10. Tag im Angriffskrieg gegen den Iran (Ticker 16:00 Uhr)

Von Peter F. Mayer und Jochen Mitschka – 9. März 2026

Der Iran hat einen Nachfolger des ermordeten religiösen Oberhaupts Khamenei – es ist sein Sohn. Die gegenseitigen Angriffe auf Energie und Ölvorräte wurden intensiviert und haben zu massiven Umweltverschmutzung geführt. US-Verluste steigen und werden teils in Deutschland medizinisch versorgt. Die Gefahr einer atomaren Eskalation des Krieges steigt.

Die Expertenversammlung des Iran hat Sayyed Mojtaba Khamenei zum neuen Oberhaupt der Islamischen Republik gewählt und markiert damit einen historischen Führungswechsel. Er tritt damit die Nachfolge seines Vaters, des Märtyrers Sayyed Ali Khamenei, an, der bei den ersten Angriffen der US-amerikanisch-israelischen Aggression gegen den Iran am 28. Februar getötet wurde. Der 56-jährige Khamenei wurde 1969 in der heiligen Stadt Mashhad geboren und hat sein ganzes Leben lang revolutionäre Politik und religiöse Gelehrsamkeit betrieben. Im Gegensatz zu vielen politischen Nachfolgern, die durch formelle Regierungsämter bekannt wurden, stieg Mojtaba Khamenei über informelle Kanäle auf und baute ein umfangreiches Netzwerk von Beziehungen innerhalb des iranischen Sicherheitsapparats, religiöser Institutionen und politischer Kreise auf.

Verluste der USA

Die USA halten die Verluste bei ihren Truppen unter Verschluss, aber die Behandlung einer offenbar sehr großen Zahl von Verletzten lässt sich nict mehr verheimlichen. Das Landstuhl Regional Medical Center in Deutschland neben der größten Einrichtung der US-Luftwaffe in Europa, der Ramstein Air Base, hat seine Geburtshilfe- und Entbindungsdienste vorübergehend eingestellt, um sich auf sein „vorrangiges Ziel“ zu konzentrieren, nämlich die Behandlung von Opfern des Konflikts im Nahen Osten. Mehrere Berichte deuten darauf hin, dass die Schäden durch die Angriffe des Iran und seiner Verbündeten schwerwiegend sind.

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Warum der Iran den Krieg bereits gewonnen hat

Von Patrick Ringgenberg – 8. März 2026

Wer selber schon im Iran war und dort verschiedene Städte besucht hat, der weiß, wie wichtig dort auch die Geschichte des Landes ist. Das Bild zeigt das Mausoleum des Iman Reza in Mashhad. (Foto Patrick Ringgenberg)

Es gibt ihn, den Schweizer Wissenschaftler, der den Iran und seine über tausendjährige Geschichte wirklich kennt und versteht – und der zu Recht darüber besorgt ist, dass in der internationalen Politik Leute entscheiden, die vom wahren Charakter des Iran keine Ahnung haben – nicht zuletzt natürlich die US-Amerikaner. Im hier folgenden, ausführlichen Text erklärt er, warum Israel und die USA ihren Krieg gegen den Iran nicht gewinnen werden, auch mit andauernden Bombenangriffen nicht. In Anbetracht des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges Israels und der USA, der (negative) Auswirkungen auf fast die ganze Welt haben wird, lohnt es sich, die Ausführungen des Iran-Spezialisten Patrick Ringgenberg aufmerksam zu lesen. (cm)

„Gott hat den Krieg erschaffen, damit die Amerikaner Geografie lernen.“ (Mark Twain)

Seit Beginn des Konflikts am Samstag, dem 28. Februar, haben Analysten wie Alastair Crooke, Larry C. Johnson, Douglas Macgregor, John Mearsheimer, Scott Ritter oder Lawrence Wilkerson die Herausforderungen und Probleme des laufenden Krieges bereits gut charakterisiert. Die USA können ihn nicht gewinnen, der Iran kann ihn nicht verlieren; aber die Folgen des Konflikts werden alle Länder der Region zu Verlierern machen, ganz zu schweigen von der Weltwirtschaft, die in unterschiedlichem Maße unter den Spannungen im Persischen Golf und darüber hinaus leiden wird. Es wurde viel über den Wahnsinn dieses Krieges gesprochen, der auf einer kaum glaubwürdigen Unkenntnis des Iran beruht: das Fehlen klarer Ziele, eine plan- und gesetzlose Aggression, eine beunruhigende militärische Unvorbereitetheit, eine Flucht nach vorn ohne Ausweg. Die Lügen, mit denen der Angriff auf den Iran gerechtfertigt wurde, dem fälschlicherweise vorgeworfen wurde, eine unmittelbare Gefahr darzustellen und kurz vor der Beschaffung von Atomwaffen zu stehen, erinnern unmittelbar an diejenigen, die 2003 die amerikanische Invasion im Irak begründet hatten und die Region in eine bis heute andauernde Instabilität stürzten. Der Unterschied ist jedoch bemerkenswert: Der Iran ist nicht der Irak, und der Kontrast zwischen der Realität des Krieges und den rhetorischen Kunstgriffen von Präsident Donald Trump und seinem Umfeld erreicht ein in der jüngeren Geschichte beispielloses Maß an Schizophrenie. Im weiteren Sinne ist dieser Konflikt ein bemerkenswerter Indikator für eine globale Krise der Diplomatie, eine zerbrochene internationale Ordnung und ein dysfunktionales oder toxisches Mediensystem. 

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Rache statt Strafe – Israel will Todesstrafe für Palästinenser einführen

Von Wiebke Diehl – 8, März 2026

„Es geht nicht um Strafe – es geht um Rache.“ So lautet das Fazit von Itamar Mann, israelischer Professor für Völkerrecht, Menschenrechte, Umweltrecht und Rechtstheorie an der Universität Haifa, das er in einem im vergangenen November bei Legal Tribune Online (LTO) erschienenen Artikel zieht.[1] Darin analysiert er einen im selben Monat in der israelischen Knesset in erster Lesung behandelten Gesetzentwurf, der die Verhängung der Todesstrafe gegen Palästinenser vorsieht, wenn sie von Militärgerichten der Tötung israelischer Staatsbürger für schuldig befunden werden. Zum ersten Mal seit 1962, als der führende Nazi und SS-Oberstleutnant Adolf Eichmann in Argentinien von einer israelischen Undercover-Einheit gefasst und nach einem Prozess vor einem Sondergericht in Jerusalem hingerichtet wurde, soll die Todesstrafe wieder zum Einsatz kommen.

Der Gesetzentwurf, der jetzt im Eilverfahren durchgepeitscht werden soll, wird von Abgeordneten der rechtsextremen Partei Jüdische Macht (Otzma Yehudit), von Abgeordneten des Likud von Premier Benjamin Netanjahu und von der Partei Yisrael Beitenu unterstützt. Der Minister für nationale Sicherheit Itamar Ben Gvir spricht vom „wichtigsten Gesetz in der Geschichte des Staates Israel“.[2] Vorgesehen ist, dass eine Person, die den Tod israelischer Staatsbürger „vorsätzlich oder aus Gleichgültigkeit, aus rassistischen Motiven oder aus Feindseligkeit gegenüber einer Bevölkerungsgruppe und mit dem Ziel, dem Staat Israel und der nationalen Wiederbelebung des jüdischen Volkes in seiner Heimat zu schaden, verursacht hat, zum Tode verurteilt wird“, so ein Bericht auf der Webseite des israelischen Parlaments. Wie solche Handlungen genau definiert sind, legt der Gesetzentwurf nicht eindeutig fest.

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Venezuela und USA nehmen diplomatische Beziehungen wieder auf, während die Chavistas Öl und Rohstoffe aushändigen

Von Andrea Lobo – 9. März 2026

Am 5. März gab das US-Außenministerium die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zu Venezuela bekannt. Dieser Schritt folgt auf den Militärangriff vom 3. Januar auf Caracas, bei dem über 100 Menschen getötet wurden. Ziel der Operation war die Entführung von Präsident Nicolás Maduro und seiner Frau Cilia Flores. Beide sitzen jetzt im Gefängnis in den USA und sind wegen betrügerischer Anschuldigungen des „Narko-Terrorismus“ angeklagt, für die ihnen eine lebenslange Haftstrafe droht.

Die diplomatischen Beziehungen waren im Jahr 2019 abgebrochen worden, als die erste Trump-Regierung im Rahmen einer gescheiterten Regimewechsel-Operation die CIA-Marionette Juan Guaidó als „legitimen Präsidenten“ anerkannte.

Die jüngste Ankündigung folgte auf einen zweitägigen Besuch von US-Innenminister Doug Burgum in Caracas. Dort gab Maduros ehemalige Vizepräsidentin und jetzige amtierende Präsidentin, Delcy Rodríguez, mehrere Abkommen bekannt, die beinhalten, dass die Kontrolle über das Öl und wichtige Rohstoffe Washington und den multinationalen US-Konzernen überlassen wird.

Angesichts steigender Ölpreise aufgrund des amerikanisch-israelischen Angriffskriegs gegen den Iran hat Rodríguez ein Abkommen mit Shell unterzeichnet; der Vorstand von ExxonMobil plant einen Besuch in Caracas noch im März, und auch Chevron hat die Ausweitung der Produktion in Venezuela angekündigt. Einen Tag vor Burgums Ankunft kündigte die staatliche venezolanische Ölgesellschaft PDVSA eine Reihe von neuen Verkaufsverträgen an, ohne Details zu nennen.

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Die USA und Israel wollen die iranische Hauptstadt entvölkern

Von Andrew Korybko – 8. März 2026

Dieser Krieg könnte noch viel hässlicher werden.

Die Bewohner der iranischen Hauptstadt Teheran erwachten am Sonntag mit einer apokalyptischen Szene, nachdem die USA und Israel Irans Öllager bombardiert hatten. Eine himmelhohe, brennende Säule tauchte danach auf, giftiger Rauch verdeckte die Sonne, und schwarzer Regen fiel auf diese Stadt mit etwa zehn Millionen Einwohnern. Allein die Folgen für die Umwelt könnten Teheran an den Rand des Zusammenbruchs bringen, nachdem es bereits mit einer schweren Wasserknappheit zu kämpfen hat, die Präsident Masoud Pezeshkian zuvor zu einer Evakuierung von Teilen der Bevölkerung veranlasst hatte.

Das könnte jedoch genau das sein, was die USA und Israel beabsichtigen, um maximalen Druck auf den Iran auszuüben, damit er bedingungslos kapituliert, wie Trump es kürzlich gefordert hat. Um dies zu erreichen, wird die neue Taktik der Angreifer, kritische Infrastruktur wie Öllagerstätten zu bombardieren, es den Behörden erheblich erschweren, das tägliche Leben in Teheran aufrechtzuerhalten, während Bombardierungen von Polizeistationen, wie kürzlich geschehen, die Stadt deutlich weniger sicher machen werden. Viele Bewohner könnten daher bald die Hauptstadt verlassen und entvölkern.

Selbst wenn der Iran sich weiterhin nicht bedingungslos ergibt, könnten die USA und Israel die Maßnahmen gegen die iranische Hauptstadt gegenüber ihrer jeweiligen Öffentlichkeit als weiteren Beweis dafür präsentieren, dass sie den Krieg gewinnen, und so die Zustimmung im eigenen Land stärken, während weiterhin Fragen über den Ausgang des Konflikts offen sind. Die rasche Vertreibung selbst eines beträchtlichen Teils der Bevölkerung Teherans würde auch die sich verschärfende humanitäre Krise des Landes verschlimmern und damit seine Sicherheitsdienste stark belasten, insbesondere wenn die Vertriebenen dazu neigen sollten, Unruhen anzuzetteln.

Es war eine Sache, tödliche Gewalt gegen eine unbekannte Anzahl von regierungsfeindlichen Randalierern anzuwenden, die laut Behördenangaben mit terroristischen Gruppen und ausländischen Geheimdiensten in Verbindung standen, als sie im Januar in Teheran randalierten, aber es ist eine ganz andere, tödliche Gewalt gegen hungernde Bürger anzuwenden, die in Lagern randalieren. Solche Aufnahmen könnten die spekulativen Spaltungen zwischen der Regierung und den Sicherheitsdiensten (IRGC und verbündete Milizen) vergrößern und gleichzeitig die regierungsfreundliche Stimmung unter den übrigen Bürgern drastisch verringern.

Der Iran könnte sich jedoch weiterhin weigern, bedingungslos zu kapitulieren. In diesem Fall könnten die USA und Israel ihre Kampagne der kollektiven Bestrafung der Bevölkerung auf andere iranische Großstädte ausweiten, nachdem sie diese in Teheran perfektioniert haben, bis sie schließlich ihr Ziel erreichen. Ob sie dies tun werden, bleibt unsicher, aber Tatsache ist, dass das, was derzeit in Teheran geschieht, eine unbestreitbare Ausweitung des Krieges von rein militärischen Zielen auf halb-militärische Ziele ist, die eine ernsthafte Bedrohung für die Zivilbevölkerung darstellt.

Um es klar zu sagen: Energie- und andere kritische Infrastrukturen sind legitime Ziele [aber nicht im Rahmen eines verbrecherischen, unprovozierten Angriffskrieges; die Red.], wie Russland zur Verteidigung seiner Angriffe auf das ukrainische Stromnetz in den letzten vier Jahren argumentiert hat, aber die absichtliche Zerstörung von Ölspeichern in der Nähe dicht besiedelter Gebiete ist moralisch in höchstem Maße fragwürdig. Unter dem Vorwand, den Streitkräften den für die Fortsetzung der Kämpfe benötigten Treibstoff zu entziehen, stellen die USA und Israel eine gravierende Bedrohung für die Zivilbevölkerung dar, auch wenn diese derzeit noch nur ökologischer Natur ist.

Wenn dies nicht zur bedingungslosen Kapitulation des Iran führt, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die USA und/oder Israel unter dem Vorwand, dass der Iran „dicht besiedelte Zivilgebiete für militärische Operationen nutzt“ und systematisch Zivilisten ins Visier nehmen könnten, wie CENTCOM ausgeführt hat. Das würde das Leben aller Zivilisten im Iran fgefährden. Die USA und Israel könnten zynisch argumentieren, dass Orte, die für militärische Zwecke genutzt werden, formal ihren Schutzstatus verlieren und nach internationalem Recht zu legitimen militärischen Zielen werden könnten. Dieser Krieg könnte also noch viel hässlicher werden.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Zerstört Trump die Vormacht der USA? Teil 3: Das Problem der USA mit Raketen

Von Thomas Röper – 8. März 2026i

Die USA sind nicht auf einen langen Krieg vorbereitet, denn sie haben ein akutes Problem bei der Anzahl ihrer Raketen. Daher war es der Plan der Trump-Regierung, den Iran in einem schnellen „Enthauptungsschlag“ zu besiegen. Nachdem das nicht geklappt hat, steht das US-Militär vor gleich mehreren Problemen.

Ich habe in der letzten Woche in Interviews und bei Tacheles immer wieder gesagt, dass die Frage, ob die USA oder der Iran den Krieg gewinnen, davon abhängt, wem zuerst die Raketen ausgehen. Auch wenn man die USA mit ihrem gigantischen Militärbudget für fast unbesiegbar halten könnte, ist das jedoch nicht der Fall. Die USA haben sich in den letzten Jahren zu sicher gefühlt und daher auf extrem teure Waffensysteme gesetzt, die noch dazu sehr lange Produktionszeiten haben und schwer zu warten sind.

Das hat sich für die US-Rüstungskonzerne gelohnt und ihnen gigantische Gewinne garantiert, es rächt sich nun im Krieg gegen den Iran, der auf die Massenproduktion von billigeren Waffen gesetzt hat.

Die USA haben vor allem bei der Luftabwehr ein massives Problem, denn sie und ihre Verbündeten haben ihre Bestände an Patriot-Raketen seit 2022 im so großen Stil in die Ukraine geliefert, dass die europäischen Staaten offen sagen, sie hätten in ihren Beständen nur noch das Minimum an Patriot-Raketen vorrätig, das sie für die eigene Verteidigung brauchen. Und die Lager in den USA sind auch nicht mehr „prall gefüllt“. Auch bei anderen US-Luftabwehrsystemen sieht es nicht viel besser aus.

Hinzu kommt ein sich abzeichnender Mangel an Tomahawk-Marschflugkörpern.

Um das Problem zu verstehen, müssen wir uns die Zahlen anschauen, denn das bestgehütete Geheimnis der amerikanischen Militärmacht war nie wirklich geheim, sondern man kann es in Pressemitteilungen von Lockheed Martin, im US-Haushalt und in Berichten von spezialisierten Thinktanks wie dem CSIS recht offen nachlesen.

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9. Tag im Angriffskrieg gegen den Iran (Ticker 16:00 Uhr)

Von Peter F. Mayer und Jochen Mitschka – 8. März 2026

Die USA haben nun einen dritten Flugzeugträger in Marsch gesetzt was die Gefahr der Verwendung von Kernwaffen erhöht. Auch der Einsatz von US Bodentruppen, konkret der 82. Luftlandedivision, steht im Raum. Offenbar gibt es zahlreiche Verletzte und möglicherweise Todesfälle bei den USA. Im Libanon setzt Israel die ethnische Säuberung fort und bombardiert ganze Wohnviertel.

Die USA haben keine Luftüberlegenheit. Die Flugzeuge der USA und Israels fliegen nahe der westlichen Grenze des Iran und setzen vor allem Joint Air-to-Surface Standoff Missiles (JASSAMs) ein, die je nach Variante eine Reichweite zwischen 370 und 980 km haben (AGM-158A JASSM (Baseline): ~370 km und AGM-158B JASSM-ER (Extended Range): ~980 km). Nach diversen Quellen haben die USA und Israel bisher 4500 Angriffe geflogen und aus dem Iran kamen 3500 Gegenangriffe.

Hier sind die Angriffsziele in einer Karte der Region dargestellt:

Laut der israelischen PR-Agentur Hasbara und des Militärs seien die Angriffe des Iran in der gesamten Region stark zurückgegangen. Die gesamte Diskussion um den Iran-Krieg hat sich nun auf das „nachlassende“ Ausmaß der iranischen Angriffe verlagert, wobei pro-westliche Kommentatoren behaupten, dies bedeute, dass der Iran am Verlieren sei und sich letztendlich der Übermacht der USA und Israels beugen werde.

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Wie wahrscheinlich ist es, dass die USA die Türkei nach dem Ende des Angriffskriegs gegen den Iran in Schach halten werden?

Von Andrew Korybko – 8. März 2026

Wahrscheinlich nicht, da die Türkei dazu beiträgt, die amerikanischen Interessen an der Schnittstelle zwischen Afro-Eurasien im Iran, im Nahen Osten und Nordafrika sowie entlang der gesamten südlichen Peripherie Russlands voranzutreiben.

Das Wall Street Journal veröffentlichte letzte Woche einen Meinungsartikel mit dem Titel „An Urgent Need to Contain Turkey” (Die dringende Notwendigkeit, die Türkei einzudämmen), in dem gewarnt wurde: „Wenn das iranische Regime fällt, hüte dich vor Ankaras regionalem Einfluss.” Der Autor ist Bradley Martin, Geschäftsführer des Near East Center for Strategic Studies und ehemaliger Senior Fellow der Nachrichten- und Politikgruppe Haym Salomon Center sowie stellvertretender Chefredakteur des Canadian Institute for Jewish Research. Er schreibt außerdem für die Jerusalem Post und das Jewish News Syndicate.

Aufgrund seiner Referenzen interpretierten einige seinen Artikel als Lobbyarbeit Israels gegenüber den USA, um die Türkei nach dem Ende des Dritten Golfkriegs, der durch ihren gemeinsamen Angriff auf den Iran ausgelöst wurde, einzudämmen. Unabhängig davon, wie man zu den Absichten seines jüngsten Artikels und seinen spekulativen Verbindungen zum Staat Israel stehen mag, argumentiert er, dass die Türkei letztendlich in Schach gehalten werden muss, weil sie „sich der Außenpolitik der USA widersetzt und ihren Verbündeten Kopfzerbrechen bereitet“. Zur Untermauerung dieser Behauptung und zur Rechtfertigung seines Vorschlags für die Nachkriegspolitik werden mehrere Beispiele angeführt.

Dies sind Präsident Recep Tayyip Erdogans die Ablehnung des US-israelischen Angriffskrieg gegen den Iran, die Verbindungen seiner Regierung zum IS während sich dieser auf dem Höhepunkt seiner Macht befand sowie die Instrumentalisierung der Migrationskrise von 2015 gegen die EU. Was Martin jedoch nicht erwähnt, ist Erdogans Überzeugung, dass die USA mit seinem verstorbenen, in den USA lebenden Rivalen Fethullah Gülen zusammengearbeitet haben, um den gescheiterten Putschversuch im Sommer 2016 zu orchestrieren. Die türkisch-amerikanischen Beziehungen sind daher viel komplizierter, als Martin sie darstellt.

Seine übermäßige Vereinfachung ist offensichtlich darauf zurückzuführen, dass er sein US-amerikanisches Zielpublikum dazu manipulieren will, die Eindämmung der Türkei nach dem Krieg zu unterstützen, aber man kann argumentieren, dass unabhängig davon, was man über die oben genannten Beispiele denkt, die Expansion der Türkei den USA tatsächlich hilft. Zunächst einmal könnte sie eine militärische Intervention im Iran starten, entweder mit der Begründung, gegen bewaffnete kurdische Rebellen vorzugehen, die sie als Terroristen betrachtet, oder um ihrem Verbündeten Aserbaidschan zu helfen, der möglicherweise zuerst intervenieren könnte.

Selbst wenn dieses Szenario nicht eintritt, plant die Türkei Berichten zufolge den Beitritt zur sogenannten „islamischen NATO“, deren Kern derzeit aus dem im September geschlossenen Verteidigungsbündnis zwischen Saudi-Arabien und Pakistan besteht. Unabhängig davon, ob dies formell geschieht oder nicht, kann die Türkei weiterhin mit diesen beiden Ländern und Ägypten (einem weiteren Land, mit dem Saudi-Arabien möglicherweise ein Bündnis eingeht) im gesamten Nahen Osten und Nordafrika (MENA) zusammenarbeiten, wobei alle vier Verbündeten der USA (jeweils in unterschiedlichem rechtlichem Umfang) ihre Ziele dort vorantreiben.

Selbst wenn dies nicht eintreten sollte, ist die Türkei inzwischen bereit, den Einfluss des Westens – einschließlich der NATO – entlang der gesamten südlichen Peripherie Russlands im Südkaukasus, am Kaspischen Meer und in Zentralasien durch die im August letzten Jahres ins Leben gerufene „Trump Route for International Peace and Prosperity“ (TRIPP) auszuweiten. Uninformierte Leser können hier mehr darüber erfahren, wie TRIPP die nationale Sicherheit Russlands bedroht. Der Link führt zu fünf weiteren Analysen zu diesem Thema, aber es genügt zu sagen, dass dies wohl die nächste Front ist, um Russland einzudämmen und zu bedrohen.

Diese drei Funktionen machen die Türkei zu einem der strategisch wichtigsten Verbündeten der USA, da sie in der Lage ist, die US-amerikanischen Interessen an der Schnittstelle zwischen Afrika und Eurasien wahrzunehmen. Es ist daher unwahrscheinlich, dass die USA die Türkei nach dem Ende des Krieges gegen den Iran in Schach halten werden, aber Israel könnte dies versuchen, da es sich mit dem Aufstieg der Türkei zum mächtigsten muslimischen Land, das möglicherweise bald über eigene ballistische Raketen und sogar Atomprogramme verfügen wird, sehr unwohl fühlt. Martin setzt sich daher, wenn auch vielleicht unbeabsichtigt, für die Förderung der israelischen Interessen gegenüber den US-amerikanischen ein.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Jeffrey Sachs: Stehen wir am Anfang des Dritten Weltkriegs?

Glenn Diesen im Gespräch mit Jeffrey Sachs – 7. März 2026

Prof. Jeffrey Sachs argumentiert, dass die Welt sich möglicherweise bereits in den frühen Phasen des Dritten Weltkriegs befindet, da der sich rasch zuspitzende US-israelische Krieg Iran beginnt, weitere Länder und regionale Akteure in seinen Strudel zu ziehen. Die ersten Angriffe und Vergeltungsschläge bergen das Risiko, eine breitere Kettenreaktion im gesamten Nahen Osten und darüber hinaus in Gang zu setzen, insbesondere da verbündete Milizen, Regionalmächte und Weltmächte zunehmend involviert werden. Die traditionellen Mechanismen zur Kontrolle von Eskalationen – diplomatische Zurückhaltung, klare rote Linien und internationale Vermittlung – scheinen zu zerfallen, was die Gefahr erhöht, dass eine ursprünglich regionale Konfrontation sich zu einem weit umfassenderen globalen Konflikt entwickeln könnte.