Krieg, Blockade und Diplomatie am Abgrund: der Stand im Angriffskrieg gegen den Iran

Von Jochen Mitschka – 26. Mai 2026

Der Angriffskrieg Israels und der USA begann im Februar. Seitdem blockiert die US-Marine die wichtigste Schiffahrtsroute für den Transport von Öl, Gas und Grundstoffen für die Industrie, während der Iran selektiv die Schiffe aus Staaten, die sich neutral verhalten hatten, gegen eine „Umweltgebühr“ durch die eigenen Hoheitsgewässer geleiten, befreundete Länder auch ohne Gebühr passieren lassen, und nur Schiffe von Länder die sich aktiv an dem Angriffskrieg beteiligt hatten, blockiert.

Um die aktuellen Ereignisse zu verstehen, muss man also zurückblicken. Ende Februar 2026 führten die USA und Israel gemeinsam massive Luftangriffe auf den Iran durch – unter dem israelischen Codenamen Roaring Lion und dem US-amerikanischen Operation Epic Fury. Die Operation richtete sich gegen Politiker, Militärkommandeure und strategische Einrichtungen, zu denen anscheinend auch eine Mädchenschule gehörte. Dazu gehörte die Ermordung des Staatschefs Ali Chamenei. Dutzende von politischen Führungspersönlichkeiten wurden, oft mit der Familie und manchmal mit der ganzen Nachbarschaft, ausgelöscht. Das angebliche Kriegsziel: den Iran davon abzuhalten, Atombomben zu entwickeln. Während Israel seit über 35 Jahren behauptet, der Iran sei nur Wochen von „der Bombe“ entfernt, hatte die religiöse Führung des Landes ein Verbot ausgesprochen, das nach Erkenntnis der westlichen Geheimdienste auch befolgt worden war

Die Straße von Hormus: Achillesferse der Angreifer

Der Iran reagierte auf den Angriffskrieg mit einem Schritt, der die Weltwirtschaft erschütterte: Teheran brachte die Schifffahrt in der Straße von Hormus mit Angriffen und Drohungen praktisch zum Erliegen. Die Iraner sollen angeblich die Meerenge auch vermint haben. Die Passage ist entscheidend für den Export von Dünger, Öl und Flüssiggas aus den Staaten des Persischen Golfs. Infolge der Blockade stiegen die Weltmarktpreise rasant an, kurz darauf wurde das „Mautsystem“ eingeführt, das inzwischen in einem Gesetz des Parlaments zementiert ist.

Die Straße von Hormus ist in diesem Krieg zum militärischen und wirtschaftlichen Schlüsselschauplatz geworden. Das US-Militär verstärkte seine Blockade iranischer Häfen – vor allem, um den Iran am Export von Öl zu hindern. Die US-Regierung fordert in den Verhandlungen mit dem Iran eine bedingungslose Öffnung der Meerenge für die Schifffahrt. Der Iran hingegen beansprucht die Kontrolle über die Passage für sich und will für die Durchfahrt künftig Gebühren erheben, behauptet, bereits mit dem anderen Land, dem Oman, kurz vor der Verabschiedung eines Vertrages zu sein, indem sich die beiden Staaten, deren Hoheitsgebiete die Meerenge definieren, auf die zukünftige Mautregel einigen.

Die Eskalation im Mai

Anfang Mai attackierte der Iran US-Militärschiffe in der Meerenge mit Raketen und Schnellbooten, die USA griffen auch Ziele auf dem iranischen Festland an. Das US-Zentralkommando (CENTCOM) bestätigte die Gefechte knapp: „US-Streitkräfte wehrten unprovozierte iranische Angriffe ab und reagierten mit Schlägen zur Selbstverteidigung.“ Das iranische Militär bestätigte Angriffe auf US-Kriegsschiffe und machte dafür US-Attacken auf einen iranischen Öltanker verantwortlich.

Die Entwicklung eskalierte in dieser Woche weiter: Trotz Waffenruhe und laufender Verhandlungen zur Beilegung des Kriegs hat das US-Militär Ziele im Iran angegriffen. Im Süden des Landes wurden Raketenstellungen getroffen, und im Bereich der Straße von Hormus wurden Boote attackiert, die angeblich Minen in der Meerenge verlegen sollten. Iranische Medien meldeten dabei mehrere Tote nahe der Insel Larak. Die Revolutionsgarden reagierten umgehend und behielten sich das Recht auf Vergeltung für jegliche Verletzungen der Waffenruhe durch die USA vor.

Die Auswirkungen dieser Eskalation sind unmittelbar spürbar: US-Militärschläge gegen Iran haben die Hoffnung auf ein Abkommen zur Öffnung der Straße von Hormus gedämpft. Der Preis für ein Barrel der globalen Referenzsorte Brent stieg um zwei Prozent auf 98,44 US-Dollar.

Bild: Screenshot eines Videos der Wochenzeitung „Die Zeit“

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