen solle „auf unserer Seite (der russischen Exklave Kaliningrad) so aggressiv vorgehen, dass … [der russische Präsident Wladimir Putin] unsicher wird, was wir tun werden, und er daher Truppen aus der Ukraine abziehen muss.“ Ende des Monats veröffentlichte die britische Zeitung The i Paper einen Artikel darüber, wie „Russlands winziger Außenposten in Europa Putins größte Schwäche sein könnte“, in dem ehemalige NATO-Beamte zitiert wurden, die von einer Blockade fantasierten.

Russlands Reaktion folgte umgehend. Einige Tage nach dem provokativen Artikel von The i Paper veröffentlichte die russische Botschaft in Großbritannien eine Erklärung, in der es hieß: „Diejenigen, die Pläne zur Blockade oder zum Angriff auf Kaliningrad befürworten, sollten sich keine Illusionen über die Folgen machen. Jede britische oder NATO-Militäraktion gegen russisches Territorium würde mit einer Reaktion unter Einsatz aller Russland zur Verfügung stehenden Mittel, einschließlich Atomwaffen, beantwortet werden.“ Die russische Botschaft in Irland veröffentlichte am selben Tag eine ähnliche Erklärung in diesem Sinne.

Nachdem NATO-Chef Mark Rutte bestätigt hatte, dass er von der russischen Warnung Kenntnis habe, präzisierte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow: „Der oben genannte Brief und die Berichte sollten nicht als konfrontative Erklärung angesehen werden“, und fügte hinzu: „Kaliningrad ist ein integraler Bestandteil Russlands; es ist eine sehr wichtige Region Russlands – die westlichste. Im Wesentlichen geht es darum, dass Russland die Sicherheit dieser Region zweifellos im Einklang mit seiner Gesetzgebung gewährleisten wird.“ Er riet der NATO zudem, ihre Rhetorik zu mäßigen.

Daraufhin spielte Putins jahrzehntelanger Freund und enger Vertrauter Nikolai Patruschew die NATO-Drohungen gegen Kaliningrad herunter, indem er erklärte: „Sie [die NATO-Staaten] werden keine Drohungen in die Tat umsetzen können. Sie [die Drohungen] werden bloße Worte bleiben. Sollten sie gar versuchen, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, wird es eine schnelle und angemessene Reaktion geben. Das haben wir wiederholt betont. Alles wird eine völlig andere Dimension annehmen.“ Putin selbst deutete daraufhin an, dass in einem solchen Szenario tatsächlich Atomwaffen zum Einsatz kommen würden.

Diese Flut von Äußerungen dürfte die europäische NATO (E-NATO) davon abhalten, ernsthafte Aggressionen gegen Kaliningrad zu verüben, wie sie auf eine möglicherweise bevorstehende ukrainische False-Flag-Aktion (in Polen?) folgen könnten – inmitten der jüngsten Hysterie im gesamten Bündnis über einen angeblich unmittelbar bevorstehenden russischen Angriff. Nachdem der finnische Präsident Alexander Stubb versucht hatte, seinen Amtskollegen zur Vernunft zu bringen, schwenkte Sikorski von Panikmache bezüglich eines Krieges mit Russland um und behauptete, dass „Russland nicht über die Kräfte für einen groß angelegten Angriff auf die NATO verfügt“.

Der neue litauische Ministerpräsident Mindaugas Sinkevicius erklärte daraufhin auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Rutte, es gebe keine Anzeichen dafür, dass Russland „sich auf irgendetwas vorbereite“. Die Äußerungen dieser beiden Politiker sind von Bedeutung, da der „Suwałki-Korridor/die Suwałki-Lücke“ zwischen Weißrussland und Kaliningrad, über den/die die NATO seit langem spekuliert, er bzw. sie könnte von Russland überrannt werden, durch ihre Hoheitsgebiete verläuft. Sie räumen somit deutlich die apokalyptischen Folgen eines Versuchs ein, Kaliningrad zu blockieren, geschweige denn, es anzugreifen.

Dieses Worst-Case-Szenario wird daher wahrscheinlich selbst im Falle einer ukrainischen False-Flag-Aktion (in Polen?) nicht eintreten, da die polnischen und litauischen „Wächter“ an der Landgrenze zu Kaliningrad kein Interesse daran haben, wegen dieser russischen Exklave den Dritten Weltkrieg auszulösen. Sikorski mag zwar harte Töne anschlagen, und vielleicht wird Polen bald groß angelegte und möglicherweise regelmäßige Manöver in der Nähe von Kaliningrad durchführen. Aber sowohl Polen auch Litauen wissen, dass es nicht ratsam ist, dieser russischen Region Schaden zuzufügen, da Putin sie sonst mit Atomwaffen angreifen würde.

Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Was ist der Zweck der „Bergen-Gruppe“ europäischer Verbündeter des Pentagons?

Von Andrew Korybko – 2. Oktober 2026

Bei der „Bergen-Gruppe“ handelt sich um das von den USA bevorzugte „Kleingruppenformat“, um „Fortschritte in Richtung einer von Europa geführten Eindämmung Russlands im Rahmen der NATO 3.0“ voranzutreiben.

Politico berichtete kürzlich, dass „das Pentagon wichtige Verbündete von einem NATO-Treffen“ in Polen später in diesem Monat ausschließt, an dem auch Norwegen, Schweden, Finnland, die Niederlande und Deutschland teilnehmen werden. Die ersten drei bilden den sogenannten Wikinger-Block, während die beiden letztgenannten Länder zusammen mit Polen Anfang 2024 den „militärischen Schengen-Raum“ ins Leben riefen, um die Ost-West-Militärlogistik der NATO zu optimieren. Das bevorstehende Treffen in Polen wird das dritte Treffen der sogenannten „Bergen-Gruppe“ seit Juni sein.

Der Bericht von Politico lenkte die Aufmerksamkeit auf den Ausschluss Frankreichs, Großbritanniens und der baltischen Staaten, von denen die ersten beiden Atommächte sind, während die letzten drei an Russland grenzen. Es gibt verständliche Gründe, warum sie nicht zur Teilnahme an der Bergen-Gruppe eingeladen wurden. Die Nationale Sicherheitsstrategie von „Trump 2.0“ brüskiert Westeuropa aufgrund seiner radikalen demografischen Veränderungen, die nach Ansicht der USA die künftige militärpolitische Verlässlichkeit dieser Länder gefährden, während die baltischen Staaten für ihr irrationales Verhalten gegenüber Russland berüchtigt sind.

Der Kern von NATO 3.0 besteht darin, dass die verlässlichen und rationalen Verbündeten der USA Russland in Europa in Schach halten, während sich die USA „(wieder) nach (Ost-)Asien ausrichten“, um China robuster einzudämmen. Wie bereits erläutert, kann man sich aus dieser Perspektive auf Frankreich und Großbritannien nicht verlassen, während die USA befürchten, dass die irrational handelnden baltischen Staaten einen Krieg mit Russland provozieren könnten. Die USA werden sich daher auf den „Wikinger-Block“ stützen, um Russland in der arktisch-baltischen Region einzudämmen, auf Deutschland und Polen, um es in Mitteleuropa einzudämmen, sowie auf die Niederlande, um die transatlantische Militärlogistik zu erleichtern.

Der Unterstaatssekretär für Verteidigungspolitik, Elbridge Colby, der als Vordenker hinter NATO 3.0 gilt, erläuterte den Zweck der Bergen-Gruppe Ende September, als er den Senatsausschuss für Streitkräfte über die Umsetzung der Nationalen Verteidigungsstrategie informierte. Er erklärte damals: „Wir binden leistungsstarke Verbündete auch in kleinen Gruppen ein, wie beispielsweise im selektiven Format der Bergen-Gruppe, und beschleunigen dadurch die Bemühungen zum Aufbau von Koalitionen und treiben den Fortschritt in Richtung NATO 3.0 voran.“

Colbys Verweis auf den „Aufbau von Koalitionen“ kann als das von den USA geleitete Zusammenspiel zwischen den drei Hauptakteuren an der Westflanke des neuen „Cordon sanitaire“ verstanden werden, das die Trump-Regierung um Russland herum errichtet hat. Während die Rolle des „Wikinger-Blocks“ und dessen geografischer Umfang klar sind, gilt dies nicht für Polen und Deutschland, die sich in einem „freundschaftlichen Wettstreit“ um die Führung bei der Eindämmung Russlands in Mitteleuropa befinden. Der Ausgang dieser Rivalität, auf die die USA Einfluss nehmen können, wird die kontinentale Geostrategie neu gestalten.

Entweder wird es eine von Deutschland dominierte militarisierte EU geben, in der Polen Deutschland untergeordnet ist, oder eine militarisierte EU, in der das von den USA unterstützte, von Polen geführte Intermarium ein Gegengewicht zur deutschen Hegemonie bildet und gleichzeitig deren Bemühungen zur Eindämmung Russlands ergänzt. Das Interesse der USA an einem permanenten Militärstützpunkt in Polen, dessen Kosten von Warschau getragen würden, deutet darauf hin, dass Washington das zweite Szenario bevorzugt. Alles wird jedoch nach dem bevorstehenden Abschluss der Überprüfung der europäischen Truppenpräsenz durch das Pentagon klarer werden.

Unabhängig vom Ausgang des deutsch-polnischen „freundschaftlichen Wettbewerbs“ um die Führung bei der Eindämmung Russlands in Mitteleuropa sind diese beiden Länder, ihr niederländischer „militärischer Schengen“-Partner, dessen Häfen eine unersetzliche Rolle in der transatlantischen Militärlogistik spielen, sowie der „Wikinger-Block“ die wichtigsten europäischen Verbündeten der USA. Alle sechs gelten in Washington als zuverlässig und rational, weshalb sie in die Bergen-Gruppe aufgenommen wurden – Colbys bevorzugtes „Kleingruppenformat“, um „Fortschritte in Richtung der von der NATO 3.0 angestrebten“, von Europa geführten Eindämmung Russlands voranzutreiben.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Vermögen der reichsten 0,1 Prozent der US-Bevölkerung seit 2019 verdoppelt – Gewinne erreichen Rekordanteil am Gesamteinkommen

Von Andre Damon – 3. Oktober 2026

Laut Zahlen der Federal Reserve, die im September veröffentlicht wurden, haben die reichsten 0,1 Prozent der amerikanischen Haushalte ihr Vermögen zwischen Ende 2019 und dem 30. Juni 2026 mehr als verdoppelt.

Die Zahlen zeigen die Umverteilung von Vermögen von unten nach oben, die sich unter der Trump-Regierung massiv beschleunigt hat. Sie hat Sozialausgaben drastisch gekürzt, gleichzeitig Regulierungen abgeschafft und die Steuern für die Finanzelite gesenkt. Doch insgesamt nimmt die soziale Ungleichheit bereits seit Jahrzehnten massiv zu – unter demokratischen wie unter republikanischen Präsidenten.

Seit Ende 2024 ist der Anteil der obersten 0,1 Prozent am nationalen Haushaltsvermögen von 14,0 auf 15,0 Prozent angestiegen – schneller als unter jeder anderen Regierung, seit die Fed 1989 mit der Erfassung der Daten begann.

Laut den Daten des Bureau of Economic Analysis (BEA), die am Mittwoch veröffentlicht wurden, stiegen die Unternehmensgewinne nach Steuern im zweiten Quartal auf 11,8 Prozent des Bruttoinlandseinkommens (das in der US-Wirtschaft erwirtschaftete Gesamteinkommen), und damit auf den höchsten jemals verzeichneten Anteil. Der Anteil von Löhnen, Gehältern und Sonderleistungen an diesem Einkommen fiel erstmals seit 1929, dem Jahr des Crashs an der Wall Street, auf unter die Hälfte.

Innerhalb von sechseinhalb Jahren wuchs das Vermögen der rund 137.000 Haushalte, die zu den obersten 0,1 Prozent gehören, von 13,4 Billionen auf 27,9 Billionen US-Dollar – ein Anstieg von mehr als 60 Prozent selbst nach Berücksichtigung der Inflation. Das durchschnittliche Haushaltsvermögen stieg von 101,9 Millionen auf 203,7 Millionen Dollar. Das entspricht einem Zuwachs von 42.923 US-Dollar pro Tag seit Ende 2019. Ein Arbeiter, der den mittleren Vollzeitlohn von 1.251 US-Dollar pro Woche verdient, bräuchte etwa acht Monate, um diesen Betrag zu verdienen.

[Hier weiterlesen]

Europäische Mächte reagieren auf russische Atomwarnungen mit weiterer militärischer Eskalation

Von Johannes Stern – 2. Oktober 2026

Anfang der Woche hat Moskau die NATO formell davor gewarnt hatte, dass ein Versuch, die russische Exklave Kaliningrad zu blockieren oder zu isolieren, den Einsatz von Atomwaffen provozieren könnte. Drauf reagieren die europäischen Regierungen nicht mit Bemühungen, vom Abgrund zurückzuweichen, sondern mit Ankündigungen verstärkter Militärhilfe für die Ukraine, beschleunigter Aufrüstung und Vorbereitungen auf eine direkte Konfrontation mit Russland.

Das öffentliche Auftreten der europäischen Regierungen ist von außerordentlichem Vabanquespiel geprägt. Jede russische Warnung wird als Einschüchterung oder Bluff abgetan, während jede neue Konfrontation als Rechtfertigung für eine noch stärkere militärische Eskalation angeführt wird.

Am Donnerstag trat Bundeskanzler Friedrich Merz in Münster gemeinsam mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Rob Jetten und NATO-Generalsekretär Mark Rutte im Hauptquartier des 1. Deutsch-Niederländischen Korps auf.

Merz erklärte, der Ukrainekrieg „betrifft uns ganz unmittelbar“, versprach, Deutschland und seine Verbündeten würden Kiew „mit aller Kraft“ unterstützen, und erklärte, Berlin arbeite „mit Hochdruck“ daran, eine glaubwürdige militärische Abschreckung Russlands sicherzustellen. Er verband diese Politik ausdrücklich mit höheren Investitionen in Deutschlands „militärische Stärke“ und „wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit“.

Jetten erklärte, Europa sehe sich einer „neuen Sicherheitsrealität“ gegenüber und müsse zeigen, dass es bereit sei, „alles Notwendige“ zu tun, um sich zu verteidigen. Er verwies auf steigende Militärausgaben, den Einsatz von F-35-Kampfjets, eine beschleunigte gemeinsame Rüstungsproduktion und eine deutsch-niederländische Geheimdienstkooperation, die auf ein „beispielloses Niveau“ gehoben worden sei.

Rutte wurde noch deutlicher. Russland versuche, so erklärte er, die NATO einzuschüchtern und dazu zu bewegen, ihre Unterstützung für die Ukraine zurückzufahren. Seine Antwort laute, „Ruhe zu bewahren, weiterzumachen und die Ukraine weiter zu unterstützen“. Er fügte hinzu, die Antwort der NATO auf russische Maßnahmen werde darin bestehen, die Ukraine noch stärker zu unterstützen.

Der Ort des Treffens unterstrich die militärische Bedeutung dieser Erklärungen. Nach Angaben der NATO ist das Deutsch-Niederländische Korps ein „Hauptquartier für die Kriegführung“, das eine internationale Streitmacht von 50.000 Soldaten befehligen kann und für NATO-Truppen zuständig ist, die zur Verteidigung Estlands und Lettlands an Russlands Ostseegrenze vorgesehen sind. Das Treffen fand unmittelbar statt, bevor Rutte im Namen der NATO der „Internationale Preis des Westfälischen Friedens“ verliehen wurde.

[Hier weiterlesen]

Die deutsche Militärküste

Von German-Foreign-Policy.com – 2. Oktober 2026

Im Bremerhavener Hafen wird die Militärlogistik für den Umschlag von Kriegsgerät für eine Milliardensumme modernisiert; die Stadt soll zum Militärdrehkreuz werden. Zudem wird ein fünfter Marinestützpunkt aufgebaut – wohl in Emden.

Mit dem Ausbau des Bremerhavener Hafens zum Hochleistungs-Militärdrehkreuz und dem Aufbau eines fünften deutschen Marinestützpunkts vermutlich in Emden treibt die Bundesregierung die Militarisierung der deutschen Küste voran. In Bremerhaven soll die Logistik modernisiert und ausgebaut werden, die notwendig ist, um immense Mengen an Waffen und Munition in höchstmöglichem Tempo anlanden und an potenzielle Kriegsschauplätze in Osteuropa transportieren zu können. Das sieht eine Absichtserklärung vor, die das Verteidigungsministerium und städtische Stellen aus Bremen in dieser Woche unterzeichnet haben. Die Bundesregierung stellt dafür bis zu 1,35 Milliarden Euro bereit, das Bundesland Bremen mehr als 212 Millionen Euro. Bremen ist das Bundesland mit der höchsten Armutsgefährdung und der größten Kinderarmut bundesweit. Die Vergabe einer dreistelligen Millionensumme für den Ausbau der Militärlogistik – statt für die Armutsbekämpfung – wird auch von den an der Landesregierung beteiligten Senatorinnen der Partei Die Linke unterstützt. Zudem will die Bundesregierung einen fünften deutschen Marinestützpunkt aufbauen – Berichten zufolge in Emden.

„Wie in alten Zeiten“

Der Bremerhavener Hafen, der zweitgrößte in Deutschland nach Seegüterumschlag – hinter Hamburg und vor Wilhelmshaven –, gilt als bestens geeignet für den Umschlag militärischer Güter. Er hat bedeutende Kapazitäten für das Anlanden nicht nur von Containern, sondern auch von Fahrzeugen; er verfügt über schwerlastfähige Flächen, die selbst hochgewichtiges Kriegsgerät wie Kampfpanzer tragen können. Zudem kann er außerhalb von Schleusen erreicht werden, was ihn deutlich einfacher und schneller zugänglich macht. Nicht zuletzt ist die Anbindung an Straßen und vor allem Schienen gut, was für den raschen Weitertransport von Waffen und Munition im Spannungs- und Kriegsfall entscheidend ist. Die spezielle Eignung des Hafens als Umschlagplatz für das Militär ist auch Ergebnis seiner Geschichte: Er wurde bereits seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs von den US-Streitkräften genutzt; in den Jahren des Kalten Kriegs war er ihr zentraler Umschlaghafen in der Bundesrepublik und wurde entsprechend ausgebaut. Nach 1990 verlor er für die USA an Bedeutung; mit der Eskalation des Ukraine-Konflikts nahm die US-Präsenz dann aber wieder zu, zunächst im Rahmen von Manövern wie etwa Defender Europe 2020, ab 2022 dann auch im Kontext des Ukraine-Kriegs. Schon 2023 hieß es in Fachkreisen, Bremerhaven fungiere als „Rüstungs-Drehkreuz wie in alten Zeiten“.[1]

Für Militärlogistik optimiert

Die Bundesregierung ist nun bemüht, die Leistungsfähigkeit des Hafens für die militärische Logistik weiter zu erhöhen. So sollen etwa, wie es heißt, „Hafenbecken vertieft, Straßen und Bahnverbindungen ausgebaut“ werden.[2] Containeranlagen sollen modernisiert und auf schwerere Lasten ausgerichtet werden; das gilt für die Kräne ebenso wie für die Stellflächen, für die zudem eine Ausweitung auf neue Flächen vorgesehen ist. „Der effiziente Umschlag von Militärgerät beschränkt sich längst nicht mehr auf Panzer“, wird ein Sprecher des Hafenbetreibers Bremenports zitiert; Waffen und Munition würden heute auch in Containern geliefert und müssten im Kriegsfall „zügig von Bord geholt und weitergeleitet werden“.[3] Um das sicherzustellen, ist zudem der Bau einer neuen Eisenbahndrehbrücke im Kaiserhafen geplant. Die aktuelle Brücke sei ein „Nadelöhr“, das das Durchschleusen von Kriegsgerät unangemessen verlangsame, heißt es. Es kommt hinzu, dass die strikte Fokussierung auf die Militärlogistik auch recht kostspielige Schutzmaßnahmen erforderlich macht. So sollen nicht nur neue Zäune und Sichtschutzanlagen gebaut, sondern etwa auch Drohnenabwehrsysteme installiert und Vorkehrungen in puncto Cybersicherheit getroffen werden. Details dazu werden nicht mitgeteilt.

[Hier weiterlesen]

Die geplante Eskalation. Der Krieg gegen den Iran ist nur ein weiteres imperiales Projekt der USA

Von S. Kimo – 1. Oktober 2026

Als die USA Anfang des Jahres gemeinsam mit Israel die ersten Angriffe auf den Iran flogen, kam das für viele überraschend. Gerade erst war ein vermeintlicher Kompromiss in Bezug auf die iranische Uranpolitik ausgehandelt worden. Dann eskalierte es. Später wurde klar, dass diese Verhandlungen vor allem einem Zweck dienten: Sie sollten Zeit schinden. Diese Vorgehensweise zeigt, dass es sich nicht um einen klassischen Konflikt zwischen zwei Akteuren handelt. Das Ganze hat eine imperiale Dimension, denn eine Partei nimmt sich heraus, überall auf der Welt nach dem eigenen Gutdünken zu intervenieren.

Vor einigen Monaten haben wir angesichts des endlosen Leidens des palästinensischen Volkes über den Prozess der „Palästinisierung“ der Welt gesprochen, das heißt den Einsatz algorithmischer Instrumente durch die techno-faschistischen Mächte, um die Führer und die Völker, die es wagen würden, sich ihnen zu widersetzen, zu kontrollieren, zu unterwerfen, ja sogar zu vernichten (1). So, und nun ist es so weit. Seit den Ereignissen in Gaza, die sich vor den Augen einer fassungslosen und machtlosen Welt abspielen, tobt der US-Imperialismus, der den von Israel begangenen Völkermord mit aller Kraft unterstützt hat, weiter.

Zu Beginn des Jahres führten die Vereinigten Staaten eine Kommandooperation in Caracas, der Hauptstadt Venezuelas, durch, um Präsident Nicolás Maduro und seine Ehefrau zu entführen. Die meisten westlichen Medien betonten die militärische Glanzleistung, ohne sich allzu sehr mit dem völkerrechtlich illegalen und kriminellen Charakter zu befassen und dabei vergaßen, die rund hundert Todesopfer der Operation zu erwähnen. Berauscht von der Hybris des Erfolgs dieser blitzschnellen Ausschaltung der venezolanischen Regierungsspitze und gepuscht von seinem Komplizen Netanjahu, der seit Jahrzehnten lauthals davon träumt, einen Krieg gegen den Iran zu beginnen, hat Trump somit eine neue Grenze kriegerischer Schändlichkeit überschritten.

Am 27. Februar hatte der Außenminister von Oman, Mediator in den laufenden Verhandlungen zwischen Iranern und Amerikanern, von einem wichtigen Fortschritt berichtet: Teheran hatte gerade zugestimmt, sein angereichertes Uran zu verdünnen und Überprüfungen durch die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) (2) zuzulassen.

Wenige Stunden später, mitten in der Nacht, starteten israelische und amerikanische Flugzeuge ihren Eliminierungsangriff auf die iranische Führung, allen voran den Obersten Führer Ali Khamenei, der zusammen mit seiner Ehefrau, seiner Tochter, seinem Schwiegersohn, seiner Schwiegertochter und seiner Enkelin durch eine Flut von Bomben, die auf seine Familienresidenz abgeworfen wurden, ermordet wurde.

[Hier weiterlesen]