Gewinnt die Ukraine den Krieg? In den USA sieht man das anders

Von Stefano di Lorenzo – 24. Mai 2026

Ein neuer Bericht des US-Kongresses lässt Zweifel an den jüngsten westlichen Darstellungen aufkommen, wonach die Ukraine den Krieg gegen Russland gewinnen wird.

Seit Wochen ist die Berichterstattung westlicher Medien über den Krieg in der Ukraine wieder von bekannten Schlagzeilen geprägt: Die Ukraine schlägt tief im Inneren Russlands zu, russische Infrastruktur wird beschädigt, Russland wirkt verwundbar. Die Darstellung ähnelt früheren Momenten des Kriegoptimismus – nach dem Untergang des Kreuzers „Moskwa“, während der Cherson-Offensive von 2022, vor der gescheiterten Gegenoffensive von 2023 oder während der ukrainischen Vorstöße in die Region Kursk im Jahr 2024. Heute löst jeder erfolgreiche ukrainische Drohnenangriff auf russischem Gebiet eine neue Welle von Kommentaren aus, die darauf hindeuten, dass Russland endlich die Oberhand im Krieg verliert.

Die Bilder der ukrainischen Angriffe sind in der Tat dramatisch und beeindruckend. Ukrainische Langstrecken-Drohnen haben Raffinerien, Logistikzentren, Militärflugplätze, Radaranlagen und industrielle Ziele getroffen, die Hunderte — manchmal mehr als tausend — Kilometer von der Frontlinie entfernt liegen. Russlands riesiges Territorium, von dem einst angenommen wurde, es biete strategische Tiefe, erscheint zunehmend verwundbar gegenüber relativ kostengünstigen unbemannten Systemen, die im industriellen Maßstab hergestellt werden. Sogar russische strategische Luftwaffenstützpunkte wurden ins Visier genommen. Westliche Politiker und Kommentatoren haben diese Entwicklungen als Beweis dafür interpretiert, dass sich das militärische Gleichgewicht entscheidend zugunsten der Ukraine verschiebt. Der finnische Präsident Alexander Stubb argumentierte kürzlich sogar, dass „die Ukraine in einer besseren Position ist als zuvor“.

Doch hinter den triumphalen Schlagzeilen und ehrgeizigen Verlautbarungen ergibt eine ernsthafte Betrachtung der militärischen Realitäten des Krieges ein weitaus komplexeres Bild, als es der emotionale Rhythmus des Nachrichtenzyklus und politische Parolen zulassen.

Der jüngste vierteljährliche Bericht zur „Operation Atlantic Resolve“, der kürzlich dem US-Kongress vorgelegt wurde – und den Zeitraum Januar 2026 bis März 2026 abdeckt –, zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen öffentlichen Erklärungen und der internen Einschätzung der Entwicklungen auf dem Schlachtfeld. „Operation Atlantic Resolve“ (OAR) ist, wie die Einleitung des Berichts erklärt, „die Operation des US-Kriegsministeriums (DoW), um das Engagement der USA für die kollektive Verteidigung der Nordatlantikpakt-Organisation (NATO) zu demonstrieren und eine russische Aggression gegen die NATO abzuschrecken und – falls nötig – zu besiegen“. Es ist eine bemerkenswerte Formulierung, wenn man bedenkt, dass die Ukraine technisch gesehen kein Mitglied der NATO ist.

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