„Europa kann sich eine starke Abhängigkeit von den USA bei Öl und Gas nicht leisten“

Von Thomas Röper – 6. Januar 2026

Entgegen der Vorwürfe des Westens hat Russland sein Öl und Gas noch nie als politisches Druckmittel eingesetzt, während die USA davor nicht zurückschrecken. Nun konnte man sogar im Spiegel lesen, dass die EU sich „sich eine starke Abhängigkeit von den USA bei Öl und Gas nicht leisten“ kann.

Auch wenn westliche Politiker und Medien stets behaupten, Russland setze sein Öl und Gas als politisches Druckmittel ein, und die EU damit die Abkehr vom günstigen russischen Öl und Gas begründet, kann niemand auch nur ein Beispiel nennen, bei dem Russland dies in den etwa 50 Jahren, in denen Öl und Gas nach Europa geliefert hat, auch nur ein einziges Mal getan hätte. Für Russland ist ein Geschäft und keine Politik und trotz aller politischer Krisen, die es im Laufe der 50 Jahre gab, gab es nie Probleme mit den russischen Lieferungen von Öl und Gas nach Europa.

Die einzigen Probleme, die es in der Vergangenheit mir den Lieferungen aus Russland gab, hatten den Grund, dass die Abnehmerländer teilweise mehr als ein halbes Jahr im Zahlungsrückstand waren und Russland trotzdem ein halbes Jahr brav Gas geliefert hat, bevor es den Hahn abgestellt hat. Die Details über die früheren Gaskrisen können Sie hier nachlesen.

Da die USA aber dafür bekannt sind, ihre politische Linie mit Sanktionen und anderen Drohungen und Embargos durchzudrücken, haben Kritiker der europäischen Abkehr von russischem Öl und Gas hin zu Lieferungen aus den USA stets davor gewarnt, dass die EU damit eine nur in der Fantasie gewisser Politiker existierende Gefahr der Abhängigkeit von russischem Öl und Gas gegen eine real existierende Abhängigkeit inklusive des Risikos tauscht, dass die USA Öl und Gas als politisches Druckmittel einsetzen.

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Die Europäische Union begrüßt die Entführung Maduros und beschwört das Völkerrecht

Von Peter Schwarz – 6. Januar 2026

Die Europäische Union hat am Sonntag offiziell zum Angriff der USA auf Venezuela Stellung bezogen. Die kurze Erklärung, die von allen 27 EU-Mitgliedstaaten mit Ausnahme Ungarns unterstützt wird, trägt schizophrene Züge. Sie beschwört auf einer halben Seite nicht weniger als fünf Mal die Grundsätze des Völkerrechts, der territorialen Integrität, der Souveränität und der Demokratie, begrüßt aber ausdrücklich den Sturz des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro, der unter Verletzung all dieser Grundsätze erfolgte. Sie beschwört das Völkerrecht, verurteilt aber seinen Bruch durch die USA mit keinem Wort.

„Die EU erinnert daran, dass die Grundsätze des Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen unter allen Umständen gewahrt bleiben müssen. Die Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen tragen eine besondere Verantwortung für die Wahrung dieser Grundsätze, die eine Säule der internationalen Sicherheitsarchitektur bilden,“ heißt es in der Erklärung. Die EU unterstütze den Kampf gegen das transnationale organisierte Verbrechen und gegen Drogenhandel, aber diesen Herausforderungen müsse „unter vollständiger Achtung des Völkerrechts und der Grundsätze der territorialen Integrität und Souveränität“ begegnet werden.

Doch obwohl die USA mit der Vergewaltigung Venezuelas all diese Grundsätze mit Füßen getreten haben, kritisiert die EU die Trump-Regierung nicht. Sie begrüßt im Gegenteil die Entführung des venezolanischen Präsidenten, indem sie feststellt, die EU habe „wiederholt erklärt, dass Nicolás Maduro die Legitimität eines demokratisch gewählten Präsidenten“ fehle.

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Das Weiße Haus droht mit dem Mord an Venezuelas amtierender Präsidentin, einem Angriff auf Kuba und der Annexion Grönlands

Von Andre Damon – 5. Januar 2026

Am Tag nach dem völkerrechtswidrigen Militärschlag der Vereinigten Staaten gegen Venezuela und der Entführung seines Präsidenten Nicolás Maduro hat die Trump-Regierung eine Flut von Drohungen gegen Länder auf der ganzen Welt ausgestoßen. Sie bedroht nicht nur Lateinamerika, sondern auch ganz Nordamerika, Europa und Asien.

In einer Stellungnahme für The Atlantic drohte Präsident Trump der venezolanischen Vizepräsidentin Delcy Rodríguez, die gerade als amtierende Präsidentin vereidigt worden war, mit einem Schicksal, das „schlimmer“ sei als das von Maduro.

„Wenn sie nicht das Richtige tut, wird sie einen sehr hohen Preis zahlen“, sagte Trump. „Wahrscheinlich einen höheren als Maduro.“

Trumps Drohung gegen Rodríguez erfolgte nur wenige Stunden, nachdem er am Samstag auf der Pressekonferenz behauptet hatte, sie habe sich bereit erklärt, den Forderungen der USA nachzukommen. Ihre öffentlichen Äußerungen waren indes trotzig, sie verurteilte die US-Operation als „Barbarei“ und bezeichnete Maduro als den „einzigen Präsidenten“ Venezuelas.

Außenminister Marco Rubio deutete in der NBC-Sendung „Meet the Press“ an, dass Kuba das nächste Ziel der US-Militäroperationen sein könnte. Auf die Frage, ob Kuba das „nächste Ziel“ der Trump-Regierung sei, antwortete Rubio: „Die kubanische Regierung ist ein riesiges Problem.“ Als er erneut darauf angesprochen wurde, sagte er: „Sie stecken in großen Schwierigkeiten, ja.“

Trump ging sogar noch weiter und erneuerte seine Drohung, Grönland, ein Territorium Dänemarks und NATO-Verbündeter der Vereinigten Staaten, zu annektieren. „Wir brauchen Grönland, unbedingt. Wir brauchen es zur Verteidigung“, sagte Trump gegenüber The Atlantic und beschrieb die Insel als „von russischen und chinesischen Schiffen umzingelt“. Auf die Frage, ob die Militäroperation in Venezuela eine Bereitschaft signalisiere, Gewalt anzuwenden, um Grönland zu erobern, wollte Trump dies nicht ausschließen.

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Die Festnahme Maduros durch die USA enthüllt die Realität der Großmachtgeopolitik

Von Andrew Korybko – 5. Januar 2026

Trump 2.0 erklärt kühn, wie die USA gemäß der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie ihre „Einflusssphäre” über Amerika wiederherstellen wollen, und vertritt damit einen hyperrealistischen Ansatz, indem er das Streben nach Macht ausdrücklich als Ziel der US-Politik befürwortet, anstatt es wie zuvor zu leugnen.

Die erstaunlich erfolgreiche „militärische Sonderoperation” der USA in Venezuela, die in dieser Phase nur auf eine Anpassung des Regimes abzielte und nicht, wie manche fälschlicherweise glauben, auf einen Regimewechsel, hat eine Flut von Reaktionen von Regierungen auf der ganzen Welt ausgelöst. Die strategischen Partner Venezuelas, Russland und China, verurteilten erwartungsgemäß die Festnahme von Präsident Nicolas Maduro durch die USA, während der Juniorpartner der USA, die EU, eine Erklärung veröffentlichte, die zwar keine Kritik an den USA enthielt, aber auch deren Vorgehen nicht gutheißen wollte.

Darin liegt die Heuchelei, die gerade durch die „militärische Sonderoperation“ der USA in Venezuela aufgedeckt wurde, da die EU eine hypothetische Gefangennahme von Selenskyj durch Russland mit Sicherheit in schärfster Form verurteilt hätte. Ihre implizite Entschuldigung für diese Doppelmoral gegenüber der Gefangennahme Maduros durch die USA ist, dass er illegitim sei, aber Russland hält nun auch Selenskyj für illegitim [weil seine Amtszeit abgelaufen ist; Anm. der Red.], sodass die Beurteilung der Legitimität anderer Staatschefs durch Dritte letztlich mehr oder weniger subjektiv ist, was zu der gerade aufgedeckten Realität führt.

Letztendlich verfolgen Großmächte wie die USA (die wohl immer noch eine Supermacht sind, auch wenn sie bis zur Rückkehr Trumps ins Amt im Niedergang begriffen waren) immer ihre eigenen Interessen, verbergen diese jedoch hinter der Sprache des Völkerrechts oder internationaler Normen, die für die Weltöffentlichkeit besser verdaulich ist. Die USA stützten sich früher auf das Konzept der „regelbasierten Ordnung“ [die im Gegensatz zum Völkerrecht eine „Ordnung“ ist, die auf den ausschließlich von den USA nach Gusto geschaffenen bzw. proklamierten „Regeln“ basiert; Anm. der Red.], um ihre Aktionen im Ausland zu rechtfertigen, aber die Berufung auf dieses Konzept wurde zuletzt von den russischen Medien als reine Heuchelei entlarvt, weshalb Trump 2.0 es diesmal nicht mehr verwendet hat.

Vielmehr erklärten die Vereinigten Staaten unter Trump 2.0 unverblümt, wie die USA gemäß der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie (NSS) ihre „Einflusssphäre“ über Amerika wiederherstellen wollen, und vertritt damit einen hyperrealistischen Ansatz, indem sie das Streben nach Macht ausdrücklich als Ziel befürwortet, anstatt es wie bisher zu leugnen. Wie die NSS es darstellt, soll dieser „Einflussbereich“ die nationalen Sicherheitsinteressen und den Wohlstand der USA sichern, was dem ähnelt, was Russland mit seiner eigenen Sonderoperation in der Ukraine erreichen will. [Wobei die russische „Sonderoperation“ im Gegensatz zum unprovozierten Angriff der USA auf Venezuela zielstrebig und systematisch (von den USA/NATO) provoziert worden war, die damit Russlands staatliche Sicherheit faktisch bedroht hatten; Anm. der Red.].

Ohne die Macht, die sich aus der Wiederherstellung des „Einflussbereichs“ der USA über das, was sie als ihren „Hinterhof“ bezeichnen, oder der Wiederherstellung des Einflussbereichs Russlands über das, was es als sein „nahes Ausland“ bezeichnet, ergibt, wären sie weiterhin einer Vielzahl von Bedrohungen durch ihre Rivalen ausgesetzt, darunter auch wirtschaftlichen, die den Wohlstand ihrer Bevölkerung [vor allem aber den Reichtum ihrer Oligarchie; Anm. der Red.] beeinträchtigen könnten. Dementsprechend versuchen Großmächte auch, ihre Rivalen in deren jeweiligen „Einflusssphären“ zu untergraben, was sie als Mittel betrachten, um sich Einfluss oder zumindest einen Vorteil gegenüber ihnen zu verschaffen.

Das ist die Realität der Großmachtgeopolitik, die bisher mit Rhetorik über „Demokratie“, „Völkerrecht“ und/oder die „regelbasierte Ordnung“ verschleiert wurde, aber die USA unter Trump 2.0 haben diese Rhetorik aufgegeben. Im Idealfall könnten sie sich endlich wie eine „wohlwollende Hegemonialmacht“ verhalten, die zwar weiterhin von den Ländern in ihrem Einflussbereich profitiert (aber nicht mehr so exzessiv wie zuvor). Das würde bedeuten, dass sie auch wirklich für deren Sicherheit [und nicht nur für die Sicherheit der jeweiligen regionalen Eliten; Anm. der Red.] sorgt. Dieses von Russland unter Putin eingeführte Modell [etwa in Tschetschenien oder auch in den von Russland „besetzten“ neuen Gebieten der Ukraine“, Anm. der Red.] scheint auf Dauer der nachhaltigste Weg zu sein, um Stabilität in der Einflussregion einer Großmacht zu gewährleisten.

Die Geschichte der „bösartigen Hegemonie“ der USA führte zu den antihegemonialen Bewegungen, die in Amerika entstanden sind, sodass eine Wiederholung derselben Politik unweigerlich zum gleichen Ergebnis führen und damit den Interessen der USA als Großmacht langfristig schaden würde. Es ist allerdings noch zu früh, um vorherzusagen, ob Trump 2.0 sich an Putins Modell der „wohlwollenden Hegemonie“ orientieren wird. Unabhängig davon, wie man zu Venezuela und zu seinem Staatspräsidenten Maduro steht, ist es jedoch bemerkenswert, dass die USA unter Trump 2.0 gerade die Realität der Großmachtgeopolitik offenbart und die Farce von deren Bemäntelung mit humanitären Phrasen und demokratischer Rhetorik aufgegeben haben.

Veröffentlichung und Abweichungen vom englischen Originaltext mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache]

Trump lässt die Maske fallen. Was bedeutet der US-Angriff auf Venezuela?

Von Thomas Röper – 5. Januar 2026

Trumps Angriff auf Venezuela und die Entführung des Präsidenten des Landes nach Mafia-Manier haben die Welt schockiert, dabei konnte der Angriff nicht wirklich überraschen. Was bedeutet der Angriff für die künftige Politik der USA?

Da die Biden-Regierung auf eine unkontrollierbare Eskalation mit Russland zugesteuert hat, die zum Krieg zwischen den beiden größten Atommächten der Welt hätte führen können, habe ich während des US-Wahlkampfes auf einen Wahlsieg von Trump gehofft, von dem ich erwartet habe, dass er von dieser extrem gefährlichen Politik abrückt, wonach es ja auch aussieht.

Aber ich habe dabei auch immer davor gewarnt, dass ein Wahlsieg Trumps für andere Regionen der Welt – konkret für Venezuela und den Nahen Osten, und dort vor allem für den Iran – nichts Gutes bedeuten würde.

Die Tatsache, dass es genau so gekommen ist – schließlich hat Trump als erster US-Präsident den Iran, und dabei auch noch Nuklearanlagen, bombardieren lassen, und nun hat er auch Venezuela bombardiert –, zeigt, dass Trump keineswegs so chaotisch und unberechenbar ist, wie ihn viele einschätzen. Trump verwirrt Freund und Feind zwar gern mit wilden Aussagen, aber in seinen Handlungen folgt er offensichtlich sehr konkreten Plänen.

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„Donroe-Doktrin“: Trump will den politischen Kurs Venezuelas bestimmen und das Öl des Landes kontrollieren

Von Thomas Röper – 5. Januar 2026

Nach dem Angriff auf Venezuela hat Präsident Trump offen erklärt, was seine Ziele sind. Er will den politischen Kurs Venezuelas bestimmen und das Öl des Landes an US-Konzerne übergeben, wobei er durchaus geschickt vorgeht.

Während deutsche Medien immer behauptet haben, den USA gehe es in Venezuela um Menschenrechte und Demokratie (oder gar um den Kampf gegen den Drogenschmuggel), war aller Welt klar, dass es den USA erstens um die Kontrolle über ihren „Hinterhof“ geht, wie Trump in seiner Nationalen Sicherheitsstrategie ja auch offen angekündigt hat, indem er sich auf die Monroe-Doktrin berufen hat, und dass es den USA um die venezolanischen Ölreserven geht.

So sagte Trump schon am 3. Januar, also direkt nach dem US-Angriff, er werde mehr venezolanisches Öl an die Länder der Welt verkaufen, als Venezuela bisher verkauft hat. Und in der Nacht auf Montag sagte er:

„Sie produzieren sehr wenig Öl. Wir werden dafür sorgen, dass die großen Ölkonzerne kommen, die werden die Infrastruktur sanieren und investieren.“

Trump will das venezolanische Öl an die US-Konzerne übergeben, die zu seinen wichtigsten Unterstützern gehören. Die werden es ihm bei den anstehenden Zwischenwahlen sicher mit sehr großzügigen Spenden danken, mit denen Trump wiederum die Kandidaten für das US-Parlament unterstützen wird, die ihm treu ergeben sind.

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US-Angriff auf Venezuela: Indem er auf das Völkerrecht spuckt, fügt Kanzler Merz Deutschland großen Schaden zu

Von Thomas Röper – 5. Januar 2026

Die offizielle Erklärung des Bundeskanzlers auf den US-Angriff auf Venezuela und die genauso illegale Entführung von Präsident Maduro ist zwar nicht überraschend, aber deshalb nicht weniger schockierend. Der Kanzler sagt in der sehr kurzen Erklärung unter anderem:

„Die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes ist komplex. Dazu nehmen wir uns Zeit. Grundsätzlich müssen im Umgang zwischen Staaten die Prinzipien des Völkerrechts gelten.“

Komplex ist daran gar nichts, es ist im Gegenteil vollkommen eindeutig, denn die UN-Charta, also die Basis des Völkerrechts, sagt in Artikel 2 Absatz 4 eindeutig:

„Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt.“

Der US-Angriff war zweifelsfrei eine „gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete Anwendung von Gewalt“, für die sich auch in anderen Bestimmungen des Völkerrechts keinerlei Rechtfertigung finden lässt. Immerhin war das ein militärischer Angriff auf ein souveränes Land, der das offen genannte Ziel hatte, die politische Unabhängigkeit Venezuelas zu beenden und Venezuela unter die politische Kontrolle der USA zu stellen, denn Präsident Trump hat in seiner Pressekonferenz nach dem Angriff ganz offen gesagt, dass die USA die Entscheidungen über die politische Zukunft Venezuelas treffen würden.“

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Welche Folgen hat die US-Entführung des Präsidenten von Venezuela?

Von Rainer Rupp – 4. Januar 2025

Larry Johnson, ein ehemaliger CIA-Analyst beschreibt die US-Operation zur Entführung von Nicolás Maduro als einen taktisch erfolgreichen, aber strategisch katastrophalen Schritt. Er vergleicht sie mit George W. Bushs pompösem „Mission Accomplished“-Moment nach der Invasion im Irak.

Am 3. Januar interviewte der finnische Professor Glen Diesen in einem einstündigen Gespräch auf Utube den ehemaligen hochrangigen CIA-Mitarbeiter und Experten für Terrorismusbekämpfung Larry Johnson. Nachfolgend habe ich die wichtigsten Punkte zusammengefasst und einige Kommentare hinzugefügt.

Vergleich mit historischen US-Interventionen

Zum Einstieg in die Diskussion, die unter dem Titel „U.S. War on Venezuela Has Global Ramifications“ (US-Krieg gegen Venezuela hat globale Auswirkungen“) betont Johnson, dass Trump glaubt, wie damals Bush mit seinem „Mission Erfüllt“-Moment glaubt, „ein Problem gelöst zu haben, stattdessen aber neue, größere Probleme geschaffen hat“.

Johnson zieht Parallelen zu früheren Operationen, bei denen der Sturz eines einzelnen Staatschefs keine Stabilität gebracht hat. Beispiele sind Manuel Noriega in Panama (1989), Saddam Hussein im Irak, Muammar Gaddafi in Libyen oder Bashar al-Assad in Syrien. „Diese Vorstellung im Westen, dass wir nur einen Mann ersetzen müssen, um unsere Probleme zu lösen, hat in der Vergangenheit schon nicht funktioniert.“

Er warnt vor einer Wiederholung des Vietnam-Szenarios: Am Anfang sind es einige wenige US-Militärstiefel am Boden in Venezuela, aber um diese dann gegen immer gefährlichere Angriffe zu schützen, müssen immer mehr US-Truppen kommen, um die Situation zu „stabilisieren“; eine nur schwer zu stoppende Eskalation, die zu einem Selbstläufer wird, zumal sich Venezuela aus einer Reihe von geographischen und logistischen Gesichtspunkten – unübersichtliche und lange Grenzen zu US-kritischen Nachbarländern Kolumbien und Brasilien – ideal für den Guerillakrieg eignet.

Innere Lage in Venezuela und Risiko einer Aufstandsbewegung

Johnson hebt hervor, dass die Bevölkerung in Venezuela schwer bewaffnet ist und die porösen Grenzen zu Kolumbien und Brasilien, die Guerilla-Kämpfe begünstigen – ähnlich wie das bei der FARC in Kolumbien nach seit 1964 der Fall war. Für die innere Lage in Venezuela prognostiziert Johnson einen Anstieg von Kriminalität, Attentaten und Angriffen auf US-Interessen: „Die Kriminalitätsrate, die Zahl der Attentate und Ähnliches werden steigen.“ Er erwartet eine hausgemachte „Widerstandsbewegung“, die Venezuela instabil macht, und warnt, dass bereits in den nächsten zwei bis drei Monaten die US-Regierung gezwungen sein könnte, weitere Truppen zu schicken. Laut Johnson hätten Oppositionelle wie María Corina Machado keine breite Unterstützung um das Land ideologisch „zu säubern“.

Dazu eine Anmerkung des Autors: Während einer Pressekonferenz am 3. Januar wurde Trump gefragt, ob er mit Machado in Kontakt stehe oder sie nach Maduros Festnahme als lebensfähige Führerin ansehe. Abschätzig sagte er: „Ich denke, es wäre sehr schwer für sie, die Anführerin zu sein. Sie hat weder die Unterstützung noch den Respekt innerhalb des Landes. Sie ist eine sehr nette Frau, aber sie hat nicht den Respekt“.

Laut Trump werden vorerst die USA Venezuela regieren, wobei Marco Rubio und Pete Hegseth diese Mission erhalten, um – wie in früheren Zeiten als das britische Imperium die Ozeane regierte – als Trumps Vizekönige Venezuela zu regieren. Das dürfte interessant sein. In diesem Zusammenhang erinnerte Johnson an die historische CIA-Kontrolle über Venezuela in den 1970er/80er Jahren unter dem damaligen Präsident Carlos Andrés Pérez, der nachweislich auf der Lohnliste der CIA gestanden hatte. Aber durch Missmanagement und anti-soziale Politik habe er letztlich dem sozialistischen Revolutionär Chávez‘ und seinem Nachfolger den Weg an die Macht freigemacht.

Rolle der CIA und Verrat im Inneren

Die Entführung Maduros und seiner Frau sei von einer US-Spezialeinheit der „Delta Force“ durchgeführt worden. Johnson ist überzeugt, dass der reibungslose Ablauf der Operation nur mit Hilfe von „Insidern“ aus Maduros Abwehr und Apparat zum Schutz des Präsidenten möglich war. Durch diesen Verrat dürften einige Leute in Caracas über Nacht stinkreich geworden sein. „Da sind Leute bezahlt worden“, ist sich Johnson sicher und verweist darauf, dass auch die venezolanischen Luftabwehrsysteme nicht aktiviert worden waren, die Sicherheitskräfte um Maduro inkompetent oder bestochen worden waren, vergleichbar mit der Bin-Laden-Operation in Pakistan.

Geopolitische Motive: Öl und Vorbereitung auf einen Iran-Krieg

Johnson sieht den Zugriff auf venezolanisches Öl als zentrales Motiv, insbesondere als Absicherung gegen einen möglichen Krieg mit Iran: „Der Versuch, sich das Öl in Venezuela unter den Nagel zu reißen, ist die Vorbereitung eines Angriffs auf den Iran … eine Notfallplanung für den Fall, dass die Straße von Hormus geschlossen werden könnte.“ Venezuela soll als alternative Ölquelle dienen, falls der Persische Golf blockiert wird. Dies müsse mit den aktuellen Protesten in Iran, die Johnson als CIA/MI6-gesteuert einstuft, um einen Regimewechsel vorzubereiten, bzw. bei der US-Bevölkerung Zustimmung für eine erneute US-Bombardierung Irans zu schaffen.

Internationale Reaktionen und globale Konsequenzen

Zweifellos verstärkt die US-Operation gegen Maduro Misstrauen gegenüber den USA in Russland und China. Johnson verknüpft sie mit einem gescheiterten Drohnenangriff auf Präsident Putins Residenz und sieht eine russische Neubewertung von Verhandlungen bezüglich der Ukraine, nämlich den „Verlust jeglichen Vertrauens in den Westen“. China, als wichtiger Öl-Abnehmer Venezuelas, könnte ökonomisch kontern, z. B. durch Dumping von US-Treasuries (US-Schatzbriefen) oder Export-Einschränkungen bei kritischen „Seltenen Erden“ (Rare Earths). Die EU zeigt laut Johnson die übliche Heuchelei: Sie verurteilt Russland für die Ukraine, hat aber Verständnis für die US-Aktion. Trumps Monroe-Doktrin 2.0 sei eine Pervertierung der US-Außenpolitik mit negativen Folgen in Lateinamerika, vor allem für Kuba, Kolumbien und Mexiko.

Bewertung des Erfolgs und Ausblick

Johnson misst den Erfolg der US-Operation daran, ob Venezuela bis März 2026 stabil unter US-Kontrolle sein wird, was er stark bezweifelt: „Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die Vereinigten Staaten scheitern werden.“ Stattdessen drohten in Venezuela Chaos, eine Flut von Flüchtlingen und Angriffe auf die Öl-Infrastruktur des Landes. Er sieht 2026 als „Jahr des Kriegs“: kein Ende des Kriegs in der Ukraine, Krieg mit Iran und nun Venezuela. „Die Lehre, die die USA der Welt erteilt haben, ist die, dass es keine echte US-Diplomatie gibt, sondern nur Täuschung, Betrug und Überraschungsangriffe.“

Insgesamt zeichnet Johnson ein düsteres Bild: Die Operation ist ein Rückfall in imperiales Gehabe, die regionale Instabilität schürt und globale Mächte wie Russland und China enger zusammenschweißt. Statt Stabilität wird der Sturz Maduros für die USA langfristig mehr Konflikte und Kosten bedeuten.


Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Venezuela: Eskalation mit Ansage – Was die US-Thinktanks planten, wird jetzt Realität

Von Michael Hollister – 4. Januar 2026

Der militärische Eingriff in die Souveränität Venezuelas war zwar und ist noch immer ein Thema in den Medien, aber neben der Katastrophe in Crans-Montana ging das rücksichtslose und absolut völkerrechtswidrige Vorgehen der USA in Venezuela in den Medien doch fast unter. Und weil Venezuela mit Russland und China verbündet war und theoretisch noch immer ist, ist in den Augen der westlichen Medien der Untergang dieses Staates ja auch nicht wirklich schlimm. Wo kann man lesen, dass Donald Trump ein echter Kriegsverbrecher ist? (cm)

In der Nacht zum 3. Januar 2026 verkündete US-Präsident Donald Trump auf Truth Social das Undenkbare:

„The United States of America has successfully carried out a large scale strike against Venezuela and its leader, President Nicolás Maduro, who has been, along with his wife, captured and flown out of the Country. This operation was done in conjunction with U.S. Law Enforcement.“

Was wie eine dystopische Satire klingt, ist bittere Realität. US-Streitkräfte haben in den frühen Morgenstunden vom 3. Januar Caracas bombardiert, Militärstützpunkte unter Beschuss genommen und den demokratisch gewählten Präsidenten eines souveränen Staates entführt. Die offizielle Begründung aus Washington: Kampf gegen Drogenkartelle und „Narco-Terrorismus“. Die tatsächliche Motivation: Regime Change, Ressourcenzugriff, geopolitische Dominanz.

Wer verstehen will, wie es zu diesem beispiellosen Akt militärischer Aggression kommen konnte, muss nicht spekulieren. Die Eskalation war geplant, in Thinktank-Papieren dokumentiert, öffentlich einsehbar – und ihre Umsetzung lässt sich lückenlos nachvollziehen.

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Zusammenbruch des Völkerrechts – Wie Medien auf der ganzen Welt über Trumps Angriff auf Venezuela berichten

Von TASS (Übersetzung: Thomas Röper) – 4. Januar 2026

Die weltweiten Medien sind sich in ihrer Analyse über die Vorgänge in Venezuela weitgehend einig und finden teilweise sehr deutliche Worte zu Trumps Vorgehen, während die meisten Politiker der sich mit einer Verurteilung des illegalen US-Angriffs schwer tun.

Die russische Nachrichtenagentur TASS hat eine lange Liste von Reaktionen internationaler Medien auf Trumps Angriff auf Venezuela veröffentlicht, die ich übersetzt habe: […]

Zusammenbruch des Völkerrechts: Weltweite Medien zur US-Operation gegen Venezuela

Die Ergreifung Maduros und die US-Militäroperation in Venezuela haben eine weltweite diplomatische Krise ausgelöst. Medien bezeichnen Trumps Vorgehen als „Verstoß gegen das Völkerrecht“ und „Bruch juristischer Tabus“, ja sogar als „faschistischen Akt“ zur Aneignung von Öl. Die Operation zielt angeblich darauf ab, Zugang zu den größten Ölreserven zu erhalten und Russland und Iran zu verdrängen. Beobachter warnen vor der Gefahr eines Bürgerkriegs und einer Flüchtlingswelle in die USA und nach Lateinamerika.

The Washington Post: Dieses strategische Abenteuer mit unvorhersehbaren Folgen in einer Region mit tiefen Spaltungen verändert die Sicherheitsdynamik auf dem gesamten Kontinent grundlegend. Die Angriffe haben sowohl Amerikas Verbündeten als auch seinen Gegnern sofort deutlich gemacht, dass die Bedrohung durch die US-Militärmacht unbestreitbar real ist.

The New York Times: Eine plausible Erklärung für die Angriffe findet sich in Trumps kürzlich veröffentlichter Nationaler Sicherheitsstrategie, die sein Recht auf Vorherrschaft in Lateinamerika untermauert. Venezuela scheint das erste Land zu sein, das von diesem neuen Imperialismus vereinnahmt wird. Dieser Kurs offenbart Amerikas gefährliche und illegitime Vorstellung von seiner Rolle in der Welt.

The New York Times: Trump machte eines deutlich: Diese Militäroperation wurde nicht nur durchgeführt, um einen wegen Drogenhandels angeklagten Machthaber zu stürzen, sondern auch, um den USA einen besseren Zugang zu Venezuelas Ölreserven zu verschaffen.

The Wall Street Journal: Für einen Präsidenten, der seinen Vorgängern jahrelang vorgeworfen hat, Länder verändern zu wollen, deren Wesen sie nicht verstanden, markierte die Operation in Venezuela eine radikale Kehrtwende.

Venezolana de Television: Im Kontext der US-Militäroperation gegen Venezuela muss klar sein, dass die USA ihre Ölreserven erschöpft haben. Heute ist ein neuer Tag angebrochen, an dem das venezolanische Volk lautstark seine Ablehnung der Bombardierungen durch die US-Regierung und seine volle Unterstützung für Präsident Nicolás Maduro zum Ausdruck bringt.

La Nación: Die Operation in Venezuela fügt sich in eine abrupte Wende in der amerikanischen Außenpolitik ein, die auf Trumps Weltbild eines Systems von Einflusssphären basiert. Für den republikanischen Magnaten ist die westliche Hemisphäre seine exklusive Kontrollzone, was viele Analysten als Rückkehr und Radikalisierung der Monroe-Doktrin werten.

La Nación: Es geht hier um die Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates … Die USA haben die gläserne Wand durchbrochen, das Prinzip, dass die Einmischung in die Angelegenheiten eines anderen souveränen Staates als inakzeptabel galt … Möglicherweise hat eine neue historische Ära begonnen.

O Globo: Die US-Aktionen zur Festnahme Maduros schaffen einen gefährlichen Präzedenzfall in der internationalen Geopolitik … Fast alle sind sich einig, dass Trumps Vorgehen völkerrechtswidrig war. Venezuela hat die USA nicht angegriffen.

Folha de S.Paulo: Die US-Militäraggression gegen Venezuela reißt eine dunkle Phase in den Beziehungen zwischen der Supermacht und ihren regionalen Nachbarn wieder auf. Trump hat die internationale Ordnung völlig missachtet, um seinen Willen durchzusetzen.

Granma: Die Aggression gegen Venezuela ist nichts Geringeres als ein faschistischer Akt, der darauf abzielt, das Land auszuplündern und seine Bodenschätze zu rauben… Das war eine Operation gegen eine legitime Regierung und ein Land, das noch nie ein anderes angegriffen hat.

El Universal: Keinem Land, in dem die USA militärisch interveniert haben, ging es nach der Intervention besser als vorher. Eine Invasion Venezuelas birgt für den Kontinent das Risiko einer beispiellosen humanitären Krise… Das Land könnte in einen blutigen Bürgerkrieg gestürzt werden, der Millionen von Flüchtlingen entweder in den USA oder in lateinamerikanischen Ländern zur Folge hätte.

El Universal: Was geschehen ist, entbehrt jeglicher internationaler Legitimität und Rechtsgrundlage… Wieder einmal handelt der US-Präsident nicht aus dem Wunsch heraus, Demokratie oder Institutionen zu verteidigen, sondern aus wirtschaftlichen und politischen Interessen, die ihm und seinen Verbündeten zugutekommen.

La Jornada: Der sogenannte „Regimechange“ ist der Versuch, einen Marionettenherrscher einzusetzen, der den USA die Bodenschätze des Landes ausliefert.

Le Figaro: Niemand weiß, ob die Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten zum Sturz des Regimes führen wird. Vorerst bleibt das Regime an der Macht und das Militär ist Maduro treu ergeben. Die politischen und militärischen Ziele der USA bleiben unklar… Die Enthauptung der venezolanischen Regierung ist bereits zu einer Lehre und einem Signal an den Rest der Welt geworden. Diese Lehre bestätigt, dass Trump Gewalt anwenden will, wenn er es für notwendig hält.

Le Monde: Maduros Entführung ist eine Machtdemonstration Trumps und eine Botschaft an die Welt… Trump hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass sein Hauptziel der Zugang zu Venezuelas Ölreserven ist, den größten der Welt.

The Guardian: Trump ändert die Regeln nicht mehr, er bricht sie, und die Folgen reichen weit über Caracas hinaus … Der Angriff auf Venezuela zeigt, dass ihn fremde Ländereien, Öl und Bodenschätze mittlerweile mehr reizen als der Nobelpreis.

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