Von Gaby Weber – 8. September 2026

„Third Party Rule“ – zu der die Grünen keine Meinung haben.
In kriegslüsternen Zeiten werden Grundrechte eingedampft und Befugnisse der Geheimdienste ausgeweitet. Das geht entweder über neue Gesetze – wie die geplante Abschaffung des Informationsfreiheitsgesetzes IFG und eine weitere Novelle des BND-Gesetzes – oder durch die Hintertür, indem Methoden, die in keinem Gesetzbuch stehen, von der Verwaltung erfunden und von artigen Richtern abgesegnet werden. So geschehen in Leipzig, wo das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) einen internen Fachsenat ins Leben gerufen hat, der geschriebenes Recht (wie die maximale Schutzfrist von amtlichen Dokumenten von 60 Jahren) skrupellos dem „Wohl des Bundes“ opfert.
Ebenso wie dieser dubiose „Fachsenat” geistert auch die „Third Party Rule“ durch die Amtszimmer; beide Begriffe stehen in keinem Gesetz, hebeln aber das Bundesarchivgesetz (BArchG) und den Zugang zu Informationen aus, bzw. schaffen sie ab. Wikipedia definiert die Third Party Rule als eine „Verhaltensregel der internationalen Kooperation im Sicherheits- und Nachrichtendienst-Bereich“. Sie entzieht Informationen über die Zusammenarbeit mit ausländischen Diensten nicht nur der Kontrolle durch die Öffentlichkeit, sondern auch durch die Parlamente und sogar durch die Justiz.
So hatten sich die erkennenden Richter des BVerwG im Juni dieses Jahres auf diese Rule gestützt, als sie meiner Klage auf vollständige Offenlegung der Eichmann-Akten verneinten, obwohl die vom BArchG erlaubte maximale Sperrfrist von 60 Jahre längst vorbei ist. Wenn, so argumentierten sie, der beklagte Bundesnachrichtendienst (BND) im Falle des verurteilten Nazi-Kriegsverbrechers Informationen vom Mossad erhalten hatte, müsse sich der Mossad darauf verlassen können, dass diese ohne seine Erlaubnis für immer und ewig geheim bleiben. So schafft die Judikative einen Rechtsraum, der sich komplett der demokratischen Kontrolle entzieht, denn weder das Parlament noch Regierungsmitglieder, Richter oder Historiker können diese Zusammenarbeit auf ihre Rechtmäßigkeit prüfen – eine Art Omertà, ein globaler Schweigepakt der Dunkelmänner auf alle Ewigkeiten. Da wird sogar die Mafia neidisch.
