Von Peter F. Mayer – 21. Mai 2026

Der Iran-Krieg ist offenbar verloren. Deshalb sucht Trump ein nächstes Opfer: Diesmal trifft es Kuba. Die Trump-Administration hat am 20. Mai 2026 den ehemaligen kubanischen Präsidenten Raúl Castro wegen angeblicher Beteiligung an der Abschussaktion von 1996 angeklagt Zeitgleich ist ein US-Flugzeugträger-Verband in der Karibik eingetroffen.
Offenbar handelt es sich wieder um einer gezielte Eskalation und der Schaffung eines Vorwands für weitere „Maßnahmen“. Die Anklage gegen den 94-jährigen Raúl Castro bezieht sich auf den Abschuss zweier Flugzeuge der Exilorganisation „Brothers to the Rescue“ im Jahr 1996. Damals handelte es sich um eine hochumstrittene Aktion, bei der vier Personen ums Leben kamen. Nun wird daraus plötzlich ein „Verschwörung zum Mord an US-Bürgern“. Das Timing ist alles andere als zufällig. Es dient als juristischer Hebel, um den Druck auf Havanna massiv zu erhöhen und gegebenenfalls eine „humanitäre“ oder „regime change“-Operation zu legitimieren.
Im Vorfeld des Abschusses, bei dem vier kubanischstämmige US-Amerikaner ums Leben kamen, äußerten Vertreter der Clinton-Regierung Bedenken, dass es zu einem Zwischenfall kommen könnte, sollte die BTTR ihre Flüge fortsetzen, die in den kubanischen Luftraum eindrangen und laut am Dienstag vom US National Security Archive veröffentlichten Dokumenten häufig vorkamen.
„Bereits ein Jahr vor dem Abschuss legte die kubanische Regierung mehrfach Protest gegen wiederholte Verletzungen ihres Luftraums durch Flugzeuge der BTTR ein, die über bewohnte Gebiete flogen und Tausende von Flugblättern und anderen Materialien abwarfen, in denen zum Volksaufstand gegen die Regierung aufgerufen wurde“, erklärte das National Security Archive in einer Mitteilung zu den Dokumenten.
Eines der veröffentlichten Dokumente war eine E-Mail eines damaligen Beamten der Federal Aviation Administration (FAA), in der von „weiteren Provokationen der kubanischen Regierung“ durch die Überflüge der „Brothers to the Rescue“ (BTTR) die Rede war und in der das Außenministerium seine Besorgnis über ein „Worst-Case-Szenario“ äußerte, in dem „die Kubaner eines Tages eines dieser Flugzeuge abschießen werden und die FAA besser alle Vorkehrungen getroffen haben sollte“.

