Krieg und Frieden – Der Kampf um die Persische Golfregion

Von Karin Leukefeld – 13. Juli 2026

Die Teilnahme der iranischen Bevölkerung an den Trauerfeierlichkeiten für Ali Khamenei war gigantisch!

Montag 13.7.2026. Die US-Armee hat am vergangenen Wochenende mit einer vierten Angriffswelle 140 Ziele im Westen und Süden des Iran bombardiert. Begonnen hatten die Angriffe in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch in der vergangenen Woche. Als Grund nannte das US-Zentralkommando CentCom iranische Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormuz. Die US-Angriffe sollten dem Iran die Möglichkeit nehmen, die „freie Seefahrt“ durch die Straße von Hormuz zu blockieren.

Das iranische Außenministerium verurteilte die US-Angriffe als „brutale und grobe  Verletzung des Internationalen Rechts und der fundamentalen Prinzipien der UN-Charta.“ Die USA „haben auf hinterhältige Weise die iranische Transport-Infrastruktur, Fischerboote und Cargo Dhows (traditionelle Segelschiffe, kl) angegriffen. Auch Wetterbeobachtungsstationen und Gebäude wurden in den letzten 24 Stunden angegriffen“, hieß es in der Erklärung am Montag. Offen hätten die USA „nahezu alle Punkte des Memorandum of Understanding verletzt, nur 25 Tage nachdem es unterzeichnet wurde, um den Krieg zu beenden.“ Die iranischen Revolutionsgarden erklärten die Straße von Hormuz für geschlossen, „bis die USA mit ihren militärischen Interventionen aufhört“.

Die Straße von Hormuz

Auslöser der Angriffe war, dass Handelsschiffe Aufforderungen der iranischen Seite, durch die vorgegebenen offiziellen Routen der Meerespassage zu fahren, nicht beachtet hatten. Auch Warnschüsse wurden ignoriert. Die Handelsschiffe schalteten ihre Ortungssysteme aus und versuchten – trotz Warnung des Irans – durch einen neu geöffneten Korridor vor der Küste des Oman die Straße von Hormuz zu durchfahren. Begleitet wurden die Schiffe vom US-Militär zur See und aus der Luft. Die USA versuchen, mit Druck auf Oman und andere arabische Golfstaaten, eine „amerikanisch kontrollierte Passage“ durch omanische Gewässer durchzusetzen, um den Iran auszuschließen. Das verstößt gegen Artikel 5 des Memorandum of Understanding, in dem es heißt:

„Mit der Unterzeichnung dieser Absichtserklärung wird die Islamische Republik Iran nach besten Kräften Vorkehrungen treffen, um Handelsschiffen für einen Zeitraum von 60 Tagen gebührenfrei die sichere Durchfahrt vom Persischen Golf zum Omanischen Meer und umgekehrt zu ermöglichen. Der Schiffsverkehr wird unverzüglich aufgenommen und unter Berücksichtigung der Notwendigkeit, technische und militärische Hindernisse durch die Islamische Republik Iran innerhalb von 30 Tagen zu beseitigen, auch Minen zu räumen, in Kraft gesetzt. Die Islamische Republik Iran wird einen Dialog mit dem Sultanat Oman führen, um die künftige Verwaltung und die maritimen Dienste in der Straße von Hormus festzulegen. Das geschieht auch in Absprache mit anderen Anrainerstaaten des Persischen Golfs im Einklang mit dem geltenden Völkerrecht und den Hoheitsrechten der betroffenen Staaten.“

Der Iran will so seinen Einfluss auf die Meeresenge geltend machen, was von den USA und westlichen Verbündeten nicht akzeptiert wird. Diese Staaten, zu denen auch Deutschland gehört, berufen sich auf das Recht der „freien Seefahrt“. Der Iran wiederum beruft sich auf sein Recht als Anrainerstaat der Straße von Hormuz und plant, zukünftig für Navigationsdienste und zum Schutz der Umwelt, Gebühren zu erheben. Diese sollen mit Oman geteilt werden. Der Iran will das Geld in die Wiederherstellung zerstörter maritimer, natürlicher und Sicherheitsinfrastruktur entlang der Meerenge einsetzen.

Die USA und Staaten des westlichen Bündnisses erheben gegen die iranisch-omanischen Pläne für die künftige Nutzung der Straße von Hormuz heftigen Widerspruch. Frankreich, Großbritannien und Deutschland versuchen, sich mit Minenräumschiffen den Zugang zu der Meerenge zu verschaffen. Die USA hat vor allem den Oman unter Druck gesetzt, eine eigene Route für den Schiffsverkehr zu öffnen. Zunächst sollte unter dem Dach der Internationalen Seefahrtsgesellschaft der Vereinten Nationen IMO ein Evakuierungsplan durch neue Fahrtrinnen organisiert werden. Diese führten entlang der omanischen Küste und nicht, wie zunächst angegeben, durch die regulären Seerouten, die auch von Iran kontrolliert werden. Der Iran warnte die Schiffe, die neuen Seerouten zu nutzen, die IMO stellte ihre Mission ein. Dass Oman, der seit Jahrzehnten als zuverlässiger Vermittler zwischen Iran und dem Westen gilt, dem Druck der USA nachgab, dürfte nicht zuletzt mit den Drohungen von US-Präsident Donald Trump zu tun haben, er werde den Oman „in die Luft jagen“, sollte dieser sich mit Iran einigen. 

Oman informiert sich derzeit, wie Anrainerstaaten anderer natürlicher Meerengen und Passagen vorgehen. Gebühren für Sonderdienste entlang von Meerengen zu erheben ist nicht unüblich. Die Türkei nimmt Gebühren für die Durchfahrt durch den Bosporus und die Dardanellen, die das Mittelmeer mit dem Schwarzen Meer verbinden. Dänemark und Schweden, die den Öresund kontrollieren, der die Ostsee mit dem Kattegat verbindet, können Gebühren von Handelsschiffen erheben, die einen Hafen in einem der anderen Staaten, die durch den Öresund erreicht werden können, anlaufen.

Ungeachtet des MoU oder internationaler Gewohnheiten will US-Präsident Donald Trump gegenüber Iran seinen Willen durchsetzen. Den Plan des US-Zentralkommandos, entlang der Küste des Oman eine Alternativroute zu öffnen, war von ihm vermutlich schon vor dem NATO-Gipfel in Ankara bewilligt worden. 

[Hier weiterlesen]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.