Von Max Blumenthal und Wyatt Reed – 24. Januar 2026
An Iranian anti-government militant fires on police.
Westliche Medien stellen die tödlichen Unruhen im Iran verzerrt dar und stützen sich dabei auf von der US-Regierung finanzierte NGOs, die auf einen Regimewechsel hinarbeiten.
Während tödliche Unruhen iranische Städte in Brand setzen, ignorieren westliche Medien die schockierende Welle der Gewalt und übernehmen ihre Informationen von Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die von der US-Regierung finanziert werden. Die einseitige Berichterstattung hat dazu beigetragen, dass Donald Trump kurz vor einer Genehmigung erneuter US-Angriffe steht. Die westlichen Medien ignorieren bis heute eine wachsende Zahl von Videobeweisen, die zeigen, dass Demonstranten in ganz Iran terroristische Taktiken anwenden, obwohl sie von Amnesty International und Human Rights Watch als „weitgehend friedlich“ beschrieben werden. Kürzlich veröffentlichte Videos, die sowohl von iranischen Staatsmedien als auch von regierungsfeindlichen Kräften stammen, zeigen öffentliche Lynchmorde an unbewaffneten Wachleuten, das Niederbrennen von Moscheen, Brandanschläge auf kommunale Gebäude, Marktplätze und Feuerwachen sowie Zusammenrottungen Bewaffneter, die in den Herzen iranischer Städte das Feuer eröffnen.
Die 2,2 Millionen Ukrainer, die derzeit auf der Flucht sind, machen 6,8 Prozent der ukrainischen Bevölkerung aus. Die Gesamtzahl der geflüchteten ukrainischen Männer ist damit etwas größer als der Anteil der Asiaten in den USA.
Der neue ukrainische Verteidigungsminister Michail Fedorow gab die schockierende Nachricht bekannt, dass bisher bereits 200.000 Männer desertiert sind und nochmals zehnmal so viele (zwei Millionen) sich aktiv der Wehrpflicht entziehen, was wahrscheinlich sogar eine Unterschätzung ist. Um dies in einen Zusammenhang zu setzen: Die Ukraine gab Anfang 2025 an, eine Bevölkerung von 32 Millionen Menschen zu haben (was wahrscheinlich eine Überschätzung ist), sodass die 2,2 Millionen Männer, die entweder desertiert sind oder sich der Wehrpflicht entzogen haben, mindestens 6,8 Prozent der Bevölkerung ausmachen, die derzeit auf der Flucht sind.
Der Abgeordnete der Rada, Dmitry Razumkov, behauptete während einer Parlamentssitzung im vergangenen Monat, dass sein Land bis dahin bereits eine halbe Million Soldaten verloren habe und ebenso viele verwundet worden seien (was vermutlich ebenfalls eine Unterschätzung ist), während die Ukraine derzeit schätzungsweise rund 900.000 aktive Soldaten hat. All diese Daten ermöglichen es Beobachtern, die Bedeutung dieser „freiwilligen Verluste” besser zu verstehen, da mittlerweile klar sein dürfte, dass 2,2 Millionen zusätzliche Soldaten für die Ukraine sicherlich einen großen Unterschied gemacht hätten.
Das soll nicht heißen, dass dies die militärisch-strategische Dynamik des Konflikts, die seit dem epischenScheitern der von der NATO unterstützten Gegenoffensive der Ukraine im Sommer 2023 zu Gunsten Russlands verlief, hätte umkehren können, aber vielleicht hätte es das Tempo der Verluste danach verlangsamen können. Die Ukraine hätte somit auch vor einem Jahr, als Trump 2.0 an die Macht kam, eine vergleichsweise bessere diplomatische Position gehabt, was den US-Präsidenten wiederum zu einer relativ härteren Linie gegenüber Russland veranlasst hätte.
Aus diesem Grund kann das Ausmaß der Desertionen und Wehrdienstverweigerungen zwar nicht glaubhaft als kriegsentscheidend bezeichnet, aber dennoch als eine bedeutende Variable betrachtet werden, die sich negativ auf das Schicksal der Ukraine ausgewirkt hat. Im Gegensatz dazu war dies für Russland, das im Gegensatz zur Ukraine niemanden zum Militärdienst einberufen hat, nie ein relevanter Faktor. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass die Ukraine eine Politik der Zwangsrekrutierung verfolgt, die durch virale Videos, in denen Beamte junge und alte Männer gleichermaßen von der Straße wegschleppen, traurige Berühmtheit erlangt hat.
Dieses Filmmaterial und die Geschichten, die wehrpflichtige Männer (im Alter von 25 bis 60 Jahren) aus zweiter Hand gehört haben, sind mit ein Grund dafür, dass sich zwei Millionen von ihnen entschlossen haben, zu fliehen und sich der Wehrpflicht zu entziehen. Sie haben auch Drohnenaufnahmen aus der Konfliktzone gesehen und sind sich daher sehr wohl bewusst, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sie kurz nach ihrer Entsendung an die Front getötet werden. Diese Männer mögen sich in ihren Herzen aufrichtig als ukrainische Patrioten betrachten, aber sie sind nicht bereit, für nichts zu sterben.
Dies führt zu einem starken Rückgang der Popularität des Kriegs in der Bevölkerung und einer zunehmenden Unterstützung für eine rasche Beendigung desselben, wie eine aktuelle Gallup-Umfrage zeigt. Trump hat gerade Selenskyj dafür verantwortlich gemacht, die Friedensgespräche zu verzögern, was in direktem Widerspruch zum Willen derselben Menschen steht, in deren Namen er trotz des Ablaufs seiner Amtszeit im Mai 2024 immer noch handelt. Abgesehen von seinen autoritären Tendenzen ist wahrscheinlich Korruption für seine Hartnäckigkeit verantwortlich, da er vermutlich von dem Krieg profitiert und daher befürchtet, nach dessen Ende angeklagt zu werden.
Wenn er nach dem Krieg gefragt wird, antwortet Trump in der Regel, dass er ihn so schnell wie möglich beenden möchte, um das Töten zu stoppen, das, wie mittlerweile bekannt ist, mindestens 2,2 Millionen ukrainische Männer dazu veranlasst hat, entweder zu desertieren oder sich durch Flucht der Wehrpflicht zu entziehen. Der gesamte Anteil derjenigen, die derzeit auf der Flucht sind, an der Bevölkerung der Ukraine (6,8 Prozent) ist etwas größer als die asiatische Bevölkerung in den USA (6,7 Prozent) laut der letzten Volkszählung. Je früher der Krieg beendet wird, desto eher können sie wieder in die Wirtschaft zurückkehren und beim Wiederaufbau ihres Landes helfen, sofern sie nicht zuvor ins Ausland fliehen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Die Rede von Bundeskanzler Friedrich Merz auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos war eine aggressive Tirade für eine europäische Großmachtpolitik unter der Führung Deutschlands. Kaum verhüllt präsentierte Merz ein Programm von Militarismus, Aufrüstung und wirtschaftlichem Nationalismus, das in der Tradition der deutschen Weltmachtphantasien am Vorabend des Ersten und Zweiten Weltkriegs steht.
Merz stellte seine gesamte Rede unter das Leitmotiv einer neuen Epoche der „Großmachtrivalität“. Die Welt, so der Kanzler, sei geprägt vom russischen Überfall auf die Ukraine – der in Wirklichkeit von den NATO-Mächten provoziert wurde –, vom Aufstieg Chinas und von den Vereinigten Staaten, deren „globale Spitzenposition in Frage gestellt wird und die darauf mit einer radikalen Neuausrichtung ihrer Außen- und Sicherheitspolitik reagieren“.
Diese Formulierung ist eine bewusste Beschönigung des wilden Um-sich-Schlagens des US-Imperialismus, der mit immer brutalerer Gewalt versucht, seinen historischen ökonomischen Niedergang aufzuhalten. Erst zu Beginn dieses Jahres hatte Washington Venezuela überfallen und den gewählten Präsidenten Nicolás Maduro entführen lassen. Es folgten offene Drohungen eines Militärschlags gegen den Iran sowie die Ankündigung, Grönland unter US-Kontrolle zu bringen.
Gleichzeitig machte der Kanzler deutlich, dass sich die herrschende Klasse über die Konsequenzen ihrer Politik sehr wohl bewusst ist. An einer zentralen Stelle erklärte Merz: „Eine Welt, in der nur Macht zählt, ist ein gefährlicher Ort – zuerst für kleine Staaten, dann für die Mittelmächte und schließlich auch für die Großmächte.“ Und weiter: „Im 20. Jahrhundert ist mein Land Deutschland diesen Weg bis zu seinem bitteren Ende gegangen. Es hat die Welt in einen schwarzen Abgrund gerissen.“
Während internationale Empörung zur wohlfeilen Pflichtübung verkommt, wird im besetzten Ostjerusalem eine rote Linie überschritten: Israel zerstört das Hauptquartier der UNRWA – und der Westen schaut zu. Der Bruch des Völkerrechts wird benannt, aber folgenlos abgeheftet. Was sagt dieses Schweigen über die „regelbasierte Ordnung“ wirklich aus?
Die westlichen Nachrichtenagenturen liefern Bildmaterial mit kurzen Texten. Für „humanitäre Angelegenheiten“ zuständige Beauftragte westlicher UN-Mitgliedsstaaten und der EU verurteilen den Bruch internationalen Rechts mit vorgefertigten Textbausteinen. Das Bundesentwicklungsministerium veröffentlichte wenige Sätze. Die Zerstörung der UNRWA-Gebäude sei eine „besorgniserregende Eskalation“, hieß es. UNRWA solle „handlungsunfähig“ gemacht werden, sei aber „für die Versorgung der palästinensischen Flüchtlinge unverzichtbar“, die „Lebensmittel, sauberes Wasser und medizinische Versorgung“ benötigten. Die Angriffe auf die UNRWA-Struktur sollten „sofort aufhören“.
Ansonsten wird die Sache zur Kenntnis genommen. Keine Rede von Sanktionen, nicht mal ein israelischer Diplomat wird in die „regel-basierten“ Außenministerien von USA, der EU-Kommission oder den E3-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien einbestellt. Sie alle pflegen beste Beziehungen mit Israel, das für ihre Interessen einen „neuen Mittleren Osten“ schaffen soll. Das geschieht nicht auf der Basis der UN-Charta und internationaler Abkommen, sondern „regel-basiert“. Die Basis dieser Regeln sind die eigenen geopolitischen Interessen und die Regeln werden – natürlich in Absprache – von Israel festgelegt.
Israel hat diese Woche damit begonnen, mit schwerem Gerät das Hauptquartier des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) in Ostjerusalem zu zerstören. Die israelische Regierung erklärte, der Abriss stände im Einklang mit nationalem und internationalem Recht, zudem wäre man „Eigentümer“ des UN-Geländes. UNRWA wiederum nannte das Vorgehen eine „bewusste Missachtung des Völkerrechts“ und der Immunität von UN-Institutionen. Die NachDenkSeiten wollten vor diesem Hintergrund wissen, wie die Bundesregierung das Vorgehen Tel Avivs bewertet. Für BPK-Verhältnisse fiel die Antwort diesmal recht eindeutig aus. Von Florian Warweg.
Hintergrund:
Am 20. Januar besetzten israelische Sicherheitskräfte die Zentrale des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA in Ost-Jerusalem und begannen mit dessen Zerstörung. Videoaufnahmen zeigen, dass dabei unter anderem mehrere Bulldozer zum Einsatz kamen.
Beteiligt waren neben israelischen Sicherheitskräften auch Mitarbeiter der sogenannten „Israelischen Bodenbehörde“.
UNRWA-Chef Philippe Lazzarini verurteilte das Vorgehen Israels umgehend in scharfen Worten und sprach von einem „Weckruf“ im Umgang mit der israelischen Regierung und deren ungebremsten Völkerrechtsbrüchen:
Hintergrund:
Am 20. Januar besetzten israelische Sicherheitskräfte die Zentrale des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA in Ost-Jerusalem und begannen mit dessen Zerstörung. Videoaufnahmen zeigen, dass dabei unter anderem mehrere Bulldozer zum Einsatz kamen.
Beteiligt waren neben israelischen Sicherheitskräften auch Mitarbeiter der sogenannten „Israelischen Bodenbehörde“.
UNRWA-Chef Philippe Lazzarini verurteilte das Vorgehen Israels umgehend in scharfen Worten und sprach von einem „Weckruf“ im Umgang mit der israelischen Regierung und deren ungebremsten Völkerrechtsbrüchen:
„Ein neues Niveau der offenen und bewussten Missachtung des Völkerrechts, einschließlich der Privilegien und Immunitäten der Vereinten Nationen, durch den Staat Israel.
Heute Morgen stürmten israelische Streitkräfte das UNRWA-Hauptquartier, eine Einrichtung der Vereinten Nationen, in Ostjerusalem.
Bulldozer fuhren auf das Gelände und begannen unter den Augen von Abgeordneten und einem Regierungsmitglied mit dem Abriss der darin befindlichen Gebäude.
Dies stellt einen beispiellosen Angriff auf eine Organisation der Vereinten Nationen und deren Räumlichkeiten dar.
Wie alle UN-Mitgliedstaaten und Länder, die sich der internationalen regelbasierten Ordnung verpflichtet haben, ist auch Israel verpflichtet, die Unverletzlichkeit der UN-Einrichtungen zu schützen und zu respektieren.
Dies geschieht im Anschluss an andere Schritte der israelischen Behörden zur Auslöschung der Identität palästinensischer Flüchtlinge.
Am 12. Januar stürmten israelische Streitkräfte ein UNRWA-Gesundheitszentrum in Ostjerusalem und ordneten dessen Schließung an.
Die Wasser- und Stromversorgung der UNRWA-Einrichtungen – einschließlich der Gesundheits- und Bildungsgebäude – soll in den kommenden Wochen ebenfalls unterbrochen werden.
Dies ist eine direkte Folge der im Dezember vom israelischen Parlament verabschiedeten Gesetzgebung, die die bereits 2024 verabschiedeten Anti-UNRWA-Gesetze verschärft.
Diese Aktionen, zusammen mit früheren Brandanschlägen und einer groß angelegten Desinformationskampagne, widersprechen dem Urteil des Internationalen Gerichtshofs vom Oktober, in dem dieser bekräftigte, dass Israel nach internationalem Recht verpflichtet ist, die Arbeit des UNRWA zu unterstützen und nicht zu behindern oder zu verhindern. Der Gerichtshof betonte zudem, dass Israel keine Hoheitsgewalt über Ostjerusalem besitzt.
Es darf keine Ausnahmen geben. Das muss ein Weckruf sein.
Was heute mit dem UNRWA geschieht, wird morgen mit jeder anderen internationalen Organisation oder diplomatischen Vertretung geschehen, sei es im besetzten palästinensischen Gebiet oder irgendwo anders auf der Welt.
Das Völkerrecht ist schon viel zu lange zunehmenden Angriffen ausgesetzt und droht, ohne eine Reaktion der Mitgliedstaaten an Bedeutung zu verlieren.“
Glenn Diesen im Gespräch mit Jeffrey Sachs – 23. Januar 2026
Prof. Jeffrey Sachs erörtert, wie Davos einen gespaltenes Westen offenbart: Das US-Imperium ist außer Kontrolle, Kanada wehrt sich, Europa reiht sich ein.
Mehrere westliche Länder wenden sich, um der Unterwerfung unter die USA zu entkommen, vorsichtig China zu, darunter Kanada und Großbritannien. Deutschland und die EU bleiben ambivalent, strecken aber ihre Fühler nach Osten aus.
Regierungen einiger westlicher Länder beginnen mit dem Wiederaufbau engerer Beziehungen zu China und bemühen sich damit um politische und ökonomische Alternativen zur Unterordnung unter die Trump-Administration. Ursache sind die Bestrebungen der Vereinigten Staaten, ihre Verbündeten in Nordamerika und in Europa in die Knie zu zwingen und sie immer stärker auszuplündern. Als erstes Land hat Kanada, von Washington mit Annexion bedroht, vergangene Woche eine Strategische Partnerschaft mit China geschlossen. Premierminister Mark Carney begründete dies in einer weithin beachteten Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos mit dem Hinweis, man erlebe zur Zeit einen „Bruch in der Weltordnung“, der dadurch bedingt sei, dass Großmächte sich „keine Beschränkungen mehr“ auferlegten. Der Unterwerfung könne man bloß durch Kooperation mit anderen Staaten entkommen. Auch Großbritannien strebt den Wiederausbau seiner Beziehungen zur Volksrepublik an. Aus Berlin und Brüssel kommen widersprüchliche Signale. Beim European Council on Foreign Relations (ECFR) heißt es zu den Folgen der US-Gewaltpolitik: „Trump is making China great again“.
Von Roger Jordan und Keith Jones – 23. Januar 2026
Der kanadische Premierminister Mark Carney hat in einer Rede vor dem Weltwirtschaftsforum am Dienstag ein düsteres Bild eines globalen kapitalistischen Systems gezeichnet, das von inter-imperialistischen Rivalitäten erschüttert wird und auf einen Weltkrieg zusteuert.
Vor einem Publikum aus kapitalistischen Politikern, imperialistischen Strategen, globalen CEOs und milliardenschweren Oligarchen erklärte Carney, die Welt befinde sich an einem „Wendepunkt“. Dies sei nicht nur ein einfacher Übergang, betonte er, sondern „der Bruch der Weltordnung“ und der Beginn einer „brutalen Realität, in der die Geopolitik zwischen den Großmächten keinen Beschränkungen unterliegt.“
Der Zusammenbruch der von den USA geführten wirtschaftlichen und geopolitischen Ordnung der Nachkriegszeit habe eine neue Ära der „Rivalitäten zwischen Großmächten“ eingeläutet, sagte Carney, in der „die Starken tun, was sie tun können, und die Schwachen erleiden, was sie erleiden müssen.“
Carneys Äußerungen waren ein vernichtendes Eingeständnis eines führenden Politikers der imperialistischen G7-Mächte, dass ein von den Imperialisten angeführter Kampf um die wirtschaftliche und territoriale Neuaufteilung der Welt im Gange ist – ähnlich dem, der im letzten Jahrhundert in den imperialistischen Weltkriegen gipfelte.
Nach dem Sturz des von Russland und dem Iran unterstützten Regimes von Präsident Baschar al-Assad im Dezember 2024 durch islamistische Dschihadisten, die von den USA und ihren regionalen Verbündeten wie der Türkei unterstützt wurden, stand Syrien Anfang 2026 am Rande eines neuen Bürgerkriegs.
Das syrische Regime unter Führung des al-Qaida-Ablegers Hayat Tahrir al-Sham (HTS) begann Anfang Januar eine Offensive auf Gebiete, die von den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF), angeführt von kurdisch-nationalistischen Gruppen, kontrolliert werden. Sowohl die HTS als auch die SDF waren im Krieg zum Regimewechsel Stellvertreter des US-Imperialismus.
Das Regime in Damaskus eroberte zunächst die kurdischen Stadtteile von Aleppo und zwang mehr als 100.000 Zivilisten zur Flucht. Nachdem arabische Stämme innerhalb der SDF die Seiten gewechselt hatten, eroberte das Regime in Damaskus in kurzer Zeit dann auch die mehrheitlich arabischen Provinzen unter der Kontrolle der SDF wie Raqqa und Deir ez-Zor. Kurdische Truppen innerhalb der SDF zogen sich auf Verteidigungsstellungen in den mehrheitlich kurdischen Zentren wie Hasakah und Qamishli zurück. Berichten zufolge haben die Truppen aus Damaskus Orte wie Kobani umstellt.
Am 20. Januar, während einer viertägigen Waffenruhe, zwang das Regime in Damaskus den SDF ein Abkommen auf. Laut diesem Abkommen vom 18. Januar, das von den USA und der Türkei unterstützt wird, werden alle unter der Kontrolle der SDF stehenden Energieressourcen an Damaskus übertragen, während die SDF-Truppen und die de facto autonome Verwaltung der Region aufgelöst werden.
Die deutschsprachigen Massenmedien waren in den letzten Tagen voll von Berichten über die angeblichen Massaker der iranischen Sicherheitskräfte an „friedlichen Demonstranten“. Der geneigte Leser könnte vielleicht interessiert sein, einmal die Zusammenfassung der Ereignisse aus Sicht des Globalen Südens zu lesen.
Hier also eine Zusammenfassung, so wie sie außerhalb der Medien der den Iran dämonisierenden Kolonialmächte und ihren Vasallen wahrgenommen wird, wodurch natürlich auch eine Einseitigkeit gegeben ist. Die Angaben stammen zum großen Teil aus iranischen Meldungen. Der Leser mag sich selbst ein Urteil bilden.
Wie alles begann
Die friedlichen Proteste (1) gegen wirtschaftliche Missstände begannen letzten Monat im Großen Basar von Teheran. Sie eskalierten dann durch eine höchst komplex organisierte, von Außen orchestrierte und gesteuerte Kampagne zu blutigen Straßenschlachten zwischen bewaffneten Randalierer (2), die auf Sicherheitskräfte und normale Passanten losgingen. Ziel dieser Kampagne war es, die tatsächliche Unzufriedenheit in einen umfassenden gewaltsamen Aufstand umzuwandeln.
Zunächst ein Wort zu den Ursachen. Einerseits war der Verfall der iranischen Währung sicher zum Teil auf die Sanktionen, zum Teil auf Fehler in der Wirtschaftspolitik zurückzuführen, aber was kaum beleuchtet wurde: Auch Währungsspekulanten vom Typ eines Soros hatten die Währung an den Rand des Absturzes gebracht. Max Blumenthal berichtet (3):
„US-Finanzminister Scott Bessent rühmt sich damit, dass die sadistischen US-Sanktionen die iranische Währung absichtlich abgewertet hätten und ‚deshalb [die Iraner] auf die Straße gegangen sind‘. ‚Das ist Wirtschaftspolitik, ganz ohne Schüsse‘, fügte Bessent hinzu.“