Kritik an Sacharowa: Tusk ist keineswegs antideutsch!

Von Andrew Korybko – 26. August 2026

Zwar ist Maria Sacharowa keine politische Entscheidungsträgerin, dennoch vertritt sie das russische Außenministerium, und es wäre sehr besorgniserregend, wenn man dort eine derart unzutreffende Sicht auf Tusk und die Feinheiten der polnischen Außenpolitik hätte.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, reagierte auf die Verteidigung der Verantwortlichen für die Sprengung der Nord Stream-Pipeline durch den liberalen polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk mit der Spekulation, er „könnte während seiner Amtszeit als Präsident des Europäischen Rates einen Groll gegen die ehemalige Bundeskanzlerin gehegt haben“, womit sie auf Angela Merkel anspielte. Sacharowa fügte hinzu, dass Tusks Worte „den tief verwurzelten, historisch bedingten polnisch-deutschen Antagonismus und die Rivalität offenbarten“.

Ihrer Ansicht nach geschieht dies „im Streben nach den überheblichen Ambitionen Berlins und Warschaus (mit Rückendeckung des Weißen Hauses) innerhalb der Bündnisse, denen beide Hauptstädte angehören – der Europäischen Union und der NATO“. Bei allem Respekt gegenüber Sacharowa könnte sie in Bezug auf Tusk nicht falscher liegen, da er keineswegs antideutsch eingestellt ist. Tatsächlich steht er Deutschland (einschließlich Merkel) so nahe und hat sich im Laufe seiner Karriere so oft an dessen Politik orientiert, dass der „graue Kardinal“ der konservativen polnischen Opposition, Jaroslaw Kaczynski, ihn einmal sogar als „deutschen Agenten“ bezeichnete.

Seit seiner Rückkehr an die Macht hat Tusk versucht, Polen wieder Deutschland unterzuordnen – was er nach wie vor anstrebt, bei dem Blick auf die nächsten Sejm-Wahlen im Herbst 2027 jedoch etwas zurückgesteckt hat. Was seine Verteidigung der Verantwortlichen für den Nord-Stream-Bombenanschlag angeht, so sollte dies seine politische Russophobie signalisieren und nicht Deutschland beleidigen. Leser können hier in dieser Antwort auf die „Verwunderung“ des Kreml-Sprechers Dmitri Peskow über seine Äußerungen mehr über seine Motive erfahren. Auch „der jüngste polnisch-deutsche Verteidigungspakt räumt den Interessen Berlins unbestreitbar Vorrang vor denen Warschaus ein

Tusks Außenpolitik ist demnach unbestreitbar pro-deutsch. Wie steht es aber um die ebenso reale Rivalität zwischen Polen und Deutschland innerhalb der EU und der NATO? Diese ist nicht Tusk zuzuschreiben, sondern seinen Rivalen, dem konservativen Präsidenten Karol Nawrocki und seinem politisch gleichgesinnten Vorgänger Andrzej Duda. Seit Tusks Rückkehr ins Amt des Ministerpräsidenten verfolgt Polen eine duale Außenpolitik, da die polnische Außenpolitik im Zusammenspiel zwischen dem Präsidenten, dem Ministerpräsidenten und dem Außenminister formuliert wird.

Das Endergebnis ist, dass Polens Unterordnung unter Deutschland unvollständig bleibt. Nawrocki hat seitdem auf die nicht-militärische Bedrohung durch Deutschland hingewiesen und ehrgeizige EU-Reformen vorgeschlagen. Anfang dieses Sommers „erkannte Polen endlich die geostrategische Herausforderung durch die Ukraine“: nämlich als eines von Berlin unterstützten Stellvertreters im deutsch-polnischen Wettstreit um die regionale Führungsrolle (insbesondere im Baltikum). Polen ist nun dabei, das Intermarium* wiederzubeleben, als Teil seiner Rivalität mit Deutschland um die Führungsrolle bei der NATO 3.0.

*„Intermarium“ ist ein geopolitisches Konzept, das der polnische Staatschef Józef Piłsudski nach dem Ersten Weltkrieg vorgeschlagen hat. Es zielt darauf ab, die Länder zwischen der Ostsee, dem Schwarzen Meer und der Adria zu einer Föderation zu vereinen. Dieser Plan sollte ein Gegengewicht zu den Einflüssen Russlands und Deutschlands in Mittel- und Osteuropa schaffen.

Um noch einmal auf Sacharowas Antwort an Tusk zurückzukommen: Es war vorhersehbar, dass sie ihn dafür verurteilen würde, dass er diejenigen verteidigte, die die Unterwasserpipelines ihres Landes bei einem der dreistesten Terroranschläge Europas aller Zeiten gesprengt hatten, aber es war nicht abzusehen, dass sie in Bezug auf seine Person so sehr danebenliegen würde. Zwar ist sie keine politische Entscheidungsträgerin, dennoch vertritt sie das russische Außenministerium, und es wäre sehr besorgniserregend, wenn dort eine derart unzutreffende Sicht auf Tusk und die Nuancen der polnischen Außenpolitik herrschen würden.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

https://korybko.substack.com/p/korybko-to-zakharova-tusk-isnt-anti

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