Von Michael Hollister – 11. Mai 2026

Hier geht es zum zweiten Teil einer gestern veröffentlichten Analyse von Michael Hollister, in der aufgezeigt wurde, wie Trump vollstreckt, was die wichtigsten US-Think Tanks in den letzten zehn Jahren fast einstimmig als Strategie vorgegeben haben. (cm)
1. Strategischer Einstieg
Teil 1 endete mit zwei Bildern. Eine Uhr in Washington, deren Zifferblatt von RAND 2016 gezeichnet wurde und deren Zeiger 2026 angekommen sind. Und eine Währung, die noch nicht existiert, aber deren Konturen in Schanghai, Moskau, Brasília und Riad mit jeder BRICS-Konferenz schärfer werden. Der Werkzeugkasten der Trump-Administration ist nicht leer. Was bisher gegriffen wurde – Venezuela, Iran, Hormuz, Panama, Balikatan – sind die schnellen Werkzeuge. Die schweren liegen noch oben auf dem Brett.
Drei Männer entscheiden in den nächsten achtzehn Monaten, welche dieser Werkzeuge wann gegriffen werden. Donald Trump, der die Auswahl trifft. Pete Hegseth, der die Logik schärft, mit der ausgewählt wird. JD Vance, der zusieht und lernt – designierter Erbe, aber ohne eigenen Spielraum, solange Trump im Amt ist. Was die drei greifen werden, lässt sich an der bisherigen Auswahllogik ablesen: sichtbar, schnell, unilateral, physisch. Was sie nicht greifen werden, lässt sich aus derselben Logik ableiten: alles, was institutionelle Geduld erfordert, multilaterale Verhandlungen über Jahre, Aufbau ohne sofortigen Vollzug.
Drei Felder liegen offen, in dieser Reihenfolge der Wahrscheinlichkeit: Kuba – das vergessene Feld, dessen geographische Lage es zur logischen Fortsetzung der Trump Corollary zur Monroe-Doktrin macht. Kharg Island – das offene Druckmittel gegen Iran, dessen Schicksal sich in Wochen entscheidet, je nachdem, ob Teheran einlenkt oder nicht. Taiwan – das große Feld, an dem die ganze achtzehnjährige Architektur hängt, dessen Bearbeitung aber nicht vor 2027 reif ist.
Operation Pivot vom 1. Februar 2026 hatte die Sequenz Venezuela – Iran – Panama – China benannt. Sie ist nicht abgearbeitet. Sie geht weiter. Wer als nächstes drankommt, hängt nicht von Zufall ab, sondern von einer Logik, die in den Studien von Teil 1 niedergelegt ist und durch zwei persönliche Filter läuft: den eines Transaktionalisten und den eines Kreuzritters.