Ukrainische Geheimgefängnisse: die Verzweiflung der Valentina Molodaja

Von Gert-Ewen-Ungar – 5. November 2026

Es war eine Inszenierung, die der Welt vorgeführt wurde. Eine Rettungssanitäterin befreit Männer aus einem Geheimgefängnis in der Nähe der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Die Rettungssanitäterin ist Fake, die Geheimgefängnisse sind es nicht. Was die Inszenierung öffentlich machte, sind systematische extralegale Inhaftierungen in Verbindung mit Gewalt und Folter durch ukrainische Mobilisierungskräfte. Die Brutalität des Systems Selenskyj gegen die eigene Bevölkerung nimmt zu, denn die Ukraine verliert den Krieg.

Es waren bedrückende Bilder, die am 3. November um die Welt gingen. Sie zeigten die nächtliche Befreiung von Männern aus einem Geheimgefängnis in Petropawliwska Borschtschahiwka, einem Dorf in der Nähe von Kiew. Unter ihnen war ein 14 Jahre alter Junge. Sie zeigten eine wütende Menge, die gegen die Praxis der Zwangsmobilisierung protestierte und dabei in rasender Wut einen Bus in Brand steckte. Zudem zeigten sie eine Rettungssanitäterin, die kniend um Zugang zu Verletzten fleht.

Die Rettungssanitäterin heißt Valentina Molodaja. Sie wurde inzwischen inhaftiert und ihr Name zudem auf der berüchtigten Liste der Feinde der Ukraine, Mirotworetz, gesetzt. Es war insgesamt eine Inszenierung, die man zu sehen bekommen hat – eine Inszenierung aus Verzweiflung.

Die Rekonstruktion der Ereignisse lässt sich zu folgender Geschichte zusammenfügen: Valentina Molodaja wurde die Existenz eines Geheimgefängnisses bekannt – vermutlich, weil ihr Mann dort interniert wurde. Sie sucht den Ort mehrfach auf, denn sie sucht nach Möglichkeiten, nach innen zu gelangen. Die zündende Idee ist ein gefakter Rettungseinsatz.

Sie zieht einen Jungen hinzu, der über den Zaun klettert, vom Inneren des Geländes einen Notruf absetzt und Valentina als Rettungskraft ruft. Im Anschluss entstehen die bekannten Bilder von der Befreiung von Männern, die in einem Geheimgefängnis eingesperrt waren, um an die Front verbracht zu werden. So ungefähr dürfte der Ablauf gewesen sein.

Ja, das Ganze war eine Inszenierung. Aber Valentina Molodaja gelang mit dieser Inszenierung, etwas Wichtiges ans Licht der Öffentlichkeit zu zerren: Es gibt in der Ukraine Geheimgefängnisse und extralegale Inhaftierungen. Die Nationalgarde, zu der auch das Regiment Asow gehört und die dem Innenministerium untersteht, unterhält diese Geheimgefängnisse und bringt dort Zwangsmobilisierte und gefasste Deserteure unter. Eine gesetzliche Grundlage für die Inhaftierungen gibt es keine, ein rechtsstaatliches Verfahren gibt es ebenfalls nicht. Gewaltanwendung ist dabei wohl an der Tagesordnung.

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