Von Andrew Korybko – 16. Mai 2026

Das Szenario einer von den USA unterstützten nigerianischen Anti-Terror-Intervention in Mali wird immer wahrscheinlicher.
US-Präsident Trump gab am Wochenende bekannt, dass die USA und Nigeria eine gemeinsame Operation gegen die zweitwichtigste Persönlichkeit des IS durchgeführt hätten. Diese fand, wie sein nigerianischer Amtskollege Bola Ahmed Tinubu bekanntgab, im nordöstlichen Tschadsee-Becken statt. Dort hatte der IS-Verbündete Boko Haram kürzlich über 20 tschadische Soldaten getötet. Dies ist die zweite Militäroperation der USA in Nigeria, nachdem Trump an Weihnachten vorigen Jahres die Bombardierung des IS im Nordwesten Nigerias genehmigt hatte. Dies demonstriert die fortgesetzte Anti-Terror-Zusammenarbeit Washingtons mit diesem neuen BRIS-Partner.
Die Bedeutung dieses Kooperation sollte nicht heruntergespielt werden, da sie auch eine Botschaft an die Sahel-Allianz sendet, deren faktischer Führer Mali in seinen eigenen Kampf gegen den Terrorismus verwickelt ist, nachdem radikale Islamisten und Tuareg-Separatisten die Regierung Anfang dieses Monats aus dem Nordosten vertrieben haben. Obwohl Mali mit den Nachbarländern Burkina Faso und Niger verbündet ist – wobei letzteres an Nordnigeria grenzt, wo die USA in weniger als sechs Monaten zweimal Terroristen angegriffen haben –, hat keines der beiden Länder Mali zu Hilfe gekommen.
Das liegt daran, dass beide Statten in ihre eigenen Anti-Terror-Kämpfe gegen dieselben radikalen Islamisten verwickelt sind – im Falle von Burkina Faso gegen „Jamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin“ (JNIM) und im Falle von Niger gegen den IS. Diese Gruppen besetzen zudem den größten Teil ihrer Grenze zu Mali, was gemeinsame Militäroperationen selbst dann behindert, wenn sie genehmigt würden. Kürzlich deutete Nigeria an, dass es in Mali intervenieren könnte, und französische Medien enthüllten, dass ihr Land dort bereits involviert ist. Hier sind drei Hintergrundberichte:
* 26. Dezember 2025: „Warum hat Trump an Weihnachten den IS in Nigeria bombardiert?“
* 3. Mai 2026: „Die jüngste Krise in Mali droht zu einem regionalen Krieg zu eskalieren“
* 11. Mai 2026: „Französische Medien bestätigten, dass Paris die Ukraine in Mali unterstützt“
Um ihre Relevanz für die gemeinsame Anti-Terror-Operation der USA und Nigerias zu verdeutlichen, beleuchten sie, wie eng die Sicherheitszusammenarbeit in weniger als einem halben Jahr geworden ist, und untermauern damit die Andeutung des nigerianischen Verteidigungsministers von Anfang dieses Monats, dass das Land in Mali intervenieren könnte. In diesem Szenario würden die USA wahrscheinlich ebenfalls eine öffentliche Rolle spielen, wenn auch nur beschränkt auf den Austausch von Geheimdienstinformationen und die Durchführung von Drohnenangriffen von ihren bekannten Stützpunkten im benachbarten Ghana oder im nahegelegenen Côte d’Ivoire aus.
Nigeria hingegen könnte Mali nur über Niger, über Burkina Faso via Côte d’Ivoire oder über Ghana erreichen, doch es ist nicht zu erwarten, dass die ersten beiden Länder den Transit genehmigen, es sei denn, Niger – das als schwächstes Glied der Sahel-Allianz gilt – bricht mit seinen Verbündeten. Was die ghanaische Route angeht, ist JNIM in dem Teil Malis auf der anderen Seite der Grenze nicht so aktiv, sodass Nigeria entweder die Erlaubnis für den Transit in den Nordosten erhalten müsste oder möglicherweise abwarten würde, bis Bamako ernsthaft von einer Eroberung bedroht ist, um einseitig einzugreifen.
Wie auch immer sich das Szenario einer nigerianischen Intervention in Mali entwickeln mag, angesichts der gemeinsamen Operation der USA mit Nigeria wird sie immer wahrscheinlicher, unabhängig davon, ob die Sahel-Allianz sie genehmigt oder nicht, was darauf hindeutet, dass hinter den Kulissen möglicherweise bereits Gespräche mit ihr im Gange sind. Der Westen will die Einheit dieses Blocks aufbrechen, damit sich dessen Länder wieder Frankreich unterordnen, und wenn dies unter dem Druck des Terrorismus nicht auf diplomatischem Wege erreicht werden kann, könnten bald militärische Mittel zum Einsatz kommen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.