Hacker „schenken“ Europa Daten von 70.381 marokkanischen Geheimdienstlern

Von Ralf Streck – 31. August 2026

„Jabaroot“ hat die Drohung umgesetzt und Daten zu Geheimagenten veröffentlicht, die in ganz Europa für Marokko spionieren sollen. Auch bei der „Ceuta-Invasion“ sollen marokkanische Geheimdienstler federführend gewesen sein. Bei Jabaroot könnte es sich um einen marokkanischen Snowden handeln, der aus Deutschland operieren könnte. Gedroht wird nun, auch Einsatzbefehle für den Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta vor einem Monat zu leaken.

Es ist wohl die größte Geheimdienstkrise in der jüngeren Geschichte Marokkos, welche die „Hackergruppe“ über die Veröffentlichung von 70.381 Mitarbeitern der Geheimdienste des autoritären Königreichs ausgelöst hat. Jabaroot, was übersetzt etwa Allmacht oder Macht bedeutet, hat über einen Telegram-Kanal entsprechende Listen veröffentlicht, der nun aber nicht mehr zugänglich ist. Auch andere Speicherorte sind nicht mehr zugänglich. Bei Google Drive erscheint die Nachricht: „Sie können auf diesen Inhalt nicht zugreifen, da er gegen unsere Nutzungsbedingungen verstößt.“

Eine der geleakten Listen von Geheimdienstmitarbeitern.

Die Daten sind aber nun in der Welt. Jabaroot schrieb, man finde hier „die Namen, Geburtsdaten und Identifikationsnummern von 70.000 Agenten der marokkanischen Geheim- und Sicherheitsdienste, die in ganz Europa bei den schmutzigsten Geheimdienstaufgaben im Einsatz waren, wie Spionage, das Anbringen von Abhörgeräten und die Bestechung von Politikern und Unternehmern“. Damit wird zum Beispiel auf Marokkogate angespielt.

Marokko setzte alle Hebel in Bewegung, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Doch die Daten befinden sich längst auf vielen Computern und werden analysiert. Dass Jabaroot diverse erfolgreiche Hacker-Angriffe auf marokkanische Institutionen durchgeführt hat, ist klar. Das wurde zum Beispiel auch vom Fraunhofer-Institut für Kommunikation im vergangenen Jahr dokumentiert. Es war gelungen, Zugang zu vielen sensiblen Informationen strategisch wichtiger marokkanischer Behörden zu erlangen. Dass sensible Daten von zehntausenden Mitarbeitern verschiedener Geheimdienste geleakt werden konnten, zeigt den Umfang der Angriffe an. Veröffentlicht wurden neben den Namen in den Listen auch deren Registrierungsnummern im öffentlichen Dienst, die Ausweisnummern, die Bankverbindung für die Bezahlung oder sogar das Rekrutierungsdatum.

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