Von Karin Leukefeld – 28. April 2026

Karin Leukefeld ist trotz aller dortigen Gefahren wieder nach Beirut gereist und beobachtet jetzt dort mit eigenen Augen und im direkten Gespräch mit Einheimischen und Geflüchteten, was da vor sich geht. Was klar ist: Israel versucht nicht zum ersten Mal, Teile des Libanon für die Einheimischen unbewohnbar zu machen und sich diese Regionen für immer anzueignen. Dutzende von Hilfsorganisationen sind im Einsatz, aber eine friedliche Lösung ist nicht in Sicht. Und die Welt schaut zu und lässt Israel seine grandiosen Expansionspläne mit Waffengewalt weiterführen. (cm)
Vorab: Journalisten im Visier
Am 22. April wurden zwei Journalistinnen von israelischen Drohnen regelrecht gejagt, als sie in Tiri, einem Ort im Bezirk von Bint Jbeil einen Angriff der israelischen Luftwaffe dokumentieren wollten. Ihre zwei Begleiter vom Zivilschutz wurden im vorausfahrenden Fahrzeug getötet. Die Journalistinnen versuchten sich in Sicherheit zu bringen. Das israelische Militär ließ weder das Rote Kreuz noch die libanesische Armee zu dem Ort des Geschehens, um die beiden Journalistinnen zu evakuieren. Etwa eine Stunde später wurde das Fahrzeug der Journalistinnen von einer israelischen Drohne zerstört. Sie brachten sich in einem Haus in Sicherheit, das kurz darauf von der israelischen Luftwaffe bombardiert wurde. Mehr als eine Stunde später erst wurde das Rote Kreuz und die libanesische Armee zugelassen. Sie konnten die Fotografin Zeinab Faraj schwer verletzt evakuieren. Israelische Soldaten feuerten dabei auf die Rettungssanitäter und warfen Blendgranaten auf das Fahrzeug. Die zweite Journalistin, Amal Khalil, eine bekannte Mitarbeiterin der libanesischen Tageszeitung Al Akhbar, konnte erst spät in der Nacht nur noch tot geborgen werden.

Auf der Flucht im eigenen Land – So versucht Israel, den südlichen Libanon zu besetzen
Die von US-Präsident Donald Trump angeordnete „Waffenruhe“ im Libanon wurde für drei weitere Wochen verlängert. Doch der Alltag im Land bleibt unsicher. Das Büro für die Koordination humanitärer Hilfe der Vereinten Nationen OCHA, schreibt in seinem Bericht vom 23. April, dass in den 642 Sammelnotunterkünften im Land 3 Prozent mehr Inlandsvertriebene registriert wurden: 121,225 Personen. Das ist allerdings nur ein Bruchteil der mehr als 1,2 Millionen Menschen, die aus dem südlichen Libanon seit dem 2. März von israelischen Angriffen und Evakuierungsanordnungen vertrieben wurden. Die Vertriebenen bewegen sich hin und her auf der Suche nach einem sicheren Ort. Viele kommen in der Hauptstadt Beirut unter, wo sie – wie fast überall im Land – auch nicht sicher sind. Die Sicherheitslage bleibt höchst instabil, so OCHA. Risiken für die Bevölkerung sind wegen anhaltender israelischer Artillerie- und Luftangriffe hoch, Notunterkünfte sind überfüllt und der Zugang zu lebenswichtiger Versorgung sei mangelhaft. Die allgemeinen Lebenshaltungskosten haben sich um bis zu 6% verteuert.
Die humanitäre Situation im Libanon bleibt kritisch, die humanitären Bedürfnisse der Bevölkerung sind immens. Mehr als eine Million Menschen sind weiter vertrieben und ihre Rückkehr in ihre Dörfer und Häuser ist trotz der „Waffenruhe“ nicht sicher und oft gar nicht möglich. Bombardierungen gibt es weiterhin täglich, Hauszerstörungen und Luftangriffe. Zivilisten werden vom israelischen Militär zudem daran gehindert, in ihre Dörfer und Häuser jenseits einer so genannten „gelben Linie“ zurückzukehren. (Hervorhebung durch die Globalbridge-Redaktion.)
Diese „gelbe Linie“ hat Israel verkündet und bezieht sich dabei ausdrücklich auf das eigene Vorgehen im Gaza-Streifen. Die dort mit Feuergewalt durchgesetzte „gelbe Linie“ umfasst nach israelischen Angaben 58 Prozent des gesamten palästinensischen Gaza-Streifens und wird von israelischen Truppen aus „Sicherheitsgründen“ besetzt gehalten.