Von Joseph Kishore – 29. April 2026
Es gibt immer wieder neue Informationen zu dem Vorfall bei der Veranstaltung der White House Correspondents’ Association am Samstagabend. Nach allem was bisher bekannt geworden ist, handelte der Schütze Cole Tomas Allen aus politischer Opposition gegen die Trump-Regierung.
Laut einer Erklärung, die er vor dem Vorfall verbreitete, war der 31-jährige Allen entsetzt darüber, in die Verbrechen der Trump-Regierung verwickelt zu sein. Er wollte hochrangige Mitglieder der Trump-Regierung ins Visier nehmen, auch wenn sein Versuch tatsächlich keinen Regierungsvertreter in direkte Gefahr brachte. Allen wurde am Montag wegen drei Straftaten angeklagt, darunter versuchter Mord am Präsidenten, worauf eine lebenslange Haftstrafe steht.
Marxisten lehnen solche Attentate aus prinzipiellen und politischen Gründen ab. Einzelne Gewalttaten bringen den Kampf gegen die Reaktion nicht voran. Sie ersetzen die bewusste politische Mobilisierung der arbeitenden Massen durch die Tat einer isolierten Einzelperson. Unabhängig von den Verbrechen der beabsichtigten Zielfigur – und die von Trump sind gewaltig – ist das übergeordnete Problem die politische Konsequenz solcher Gewalt. Was auch immer das Motiv des Angreifers sein mag, im Ergebnis liefert sie der Regierung einen Vorwand, die Repression auszuweiten und die Opposition zu kriminalisieren.
Es ist jedoch notwendig, auf die erschütternde Heuchelei und Feigheit hinzuweisen, welche die Reaktion der Medien und des politischen Establishments auszeichnet. Mit ihrer charakteristischen Dummheit behandeln die Medien das Ereignis so, als stünde es in keinem Zusammenhang zur allgegenwärtigen und systematischen Gewalt, die das amerikanische Leben durchdringt – gefördert vom Staat und der herrschenden Klasse, angeführt von einem Präsidenten, der sich in blutrünstiger Rhetorik suhlt und sich wie ein Mafiaboss verhält.
Die Reaktion politischer Persönlichkeiten in den USA und international folgt dem gleichen Drehbuch. Eingehüllt in den scheinheiligen Refrain, dass „in der Politik kein Platz für Gewalt ist“, geben Politiker moralische Plattitüden von sich. Gleichzeitig verteidigen oder leiten sie Regierungen, deren Politik organisierte Gewalt ist.
Bestimmte Reaktionen sind besonders widerwärtig. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte: „Es gibt keinen Platz für Gewalt, weder gegen politische Führer noch gegen irgendjemanden.“ Aus dem Mund des Staatsoberhaupts eines Landes, das in Gaza einen Völkermordkrieg führt, ist diese Aussage eine Obszönität. Nach vorsichtigen Schätzungen wurden bei diesem Völkermord mehr als 75.000 Palästinenser getötet. Dutzende „politische Führer“ der Hisbollah wurden im Libanon durch israelische Bomben, Raketen und Sprengsätze ermordet, im Iran sogar noch mehr.