Von Christian Müller – 20. Juli 2026

Unter der Headline »Raketenabwehr für die Ukraine: Europa handelt viel zu spät« lamentiert Andreas Rüesch in gewohnt russophober Art, dass Europa der Ukraine schon längst mehr hätte helfen können und müssen. Aber im gleichen Kommentar zeigt er sich happy, dass „die Ukraine nun in einen gesamteuropäischen Industrieverbund integriert wird.“ Und: „damit avanciert sie zum Defacto-NATO-Mitglied“!
Andreas Rüesch wörtlich: „Energisch, zukunftsweisend, voller Tatendrang: So präsentieren sich westliche Staatsführer dem Publikum gerne – besonders dann, wenn sie in Wirklichkeit eklatante Versäumnisse kaschieren wollen. Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Ukraine werde nun von allen Seiten mit Lösungen gegen die tödliche Bedrohung durch russische Raketen überhäuft. Doch der Schein trügt. Am Nato-Gipfel von vergangener Woche stellte der amerikanische Präsident Donald Trump in Aussicht, die Ukrainer könnten künftig die begehrten Patriot-Lenkwaffen in Lizenz im eigenen Land herstellen. Diese Woche zog der französische Präsident Emmanuel Macron nach und versprach dasselbe für ein vergleichbares französisches Produkt, die Aster-30-Abfangraketen. Zudem beschlossen neun europäische Länder, zusammen mit der Ukraine ein gesamteuropäisches Abwehrsystem aufzubauen. All dies sind gute Ideen, aber sie kommen viel zu spät.“
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Aber alles zu lesen ist nicht wirklich notwendig oder sinnvoll. Andreas Rüesch lamentiert einfach, dass der Westen nicht rechtzeitig genug die für einen Sieg der Ukraine nötigen Waffensysteme geliefert hat. Aber der Schluss seines Kommentars ist interessant. Wörtlich:
„Ziel ist es, eine günstigere Alternative zu Patriot zu beschaffen. Das ukrainische Rüstungsunternehmen Fire Point will in diesem Rahmen eine neue Abfangrakete namens FP-7.x entwickeln; westeuropäische Firmen sollen Komponenten wie Radare und die Technologie für die präzise Navigation beisteuern. Doch bis zum serienmässigen Einsatz gegen Russland dürften Jahre vergehen, auch wenn Selenski voller Optimismus lediglich zwölf Monate veranschlagt. Der Aufbau der erwähnten Patriot-Fabrik in Bayern ist seit 2024 im Gang – und dies, obwohl es um eine bereits entwickelte Technologie geht. Die Produktion der Waffen selber ist ebenfalls sehr zeitaufwendig; bei den Patriots beispielsweise dauert allein die Herstellung des Raketenmotors zweieinhalb Jahre.
Dies zeigt, dass sich die Produktionszahlen nicht über Nacht hochfahren lassen. Auf Wunder braucht niemand zu hoffen, wenn Regierungen es versäumen, die Weichen frühzeitig zu stellen. So erfreulich es ist, dass die Ukraine nun in einen gesamteuropäischen Industrieverbund integriert wird und damit zum Defacto-Mitglied der Nato avanciert: Für den fehlenden westlichen Weitblick wird die Ukraine noch eine ganze Weile die Zeche bezahlen, in Form von vielen Todesopfern und zerstörter Infrastruktur.“




