Von Thomas Röper – 5. August 2026
Seit fast drei Wochen finden in der Ukraine Proteste statt, die als „Papp-Maidan“ bezeichnet werden und die deutsche Medien nur in kurzen Nebensätzen erwähnen. Worum geht es dabei und wer steckt hinter den Protesten?
Am 16. Juli hat Machthaber Selensky im Rahmen eine Regierungsumbildung den im Land beliebten Verteidigungsminister abgesetzt, was umgehend zu Proteste im ganzen Land geführt hat. Inzwischen dauern die Proteste fast drei Wochen an, aber deutsche Medien berichten darüber praktisch gar nicht, obwohl die Proteste hinter den Kulissen anscheinend von der EU unterstützt werden. Versuchen wir mal, zu verstehen, worum es dabei geht und warum die deutschen Medien das Thema meiden.
Wer ist Fjodorow?
Im Kern der Geschichte steht der ehemalige Verteidigungsminister Michail Fjodorow (in deutschen Medien auch als „Mychajlo Fedorow“ bezeichnet). Fjodorow ist mit 35 Jahren noch sehr jung und er war in Selenskys Wahlkampf 2018/19 Experte für Social Media Marketing (SMM). Nach Selenskys Wahlsieg wurde er schnell stellvertretender Ministerpräsident und Minister für digitale Transformation und stieg später zum Ersten Stellvertretenden Ministerpräsidenten auf. In diesen Positionen knüpfte Fjodorow enge Kontakte zu den Chefs amerikanischer Technologiekonzerne, darunter Palantir, sowie zu führenden Persönlichkeiten europäischer Institutionen und Länder. Mit anderen Worten: Fjodorow ist bei den Entscheidungsträgern im Westen bestens vernetzt.
Entsprechend bekam er im Westen gute Presse. Der Spiegel widmete ihm beispielsweise Anfang Juni eine Titelstory, die im Internet den Titel „KI, Drohnen, neue Soldaten – Ist das die Kriegswende in der Ukraine?“ trug, während auf dem Spiegelcover der Woche in Großbuchstaben schlicht „Kriegswende?“ zu lesen war. In der Titelstory ging es um die Entwicklung ukrainischer Drohnen und wie diese das Kriegsglück angeblich zu Gunsten der Ukraine wenden. Und für den Spiegel war klar, wem diese angebliche Kriegswende zu verdanken war:
„Wenn es ein Gesicht gibt für die Innovationsfreude der ukrainischen Verteidigung, dann ist es das von Mychailo Fedorow.“
Ich habe in einem Artikel über die Spiegel-Titelstory berichtet, wobei der Fokus meines Artikels darauf lag, aufzuzeigen, wie der Spiegel in seinem Heldenepos über Fjoforow und die Firma Fire Point die Korruption verschwiegen hat, die Fire Point umgibt, die den Löwenanteil der ukrainischen Staatsaufträge für Drohnen bekommt. Fire Point gehört Selenskys alten Freunden und Partnern aus seiner Zeit als Komiker und war damals die Castingagentur, die Leute für Selenskys TV-Produktionen ausgesucht hat. Nach der Eskalation vom Februar 2022 wurde diese von Selenskys Kumpels geleitete Castingagentur wundersamerweise zum größten Drohnenproduzent der Ukraine und zum Empfänger Nummer 1 von Aufträgen des ukrainischen Verteidigungsministeriums, das Michail Fjodorow nun leitete.
Natürlich erwähnte die Spiegel-Titelstory diese Details nicht.
Fjodorow kann sich gut präsentieren, er wurde als Verteidigungsminister immer beliebter, weil er dem von Korruption zerfressenen Ministerium in der Öffentlichkeit ein modernes Image gab. Das wirkte in der Ukraine, wo die verzweifelten Menschen nach jedem Strohhalm greifen.
Außerdem war Fjodorow auch im Westen sehr beliebt und bei den westlichen Politikern bestens vernetzt. Pistorius war voll des Lobes für Fjodorow und machte beispielsweise bei einem Ukraine-Besuch ein gemeinsames Interview mit ihm.