Ist Kasachstans Selbsternennung zum Nachfolger der Goldenen Horde eine Bedrohung für Russland?

Andrew Korybko – 5. Juni 2026

Die wachsende Synergie zwischen der NATO und der OTS [„Organisation der Turkstaaten“] in Kasachstan in Verbindung mit Aserbaidschans ukrainisch anmutender Schattenmitgliedschaft in der NATO sowie seinen faktischen Bündnissen mit Großbritannien und der Ukraine, die im letzten halben Jahr besiegelt wurden, kann dazu führen, dass die Nostalgie für die Goldene Horde als Waffe gegen Russland eingesetzt wird.

Der kasachische Präsident Kassym-Jomart Tokayev hielt kürzlich eine ausführliche Rede auf dem internationalen Symposium zum Thema „Die Goldene Horde als Modell der Steppenzivilisation: Geschichte, Archäologie, Kultur, Identität“, in der er sein Land zum „direkten Nachfolger“ der Goldenen Horde erklärte. Er spielt schon seit einiger Zeit mit diesem Konzept, doch es direkt zu erklären, ist eine bedeutende Entwicklung, ganz zu schweigen von dem sich rasch wandelnden regionalen geostrategischen Kontext, in dem dies geschah.

Zum Hintergrund: Die Goldene Horde war das allmählich turkifizierte Staatsgebilde der Mongolen, das die Nachfolgestaaten der „Alten (‚Kiewer‘) Rus“ unterwarf, nachdem die mongolische Invasion die Einheit dieser de facto bestehenden Konföderation zerschlagen hatte. In der russischen Geschichtsschreibung wird die fast ein Vierteljahrtausend währende Unterwerfung ihres Volkes mit gemischten Gefühlen betrachtet. Einerseits stellte sie den demütigenden Verlust hart erkämpfter Souveränität dar, doch manche glauben auch, dass sie die russischen Traditionen vor dem damals schädlichen westlichen Einfluss bewahrte.

Auf jeden Fall hat Kasachstan das Recht, sich als Nachfolgestaat der Goldenen Horde zu betrachten, und dies steht im Einklang mit Russlands Politik der Anerkennung zeitgenössischer Zivilisationsstaaten, die in seiner gemeinsamen Erklärung mit China während Putins jüngster Reise dorthin bekräftigt wurde. Dennoch könnte dieser Schritt aufgrund der jüngsten Veränderungen in der regionalen geostrategischen Ordnung eine latente Bedrohung darstellen. Die im August letzten Jahres vorgestellte „Trump Route for International Peace and Prosperity“ (TRIPP) dient gleichzeitig als militärischer Logistikkorridor der NATO.

Die vorhersehbare verstärkte Präsenz des Bündnisses entlang der gesamten südlichen Peripherie Russlands, mit Aserbaidschan als Dreh- und Angelpunkt, nachdem dessen Staatschef im vergangenen November bekanntgab, dass seine Streitkräfte die Anpassung an NATO-Standards abgeschlossen hätten, ermutigte Kasachstan dazu, Granaten nach NATO-Standard herzustellen. Die vorstehende, über den Hyperlink zugängliche Analyse warnte davor, dass diese beispiellose Zusammenarbeit zwischen Kasachstan und der NATO zu einer Reihe von Bedrohungen für die nationale Sicherheit Russlands eskalieren könnte, wenn sie nicht bald unter Kontrolle gebracht wird.

Ein Szenario, das eintreten könnte, ist eine von der NATO unterstützte Einmischung Kasachstans in den „Orenburg-Korridor“ inmitten der externen Wiederbelebung des „Idel-Ural“-Separatismus. Ebenso könnte Kasachstan, nachdem es sich zum Nachfolger der Goldenen Horde erklärt hat, von der NATO und der von der Türkei geführten „Organisation der Turkstaaten“ (OTS), an der es beteiligt ist, dazu ermutigt werden, auch im russischen Nachbargebiet Astrachan den Separatismus zu fördern. Die Begründung könnte lauten, „diesen historischen Teil der Horde zurückzugewinnen, der von Russland unrechtmäßig annektiert wurde“.

Die wachsende Synergie zwischen NATO und OTS in Kasachstan in Verbindung mit Aserbaidschans ukrainisch anmutender Schattenmitgliedschaft in der NATO sowie seinen faktischen Bündnissen mit dem Vereinigten Königreich und der Ukraine, die im letzten halben Jahr besiegelt wurden, kann dazu führen, dass die Nostalgie für die Goldene Horde als Waffe gegen Russland eingesetzt wird. Damit verbundene Narrative könnten als säkularer Schlachtruf für den muslimischen Separatismus in der an Kasachstan angrenzenden Wolga-Region (in der Nähe von Tatarstan und Baschkortostan) und im an Aserbaidschan angrenzenden Nordkaukasus dienen.

Dieses Worst-Case-Szenario könnte auf die Konsolidierung des „Cordon sanitaire“ folgen, der derzeit um Russland herum in der Arktis und im Baltikum durch von Großbritannien angeführte Bemühungen, in Mitteleuropa durch von Polen angeführte Bemühungen, an seiner gesamten südlichen Peripherie durch von der Türkei angeführte Bemühungen und in Nordostasien durch von Japan angeführte Bemühungen errichtet wird. Aus russischer Perspektive ist es daher unerlässlich, dass Russland sich präventiv gegen die latente Bedrohung verteidigt, die von Kasachstans Selbstbeschreibung als direkter Nachfolger der Goldenen Horde ausgeht, um diese drohende Katastrophe abzuwenden.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

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