„Wall Street Journal“ kündigt Ära der „Mega-Entlassungen“ an

Von Tom Hall – 20. April 2026

„Ist die Ära der Massenentlassungen angebrochen?“ Diese Schlagzeile des Wall Street Journal bringt in Wirklichkeit die gezielte Politik der Kapitalistenklasse zum Ausdruck.

„Anstatt Mitarbeiter in schrittweisen – und weniger disruptiven – Wellen zu entlassen, nutzen Arbeitgeber die potenziellen finanziellen Vorteile, die sich aus der sofortigen Entlassung großer Teile der Belegschaft ergeben“, schreibt die einflussreiche Zeitung. „Das ist eine Abkehr von den Gepflogenheiten in einer nur kurz zurückliegenden Zeit, in der Massenentlassungen als Zeichen für Probleme oder Missmanagement galten und anzeigten, dass ein Unternehmen drastische Maßnahmen ergreifen sollte, um sein Ergebnis zu verbessern. Heute ist es wahrscheinlicher, dass ein solches Unternehmen einen großen Kurssprung verzeichnet und von Investoren für sein mutiges Handeln gelobt wird.“

Das Journal verweist auf umgehende Aktienkursgewinne nach den jüngsten Massenentlassungen bei den Tech-Firmen Block und Snap. Nachdem Block Pläne zur Entlassung von 40 Prozent seiner Belegschaft angekündigt hatte, „kamen Führungskräfte anderer Unternehmen aus ihren Löchern“, so ein Manager, um nach dem „Handbuch“ zu fragen, „wie sie solche umfassenden Kürzungen in ihren eigenen Unternehmen nachmachen könnten“.

Block stellt Entlassungen, die in erster Linie durch KI vorangetrieben werden, als „unvermeidlich“ dar – besser gleich als später. In Wirklichkeit sind sie nicht unvermeidlich, sondern Mittel zum Zweck. Laut einem vom Journal befragten Analysten hat dies „vor allem auch Rückendeckung geboten, um die Personaloptimierung durchzuführen, die wahrscheinlich längst überfällig war.“

Dass der unmittelbare Anstieg der Aktienkurse eines der Hauptmotive für Massenentlassungen darstellt, zeugt von der extremen Kurzsichtigkeit der Unternehmensstrategie. Doch die Reaktion der Wall Street spiegelt eine grundlegendere Entscheidung des Finanzkapitals wider: Ganze Bereiche mit weniger produktivem Kapital sollen beseitigt werden, mitsamt mit den dort beschäftigten Arbeitern.

Und so kommt es zu immer mehr Massenentlassungen. Laut dem großen Beratungs- und Vermittlungsunternehmen Challenger, Gray & Christmas gab es im letzten Jahr 1,2 Millionen Entlassungen, die höchste Zahl seit dem ersten Jahr der Corona-Pandemie. Allein in diesem Monat wurden Entlassungen bei Snap (1.000 Stellen), Disney (1.000), Morgan Stanley (2.500) und Citigroup (1.000) angekündigt. Bei Amazon und Oracle ist jeweils der Abbau von 30.000 Stellen im Gange.

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