One of FCAS concept / Open source photo
Berlin und Paris zögern das schon sicher geglaubte Scheitern ihres Kampfjetprojekts FCAS weiter hinaus. Der mögliche Fehlschlag des Programms ist auf Differenzen hinsichtlich der Produktionsanteile und der Militärstrategien zurückzuführen.
Deutschland und Frankreich zögern das schon sicher geglaubte Scheitern des Kampfjetprogramms FCAS (Future Combat Air System) noch weiter hinaus. Wie am Freitag nach dem EU-Gipfel in Zypern bekannt wurde, sollen die Verteidigungsministerien beider Länder erneut versuchen, Schritte zur Rettung des Vorhabens zu unternehmen. Details zu etwaigen Optionen wurden, falls sie überhaupt existieren, nicht bekannt. Seit dem Start des Projekts im Jahr 2017 war das FCAS von Verzögerungen geprägt, die unter anderem auf Differenzen hinsichtlich der Aufteilung der Arbeiten, der Technologien und des Profits zurückzuführen waren. Abgesehen davon spiegeln sich im Streit um das Projekt auch zwei recht unterschiedliche strategische Ausrichtungen der beiden Länder wider: Während Deutschland sich von Fragen der Interoperabilität in NATO-Strukturen sowie der Kompatibilität mit US-Systemen leiten lässt, verfolgt Frankreich eine Militärstrategie, die auf von den USA völlig unabhängige Operationen zielt. Ein Eingeständnis des Scheiterns wäre ein schwerer Schlag für die Bestrebungen der europäischen Mächte, militärisch ohne die Vereinigten Staaten handlungsfähig zu werden. Es wird daher verschoben.
Erneut verzögert
Die Verteidigungsministerien Deutschlands und Frankreichs sollen erneut nach Optionen suchen, das FCAS-Programm zu retten.[1] Die Entscheidung dazu wurde von Bundeskanzler Friedrich Merz und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron bei einem Treffen am Rande des EU-Gipfels in der vergangenen Woche auf Zypern getroffen. Laut einem Sprecher der Bundesregierung wurden die Verteidigungsministerien beider Länder beauftragt, „an verschiedenen Strängen der Kooperation weiterzuarbeiten und nächste Schritte zu vereinbaren“. Der Sprecher fügte hinzu: „Diese Arbeit wird in den nächsten Wochen abgeschlossen werden.“ Kaum eine Woche zuvor war von zahlreichen Medien gemeldet worden, ein „letzter“ Vermittlungsversuch sei endgültig gescheitert.[2]
Der Flugzeugträger USS George H.W. Bush, derzeit im Kampfgebiet im Nahen Osten im Einsatz [Photo: Mass Communication Specialist 3rd Class Nicholas Hall]
US-Kriegsminister Pete Hegseth erklärte am Freitag, die USA würden ihre Seeblockade gegen den Iran zu einer globalen Operation gegen den Schiffsverkehr in allen Ozeanen ausweiten. Stunden zuvor hatte das Finanzministerium Sanktionen gegen eine große chinesische Ölraffinerie und 40 Reedereien verhängt, weil sie iranisches Rohöl gekauft hatten.
Bei einer Pressekonferenz des Pentagon am 24. April erklärte Hegseth vor Journalisten: „Unsere Blockade wächst und wird global. Ohne die Erlaubnis der US-Marine kommt niemand aus der Straße von Hormus irgendwohin auf der Welt.“ Er erklärte weiter, seit Beginn der Blockade im April seien 34 Schiffe zurückgeschickt worden, und die US-Marine habe letzte Woche zwei iranische Schiffe im Indischen Ozean beschlagnahmt.
Die Blockade und die Sanktionen richten sich gegen China. Letzte Woche hatte die US-Marine im Golf von Bengalen zwischen Sri Lanka und der Straße von Malakka den Tanker M/T Tifani beschlagnahmt, der rund zwei Millionen Barrel iranisches Rohöl für chinesische Raffinerien geladen hatte. China ist der größte Abnehmer iranischen Öls und bezieht mehr als zehn Prozent seines Rohölbedarfs aus dem Iran.
Das Finanzministerium verhängte am Freitag sekundäre Sanktionen gegen Hengli Petrochemical, eine private Raffinerie in der chinesischen Hafenstadt Dalian, die etwa 400.000 Barrel Öl pro Tag verarbeiten kann. Ihr wurde der Kauf iranischen Öls vorgeworfen. Das Finanzministerium sanktionierte außerdem 40 Reedereien und Schiffe und fror Krypto-Wallets mit 344 Millionen US-Dollar ein, die von iranischen Zwischenhändlern genutzt wurden.
Ein Sprecher der chinesischen Botschaft in Washington erklärte am Freitag, die Sanktionen würden „die internationale Handelsordnung und Regeln“ untergraben und „die legitimen Rechte und Interessen chinesischer Unternehmen und Privatpersonen verletzen.“ Die Maßnahmen erfolgten am Vorabend eines geplanten Treffens zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping.
General Dan Caine, ein ranghoher US-Offizier, der neben Hegseth auftrat, erklärte an die Adresse der internationalen Reeder: „Wenn Sie sich nicht an diese Blockade halten, werden wir Gewalt anwenden. [US-Streitkräfte] sind weiterhin in Position und bereit, buchstäblich jederzeit wieder größere Kampfeinsätze aufzunehmen.“
Diesen Schritten dürfte eine geplante Verschärfung des französisch-amerikanischen Hybridkriegs gegen die Staaten der Sahel-Allianz folgen.
Im Februar wurde gewarnt, dass „die USA der Sahel-Allianz ein Angebot machen könnten, das sie nicht ablehnen kann“, während der damals bevorstehenden Reise des obersten US-Diplomaten für Afrika nach Bamako, der Hauptstadt Malis, dem Anführer der Allianz der Sahelstaaten (AES). Der Analyse zufolge könnte ihnen nahegelegt werden, „die USA die Rolle Russlands als ihren wichtigsten Sicherheitspartner ersetzen oder zumindest ‚ausgleichen‘ zu lassen, unter der implizierten Androhung von US-gestütztem militärischem Druck Nigerias unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung, von Frankreich unterstützten terroristischen Vorstößen und/oder US-amerikanischen Anti-Terror-Schlägen“.
Die AES lehnte dies offenbar ab, wie aus den jüngsten Bemühungen von Radio France International hervorgeht, sie zu delegitimieren, die hier analysiert wurden, wobei die Schlussfolgerung lautet, dass dies wahrscheinlich einer Verschärfung des französisch-amerikanischen hybridenKriegs gegen die AES vorausgeht, der zeitlich so abgestimmt sein könnte, dass er mit verstärktem Druck auf Russland zusammenfällt. Für diejenigen Leser, die die AES nicht genau verfolgt haben: Sie ist Russlands wichtigster militärischer Verbündeter in Afrika und orientiert sich an der führenden Rolle des Landes im globalen systemischen Übergang zur Multipolarität.
Ziel ist es, die Bildung einer gemeinsamen Streitmacht zu fördern, um ein Friedensabkommen zu ermöglichen, das es den USA gestatten würde, Libyens riesige Ölreserven (die größten in Afrika) und umfangreichen Mineralvorkommen zu erschließen sowie Russland aus diesem geostrategisch wichtigen Land zu verdrängen, wo es im Osten seit Jahren über Wagner Einfluss ausübt. Der Artikel spricht ausdrücklich davon, Russlands Luftbrücke zur AES zu unterbrechen, was die militärische Logistik zwischen Russland und der AES dann von den guineischen und togolesischen Nachbarn des Blocks abhängig machen und auf den Seeweg beschränken würde.
Zu diesem Zweck hat Russlands traditioneller türkischer Rivale im vergangenen Jahr stillschweigend eine Annäherung an den ehemaligen Feind General Khalifa Haftar vollzogen, wie in diesem Bericht eines polnischen Thinktanks von Ende letzten Jahres hier dokumentiert, was die Voraussetzungen dafür schuf, dass sein hochrangiger amerikanischer Partner die Manöver Mitte April in Sirte organisieren konnte. Anfang April besuchte Selenskyj Syrien, was als Zeichen dafür gewertet wurde, dass „Syrien will, dass Russland mit der Ukraine um seine Loyalität konkurriert“, da es sonst riskiert, den Luftwaffenstützpunkt zu verlieren, der für seine Luftbrücke zur AES unverzichtbar ist.
Was sich daher derzeit abzeichnet, ist eine koordinierte Kampagne der USA, der Türkei und der Ukraine, um Russlands Luftbrücke zur AES durch ihren neuen Vorstoß gegen Russland in Libyen und Syrien zu unterbrechen. Selbst wenn Russland seinen Luftwaffenstützpunkt in Syrien behält, gibt es keine Garantie dafür, dass Libyen Russland weiterhin Überflugrechte zur AES gewähren wird, falls Haftar seine Probleme mit Tripolis beilegt, was Libyen zum Brennpunkt dieser Bemühungen macht. Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat diese Bedenken kürzlich beiseite gewischt, aber vielleicht versucht er nur, cool zu bleiben.
Fasst man alles zusammen, so gehen diese amerikanischen Schritte in Libyen, die darauf abzielen, Russlands Luftbrücke zur AES zu unterbrechen, wahrscheinlich einer geplanten Verschärfung des französisch-amerikanischen Hybridkriegs gegen diesen Block voraus, an dem natürlich auch die Ukraine beteiligt sein wird, was bedeutet, dass sich dessen Mitglieder auf das Schlimmste gefasst machen müssen. Die USA sind fest entschlossen, die AES entweder zu unterwerfen oder zu zerstören, da sie ein inspirierendes Beispiel für andere multipolare Länder in ganz Afrika darstellt, deren Ressourcen der Westen benötigt, um seine unipolare Hegemonie wiederherzustellen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.
Wir hatten gesehen, wie auf dem Schlachtfeld der Ukraine Drohnentechnologie sich fast monatlich erweiterte, veränderte und den Krieg entscheidend beeinflusste. Und diese Drohnen tun das auch im Nahen Osten. Große, teure Armeen, auch mit Luftherrschaft, haben immer mehr Probleme, gegen entschlossene Widerstandskämpfer oder Rebellen die Oberhand zu gewinnen.
Anis Raiss schrieb über diesen Effekt im Libanon einen Artikel mit dem Titel „Schwächer als ein Spinnennetz: Hisbollahs Glasfaserfaden fängt den Merkava ein“. Und der Autor erklärt, dass dies kein tollkühner improvisierter Überraschungsangriff war, sondern die Entlarvung eines Systems, das für den Krieg der letzten Jahrzehnte entwickelt worden war. Und was dieses Milliardengeschäft als Köng ohne Kleider darstehen ließ war eine „Waffe im Mikrometerbereich“, meint der Autor. Es handele sich um eine Spule aus Glas, so dünn wie ein menschliches Haar, gewickelt in ein 3D-gedrucktes Gehäuse, das weniger wiegt als eine Tüte Zucker.
„Am 4. April zerstörte sie im Südlibanon einen Merkava Mk.4 Kampfpanzer. Die Drohne, die sie begleitete, kostete weniger als ein Abendessen für zwei in Tel Aviv. Sie kam auf keiner Frequenz an. Sie durchquerte einen Luftraum, den das Radar der Besatzungstruppen nicht erfassen konnte. Sie wurde von einem Piloten gesteuert, der von den Störsendern der Besatzungstruppen nicht zum Schweigen gebracht werden konnte. Zwei Jahrzehnte lang baute der Besatzungsstaat eine Industrie auf, um Signale zu unterdrücken. Die Hisbollah setzte eine Waffe ein, dünner als das Spinnennetz, mit dem der verstorbene Generalsekretär Hassan Nasrallah einst Israels Fragilität beschrieb – eine Waffe, die keinerlei Signale aussendet.
In der ersten Aprilwoche wurde im Südlibanon ein schwerer Schützenpanzer vom Typ Namer – eines der am stärksten gepanzerten Fahrzeuge der Besatzungsarmee, ausgestattet mit der 30-mm-Bushmaster-Kanone, einem Spike-Raketenwerfer und dem aktiven Schutzsystem Trophy zur Abwehr anfliegender Geschosse – von einer 500-Dollar-Drohne getroffen. Die Drohne trug einen sowjetischen RPG-Sprengkopf aus dem Jahr 1961, entrollte im Flug ein hauchdünnes Glasfaserkabel hinter sich und näherte sich einem Ziel, dessen gesamte Verteidigungslogik auf einer Frequenz basierte, auf der die Drohne nicht sendete. The War Zone berichtete über den Angriff sowie über bestätigte Treffer auf zwei Merkava Mk.4-Panzer und einen D9-Bulldozer im selben Zeitraum. Trophy, das System, das Rafael als Antwort auf den nächsten Krieg vermarktete, traf auf eine Waffe, die keine Signale aussendet.“
Die Jahre der Vorbereitung
Der Autor beschreibt dann, dass all dies Jahre in Vorbereitung waren. Die 7. Brigade der Besatzungsarmee sei keine gewöhnliche Panzereinheit, meint Anis Raiss. Sie habe 1973 im Tal der Tränen gekämpft und diene seit einem halben Jahrhundert als Israels wichtigste Panzerreserve an der Nordfront. Am 25. März schickten ihre Pioniere einen ferngesteuerten D9-Bulldozer von Muhaysibat nach Norden, um die Verteidigungslinien des Widerstands zwischen Taybeh und Qantara zu erkunden. Hisbollah-Kämpfer beobachteten, wie der Bulldozer durch ihre Feuerbereiche fuhr, und ließen ihn fahren. Sie warteten auf das, was als Nächstes kam.
Von Peter F. Mayer und Jochen Mitschka – 26. April 2026
Trotz „Waffenruhe“: Israel greift weiter im Libanon an und will Litani-Gebiet dauerhaft kontrollieren – Iran setzt auf „strategische Abschreckung. Die Realität am 58. Tag zeigt: Die Waffenruhe ist eine Farce. Diplomatische Bemühungen in Pakistan laufen ins Leere, weil Trump seine eigenen Gesandten zurückgepfiffen hat . Israel setzt seine Angriffe fort, hat bereits 15 Menschen im Libanon seit Beginn der Waffenruhe getötet und erklärt offen, das Gebiet südlich des Litani-Flusses dauerhaft kontrollieren zu wollen – inklusive Brücken und Infrastruktur. Die IRGC warnt vor „strategischer Abschreckung“ und hat die Straße von Hormuz zur „Kill-Zone“ gemacht. Diplomatische Bemühungen in Pakistan laufen ins Leere, weil Trump seine eigenen Gesandten zurückgepfiffen hat.
Im Libanon eskaliert die Lage trotz der von Trump um drei Wochen verlängerten Waffenruhe. Netanyahu hat die IDF angewiesen, „mit aller Kraft“ gegen Hezbollah-Ziele vorzugehen. Israelische Luft- und Drohnenangriffe auf den Südlibanon töten weiter Zivilisten – erst kürzlich vier Tote. Israel greift gezielt Brücken und Infrastruktur an und will das Gebiet südlich des Litani-Flusses unter dauerhafte Kontrolle bringen. Hezbollah hat klargemacht, die Waffen erst niederzulegen, wenn die Besatzung endet. Libanesische Politiker sprechen von Kriegsverbrechen und einem „US-gestützten Entwaffnungsplan“.
Haaretz bestätigt aus israelischer Sicht die fortlaufenden Einsätze: Die IDF zerstört Hezbollah-Strukturen, Raketenwerfer und sogar Solaranlagen im Südlibanon – angeblich „Terrorziele“. Netanyahu ordnet „kraftvolle Schläge“ trotz Ceasefire an. Seit Beginn der Waffenruhe sind laut israelischen und libanesischen Quellen mindestens 15 Menschen getötet worden.
Auf iranischer Seite herrscht ungebrochene Entschlossenheit. Die Revolutionsgarde (IRGC) hat die Straße von Hormuz zur Festung ausgebaut: Ghadir-U-Boote, Schnellboote und unbemannte Unterwasserfahrzeuge machen jede US-Blockade zum Risiko. Iran hat ein US-kollaborierendes Schiff gekapert und warnt vor „strategischer Abschreckung“, falls die illegale Blockade fortgesetzt wird.
Außenminister Araghchi hat in Pakistan ein praktikables Rahmenkonzept für ein dauerhaftes Kriegsende vorgelegt – doch Trump hat die US-Gesandten kurzerhand zurückbeordert. Iran lehnt Verhandlungen unter Druck und Blockade ab. (PressTV; Fars News English)
Die Opferzahlen sind erschreckend: Bis zu 3.375 Tote allein in Iran, 2.294 im Libanon und 28 in den Golfstaaten. Iran meldet zudem, dass 7.125 Menschen lebend aus den Trümmern geborgen wurden. Die Zerstörung von 150 historischen und kulturellen Stätten in Iran wird als gezielter Kulturkampf gewertet.
Auf X (ehemals Twitter) dominieren die Diskussionen um die anhaltenden israelischen Verstöße gegen die Waffenruhe, die Hormuz-Blockade und die Frage, ob der Krieg bereits strategisch verloren ist. Die Realität ist eindeutig: Der „Frieden“ dient nur als Deckmantel für weitere israelische Gebietsgewinne und US-Druckpolitik.
Dieser Krieg ist kein Verteidigungskrieg – er ist ein Angriffskrieg zur Durchsetzung regionaler Dominanz. Während Iran und Hezbollah Resilienz und Einheit zeigen, zahlen die Völker der Region und die Weltwirtschaft den Preis. Die Bürger in Europa und den USA finanzieren mit ihren Steuern und ihrer NATO-Mitgliedschaft einen Konflikt, der die globale Stabilität zerstört und Energiepreise in die Höhe treibt.
Informationen aus dem Haaretz-Newsletter:
Auf diplomatischer Ebene wichen erste Anzeichen für Fortschritte letztendlich einer erneuten Pattsituation. Das Weiße Haus hatte am Freitag zunächst mitgeteilt, dass die Sonderbeauftragten von Präsident Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner, am Samstag zu Gesprächen mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi aufbrechen würden. Obwohl Araghchi tatsächlich am Freitag in Islamabad eintraf, erklärte das Außenministerium in Teheran am X., dass iranische Vertreter sich nicht mit der amerikanischen Delegation treffen würden. Eine an den Gesprächen beteiligte pakistanische Quelle teilte später am Samstag mit, Araghchi habe sowohl die Forderungen Teherans als auch dessen Vorbehalte gegenüber den Vorschlägen Washingtons übermittelt.
In Israel protestierten unterdessen Dutzende Demonstranten vor der Residenz des US-Botschafters Mike Huckabee in Jerusalem und forderten die Trump-Regierung auf, ihre Unterstützung für Premierminister Netanjahu einzustellen, den sie als Bedrohung für beide Länder bezeichneten. Eran Etzion, der ehemalige stellvertretende Leiter des israelischen Nationalen Sicherheitsrats, sagte in einem Appell an Trump, dieser setze „auf das falsche Pferd“ und fügte hinzu: „Wir suchen eine Regierung, die den US-Präsidenten nicht belügt oder betrügt.“
Israel kam der Forderung der USA nach einer Eindämmung der Angriffe auf Gaza im Rahmen der Bemühungen um eine Entwaffnung der Hamas nicht nach
Die USA forderten Israel auf, die Angriffe in Gaza einzuschränken, um Fortschritte in der zweiten Verhandlungsphase mit der Hamas zu ermöglichen, wie Haaretz erfahren hat. Obwohl Israel der Forderung zustimmte, setzte es diese nicht um. Allein zwischen Mittwoch und Donnerstag wurden in Gaza elf Menschen getötet, darunter drei Kinder bei einem Angriff auf den Innenhof einer Moschee in Beit Lahia, wie das Gesundheitsministerium in Gaza und lokale Berichte mitteilten. Israelische Verteidigungsbeamte sagten, die USA hätten ihre Forderung etwa zur Zeit des Waffenstillstandsabkommens mit dem Iran gestellt, das Anfang April geschlossen worden war.
Von Peter F. Mayer und Jochen Mitschka – 25. April 2026
Irans Außenminister lobt Vermittlungsbemühungen des pakistanischen Armeekommandanten nach Treffen. Israel will Brücken und Gebiet südlich des Litani „kontrollieren“ – trotz angeblicher Waffenruhe 3.375 Tote in Iran, 2.294 in Libanon.
Während westliche Medien von „Diplomatie“ und „verlängerten Waffenruhen“ sprechen, zeigt die Realität ein anderes Bild: Der US-israelische Angriffskrieg gegen Iran und den Libanon geht am 57. Kriegstag unvermindert weiter. Israel kündigt offen an, Brücken zu zerstören und das Gebiet südlich des Litani-Flusses dauerhaft zu „kontrollieren“ – de facto eine Annexion. Die iranische Seite meldet massive militärische Erfolge: Über 170 US-israelische Drohnen abgeschossen, die Operation „True Promise 4“ als „Blitzkrieg“ gegen das US-Kriegssystem in Westasien.
Die libanesische Front bleibt hochbrisant. Trotz einer von Trump um drei Wochen verlängerten Waffenruhe greift Israel weiter an. Es gibt anhaltende Luftangriffe auf den Südlibanon und die offene israelische Absicht, das Gebiet südlich des Litani-Flusses unter Kontrolle zu bringen – inklusive Brückenzerstörung und Gebietskontrolle. Hezbollah antwortet mit Raketen auf Nordisrael und schwört, die Waffen erst niederzulegen, wenn die israelische Besatzung endet. Libanesische Politiker sprechen von „US-gestütztem Plan zur Entwaffnung“ und von Kriegsverbrechen durch Israel.
Iran zeigt sich unbeeindruckt und militärisch resilient. PressTV berichtet von der IRGC, die Schnellboote und unbemannte Unterwasserfahrzeuge für US-Schiffe im Golf von Hormuz bereithält. Die Meerenge wurde zur „Kill-Zone“ für Aggressoren ausgebaut – Ghadir-U-Boote, Sejjil-2-Raketen und Luftabwehr, die über 170 Drohnen zerstörte, haben die Drohnenkriegsdoktrin neu geschrieben. Die Operation True Promise 4 wird als Schlag gegen das US-Kriegssystem gefeiert. Irans Führung betont die „eiserne Einheit“ von Volk, Regierung und Streitkräften. Gleichzeitig wurde ein US-kollaborierendes Schiff gekapert.
Fars News Agency unterstreicht die innere Geschlossenheit Irans und die Erinnerung an Märtyrer wie General Soleimani – ein klares Signal, dass der Widerstand nicht brechen wird. Die diplomatische Schiene läuft parallel: Pakistan vermittelt zwischen Teheran und Washington, Ägypten zeigt sich optimistisch. Doch Trump steht unter Zeitdruck – am 1. Mai läuft die Frist des War Powers Act ab, eine Verlängerung des Krieges ohne Kongress wäre illegal.
Die US-Blockadeversuche im Hormus kosten die Weltwirtschaft Milliarden und treiben Ölpreise in die Höhe.
08 Uhr 30:
Auf X/Twitter dominieren die Themen Hormus-Blockade, dritte US-Flugzeugträger-Gruppe und die Frage, ob der Krieg schon verloren ist. Nutzer sprechen von strategischer Erschöpfung der USA und von Israels Expansionsdrang, der jede Pause zur Gebietsgewinnung nutzt. Die Realität ist eindeutig: Schein-Diplomatie als Deckmantel für anhaltende Aggression.
Iran und Hisbollah zeigen, dass asymmetrische Kriegsführung und Einheit stärker sind als hochtechnisierte Übermacht. Die Opferzahlen und die Zerstörung kultureller Stätten (150 historische Orte in Iran beschädigt) sind das bittere Ergebnis einer Politik, die mit „Selbstverteidigung“ begründet wird, aber pure Expansion ist. Die Bürger in Europa und den USA finanzieren mit ihren Steuern und ihrer NATO-Mitgliedschaft einen Konflikt, der die Weltwirtschaft an den Abgrund treibt und Tausende unschuldige Menschen das Leben kostet. Zeit, die wahren Kriegsherren beim Namen zu nennen – und die eigenen Regierungen zur Verantwortung zu ziehen.
Der renommierte US-Ökonom und Politikberater Jeffrey Sachs hat in einem brisanten Interview mit Tucker Carlson am 24. April 2026 Klartext gesprochen – und die westliche Kriegspropaganda schonungslos enttarnt. Der Titel der Sendung könnte nicht passender sein: Der Krieg gegen Iran und Libanon steht an einem gefährlichen „Scheideweg“.
Entweder sofortige Diplomatie und Deeskalation oder ein regionaler (und potenziell globaler) Flächenbrand mit katastrophalen wirtschaftlichen Folgen für die gesamte Welt. Sachs, einer der schärfsten Kritiker der US-Außenpolitik, nennt die Dinge beim Namen: Die Blockade der Straße von Hormuz durch den laufenden US-israelischen Angriffskrieg hat die Weltwirtschaft bereits in die Krise gestürzt – und die Uhr tickt. Hier das vollständige Interview in der Tucker-Carlson-Show – Video am Ende des Artikels.
Sachs erklärt unmissverständlich: Die schmale Meerenge von Hormuz ist die Lebensader für 20 Prozent des Weltöls, Gas, Düngemittel und petrochemische Produkte. Solange sie blockiert bleibt, „taumelt die Weltwirtschaft“. Die einzige vernünftige Lösung sei ein sofortiger „off-ramp“ – ein diplomatischer Rückzug, auch wenn das für Netanyahu und Trump politisch unangenehm wäre.
Die Alternative? Weitere Bombenangriffe, Zerstörung der Golf-Infrastruktur (Ölfelder, Häfen, Entsalzungsanlagen), iranische Vergeltung und ein Krieg, der in wenigen Wochen in eine globale Katastrophe münden könnte.
Sachs warnt: „Das wäre eine globale Katastrophe mit wirtschaftlichen Folgen, die überall spürbar wären.“
Besonders vernichtend fällt Sachs’ Urteil über den israelischen Ministerpräsidenten aus. Er nennt Benjamin Netanyahu einen „disgusting warmonger“ – einen „widerlichen Kriegshetzer“ –, der mit massiven Kriegsverbrechen die Welt an den Abgrund führt. Warum applaudiert der US-Kongress diesem Mann trotzdem stehend? Sachs nennt die üblichen Verdächtigen: AIPAC-Lobby, christlich-zionistischer Einfluss, Medienmacht und pure politische Feigheit. Doch er macht klar: Kein Argument rechtfertigt es, dass die Schicksale von Trump und Netanyahu über das Schicksal der gesamten Menschheit entscheiden.
Die historische Einordnung ist ebenso schonungslos. Sachs erinnert an den CIA-Putsch in Iran 1953 und die neokonservative „Clean Break“-Strategie von 1996 – die Blaupause für die aktuelle Politik der totalen regionalen Dominanz. Das sei kein Sicherheitsproblem, sondern reiner Imperialwahn. Die USA und Israel verfolgen Ziele, die weder legitim noch machbar seien. Stattdessen riskieren sie einen Flächenbrand, der weit über den Nahen Osten hinausreicht.
Screenshot von der Videodokumentation der „Gemeinsamen israelisch-palästinensischen Gedenkzeremonie“.
In Israel fand diese Woche die 2006 ins Leben gerufene „Gemeinsame israelisch-palästinensische Gedenkzeremonie” statt. Ein Hoffnungsschimmer?
Zwischen dem Pessach-Fest und dem Unabhängigkeitstag gibt es in Israel zwei Gedenktage – den Holocaust-Gedenktag und den Gedenktag für die gefallenen Soldaten. Es ist schon in der Vergangenheit von unterschiedlichen Autoren behauptet worden, dass die Abfolge von Pessach-Fest, Holocaust-Gedenken, Soldaten-Gedenken und Unabhängigkeitstag ein bewusst konstruiertes Narrativ bildet.
Pessach ist das Fest zum Andenken an den biblischen Exodus der Israeliten aus Ägypten, dem Land, in dem sie als Sklaven lebten und von Moses, mit Gottes Hilfe, durch die Sinai-Wüste in das gelobte Land Kanaan, dem heutigen Israel, geführt wurden. Es ist ein Fest der Freiheit. Der Holocaust-Gedenktag wurde bereits 1953, fünf Jahre nach Gründung des Staates Israel, gesetzlich thematisiert, aber erst 1959 unter seinem heutigen Namen („Erinnerungstag an die Shoah und den Heldenmut“) gesetzlich festgelegt. Bezeichnend ist, dass man neben der Katastrophe (Shoah) auch den „Heldenmut“ meinte, in den Namen einfügen zu sollen, nicht zuletzt um anzuzeigen, dass es auch einen jüdischen Widerstand (in den Ghettos) gegen die Nazibarbarei gegeben hat. 1963 wurde das Gesetz zum Gedenktag für die Gefallenen der israelischen Kriege verabschiedet, der allerdings diesen endgültigen Namen erst später erhielt, auch diese Fassung wurde dann abermals modifiziert und lautet heute „Gedenktag für die Gefallenen der israelischen Kriege und die Opfer von Terroranschlägen”. Die Hinzufügung war insofern beredt, als der Gedenktag sich nunmehr auch auf Zivilisten bezog. Der Unabhängigkeitstag wurde kurz vor dem einjährigen Bestehen des Staates Israel im Jahre 1949 gesetzlich festgelegt. Der als nationaler Festtag bestimmte Termin richtet sich nach dem hebräischen Datum der Ausrufung des Staates im Jahr 1948. Er wird immer nach dem Gedenktag für die Gefallenen begangen.
Gemeinsam ist diesen drei Details ihre negative Auswirkung auf die nationale Sicherheit Russlands.
Das Stockholmer Internationale Friedensforschungsinstitut (SIPRI), das als führende Autorität im Bereich des internationalen Waffenhandels gilt, veröffentlichte letzten Monat seinen neuesten Bericht über entsprechende Trends im Zeitraum 2021–2025. Die wichtigste Erkenntnis ist, dass „Europa zum ersten Mal seit den 1960er Jahren die Region mit dem größten Anteil an den weltweiten Waffenimporten (33 Prozent) war“, doch es gibt drei weitere, scheinbar unbedeutendere Details darin, die den meisten Beobachtern entgangen sind, die aber ebenfalls wichtig zu beachten sind. Diese lauten wie folgt:
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1. Südkorea verdrängte die USA als Polens größter Waffenlieferant
Der Bericht des letzten Jahres, der den Zeitraum 2020–2024 abdeckte, stellte fest, dass Polen in diesem Zeitraum 42 Prozent seiner Waffen aus Südkorea und 45 Prozent aus den USA importierte; der aktuelle Bericht zeigt jedoch, dass 47 Prozent aus Südkorea und 44 Prozent aus den USA importiert wurden. Dies entsprach 46 Prozent der südkoreanischen Waffenexporte von 2020 bis 2024 bzw. 58 Prozent von 2021 bis 2025. Insgesamt exportierte Südkorea im ersten Zeitraum 2,2 Prozent der weltweiten Waffen und im zweiten Zeitraum drei Prozent, was die globale Bedeutung der Verkäufe an Polen verdeutlicht.
Dies ist insofern von Bedeutung, als es nach bestem Wissen des Autors das erste Mal ist, dass ein NATO-Mitglied nun mehr von einem asiatischen Land als von einem westlichen Partnerland beliefert wird. Polens enormer militärischer Aufbau, der dazu geführt hat, dass das Land nun die drittgrößte Armee der NATO aufstellt, ist ebenfalls ein Segen für die südkoreanische Rüstungsindustrie. Da Polen seinen Verbündeten bei NATO-Manövern zunehmend die Qualität dieser Waffen demonstriert, ist es möglich, dass andere Mitglieder des Bündnisses bald seinem Beispiel folgen könnten.
2. Kasachstan ersetzt russische Waffen schrittweise durch westliche
Im Zeitraum 2020–2024 importierte Kasachstan 6,4 Prozent seiner Waffen aus Spanien und 1,5 Prozent aus der Türkei als zweit- und drittgrößte Waffenlieferanten, wobei Russland mit 88 Prozent der Lieferungen weit vor ihnen lag. Im jüngsten Zeitraum von 2021 bis 2025 stiegen die Importe aus Spanien auf 7,9 Prozent, während Frankreich mit 3,6 Prozent die Türkei als Kasachstans drittgrößten Lieferanten ablöste, wobei Russlands Anteil leicht auf 83 Prozent zurückging. Der Rückgang der russischen Lieferungen wurde somit in etwa durch den Anstieg der westlichen Lieferungen ausgeglichen.
Dies ist insofern von Bedeutung, als es Kasachstans Entscheidung vom vergangenen Dezember, Geschosse nach NATO-Standard herzustellen, in einen Kontext stellt; die potenziellen Folgen dieser Entscheidung wurden hier analysiert und könnten das Land auf einen unumkehrbaren Kollisionskurs mit Russland bringen. Die „Trump-Route für internationalen Frieden und Wohlstand“ durch den Südkaukasus könnte zudem den Fluss weiterer westlicher Waffen erleichtern, indem sie die Transportkosten senkt. Es ist daher zu erwarten, dass Kasachstan seine russischen Waffen weiterhin schrittweise durch westliche ersetzen wird.
3. Israel wurde durch einen Mega-Waffenhandel zu Deutschlands größtem Rüstungspartner
Die Lieferung des Raketenabwehrsystems „Arrow 3“ durch Israel an Deutschland im vergangenen Jahr, die mit 4,6 Milliarden US-Dollar das größte Exportgeschäft aller Zeiten darstellte, führte dazu, dass Israels Anteil an den deutschen Waffenimporten von 13 % im Zeitraum 2020–2024 auf 55 Prozent im Zeitraum 2021–2025 sprang. Gleichzeitig blieb Israel mit zehn Prozent der deutschen Waffenexporte im Zeitraum 2021–2025 Deutschlands drittgrößter Waffenabnehmer, verglichen mit elf Prozent im Zeitraum 2020–2024, wobei der leichte Rückgang um ein Prozent wahrscheinlich auf eine drei Monate andauernde Beschränkung der Waffenexporte nach Israel im vergangenen Jahr zurückzuführen ist.
Dies ist deshalb von Bedeutung, weil Israels neue Rolle als Deutschlands größter Waffenlieferant seine Beziehungen zu Russland verschlechtern könnte, insbesondere wenn sich die Exporte von Verteidigungssystemen wie dem Arrow 3 zu Offensivsystemen wie dem 7-Milliarden-Dollar-Geschäft über 500 Raketenwerfer und Tausende von Raketen entwickeln, über das derzeit verhandelt wird. Darüber hinaus könnte sich die geopolitische Lage in Westasien nach dem Ende des US-israelischen Angriffskriegs gegen den Iran radikal ändern, sodass Russland möglicherweise nicht in der Lage sein wird, dem Iran im Gegenzug ähnliche Systeme zu verkaufen. Israel würde dann einen Vorteil gegenüber Russland erlangen.
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Was diese drei Trends gemeinsam haben, ist ihre nachteilige Auswirkung auf die nationale Sicherheit Russlands. Der Kreml ging wahrscheinlich davon aus, dass Polen und Deutschland ihre Militarisierung fortsetzen und sogar um die Führung bei der Eindämmung Russlands konkurrieren würden, doch die neuen Rollen Südkoreas und Israels als ihre wichtigsten Lieferanten kamen wahrscheinlich überraschend. Was es jedoch möglicherweise überhaupt nicht vorausgesehen hat, war, dass der Westen allmählich auf dem kasachischen Rüstungsmarkt Fuß fasst. Russland wird sich irgendwie mit diesen latenten Bedrohungen auseinandersetzen müssen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow hielt am 19. April eine feierliche Videoansprache, als Russland zum ersten Mal den „Gedenktag für die Opfer des Völkermords am sowjetischen Volk, verübt von den Nazis und ihren Komplizen während des Großen Vaterländischen Krieges 1941–1945“, beging.
Lawrow begann damit, seinen Landsleuten mitzuteilen, dass dieser Tag gewählt wurde, weil an diesem Tag im Jahr 1943 vom Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR ein Dekret zur Bestrafung der für diese Verbrechen Verantwortlichen erlassen wurde.
Wichtig ist, dass „das Dekret das erste Dokument war, das eine rechtliche Einstufung der von den Nazis und ihren Kollaborateuren verfolgten systematischen Politik zur Auslöschung der Zivilbevölkerung lieferte und die Grundlage dafür schuf, sie vor Gericht zu stellen“, wie es später in ganz Europa vor dem Nürnberger Tribunal geschah. Er erinnerte dann alle daran, dass „die Gesamtzahl der zivilen Opfer in der UdSSR während der Besatzung etwa 14 Millionen Menschen betrug. Diese Verbrechen sind unverjährbar.“
Dementsprechend „wird die russische Diplomatie die Anerkennung der von den Nazis und ihren Komplizen an Bürgern der Sowjetunion begangenen Verbrechen als Völkermord am sowjetischen Volk durch die internationale Gemeinschaft anstreben“, was längst überfällig ist und den besten Weg darstellt, die Opfer zu ehren. Entgegen der weit verbreiteten westlichen Wahrnehmung war der Holocaust nicht der einzige Völkermord der Nazis. Die Polen waren tatsächlich die ersten, an denen Völkermord begangen wurde, während mehr Sowjetbürger Opfer von Völkermord wurden als jede andere Gruppe. Auch andere Völker wurden Opfer eines Völkermords.
Darin liegt der zweite Grund, warum dieser Gedenktag im vergangenen Dezember eingeführt wurde, nämlich um das Bewusstsein für die Opfer der UdSSR im Kampf gegen Nazideutschland zu schärfen. Russland, das als rechtlicher Nachfolgestaat der UdSSR im Namen des multinationalen sowjetischen Volkes spricht, will damit nicht andeuten, dass diese Opfer die Juden an der Spitze der imaginären Opferhierarchie ersetzen sollen, die viele Westler im Kopf haben. Vielmehr zieht es Moskau vor, diese Hierarchie abzubauen, da es der Ansicht ist, dass alle Opfer der Nazis gleichwertig sind.
Der dritte Grund für diesen Schritt ist, der weit verbreiteten westlichen Wahrnehmung entgegenzuwirken, wonach die UdSSR als Mitverursacherin des Zweiten Weltkriegs an der Seite Nazi-Deutschlands stand. Putin verurteilte scharf die Resolution des Europäischen Parlaments aus dem Jahr 2019 zur „Bedeutung des europäischen Gedenkens für die Zukunft Europas“, da diese den Molotow-Ribbentrop-Pakt für den Krieg verantwortlich machte. [Anmerkung der Redaktion: Der Nichtangriffspakt – Hitler-Stalin-Pakt –, der am 23. August 1939 zwischen dem Nazi-Regime und der stalinistischen Führung der UdSSR geschlossen wurde, ist nach den unterzeichnenden Außenministern auch als Molotow-Ribbentrop-Pakt bekannt. Er erleichterte Nazi-Deutschland die Vorbereitung auf den lang geplanten Ostfeldzug, den die Wehrmacht mit ihrem Überfall auf Polen am 1. September 1939 begann. Am 17. September besetzte die Rote Armee das östliche Polen. Zur Umschreibung des Hitler-Stalin-Pakts im Sinne der heutigen deutschen und EU-Kriegsinteressen im Stellvertreterkrieg der NATO gegen Russland in der Ukraine siehe hier.]
Es ist wichtig, die Rolle von Russlands jüngstem Gedenktag in dem, was manche als „Krieg gegen das historische Gedächtnis“ bezeichnen, hervorzuheben. Die Einführung des Gedenktages ist auch als Reaktion auf die veränderte Sichtweise der EU auf den Zweiten Weltkrieg zu verstehen, die mit derjenigen der ukrainischen Führung übereinstimmt.
In erster Linie wurde Russlands neuer „Gedenktag für die Opfer des Völkermords am sowjetischen Volk, begangen von den Nazis und ihren Komplizen während des Großen Vaterländischen Krieges 1941–1945“ jedoch eingeführt, um die 14 Millionen Opfer zu ehren und nicht als „politische Waffe“, wie Kritiker behaupten mögen. Wie erläutert, dient er in zweiter Linie auch politischen Zwecken, doch sind diese eine Reaktion auf den „Krieg gegen das historische Gedächtnis“ des Westens, der die UdSSR mit Nazi-Deutschland gleichsetzt und beide für den Zweiten Weltkrieg verantwortlich macht.
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Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.