Von Moshe Zuckermann – 24. Oktober 2026

Was bedeutet es, wenn man im israelischen Politdiskurs von „schicksalhaften Wahlen“ redet?
US-Präsident Donald Trump hat bekundet, Benjamin Netanjahu bei den bevorstehenden Wahlen in Israel zu unterstützen. Zwei Tage zuvor erklärte er noch, sich bei den Wahlen nicht einmischen und niemanden unterstützen zu wollen. Oft genug will es scheinen, als halte sich Trump für göttlich; auf jeden Fall lässt sich feststellen, dass seine Wege, ähnlich wie die des allmächtigen Schöpfers von Himmel und Erde unergründlich seien.
Er selbst hat gestanden, dass er von israelischen Personen gedrängt worden sei, seine Unterstützung Netanjahus zu veröffentlichen, er sich aber geweigert habe, dies zu tun. Warum er sich nun, eine Woche vor den Wahlen, eines anderen besonnen hat, bleibt sein Geheimnis. Es hieß bei nicht wenigen Kommentatoren, Trump verarge Netanjahu, ihn zweimal in den Krieg mit Iran mit haltlosen Versprechungen über den Verlauf des Waffengangs hineingeritten zu haben; aber es kam dann nicht zum Sturz des Mullah-Regimes, das Potenzial der Produktion von atomaren Waffen ist mitnichten eliminiert, und auch die Herstellungskapazität von Langstreckenraketen ist wieder aufgebaut worden. Zudem hat der amerikanisch-israelische Angriff auf Iran eine globale Energiekrise ausgelöst, die die Lebenhaltungskosten in den USA sehr hat ansteigen lassen. Nicht sehr hilfreich für Trump bei den bevorstehenden Midterms – alles eher Gründe für den US-Präsidenten, sich vom israelischen Premier zu distanzieren, zumal Netanjahu bei den meisten US-Bürgern merklich an Ansehen verloren hat, ja regelrecht verhasst ist. Es gibt keine andere Erklärung für Trumps erratisches Verhalten, als die, dass er die kandidierenden Rivalen Netanjahus kaum kennt, nicht zuletzt, weil sie ihn nicht interessieren, wie ihn offenbar Israel bzw. Israels Schicksal nicht sonderlich interessiert. Der Nahe Osten ist ihm mittlerweile insgesamt eine Last, die ihm zwar gute Geschäfte in den Golfstaaten, aber ansonsten vor allem narzisstische Kräkungen einbringt.
Zweifelhaft ist gleichwohl, ob Trumps deklarierte Unterstützung für Netanjahu sich ernstlich auf das Wahlvolk in Israel auswirken wird. Dem war nicht immer so – es gab Zeiten, da wurde jeder Besuch des israelischen Premiers im Weißen Haus, jede erzwungene Rede vor dem amerikanischen Kongress, auch jeder Auftritt vor der UN-Generalversammlung in New York von israelischen Medien und seinen servilen Parteigängern frenetisch bejubelt. Er bewege sich in einer „ganz anderen Liga“, hieß es in seiner Wahlpropaganda, habe guten Kontakt sowohl zu Trump als auch zu Putin, vertrete mithin Israels Interessen meisterlich auf der Weltbühne. Lang, lang ist’s her – der frühere Glanz ist längst verblichen; der kranke, auch gealterte Netanjahu ist nicht mehr der große Politmagier, der als begnadeter Kampagner fähig war, fintenreich jede Wahl für sich zu entscheiden.
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