Von Thomas Röper – 20. Juli 2026
Westliche Medien melden, die Russen würden ihre Bankkonten plündern, weil sie befürchten, der Staat könne ihre Gelder einziehen, um den Krieg weiter zu finanzieren. Was ist dran an diesen Meldungen?

Als ich sah, dass westliche Medien berichten, in Russland würden die Menschen regelrecht die Banken stürmen, um ihre Konten zu plündern, weil sie befürchten würden, der Staat könnte die Gelder zur Finanzierung des Krieges einziehen, musste ich wegen dieser erneuten plumpen Propaganda laut lachen. Der Spiegel titelte beispielsweise „Angst vor Beschlagnahmung – Russen heben offenbar Milliarden von ihren Konten ab“.
Diese Meldungen waren nicht wahr, sie waren wieder einmal das Ergebnis der Tatsache, dass die heutigen westlichen “Experten” schlicht keine Ahnung von Russland haben. Das beginnt schon bei der schlichten Tatsache, dass der russische Staat trotz aller Behauptungen westlicher Medien, Russland stehe vor dem Bankrott und seine Wirtschaft werde bald zusammenbrechen, finanziell recht gut dasteht. Russland braucht keine Zwangsmaßnahmen, um den Krieg zu finanzieren. Die russische Staatsverschuldung liegt bei etwa 20 Prozent des BIP, während sie in Deutschland bei über 60 und bei den USA sogar bei 120 Prozent liegt. Hinzu kommt, dass Russland seinen Haushalt aus laufenden Steuereinnahmen und Reserven finanziert, während die Staaten des Westens bekanntlich Jahr für Jahr zwei- oder sogar dreistellige Milliardenbeträge an Schulden aufnehmen müssen.
Aber damit niemand behauptet, ich würde hier „russische Propaganda“ verbreiten, werde ich hier ausführlich aus einem Spiegel-Artikel zitieren, der – was selten genug ist – recht gut erklärt, was in Russland tatsächlich vor sich geht. In dem Artikel fragt der Autor, ob die Meldungen der westlichen Medien tatsächlich stimmen, und er beantwortet die Frage kurz und knapp:
„Die kurze Antwort lautet: Nein. Weder räumen die Russen panisch ihre Konten leer, noch geraten die Banken in Schieflage. Auch Russlands Fähigkeit, den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren, ist kurz- bis mittelfristig wohl nicht gefährdet.“
Damit ist eigentlich alles gesagt, aber der Spiegel-Redakteur erklärt auch recht gut, woher die Meldungen kommen:
„Ausgangspunkt der Meldungen über den vermeintlichen Kontensturm sind laut »Washington Post« neue Daten der russischen Zentralbank. Die Zeitung schreibt, dass allein in den ersten zwei Augustwochen umgerechnet rund 3,4 Milliarden Dollar von russischen Banken abgezogen worden seien. Im Juli seien es ebenfalls 7,3 Milliarden Dollar gewesen, nach einem Minus von 4,5 Milliarden im Juni. Diese Summen klingen zunächst einmal imposant. Allerdings liegt die Gesamtsumme der Bankeinlagen russischer Privatkunden bei umgerechnet mehr als 800 Milliarden Dollar. Und obwohl die Nettoabhebungen der Bürger seit Monaten hoch liegen, war die Summe der Bankeinlagen auch im Juni noch gewachsen. Anders gesagt: Die Russen heben zwar deutlich mehr Geld von ihren Konten ab als etwa noch im Jahr 2025. Von einer Plünderung der Ersparnisse kann aber keine Rede sein.“