Ein geleakter CIA-Bericht hält fest, dass der Iran die US-Blockade der Straße von Hormus monatelang überstehen kann.
Die Washington Post berichtet am Donnerstag über eine vertrauliche, aktuelle CIA-Analyse. Diese kommt zum Schluss, dass der Iran die US-Marineblockade mindestens drei bis vier Monate lang überstehen kann, bevor es zu schwerwiegenderen wirtschaftlichen Schäden kommt. Das widerspricht der Darstellung, die Washington nach außen kommuniziert. Rubio und Trump erklären regelmäßig, der Iran stehe kurz vor dem Zusammenbruch.
Die Analyse der US-Geheimdienste ergab außerdem, dass Teheran trotz wochenlanger intensiver Bombardements durch die USA und Israel über erhebliche ballistische Raketenfähigkeiten verfügt. Der Iran habe etwa 75 Prozent seiner Vorkriegsbestände an mobilen Abschussvorrichtungen und etwa 70 Prozent seiner Vorkriegsvorräte an Raketen behalten, soll es im Bericht heißen.
Freilich muss auch die innenpolitische Perspektive berücksichtigt werden: Die Washington Post gilt als traditioneller Trump-Gegner und könnte versuchen, das Narrativ des Weißen Hauses über den Krieg zu stören. Der „geheime CIA-Bericht“ könnte von einem demokratischen Sympathisanten erstellt worden sein, mit dem Ziel, ihn an die Medien zu leaken. Ebenso könnte es sich lediglich um einen Entwurf handeln, den die Presse in dieser Form veröffentlicht hat. Grundsätzlich sollte man bei Berichten über Geheimdienstinformationen immer vorsichtig sein.
Der Bericht ist für die Ergebnisse der US-Militärkampagne tatsächlich ziemlich verheerend. So gebe es auch Hinweise darauf, dass das Regime fast alle seiner unterirdischen Lagerstätten wiederherstellen und wieder öffnen konnte.
Trump sieht das ganz anders und sagte am Mittwoch im Oval Office: „Ihre Raketen sind größtenteils zerstört, sie haben wahrscheinlich noch 18, 19 Prozent, aber im Vergleich zu dem, was sie hatten, nicht viel.“ Zudem erklärte Washington zur Seeblockade: „Die Blockade des Präsidenten fügt echten, sich verstärkenden Schaden zu – sie unterbricht den Handel, zerquetscht die Einnahmen und beschleunigt den systemischen wirtschaftlichen Zusammenbruch. Das iranische Militär ist schwer geschädigt, seine Marine zerstört und seine Führer halten sich versteckt. Was bleibt, ist die Bereitschaft des Regimes, ziviles Leid in Kauf zu nehmen – es lässt sein eigenes Volk hungern, um einen Krieg in die Länge zu ziehen, den es bereits verloren hat.“
Fischer haben vor der Küste der griechischen Insel Lefkada eine ukrainische Magura V5 Marinedrohne entdeckt. Das Boot mit Antennen und Kommunikationssystemen wurde in einer Küstenhöhle gefunden, der Motor lief noch und es befand sich „aktiver Sprengstoff“ an Bord, so dass die griechischen Sicherheitskräfte vermuten, dass damit ein Schiff oder ein Öltanker im Kamikaze-Stil angegriffen werden sollte.
Am Freitag wurden die Zünder entfernt, die Küstenwache, der die Wasserdrohne von den Fischern übergeben worden war, schaltete die Batterien aus, um sie stillzulegen. An Bord wurden auch handschriftliche Dokumente gefunden, was Verwunderung auslöste, weil diese mit der Explosion bei einem Angriff vernichtet würden. Die Behörden gehen einigen spekulativen Theorien nach, beispielsweise dass es sich um eine Provokation, um Drogenhandel oder um einen geplanten Angriff auf einen Tanker der russischen Schattenflotte handelt. Aber es ist völlig unklar, wer die Drohne in griechische Gewässer gebracht hat bzw. wie sie dorthin gelangt ist.
Auch zuvor haben ukrainische Wasserdrohnen nicht nur Ziele im Schwarzen Meer angegriffen. Ende Dezember 2025 wurde der Tanker Qendil nördlich von Libyen mit einer Drohne angegriffen. Vermutet wird auch, dass im März 2026 der LNG-Tanker Arctic Metagaz der russischen Schattenflotte von einer ukrainischen Drohne attackiert wurde. Das Risiko bestand seither, dass durch das herumtreibende Wrack eine Umweltkatastrophe verursacht werden könnte, das Gas soll aber schon weitgehend ausgetreten sein. Mittlerweile scheint es eingefangen und vor der Küste Libyens verankert worden sein.
Es gibt fast gleichzeitig einen anderen Vorfall mit Drohnen in Lettland. Zwei Drohnen kamen aus russischem Gebiet. Eine stürzte in einem leeren Öldepot in der ostlettischen Stadt Rēzekne ab. Dabei wurde der Tank beschädigt, das Feuer konnte schnell gelöscht werden. Später vermutete die Polizei, es könnte dort auch eine zweite abgestürzt sein. Andererseits heißt es, die zweite Drohne sei noch nicht gefunden worden.
Medwedws aktueller Artikel ist die bislang ausführlichste Warnung eines hochrangigen russischen Regierungsvertreters darüber, was der Kreml unter dem neu gewonnenen Einfluss von Hardlinern wie Sergej Karaganow – dessen Einfluss auf Putin in den letzten Monaten gewachsen ist – in Erwägung zieht, um dieser wachsenden, von Deutschland ausgehenden Bedrohung, die an das Jahr 1941 erinnert, entgegenzuwirken.
Der ehemalige russische Präsident und amtierende stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, veröffentlichte im Vorfeld des Sieges-Tages einen unglaublich detaillierten Artikel über die Remilitarisierung Deutschlands. Er ist viel zu lang, um ihn Punkt für Punkt zu besprechen, daher wird der vorliegende Beitrag zunächst nur die wichtigsten Erkenntnisse hervorheben, bevor er dessen Bedeutung analysiert. Medwedew widmet viel Zeit der Argumentation, dass Deutschland nie vollständig entnazifiziert wurde und dies auch nie ernsthaft versucht wurde. Das bildet den Hintergrund für die Gegenwart.
Ihm zufolge „hat der Prozess der endgültigen Beseitigung der politischen, rechtlichen und moralischen ‚Überbleibsel‘ des Zweiten Weltkriegs in Deutschland nach dem Beginn der militärischen Sonderoperation besondere Dynamik gewonnen.“ Ebenso: „Um die Auswirkungen gescheiterter geopolitischer Investitionen (in der Ukraine) abzumildern, strebt Berlin an, seine Position als führende militärische und politische Macht der Europäischen Union zu festigen.“ Dies führte zu einer beispiellosen Remilitarisierung, die von den USA abhängig ist, sowie zu informellen Diskussionen über den Einstieg in die Atomwaffen.
Zu diesem Thema warnte Medwedew, dass Russland seine eigenen Atomwaffen gegen Deutschland einsetzen könnte, um diese Bedrohung – die seiner Meinung nach auch die USA gefährden könnte – präventiv abzuwenden. Er widmete zudem viel Zeit der Argumentation, dass Deutschlands rechtliche Grundlagen illegitim seien, nicht zuletzt, weil es Ostdeutschland annektiert habe, ohne „allgemein anerkannte rechtliche Verfahren“ wie ein Referendum einzuhalten. Dennoch marschiert der größte Teil Europas nun nach Deutschlands antirussischer Pfeife, genau wie vor 85 Jahren im Jahr 1941.
Deutschland könne Russland niemals besiegen, selbst wenn ganz Europa hinter ihm stünde, glaubt Medwedew; daher sei „sein Ziel, seinen Verbündeten Washington in eine potenzielle Konfrontation zwischen Europa und Russland hineinzuziehen“. In Anbetracht dessen, dass „die Hauptaufgabe unseres Landes darin besteht, eine Wiederholung der Tragödie von 1941 zu verhindern … sollte das schlimmste Szenario eintreten, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es zumindest zu gegenseitiger Zerstörung kommt und in Wirklichkeit zum Ende der europäischen Zivilisation, während unsere eigene Existenz weiterbesteht.“ Das sind sehr deutliche Worte.
Da sie von jemandem in seiner Position stammen, insbesondere von einem Hardliner, dessen Fraktion nun aus den hier erläuterten Gründen teilweise die Gemäßigten übertrumpft – warum Russlands Drohung mit massiven Vergeltungsschlägen gegen Kiew wahrscheinlich kein Bluff ist –, sollten sie vom Westen äußerst ernst genommen werden. Die Botschaft lautet, dass Russland nicht zulassen wird, dass Deutschland die Remilitarisierung Europas anführt, wobei diesmal Polen und die Ukraine als Rammböcke dienen und somit eine weitere Bedrohung ähnlich wie 1941 darstellen.
Frankreich und Großbritannien, unter deren nuklearem Schutzschild sich Deutschland stellen will (bevor es möglicherweise eigene Atomwaffen entwickelt), werden laut Medwedew „es wohl kaum riskieren, für Deutschlands sake in einer nuklearen Apokalypse zu verbrennen“. Dies erklärt seine Einschätzung, dass Deutschland stattdessen versuche, die USA in einen drohenden Krieg mit Russland hineinzuziehen. Es ist daher Aufgabe der USA, entweder ihre Unterstützung für die Remilitarisierung Deutschlands einzustellen, Artikel 5 im Vorfeld dieses Szenarios offiziell aufzuheben oder die Konsequenzen zu akzeptieren.
Medwedews Artikel ist die bislang detaillierteste Warnung eines hochrangigen russischen Beamten darüber, was der Kreml unter dem neu gewonnenen Einfluss von Hardlinern wie Sergej Karaganow, deren Einfluss auf Putin in den letzten Monaten gewachsen ist, in Erwägung zieht, um diese wachsende, von Deutschland angeführte Bedrohung à la 1941 abzuwenden. Trump könnte sein angestrebtes Vermächtnis als Friedensstifter trotz des Dritten Golfkriegs wiederherstellen, indem er dringend mit Putin zusammenarbeitet, um die europäische Sicherheitsarchitektur zu reformieren. Ob er dies tun wird, bleibt jedoch abzuwarten.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.
Patrik Baab interviewt Peter Hänseler – 7. Mai 2026
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(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.
Der Iran-Konflikt und die daraus resultierende Verschiebung der globalen Tektonik markieren eine Zäsur in der modernen Zeitgeschichte. Während die westliche Berichterstattung oft an der Oberfläche bleibt, legt der Jurist und Analyst Peter Hänseler die tieferliegenden Ursachen einer Politik offen, die jeglichen Kontakt zur Realität verloren zu haben scheint. Es ist das Bild eines Westens, der sich in seiner eigenen moralischen Überlegenheit verfängt, während die tatsächliche Macht in den Osten abwandert.
Im Gespräch mit Patrik Baab analysiert Peter Hänseler, warum wir es nicht nur mit einer regionalen Krise zu tun haben, sondern mit dem kollektiven Versagen einer politischen Klasse. Es geht um den „Wahnsinn an der Macht“, der bereit ist, die Stabilität ganzer Kontinente für ideologische Narrative zu opfern.
Der jüngste, am 23. März von der UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese vorgestellte Bericht zu den besetzten palästinensischen Gebieten legt die Symbiose von Völkermord und Folter offen. Er zeigt, dass das zionistische Israel Folter nicht mehr auf Gefängnisse begrenzt, sondern die gesamte palästinensische Gesellschaft damit überzieht, von Gaza bis in die Westbank. Der Holocaustforscher Omer Bartov kommt in seinem eben erschienenen Buch »Israel: What went wrong« (Israel: Was schiefgelaufen ist) zum Schluss, dass es die zionistische Ideologie ist, die Israel zum Völkermord geführt hat. Zionismus, so argumentiert er, muss deshalb enden.
In Israel hat der Wahlkampf begonnen: zwischen der ultrarechten Regierung von Benjamin Netanjahu, die seit 2023 einen Völkermord in Gaza begeht, und der Opposition unter Naftali Bennett und Jair Lapid. Beide haben sich eben in einer neuen Partei zusammengeschlossen und wollen, in Koalition mit Gadi Eisenkot (Jaschar) und Avigdor Lieberman (Jisrael Beitenu), einen Wahlsieg einfahren und Netanjahu ablösen. Regierung wie Opposition sind allerdings rassistische Zionisten, die jede Koalition mit palästinensischen Parteien kategorisch ablehnen. Ein angeblich demokratischer Staat schließt damit 20 Prozent seiner Bevölkerung aus dem parlamentarischen und demokratischen Leben aus. Diese Palästinenser wurden schon 1948 zu israelischen Staatsbürgern gemacht. Sie dürfen zwar wählen und können gewählt werden. Aber das ändert nichts an ihrer vollständigen Marginalisierung und ihrer Degradierung zu Bürgern zweiter Klasse.
Die UN-Sonderberichterstatterin bringt es auf den Begriff: »Es ist die Architektur des Siedlerkolonialismus. Dieser basiert auf einer Politik der Dehumanisierung, der Entmenschlichung der Palästinenser, aufrechterhalten durch ein System der Grausamkeit und der kollektiven Folter.« Daraus folgt ihre Diagnose »eines Regimes, das seit Jahrzehnten überall im Land psychologischen Terror ausübt. Ziel dieses Terrorregimes ist es, die Menschen physisch zu brechen, sie ihrer Würde zu berauben, um sie schließlich von ihrem Land zu vertreiben«.
Bartov liefert den historischen Kontext und zieht Vergleiche, die bei vielen Deutschen Entsetzen hervorrufen werden. Zum »7. Oktober« betonte er am 24. April in einem langen Interview mit der israelischen Zeitung Haaretz, dass »Widerstand gegen Besatzung, gegen Belagerung, gegen die Verhinderung von nationaler Selbstbestimmung legal ist (…) Bewaffneter Widerstand ist voll und ganz legitim, klar festgelegt im internationalen Recht.« Zur Illustration verweist er auf historische Beispiele, angefangen vom vorstaatlichen jüdisch-zionistischen Widerstand über den französischen Widerstand gegen die Nazis bis hin zum Aufstand im Warschauer Ghetto. In diesem Kontext verübte Kriegsverbrechen müssten gerichtlich geahndet werden, was aber in der Geschichte nie geschah.
Bartov stellt die Völkermordkonvention von 1948 in den Mittelpunkt seiner Analyse. Sie wurde von fast allen Staaten unterzeichnet und bildet die Grundlage für Beschlüsse des Internationalen Gerichtshofes. Er verweist dabei auf einen wichtigen und gerade in Deutschland übersehenen Kontext. »Sie war die internationale Antwort auf die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges, die nicht nur die Juden betraf. Wir sollten uns daran erinnern, dass etwa 26 Millionen Sowjetbürger in diesem Krieg starben.«
Deutsche Regierungen schert das nicht viel – kaum weniger, als es israelische politische Parteien und viel zu viele israelische Bürger schert –, denn man sieht nur und ausschließlich den Holocaust. Und der rechtfertigt alles: auch einen Völkermord an den Palästinensern. Sie sind ja, wie einst die kolonisierten Ovaherero und Nama in »Deutsch-Südwestafrika«, an denen Deutschland den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts verübte, »nur Barbaren«.
Der nigerianische Verteidigungsminister bereitet die Öffentlichkeit auf einen möglicherweise unvermeidlichen regionalen Krieg vor.
Bloomberg berichtete, dass der nigerianische Verteidigungsminister in einem kürzlich geführten Interview andeutete: „Die internationale Gemeinschaft muss sich über die Vereinten Nationen ‚zusammentun, um diesen Teufel zu bekämpfen‘“, und fügte hinzu: „Wenn man ihnen erlaubt, in Mali Fuß zu fassen, wird es dabei nicht bleiben.“ Der „Teufel“, auf den er sich bezog, ist „Jamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin“ (JNIM), die radikalen Islamisten, die mit den Tuareg-Separatisten der „Azawad Liberation Front“ (FLA) verbündet sind und gemeinsam den Nordosten Malis eingenommen haben.
Seine Einschätzung deckt sich mit der früheren Warnung, dass „die jüngste Krise in Mali in einen regionalen Krieg eskalieren könnte“. In dieser Analyse hieß es konkret: „Nigeria befürchtet eine Übernahme oder zumindest eine Destabilisierung des Niger durch Terroristen, was die eigenen Terroristen im Norden stärken könnte und damit den mehrheitlich christlichen Süden noch stärker bedrohen würde, als dies ohnehin schon der Fall ist, und/oder zu einer faktischen Teilung des Landes führen könnte.“ Bloomberg griff diese Sorge in seinem Artikel auf. Unerwähnt blieb, dass Nigeria seine Mission möglicherweise mit den USA koordinieren könnte.
Diese Vorhersage baut auf der hier gezogenen Schlussfolgerung auf, dass die Anti-ISIS-Luftangriffe der USA in Nigeria am Weihnachtstag den Beginn weiterer gemeinsamer Anti-Terror-Operationen in der Region signalisierten. Wie geschrieben wurde: „Die USA streben eine Strategie des ‚Leading from Behind‘ an, während Nigeria in ihrem Namen den westlichen Einfluss über die Sahelzone wiederherstellt, allerdings wahrscheinlich erst nach einiger Zeit und nicht sofort.“ Die Nähe dieser Luftangriffe zur nigerianischen Grenze zeigte, dass „sie über diese Grenze hinaus ausgeweitet werden könnten, um Niger im Vorfeld einer eines Tages von den USA unterstützten nigerianischen Invasion zu schwächen.“
Nigeria entschied sich letztendlich gegen eine Invasion in Niger während der Krise im Sommer 2024, die auf den patriotischen Militärputsch in Niger folgte – vor allem aufgrund der Einschätzung, dass die Hausa-Minderheit im Norden des Landes als Reaktion auf Angriffe gegen ihre ethnischen Gesinnungsgenossen jenseits der Grenze rebellieren würde. Beide Länder sind zudem muslimisch, während die nigerianischen Streitkräfte Christen umfassen, deren Beteiligung an einer solchen Operation den Narrativen vom „Kampf der Kulturen“ Glaubwürdigkeit verleihen könnte, was die Gefahr einer Verschärfung religiös motivierter Konflikte in Nigeria mit sich bringen würde.
Angesichts dieser Bedenken würde Nigeria wahrscheinlich die Zustimmung Nigers für den Transit durch das Land auf dem Weg nach Mali und/oder Burkina Faso einholen, wobei letzteres bereits fast zur Hälfte von JNIM erobert ist. Niger selbst kämpft gegen die lokale ISIS-Zweigstelle, die in dem relativ engen Raum zwischen der Hauptstadt Niamey und den beiden westlichen Nachbarländern des Landes aktiv ist, sodass Nigeria auf dem Weg zu den beiden anderen Mitgliedern der Sahel-Allianz (AES) möglicherweise durch deren Gebiet vorstoßen muss.
Es ist daher möglich, dass Nigeria von Niger Transitrechte erhält, um seinen Kampf gegen die JNIM in Mali und/oder Burkina Faso zu erleichtern, allerdings unter der Bedingung, dass es ISIS auf dem Weg dorthin auslöscht, wobei diese Genehmigung wahrscheinlich nur unter enormem westlichem Druck erteilt würde, sollte es jemals dazu kommen. Schließlich lehnt die AES ausländische Interventionen ab, wie sie der Westen von Nigeria in seinem Namen (und wahrscheinlich unter der Ägide der ECOWAS zur Stärkung ihrer Legitimität) erwartet, sodass Niger zunächst de facto aus dem Block austreten müsste.
Die westafrikanischen Küstenstaaten, die alle dem Westen nahestehen – mit Ausnahme von Guinea und zunehmend auch Togo –, fürchten die Folgen einer Eroberung der AES durch die JNIM. Es wird daher erwartet, dass sie zu einer von dem Westen unterstützten und von Nigeria angeführten ECOWAS-Intervention dort beitragen. Es ist daher möglich, dass Nigeria seine Kampagne von deren Territorium aus startet, anstatt von seinem eigenen, falls Niger sich weigert, ihm Transitrechte zu gewähren. Die frühere Warnung vor einem regionalen Krieg könnte sich dann als prophetisch erweisen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.
Russland hat für die Tage der Feierlichkeiten des Sieges über Nazi-Deutschland eine Waffenruhe in der Ukraine angeboten. Die Ukraine hat das für einen propagandistischen Trick genutzt, der schwerwiegende Folgen haben könnte.
Zu wichtigen Feiertagen gab es im Ukraine-Krieg immer wieder Versuche, für einige Tage eine Waffenruhe zu vereinbaren. Zwar wurden diese Waffenruhen gebrochen, wobei sich beide Seiten gegenseitig vorwerfen, daran Schuld zu sein, aber zumindest gab es diese Versuche. Russland wollte nun für den 8. und 9. Mai, die Tage der Feierlichkeiten des Sieges über Nazi-Deutschland, auch wieder eine Waffenruhe vereinbaren.
Um zu verstehen, wie die Ukraine das für einen propagandistischen Trick genutzt hat, müssen wir uns die Chronologie anschauen.
Die Chronologie
Am Mittwoch, dem 29. April, haben die Präsidenten Trump und Putin telefoniert und eines der Themen, über die dabei gesprochen wurde, war der Vorschlag Russlands, für den 8. und 9. Mai eine Waffenruhe in der Ukraine zu vereinbaren.
Am Montag, dem 4. Mai, hat Selensky beim EU-Armenien-Gipfel in Armenien erklärt, am 9. Mai die Parade in Moskau aus Anlass des Sieges über Nazi-Deutschland anzugreifen. Er sagte, es könnten bei der Parade ukrainische Drohnen beim Roten Platz, wo die Parade stattfindet, auftauchen.
Darauf reagierte das russische Verteidigungsministerium umgehend mit einer Erklärung, in der es noch einmal darauf hinwies, dass die russischen Streitkräfte sich an die vom russischen Präsidenten für den 8. und 9. Mai angekündigte Waffenruhe halten werden und hoffen, dass auch die ukrainische Seite dies tun werde. Danach kam jedoch ein Hinweis auf Selenskys Drohung gegen die Feierlichkeiten in Russland und die Parade auf dem Roten Platz, und dazu erklärte das russische Verteidigungsministerium, dass Russland auf Angriffe auf die Parade mit einem massiven Raketenangriff auf das Zentrum von Kiew reagieren werde.
Wie widersprüchlich die Erklärungen von Selensky sind, zeigt sich auch daran, dass er, nachdem er für den 9. Mai mit dem Angriff auf die Parade in Moskau gedroht hatte, am gleichen Tag, also am 4. Mai, auch einen einseitigen Waffenstillstand schon ab dem 6. Mai ankündigte. Wie passt es zusammen, dass Selensky am gleichen Tag mit einem Angriff am 9. Mai auf Moskau droht, dann aber unmittelbar danach eine Waffenruhe beginnend am 6. Mai ankündigt.
Natürlich passt das sehr gut zusammen, denn das ganze ist ein weiterer Trick von Selensky. Und da er sich darauf verlassen kann, dass die westlichen Medien seine Propaganda und schmutzigen Tricks bedingungslos unterstützen, geht der Trick propagandistisch auf. Zumindest für das westliche Publikum, dessen Medien diese Widersprüche verschweigen.
Am 29. April kündigte der britische Erste Seelord, Sir Gwyn Jenkins, an, dass die britische Royal Navy den Kern eines neuen multinationalen maritimen Blocks europäischer „Northern Navies“ bilden soll, der sich gegen Russland richtet. Bezeichnenderweise gehören die USA diesem Block nicht an.
Er sprach darüber am Royal United Services Institute (RUSI) im Rahmen des einleitenden Lord-Fisher-Vortrags, benannt nach Admiral Fisher, der eine entscheidende Rolle im britisch-deutschen Marinewettrüsten vor dem Ersten Weltkrieg spielte. Er erklärte, um das zu ermöglichen, werde Großbritannien eine „hybride“ Flotte aufbauen, die traditionelle Kriegsschiffe mit unbemannten Systemen, Drohnen und KI-gestützten Plattformen kombiniere.
Der Erste Seelord Gwyn Jenkins (zweiter von links) bei Gesprächen mit Oberbefehlshabern der Marine der Joint Expeditionary Force in Whitehall am 23. April 2026 [Photo: Royal Navy/X]
Bei diesem „Paradigmenwechsel“ gehe es darum, die „Masse, Überlebensfähigkeit und Letalität unserer Streitkräfte“ zu erhöhen.
Die Northern Navies würde im Mittelpunkt der Joint Expeditionary Force stehen, ein von Großbritannien angeführter Verband aus zehn europäischen Staaten. Sie wurde im Jahr 2014 gegründet und zu ihr gehören Großbritannien, Norwegen, Dänemark, Schweden, Finnland, Island, die Niederlande, Estland, Lettland und Litauen.
Diese Länder erstrecken sich über Nordeuropa und das Baltikum – die Regionen, die Jenkins als „offene Seegrenze zu Russland“ definierte. Auch Kanada hat Interesse an einer Teilnahme geäußert.
Jenkins verwies auf den Krieg in der Ukraine und den amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran und warnte: „Das bloße Aufrechterhalten des ‚leistungsfähigen Status quo‘ ist schlichtweg nicht gut genug.“ Die Times, das Sprachrohr der kriegslüsternsten Elemente des Militärs, zitierte Jenkins mit den Worten: „Die Notwendigkeit aufzurüsten und die Kriegsbereitschaft dieses Landes zu verbessern, ist zur absoluten Notwendigkeit geworden. … Wir befinden uns an einem Wendepunkt.“
Zuvor wurden die Labour-Regierung von Premierminister Keir Starmer und führende Militärs wegen der Kürzungen bei der Marine in den letzten drei Jahrzehnten und wegen der Tatsache scharf zurechtgewiesen, dass Großbritannien während der Irankrise nur einen einzigen Zerstörer mobilisieren konnte. Dieser wurde zudem nicht in den Persischen Golf geschickt, sondern zum britischen Stützpunkt in Akrotiri.
Die Lage in Ostasien zu Beginn des Monats August 1945. Die Karte wurde von Ralph Bosshard gemacht auf der Basis einer Karte des militärhistorischen Dienstes der US-Army.
Greift Russland im Jahr 2029 die NATO im östlichen Mitteleuropa an und wenn ja, wie? Diese Frage wird in der [westlichen] Öffentlichkeit seit längerem gewälzt. In der jüngeren Vergangenheit haben verschiedene Medien und auch die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags unterschiedlich gut gelungene Versuche unternommen, um aus der Geschichte des Kalten Kriegs Schlussfolgerungen auf das erwartete russische Vorgehen in Mitteleuropa im Jahr 2029 zu ziehen (1). Man erwartet einen russischen Blitzkrieg in Mitteleuropa und überträgt [die] alte sowjetische Doktrin auf die heutige Lage. Aber es wird nicht genügen, die alten Bedrohungsszenarien aus dem Kalten Krieg aufzuwärmen, ohne sie zu verstehen.
Schon einmal rechnete der Westen mit einem überfallartigen Angriff auf Deutschland, extreme Szenarien rechneten gar mit einem Stoß bis an die Pyrenäen (2). Das war in einer ersten Phase des Kalten Kriegs, als die Sowjets nachweislich eine Verteidigungsoperation planten. Woher kam damals diese Bedrohungsperzeption? Eine Antwort mag in den Offensiven der Roten Armee nach dem Sommer 1943 gelegen haben, die allesamt nach den Grundsätzen der „Tiefen Operation“ geführt wurden und in denen Angriffsgeschwindigkeiten erreicht wurden, welche die Westalliierten auf ihrem Feldzug in Frankreich kaum je erzielen konnten (3). Interessanterweise hat aber das Meisterstück operativen Könnens der Sowjets im Westen wenig Beachtung erfahren, nämlich die sogenannte „Mandschurische Strategische Angriffsoperation“ im August 1945 (4).
Eine Ausnahme hiervon bildet das US Command and General Staff College in Fort Leavenworth, wo der US-Oberst David Glantz sowohl sowjetische als auch japanische Quellen zu dieser Operation ausgewertet hat (5). Er analysierte Planung und Durchführung des sowjetischen Feldzugs gegen Japan auf der strategischen Ebene und führte Fallstudien des Vorgehens der Roten Armee auf taktischer Ebene durch. Aufbauen konnte er auf einer Studie von Harmon L. Eaton, die ebenfalls in Fort Leavenworth entstanden war (6). Ein neueres Werk, das die Operation in den größeren Kontext des Kriegsendes einordnet, stammt aus dem Jahr 2021 aus der Feder von Charles Stephenson (7).
Im deutschen Sprachraum fand die Operation hingegen kaum Beachtung. Sie wird meist in Gesamtdarstellungen des Zweiten Weltkriegs oder der sowjetischen Militärgeschichte behandelt, wie beispielsweise bei der ins Deutsche übersetzten Darstellung des britischen Militärhistorikers Richard Overy über den Weltenbrand der damaligen Zeit (8).
Die vorläufige Absage der Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland ist zu begrüßen, sollte aber nicht zu Illusionen führen. Vielmehr sind die Forderungen der Friedensbewegung nun auszudehnen: gegen die Militarisierung der EU inklusive EU-eigener offensivfähiger und atomar bestückbarer Mittelstreckensysteme.
Aber es ist vor Illusionen über die Intrigen des militärisch-industriellen Komplexes zu warnen. Dabei ist erst einmal generell der 1961 scheidende US-Präsident Eisenhower zu zitieren, der in diesem Zusammenhang warnte:
„[W]ir müssen uns davor hüten, dass der militärisch-industrielle Komplex unbefugt Einfluss ausübt, ob dies nun beabsichtigt oder unbeabsichtigt geschieht. Das Potential für den katastrophalen Anstieg unangebrachter Macht besteht und wird weiter bestehen.“
„Diese … Bereitstellung dieser offensiven Massenvernichtungswaffen bedeutet eine klare Bedrohung des Friedens und der Sicherheit des amerikanischen Kontinents. Weder die Vereinigten Staaten von Amerika noch die Gemeinschaft der Völker der Welt kann bewusste Irreführung und offensive Drohungen von Seiten irgendeiner Nation … dulden.“
Durch die auch nukleare Militarisierung Osteuropas durch die NATO, die sich in Richtung russische Westgrenze ausgedehnt hat, generieren die USA, die EU und die NATO eine umgekehrte Kubakrise, denn das, was Kennedy der Sowjetunion vorwarf, ist inzwischen die Politik des militärischen Westens, u.a. durch die Stationierung von atomwaffenfähigen Mittelstreckenarsenalen der USA, die als Abwehr tituliert, aber auch offensivfähig sind, die inzwischen in Polen und Rumänien stehen. Die Nuklearisierung der Ukraine ist auch schon längst ein Thema in der NATO. Sie spielte sicher auch eine Rolle in Russland in den Monaten vor der Großinvasion in die Ukraine.