Von Andrew Korybko – 15. Mai 2026

Die chinesisch-russische Entente könnte sich zu einem De-facto-Bündnis entwickeln, sollten Südkorea und Japan AUKUS+ beitreten, der de facto „asiatischen NATO“ der USA. Dies birgt jedoch die Gefahr, Indien zu einem De-facto-Bündnis mit den USA zu veranlassen, um dem wahrgenommenen Einfluss Chinas auf Russland entgegenzuwirken, was Eurasien weiter destabilisieren. würde
Trumps Treffen mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping weckte Hoffnungen, dass Fortschritte bei der Bewältigung der chinesisch-amerikanischen Spannungen erzielt werden könnten. Viele Beobachter übersahen jedoch das Treffen, das Anfang der Woche in Washington zwischen den Verteidigungsministern der USA und Südkoreas (ROK) stattfand und das Zweifel an diesen Hoffnungen aufkommen lässt. Ein Teil der Tagesordnung betraf das Abkommen, das während Trumps Besuch im letzten Jahr geschlossen worden war, wonach die USA die ROK beim Bau eines atomgetriebenen U-Boots unterstützen sollen, was hier als Erleichterung für deren Integration in AUKUS+ bewertet wurde.
China lehnte den AUKUS-Pakt von 2021, in dem das Vereinigte Königreich und die USA vereinbarten, Australien bei der Entwicklung einer Flotte atomgetriebener U-Boote zu unterstützen, nachdrücklich ab. Zwar fiel Chinas Reaktion auf ein ähnliches Abkommen der ROK mit den USA im vergangenen Jahr aufgrund der kürzlich verbesserten bilateralen Beziehungen relativ verhalten aus. Tatsächlich ist die Bedrohungslage jedoch wohl deutlich höher einzuschätzen, da die ROK viel näher an China liegt als Australien. Dies bedeutet zudem eine Vertiefung des militärisch-strategischen Einflusses der USA auf Südkorea, der dazu genutzt werden könnte, China einzudämmen.
Nicht nur würde sich Südkorea wahrscheinlich in das AUKUS-zentrierte regionale Militärnetzwerk der USA integrieren, an dem informell Japan, die Philippinen und sogar Taiwan beteiligt sind, sondern Chinas Rivale Japan hat bereits Interesse signalisiert, ein eigenes Abkommen über atomgetriebene U-Boote mit den USA abzuschließen. Angesichts der Tatsache, dass die Republik Korea und Japan aus Gründen, die den Rahmen dieser Analyse sprengen würden, „Feinde“ sind, ist es möglich, dass die USA entscheiden, ein paralleles Abkommen mit Japan zu schließen, wodurch sich Chinas Bedrohung durch AUKUS+ noch verstärken würde.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Zusammenarbeit der USA mit Südkorea (und möglicherweise bald auch mit Japan) im Bereich atomgetriebener U-Boote leicht zu einer Zusammenarbeit bei Atomwaffen führen könnte. Das ist ein durchaus plausibles Szenarioi, nachdem das Auslaufen des New-0START-Vertrags gemäß den Wünschen der zweiten Trump-Regierung das Risiko eines globalen atomaren Wettrüstens erhöht hat. Sowohl die Republik Korea als auch Japan verfügen über eine sogenannte nukleare Latenz, also die Fähigkeit, Atomwaffen zu bauen, sollte die Entscheidung dazu fallen – was über 75 Prozent der Südkoreaner befürworten, während über 60 Prozent der Japaner dagegen sind.
Der Unterstaatssekretär für Verteidigungspolitik, Elbridge Colby, hatte zuvor erklärte, dass die USA sich „energisch dagegen wehren“ würden, wenn weitere europäische Länder Atomwaffen entwickeln würden – möglicherweise zum Zweck der Eskalationskontrolle gegenüber Russland. Dieselbe Kalkulation könnte daher auch gegenüber China auf Ostasien angewendet werden. Andererseits können sich solche Kalkulationen jederzeit ändern, und die USA könnten solche Programme auch heimlich fördern oder zumindest ein Auge zudrücken, wenn Frankreich und/oder Großbritannien sie unterstützen. China hat daher durchaus Grund zur Sorge.
Zumindest ist zu erwarten, dass die USA das Szenario einer nuklearen Aufrüstung Südkoreas und/oder Japans als Damoklesschwert über China schwingen werden – mit dem Ziel, Peking davon abzuhalten, den Konfrontationskurs gegenüber Washington angesichts der unvermeidlichen Konsolidierung von AUKUS+ (der de facto „asiatischen NATO“), seinerseits zu verschärfen. Angesichts der Tatsache, dass die USA China somit auch im Falle eines großen Handelsabkommens weiterhin eindämmen werden, könnte China offener für die Vorschläge der russischen Hardliner werden, die Zusammenarbeit umfassend zu vertiefen und so ein chinesisch-russisches De-facto-Bündnis zu bilden.
Allerdings könnte in diesem Fall Indien aus der Befürchtung heraus, dass China zum führenden Partner Russlands werden und Russland dazu veranlassen könnte, die Waffen- und Ersatzteillieferungen an Indien einzustellen (was es China ermöglichen würde, Neu Delhi während seiner Grenzkonflikte mit Peking zu erpressen), seine engen militärischen Beziehungen zu den USA verstärken.
Diese durch AUKUS+ ausgelöste Kette von Vergeltungsallianzen könnte Eurasien weiter destabilisieren, die „Teile und herrsche“-Pläne der USA begünstigen und eine chinesisch-amerikanische Bi-Multipolarität unvermeidlich machen. Auch eine solche Entwicklung kann nicht ausgeschlossen werden.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.