Bericht über die Zerstörung der Berufsschule nahe von Lugansk nach dem ukrainischen Kriegsverbrechen

Von Thomas Röper – 25. Mai 2026

Ich war am Sonntag in Starobelsk im Gebiet Lugansk, wo die Ukraine am Freitag eine Berufsschule und deren Wohnheim bombardiert und dabei 21 Kinder und Jugendliche getötet und 42 verletzt hat. Was ich dort gesehen habe, war nichts für schwache Nerven.

Nachdem die Ukraine am Freitag eine Berufsschule und deren Wohnheim in dem kleinen Ort Starobelsk im Gebiet Lugansk angegriffen und dabei 21 Kinder und Jugendliche getötet 42 verletzt hat, haben einige Länder des Westens das Verbrechen bestritten, während andere die ukrainische Erklärung nachgeplappert haben, Kiew habe dort eine Militäreinheit und einen Standort zur Produktion von Drohnen angegriffen.

Daraufhin hat das russische Außenministerium am Samstag alle in Russland akkreditierten ausländischen Journalisten eingeladen, den Ort umgehend zu besuchen und sich selbst ein Bild von dem Vorfall zu machen. Am Sonntagmorgen um 5.30 Uhr ging die Reise in Moskau los, wir wurden mit dem Flugzeug in die Region geflogen und dann mit dem Bus nach Starobelsk und Lugansk gebracht.

Hier werde ich von den Eindrücken der Reise berichten.

Die Zerstörungen

Am Freitag hat die Ukraine mehrere Drohnen auf das Hauptgebäude und das Wohnheim der Berufsschule in Starobelsk im Gebiet Lugansk (LNR) abgefeuert, in der Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren unterrichtet werden. Bei dem Angriff wurden 21 Jugendliche getötet und 42 weitere verletzt. Inzwischen sind alle Opfer geborgen, dies sind die endgültigen Zahlen.

Vor Ort bot sich jedoch ein dramatischeres Bild, denn es waren weit mehr Gebäude beschädigt oder zerstört, wie ich auf diesem Video auf Telegram gezeigt habe. Das Wohnheim der Berufsschule, in dem die Jugendlichen wohnten, ist teilweise eingestürzt.

[Hier weiterlesen]

Gewinnt die Ukraine den Krieg? In den USA sieht man das anders

Von Stefano di Lorenzo – 24. Mai 2026

Ein neuer Bericht des US-Kongresses lässt Zweifel an den jüngsten westlichen Darstellungen aufkommen, wonach die Ukraine den Krieg gegen Russland gewinnen wird.

Seit Wochen ist die Berichterstattung westlicher Medien über den Krieg in der Ukraine wieder von bekannten Schlagzeilen geprägt: Die Ukraine schlägt tief im Inneren Russlands zu, russische Infrastruktur wird beschädigt, Russland wirkt verwundbar. Die Darstellung ähnelt früheren Momenten des Kriegoptimismus – nach dem Untergang des Kreuzers „Moskwa“, während der Cherson-Offensive von 2022, vor der gescheiterten Gegenoffensive von 2023 oder während der ukrainischen Vorstöße in die Region Kursk im Jahr 2024. Heute löst jeder erfolgreiche ukrainische Drohnenangriff auf russischem Gebiet eine neue Welle von Kommentaren aus, die darauf hindeuten, dass Russland endlich die Oberhand im Krieg verliert.

Die Bilder der ukrainischen Angriffe sind in der Tat dramatisch und beeindruckend. Ukrainische Langstrecken-Drohnen haben Raffinerien, Logistikzentren, Militärflugplätze, Radaranlagen und industrielle Ziele getroffen, die Hunderte — manchmal mehr als tausend — Kilometer von der Frontlinie entfernt liegen. Russlands riesiges Territorium, von dem einst angenommen wurde, es biete strategische Tiefe, erscheint zunehmend verwundbar gegenüber relativ kostengünstigen unbemannten Systemen, die im industriellen Maßstab hergestellt werden. Sogar russische strategische Luftwaffenstützpunkte wurden ins Visier genommen. Westliche Politiker und Kommentatoren haben diese Entwicklungen als Beweis dafür interpretiert, dass sich das militärische Gleichgewicht entscheidend zugunsten der Ukraine verschiebt. Der finnische Präsident Alexander Stubb argumentierte kürzlich sogar, dass „die Ukraine in einer besseren Position ist als zuvor“.

Doch hinter den triumphalen Schlagzeilen und ehrgeizigen Verlautbarungen ergibt eine ernsthafte Betrachtung der militärischen Realitäten des Krieges ein weitaus komplexeres Bild, als es der emotionale Rhythmus des Nachrichtenzyklus und politische Parolen zulassen.

Der jüngste vierteljährliche Bericht zur „Operation Atlantic Resolve“, der kürzlich dem US-Kongress vorgelegt wurde – und den Zeitraum Januar 2026 bis März 2026 abdeckt –, zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen öffentlichen Erklärungen und der internen Einschätzung der Entwicklungen auf dem Schlachtfeld. „Operation Atlantic Resolve“ (OAR) ist, wie die Einleitung des Berichts erklärt, „die Operation des US-Kriegsministeriums (DoW), um das Engagement der USA für die kollektive Verteidigung der Nordatlantikpakt-Organisation (NATO) zu demonstrieren und eine russische Aggression gegen die NATO abzuschrecken und – falls nötig – zu besiegen“. Es ist eine bemerkenswerte Formulierung, wenn man bedenkt, dass die Ukraine technisch gesehen kein Mitglied der NATO ist.

[Hier weiterlesen]

NATO-Gipfeltreffen in Schweden offenbart die Verschärfung der interimperialistischen Gegensätze angesichts des eskalierenden Kriegs gegen Russland

Von Jordan Shilton – 24. Mai 2026

Am Donnerstag und Freitag letzter Woche trafen sich die Außenminister der 32 NATO-Staaten im schwedischen Helsingborg, um den diesjährigen NATO-Sommergipfel in der Türkei vorzubereiten. Das Treffen war geprägt von den zunehmenden Gegensätzen zwischen den USA und ihren ehemaligen Verbündeten in Europa und Kanada. Hintergrund ist der andauernde Krieg der imperialistischen Mächte in der Ukraine, mit dem Russland auf den Status einer Halbkolonie herabgestuft werden soll.

Es war das erste NATO-Treffen auf Ministerebene in Schweden, seit Schweden der NATO beigetreten ist. Das Land hatte sich gemeinsam mit Finnland dem aggressiven Militärbündnis angeschlossen, nachdem Russland 2022 auf Provokationen der USA und der NATO hin in die Ukraine einmarschiert war. In den letzten vier Jahren wurden die beiden traditionell neutralen Ostsee-Anrainerstaaten zu Frontstaaten im NATO-Krieg gegen Russland aufgebaut, mit dem Finnland eine 1.300 Kilometer lange Landgrenze hat.

Während US-Außenminister Marco Rubio zu dem Treffen reiste, kündigte Trump die Stationierung von weiteren 5.000 Soldaten in Polen an. Anfang Mai hatte der faschistische Amtsinhaber im Weißen Haus die Reduzierung der in Deutschland stationierten US-Truppen um 5.000 Mann angeordnet, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz erklärt hatte, Washington habe keine Strategie für den Krieg gegen den Iran.

Vor Beginn der offiziellen Beratungen am Freitagmorgen erklärte Rubio gegenüber der Presse, die Trump-Regierung sei „enttäuscht“ von der Reaktion der NATO-Mitglieder auf „unsere Operationen im Nahen Osten“. Er fügte hinzu, das Thema müsse im Sommer auf dem bevorstehenden NATO-Gipfel in Ankara „auf Führungsebene“ behandelt werden. Dieser Gipfel werde einer der „bedeutenderen in der Geschichte der NATO“ sein.

[Hier weiterlesen]

Neuwahlen in Israel: Alle Parteien befürworten Krieg, Unterdrückung und Sozialabbau

Von Jean Shaoul – 24. Mai 2026

Israel bereitet sich auf Neuwahlen vor, aber alle zionistischen Parteien – Netanjahus Regierungsblock, die ultraorthodoxen Fraktionen und die nominelle Opposition – treten mit einem einzigen, gemeinsamen Programm an: der Fortsetzung und Ausweitung des Kriegs.

Die herrschende Elite debattiert lediglich über den besten Weg, wie der Krieg zu führen sei, wie die Beute verteilt und die zunehmenden inneren Widersprüche einer Gesellschaft, die sich permanent im Kriegszustand befindet, unterdrückt werden sollen.

Knesset-Plenum, aufgenommen während des Israel-Besuchs des Sprechers des US-Repräsentantenhauses, Kevin McCarthy, im Mai 2023 [Photo by U.S. Embassy Jerusalem / CC BY 2.0]

Die Entscheidung, die Knesset aufzulösen, wurde mit überwältigender Mehrheit getroffen. Die ultraorthodoxen Parteien hatten zuvor auf einem Gesetz bestanden, das Jeschiwa-Studenten von der Wehrpflicht befreit. Dieses Privileg genießen sie seit Jahrzehnten, allerdings ist es in einer Gesellschaft, die für den totalen Krieg mobilisiert wird, unzumutbar geworden. Nachdem der Antrag abgelehnt wurde, entzogen sie der Regierungskoalition ihre Unterstützung und erzwangen damit den Schritt hin zu Neuwahlen.

Netanjahus Regierung, deren vierjährige Amtszeit sich dem Ende zuneigt, folgte auf eine der politisch instabilsten Perioden der israelischen Geschichte: fünf Wahlen in dreieinhalb Jahren, wiederholte gescheiterte Versuche, tragfähige Koalitionen zu bilden, und ein kurzes Zwischenspiel der „Regierung des Wandels“ von Naftali Bennett und Yair Lapid – ein loses Bündnis, das innerhalb eines Jahres zusammenbrach. Im November 2022 kehrte Netanjahu als Chef der extremsten Regierung, die Israel je erlebt hat, an die Macht zurück. Seine Regierung wird von rassistischen Demagogen, Siedlerführern und Befürwortern von Annexionen und ethnischen Säuberungen dominiert.

[Hier weiterlesen]

Ein ominöser Montag in Manila oder Letzte Zufluchtsstätte Senat

Von Rainer Werning – 24. Mai 2026

Was sich da am Montag, dem 11. Mai 2026, in der philippinischen Hauptstadt Manila vor einer verdutzten Öffentlichkeit – zumal live im TV übertragen – zutrug, bot Stoff für eine Mixtur aus stupendem Politzirkus und einer Gaunerei miesester Sorte. Mit dem – nein: besser – einem vorläufigen Resultat: Die oberste Kammer des philippinischen Kongresses, der Senat, verwandelte sich binnen weniger Stunden in einen Hort von kriminellen Halunken und bigotten Schurken. Eine ziemlich unheilige Pfingstposse in (vorläufig) sechs Akten

Bizarres Bühnenbild

Worum ging es? Als am späten Nachmittag jenes 11. Mai im philippinischen Repräsentantenhaus der Hammer fiel, war das Endergebnis historisch: 257 Ja-Stimmen, 25 Nein-Stimmen und neun Enthaltungen. Nicht nur wurde die amtierende Vizepräsidentin Sara Duterte, die Tochter von Ex-Präsident Rodrigo R. Duterte (2016 – 2022), zum zweiten Mal im Rahmen eines Amtsenthebungsverfahrens (impeachment) angeklagt. Allein die schiere Anzahl der Ja-Stimmen – weit mehr als die 215 bei dem gescheiterten Amtsenthebungsversuch von 2025 – stellte einen Rekord dar: die höchste Zahl an Ja-Stimmen bei einer Amtsenthebung in der Geschichte der Philippinen.

Für den Sinneswandel so vieler Abgeordneten dürfte letztlich das Gewicht von Beweisen ausschlaggebend gewesen sein, die im Justizausschuss gegen Duterte vorgelegt wurden und allesamt unwidersprochen blieben, da die Vizepräsidentin und ihr Anwaltsteam sich weigerten, an dem Verfahren überhaupt teilzunehmen. Der Justizausschuss kam aufgrund der Beweislage und Zeugenaussagen zu dem Schluss, dass sich Frau Duterte vier Amtsenthebungsgründen gegenübersieht: Ihr wird vorgeworfen, geheime, ihrem Amt zugewiesene Gelder missbraucht, Beamte bestochen, Beschaffungsrichtlinien umgangen, unerklärlichen Reichtum angehäuft und geplant zu haben, den amtierenden Präsidenten Ferdinand „Bongbong“ Marcos Jr., die First Lady Liza Araneta-Marcos und den ehemaligen Sprecher des Repräsentantenhauses, Martin Romualdez, ermorden zu lassen, falls sie selbst getötet würde. Daraufhin wurde der 24-köpfige Senat in Kenntnis gesetzt und ihm die entsprechenden Dokumente ausgehändigt, damit die Senatoren – nunmehr als Richter des Impeachment-Verfahrens – schnellstmöglich zu einem Urteilsspruch kommen, mit dem über das Schicksal der Vizepräsidentin endgültig entschieden wird.

[Hier weiterlesen]

Warum die Leugnung des ukrainischen Kriegsverbrechens in Lugansk verlogen ist

Von Thomas Röper – 23. Mai 2026

Westliche Medien tun immer so, als ließen sich die Kriegsverbrechen, die die Ukraine in Russland verübt, „nicht unabhängig überprüfen“ Warum das nicht stimmt.

Die Ukraine hat im Gebiet Lugansk eine Berufsschule und das dazugehörige Wohnheim beschossen, in dem die 14 bis 18-jährigen Schüler leben. Dabei wurden fast 40 Jugendliche verletzt und über 20 sind tot oder unter den Trümmern verschüttet, aus denen kein Lebenszeichen zu hören ist und aus denen bisher nur tote Jugendliche geborgen wurden.

Der Westen bezeichnet den Vorfall als „russische Manipulation“ oder „Fake“ und die westlichen Medien stellen die ukrainische Version, die Ukraine habe ein militärisches Ziel angegriffen, als wahr dar, während sie die russischen Vorwürfe als „russische Propaganda“ darstellen und hinzufügen, man könne die Angaben „nicht unabhängig überprüfen“.

Das stimmt schlicht nicht, denn ein Blick auf die Regionalmedien der Region Lugansk reicht aus, um zu erfahren, dass die russische Version der Wahrheit entspricht. Wer nun einwendet, lugansker Medien seien nicht neutral, dem sei gesagt, dass das zwar so sein mag, dass Regionalmedien sich so einen Vorfall jedoch nicht ausdenken oder ihn beliebig falsch darstellen können, weil die Menschen in der Region ja wissen, was bei ihnen „vor der Haustür“ passiert. Würden diese Medien dreist lügen, würde man das in den russischen sozialen Netzwerken, vor allem auf den lugansker Telegram-Kanälen sehen, weil sich dort ein Shitstorm über die Regionalmedien ergießen würde.

Und wäre das so, würden westliche Medien das sofort aufgreifen. Das geschieht aber nicht, weil sich der Vorfall tatsächlich so zugetragen hat, wie Russland berichtet.

Und das könnten die westlichen Medien auch selbst überprüfen, denn das russische Außenministerium hat alle in Russland akkreditierten ausländischen Journalisten eingeladen, nach Lugansk zu reisen und sich selbst vor Ort umzusehen und mit den Zeugen und Opfern zu sprechen. Ich habe die Einladung angenommen und werde auch berichten, ob zumindest ein Kollege aus den Moskau-Büros der westlichen Medien die Einladung angenommen hat. Meine Erfahrung aus früherenderartigen Vorfällen sagt mir, dass ich bei der Reise keinen Kollegen der westlichen Medien treffen werde.

In lugansker Medien werden unterdessen die ersten Fotos der Opfer veröffentlicht.

[Hier weiterlesen]

Ukraine bombardiert Schülerwohnheim, viele tote Jugendliche, aber keine Kritik in deutschen Medien

Von Thomas Röper – 23. Mai 2026

Die Ukraine hat im Gebiet Lugansk ein Schülerwohnheim mit mehreren Drohnen beschossen, wobei mindestens 16 Jugendliche getötet und 39 verletzt wurden, sechs werden noch unter den Trümmern vermutet. Der Westen hat mal wieder kein Wort der Kritik und der Spiegel will nicht hinsehen – obwohl er es tun könnte.

Am Freitag hat die Ukraine mehrere Drohnen auf das Hauptgebäude und das Wohnheim der Berufsschule in Starobelsk im Gebiet Lugansk (LNR) abgefeuert, in der Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren unterrichtet werden. Bei dem Angriff wurden nach aktuellem Stand 16 Jugendliche getötet, 39 weitere verletzt, sechs werden unter den Trümmern vermutet.

Der Westen bestreitet den Angriff. Die lettische UN-Vertreterin bezeichnete den Angriff als „Provokation und Fake des Kremls“, während die Ukraine erklärte, sie habe keine Berufsschule und kein Wohnheim, sondern den Standort einer russischen Spezialeinheit angegriffen, die dort Drohnen produziert habe.

Der Spiegel berichtete über den Angriff unter der Überschrift „Angriff im Gebiet Luhansk – Putin wirft Ukraine »Terrorakt« vor – Ukraine spricht von »Manipulation«“ und formulierte den Artikel so, dass die ukrainische Version glaubwürdig klingt, während die russische Version als unglaubwürdig dargestellt wurde. Während der Spiegel jede Horrormeldung aus der Ukraine als Tatsache darstellt, spielt er Gräueltaten der Ukraine herunter. Aber das kennen wir ja schon.

Eine Formulierung, die der Spiegel in solchen Fällen immer benutzt, lautet, man könne die Vorgänge nicht unabhängig überprüfen. In diesem Fall klang das beim Spiegel so:

„Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht. Auch zu der Zahl der Opfer und Vermissten in dem Wohnheim gibt es keine verifizierten Informationen.“

Doch, man kann die Angaben überprüfen, denn niemand hindert die Mitarbeiter des Spiegel-Büros in Moskau daran, nach Lugansk zu fahren und sich den Ort persönlich anzuschauen. Schließlich arbeitet beispielsweise Christina Hebel vom Spiegel immer noch in Moskau.

Mehr noch: Nachdem die Staaten des Westens Russland „Manipulation“ und „Fakes“ vorwerfen, hat das russische Außenministerium ausländische in Russland akkreditierte Journalisten eingeladen, den Ort der Tragödie zu besuchen. Diese Einladung gilt ausdrücklich auch für westliche Mainstream-Medien, aber die haben die Einladung unter Vorwänden abgelehnt. CNN beispielsweise hat auf die Einladung geantwortet, man sei im Urlaub und könne daher niemanden aus dem Moskau-Büro nach Lugansk schicken.

Ob der Spiegel jemanden nach Lugansk schicken wird? Die Einladung gilt ja auch für das Spiegel-Büro in Moskau.

[Hier weiterlesen]

Lawrow zu den Plänen der USA, den EU-Energiemarkt dauerhaft zu kontrollieren

Von Andrew Korybko – 23. Mai 2026

Die Umsetzung dieser Pläne wird nicht nur die Staatskasse des Kremls belasten, sondern auch die Bedrohungen für die nationale Sicherheit Russlands aus europäischer Richtung spürbar verschärfen, wobei dasselbe Modell auch im Süden auf die von der Türkei ausgehenden Bedrohungen aus dem Südkaukasus und Zentralasien angewendet werden soll.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow gab RT India im Vorfeld seines Besuchs in Indien zum BRICS-Außenministertreffen ein ausführliches Interview zu einer Vielzahl von Themen. Eines der wichtigsten Themen, auf das er besonders viel Zeit verwendete, war der globale Energiemarkt und insbesondere die Pläne der USA, den EU-Markt auf Dauer zu kontrollieren. Als Beweis für dieses Ziel verwies er auf die entsprechenden Doktrindokumente der USA, wahrscheinlich eine Anspielung auf den National Energy Dominance Council und die damit verbundene Politik.

Die USA haben nicht nur Sanktionen gegen russische Energie verhängt – eine Politik, die von der Trump-Regierung im vergangenen Herbst mit Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil fortgesetzt wurde –, sondern koordinieren nun auch die Ölexporte des Post-Maduro-Venezuela, um damit de facto ihre eigene Präsenz auf dem globalen Markt auszubauen. Darüber hinaus führte die durch den von den USA und Israel ausgelösten Angriffskrieg gegen den Iran verursachte massive Störung der regionalen Energieexporte zu einer Versorgungskrise für die EU, die die USA zu einem höheren Preis ausgleichen wollen.

Die Vereinigten Staaten verfügen jedoch selbst nicht über genügend Öl und Gas, um dies vollständig zu tun, und auch die venezolanischen Exporte, die sie de facto über Stellvertreter kontrollieren, können in absehbarer Zeit nicht ausreichen, da deren Ausbau Zeit und Investitionen erfordert. Aus diesem Grund glaubt Lawrow, dass „die Amerikaner planen, die gesprengten Nord Stream-Pipelines wieder in Betrieb zu nehmen … Sie wollen sie zu etwa einem Zehntel des Preises erwerben, den die Europäer dafür bezahlt haben … (aber) die Preise werden stattdessen von den Amerikanern diktiert“ und somit viel höher sein als die Russlands.

Das ist laut Lawrow noch nicht alles, denn „sie wollen auch – dies haben sie offen zugegeben – die Kontrolle über die Transitgasleitung von Russland nach Europa durch die Ukraine übernehmen, um auch diese Ströme zu kontrollieren. Ihr Ziel ist also völlig klar: Sie wollen jede bedeutende Energieversorgungsroute unter ihre Kontrolle bringen.“ „Lawrow warnte vor den Plänen von Trump 2.0 zur globalen Vorherrschaft“ bereits Anfang dieses Jahres. Insbesondere die energetische Dimension schreitet in Bezug auf Europa eindeutig zügig voran.

Die Folge einer dauerhaften Kontrolle des EU-Energiemarktes durch die USA, die sie durch den Ausschluss Russlands aus diesem Markt anstreben, ist, dass die USA dann auch die Außenpolitik der EU dauerhaft kontrollieren werden. Wie bereits Anfang dieses Jahres erläutert wurde: „Die USA nutzten russophobe Paranoia und Energiegeopolitik als Waffen, um die Kontrolle über Europa zu erlangen“, und dies beschleunigt wiederum den Übergang zur „NATO 3.0“, was voraussichtlich zum Aufbau eines „Cordon sanitaire“ um Russlands westliche und südliche Grenzen führen wird, wie hier vorhergesagt.

Die westliche Hälfte umfasst Finnland, die baltischen Staaten, Polen, die Ukraine und Rumänien, die alle letztendlich Deutschland unterstellt sein könnten, während die südliche Hälfte die Türkei, ein gemeinsam von Turkvölkern und dem Westen unterworfenes Armenien, Aserbaidschan und möglicherweise bald auch Kasachstan umfasst. Die südliche Hälfte wurde kürzlich hier näher erläutert. Darüber hinaus wird der Vertikale Gaskorridor die türkisch-russischen Beziehungen schwächen, während die Pläne der Türkei für eine transkaspische Pipeline ihre Rivalität verschärfen werden – beides Projekte, die mit den USA verknüpft sind.

Die Pläne der USA, den Energiemarkt der EU auf Dauer zu kontrollieren, werden daher nicht nur die Kassen des Kremls treffen, sondern auch die Bedrohungen für die nationale Sicherheit Russlands aus europäischer Richtung spürbar verschärfen, wobei dasselbe Modell durch die beiden genannten Pipelines auch entlang der südlichen Achse angewendet werden soll. Russland steht somit vor einer schwierigen Aufgabe, nämlich diesen Trend, dessen Dynamik es nicht mehr kontrollieren kann, einzudämmen und dann umzukehren. Gelingt dies nicht, wird es sich diesen latenten Bedrohungen stellen müssen, einigen davon möglicherweise sogar ganz direkt.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Die Einkreisung – Wie aus einer rhetorischen Warnung eine operative Logik wurde – und warum die NATO an einer Sollbruchstelle steht, die niemand benennen will

Von Michael Hollister – 21. Mai 2026

Die Türkei ist nicht nur ein großes Land, auch seine Lage ist speziell, grenzt das Land doch an sieben andere Länder, die nicht alle untereinander befreundet sind. Und vor allem die Macht über den Zugang vom Mittelmeer zum Schwarzen Meer und damit sozusagen auch zu Russland macht die Türkei zu einem wichtigen Player in der Region. Und seine Mitgliedschaft in der NATO, ein weiterer Machtfaktor … (Karte Wikipedia)

Die folgende Analyse von Michael Hollister basiert auf einem Interview, das der Autor mit Deniz Karabağ geführt hat. Nicht ganz einfach zu lesen, aber eine Chance, die nächsten NATO-Jahre zu verstehen. (cm)

Am 9. April 2026 schrieb Joe Kent einen Satz auf X, den niemand offiziell beantwortet hat. 3,89 Millionen Mal angesehen, zweiundsiebzigtausend Likes – und aus dem Weißen Haus, dem State Department, dem Pentagon: Schweigen. Der Satz lautet: Die Vereinigten Staaten würden die NATO nicht verlassen, um sich aus fremden Verstrickungen zurückzuziehen, sondern um sich an die Seite Israels stellen zu können, wenn es zwischen Israel und der Türkei in Syrien zum Zusammenstoß kommt. Geschrieben hat das nicht ein frustrierter Außenstehender. Geschrieben hat das der Mann, den Donald Trump 2020 zu seinem Counterterrorism-Berater gemacht hatte, der 2025 zum Direktor des National Counterterrorism Center ernannt wurde, der elf Kampfeinsätze als Green Beret hinter sich hat, dessen Frau Shannon 2019 in Manbij durch einen ISIS-Selbstmordanschlag starb – und der am 17. März 2026 aus Protest gegen den Iran-Krieg von seinem Direktorposten zurückgetreten ist, mit der Begründung, dieser Krieg sei „von Israel und seiner Lobby fabriziert“ worden.

Und das, was er sagt, ist keine Tagespolitik. Es ist eine Prozessbeschreibung über mehrere US-Präsidentschaften hinweg – und die Frage, die sich aus seinem Satz ergibt, lautet nicht mehr ob, sondern wann, und unter welchem Präsidenten.

Fünf Schritte in zweiundfünfzig Tagen

Bennett kam zuerst. Am 17. Februar 2026 sprach der ehemalige israelische Premierminister [Naftali Bennett] auf der Conference of Presidents in Jerusalem den Satz aus, der seither durch die strategischen Diskurse Washingtons rollt: Die Türkei sei das [sic!] neue Iran. Erdogan versuche, Saudi-Arabien umzudrehen, eine feindliche sunnitische Achse mit dem nuklearen Pakistan aufzubauen, und Israel müsse begreifen, dass die nächste existenzielle Bedrohung nicht aus Teheran komme, sondern aus Ankara. Was Bennett sagte, war nicht nur eine außenpolitische Einordnung. Es war eine Frame-Verschiebung. Bis zu jenem Tag im Februar war „die Türkei als zweites Iran“ eine Fußnote in den Papieren der Foundation for Defense of Democracies, eine Randmeinung in den Memos der Brookings Institution, ein Grenzsatz in den Briefings von AIPAC. Bennett brachte sie auf eine Bühne, von der aus sie in den amerikanischen Diskurs sprang. Innerhalb weniger Wochen begannen Israel-affine Organisationen ihre Ressourcen umzuschichten – was über Jahre als Anti-Iran-Lobbyarbeit gelaufen war, wandelte sich in beschleunigtem Tempo zu Anti-Türkei-Positionierung. Es ist die gleiche Dynamik, die 2002 vor dem Irak-Krieg zu beobachten war und die 2012 vor den Iran-Sanktionen funktionierte: Eine politische Position, die in den außenpolitischen Eliten seit Jahren zirkuliert, wird durch eine prominente Stimme öffentlich gemacht, und der Apparat setzt sich in Bewegung. Bennetts Hexagon-Konzept – Israel als Zentrum, Griechenland, Zypern, Aserbaidschan, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate als Eckpunkte – war zum Zeitpunkt seiner Rede bereits eine Beschaffungsarchitektur, kein theoretisches Modell mehr. Was er aussprach, war nicht die Diagnose einer Bedrohung, sondern die Lieferung einer Begründung. Ich habe Bennetts Hintergrund, sein politisches Profil und die strategische Architektur seines Hexagon-Konzepts in der Analyse vom 15. März ausführlich behandelt. Hier reicht es festzuhalten: Bennetts Rede war keine Improvisation. Sie war die öffentliche Verdichtung dessen, was in Israel-affinen Think-Tank-Kreisen seit Monaten zirkulierte – und sie hat die Grenze zwischen Randmeinung und Mainstream-Diskurs überschritten.

[Hier weiterlesen]

Die Angriffe der Ukraine auf Russland werden Russland nicht an den Verhandlungstisch zwingen. Ganz im Gegenteil.

Von Stefano di Lorenzo – 21. 2026

Russland bombardiert in der Ukraine noch immer ausgesprochen zurückhaltend. Dieses Verhalten wird aber oft falsch eingeschätzt …

Russland hat in der Ukraine bisher deutlich gemacht, dass es kein Interesse hat, das ehemalige Bruderland mehr als nötig zu zerstören. Der Druck in Russland auf den Kreml aber steigt, der Welt endlich zu zeigen, was Russland kann, wenn es will. (cm)

In den vergangenen Wochen argumentieren immer mehr russische Experten und Kommentatoren, dass eine Eskalation des Stellvertreterkriegs zwischen Russland und dem Westen unvermeidlich werden könnte. Dieser Trend ist zu konstant, um bloß Zufall zu sein. Angesichts der zunehmenden Angriffe der Ukraine sehen viele Russen offenbar nur noch einen Ausweg.

Seit mehr als drei Jahren vermitteln westliche Regierungen, Thinktanks, Fernsehsender und große Zeitungen der europäischen und amerikanischen Öffentlichkeit, dass die Bewaffnung der Ukraine nicht nur eine Option, sondern die einzig moralisch vertretbare Politik sei. Verhandlungen mit Moskau galten nicht als Diplomatie, sondern als Kapitulation. Forderungen nach Kompromissen wurden wie ideologische Abweichungen behandelt. Anhaltender militärischer Druck werde stattdessen Putin letztlich „zu Verhandlungen zwingen“.

Amerikaner, Deutsche, Franzosen, Italiener und andere wurden schrittweise darauf konditioniert, jeden ukrainischen Angriff tief im russischen Territorium als Zeichen dafür zu sehen, dass der Frieden — also Russlands Niederlage — näher rücke. Jeder Drohnenangriff auf eine Raffinerie, jede Explosion nahe eines Militärflugplatzes, jede Sabotageaktion gegen Infrastruktur galt als Beweis dafür, dass Russland strategisch erschöpft und psychologisch gebrochen werden könne. Das Problem damit ist nur: Russland lässt sich ungern zu irgendetwas zwingen. Russen verstehen sich als stolzes Volk, das Respekt einfordert.

In vielen westlichen Berichten über ukrainische Angriffe war eine spürbare Schadenfreude erkennbar. Berichte über Belgorod, die Krim, die Schwarzmeerflotte oder die russische Energieinfrastruktur wurden oft von einer gewissen Aufregung begleitet. Das emotionale Grundmuster war klar: Russland werde endlich gedemütigt.

Ähnlich war die Stimmung vor den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges in Moskau. In westlichen Kommentaren wurde offen spekuliert, ein ukrainischer Angriff auf oder nahe dem Roten Platz würde eine verheerende symbolische Demütigung für den Kreml darstellen. Russische Beamte sollen westliche Diplomaten in Kiew zugleich gewarnt haben, ein solcher Angriff würde eine äußerst harte Reaktion provozieren.

„Die Russen bluffen nur“

Westliche Bürger und Experten, die vor einer Eskalation warnten, wurden häufig mit Spott behandelt. Die Vorstellung, Russland könnte irgendwann unvorhersehbar — vielleicht sogar irrational — reagieren, galt als „Hereinfallen auf russische nukleare Erpressung“. Moskaus Warnungen sollen nur als Theater verstanden werden. Jede frühere „rote Linie“, die nicht zu nuklearer Eskalation führte, wurde zum Beweis erklärt, dass auch die nächste bedeutungslos sei.

Diese Logik hat sich tief im strategischen Denken des Westens verankert. Russland eskalierte nicht nach den HIMARS-Lieferungen, nicht nach den Leopard-Panzern, nicht nach Storm Shadow, ATACMS oder Angriffen tief im russischen Hinterland. Also — so das Argument — werde Russland auch künftig jede Eskalation hinnehmen. Doch diese Interpretation beruht auf einer gefährlichen Annahme: dass die Zurückhaltung von gestern auch die Zurückhaltung von morgen garantiert.

[Hier weiterlesen]